Langlauf ohne Grenzen

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Stéphane Schaffter, Plan-les-Ouates

Les Päquiers oberhalb von Châtel Blanc im Französischen Jura Als ich den Langlauf entdeckte, habe ich nicht nur eine neue Sportart gefunden, es haben sich mir auch neue Horizonte eröffnet, zudem spielt sich hier alles in einer bedeutend freundlicheren Umgebung ab als in meiner bisherigen Welt, dem Hochgebirge. In Begleitung einiger Bergfreunde habe ich an zahlreichen Volksläufen teilgenommen, so am Engadiner Marathon, an der Marchia Gran Paradiso und anderen. Damals war Skating noch nicht üblich, weshalb der Schlittschuhschritt unangefochten im Mittelpunkt stand, vor allem wenn man all seine technischen Feinheiten kannte.

Während zweier Saisons gab ich dieser neuen Leidenschaft eine solide Basis, indem ich im Frühjahr 1978 das Brevet als Schweizer Instruktor für Nordischen Skilauf erwarb. Diese winterliche Aktivität war eine gute Ergänzung meiner Tätigkeit als Bergführer. Eine kurze Saison in der Schweizer Skischule von Crans-Montana bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass es besser sei, in der Ausübung meines Berufs weiterhin unabhängig zu bleiben.

Vom März 1979 an führte ich Touren mit Gästegruppen durch den Jura, wo ich geboren bin. Diese Traversierungen — zwischen Basel und Genf - bieten die Möglichkeit zu fast zahllosen Varianten, dazu ausserordent- liehe Landschaften und einen einzigartigen Blick auf die Alpen. In den harten Wintern der siebziger Jahre habe ich einen Jura entdeckt, der auch mir bis dahin unbekannt war. Aus beruflichen Gründen hatte ich Colombier bei Neuchâtel verlassen und war nach Genf gezogen, um dem Montblanc-Massiv, diesem bedeutenden alpinistischen Zentrum mit seinen zahlreichen potentiellen Kunden, näher zu sein.

Als auf Baffin Island Mittwoch, 23. April 1986, 3 Uhr morgens. Die Kälte weckt mich. Ich versuche, aus meinem Schlafsack zu kriechen; unmöglich, alles ist gefroren. Ich strecke mich wieder aus und bemühe mich, vor Kälte zitternd, wieder einzuschlafen.

Seit fast acht Tagen sind wir in Baffin Island. Ich erinnere mich noch an unsere Ankunft, zusammengedrängt im Twin Otter, einem in den rauhen Verhältnissen des hohen Nordens zuverlässig funktionierenden Heli-koptertyp, besser aber erinnere ich mich an den Augenblick, als wir seinen Schutz verlassen und uns einer Kälte von —40° C im Freien aussetzen mussten.

Als wir, zusammen mit einigen Inuit, in Broughton Island ankamen, stellten wir fest, dass es in dieser rauhen Jahreszeit keine andern Touristen gab. Der Frost zwickte uns schon kräftig in die Nase und erinnerte uns brutal daran, dass Bewegung Wärme bedeutet.

Wie die andern Passagiere des Flugs nahmen auch wir unser direkt an der Hart-schnee-Piste abgestelltes Gepäck auf, während das Flugzeug bereits nach Frobisherbay zurückkehrte.

{Expedition Auyuittuq Baffin 1986> heisst unser von Yannick Seigneur und Louis Vergeon organisiertes Unternehmen. Wir sind sieben Alpinisten und ein Kameramann. Unser Plan ist eine Traversierung der Cumberland Peninsula; es sind 250 km, was 12 bis 14 Tage völliger Autonomie bedeutet. Wir benutzen Langlaufski mit Stahlkanten und ziehen jeder eine Pulka, eine Art Schlitten, dessen Deichsel mit einem Geschirr, wie man es den Schlittenhunden anlegt, verbunden ist. Auf halbem Weg ragt die Tour du Couronnement auf. Der Aufstieg bietet extreme Schwierigkeiten und dürfte ungefähr zehn Tage in Anspruch nehmen. April und Mai, das ist das Ende des Winters; die Traversierung ist noch möglich, die Besteigung könnte angesichts der angekündigten steigenden mittleren Temperaturen, von -17° C im April zu — 7° C im Mai, ins Auge gefasst werden.

Um 5 Uhr morgens Wecken. Wir haben begonnen, unsre Pulkas zu beladen, unsre Zuggeschirre in Ordnung zu bringen und die Felle zu montieren. Gegen 11 Uhr sind zwei Inuit gekommen, die uns in das Gebiet oberhalb des Fjord du Couronnement führen sollen. Nach drei Stunden sind wir-völlig erstarrt, die Füsse steif und taub wie Holz - am Ziel, vor der Front des Gletschers, am Beginn des Wegs, den wir uns vorgenommen haben. Nach einem Abschiedstee haben die Inuit uns auf dem Eis unserm Schicksal überlassen.

In der Einsamkeit Nach einer durch die Stille und das Krachen des Eises beängstigenden Nacht haben wir die 50 m Höhenunterschied, die uns vom Gletscher trennen, überwunden. Mehr als drei Stunden waren nötig, um unsre Pulkas, jede mehr als 80 kg schwer, über dieses Teilstück zu ziehen, zu stossen und sogar zu tragen. Am Abend war aller Kampfgeist geschwunden, wir hatten, vor unsre viel zu schweren Schlitten gespannt, nur 8 km zurückgelegt.

Am nächsten Tag versammeln wir uns gegen Mittag um einen Kocher. Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir wirklich nur langsam vorankommen und der Brennstoffverbrauch für die Kocher beunruhigend hoch ist. Aber die Kälte siegt über unser Gespräch, wir ziehen weiter, um wieder warm zu werden. Am Abend ist das Ergebnis kaum ermutigender: 12 km, dazu die Daunenbekleidung gefroren und die Füsse ebenso oder doch beinah.

Die Schönheit der Landschaft, der Anblick der Tour du Couronnement und die Aussicht einer Besteigung reichen nicht aus, um alle Mitglieder unsrer Mannschaft zu begeistern.

Wie jeden Abend isoliert uns die Kälte in Dreiergruppen in unsern kleinen Zelten, und erst am nächsten Morgen, bei den —26° C, die wir inzwischen kennen, werden wir wieder gesprächig. Die trotz allem erholsame Nacht hat diesmal für Einigkeit gesorgt, und einstimmig beschliessen wir, uns auf die Traversierung zu beschränken und auf die Besteigung zu verzichten.

Draussen schneit es, alles ist in einen opa-ken Schleier gehüllt. Zwei Tage lang suchen wir unsern Weg mit dem Kompass, um den Kulminationspunkt unsrer Strecke, die rund 1950 m hohe vergletscherte Kuppe des Penny, zu erreichen. In den Nebel dieser weissen Wüste eingeschlossen warten wir einen ganzen Tag. Als er schliesslich etwas aufreisst, unternehmen wir - ohne diese verdammte Pulka - eine Rekognoszierung, um den Zugang zum Hightway-Gletscher ausfindig zu machen, über den wir unsern Weg fortsetzen müssen.

An diesem Morgen ist es sehr schön. Beim Abstieg bringt zum ersten Mal die Pulka uns voran, ein angenehmes, völlig vergessenes Gefühl. Leider ist der Rausch des Gleitens nur von kurzer Dauer, denn nach 900 m ist die Neigung fast gleich Null und zwingt uns, zusammen mit der dicken Schneeschicht, wieder zum langsamen und mühsamen Spuren.

Wir ziehen entlang des grossartigen Plattenschildes des Pic Bastille und geniessen, dass die Temperatur um einige Grade angestiegen ist. Am Abend werden wir in das Weasel-Tal kommen und vielleicht sogar in einer Schutzhütte der Wärter des Auyuittuq National Park schlafen. Nach einigen Stunden der Suche müssen wir aber alle Hoffnung auf Bequemlichkeit fahren lassen und auch diesmal die Zelte aufschlagen.

Die eindrucksvollsten Wände der Welt Donnerstag, 24. April. Die Nacht war kalt wie gewohnt, aber trotz des Zustands unserer Schlafsäcke, deren Federn bald alle zu kleinen Eisklumpen geworden sind, schlafen wir immer besser.

Als wir die Moräne des Glacier Lake ersteigen, entdecken wir eine grossartige Landschaft, die sich vom Mount Thor bis zum Mount Asgard erstreckt. Die charakteristischen Wände dieser beiden Gipfel gehören zu den höchsten Felsabstürzen der Welt, ein Traum für wieder warmgewordene Kletterer. Drei Tage lang geht es in spektakulärem Marsch durch das Weasel-Tal - teils über gefrorene Seen, teils über gefrorene Flüsse -bis zum Ufer des Pangnirtung Fjord. Dort, vor der Overlord-Hütte, haben wir Glück und treffen einen Inuit, der von der Jagd zurückgekehrt ist; an seinen Schneescooter ist der übliche Schlitten angehängt, der als Trans-portanhänger dient. Der Inuit ist bereit, einen Teil von uns bis zum Dorf Pangnirtung mitzunehmen, so dass sie die Rückkehr der andern für den nächsten Tag organisieren können. Louis Vergeon, Eric Laheurte und ich bleiben - mit dem Gefühl, verlassen worden zu sein - noch eine weitere Nacht in der Kälte. Zum ersten Mal denken wir an die beunruhigende Geschichte vom Eisbären, die man uns erzählt hat. Genau in dieser Gegend biwakierten zwei Engländer in einem Zelt, als ein Eisbär einen der beiden packte, zu einem Eisberg schleppte, wo er ihn frass!

Trotz der Überzeugung der Ranger des Auyuittuq National Park, dass zu dieser Jah- reszeit keine Eisbären anzutreffen seien, verbringen wir angesichts des den Fjord blockierenden Packeises diese Nacht auf Baffin Island gut verbarrikadiert in der kleinen Hütte.

Als ich am Sonntag, dem 27. April, morgens das Geräusch des Scooters höre, bedauere ich ehrlich, dass ich in wenigen Tagen diesen grossartigen Teil der Welt verlassen muss. Aber ich weiss, dass ich nach Baffin Island zurückkehren werde!

Raura Highway Die Anden sind im wahrsten Sinn des Wortes das dem Himalaya verwandteste Massiv, dort kann sich die Phantasie noch mühelos von den verrücktesten Plänen packen lassen. Ich hatte die Cordillera Raura vom Gipfel des Cerro Puyoc, des letzten Vorberges der Cordillera Huayhuash, die ich beim Trekking besucht hatte, ausgemacht. Diese Andenkette ist durch grosse Gletscher, die bis in die Prärie hinabreichten, Am Cerro Cule ( Peru ) überformt. Sie liegt 300 km von Lima entfernt, ihre Struktur ist ideal für die Verbindung von Langlauf und Alpinismus. Diese Möglichkeit hatte ich mir überlegt, um die Gletscher schnell und elegant mit sehr leichtem Material, das obendrein beim Aufsteigen gut zu tragen ist, zu überqueren.

Der Mai des Jahres 1983 kündigte sich als einer der regenreichsten Monate in der Geschichte Perus an, aber das konnte mich nicht hindern, die Aneinanderreihung von fünf mehr als 5000 m hohen Gipfeln dieser Kordillere zu versuchen.

Nach unserer Ankunft am 2. Mai in Lima geht es mit dem Bus nach Oyon an der Strasse der Mine von Raura. Von dort bringt uns ein Camion zum Rio Surasacca und an den Ausgangspunkt unsres Anmarschs. Dort sollen wir uns auch mit Ovaldo, einem befreundeten Eseltreiber, treffen, der mit den Tragtieren unser Material zum Basislager bringen wird. Unsere Mannschaft ist nun, mit noch einem Freund und Gelegenheits-Kameramann und unserm Eseltreiber, der Wächter des Lagers und sogar Alpinist werden wird, vollständig.

In zwei Tagen erreichen wir das Ufer eines herrlichen Sees direkt vor der Cordillera Raura. Die Entdeckungen folgen sich in ra- \ schem Rhythmus, auch unsre Akklimatisierung geht sehr schnell vor sich. In wenigen Tagen besteigen wir den Cerro Cule ( 5600 m ) und den Cerro Quesillo ( 5350 m ). Dabei geschieht es, dass wir mit Michel auf 5400 m, zwischen dem Nord- und dem Südgipfel des Yarupac, zum Biwak gezwungen sind, ohne Schlafsack, im Langlaufanzug und Trainer, ohne Verpflegung und mit leerer Feldflasche! Beim Morgengrauen fliehen wir aus unserm Schneeloch, das wir mit den Spitzen der Langlaufski gegraben hatten, und kehren Beim Aufstieg zum Yarupac ( 5700 m ). Blick auf den Cerro Cule ( 5600 m ) 128schleunigst in unser bequemes Basislager zurück.

Am 16. Mai beginnt das ersehnte Abenteuer. Schon beim ersten Tageslicht nehme ich die Hänge des Leon Huacanan in Angriff, eines 5400 m hohen Gipfels, den ich einige Jahre vorher mit Gästen bestiegen hatte. Es ist Mittag, als ich bei meinen Kameraden etwas esse und wieder aufbreche zum Quesillo. Das Glück treibt mich dazu, den Gipfelhang hinunterzufahren.

Die erste Kurve scheint mir unmöglich, aber 200 m tiefer lässt mich ein weniger steiles Stück die Langlaufski an meinen Fussen vergessen! Am Ende des Nachmittags besteige ich, immer noch mit den Ski, den Nordgrat des Matador mit seinen 5300 m, dann bringt mich eine kurze Abfahrt zu meinen Freunden, die inzwischen das Lager eingerichtet haben.

Nach einer Nacht im Schnee verlassen wir das Lager zur Besteigung des Cerro Cule über den Nordgrat; Ovaldo, unser Eseltreiber, ist zu uns gestossen und begleitet uns.

Drei Tage später werde ich über den Südgrat des Yarupac, des letzten Gipfels dieser Kette, abfahren. Wir haben unser Basislager an den Fuss dieses Grates verlegt, weil es von dort aus möglich ist, mich zu filmen. Diese positiven Erfahrungen berechtigten mich nun, optimistisch zu sein und noch schwierigere Aneinanderreihungen mit ultraleichtem Material ins Auge zu fassen.

Am 28. Mai haben wir auf den berühmten Sandhängen an der Meeresküste nördlich von Lima die letzten Aufnahmen für den Film von dieser grossen Ski-Premiere zwischen 5700 m und 0 m gedreht und damit dieses Abenteuer abgeschlossen.

Mit Langlaufski zum Gipfel Als ich am 19. September 1986 als erster in der Geschichte des Langlaufs die Achttau-sendermarke mit Telemark-Material erreichte, habe ich damit den hohen Stellenwert dieser Sportart bewiesen.

Der Shisha Pangma, verloren auf den Hochebenen Tibets, ist mit seinen 8013 m der niedrigste der vierzehn Achttausender Der Shisha Pangma ( 8013 m ) Am Sisha Pangma auf 7800 m Höhe unserer Erde. Sein Basislager ist von Kathmandu aus in zwei Tagen auf der Strasse zu erreichen, allerdings vorausgesetzt, dass die chinesischen Zöllner an der Grenze bei Khassa keine Schwierigkeiten bereiten. Vom Ende dieser Strasse aus sind es dann noch 35 km Marsch in einer Höhe zwischen 4800 m und 5200 m bis zum vorgeschobenen Basislager, Ausgangspunkt für den Aufstieg über die Normalroute.

Die Einrichtung eines Camp I ist für eine Expedition mit schwerer Ausrüstung wie die, der ich mich für mein Projekt angeschlossen hatte, nicht nur angenehm, sondern auch notwendig.

Für die 1500 m Höhenunterschied, die Camp I auf 5400 m am Anfang eines Gletschers vom Zwischencamp auf 6900 m trennen, brauchte ich dank meiner leichten Ausrüstung nur vier Stunden. Den letzten Teil des Aufstiegs musste ich, die Ski auf dem Sack, unter überaus mühsamen Bedingungen mit beginnenden Erfrierungen an den Füssen - dies trotz der mit isothermischen Innenschuhen ausgerüsteten Telemarkschuhe - zurücklegen.

Zusammen mit Yves Détry, einem Freund, verlasse ich in der Nacht das Zwischenlager, um den Gipfel in Angriff zu nehmen. Auf etwa 7500 m treffen wir mit andern Alpinisten zusammen, die von einem höhern Camp aufgebrochen sind. Als wir auf 8000 m, auf dem Grat zum Gipfel, sind, bricht unter unsern Schritten ein Schneebrett los, und eine gewaltige Lawine donnert den ganzen Hang des Berges hinunter. Die Gefährlichkeit dieser Situation und die Tatsache, dass ich mein Ziel erreicht habe, veranlassen uns, auf die letzten Meter zu verzichten. Vier Stunden später und 2600 m tiefer bin ich in Camp I, und in der Nacht erreiche ich das vorgeschobene Basislager.

Diese Premiere, mit einem speziell dafür geschaffenen Material, wird die Anhänger des Aipin-Skilaufs träumen lassen.

Die Herausforderung Da es über die Haute Route von Chamonix nach Zermatt über Verbier oder Valsorey schon mehrere Berichte gibt, war ich es mir als kampflustigem Geist schuldig, mir eine Gleitschirmflug vom Montblanc anlässlich eines Versuches im Jahr 1989 Route zur Verbindung der beiden höchsten Gipfel unserer Alpen, des Montblanc und, im Monte-Rosa-Massiv, der Dufourspitze, zu überlegen.

Die während der Wintersaison 1988/1989 gemachten Erfahrungen bestärkten mich in meiner Absicht, nicht nur diese Traversierung durchzuführen, sondern auch die Medien darüber berichten zu lassen. Von da an eile ich voller Hoffnung unaufhörlich zwischen dem Telephon und Besprechungen mit möglichen Sponsoren hin und her. Ende Dezember 1989 - seit meiner Rückkehr von der Expedition halte ich den Rhythmus von 15000 bis 21 000 Höhenmetern wöchentlich ein - unterzeichne ich einen Vertrag mit Swatch und akzeptiere den Gedanken einer Dauer der Tour von 24 Stunden.

Dieser Gedanke an die Zeit einerseits und andererseits der Wunsch, nicht einen weiteren Rekord für die Strecke Chamonix-Zermatt aufzustellen, sind die Gründe, warum ich mich mit einem Helikopterflug auf den Montblanc einverstanden erkläre. So kann ich mich voll auf die Verbindung der beiden ( Pole> der Alpen konzentrieren.

Das Monte-Rosa-Massiv vom Montblanc aus Meine gesamte Ausrüstung, also Ski, Bindungen, Haftfelle, Schuhe und Teleskopstöcke, wiegt 2,9 kg, dazu kommt der Rucksack mit Gleitschirm und Gurten mit einem Gewicht von 3,9 kg; Verpflegung und Kleidung sind eine weitere Last.

Der entscheidende Tag Am 1. Mai 1990 besteige ich um 7.30 Uhr den Helikopter, der mich auf dem Gipfel des Montblanc absetzen wird.

Um 9.00 Uhr verlasse ich an meinem Gleitschirm hängend den Schnee auf dem Dach Europas. Das ist bereits die Hölle! Der sehr heftige Wind bläst mich zurück, ich überfliege

Um 10.30 Uhr hat es geklappt, und dank thermischer Strömungen gelingt es mir, trotz allem am Fuss des Col Ferret, genauer, beim Weiler Ferrache, niederzugehen. Und das, obgleich ich 1300 m unterhalb des Montblancgipfels gestartet war. Ich falte schnell meinen Schirm zusammen und packe ihn in seinen Spezialsack, den ich im Rucksack verstaue. Dann erreiche ich im Schlittschuhschritt Fondovalle, wo ich meine Felle auf-ziehe.

Es ist 12.45 Uhr, als ich beim Passieren des Col Ferret die Filmequipe entdecke, die mich beobachtet. Vom Gipfel der Dotze bringt mich ein kurzer Flug zur Alp von Plan de la Chaux. Ich nehme meinen Rhythmus wieder auf und ersteige schnell die 716 m, die mich vom Col du Bastillon trennen, wo ich mit zwei Freunden, die von der Alp aus für mich gespurt haben, zusammentreffe. Die Ankunft auf dem Pass ist mühsam, ich sinke bis zu den Knien in den nassen Schnee ein. Eine schöne Schussfahrt, gleich darauf breite ich meine 24 m2 Gleitschirm aus zum dritten problemlosen Start. Ein kurzer Flug erspart mir den Ort Bourg-Saint-Bernard, wo schon die Gänseblümchen blühen.

Um 16.45 Uhr entdecke ich endlich die Spur der Haute Route von Montorge her und erreiche sie in einer wilden Abfahrt; das Refuge du Vélan lasse ich rechts liegen. Jetzt bin ich auf der guten festen Spur der Tourenfahrer und steige nach Valsorey hinauf, wo ich mir die erste ernsthafte Pause leiste. Zweieinhalb Stunden der Erholung in der menschlichen Atmosphäre dieser Hütte, nachdem ich seit dem Morgen allein war.

Bei Einbruch der Nacht, um 21.00 Uhr, habe ich den Aufstieg zum Plateau du Couloir geschafft. Allein und ohne Hilfe bis Furri mit 8 Litern Getränk darf ich mir jetzt keinen Fehler mehr leisten.

Beim Schein meiner Stirnlampe geht es jetzt über den Col du Sonadon, den Gletscher des Mont Durant, das Plateau von Otemma, den Col de l' Evêque und den Col du Mont Brulé. Bei Tagesanbruch bin ich, völlig ausgetrocknet, am Col de Valpelline und fahre mit letzter Kraft nach Furri ab.

Ziel erreicht Vier Liter Getränk und zwei Stunden Ruhe, ehe ich zum Endspurt aufbreche; zwei Freunde spuren mir den Weg.

Zwei Stunden steigen wir zur Monte-Rosa-Hütte auf. Ein kurzer Halt zum Trinken, gerade genug Zeit, um die Sonnenanbeter vor Abfahrt vom Montorge mit Langlauf ski der Hütte liegen zu sehen, dann geht es weiter.

Nach so langer Zeit wage ich nicht mehr, an die Leidensstunden zu denken, die ich damit zugebracht habe, den Monte-Rosa-Glet-scher zu ersteigen. In Abschnitten von 100 m und dank des Trinkens, zu dem mich meine Freunde klugerweise zwingen, erreiche ich den Pass mit seinen 4359 m, von wo aus zu Fuss aufgestiegen wird.

Zum ersten Mal finde ich den Schlussgrat wirklich schwierig und muss mich konzentrieren, um mit meiner letzten Energie auf den Gipfel zu gelangen. Am 2. Mai 1990 um 18.30 Uhr schwenke ich auf der Dufourspitze zum Zeichen des Sieges meinen Stock.

32 Stunden einschliesslich der Ruhepausen, um die beiden höchsten Alpengipfel durch eine Tour von 115 km mit 8415 m Aufstieg und 4612 m Abfahrt auf Ski zu verbinden. Die Gleitschirmflüge haben mir 2890 m Abfahrt erspart.

Faszination einer neuen Sportart Ich habe, während Tagen oder einer Woche, den Jura durchquert, bin den Kämmen und Hochebenen der Franches Montagnes gefolgt und habe in diesem herrlichen Gebiet meine Leidenschaft für den Langlauf entdeckt. Dann gelang mir 1983 durch die Verbindung von Langlauf und Alpinismus eine Traversierung in den Anden, doch die Abfahrt auf den schmalen Latten blieb weiterhin heikel. Aber ich war nach wie vor überzeugt, dass sie dank ihrer Leichtigkeit ungewöhnliche Tourenverbindungen ermöglichen würden. Meine Teilnahme an der Patrouille des glaciers, die auf dem Gebiet des Ski-Al-pinismus als unumgänglich gilt, gab mir eine gute Grundlage, um eine ungewöhnliche Herausforderung zu ersinnen, die den Langlauf in seiner ganzen Bedeutung zeigen würde. Schliesslich fand ich im Gleitschirmfliegen die unerlässliche Ergänzung, um diese Art des Skilaufs im Hochgebirge möglich zu machen.

Selbstverständlich wurden für diese äusserste Herausforderung, die Route vom Montblanc zur Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv, Ski ohne Kanten und ohne Fersen-blockierung verwendet.

Ich hoffe, dass dieser Rekord von 32 Stunden bald verbessert werden wird!

Aus dem Französischen übersetzt von Roswitha Beyer, Bern

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