Grosse Windgälle.

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Über Stäfelpass — Nordwand und Nordostgrat.

Eine gliedererschlaffende, heissglühende Luft brütete über dem Reusstale, als Gassler und ich Samstag, den 8. August, den Weg über Vogelholz und Brüderhaus zum Landiberg hinanschritten. « Wenn dr Fehn gwehre mag, hend ihr mohrä guets Wätter », meinte der alte Vater auf dem Bergheimet Landiberg, « aber hir wend d'Lift nit », fügte er mit etwas sorglicher Miene hinzu. Der Alte hatte die Wolkenburg wohl bemerkt, die von Westen her über die Schlossberg- und Spannortkette in den blauen Himmel über uns einzubrechen drohte. Indessen vertrauten wir auf die Kraft des ältesten Urners — so heisst der Föhn nämlich in Uri —, hofften, wie immer, auf gut Glück, und in der Tat sollte uns ein hellglänzender Bergtag beschieden sein. Der eilenden Stunden nicht achtend, setzten wir uns zu einer erquickenden Rast nieder. Einen Augenblick verstummte ich, denn die Erinnerung sprach leise zu mir. Vor vielen Jahren sass ich an der nämlichen Stelle und trank vom gleichen Brunnen das frische, quellklare Bergwasser. Ein roh gezimmerter Holztrog fing das nicht überreich fliessende Wasser auf. Der ausgehöhlte, moosbewachsene Baumstamm ist verschwunden und an seiner Stelle prunkt ein aus Zement gegossener Behälter. Am frühen Nachmittag schon tummelten wir uns damals auf diesen sonnigen Halden und mähten zum Zeitvertreib magere Mahden duftenden Grases. Abends kam dann der Dritte im Verein, E. Hammer aus Erstfeld, ein lieber, wanderfroher Bergkamerad, den sie vor wenigen Wochen in die kühle Erde gelegt haben. Auch der Hirt vom Landiberg, auf dessen einstmals so wettergehärteten Gesichtszügen nunmehr die milde Ruhe des Alters liegt, hat in dieser Spanne von Jahren stark gealtert und klagt über eine ständige Schwere und Müdigkeit in den Beinen. Das«Obsi-Gehen », meinte er, falle ihm immer beschwerlicher. Da dachte ich an gar vielerlei und wie da alles kommt und wieder geht, wie ein tiefes Schweigen über allem Dagewesenen ruht und bald niemand mehr etwas weiss von Menschen und Dingen, die den Ort einmal so eigen, so vertraut und liebwert machten.

Zu uns gesellte sich der Sohn des Landibergers, ein stämmiger, schön gewachsener, junger Mann und lud uns ins Haus. Ein kräftiger, mahnender Ruf aber zwang uns zum Abschied. Es war Mettler, der, auf einem andern Wege vom Kirchbachtale herkommend, uns in den untern Wasserplanggen erwartete. Über deren steile Rasenhänge stiegen wir nun nach froher Begrüssung gemeinsam bei stechender Augustsonne durch das « Krumkähli » zur Riedersegg empor, um hernach gemächlich den Seewlialphütten zuzustreben. Wir wussten, dass dort verlockende, nidelbewehrte Milch in breiten Mutten auf uns wartete.

Nicht lange währt die Rast, denn unser Plan geht dahin — auch wenn wir auf Seewli im weichen Bergheu übernachten —-, auf alle Fälle noch heute Abend die schwierige Schlüsselstelle des Stäfelpasses mit dem Seil gangbar zu machen. So wenden wir uns ruhig stetigen Ganges dem Südufer des Seewlisees zu und schreiten sinnend über das weiche Rasengrün. Gassler deutet zum Westgrat empor. Ich sehe die schlanken Türme, die scharfen Scharten und den ungefähren Verlauf des schmalen Bandes, das allein den unvermeidlichen Quergang in der Nordwand ermöglicht, den letzten, äusserst schwierigen Aufstieg vom Band zum Grat, und mir ist 's, als träume ich und der Gang auf diesem luftigen Steindache sei nie Wirklichkeit gewesen. Von der hohen und jähen Warte aus fand ich den Bergsee damals zu klein. Wenn ich ihn heute von der -sanft ansteigenden, grünen Berglehne, die Nordwand im Rücken, überschaue, kommt er mir in seiner versonnenen Ruhe gar lieblich vor. Geräuschlos, in regelmässigen Schlägen spielen die kleinen Wellen mit dem flachen Ufer. Tief steht die Sonne im Westen, und wie ein Wanderer, müde von der langen Reise und des sich nähernden Zieles gewiss ruhig dahinschreitend, so kündet der rosigmilde Glanz ihr langsames, allmähliches Verglühen. Von ihrem Scheine geht ein helles Glitzern über den Alpsee. Die Strahlen wiegen sich im sanften Wellen-spiele, und die leichte Last steigt, wie von leisem Atem bewegt, auf und nieder.

20 So kommt ein leuchtender Widerglanz in den Silberschein, denn die Wellen sind nur klein, und keine grellen Lichter, noch dunkle Schatten verfärben das zarte, über den Bergsee hingehauchte Licht. Es ist Melkzeit. Mit frohem Jauchzen treiben die Hirten das Vieh hüttenwärts. Und wie die Tiere um das westliche Ende des Seewlisees umbiegen, spiegeln sich ihre Körper in selten scharfen Umrissen im klaren Bergwasser. Fast meint man, sie durchschritten das seichte Ufer. Einzig ein junges Rind hat sich verspätet und steht mit glotzenden Augen ruhig am Wegrand. Verwundert hält es mit dem Weiden inne und achtet nicht mehr des saftigen Grases und der gelben Blume, die aus einem der beiden Maulwinkel herabhängt und von der weichen Zange der Lippen mit sanftem Drucke gehalten wird. Ob dreier Wanderer vergisst das staunende Rind die Blume zu verschlingen, und wir können uns des Lachens nicht erwehren. Aber haben wir denn heute nicht auch mancherlei vergessen und im Tale zurückgelassen, da uns eine kahle Felsenmauer, ein luftiger Berggrat mächtiger anzog? So sind wir denn, wie mir scheint, mit gar mancherlei verbunden, mit Dingen, die uns niedrig vorkommen, die wir gering zu achten und über die zu spotten wir vielleicht allzu schnell bereit sind.

Grosse Felsblöcke füllen hinter dem See das Tälchen aus. Drei flinke Gemsen queren die Mulde gegen das Schwarzstöckli. In dessen Südwand halten sie Auslug. Wir staunen über die wunderbare Behendigkeit und unfehlbare Sicherheit dieser Tiere im Springen! Ich vergleiche sie mit meinen drei Stallgeissen zu Hause, die Angst bekunden, wenn sie die Stufen einer Treppe hinabspringen sollen, und Mettler meint, das nächste Mal ziehe er Gemsenf üsse an! Eine weiche Abendstimmung geht vom schwindenden Licht aus, das allein die Wucht dieser ungeheuren Felsen zu dämpfen imstande ist, während der dunkle Schatten alles drohender gestaltet. Wir stehen auf dem obern Brunnelifurkeli. Gerne verweilen wir einen Augenblick daselbst, denn der Blick in die Nordwand der Gwasmet-, Pucher-und Ruchengruppe ist überaus fesselnd. Stäfel- und Höhlenstock erscheinen in ihren Schattenbildern am nördlichen Fusse des Rüchen und Puchers, und irgendein Schattenwurf, wahrscheinlich von der Windgälle her, zeichnet scharf die Gwasmet-Nord-wandroute ab. Rasch indessen wächst das Dunkel und löscht das mattweisse Licht der Kalkfelsen nach und nach völlig aus.

Der Entschluss, die schwierige Zugangsstelle zum Stäfelpass heute abend noch zu überwinden, steht fest. Verlockend sogar erscheint uns ein nächtliches Biwak in den Bändern über der beinahe senkrechten untersten Wandstufe. Rasch ist mit den Kletterschuhen die etwa 25 m hohe, markante Kanzel erklettert. Zögernd stehen wir vor dem Weiterweg. Mettler hat über den Spalt hinweg, der die Kanzel von der Wand trennt, das schmale Mieschersche Band ein Stück weit betreten und klebt wortlos am Felsen. Ich errate alles und prüfe, von Gassler gesichert, den direkten Anstieg. Ein Überhang weist mich zurück, und auch mehr rechts gebietet der Fels mir Halt. Somit muss die links liegende, äusserst schwierige und exponierte Kante gewonnen werden. In prachtvoll kühner und sicherer Arbeit, wie immer, steigt Mettler auf seinem Bande voran. Ein zündendes Rot glutet auf der Kante, ein letzter Gruss der scheidenden Sonne, als wolle sie uns freundschaftlich den schwie- rigen Weg erhellen. Mit äusserster Spannung verfolgen wir die Bewegungen des von uns gesicherten Freundes. Hell jauchzend, kündet er nach einer Weile sichern Standort an. Biwakstelle... herrlicher Abend... Rucksäcke... das sind die langgezogenen Worte, die gegenüber am Schwarzstöckli verhallen. Der Sinn der Worte ist uns sofort klar, und eilends suchen Gassler und ich die Rucksäcke und Pickel im Furkeli auf, verfolgt von sausenden Steinen aus der Lage des Seiles. Mühsam schleppen wir das schwere Gewicht auf die Kanzel. Mettler hat inzwischen eine zuverlässige Sicherung geschaffen, und die drei zusammengeknüpften Seile zu je 30 m erweisen sich nunmehr als glänzende Helfer. Eile tut not, denn unheimlich rasch wallt das dunkle Schattenmeer aus der Tiefe herauf. Mit Mettler, der oben auf den stark nach rückwärts gelegenen Felsen steht, können wir uns nur schlecht verständigen. Endlich gelingt dies einigermassen. Ich ziehe fest am Seil, das wegen seiner grossen Länge stark nachgibt, und vertraue mich ihm mit froher Zuversicht an. Eine eigenartige Technik bringt mich rasch im Schwebe-schwung nach oben. Lachend empfängt mich Mettler mit den Worten: « Lueg, der chaibe Toni isch scho da! » Besondere Arbeit und Kraft erfordert das Aufziehen der schweren Rucksäcke und der Pickel nach bewährtem Verfahren. Hurtig und unhörbar kommt Gassler die rauhe Klippe in völliger Dunkelheit hinaufgeklettert, und ehe wir uns versehen, erscheint sein Kopf geisterhaft über dem felsigen Sims. Noch keuchend erzählt er, wie ein kleiner Vogel, ein Mauerkletterer, ihm pfeilschnell den Weg gekreuzt habe.

Punkt 10 Uhr richten wir den Biwakplatz her. Ein abschüssiges, schmales Schuttband mit Schneeresten unter einer senkrechten Felswand soll als dürftige Lagerstätte dienen. Sorgfältig wird der kostbare Schnee, der uns am Morgen das Wasser liefern soll, zur Seite geschafft. Um die wenigen, auffindbaren Steinplatten herzuschleppen, muss einer angeseilt werden. Die mit einem Messer in einer Felsenritze befestigte Laterne spendet helles Licht. Drei leere Rucksäcke und drei Hanfseile dienen als letztes Polster. Dann entledigen wir uns der Kleider, ziehen trockene, warme Wäsche an, was auf dem schmalen Standorte kein allzu leichtes Beginnen ist.

Unsere Rücken lehnen an die Stäfelpass-Nordwand, und sitzend schauen wir von unserem Felsenneste in die wallende, dunkle Nacht. Der Schattenriss des Schwarzstöckli ist kaum erkennbar. Eine Felskante in geringer Entfernung unterhalb unseres Lagerplatzes leuchtet in seltsamem Lichte hell auf, verstärkt durch das schwarze Dunkel unseres Winkels, wo wir kauernd sitzen. Bald ergiesst sich das milde Licht des Mondes auch über das Schwarzstöckli, und sobald die vorspringenden Kanten Schatten werfen, zeichnen sich in der Linie von Hell und Dunkel die sonderbarsten Menschen- und Tiergestalten ab. So « sehe ich unter anderem deutlich einen kühnen Kletterer in drohend überhängender Spalte und hoffe, am Nordostgrat keine derartige böse Stelle anzutreffen. Allmählich rückt der Schatten der Windgälle durch das Seewli-tälchen gegen das Schwarzstöckli vor, dieses nach und nach wieder verdunkelnd. Zahlreiche Sternschnuppen reissen glühende Bahnen in den funkelnden Nachthimmel. Einige scheinen in unregelmässigen, ruckweisen Fallzeiten ihre Weltenwanderung fortzusetzen. Indessen ist dies wohl eine durch die verschiedenartige Dichtigkeit der Luftmassen bedingte Sinnestäuschung. Dies gilt auch von dem Licht in der Sittlisalp, das sich zu bewegen scheint und doch stillesteht. Nur das Siebengestirn beharrt in Ruhe und ist unser getreuer Wächter bis zum Morgen. Mit welch glühender Sehnsucht mögen die alten Meerfahrer auf wildempörter See nach dem « Wagen » gespäht haben, der ihnen die Himmelsrichtung wies. Von den rechtseitigen, weitausladenden Halden des Schächentales zündet ein einsames Licht die ganze Nacht hindurch zu uns hinauf. So ist es Sitte in Uri und ein frommer, alter und schöner Brauch zum Gedenken der Toten. Stirbt jemand aus einem Hause, dann lassen sie vier Wochen lang ein ÖUicht brennen und beten Abend für Abend für den Verstorbenen den Psalter. Die Nachbarsleute, wenn sie mit den Leidtragenden auch nicht verwandt sind, kommen zu diesem Abendsitz und beten mit. Wie unruhig dagegen erscheint das stechende Laternenlicht eines Kraftwagens, der von der Klausenpasshöhe her gegen Urigen zu die Strasse entlang irrt. Hell blitzt das unstete Licht auf, wenn es bei einer Strassenbiegung sich uns zuwendet, um dann wieder matter zu flimmern oder gänzlich zu verschwinden. Da wird mir der Sinn des nächtlichen Schauspiels offenbar. Über diesem schreienden Licht bleibt die stille Flamme dennoch Siegerin. Denn alles, was da irrt und jagt, mag es noch so stark und schön und blendend scheinen, mündet in das unergründlich tiefe Schweigen. Eine friedlich versöhnende Stille umgibt auch uns. Wir fühlen uns als Teil dieses grundlos tiefen Weltalls, als ob wir mit in diese Sommersternennacht hinein verwoben wären. Aber ich weiss, wenn morgen die Sonne lacht, dann jauchzen wir in lebensfrohem Übermut dem jungen Tag entgegen. Kein Steinchen regt sich in der Nordwand. Unmöglich scheint es uns, die wir dicht umflossen sind von dieser nächtlichen Stille und von dem seligen Frieden, dass die Berge so viel unheilvolles und schweres Leid bringen können. Ab und zu trifft unser Ohr ein dumpfes Rauschen, ein kaum hörbares, unterirdisches Tosen, wie von einem fernentlegenen Wassersturz. Und jedesmal, wenn der Schall von Osten, wahrscheinlich von der Pucherschlucht her, zu uns getragen wird, fächelt ein kühler Wind unsere Gesichter. Ich vermute mit Bangen, dass der Föhn ins Land fallen könne. Mettler indessen beschwichtigt und meint, der Sterne seien zu wenig am Himmel, auch seien sie zu wenig hell und ihr Glitzern nicht grell genug. Ich stimme dem Freunde zu, denn ich weiss, es sind Zeichen, die nicht trügen. Wir singen Lieder, frohe und ernste, in nur halblautem, zitternd leisem Tone, damit wir das grosse Schweigen und die Ruhe der Nacht nicht stören. Dann wieder überfällt den einen oder andern von uns ein leichter Schlummer. Nur langsam verrinnen die Stunden, und immer richten sich unsere Blicke nach Osten, wo die allmähliche, morgen-dämmrige Helle und das wechselnde Farbenweben am Horizont vom leisesten Grau bis zum leuchtenden Gelb den raschen Aufstieg der Sonne künden sollen. Ein zarter Talwind bewegt in säuselnden Wellen die reine Morgenluft, und ringsum erscheint das Gebirge in seltener Klarheit und Schärfe.

5 Uhr morgens treten wir den Vormarsch an. Ein schmaler, westlich gelegener, nach rechts hinaufziehender Felsspalt bringt uns rasch in den schutt- und geröllbedeckten, stark gegliederten untern Wandteil. In der GROSSE WINDGÄLLE.

Folge immer etwas nach rechts haltend, gewinnen wir in leichtem Anstieg ein grosses, steiles Schneefeld. Glitschiger, nasser Fels zwingt uns hier, die Nagelschuhe anzuziehen. Auf dem Schneefeld der Länge nach ansteigend, erreichen wir ohne Schwierigkeiten die senkrechte, von Schmelzwasser überrieselte Wandstufe, an deren Fuss entlang ein ausgeprägtes Band nach Westen zu einer kleinen Scharte führt. Auf diesem Wege erreicht man den gleichfalls stark gegliederten, obersten Teil der Wand und steigt etwa in der Fallirne des untersten, markanten Felsturmes des Nordostgrates weiter gegen diesen an. Die Höhe des Stäfelpasses selbst gewinnen wir ohne besondere Schwierigkeiten, indem wir uns unmittelbar an den westlichen Fuss des Turmes halten. Ein paar Schritte nach links, und wir überschauen jauchzend das von dem strahlenden Licht der Morgensonne überflutete, hintere Maderanertal.

Der Weiterweg über den Nordostgrat ist nun so ziemlich klar vorgezeichnet. Der erste, grosse Abbruch kann nicht direkt angegangen werden. Die einzig mögliche Umgehung erfolgt in der Nordflanke. Ein undeutliches, am Fusse des untersten Gratturmes beginnendes, schmales Band verläuft nach Westen zu einer breiten Schneerinne. Diese querend, bleibt man in der Nordflanke und begeht das äusserst heikle, unangenehme Band, das wegen der losen Steine und Blöcke grosse Vorsicht erheischt, ziemlich weit nach Westen bis zu einer kleinen Kanzel, von der aus eine undeutliche Rippe in der Fallinie des zweiten Gratabbruches hinaufzieht. Dieser selbst setzt auf einer langen, flachen Schulter auf. Das Gestein ist von nun an weniger brüchig und etwas plattig, so dass die Kletterschuhe wieder in Funktion treten müssen.

Von der Kanzel aus geniessen wir noch ein Weilchen die weite Fernsicht nach Norden, dann aber treiben uns die frostige Kälte und das düstere Dunkel der Nordwand zum hell belichteten Grate empor. Im rechten Winkel abbiegend, halten wir direkt gegen die Schulter, die wir aber nicht über das sehr schwierige, im Urnerführer erwähnte, gelblichrote Wändchen, sondern westlich, rechts haltend, durch eine undeutliche, unmittelbar vomzweiten Abbruch entspringende Rinne gewinnen. Diese Variante scheint uns weitaus die günstigste zu sein.

Nun folgt nach meiner Ansicht der interessanteste Teil des Grates. Ein nicht allzu schwieriger Riss führt von der Schulter aus auf der Nordseite zu einer tiefen Scharte hinauf. In die oben klaffende Öffnung der die Scharte bildenden Felsenpfeiler ist ein mächtiger Block keilförmig eingeklemmt und bildet so eine natürliche Brücke. Um auf diese zu gelangen, muss vom Boden der Scharte aus der östliche, glatte Pfeiler am Block vorbei durchklettert werden. Wäre die Stelle stark exponiert, man würde sie äusserst schwierig nennen. Weiter oben an der Berührungsstelle von Block und Pfeiler erleichtern einige gute Griffe das Vorwärtskommen. Den Block als Brücke benützend, gewinnt man über einen niedrigen, aber sehr schwierigen Absatz den westlichen Felsenpfeiler und folgt hernach dem Grat weiter, mehrere kleinere, aber recht heikle Absätze überwindend, bis zu einer hochgelegenen, plateauartigen Kuppe, von der aus die scharfe Gratkante steil in einen tiefen Sattelführt.

Auf dieser Gratkuppe hielt uns die warme Sonne über Gebühr lange fest. Mit freudiger Wonne richteten wir unsere felsenmüden Augen auf die saftiggrünen Alptriften nördlich und südlich des Walles, auf dem wir standen. Auf den kahlen, schutt- und blockübersäten, wild zerwühlten Steilwänden, über die unser Fuss heute gegangen, entdeckten wir ein allereinziges Blümchen, eine Steinbrechart, das in scheuer Einsamkeit aus einer versteckten Steinritze dem lebenspendenden Lichte entgegenjubelte. Andächtig ergriffen standen wir vor diesem schlichten Pflänzchen, das im Kampfe gegen Schnee und Kälte Siegerin geblieben war. An diese in der öden und toten Steinwand verlorene Blüte blieben unsere Blicke lange gefesselt, und wir glaubten, ihre stille Blumensprache zu verstehen. Der zähe, todesmutige Kampf der lebenden Natur mit der schweren, totenstarren Masse, in dem das organische Leben, tausendmal vernichtet, doch immer wieder aus Schutt und Trümmern als jubelnde Bezwingerin emporblüht, wurde uns auf dieser kahlen, doch lichtumfluteten Felsenklippe in nie gefühlter Weise offenbar. Um 1 Uhr nachmittags standen wir auf dem Ostgipfel, wo West- und Nordostgrat sich zum höchsten Firste vereinigen.

Wiederum lag ein ereignisvoller Tag hinter uns. Tiefinnig erfreut waren wir von dem ungewöhnlichen Geschenk, denn die Zufriedenheit, die wir bei der glücklichen Erreichung eines vorgesteckten Zieles empfinden, überdauert das Gefühl der dabei ausgestandenen Mühen, Sorgen und Gefahren.

Die erste Überschreitung des Stäfelpasses bewerkstelligten G. Miescher und C. Egger vom A.A.C.Z. am 30. Juli 1913. Am 13. September 1919 wurde der Nordostgrat zum erstenmal begangen von E. Hauser, M. Liniger und H. Neumayer vom A.A.C.Z.

Unsere Bergfahrt am 8./9. August 1925 bezweckte die Verbindung beider Wege.

Die Zeiten sind folgende:

8. August: Seewlialp ab 17 Uhr 30; oberes Brunnelifurkeli an 18 Uhr 40; Einstieg in die Felsen 19 Uhr; Biwakplatz ( zirka 2450 m ) 20 Uhr.

9. August: Biwakplatz ab 5 Uhr, Stäfelpass an 7 Uhr 30; Rast bis 8 Uhr; horizontales Gratstück des Nordostgrates an 10 Uhr 30; oberster Teil des Nordostgrates ( Steinmann ) an 12 Uhr 30; Ostgipfel an 13 Uhr; Windgällenhütte an 16 Uhr 15.

Eine Überschreitung der Grossen Windgälle dürfte, mit Aussicht auf Erfolg, lediglich in der Richtung Ost-West, vom Stäfelpass aus, durchzuführen sein.Antm KmpskL

Neue Bergfahrten.

Mont Blancgebiet.

Aiguille du Lac Blanc, 2921 m. ( Aiguilles Rouges de Chamonix ). Über den Nordwestgrat. Ch. Perrat mit Camille Simond und Alfred Ravanel. 4. September 1923. « La Montagne » 1925, S. 230.

Aiguille de l' Index, 2595 m. Über die Nordwestflanke. Fräulein Y. und E. Carmichael mit Armand Charlet. 4. September 1924. « La Montagne » 1925, S. 86.

Col Armand Charlct, 3998 m. Erste Ersteigung über die Südwestseite. Armand und Georges Charlet und Georges Simond. Am 22. September 1924. « La Montagne » 1925, S. 207.

Aiguille Mummery, 3700 m. Neuer Aufstieg über die Ostflanke. Etienne-Jérôme Lévy und Kuhlmann mit Arthur Ravanel und Marcel Rozon. 7. August 1924. « La Montagne » 1925, S. 227.

Les Périades, 3503 m. Erste Ersteigung über den Südgrat und erste Überschreitung. A. Migot und R. Richard. 6. September 1924. « La Montagne » 1925, S. 229.

Aiguille de la Remuaz, 2845 m. Über den Süd-Südwestgrat. Pierre Langlois mit Arthur Ravanel. 10. September 1924. « La Montagne » 1925, S. 295.

Aiguille de la Persévérance, 2899 m. Über die Nordflanke und den Nordgrat. Die Führer Georges und Armand Charlet. 7. Juni 1925. « LaMontagne » 1925, S. 297.

Arête des Rochassiers, P. 3640 und P. 3649 m. M. Rourquard, J.A. Morin und G. Steen. Am 8. August 1925. « La Montagne » 1925, S. 300.

Aiguille Verte, 4121 m. Erste Ersteigung über den Grands Montets-Grat. P. Dalloz, J. Lagarde und H. de Ségogne. 11. August 1925. « LaMontagne » 1925, S. 303.

Ausführliche Reschreibung durch Ségogne in der « Revue Alpine » 1925, S. 141—156.

Aiguille des Pèlerins ( Aiguilles de Chamonix ), 3318 m. Erste Ersteigung über die Nordwestflanke und den Südwestgrat. Armand Charlet. 29. Juli 1925. Erste Begehung über die West-Nordwestwand und Südflanke. Frl. Y. und E. Carmichael mit Armand und Georges Charlet. 10. September 1925. « La Montagne », S. 329.

Bec d' Oiseau, 3417 m. ( Felszahn zwischen Grépon und der Nordlücke des Col des Nantillons ). M. Morin, P. Dalloz, J. Lagarde, E. Jérôme Lévy und H. de Ségogne. 6. August 1925. « La Montagne », S. 331.

Mont Mallct, 3988 m. Überschreitung durch V. und R. Puiseux mit Gustav Alfred Couttet. 28. Juli 1925. ( Von Montenvers zur Crête des Périades, von da auf den Gipfel über den Nordgrat. Abstieg zum Glacier de Leschaux. ) « La Montagne », S. 332.

Groupe inférieur des Aiguilles du Diable, P. 4064 et 4074. Première Ascension. Jean Chaubert avec Armand Charlet, guide, et Antoine Ravanel, porteur, tous deux d' Argentières. 1er septembre 1925.

Du col du Géant, les alpinistes gagnèrent le plateau supérieur du glacier du Géant, dit « Cirque Maudit ». Ils passèrent la rimaie à la base du second grand couloir à l' ouest du Grand Capucin du Tacul. Par une marche oblique de droite à gauche ( en montant ), ils gagnèrent le col du Diable, 3951 m .; petits couloirs de neige et rochers faciles. Du col, ils contournèrent, en montant toujours, la base sud de la pointe 4064, jusqu' à une selle neigeuse à la base sud-ouest de la pointe 4074; neige et rochers faciles.

Les deux pointes furent gravies de la brèche les séparant. La pointe 4064 n' offrit pas de difficultés sérieuses. Montée et descente par l' arête nord-ouest. A la descente, rappel de corde d' une dizaine de mètres au bas de l' arête. Le rocher de la pointe 4074 est moins bon. Ascension par l' arête est. Un passage escarpé et lisse exigea une courte échelle. Le haut de l' arête est facile. Descente par le même chemin. Dans le bas, deux rappels de corde, le second d' une douzaine de mètres.

Corde de caravane, pour trois, de 30 mètres. Corde de rappel de 40 mètres. Crampons inutiles dans de bonnes conditions.

Du col du Géant à la rimaie, 1 h. 3/a. De la rimaie au col du Diable, 1 h. 25 min. Du col du Diable à la brèche, 25 min. Pointe 4064, 10 min. Pointe 4074, 20 min. Retour au Montenvers. Comm. par J. Chaubert.

L' Isolée, Aiguilles du Diable, point 4114. E.R. Blanchet avec Armand Charlet et Antoine Ravanel d' Argentières. 14 juillet 1925.

Du Mont Blanc du Tacul descendre sans aucune difficulté l' arête que suivirent les vainqueurs de la « Pointe Carmen » ( Aiguille du Diable, n° 2 ) en une heure, jusqu' à la brèche nord. Après une facile descente, face orientale, de 15 mètres, dans un couloir, traverser horizontalement le bas de la paroi de l' Isolée, en direction de la Carmen: 8 mètres. Puis escalade directe de fissures difficiles, jusqu'à un petit replat. ( Jusqu' ici se faire assurer de la brèche nord. ) Du replat continuer à s' élever dans des fissures toujours plus difficiles. Un petit surplomb oblige à un crochet à gauche. On attaque une nouvelle fissure haute de 2 mètres, que ferme un nouveau surplomb. Le contourner à gauche. A cet effet, enfoncer le piolet dans une rainure située 1 mètre plus à gauche. Se hisser d' abord de la main gauche, puis de la main droite: très difficile. Chevaucher ensuite une arête presque sans prises et très pénible ( on tourne le dos à la Pointe Carmen ). Vient enfin l' escalade d' une fissure de 2 mètres. Un bloc coincé la facilite. Jusqu' ici 30 mètres de grimpée, rocher gris-clair, aux cassures récentes.

De ce point au sommet de l' aiguille, en ligne plus ou moins droite, difficulté moyenne. Ces derniers 40 mètres sont d' excellent rocher, rugueux, de couleur fauve, abondamment strié de fissures.

Pour descendre, un « rappel » de 25 mètres de longueur évita les difficiles fissures de la zone de rocher clair. Ce rappel se fait très près de ces fissures, à gauche ( sens de la descente la face en avant ).

Cette ascension est la plus ardue de toutes les ascensions d' aiguilles du massif du Mont Blanc. Elle est même plus difficile que l' Aiguille Mummery. Ni au Dru, ni au Grépon on ne rencontre de fissures aussi épuisantes. Les surplombs s' abordent alors que l'on est déjà fatigué, et l'on parvient à l' arête ( qu' il faut chevaucher ) quand on est littéralement à bout de forces et de souffle. L' Isolée domine la brèche nord d' un à pic de 45 mètres. Entre la seconde brèche et le sommet, dénivellation de 60 mètres. Une petite crête dentelée, orientée de l' est à l' ouest, constitue le sommet.

Walliseralpen.

Perron I ou Aiguille du Vent ( près Barberine ). Première ascension par l' arête sud-ouest. Baronne de t'Serclaes, Jean Chaubert, E.R. Blanchet. 5 octobre 1925.

Du col entre les Perrons I et II, descendre quelque peu à l' ouest dans le Couloir Heubi. On a l' arête devant soi: elle borde plus bas le dit couloir. Traverser pour l' attaquer à un petit épaulement. ( L' arête au-dessous ne présente pas d' intérêt. ) De cet épaulement au sommet, 70 mètres de dénivellation, gravis en 35 minutes de grimpée plutôt lente. Très facile. Rocher rugueux aux prises bien disposées. Près de la fin, pour « corser », escalade d' une petite lame verticale, bien reconnaissable du col, au lichen jaune qui la couvre. Il eût été très facile de passer à côté. Quelques blocs conduisent au sommet. Dans le haut, l' arête est raide. Cette arête, à la portée du plus médiocre varappeur, est intéressante à cause de la vue saisissante qu' elle offre sur la grande paroi ouest du Perron I.

Corne sud du Chamois de Tenneverge ( entre Barberine et Sixt ), 2526 m. Première ascension. E.R. Blanchet avec Armand Charlet et Antoine Ravanel d' Argentières.

Remonter le couloir qui aboutit à la brèche entre les deux Cornes. Arrivés à la brèche, nous avons à notre gauche la face orientale de la Corne Sud. 40 mètres à pic nous séparent du sommet ( ou plutôt de l' un des trois sommets de la Corne Sud ). Voici les éléments de l' ascension:

1° Traversée de 25 mètres, de droite à gauche ( nord-sud ) dans la paroi: rocs gazonnés — vire — plaque très lisse, très inclinée.

II0 Montée légèrement oblique ( de gauche à droite ): petit surplomb — petite cheminée en surplomb — longue cheminée oblique — une dalle — un surplomb.

III0 L' arête faîtière. On la gagne tout à fait près et au nord d' un gendarme crochu très caractéristique. En quelques mètres, cette arête faîtière conduit très facilement au sommet n° 1, qui surplombe la brèche.

Du sommet n° 1 l' arête tourne à louest et compte encore 100 mètres; presque plane, large de 3 mètres, elle est couverte d' herbe ou de pierrier. Le sommet le plus élevé est au centre. Tout à l' extrémité, sur Sixt, se trouve un troisième sommet, où fut érigé un grand cairn. La descente eut lieu au moyen d' un « rappel de corde » de 35 mètres de long, par la face est. Ni au Dru, ni au Grépon, l'on ne trouve des « rappels » aussi longs. La voie de montée est si difficile qu' elle ne peut servir de voie de retour.

Le rocher est du malm de la plus mauvaise qualité, glissant et friable. De nombreuses tentatives eurent lieu, dont deux par le soussigné avec Félix Veillon ( des Plans ), avec Henri Imseng ( de Saas-Fee ), une par G. de Meyendorff ( mort à l' Aiguille Verte ) avec Arthur Revaz ( de Salvan ).

De la brèche au sommet: 2 heures. Espadrilles de rigueur pour le premier de la cordée. Il faut une corde d' au moins 70 mètres. La face Est est verticale, par places, même convexe. C' est, de beaucoup, l' ascension la plus dangereuse de toute ma carrière.Vgl. « LaMontagne » 1926, S. 129-140. Comm.parBlanchet. Punta Ester, 3300 m ( Moriongruppe ). Erste Ersteigung. Aless. Martinotti und Gustavo Gaja. 29. Juni 1924. « Riv. Mens. » 1925, S. 256. Moût du Clapier de Valpelline, 3458 m. Erste Überschreitung von West nach Ost. V. Bramarne, C. Bestetti und E. Fasana. 13./14. August 1923. « Riv.

Mens. » 1925, S. 59. Brunegghorn, 3846 m. Première ascension de la face de glace nord-est. E.R.

Blanchet avec Caspar Mooser de Taesch. 14. August 1925.

Couché à Boden ( sur St-Nicolas ) d' où départ à 3 h. 15. Gagné à 8 h. 35 la base de cette pente nord-est ( bien visible du chemin de fer entre Kalpetran et Stalden ). Au début, bonne neige, se muant peu à peu en glace de plus en plus dure. A 9 h., mis les crampons. A 9 h. 30, grande crevasse. D' ici, déclivité croissante. Dans le haut 50 coups de piolet par marche. Les derniers 15 mètres de la pente prirent 30 minutes. Pour raccourcir, nous gagnons l' arête ouest à 5 minutes du sommet.

Sommet à 13 h. 55. Malgré les crampons, la taille des degrés fut ininterrompue depuis 9 h. 30.Comm. par E.R. Blanchet. Bieshorn, 4161 m. Erste Ersteigung über die Nordostflanke und Pointe Burnaby ( Vorgipfel ). E.R. Blanchet mit Caspar Mooser von Täsch und Raphaël Lochmatter von Randa. 21. September 1924.

Eine genaue Beschreibung durch Blanchet folgt Seite 264. Dent d' Hérens, 4180 m. Erste Durchsteigung der geraden Nordwand. Eugen Allwein und Wilh. Weizenbach. 10. August 1925. « österr. Alpenzeitung » 1925, S. 215. Eine genaue Schilderung gibt Weizenbach im Januarheft 1926 der « Österr. Alpenzeitung ». Breithorn de Zermatt. E.R. Blanchet, Jean Chaubert avec Caspar Mooser.

17 août 1925.

Du Breithornpass suivre le glacier de Verra jusqu'au pied d' une crête rocheuse immédiatement à droite de la lettre n de Breithorn sur l' Atlas Siegfried. Cette crête monte à angle droit contre l' arête de faîte, en direction du second sommet de glace occidental du Breithorn. Dans le bas, cette crête, peu rapide, demande un peu de gymnastique sur son taillant assez affilé. Une ou deux fois un peu de neige vient couper la crête. Plus haut, la crête est raide, mais très facile. A un certain endroit, bel à pic sur la droite. Sous le sommet visé, la crête se perd dans une pente de neige, sur laquelle on poursuit sans obstacles. 1 h. du pied de la crête au deuxième sommet. Retour par le sommet habituel.

Le rocher roux de cette crête est solide et rugueux. Du glacier de Verra cependant, on le croirait délité. Il n'en est rien. Cette variante au Breithorn est charmante et ne rallonge guère. Du sommet n° 2 au sommet n° 1, l' arête de faîte est très favorable à une marche rapide. 20 minutes suffisent à ce parcours.Comm. par E.R. Blanchet.

Pollux, 4094 m. Direkter und kürzester Anstieg von der Betempshütte über die ganze Nordseite. M. Lusy, mit Adolf Aufdenblatten und Gabriel Zumtangwald aus Zermatt. 21. Juni 1926.

Es ist dies teilweise die von Capt. Ingle Finch begangene Route am 17. August 1919. ( Siehe Finch, The making of a Mountaineer. ) Der Schneesattel zwischen P. 3336 und P. 3669 ( Siegfriedkarte ) wurde erreicht, indem wir von der Betempshütte den Zwillingsgletscher in der Richtung P. 3195 der « Schallbretterfluh » traversierten und von da ein steiles Couloir ( oft Eis ) erkletterten. Finch erreichte den Sattel, indem er die sogenannte « Schwärze » umging. Von da über die Eiswand hinauf zu P. 3669. Nun in gerader Richtung direkt zum Gipfel. Der grosse Bergschrund unter dem Gipfelaufbau könnte in der Spätsommerzeit sogar grosse Schwierigkeiten bereiten. So bei Finch. Der Abstieg erfolgte auf derselben Seite bis zum Schneesattel, dann über den unteren Teil des Schwarzberggletschers und über den Gornergletscher zum Roten Boden.

Zeit: Betempshütte ab 3 Uhr 15; Schneesattel an 5 Uhr; Gipfel an 8 Uhr 30; Gipfel ab 9 Uhr 30; Roten Boden an lUhr ( kurze Halte inbegriffen ).

Es ist dies wohl der kürzeste Weg auf den Pollux, vorausgesetzt, dass die Verhältnisse des Zwillingsgletschers und des grossen Bergschrundes günstig sind.Mitteilung von M. Lusy.

Lyskamm, Aufstieg zum Westgipfel über den zwischen diesem und Punkt 4084 gegen den Grenzgletscher abfallenden Hängegletscher. B. Lendorff und M. C. Teves. 5. August 1925.

Der Einstieg erfolgt etwa 500 Meter westlich von Punkt 3402 über einen steilen, von Eisblöcken bestrichenen Eishang. Über diesen mit Steigeisen so schnell wie möglich auf das zum Punkt 3402 führende Gletscherband. Man erreicht so den Hängegletscher, der zwischen Punkt 4084 und dem Lyskamm-Westgipfel nach Norden zum Grenzgletscher abfällt. Über diesen zunächst östlich, später westlich haltend, Stufen hackend hinauf. Die eigentliche Westkante wurde erst oberhalb Punkt 4084 erreicht. Von hier führt ein scharfer Eisgrat zum Gipfelplateau hinauf, das in etwa 4300 Meter Höhe erreicht wurde und wo die Schwierigkeiten ein Ende haben. Schlechtes Wetter zwang uns hier, zur Lyskamm-Felikjochroute zu queren. Eisschlaggefahr besteht nur während den ersten Minuten des Einstieges, sonst nicht grösser als bei jedem steileren Hängegletscher. Die Durchschnittsneigung zwischen Punkt 3402 und 4084 ungefähr 50°. Zeiten: Von der Betempshütte bis zum Einstieg 2 Stunden, vom Einstieg bis zum Gipfelplateau 6 Stunden. Die Schneeverhältnisse waren recht schlecht und zwangen zu viel Stufenarbeit.

Mitteilung von M. C. Teves.

Nordend, 4612 m. Erste freie Erkletterung des Nordgrates. Eugen Allwein und Wilh. Weizenbach, 15. August 1925. « Österr. Alpenztg. » 1925, S. 316. Hohberghorn, 4226 m.

Am 11. August 1911 erreichten E. L. Hartley, H. G. Courthney und D. G. Courthney mit den Führern Otmar Supersaxo und Franz Jos. Imboden das Hohberghorn nach Überschreitung der Lenzspitze, des Nadel- und Stecknadelhorns. Den Abstieg nahmen sie über den Westgrat, der ungefähr bis zur Hälfte benutzt wurde.Von da gingen sie auf den Gletscher, der vom Hohbergpass herunterkommt, querten denselben bis zu den Felsen oberhalb des Punktes 3441 und stiegen über diese auf den Hohberggletscher. Dann verfolgte die Partie die Hohbergpassroute nach Randa.

Mitgeteilt von Otmar Supersaxo. Weissmies, 4031 m, über Süd-Südwestgrat.

Am 6. September 1924 brachen Squadron Leader E. B. Beaumann und Führer Otmar Supersaxo 4 Uhr morgens von der Almagelalp auf und erreichten den nördlich des Hotels Almagelalp zwischen den Punkten 2786 und 2758 beginnenden Grat um 6 Uhr. Dieser Südgrat, der in etwa 3780 m Höhe in den Südwestgrat, d.h. in den Verbindungsgrat Trifthorn-Weissmies, ausläuft, wurde in 3 Stunden — Halte nicht einbegriffen — überklettert. Der erste Teil über lose Steine und wackelige Blöcke bietet, mit Ausnahme zweier kurzer Stellen, wenig Abwechslung; die mittlere Partie in gutem Fels wird interessanter, und im letzten Drittel kommt der gute Kletterer auf seine Rechnung. Nach Erreichung des Südwestgrates stieg die Partie über denselben in iy2 Stunden zum Weissmiesgipfel. Mitteilung von Otmar Supersaxo.

Seh warzmies- Ostgrat, zirka 3200 m.

Am 10. September 1921erreichten S. G. Reid und Führer Otmar Supersaxo den Gipfel des Schwarzmies über den sehr interessanten, wenig begangenen Westgrat. Nach einstündiger Gipfelrast nahm die Partie den Abstieg über den bis dahin unbegangenen Ostgrat. Die Kletterei nahm l¾. Stunden in Anspruch und ist ganz besonders im ersten Teil sehr genussvoll und abwechslungsreich; der zweite Teil ist leichter. Der Fels ist durchweg gut.Mitteilung von Otmar Supersaxo.

Berneralpen.

Aletschhorn, 4182 m. Première ascension par la face de glace nord. E.R. Blanchet, Adolf Rubi, Caspar Mooser. 9 août 1925.

Départ de Concordia 3 h. 15, pied de la face 5 h. 30. A 6 h. attaque d' une chute de glacier très raide, entreprise sur la droite et résolue au moyen d' une cheminée de glace et d' une vire de glace. A 100 mètres au-dessus de la cheminée, il fallut se frayer une route difficile sur un mur de glace haut de 7 mètres. A 7 h. 30 grande crevasse, large de 5 à 6 mètres, que seule une avalanche récente permit de franchir. Autrement l' ascension se fût terminée là.

Vient ensuite une zone de séracs, où l' on monte en zigzag. Arrivée à 8 h. 30 à une deuxième grande crevasse. Elle est large de 30 à 40 mètres. Le Dr Oscar Hug, qui m' engagea à tenter cette course, me l' avaitsignalée comme la clef de tout le problème. Presque toujours, cette crevasse sera infranchissable. Ce jour-là, nous y trouvons une accumulation énorme de neige fraîche, soufflée par le vent, et formant une sorte de cône. Grâce à cette montagne de neige dressée dans la crevasse, nous passons facilement. La lèvre supérieure est entaillée d' une vire oblique en pente douce que nous suivons facilement sur la gauche. Au delà de cette crevasse s' étend une zone peu inclinée, puis la pente redevient forte. Tirer à droite en continuant à monter.

Une nervure, plus à droite, nous conduit rapidement au point où elle se joint à l' arête venant du Sattelhorn. Il est 10 h. Nous reprenons à gauche la pente de glace arrondie en dôme. Elle s' aplanit jusqu' au pied de la petite arête nord bien visible de la cabane ( la face proprement dite ne se voit pas de Concordia, cachée par une nervure rocheuse qui s' interpose entre elle et l' observateur placé auprès de la cabane ). Par cette petite arête, souvent gravie déjà, bien facilement au sommet.

Les conditions furent excellentes. Presque partout de bonne neige recouvrait la glace. Seuls les points que ne réchauffe jamais le soleil présentaient de la neige poudreuse épaisse. Peu de glace pure. Quelques replats, quelques parties peu déclives, réduisent l' inclinaison moyenne de cette face à 45°. Si dans ce calcul on comprenait le parcours final sur l' arête nord, ce qui serait topographiquement faux, on réduirait de beaucoup cet angle de 45°. II est peu probable que cette face soit jamais toute en glace. De nombreux séracs diminuent le nombre des avalanches de neige, ou du moins les limitent. Mais les chutes de sérac sont un danger de cette face. Le soleil, il est vrai, s'y attarde peu. Cependant, les chutes de séracs ne dépendent pas uniquement de l' action du gel ou du dégel.

Selon les cas, l' une ou l' autre des crevasses pourra suffir à empêcher toute progression.

Avant la guerre, M. Ryan avec Gabriel Lochmatter fit une descente partielle de la face nord, beaucoup plus à l' est. Dans le bas, leur itinéraire est identique au nôtre. Dans le haut, il est absolument dissemblable: cette caravane ( renseignements de G. Lochmatter ), du sommet gagna le Klein-Aletschhorn, suivit ensuite l' arête en direction est, et après un certain parcours tourna à angle droit pour s' engager dans la face nord.

Notre ascension devait être tentée, je l' appris ensuite, par W. Richardet.

Comm. par E.R. Blanchet.

Glarneralpen.

Kleine Teufelsstöcke ( zirka 2950 m ). Überschreitung und erste Besteigung der Finger 2, 3 a, 3 b. Th. Reichstein und F. Zwicky. 16. November 1924. Von der Claridenhütte auf Route bdes Glarner Führers auf den ersten Finger ( 3 Stunden ). Den Gipfelgrat ostwärts verfolgend, umklettert man drei kleine Gendarmen, den mittleren auf der Südseite, die beiden anderen auf der Nordseite und gelangt so in die Scharte vor dem zweiten Finger. Über eine grosse lose Platte und ein steiles plattiges Wändchen direkt auf denselben hinauf ( 20 Minuten ).

Vom wagrechten Absatz der Gipfelschneide ( kleiner Steinmann ) etwa drei Meter senkrecht nach Norden absteigend, erreicht man um eine abdrängende Ecke herum das in die Scharte vor dem dritten Finger führende Grätchen. Auf diesem in die Scharte und weiter durch ein wenig ausgesprochenes Kamin auf der Nordseite derselben hinunter. Etwa zehn Meter unterhalb der Scharte gelangt man auf einen grossen eingekeilten Block, von welchem ein glattes, stark vereistes Stemmkamin senkrecht gegen ein kleines Felsenfenster im Finger 3 b ansteigt. Durch dieses Kamin hinauf und durch das Loch kriechend kommt man in die Scharte zwischen den Türmen 3 b und 4. Von hier aus leicht auf den Finger 3 b. Der Finger 3 a wird über seine Südostkante exponiert erklettert.

Die weitere Überschreitung des vierten und fünften Fingers erfolgt nach der im Clubführer angegebenen Route.Mitteilung von F. Zwicky.

Bündneralpen.

Bruschghorn, 3054 m — Gelbhorn, 3040'm. Neuer Aufstieg in den Verbindungsgrat. H. Mutzenberg, H. Roth und M. Szadrowsky. 4. August 1925. Vom Turaboden, hinten im Safientale, auf steilen Rasen- und Schieferhängen über den Kühberg und Mittelberg, dann immer mehr rechts halten und Kletterei über den Felsabsturz, links, ( im Sinne des Aufstieges ) von der Bachrinne gerade über dem Mittelberg. Mitteilung von M. Szadrowsky.

Nordwestlichster Gemelliturm ( unmittelbar östlich des Colle dei Gemelli ).

Erste Besteigung. H. Rütter, Fritz Baumann mit Christian Klucker.

21. Juni 1925.

Vom Colle dei Gemelli das steile Firncouloir zwischen dem Gipfel und dem Gratturm südöstlich davon bis ungefähr halbe Höhe hinauf. Dann nach links in die Felsen und über ein schmales Band in die Nordwestwand hinaus. In dieser durch einige Risse« steil und exponiert direkt empor. Zwei bis drei Stellen wenig unterhalb des Gipfels sind sehr schwer. Colle dei Gemelli-Gipfel 1 Stunde.

Notiz. Den Namen Gemelli erhielten diese Gipfel vom Bergell aus, von wo sie sich als Zwillingsgruppe präsentieren. Der Gipfel, dessen Besteigung ich oben kurz beschrieben habe, ist, vom Bergell aus gesehen, der vordere und höhere Gemelliturm, trotzdem er etwa 50 Meter niedriger ist als der Hauptgipfel. Merkwürdigerweise erhielt in der Folge nur dieser letztere ( vom Bergell gesehen scheinbar niedrigere ) Berg, der einen beinahe horizontalen Gipfelgrat mit Nordwest- und Südostgipfel aufweist, den Namen Gemelli. Die Zwillinge werden durch das Nordwest- und Südostende ( letzteres vom Bergell nicht sichtbar ) des Gipfelgrates dargestellt. Der Name ist so unangebracht wie möglich. Mit gleichem Recht könnte man jeden Berg mit horizontalem Gipfelgrat Gemelli benennen. Der eine der namengebenden Gipfel bleibt in der Literatur unbenannt. Dafür wird sein Name auf das unbedeutende Gipfel-grat-Südostende des hintern der Gemelligipfel übertragen. Es lag mir daran, einmal auf diese unrichtige Namengebung hinzuweisen.

Piz Naravedro ( Albigna ), ca. 2870 m. Erste Besteigung direkt vom Passo Cacciabella di dentro. Die nämlichen. 27. Juni 1925.

Vom Pass einige Meter steil direkt empor. Dann über ein Band nach rechts, Osten, und in einem Kamin nach Westen auf eine kleine Terrasse hinauf. Von da über senkrechten Absatz mittels eines von West nach Ost schief aufwärts ziehenden, schmalen Gesimses auf ein breites Band, von wo der Gipfel leicht erreicht wird.Mitteilung von H. Rütter.

Piz Naravedro. Erste Ersteigung über den Südostgrat mit Abstieg direkt zum Passo Cacciabella di dentro. H. Alfred Sommer. 4. August 1925.

Von der Albignahütte die Route zum Passo Cacciabella di dentro verfolgend, verlässt man dieselbe bei der Kurve 2760 m des T. A. nach rechts und gelangt in eine breite Einsattelung des Südostgrates. Von hier steigt man direkt über den steilen Blockgrat. Hie und da zwingen einige grosse Blöcke zum Ausweichen in die Südwand. Wegen des sehr losen Aufbaues ist dieser Anstieg nicht ohne Gefahr. Zeit 40 Minuten vom Einstieg.

Der Abstieg erfolgte meist durch ein Couloir in der Südwestwand, hierauf Quergang nach links und, einige Risse und Spalten benützend, nicht ganz leicht zum Passo Cacciabella di dentro.

Cima del Largo-Ostgipfel, 3188 m. Variante und erste Besteigung über die Südostkante. H. Alfred Sommer. 1. August 1925.

Von der Forcola del Bacone auf Route 38 den südöstlichen Largogipfel ( zirka 3170 m ) traversierend, gelangt man zu einem grossen Turm im Südostgrat. Nun mittels eines Spreizschrittes in die hier überhängende Südwand. Über eine schmale Leiste äusserst exponiert um eine Kante herum in einen senkrecht sich emporziehenden Kamin. Diesen verfolgend, gelangt man schwierig auf den scharfen Grat. Über diesen absteigend zum Einstieg in die Ostwand.

Das breite, fast ebene Plattenband verfolgt man wenig nach links bis zu einem aus 5 Quadern gebildeten, wenig von der Wand abstehenden Felszahn. Einige Risse benützend, klettert man zwischen dem Felszahn durch und erreicht ein schmales Band, welches man bis zur Südostkante begeht. Südlich und östlich der Kante befinden sich zwei schmale Risse. Man klettert nun äusserst schwierig, den östlichen Riss benützend, an der senkrechten Kante empor bis zu einem kleinen Band ( Route 38 a 1 ) und erreicht den höchsten Punkt.Mitteilung von A. Sommer.

Cima di Castello, 3393 m. Neuer Weg über den Südostgrat. Aldo Bonacossa und Vitale Bramani. 7. Juli 1924. « Riv. Mens. » 1925, S. 130.

Piz Cengalo, 3374 m. Über den Südgrat. Aldo Bonacossa und P. Orio. 18. Oktober 1925.

Pizzo Zoccone, 3084 m — Pizzo Tambò, 3279 m. Erste Überschreitung des Verbindungsgrates. G. Piazzi und G. Buzetti. August 1922. Communicato della Sez. di Milano 1922, S. 231.

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