Prof. A. Stutzer: Zucker und Alkohol

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Diese Schrift bezweckt, über den Wert des Zuckers für den menschlichen Organismus diejenige Aufklärung zu geben, welche nach Maßgabe der bisherigen wissenschaftlichen Erfahrungen darüber erteilt werden kann. Demnach steht fest, daß der Zucker kein Luxusartikel, sondern ein wichtiges Nahrungsmittel ist, welches namentlich als Kraftbildner und als Wärmeerzeuger des Körpers in Betracht kommt. Im Gegensatz dazu bespricht Verfasser im zweiten Teile der Arbeit die ganz andere und in mancher Beziehung entgegengesetzte Wirkung des Alkohols auf den Körper. Zu gleicher Zeit werden diese beiden Genußmittel und ihr Verbrauch vom nationalökonomischen Standpunkt aus beleuchtet, insofern dieselben socialen Nutzen, resp. Schaden für das Volk im Gefolge haben. Die für den Bergsteiger interessanteste Partie enthält der Abschnitt 8, wo über den Verbrauch des Zuckers als menschliches Nahrungsmittel bei sportlichen Leistungen die Rede ist. Hier finden wir dieselben Grundsätze niedergelegt wie in der Broschüre des Hauptmanns Steinitzer; es wird die vortreffliche Wirkung des Zuckers auf die Muskelthätigkeit betont und an einer Anzahl von Beispielen erläutert. Der Genuß von Zucker hilft eine Ermüdung des Körpers viel leichter überwinden als alkoholische Getränke, welch letztere bei sportlichen Leistungen ganz ausgeschlossen sein sollten. Der Alkohol wirkt wie ein Peitschenhieb auf ein ermüdetes Pferd, er ist im stande, dem Körper kurze Zeit die Ermüdung weniger fühlbar zu machen, er führt ihm indessen kein Material zu, aus dem der Körper neue Kraft schöpft, sondern läßt diesen nach vollendeter Wirkung in einem noch ermüdeteren Zustand zurück. Der Zucker dagegen beeinflußt nicht nur das Nervensystem, indem das Müdigkeitsgefühl überwunden wird, sondern er befähigt den Körper auch zu neuen Muskelleistungen. In ähnlicher, aber langsamerer Weise wirkt bei alpinen Leistungen der Speck oder eine warme Erbsensuppe mit Speck, ferner Ölsardinen und andere Fettstoffe, da bei Muskelarbeit hauptsächlich ein Verbrauch des durch die Nahrung aufgenommenen Fettes und der Zuckerstoffe stattfindet. Verfasser empfiehlt also ebenfalls mit Recht nicht nur den intensiveren Gebrauch des Zuckers als menschliches Nahrungsmittel, sondern auch seine vorteilhafte Anwendung als Kräftigungs-und Belebungsmittel in der Touristik. Es sei noch bemerkt, daß an der Hand einer Reihe sehr instruktiver Beispiele aus der Soldatenverpflegung diese Gesichtspunkte ebenfalls erhärtet werden, die zu gleicher Zeit dokumentieren, daß ein rationell durchgeführter Zuckergenuß die Leistungsfähigkeit der Truppen bedeutend erhöht und vor allen Dingen keinerlei unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringt. Bis zu dem etwas extremen Standpunkt Steinitzers ist Verfasser noch nicht gelangt und hat damit wohl auch das Richtige getroffen, da unser Organismus bekanntlich nicht auf eine einseitige Ernährungszufuhr eingestellt ist.

Dr. Krumbein.

Chronik des S.A.C.

für das Jahr 1901.

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