Himalaya-Chronik 1973.

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G. O. Dyhrenfurth, Ringgenberg ( BE )

Mit Nachträgen aus früheren Jahren Das Goldene Zeitalter von Himalaya und Karakorum nähert sich dem Ende. Das Kernproblem der Gegenwart, die Yermassung, führt auch in Hochasien zu vielen Tragödien. Manche Wiederholungen grosser Expeditionen und beliebte « Trekking-Exkursionen » sind dem « Numerus clausus » zu opfern. Fast möchte man es begrüssen, dass gewisse Regionen zur Zeit politisch gesperrt sind, so z.B. die schönen Lulana-Sieben-tausender von Nord-Bhutan und... Tibet bzw. Rot-China.

Die letzten Jahre waren an alpinen Dramen und Tragödien so reich, dass sich die Fertigstellung dieser Himalaya-Chronik 1973 ( mit kleinen Ergänzungen ) leider bis Ende 1974 verzögerte. Wie stets beginnen wir im Osten:

NEPAL 1. Yalung Kang, früher Kangchendzönga West genannt ( 8420 m ), war das Ziel der Kyoto Univ. Acad., AC. Die Leitung hatten Dr. H. Higuchi und E. Nishibori. Die Hochlager wurden von SW vorgeschoben, Camp V bis 8000 Meter. Am 14. Mai 1973 erreichten Takeo Matsuda und Yutaka Ageta um 18 Uhr den Gipfel. Beim Abstieg biwakierten sie etwa zoo Meter tiefer ( 8220 m ) in einer Schneehöhle. Am Morgen war Matsuda in so schlechter Verfassung, dass Ageta allein startete, um Hilfe zu holen. Vom Basislager aus beobachtete man im Fernglas, dass Matsuda plötzlich abstürzte, anscheinend von einem Stein getroffen. Denn später, bei der Nachsuche, fand man den gebrochenen Schaft seiner Eisaxt. Ein etwas unklarer, tragischer Unfall.

Quellen: Michael Cheney ( Himalayan Club ); AAJ 1974, p. 202/203.

2. Kangbachen Peak ( 7902 m ), der relativ selbständige NW-Pfeiler des Kangchendzönga-Mas-sivs, wurde im Nachmonsun von einer japanischen Mannschaft der Rikko-Universität unter Leitung von Y. Sakai und T. Yamanoi angegangen. Sie versuchten die NW-Flanke vom Ramtang Glacier aus und kamen bis Camp IV ( 6550 m ). Da setzte ein sechzigstündiger Schneefall ein. Sie wollten nicht aufgeben und machten noch vier Attacken, die jedoch im Tiefschnee erstickten.

Besseren Erfolg hatte erst im Mai igj4 eine polnische Expedition des Polski Klub Gorski ( Wars-zawa ) unter P. Mtotechi. Der genauere Bericht über die Erstersteigung sei der Chronik 1974 vor-behaltenKorrespondenz A. Zawada. ) 3. Im Vormonsun 1973 trat eine starke tschechoslowakische Mannschaft unter der Leitung von Ivan Galfy an. Es galt wieder einmal dem gewaltigen Makalu ( 8481 m ), aber auf neuer Route, über die SW-Rippe. Am 21. Mai stiess die Spitzengruppe von Camp V ( 7850'm ) über 8000 Meter vor. Da versagte das Sauerstoffgerät von Jan Kounicky. Er riss die Maske ab, verlor sein Gleichgewicht und stürzte mehr als hundert Meter einen Schneehang hinunter, wobei er sich ernsthaft verletzte. Fünf Tage später starb er; die Expedition wurde abgebrochen.

Quelle: Michael Cheney, Hirn. Club.

Auf dem Gipfel des Dhaula III ( 7715 m ). Links Dhaulagiri I ( 8i6j m ) und ganz links im Hintergrund Annapurna I ( 8ogi m ) Photo Deutsche Himalaya-Expedition 1973, Archiv Dyhrenfurth 4. Auch am Lhotse ( 8511 m ) hatte man kein Glück. Die dreizehn Mann starke japanische Kanagawa-Expedition unter Ryochei Uchida hatte nicht weniger vor als die Bezwingung der über zweitausend Meter hohen Südwand, die fast senkrecht, streckenweise sogar überhängend ist und eine der schwierigsten Himalayawände überhaupt sein dürfte. Der höchste Punkt, den zwei Kletterer am B. Mai erreichten, war der Platz für Camp IV ( 7315 m ). Man kann gespannt sein, wie weit die italienische Lhotse-Expedition 1975 in der Südwand kommen wird.

Quellen: I. Yoshizawa, M. Cheney.

5. Was für ein kolossales Unternehmen die italienische Everest-Expedition 1973 war, sei mit einigen Zahlen und Daten belegt: Leiter und Organisator war der Grossindustrielle Guido Mondino, Stellvertreter Piero Nava. Insgesamt waren es 64 Italiener, davon nur 8 Zivilisten und 56 Mann der Armee. Die Gesamtkosten wuchsen auf rund 3 Milliarden Lire an, was 18 Millionen Schweizer Franken entspricht. Wenn man auch die beteiligten Nichtitaliener hinzurechnet, kommt man auf go Bergsteiger und Sherpa, dazu 44 Helfer im Basislager. Zwei Hubschrauber besorgten die Transporte bis Camp II ( etwa 6400 m ) im Westbecken. Als ein Helikopter am 17. April ausfiel, wurde sofort eine neue Maschine von der italienischen Armee eingesetzt. Frische Lebensmittel wurden ständig von Kathmandu über Lukla in das Westbecken geliefert. Offiziell durften die Helikopter zwar nur für Rettungszwecke eingesetzt werden, aber darauf nahm man keinerlei Rücksicht, und Camp VI im Südsattel ( 7986 m ) erstand in Rekordzeit.

Am 5. Mai 1973 erreichten Mirko Minuzzo und Rinaldo Carrel mit dem Sherpa Lakpa Tensing und dem Nepali Sambhu Tamang den Gipfel ( 8848 m ) auf der Normalroute. Am 7. Mai 1973 folgten drei Offiziere: F. Innamorati, V. Epis und C. Benedetti mit dem Sherpa Sonam Gyaltsen.

Mount Everest, besser Chomolungma oder neuerdings « Sagarmatha » genannt, ist der gewaltige Grenzstein von drei Weltreligionen: Buddhismus - Hinduismus - Kommunismus. Dass überdies die Statue einer Madonna aufgestellt wurde, was tatsächlich geschehen ist, empfinden viele als deplaziert. Sehr erstaunt war man auch, dass die Riesenexpedition alsbald wieder abgebrochen wurde, obwohl der Monsunbeginn noch fern war und die meisten Alpinisten noch keine Gelegenheit gehabt hatten, zum Einsatz zu gelangen.

Quellen: Rivista Mensile, Mai 1973, p. 215; La montagne et alpinisme 3/1973, p. 115; AAJ 1974, p.203/204; Mountain 38, Sept. 1974, p. 38.

6. Fünf Monate später gelang einer japanischen Expedition die erste Everest-Besteigung im Nachmonsun, allerdings mit bösen Komplikationen: vergeblicher Angriff in der vielumworbenen SW-Flanke, Schneestürme und Lawinen, denen der Sherpa Jangbu zum Opfer fiel, und Umstellung auf die normale Südsattel-Route. Am 26. Oktober 1973 erreichten Hiachi Ishiguro und Tazuo Kato um 16.30 Uhr den Gipfel. Beim Abstieg mussten sie in etwa 8600 Meter Höhe biwakieren, erlitten Frostschäden, kamen aber davon. Die Literatur der Everest-Normalroute hat sich sozusagen überlebt. Es ist genug.

Quelle: AAJ 1974^.204.

Die Regierung des Königreiches Nepal hat den Mount Everest bis Herbst 1978 einschliesslich fest gebucht. Mindestens zehn grosse Expeditionen stehen auf der Warteliste. Ein lohnendes Geschäft!

7. Pumori ( 7145 m ), der formenschöne « Toch-terberg », war das Ziel der zwanzig Mann starken Mannschaft des japanischen Tohan Club unter der Leitung von Shigeyuki Nakamura. Der schon zweimal bestiegene Gipfel wurde diesmal von SE direkt auf neuer Route angegangen und erforderte im April 1973 drei Wochen sehr schwierige Kletterei, mit etwa 1400 Metern fixer Seile und drei Hochlagern. N. Shimosaka und T. Shigeno biwakierten am 30. April bei 7056 Meter und betraten die Spitze am 1. Mai frühmorgens. Vom, ^.

21 2 Lhotse ( 8511, 8426, 8376 m ) und Lhotse Shar Photo Erwin Schneider, Archiv Dyhrenfurth Basislager an bis zum Gipfel wurden keine Sherpa eingesetzt - eine sehr beachtenswerte Leistung.

Quelle: AAJ 1974, p. 204/205.

8. Nachträge von 1972: Unter den « Trekking-Ex-kursionen » im Khumbu und Rolwaling Himal gab es beachtenswerte Erfolge. Die Allgäuer bestiegen von Süden, vom Lumding Khola aus, wahrscheinlich erstmals den Ostgipfel des Kongde Ri ( 6093 m ), hoch über Thame Og ( 3800 m ).

Quelle: Alpenvereins-Jahrbuch 1973, Band 98, S. 112-118, I56-I57- Eine bayerische Mannschaft bezwang den Tsoboje ( 6689 m ), der früher Chobutse oder Kang DaréSchneebeil ) benannt wurde, östlich von Sangma steht und wahrscheinlich noch unbetreten war.

Quelle: AV-Jahrbuch 1973, S. 110-112,158-160.

9. In den Rolwaling Himal ging auch eine schwedische Gruppe im Herbst 1973. Vier Teilnehmer verbrachten zwei bitterkalte Nächte im Trashi-Labtsa-Joch ( 5755 m ), von wo aus Frau Lena Karlkvist sogar den nahen Parchamo ( 6273 m ) im Alleingang bestieg. Es war allerdings nur eine Wiederholung einer britischen Erstersteigung ( Davis/Boulthee 1955 ).

Quelle: Svenska I'ßällklubben, gemäss AAJ 1974, p. 207.

10. Die Kulmination des Gurkha Himal, Manaslu ( 8156 m ), wurde im März und April 1973 wieder einmal von Osten angegangen, diesmal von einer schwäbischen Expedition unter der Leitung von Dr. Gerhard Schmatz ( Neu-Ulm ). Teilnehmer waren: der Zermatter Bergführer René Arnold, die Deutschen Dr. Volkert Gazert als Arzt, Siegfried Hupfauer, Günter Kämpfe, Frau Hannelore Schmatz, Manfred Sturm und der österreichische Bergführer und Skilehrer Sebastian Wörgötter. Sirdar der Hochträger war der bekannte Sherpa Urkien. Der Anmarsch von Kathmandu bis Sama, dem letzten Ort im obersten Buri-Gandaki-Tal, erforderte zwölf Tage. Das dortige Kloster war berüchtigt, weil es den heiligen Manaslu und 2 seine Umgebung wiederholt für Touristen ge- ( 8398 m ), von Südwesten sperrt hatte. Diesmal aber ging alles gut, weil einflussreiche Mönche um die Hilfe des Expeditions-arztes bitten mussten, die ihnen gern gewährt wurde. Als sie sogar noch eine Geldspende von den Sahibs erhielten, segneten sie deren Unternehmen.

Am 20. März wurde das Hauptlager ( etwa 3900 m ) errichtet - bei Schneetreiben, am Zungenende des Manaslu-Gletschers - und bereits drei Tage später stand Camp I ( 4900 m ). Am 24. März stiegen drei Mann mit Ski zum Naike Col ( 5600 m ) auf, dem Standort für Camp II, das sich zum « vorgeschobenen Basislager » entwickelte, wie sich das bei den meisten Achttausendern eingeführt hat. An den nächsten Tagen beobachtete man sorgfältig den nun folgenden grossen Gletscherbruch, wo 1971 und 1972 fünf Südkoreaner, ein Japaner und zehn Sherpa den Lawinentod gestorben waren, so dass der Manaslu als der gefährlichste grosse Berg galt. Nach einigem Hin und Her entschied man sich für eine südlich gelegene Route, obwohl dort eine riesige Gletscherspalte schwer zu schaffen machte. Nach Einschaltung eines Depots erstand Camp III ( etwa 6350 m ).

Rasch wechselndes Wetter und ein Lungenödem von Arnold hemmten den Fortschritt. Am 4. April war man am North Col ( etwa 6900 m ), dem Platz für Camp IV. Durch Schneestürme aufgehalten, konnte man erst am 22. April von Camp V ( 7550 m ) zum Schlussangriff antreten, wobei G. Schmatz, S. Hupfauer und Urkien die Gipfelseilschaft bildeten. Leider starteten sie erst um 9 Uhr, und schon binnen kurzem stellte sich heraus, dass nur das Sauerstoffgerät des Sherpa funktionierte, während die Ventile an den Apparaten der beiden Deutschen immer wieder einfro-ren. Bei furchtbarer Atemnot nahmen sie die Apparate ab und entschlossen sich, ihre Rucksäcke mit den Sauerstoff-Flaschen und -Masken zurückzulassen.

Als sie nach einiger Zeit zurückblickten, sahen sie « als zwei winzige Punkte unsere beiden Rucksäcke und einige hundert Meter weiter östlich einen viel grösseren roten Punkt. Wir nehmen an, dass es sich hierbei um einen oder beide Mitglieder der österreichischen Manaslu-Expedition des Jahres 1972 handelt, die sich damals auf dem Plateau verirrt haben und erfroren sind. Weder im Abstieg noch am nächsten Tag tun wir etwas, um unsere Vermutung zu überprüfen. Wir haben alle Hände voll mit uns zu tun. » Gegen 14 Uhr kamen sie auf dem Hochfirn zum felsigen Gipfelaufbau. Das Wetter war so miserabel, dass Urkien umkehren wollte; aber schliess- lieh hielt der tapfere Sherpa doch seinen beiden Sahibs die Treue. « Nach einer Stunde erreichen wir dann endlich den höchsten Punkt. Wir sind auf dem höchsten je von Deutschen erstiegenen Gipfel » ( 8156 m ). Rasch « wird photographiert, einige Steine werden mitgenommen, und dann verlassen wir wieder den unwirtlichen Ort ».

Wenige Meter unter dem Gipfel surrten plötzlich die Pickel. Nun waren sie auch noch in einem Höhengewitter, mit zuckenden Blitzen und krachendem Donner. So schnell wie möglich stiegen sie ab, weiter unten im Kampf mit hohen Schneewehen. Nach etwa drei Stunden gelangten sie todmüde in das primitive Hochlager V. Es war « ein knappes Entkommen »!

Qjullen: Korrespondenz und offizieller Bericht der « Schwäbischen Himalaya-Expedition 1973 ».

11. Eine zwölfköpfige spanische Himalaya-Ex-pedition unter Jaime Garcia Orts bekam von der \ nepalischen Regierung eine Manaslu-Genehmi-gung, zum ersten Male für den Nachmonsun. Glücklicherweise war Camp II nicht besetzt, als gewaltige Schneestürme und Lawinen vom io. bis 13. Oktober 1973 das Lager zweimal zerstörten und verschütteten. Man machte also von der Bewilligung keinen Gebrauch mehr.

Quelle: Michael Cheney, Himalayan Club.

12. Annapurna I ( 8091 m ) war das Ziel einer elfköpfigen japanischen Expedition ( Shinano Section, des JAC ). Von einem Versuch auf der noch nicht begangenen NE-Rippe schaltete man auf v die British-Army-Route 1970 um, musste aber etwa fünfzig Meter unter dem Gipfel im Sturm erschöpft umkehren. Ein zweiter Angriff schlug ebenfalls fehl. Am 18. Mai 1973, nach Abbruch des Unternehmens, wurde Camp III ( 6500 m ) von einer Lawine vernichtet. Vier Japaner und Sherpa Rinzi starben den weissen Tod.

Quelle: AAJ 1974, p. 206.

13. Die Sangaku-Doshikai-Expedition unter Tukio Shimamura plante, die Annapurna II ( 7937 m ) über die noch unberührte Südfront zu versuchen; aber bei genauerer Besichtigung schien diese Flanke so aussichtslos, dass man zu der erfolgreichen Nordroute 1971 der Shinshu University zurückkehrte. Diese Wiederholung gelang Katsuyuki Kondo am 6. Mai 1973, und zwar im Alleingang, bei Mondlicht. Eine ausgezeichnete Leistung.

Literatur: « Die Alpen » 1972/IV, S. 238; AAJ 1974, p. 206. Korrespondenz Ichiro Yoshizawa.

14. Modi Peak ( 7219 m ), der fälschlich auch « Annapurna South » genannt wird, ist schon wiederholt bestiegen worden. Eine japanische Gruppe vom Sagamino A.C. unter Kuniaki Yamada versuchte im Frühling 1973 eine Kletterroute vom Sanktuarium des Modi Khola aus. Bei Schlechtwetter und gefährlichen Verhältnissen kam man am 28. April aber nur bis 6760 Meter.

Quelle: Michael Cheney, Him. Club.

15. An der Annapurna I ( 8091 m ) sollte sich im Monsun noch eine Tragödie ereignen: Eine elf Mann starke italienische Expedition unter Guido Machetto folgte der klassischen französischen Route von 1950 bis Camp II ( 5750 m ) und nahm dann den NW-Sporn in Angriff. Am 18. September, also im Monsun, errichteten sie Camp III ( 6300 m ), am 21. September Camp IV ( 6900 m ). Zwei Tage später stiess die Spitzengruppe bis 7050 Meter vor, doch wurde sie durch Schneesturm aus allen Hochlagern vertrieben. Nur Miller Rava und Leo Cerruti entschlossen sich, in Camp II auszuharren. In der Nacht des 26. September löste sich eine riesige Eis- und Felslawine vom Plateaurand des Massivs und begrub alles unter sich.

Von den Bergsteigern oder vom Lager II gab es kein Lebenszeichen mehr. Die Expedition wurde abgebrochen.

Quelle: AAJ 1974, p. 207.

16. Die « Deutsche Himalaya-Expedition 1973 der Sektion München des DAV » hatte für den Herbst den noch unbetretenen Dhaulagiri III ( 7715 m ) ausgewählt. Die Teilnehmer waren sieben Akademiker im Alter von 26 bis 34 Jahren, gut zusammenarbeitende Bergkameraden, die schon in den Anden und Alaska, im Karakorum und Hindukusch tätig gewesen waren: Leiter Dr. Klaus Schreckenbach ( Physiker ), Dr. Gerhard Haben ( Mathematiker ), Konrad Hiller ( Geologe ), Peter von Gizycki ( Geologe ), Klaus Süssmilch ( Diplomingenieur ), Hans Saler ( Feinmechaniker ), Bernd Schreckenbach ( Photograph ). Von Einheimischen traten dazu: Captain Rimai Kamud als Verbindungsoffizier, die drei Sherpa Pasang, Tensing und Norbu, ein Koch und 61 Lokalträger. Es war also eine Kleinexpedition, die am 9. September 1973 von Pokhara startete und über den Ghore-pani-Pass zur Kali-Gandaki-Schlucht marschierte. In Jomson wurde das Gepäck auf 34 Tragtiere ( Yaks und Muli ) umgeladen, und dann ging es über drei Pässe — Sangda La ( 5250 m ), La-Sa ( 5400 m ) und Mu-La ( 5850 mnach Mukut ( 4050 m ), wo am I. September das Basislager erstand.

Um von Norden an die Hochgipfel heranzukommen, muss man den Chortengrat überschreiten, ein SE-NW streichendes Bollwerk vor den Siebentausendern. Diese Barrikade ist das schwierigste Stück der ganzen Route und erfordert modernen « Wegebau » mit etwa 700 Meter fixen Seilen. Camp I ( etwa 5000 m ) wurde am 24. September erstellt, und am nächsten Tage erreichte man den First des Chortengrates ( 5650 m ) in einer kleinen Scharte. Durch ein steiles Couloir südwärts absteigend, fand man einen Platz für Camp II ( 5300 m ), das vorgeschobene « Ausgangslager ». Da schlug das Wetter um: riesige Neuschneemengen, zehn Tage lang! Drei Teil- nehmer waren einfach eingesperrt « wie wilde Tiere in einem Käfig ». Es war eine schwere Krise bis zum 9. Oktober. Endlich setzte das schöne Herbstwetter ein. Vorwärts!

Aus der offiziellen Chronik:

« 12.10. Ausbau von Lager III ( 5850 m ) als Schneehöhle.

17.10. Lager IV wird nach einem Biwak in 6950 Meter Höhe errichtet ( Schneehöhle ).

20.10. Drei Teilnehmer ( Hans Saler, Gerhard Haben, Klaus Schreckenbach ) verlassen um 7.00 Uhr Lager IV und erreichen bei starken Sturmböen gegen 12.30 Uhr über die SW-Flanke den Gipfel ( des Dhaulagiri III, 7715 m ).

23.10. Weitere drei Teilnehmer ( Konrad Hiller, Klaus Süssmilch, Peter von Gizycki ) und der Sirdar Norbu erreichen über den Westgrat den Gipfel.

24.10.31.10. Abbau der Hochlager. » Eine in jeder Hinsicht ausgezeichnete Leistung! Wir gratulieren.

Quellen: Korrespondenzen, Photos, offizielle Expeditionsberichte, deutsch und englisch, Jahresbericht der Sektion München 1973, Österreichische Bergsteiger-Zeitung Nr. 1, 974- 17. Am 14. März 1973 starteten neun Mann der Österreichischen Himalaya-Gesellschaft unter Adolf Huber von Pokhara zu einem langen Marsch über Dhorpatan und den Pass Jangla Bhanjyang ( 4445 m ) in das Tal des Barbung Khola, auf der Nordseite des Dhaulagiri-Hauptkammes. Bis Mukut brauchten sie 22 Tage. Dann begannen sie die Hochlager gegen den Dhaulagiri IV ( 7661 m ) vorzuschieben, wobei der Chorten Ridge grosse Schwierigkeiten machte. Sie kamen bis Camp V ( 7265 m ). Da versagte der Nachschub; das Wetter schlug um und entwickelte sich zu einem furchtbaren zweitägigen Schneesturm. Die Spitzengruppe war schwer erschöpft, man musste aufgeben.

Quellen: Bericht A. Huber; AAJ 1974^.205/206.

18. Im Herbst wurde der berüchtigte Dhaulagiri IV ( 7661 m ) nochmals angegangen, diesmal von einer neunköpfigen britischen Expedition unter der Leitung von Anthony P. Johnson. Sie versuchten diesen gefährlichen Berg auf der Route, wo 1969 fünf österreichische Alpinisten ( ÖAK ) und ein Sherpa verschollen waren, also von Süden durch den Konaban-Kessel. Das Basislager war vor Mitte Oktober 1973 errichtet. Am 20. November stürzte Alan Dewison bei Camp IX tödlich ab, am 23. wurde der Sherpa Kancha unten zwischen Basislager und Camp I durch eine Lawine getötet. Man gab auf, ohne dem Geheimnis des Dhaula IV näher gekommen zu sein.

Quelle: Michael Cheney, Hirn. Club.

19. Putha Hiunchuli ( 7246 m ) ist der Westpfeiler des Dhaulagiri-Hauptkammes: ein Skiberg ohne jede Schwierigkeit. Da hatte eine japanische Gruppe unter K. No die Idee, eine interessante neue Route über den NE-Grat zu eröffnen. Bei diesem Versuch zerstörte eine Lawine am 12. Oktober 1973 ihr Camp V ( 6400 m ). Zwei Japaner, Dr. M. Deguchi und I. Mizutani, und der Sherpa Sirdar AngNyima fanden den Tod.

Quelle: M. Cheney.

20. Eine der vielen japanischen Universitäts-gruppen ( Kitasato-Universität ) unter E. Kawamura flog im September nach Jumla in West-Nepal und ging in den Kanjiroba Himal, der zwar keine Siebentausender, aber viele stattliche Sechstausender hat. Sie machten die Erstersteigung des « Serku Dholina » ( 6227 m ). Eine andere Mannschaft unter F. Watanabe hatte bereits im April den Kanjeralwa ( 6662 m ) besucht, der im SE des höchsten Kanjiroba-Gipfels ( 6882 m ) steht.

Quellen: AAJ 1974, p. 207 und 209; I. Yoshizawa.

21. Die Api ( 7132 m ), in der NW-Ecke von Nepal, war i960 von den Japanern ersterstiegen worden, aber der interessante Westgrat war « noch zu haben ». Eine Gruppe der Chuo-Uni-versität unter der Leitung von Kuniharu Ichikawa versuchte diese schwierige Kletterei, kam aber nur bis 6150 Meter und musste bei ganz schlechtem Wetter am 1. Mai aufgeben.

Quelle: AAJ 1974, p. 206.

GARHWAL Diese Region ist seit Jahren für Ausländer verschlossen. Wir beschränken uns deshalb auf wenige Notizen: Die dritte Besteigung des Kämet ( 7756 m ) erfolgte am 20.September 1973 durch eine 14 Mann starke indische Expedition unter Anil Deb. Panch Chuli ( 6904 m ) war neunmal von fünf Nationen versucht worden. Endlich, am 26. Mai, gelang einer indischen Gruppe unter Mahendra Singh die Erreichung des Hauptgipfels in moderner Kletterei. Balakun ( 6532 m ), nahe dem Nilkanta, und Nandapal ( 6306 m ), östlich vom Tirsuli, wurden von der indisch-tibetischen Grenzpolizei erobert. Die Erstbesteigung des Chaudhara ( 6512 m ), im NW der Panch Chuli, gelang unter der Leitung von A. R. Chandekar. Vasuki Peak ( 6792 m ), dessen Gletscher den Chaturangi speist, war Beute der Polizei. Eine Wiederholung des Mana Peak {1212 m ) erinnert an die einstige Erstbesteigung durch F. S. Smythe.

Quellen: Kamal K. Guha, Himalayan Club.

HIMACHAL PRADESH In Kulu, Lahul, Spiti, Chamba usw. gibt es keine Siebentausender, sondern nur eine begrenzte Zahl von Sechstausendern und sehr viele Fünftausender - keine Konkurrenz zu den Weltbergen, aber gute Trainingsobjekte. So arbeiteten sieben Mann der Alpine Climbing Group unter Adrian Burgess zweieinhalb Tage in der etwa 1400 Meter hohen Granit-Westwand des Ali Ratni Tibba ( 5490 m ). 39 Mitglieder der British Army Expedition unter Jon Fleming betätigten sich an « alten Bekannten » - Indrasan ( 6221 m ), Deo Tibba ( 6001 m ) und Menthosa ( 6444 m ) usw.

Quellen: AAJ 1974, AJ 1974.

KISHTWAR Diese Region bildet den Südzipfel von Kashmir; der imposanteste Gipfel ist hier Brammah ( 6416 m ). N. Estcourt und A. C. Bonington machten am 24. August 1973 die Erstersteigung über den sehr schwierigen SE-Grat ( UIAA V ).

Quelle: AAJ 1974^.215.

KARAKORUM Indiens höchster unbetretener Berg war seit langem Saser Kangri ( 7672 m ), am SE-Ende des Grossen Karakorum, in der Shayok-Schlinge. Fünfmal war dieser Riese schon vergeblich ange-

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