Piz d'Err und Piz dellas Calderas

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Am 23. August 1893 stieg ich von der Alp Flex durch die Val Tellers, das kleine bei Las Cuorts ausmündende Thälchen, mit Führer Giov. Signorelli von Sur auf den Piz d' Err, dessen Höhe nach den neuesten Messungen von 3395 m, wie bis jetzt in allen Karten angegeben, auf 3381 m reduziert worden ist.

Von bloßem Auge sieht man leicht, daß sein südlicher Nachbar, auf den altern Karten als südliche Errspitze bezeichnet, in den neuern Karten dagegen Piz délias Calderas genannt, dessen Erhebung mit 3393 m unangefochten bleibt, höher sein muß. Es hat daher die gleichzeitige Begehung der beiden Spitzen, derjenigen, welche der ganzen Kette den Namen verleiht, und derjenigen, welche sich nunmehr als die höchste erwiesen, vermehrtes Interesse bekommen.

Der Gang über den Errgrat vom Piz d' Agnelli bis zum Piz d' Err ist in seinen einzelnen Teilen schon ausgeführt worden, indes wohl mit Ausnahme des kleinen Stückes zwischen der Fuorcla da Tellers und dem Piz délias Calderas. So haben, laut dem letztjährigen Itinerarium für die Albulagruppe von Ed. Imhof, schon 1857 die Herren Forstinspektor Coaz und Kreisförster Rimathé das Stück vom Flexsattel ( 3053 m ) über die Cima da Flex ( 3287 m ) bis zum Piz délias Calderas begangen, die Herren Studer und Escher von der Linth sogar schon in den Dreißigerjahren und Theobald 1861 vom Flexsattel aus die Cima da Flex bestiegen. Die Strecke vom Flexsattel auf den Piz d' Agnelli ( 3206 m ) legten die Herren Ingenieur Held 1876 und Ingenieur Jaggi aus Bern zurück.

Herr Dr. Emil Burckhardt aus Basel stieg 1878 vom Calderassattel ( 3130 m ) auf den Piz gleichen Namens, und mehrfach wurde von der Fuorcla da Tellers ( nach Imhof ) oder Errsattel ( nach Tschudy etc. ) am Südfuße des Piz d' Err diese Spitze erreicht, so von den Herren Prof. Schröter und Rzewuski 1890 und Imhof 1892.

Als einzige Lücke in der Begehung des Errgrates blieb aber immer noch der Aufstieg von der Fuorcla da Tellers auf den Piz délias Calderas, die ich nun ausgefüllt.

Vom Piz d' Err südlich hinuntersteigend, überschritten wir die breite, fast ebene, jedoch ziemlich verschrundete Fuorcla da Tellers und verfolgten dann die genau nach Süden streichende Firnschneide, die westlich sehr steil in die Val Tellers abfällt, während sie sich gegen den Calderasgletscher hin etwas sanfter abdacht.

Die Schneide war anfangs gut zu begehen, im obern Teile jedoch ging der Firn in blankes Eis über, so daß eine Anzahl Stufen geschlagen werden mußten und größte Vorsicht nötig war. Auch der Übergang von der Schneide in die Felsen bot einige Schwierigkeiten; doch werden dieselben bei günstigem Schneeverhältnissen wohl wegfallen. Eine nicht ganz leichte, aber kurze Kletterei brachte uns auf den Piz délias Calderas.

Der Übergang von Gipfel zu Gipfel hatte 1314 Stunde erfordert, indes muß sich derselbe bei normalen Verhältnissen in bedeutend kürzerer Zeit ausführen lassen.

Die Aussicht ist von beiden Spitzen natürlich ähnlich. Vom Piz d' Err aus gesellt sich zu der großartigen Gebirgsansicht ein lieblicher Blick ins Oberhalbstein und bis Thusis hin, während vom Piz délias Calderas vom Thalgrund fast nur Mühlen sichtbar ist; dagegen treten hier die Engadiner um so stärker hervor. Den Glanzpunkt bilden immerhin die in geradezu erschreckender Nähe sich auftürmenden Felswände der Bergünerstöcke. Den Abstieg bewerkstelligten wir ohne Schwierigkeiten in die Val Gadotsch.

H. Lavater-Wegmann ( Sektion Uto ).

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