Jakob Heierli, Urgeschichte der Schweiz

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Dieses mit über 400 Illustrationen hübsch ausgestattete Buch darf wohl den Anspruch erheben, eine empfindliche Lücke ausgefüllt zu haben; denn eine übersichtliche Zusammenstellung der bis jetzt gewonnenen Ergebnisse der prähistorischen Forschungen für das schweizerische Gebiet war an der Zeit. Unseres Erachtens würde allerdings der Herr Verfasser besser gethan haben, den gelehrten Apparat nicht gänzlich zu unterdrücken. Die Zusicherung, daß die später erscheinende archäologische Karte der Schweiz das ganze Quellenmaterial enthalten werde, kann diese Unterlassung kaum genügend entschuldigen, auch nicht der angebliche Raummangel. Denn Quellenangaben in Abkürzungen, die in einem Anhang erklärt worden wären, hätten den Umfang des Buches um wenige Seiten vermehrt, dafür aber seine wissenschaftliche Brauchbarkeit ungemein erhöht. Umgekehrt hätte einiges andere, z.B. die nicht eigentlich zur Sache gehörigen breiten Ausführungen über die Frage nach der Abstammung des Menschen und dem Ursprung der Sprache, ohne Schaden wegbleiben dürfen.

Heben wir aber, statt weiter zu kritisieren, lieber aus dem reichen Inhalt der immerhin den Eindruck der Zuverlässigkeit machenden, fleißigen und geschickten Arbeit einiges hervor, was den Freund und Erforscher der Berge im besondern interessiert. Den ganzen großen Stoff — ältere und jüngere Steinzeit, Bronzeperiode und Eisenzeit ( letztere in der Schweiz etwa mit 700 v. Chr. beginnendbehandelt Heierli in 4 umfangreichen Kapiteln in der Weise, daß er je erst die wichtigsten Funde aufzählt und dann auf dieser Grundlage ein Kulturbild jeder Epoche zu entwerfen versucht. Die einst viel ausgedehntere Vergletscherung unseres Landes hatte schon für die frühesten bei uns nachweisbaren Menschen, diejenigen der Steinzeit, insofern eine bemerkenswerte Bedeutung, als sie in den nach dem Rückzug der Gletscher zurückgebliebenen Moränen geeignete Gesteinsarten für ihre Werkzeuge fanden, die sie sonst weit droben in den Gebirgsthälern hätten holen müssen. Aber schon in der Jüngern Steinzeit dringt der Mensch in die Thäler unserer Alpen hinein; Spuren von Niederlassungen aus dieser Zeit sind z.B. im Prätigau, im Domleschg, am Vierwaldstättersee und in Glis bei Brig entdeckt worden. Schon weiter hinein und höher hinauf wagten sich die Menschen der Bronzezeit. Da wurden nicht nur hervorragende Höhen wie z.B. der Ütliberg als Refugien eingerichtet, sondern eine Reihe von Alpenpässen begann für den Verkehr eine Rolle zu spielen, wie Funde an ihren Zugängen bis weit hinauf doch wohl deutlich genug beweisen; so neben dem bequemen Brünig auch schon die Gemmi, Albula- und Splügenpaß, der Große St. Bernhard u.a. Entgangen scheint dem gelehrten Herrn Verfasser der im August 1873 auf dem 2931 Meter hohen Riffelhorn bei Zermatt gemachte Bronzefund ( s. Whymper, The valley of Zermatt and the Matterhorn. London, 1897; p. 147 ). WhympersGewährsmann, ein Herr Grove, spricht von einem Wurfspieß oder einer Lanzenspitze; seine exakte Beschreibung paßt eher auf einen Leisten- oder Löffelkelt, wie sie Heierli p. 270 abbildet. Ebenso ist nicht erwähnt die 15 Centimeter lange Bronzeaxt, die Emile Javelle IV2 Stunden oberhalb Salvan, am Eingang des Thaies von Emaney in einer Felsspalte mitten im Walde fand. ( Siehe Souvenirs d' un Alpiniste, Lausanne 1892, p. 300. Anm. ) Das Wallis ist auch der Hauptfundort für die höchst merkwürdigen, noch nicht erklärten Schalensteine, während anderseits die leicht zugänglichen Jurahöhlen — deren bekannteste das Keßlerloch bei Thaingen im Kanton Schaffhausen — die allerfrühesten Spuren des Menschen in der Schweiz aus der altern Steinzeit uns erhalten haben. Mit den ersten historischen Nachrichten, dem Bericht Cäsars über die Auswanderung der Helvetier, schließt das interessante Werk ab, dessen Lektüre, belehrend und unterhaltend zugleich, auch den werten Clubisten hiermit angelegentlich empfohlen sei.Dr. P. Meyer.

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