Neue Pfade in den Berneralpen

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Von Hans Winterberger.

1. Lauteraarhorn, 4043 m.

Abstieg auf den Schreckfirn.

Rrrrr... in gleichmässigem Takte summt der Motor sein Lied. Wie im Kino ziehen die wechselnden Landschaftsbilder vorbei; Innertkirchen mit dem prächtigen Blick ins Urbachtal, Boden, Guttannen flitzen vorüber, und schon nähern wir uns der Handeck. Bewundernd stehen wir an dem tosenden, donnernden Gebirgsstrom, dessen urwüchsige Kraft bald genug in elektrische Energie umgewandelt sein wird.

Grimsel. Chauffeure in Staubmänteln, kurzberockte Weiblein, schmutzige Italiener, fluchende Vorarbeiter, geschäftig dahineilende Ingenieure, herumlungernde Nachtschichtarbeiter, dazu das Getöse der Brechmaschinen und der Lärm der an- und abfahrenden Automobile — wer kennt den einst so idyllischen Ort wieder ?!

Eine kurze Anfrage an einen Ingenieur, und schon fahren wir holterdiepolter mit der Dienstbahn dem Unteraarboden zu...

Ein paar Federwölkchen hingen schon am Lauteraarhorn, als wir leichtfüssig über die Mittelmoräne des Unteraargletschers dem Dollfushüttli zu hüpften. Nach kaum zwei Stunden standen wir vor dem gar bescheidenen Bergheim, das einen kargen Inhalt, dafür aber eine grandiose Umgebung sein eigen nennt. Schon waren sieben Menschen anwesend, Leute genug für den knappen Raum. Wir gaben wieder einmal der Hoffnung Ausdruck, dass auf diesem herrlichen Flecken Erde recht bald eine grössere Hütte stehen möge!...

Dunkler wurde der Himmel, ein fernes Gewitter rollte vorüber, und auch in der Unteraar setzte ein feiner Sprühregen ein... Der Zeiger der Taschenuhr näherte sich bedenklich der Mitternachtsstunde, als wir endlich durch die Lucke auf den Estrich schlüpften, wo die durch das Dach vorspringenden Nägel den Bergsteiger eindringlich ermahnen, den Kopf nicht zu hoch zu tragen.

Wolkenlos spannte sich der Himmel wieder, so weit das Auge reichte, als wir nach 3 Uhr in der Morgenfrühe dem Abschwung zustrebten. Da die Zeit schon ziemlich vorgeschritten war ,'Schlugen meine schlanken Kameraden ein Tempo an, dem ein deutsches Seil, das sich uns anfänglich angeschlossen hatte, nicht zu folgen vermochte.Viele Gemsspuren kreuzten hier den Strahleggfirn. Was mochten die flinken Grattiere hier im Reiche des ewigen Schnees und Eises wohl suchen?

Am Fusse unseres Berges legten wir die Steigeisen an und stiegen bedächtig die äusserst steile Rinne hinan, die hinter den Felstürmen westlich des kleinen Lauteraarhorns hinaufzieht. Immer mehr weitete sich der Blick. Immer niedriger wurden die uns umgebenden Berge. Nur das Finsteraarhorn, das uns seine gewaltige Nordwand zukehrte, bewahrte seine beherrschende Stellung.

Schon brannte die Julisonne heiss auf unsere Rücken, als wir die Felsen des Grates und über denselben in angenehmer anregender Kletterei den Gipfel des Lauteraarhorns, 4043 m, erreichten, 6 1/2 Stunden nach Aufbruch von der Hütte. Welche Aussicht! Welche Tief blicke! Welch köstliches Ruhen!

Nur zu bald hiess es aufbrechen, wollten wir noch rechtzeitig den Zugs-anschluss in Grindelwald erreichen.

Bedächtig überkletterten wir die ersten Grattürme gegen das Schreckjoch zu. In der Südwestwand fing es an, lebendig zu werden. Unter dem Einfluss der Mittagssonne führen durch die Rinnen kleine Lawinen zischend nach dem Schreckfirn, immer häufiger mit Steinhagel vermischt. Nach kurzer Besprechung der Sachlage beschlossen wir, auf den Übergang zum Schreckjoch zu verzichten.

Wir wählten nun zum Abstieg die Rippe, welche vom Schneesättelchen im zweiten Drittel des Verbindungsgrates direkt zum Schreckfirn hinunterzieht. Und wir hatten es nicht zu bereuen. Wohl sahen einzelne Stellen aus der Entfernung recht böse aus, sie boten aber keineswegs grössere Schwierigkeiten. In anregender Kletterei, die hie und da wegen losem Gestein Vorsicht erheischte, erreichten wir in zwei Stunden den Schreckfirn. Hier sofort eine unangenehme Überraschung! Bis zu den Lenden sanken wir in den aufgeweichten Schnee, und so wurde der Abstieg bis zum Gagg eine schwere Arbeit.

Hier holten wir unsere Bekannten von der Dollfushütte ein. Sie hatten inzwischen den Strahleggpass überschritten, strebten nun wie wir der Strahlegghütte zu. Nur zu gerne hätten wir unsere ausgetrockneten Kehlen mit Tee befeuchtet, aber die Zeit reichte nicht mehr. Im Eilschritt Grindelwald zu. Unbarmherzig brannte die Sonne von Südwesten und machte uns die Trennung von den freundlichen Wirten auf Bäregg schwer. Hoch befriedigt erreichten wir Grindelwald, wo auf Stegen und Wegen leichtgekleidete Menschen bummelten. Sie konnten nicht glücklicher sein als wir.

2. Finsteraarhorn, 4275 m.

Erster Aufstieg über den Nordostgrat.

Ende September war es schon geworden und damit wohl auch höchste Zeit zum Handeln, sollte uns noch eine anständige Besteigung gelingen. Kaum waren wir der Unteraarbahn entstiegen und strebten der Oberaaralp zu, warfen wir die Rucksäcke zu Boden und fingen an, die rotleuchtenden Heidelbeerstauden am Zinggenwang zu plündern, sie hingen voll süsser Früchte.

Tausend und abertausend ins Blankeis eingeschmolzene Sandkörner hatten den Oberaargletscher porös gemacht und gestatteten so einen angenehmen Anstieg. Still und friedlich alles hier oben, geradezu überwältigend die Ruhe, wenn man vor kaum zwei Stunden die Hexenküche der Grimsel verlassen hat. Ein Knacks, ein Jammerschrei! Bis zur Wade war ich in einen der leichtüberfrorenen Wassertümpel getreten, die überall bereit- stehen und zum Schrecken des Unvorsichtigen mit eiskalten Suppen gefüllt sind.

Kilometerweit rauschte ein grosser Bach durch das tief ins Eis eingeschnittene Bett über den flachen Gletscher und verschwand plötzlich mit donnerndem Getöse in einem dunklen Schacht. Lange bestaunten wir den tiefen Krater und freuten uns an den in allen Regenbogenfarben glänzenden Eisnadeln.

Ergiebig war der Aufstieg zur Oberaarhütte, 3255 m. Da aber der Gletscher beinahe bis zum Joch ausgeapert war, kamen wir gut voran. Auf dem Joch fesselte uns vor allem der Blick auf unsern Berg, das Finsteraarhorn. Lang und zackig steigt der Südostgrat von der Gemslücke bis zum Gipfel, während der Ostgrat in einem gewaltigen Riesensprung vom Studerjoch bis zur Spitze stürmt. Er soll unser werden?

Ein prächtiger Berg! Sei es von der Strahlegg, von der Grünhornlücke, vom Oberaarjoch oder vom DoUfushüttli gesehen, stets muss man seine kühnen Grate, den gewaltigen Absturz seiner Flanken bewundern...

Wie mit der Wünschelrute gelang es unserem Kameraden Hans Kohler dem Blankeis auf dem Joche zwei Kessel Wasser zu entlocken und so unseren Bedarf zu decken, während wir zwei andern Feuer anfachten und daneben die in Abendgluten aufflammende Landschaft bewunderten...

Schon zündete der werdende Tag auf den höchsten Gipfeln seine Fackeln an, als wir die gastliche Hütte verliessen und dem Studerjoch zustrebten. Beinhart gefroren unsere Schuhe beim Waten im feinen Pulverschnee, und auch in die Finger zwickte uns der Frost mit feinen Zangen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichten wir das Studerjoch, von wo wir den Nordostgrat näher ins Auge fassten. Mit steifen Fingern schlugen wir die ersten Stufen in das Eiswändchen, welches den Zugang in das Couloir vermittelt, das hinter dem ersten grossen Turm im Nordostgrat emporführt. Kaum hatten wir einige Meter Fels geklettert, so überflutete uns die wärmende Sonne und machte allem Frieren ein Ende. Bedächtig und sicher nahm unser Kamerad, der junge Führer Hans Kohler von Willigen, die Gratkante in Angriff, an mancher ausserordentlich steilen Stelle vor Anstrengung keuchend, aber immer ruhig und guter Dinge.

Grandios sind die Tiefblicke, links hinunter auf den Studerfirn, rechts auf den Finsteraarfirn und weiter auf den moränigen Unteraargletscher.

« So um die Mittagszeit werden wir wohl oben sein », meinte Otto Brügger, als wir uns um 10 Uhr zur ersten Rast niederliessen und die Teeflasche die Runde machte.

Gratstück um Gratstück wurde überklettert. Aber immer noch reckte sich der Gipfel hoch über uns ins Himmelblau. Gar oft verwünschten wir bei dieser Kletterei den gefüllten Rucksack und den hindernden Pickel. Ein senkrechtes, wenig griffiges Gratstück, oben mit einem Überhang geziert, schien uns wenig verlockend. Wir stiegen einige Meter in die rechte Flanke ab und erreichten durch eine mit feinem Kristallschnee gepuderte Rinne wieder den Grat.

Ein befreiender Jodler ertönte, kamen wir doch aus der schattenkalten Flanke wieder auf den sonnigen Grat. Noch erforderten einige Gratabsätze ernste Arbeit, dann standen wir am Fusse einer steilen Wand, die unten mit blankem Eis überzogen war. Rasch die Pickel vom Rucksack herunter und einige Stufen gehackt, und wir erreichten, vorsichtig etwa zwanzig Meter nach links querend, wieder die Gratschneide. Kurze Rast. Immer gewaltiger wurden Tiefblick und Fernschau, immer mehr näherten wir uns dem Gipfel.

Nachmittags 3 Uhr, wir konnten beinahe nicht glauben, dass es so spät geworden, erreichten wir die Spitze unsres Rerges. Ob der prächtigen Kletterei über Risse, Platten, Ruckel und Schneiden waren uns die 7 1/2 Stunden, die wir vom Studerjoch herauf gebraucht hatten, wie Augenblicke zerronnen. Kein Windhauch wehte hier oben. Gemütlich streckten wir unsere Glieder in der warmen Septembersonne und genossen eine der köstlichsten Weihestunden. Wie eine ausgezeichnete Reliefkarte lag das Land nordwärts der Alpen zu unseren Füssen. Ein feiner Dunst füllte die Täler und brachte die Gliederung der Bergketten noch besser zum Ausdruck. Was uns besonders auffiel, war die aussergewöhnlich starke Ausaperung. Überall dunkle Felsgipfel, und wo man gewohnt war, grosse Schneefelder zu sehen, hingen als kümmerliche Reste schmutzigweisse Firnfetzen. Südlich der Alpen ein gewaltiges brandendes Nebelmeer, aus dem die fernen und fernsten Berge wie kleine Klippen ragten.

Der Abstieg zum Hugisattel geschah ziemlich rasch, und den Frühstücksplatz erreichten wir in mühelosen Abfahrten. Doch hier änderte sich das Bild. Der stark zerrissene Gletscher nötigte uns zu manchem Quergang, bevor wir die schmucke Finsteraarhornhütte erreichten. Auch hier war alles menschenleer. Vergnügt bereiteten wir uns ein einfaches Abendessen...

Gemütlich bummelten wir am nächsten Morgen dem Agassizjoch zu, dessen Nordabhang aus einer gewaltigen, blanken Eiskehle bestand. Nach kurzer Rast stiegen wir durch die linksseitigen Felsrippen, die wegen ihrer ausserordentlichen Brüchigkeit einige Vorsicht erfordern, dem Finsteraarjoch zu. Unten zwang uns der Bergschrund zu einem zeitraubenden Quergang nach rechts. Gar manche Stufe wurde geschlagen. Dann landeten wir auf dem weiten Firnfeld des Finsteraarjochs, dessen Bruchharst mir von früher her in unangenehmer Erinnerung war.

Nochmals zwang uns der gänzlich vereiste Abhang der Strahlegghörner zu ernster Eisarbeit, bevor wir in den Geröllhalden östlich der Strahlegghütte Seil und Steigeisen entbehren konnten. Menschenleer und verlassen die Hütte. Bewundernd massen wir im Vorübergehen den gewaltigen, roten Felsturm des grossen Schreckhorns, an dessen Riesenkörper bis herunter zum Kastensteingletscher und Schreckfirn auch nicht der kümmerlichste Rest von Schnee zu entdecken war. An den Hängen westlich der Schwarzegghütte ergötzte uns eine Murmeltierfamilie mit neckischem Spiel, verschwand aber hurtig mit gellendem Pfeifen, als sie unsre Schritte vernahm.

Der Hirt an der Stierenegg, der mit einem Hunde die grosse Schafherde betreute, war der erste Mensch, den wir seit Verlassen der Grimsel erblickten.

Und da das Gasthaus auf der Bäregg geschlossen war, zogen wir munter Grindelwald zu. In der berühmten « Pinte » daselbst würzten Gemeinderäte vor der Sitzung unsern Trunk mit Jägeranekdoten.

Der Finsteraarhorn-Nordostgrat, der in normalen Sommern wohl immer begehbar ist, erfordert ausdauernde und geübte Kletterer, bietet aber seinen Besteigern Genüsse, wie man sie nicht so leicht wieder findet.

3. Wendenstock, 3044 m.

Erste Ersteigung über die Südwand.

Schon seit Jahren hatte es meinen Freund Otto Brügger und mich gereizt, die Ersteigung dieser annähernd 1000 m hohen Steilmauer, die in den Gadmer-flühen, Mähren und Wendenstöcken gipfelt und von der Hornlauikehle bis zum Titlis bisher nie erstiegen worden ist, zu versuchen. Durch die Hornlauikehle soll vor vielen Jahren ein Jäger emporgeklettert sein, doch weiss niemand mit Bestimmtheit den Namen desselben.

Am 4. August bummelten wir hemdärmlig durchs Gadmental. Das Postauto hatte für uns zwei keinen Platz mehr übrig, die Rucksäcke aber fanden noch Raum. Ein Platzregen hielt uns in Gadmen fest, und eifrig wurde am Abend mit der Jungmannschaft des Ortes über die Aufstiegsmöglichkeiten gesprochen.

Bei tiefverhängtem Himmel machten wir uns am Morgen auf nach der Wendenalp und stiegen von hier nach kurzer Rast den Steilhang gegen die Wand hinan. Wir standen aber bald in dichtem Nebel, und stärkerer Regen nötigte uns, unter einem Stein Schutz zu suchen. Einige gute Stumpen und die Erinnerung an manche gemeinsame Bergfahrt verkürzten die Wartezeit, bis eine kleine Kunstpause uns erlaubte, im Laufschritt den Rückzug zur Wendenalp anzutreten. Nicht einmal eine Erkundung war bei dem widerwärtigen Nebel möglich gewesen.

Vierzehn Tage später standen wir schon wieder auf der Wendenalp. Bei strahlendschönem Wetter stiegen wir nach 18 Uhr zu den Stöcken empor, um die Aufstiegsmöglichkeiten näher zu studieren. Schon lag Dämmerung in den Tälern, die Sonne verglutete an den Riesen des Berner Oberlandes. Ein märchenhaft schönes Bild, bevor wir unserem Nachtlager bei den gastfreundlichen Sennen auf der Wendenalp zustrebten...

Ein herrlicher Morgen. Nur drüben am Finsteraarhorn sass ein bleigrauer Drache, seine Fänge links gegen das Oberaarhorn, rechts gegen das Schreckhorn reckend. Bei Sternenschein stiegen wir die steile Alp hinan. Um den unbequemen Gang durch die Geröllhalden am Fusse der Wand zu meiden, stiegen wir in der obern Hälfte in den mit Firnschnee gefüllten Graben des Lägerbaches, der bis zum Fusse der Wand hinaufzieht. Im obersten Teil erforderte Eis einige Hackarbeit. Trotzdem standen wir eine Stunde nach Verlassen der Hütte am Fusse der Wand.

Oberhalb der « Stöcke » — das sind zum Teil ganz groteske Felstürme — durchzieht eine seichte Rinne die wenig gegliederte Wand. Wir wählten diese nach kurzem Kriegsrat zum Aufstieg. « Ich gehe voran, » sagte Otti, « es wird wohl für beide genug Arbeit geben. » Ein schmales Bändchen führt von einem Absatz in die Rinne, die in einem Überhang endet.

Steil, an kleinen, abgeschliffenen Griffen die nächste Wandstufe empor. Vom Vordermann sehe ich nur einen Teil der Schuhsohlen und des Hosenbodens. Verflucht! Ein feiner Sprühregen überfällt uns. Wir hatten nicht Zeit gefunden, nach dem Wetter zu sehen. Aber wie wir uns umblicken, strahlt blendender Sonnenschein. Hoch oben aber auf einer Klippe zerstäubt sich ein kleines Wässerlein... Es hat uns, als wir noch im Schatten kletterten, sekundenlang erschreckt.

Die ersten 150 m senkrechter Höhe dieser Rinne sind das anstrengendste und zeitraubendste Stück des ganzen Aufstieges, der uns übrigens immer besser gefiel. Eine Wandstufe weiter oben, die uns, von unten gesehen, schwierig erschien, war dank des tadellosen, griffigen Gesteins gut zu überwinden. Die Sonne wärmte nun schon ordentlich, und wir waren froh, in der Rinne, von der wir uns nur wenig entfernten, immer wieder herrlich frisches Wasser zu finden.

Ein zweiter hoher Überhang konnte rechts, im Sinne des Aufstiegs, umgangen werden. Und nach kurzer, luftiger Kletterei sassen wir auf einer Schulter, von der aus wir das letzte Wandstück bis zur Grathöhe überblicken konnten. Es war kein Zweifel mehr, wir mussten hinaufkommen. In einigen frohen Jauchzern machten wir unserer Freude Luft und genossen den wunderbaren Tiefblick auf das Gadmental und das gewaltige Bild der Berner Hochalpen, bevor wir das letzte Wandstück in Angriff nahmen.

Kurz vor 9 Uhr erreichten wir, nachdem wir noch einige recht hübsche Kletterstellen überwunden hatten, die Grathöhe. Wie ein Raubtierzahn ragte da der kleine Wendenstock empor. Ein für geübte Kletterer ziemlich harmloser Geselle, nur fordert der brüchige Stein einige Vorsicht. Schlimmer sah die Nordflanke gegen die Engstlenalp aus. Infolge der starken Ausaperung waren die sonst leicht begehbaren Firnhänge zu schwarzem Eis geworden und machten uns, die wir nur einen Pickel und keine Steigeisen mitgenommen hatten, ziemlich Arbeit.

Ein Tiefblick zwischen Grosswendenstock und Pfaffenhut erfasste zwei Kerle, die etwa 300 m unter uns auf einer Klippe sassen. Sollten an diesem Tage zwei Paare an verschiedenen Orten die Wand bezwungen haben? Ein gellendes 0-hü, und die beiden kreisten hinaus in den blauen Äther, unseren rasch aufgesprungenen Konkurrenzneid sofort zerstreuend. Nachdem wir die stolzen Könige der Lüfte eine Zeitlang auf ihrem Fluge verfolgt hatten, querten wir den Pfaffengletscher und strebten dem wie ein Saphir heraufleuchtenden Engstlensee zu.

Und dann wanderten wir, glücklich über die schöne Erfüllung eines alten Wunsches, hinab ins heimatliche Haslital.

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