Über Waldverhältnisse und Holztransport im Prätigau

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Ton U. Obrechl ( Sektion Scesaplana ).

Der Wald trägt zur Physiognomie eines Landes gar viel bei, und je nachdem die verschiedenen Waldbäume vertreten sind oder die Kultur derselben betrieben wird, ist der Eindruck, den eine Gegend macht, ein anderer. Im Walde haben wir die ältesten Repräsentanten der Pflanzenwelt; sie zeugen, namentlich in unsern Berggegenden, von vielhundert-jährigem Leben. Bei Betrachtung eines altern Waldbaumes, der Zeuge einiger Jahrhunderte ist, erhebt sich unser Gefühl, und wenn wir bedenken, was während seinem Dasein und Wachsen sich abgespielt hat, so bekommt uns eine eigenartige, feierliche Stimmung. Es darf daher dem Walde wohl im Jahrbuch des S.A.C. eine kleinere Abhandlung gewidmet werden; ist er doch, wenn unser Streben auch über ihn hinaus- geht, unser aller Freund, und besingen wir ihn stetsfort mit besonderer Vorliebe.

Der Wald ist aber bekanntlich auch kulturell von größter Bedeutung. Er gehört zu den ursprünglichen Vegetationsformen, welche aller menschlichen Kultur vorangehen. In ihm gelangt der Kampf der Baumindividuen um Luft und Licht, sowie um den erforderlichen Wurzelraum, d.h. um ihr Dasein, zur vollen, ungehemmten Geltung. Ohne Regel und in buntestem Wechsel baut sich hier Altersklasse über Altersklasse, stellt sich Holzart neben Holzart, und es ringen nur solche Stämme sich durch, welche die kraftvollste Entwicklung haben. Überall über den emporstrebenden Jungwüchsen steht breitkronig und reich entwickelt der Mutter- stamm, dessen Same jene erzeugt hat. Zusammenbrechend in morsche Trümmer oder vom Sturm geworfen, weicht endlich der Oberbaum, und in die Lücke wachsen freudig die Jüngern. Der Wald erscheint auf den niedrigsten Kulturstufen als ein Kulturhindernis. Zerstörung desselben, um ackerbares oder Weideland zu gewinnen, ist Vorbedingung fester Niederlassungen. Diese durch die Hand des Menschen bewirkten Veränderungen der Vegetation der Erdoberfläche gehen dann in der Geschichte aller Völker neben den socialen und politischen, sowie den wirtschaftlichen Entwickelungen einher, wenig beachtet von der Geschichtsforschung, dennoch von tief eingreifender Bedeutung für die Geschicke der Völker. Denn nur bis zu einer gewissen Grenze ist die Waldzerstörung vernünftig und wirtschaftlich; über diese Grenze hinaus wird sie unvernünftig und gemeinschädlich. Die Bewaldung eines Landes hat nicht nur eine privat- wirtschaftliche Bedeutung, indem wir im Wald Bau-, Nutz- und Brennholz gewinnen, sowie nutzbare Rinden, Früchte, Futter- und Streustoffe finden, sondern es ist die Kulturfähigeit der Länder im ganzen von einer angemessenen Bewaldung derselben abhängig. Unverständige Entwaldung der Berge führt Fortschwemmungen des fruchtbaren Erdreichs von den Höhen und Gehängen, Abrutschungen, welche die Thalgelände mit Geröll und Schutt überdecken, herbei und bewirkt stark wechselnden Wasserabfluß von den Bergen, so daß heftige Überflutungen der Thäler mit gänzlicher Trockenheit wechseln, mindert den Quellenreichtum und die Bodenfrische und setzt das Kulturland kalten Luftströmungen und großem Temperaturwechsel aus. Auch mit Bezug auf das Klima eines Landes und den Wasserreichtum der Flüsse ist der Waldbestand von großer Bedeutung. Waldungen sind klimatische Regulatoren, indem sie die Temperaturextreme abstumpfen, die relative Luftfeuchtigkeit vermehren und langsames Eindringen und Abfließen der Niederschläge vermitteln. In ethischer Hinsicht endlich bedingt der Wald in hohem Grade die landschaftliche Schönheit einer Gegend und steht in einer tiefen und ernstlichen Beziehung zum geistigen und gemütlichen Leben des Volkes.

Nach diesen allgemeinen Betrachtungen wollen wir, wie unser Thema lautet, uns speciell mit den Waldverhältnissen des Prätigaus beschäftigen. Der Wald repräsentiert neben den Wiesen und Weiden den Hauptreichtum des Kantons Graubünden und ganz besonders des dermaligen Exkursionsgebietes. Wie die Waldungen Graubündens überhaupt, so gehören auch die in unserm Thale größtenteils den Gemeinden; Private haben im Verhältnis des Gesamtareals wenig Waldbesitz. Leider wird der Wald im ganzen nicht rationell bewirtschaftet; aber dennoch wirft derselbe viel Nutzen ab und verschafft den Gemeinden unstreitig die Haupteinnahms-quelle.

Im Prätigau bilden Tannen und Buchen die Hauptbestände des Waldes. Erstere herrscht im Hinterprätigau und in höhern Lagen vor, wogegen die Buche die Gehänge des Vorderprätigaus bis auf 12-1400 m hauptsächlich inne hat. Sie geht zwar in Einzelexemplaren mitunter noch bedeutend höher. Herr A. Ludwig berichtet z.B. im Jahrbuch XXVII, pag. 8, daß er bei Furna noch Buchen auf einer Höhe von 1600 m angetroffen habe. Auch auf Davos befindet sich ob dem Dörfli noch eine Buche auf cirka 1700'n; diese wurde zwar an diese Stelle gepflanzt, gedeiht indessen wider Erwarten ausgezeichnet. Es sind dies natürlich Ausnahmen; im allgemeinen kann die Region der Buchen, die unserm Thale, besonders im Herbst, sein eigentümliches Gepräge geben, nicht höher gestellt werden, als oben angegeben. Interessant ist auch, daß die Buchen auf der Schattenseite ( Nordseite ) im allgemeinen im Frühjahr früher Blätter bekommen als diejenigen auf der Sonnen- ( Süd- ) seite und im Herbst letztere früher sich entlauben.

Wir sind bei den Buchen deshalb etwas lange geblieben, weil, wie Herr Imhof im Itinerarium für 1890/91, Seite 150 ff., richtig bemerkt, das Prätigau sich dadurch vor andern Thalschaften des Kantons auszeichnet.

In den höhern Lagen führt die Tanne sozusagen das alleinige Regiment; freilich sind auch noch andere Waldbäume, als Lärchen, Ahorn etc., mitunter in der Alpregion zu sehen; allein es sind keine geschlossenen Bestände, sondern nur größere oder kleinere Gruppen.

Bei den Tannenbeständen ist, namentlich im Hochwald, die Fichte ( Rottanne ) vertreten, während die wirtschaftlich nicht beliebte Weißtanne mehr in den Waldungen mittlerer Höhe anzutreffen ist. Die Lärche ( im Dialekt der Lärch genannt ) findet sich in größerer Anzahl nur in einigen Gemeinden vor ( Grüsch, Schiers, Jenaz und Fideris ), und zwar hauptsächlich auf der linken Thalseite. Am rechten Thalgelände und im Inner-prätigau, sowie auf dem Gebiet der Gemeinden Seewis und Fanas steht sie nur in kleiner Anzahl. Die Kiefer ( Föhre ) ist im Prätigau nicht daheim, d.h. in wirklichen Beständen. Sie tritt nur in geringer Zahl auf und in nicht besonders rotholziger Qualität. Die Eichen, welche ehemals die sonnigen Abhänge des Vorder- und Mittelprätigaus beschatteten, gehen, wie es bei dieser Holzsorte in Graubünden überall der Fall ist, stark zurück. Das Gleiche kann vom Ahorn gesagt werden. Freilich findet man hie und da noch Prachtexemplare, doch wächst diese Holzsorte zu langsam, um dem starken Konsum zu entsprechen. Die Arve ist nur an wenigen Standorten ( in der Seewiser Alp Vals und Casanna ) zu finden und auch da nur in geringer Anzahl. Die übrigen Waldbäume, als Birken, Linden, Ulmen, Eschen etc., sind im Prätigau schwach vertreten, tragen aber zur Mannigfaltigkeit des Bildes ebenfalls bei. Dieser Reichtum und Wechsel der Holzsorten gibt unserm Thale ein besonders schönes Aussehen. Die Farbenpracht ist im Frühjahr und namentlich im Herbst von großem Effekt. In allen Schattierungen spiegelt sich das Gelände, und wenn noch ein wolkenloser Himmel sich über das Thal wölbt, so kann man sich ein schöneres Bild kaum denken.

Wir sagten, daß die Tannen und Buchen im Prätigau die Hauptbestände bilden. Wenn sich diese Holzarten durch das Quantum auszeichnen, so geschieht dies nicht auf Kosten der Qualität. Das Prätigau scheint für diese Waldbänme besonders geeignet zu sein; denn kaum eine andere Gegend kann bezüglich Qualität konkurrieren. Das Tannenholz unseres Thales zeichnet sich aus durch Zartheit und Weißfarbigkeit, wie durch Dimension und Schlankheit. Die Buchen des Prätigaus sind im ganzen ebenfalls glatt, schlank und weiß und als Brennholz besonders hitz-kräftig. Bei den Tannen finden sich, namentlich in den Alpenwaldungen, noch jetzt wahre Riesenbäume. Stämme mit vier bis fünf Fuß Durchmesser auf Brusthöhe sind keine Seltenheit. Im Valzeinerthal ( Sayser Alp ) stehen noch heute einige Hundert solcher Bäume. Diese Riesen haben ein Alter von vielen Hundert Jahren. Wenn man diesen großen Durchmesser in Betracht zieht und die kleinen Jahrringe ( kaum ein Millimeter groß ), so ist der Beweis hierfür da und eine Zählung der Jahrringe überflüssig. Macht man aber bei einem Stockabschnitt eine Probe, so hat man bei der Zahl von 100 Jahrringen noch keinen großen Teil abgezählt. Die größte Tanne, die in Graubünden existiert hat, wurde im Winter 1866/67 gefällt und forttransportiert. Sie stand im Valzeinerthal in der Trimmiser Alp Vals auf dem Untersäß. Die Umrisse des Stockes sind, wenn auch nun stark vom Zahn der Zeit hergenommen, noch deutlich erkennbar. Ein Abschnitt desselben befindet sich in der forstamtlichen Sammlung in Chur. Dieser Riesenbaum hatte auf dem Stocke acht Fuß Durchmesser, enthielt über 1000 Kubikfuß nutzbare Holzmasse und ergab 11 Blöcker von meistens 18 Fuß Länge. Die Tanne war eine sogenannte Zwirkel ( Doppelstamm ); auf dem Stocke jedoch war sie einstämmig und maß der erste Abschnitt bei 12 Fuß Länge cirka 280 Kubikfuß. Dieser Koloß wurde auf einem gewöhnlichen Winterweg durch turmhohe Schluchten, meistens von einem Pferde gezogen, ins Thal gefördert und kam sodann nach Glarus, allwo er, reich bekränzt, durch zwei Paar Ochsen auf einem Wagen durch den Flecken geführt wurde. Das Wunderding wurde überall angestaunt, um so mehr, da es auf dieser Triumphreise noch eine poetische Aufschrift trug, die etwa folgendes besagte:

Schier tausend Jahre bin ich alt, Als größter Baum in Rätiens Wald Ward ich berühmt im ganzen Land Und so der König dann genannt.

Alpenrosen zierten meinen Thron Und Geier umkreisten mir die Krön '.

Doch alles hat ja seine Zeit; Das Leben ist vom Tod nicht weit. Das siehet man an mir nun jetzt; Da lieg1 ich ja so schwer verletzt. Wie manchen König dieser Welt, Hat man auch mich vom Thron gefällt. Ohne Kopf und ohne Fuß Ich nun aus meiner Heimat muß. Andre kommen auf meinen Sessel; Es ist dies so der Zeiten Wechsel.

Nach dieser poetischen Abschweifung, zu der uns der König der Waldbäume Graubündens verführte, lassen wir als Kontrast etwas Statistisches über die Waldverhältnisse des Prätigaus folgen.

Der Wert des geschlagenen Holzes des Forstkreises Klosters ( Prätigau ), der ein Areal von 7141 Hektaren besitzt, betrug nach den Amtsberichten des Kantonsforstinspektors, abgesehen vom Ertrag der Privatwälder:

1888Fr. 210,018, wovon für Fr. 124,948 Holz verkauft wurde.

1889189,415,80,6041890255,828,120,384 „ 1891224,246,136,038 „ Man sieht schon aus dieser Zusammenstellung, welche Bedeutung der Wald für die Gemeinden hat. Es muß aber noch bemerkt werden, daß kaum alles aus den Wäldern bezogene Holz hier aufgenommen wurde. Außerdem ist der Wert der aus den Waldungen bezogenen Nebennutzungen, als Rinde, Streue, Weide etc., nicht unbedeutend.

Die Rindengewinnung hat zwar bedeutend abgenommen. Die Rinde kann nur gut entfernt werden, wenn das Holz sich im Saft befindet; zu dieser Zeit geschlagen, ist es jedoch weniger schön und dauerhaft. Es kommt deshalb wenig Holz zum Entrinden für die Gerber, und diese klagen bereits, daß es immer schwieriger werde, den Rindenbedarf im Inland zu decken.

Weil viel Holz ungeschnitten aus dem Lande weggeführt wird, geht an den Sagspänen viel gutes und billiges Streuematerial verloren. Es ist wirklich schon in dieser Hinsicht zu bedauern, daß nicht mehr Holz im Produktionslande selbst geschnitten wird. Es sind zwar einige gut eingerichtete Sägen im Betriebe; immerhin geht noch ein großer Teil auf auswärtige Sägemühlen.

Bezüglich Streue-, Mäh- und Weiderechte herrschen bei uns noch allerlei sonderbare Verhältnisse.Vielfach kommt es nämlich vor, daß z.B. A. die Holzrechte besitzt und B. die Weide- oder Mährechte. Ja, e » giebt sogar Wälder, bei welchen A. Bodeneigentümer ist, B. die Mährechte hat und C. die Beholzungsrechte besitzt. Es müssen indessen diese Servituten nun von Gesetzes wegen abgelöst werden; es geht aber damit sehr langsam. Die Rechtsverhältnisse sind meistens verwickelt, und nicht immer kann die Sache friedlich geregelt werden.

Das Streuesammeln und Mähen bringt dem Wald begreiflicherweise Nachteil. Allein vielerorts ist z.B. das „ Streuenen " und „ Lauben " ein Bedürfnis für den Betrieb der Landwirtschaft, indem hierfür kein oder nur ungenügendes Streuematerial zur Verfügung steht. Man sucht zwar auch hier bessere Ordnung einzuführen.

Viel Nachteiliges für eine rationelle Waldkultur bringt ferner der Weidgang, und zwar besonders derjenige der Ziegen. Man kann diesen natürlich nicht unterdrücken; aber man sollte darauf halten, daß, wo junger Wald sich befindet, die Ziegen nicht hinkommen, bis die Pflanzen ihren naschhaften Zähnen entwachsen sind. Daß man den Weidgang, namentlich den des Großviehes, im Waldgebiet gänzlich verdränge, wäre schon aus nationalökonomischen Gründen nicht ratsam, indem Weide mehr abwirft als Wald. Die Ernte ist bei ersterer jährlich, während sie bei letzterm erst nach einer großen Reihe von Jahren eintreten kann. Namentlich dürften Lagen, welche für Weidwuchs geeignet sind, hiezu reserviert bleiben, freilich sollten sie dann auch rationell behandelt werden; doch der Manie einseitiger Forstmänner, so viel Land als möglich für Waldbepflanzung zu beanspruchen, dürfte Einhalt gethan werden. Das „ Jedem das Seine " sollte auch hier Geltung finden.

Der Wald zählt nicht nur unsere Haustiere zu seinen Feinden, sondern er findet solche in jeder Familie der Tierwelt. Das sonst harmlose Reh ist z.B., wenn es zahlreich auftritt, ein großer Schädling des Waldes; es hat nämlich die gleichen schlimmen Eigenschaften wie seine Verwandte, die Ziege, und ist daher ebenfalls nicht die Freundin des Forstmannes. Sogar Hirsche bringen jungen Waldbäumen Schaden, indem sie mit ihrem Geweih die Rinde an denselben wegschälen. Der Feinde im Tierreich wären noch viele anzuführen — wir erinnern nur noch an den Borkenkäfer, die gefürchtete Nonne, die sich zwar glücklicherweise bei uns noch nie einfand, und an die Miniermotte, welche unsere Lärchenwälder manchmal ganz entstellt — und auch in der Pflanzenwelt giebt es solche ( Pilze ), allein wir können uns mit ihnen nicht befassen. Wir wollen uns dagegen noch kurz mit dem Hauptfeind des Waldes, der aber zugleich auch sein Hauptfreund ist, dem Menschen, beschäftigen.

Das planlose, willkürliche Abholzen der Wälder hat, seitdem die Forstgesetze eingeführt sind, zwar aufgehört; immerhin wird noch viel Holz zwecklos geschlagen, das dann auf nicht geeignete Weise seine Verwendung findet, z.B. wird es, anstatt zu Bauholz benutzt, zu Brennholz verschnitten, oder man läßt es gar zu Grunde gehen. Es ist auch richtig, daß man bei uns viel Holz in den Wäldern verfaulen läßt. Dies trifft aber gewöhnlich nur in den entferntem Waldungen zu, und ist dann in Betracht zu ziehen, daß die Transportkosten öfters größer sind als der Wert des Holzes. Man kann aber in diesem Falle doch nicht verlangen, daß die Leute noch Geld zusetzen. Das Abasten der Waldbäume behufs Streuegewinnung kommt noch hin und wieder vor, doch nicht mehr so oft wie ehedem; auch das Schwämmen ( Wegschälen der Rinde ), damit die Bäume absterben und Weide wachsen könne, hat merklich abgenommen, und vom Schälen der Stämme zur Harzgewinnung hört man sozusagen gar nichts mehr. Das Abbrennen ganzer Waldstrecken, um Pottasche zu erhalten, was ehedem der Fall war, hat aufgehört. Dagegen brauchen die vielen Schindeldächer eine Unmasse von Holz, und zwar wird dazu die glätteste und beste Ware verwendet. Die Schindeldächer sind ein notwendiges Übel, das man zwar verringern, aber nie ganz fortbringen kann. Mit dem Holzfrevel ist es ziemlich besser geworden; freilich wird im geheimen noch mancher Baum ungezeichnet bei Seite geschafft. Es ist wirklich schwierig, allen Leuten das Bewußtsein beizubringen, daß das Holzfreveln nicht sein sollte. Daß diese Untugend noch -so blüht, kommt wohl hauptsächlich von folgendem her. Früher wurde der Wald bei uns sozusagen gar nicht gewertet. Von einer Holztaxe war keine Rede; jeder ging nach Belieben in den Wald und nahm Holz, so viel er wollte. Es betrachtete sich ein jeder als unumschränkten Eigentümer des Waldes, und diese Anschauung wirkt immer noch nach. Wir können sagen, daß derartige „ Rechtsansichten " bei vielen in Fleisch und Blut übergegangen sind, was übrigens auch bei der Jägerei, wo der Frevel ebenfalls noch „ blüht ", zu beobachten ist. Wie bemerkt, wird es mit dem Holzfrevel immer besser, und es wird dazu kommen, daß er zur Seltenheit wird. Viel wird zur Besserung auch die gemeinschaftliche Aufrüstung des Los-liolzes, die nun allgemein eingeführt werden soll, beitragen.

Früher mußte, wie angeführt, für das aus dem Gemeindewalde bezogene Holz keine Taxe entrichtet werden. Später wurde eine kleine Auflage erhoben, doch in keinem Verhältnis zum Holzwerte. Erst in letzter Zeit brachten vermehrte Auslagen im Gemeindehaushalte — bei uns namentlich die sogenannten Bahnschulden ( Subventionen für die Linie Landquart-Davoses mit sich, daß die Holztaxen erhöht wurden. Damit verbindet sich indessen auch eine bessere Bewirtschaftung des Waldes und geordnetere Zustände bei der Gemeindeverwaltung. Und wenn die Bahnsubventionen hierin eine Besserung bewirken, so ist das Geld schon darum nicht weggeworfen.

Wir sind von unserem Thema abgekommen; kehren wir zum Walde zurück. Wir möchten noch solchen Clubgenossen, die unsere Verhältnisse nicht kennen, mitteilen, auf welche Weise bei uns das Holz aus den abgelegenen Waldungen bezogen wird. Um dasselbe zur Verwertung zu bringen, muß es „ geführt, gerieset oder geflößt " werden. Früher, bevor wir Straßen in die Thäler hatten, war das Flößen fast das einzige Mittel. den Holzreichtum nutzbar zu machen, während jetzt das Führen in den Vordergrund tritt, was auch gut ist, indem man so das Holz viel besser verwerten kann. Anstatt kurzer Stücke, die nur zu Brenn- und Schindel-holz verwendbar sind, erhält man sogenannte Blöcker von sechs und mehr Meter Länge; das Holz bleibt zudem unbeschädigt, und man riskiert nicht, ganze Partieen durch Hochwasser zu verlieren, wie es beim Flößen öfters vorkommt. Die Mehrkosten zahlen sich bei dieser Bezugsweise vielfach.

Bevor das Holz geschlagen werden kann, muß der Eigentümer desselben hierzu die kleinrätliche — in Zukunft die regierungsrätliche — Bewilligung nachsuchen. Zu diesem Zwecke muß der Kreisförster die Stämme anzeichnen und abschätzen; er hat ferner der Eegierung ein bezügliches Gutachten einzureichen, auf welches hin diese die Bewilligung versagt oder erteilt und gewöhnlich noch verschiedene Bedingungen daran knüpft, wie z.B. Anlegung eines Forstdepositums behufs Waldkulturen, Erstellung von Waldwegen etc.

Das Holz wird hierauf, namentlich wenn Gemeinden gehörend, gewöhnlich auf eine Versteigerung gebracht, bei welcher allerlerMachinationen vorzukommen pflegen. Es ist die sogenannte Gant jedenfalls noch ein wunder Punkt, der einer Sanierung bedürftig wäre. Meistens wird das Holz im Spätherbst geschlagen — es ist für die Dauerhaftigkeit nicht ratsam, dasselbe im Sommer zu fällen — hierauf wird es entrindet und in Stücke von cirka o1^1 " verschnitten. Diese werden zu kleinen Haufen zusammengebracht und mit einem „ Faluog " ( Einschnitt im Holz zum Befestigen auf dem Schlitten ) versehen. Inzwischen wird der Winterweg erstellt. Es sind dies cirka lm breite Wege, zum Teil in den Boden eingegraben, hin und wieder auch mit Holz ( Gipfel und Äste ) erstellt. Die Hauptsache für einen solchen Weg ist dann Schnee und Kälte; ohne diese wäre er unpraktikabel. Solche Wege werden mitunter vom Thale bis in die Alpen angelegt und erreichen dann eine Länge von mehreren Stunden; sie kosten jedoch in diesem Falle auch einige Tausend Franken. Sie führen über jähe Abgründe und Schluchten und übersetzen solche öfters auf kühn angelegten Brücken. Im Schiersertobel ( Salgina ) wurden z.B. in diesem Winter 1892/93 Brücken von 400 bis 500m Länge erstellt, die mehrere Hundert „ Tramen " erforderten. Ein Fremdling der Berge kann kaum begreifen, daß es möglich ist, auf so primitiver Weganlage wahre Holzkolosse, wie man nicht selten sieht, zu führen.

Bevor wir jedoch das Führen des Holzes beschreiben, wollen wir noch kurz betrachten, wie dasselbe zugerichtet ( aufgerüstet ) wird. Das Holzfällen wird von inländischen Arbeitern und auch von Italienern aus dem obern Veltlin ( Sondalo sendet allein gegen hundert Waldarbeiter aus ) besorgt. Die Deutsch-Tiroler sind jetzt nicht mehr so zahlreich anzutreffen, wie früher. Die Leute müssen eine gewisse Übung besitzen, und auch hier kommt derjenige, welcher sein Handwerk kennt und die sogenannten Kniffe weiß, besser weg. Die Hauptwerkzeuge des Holzarbeiters sind: eine breite Axt, der Zapin und die Waldsäge. Als Wohnung bauen sich die Holzer gewöhnlich eine Hütte ( Schröterhütte ). Diese besteht aus aufeinander gefügten rohen Holzstämmen und ist mit Schindeln gedeckt; sie hat eine Thüre, durch welche man nur gebückt ein-und ausgehen kann; an der Hütte befinden sieh weder Fenster noch Kamin, und der Rauch kann nur durch die Öffnungen zwischen den aufeinander gelegten Balken einen Ausweg finden. In der Hütte ist ein Lager mit spärlichem Riedgras und ein langer Feuerherd ( Feuerwagen ), .'.»4 U. Obrecht.

bestehend aus einem Holzgerüst, das mit Steinplatten ausgefüttert ist; um denselben herum sind abgeplattete Holzstämme zum Sitzen angebracht. Von Luxus ist da natürlich nichts zu sehen. Das Lager ist a = Lagerraum mit Pritsche. b = Feuerherd, c = Bänke. d = Thüren.

a d JEl Nach einer Photographie von U. Obrecht.

hart und enthält gewöhnlich kleine, aber schlimme Insassen. Wenn gekocht wird ( fast jeder kocht für sich selbst ), entsteht eine Hitze, welche die Backen brennen macht, und ein Rauch, der die Augen „ übergehen " läßt. Es ist in der Hütte während dieser Zeit für einen „ Unein- geweihten " kaum zum Aushalten, und doch sind die Holzer zufrieden und vergnügt. Freilich braucht es für eine solche Lebensweise wetterfeste, gesunde und abgehärtete Naturen. Es wird dreimal gekocht und gegessen: am Morgen früh vor sechs Uhr, um 12 Uhr und abends nach eingebrochener Dunkelheit; von einer Vesper- oder Brotzeit wissen unsere Waldarbeiter nichts. Die Kost besteht gewöhnlich aus Mehl, Polenta und Kochfett; in neuerer Zeit wird auch Kaffee und Chokoladepulver gesotten. Branntwein wird auch mehr oder weniger konsumiert. Während der Nacht stecken sich die meisten in einen Sack oder unter eine Decke; einer schläft dicht neben dem andern. Ist es sehr kalt, so wird das Feuer stetsfort unterhalten; das Holz braucht man ja nicht zu sparen. So leben diese Leute wohl ähnlich unsern Vorfahren, den Höhlenbewohnern, sind dabei aber ebenso vergnügt und glücklich wie solche, die in seidenen Betten schlafen und denen aller Luxus zur Verfügung steht.

Wir wollen die Holzarbeiter nicht nur bei der Ruhe, sondern auch bei der Arbeit betrachten. Hier sägen einige die Stämme um; dort zerschneiden andere die gefällten Stämme in „ Blöcker " oder entrinden dieselben, und eine weitere Abteilung bringt die Blöcker auf Haufen. Der zu fällende Stamm wird möglichst tief unten quer durchsägt. Ist die Sage ein Stück weit hineingedrungen, so wird auf der entgegengesetzten Seite eingehauen und werden Keile in den Schnitt getrieben. Auf diese Weise kann man den Baum so ziemlich fällen, wohin man wünscht. Das Fällen der Stämme ist eine gefährliche und anstrengende Arbeit, und man kann nur die besten Arbeiter dazu verwenden. Zum „ Putzen " der Stämme sind die breiten Äxte besonders geeignet, und es verstehen die Italiener diese Arbeit im ganzen besser als die Deutschen. Zum Sägen und Riesen sind indessen die inländischen Holzer und die Tiroler tauglicher.

Ist das Holz fertig „ gerüstet " und der Winter mit seiner Kälte da, so beginnt das Führen des Holzes. Am Rande des früher flüchtig hergestellten Weges werden vorerst die sogenannten „ Verleggenen " ( von Vorlegen ) gelegt. Es sind dies kleinere Blöcker, die, verbunden mit festgetretenem Schnee, den Weg bilden helfen. Sie thun den gleichen Dienst wie an einer Straße die Randmauern oder Barrikaden, nämlich, sie gestalten das Fahren auf dem Wege sicherer, machen aber zugleich einen Teil desselben aus. Der Weg bekommt dadurch eine hohle Form, was notwendig ist, damit die Schlitten mit den geladenen Blöckern nicht ausgleiten. Zur Unterhaltung und Verbesserung des Weges sind besondere Leute ( Weger ) da und kommen ganz andere Grundsätze zur Geltung, als bei gewöhnlichen Wegen und Straßen. Im Prätigau wird das Holz, wenn immer möglich, geführt; gerieset wird nur, wo das Führen nicht anwendbar ist. Es wird dadurch, wie früher bemerkt, fast nichts geschädigt; einzig, bei schlechtem Schlittweg, kann das Block hinten, wo es auf dem Boden aufliegt, etwas ab-. .'»eschliffen werden. Mehr Schaden kann das Holz durchs „ Ankunteln " erleiden. Es werden hierbei zwei Blöcker durch eine kurze Kette, an deren beiden Enden je ein keilförmiges Eisen angemacht ist, aneinander festgehalten. Durch das Eintreiben dieser Keile wird nun das Holz öfters gesprengt; doch kommt das Ankunteln nicht überall vor.

Morgens in aller Frühe, gewöhnlich um 4—5 Uhr, aber öfters auch früher, spannt der Holzfuhrmann sein Pferd in den Bockschlitten ein. ( Es sind dies eigens fürs Holzführen konstruierte Schlitten, nur etwa ein Meter lang. Sie bestehen aus zwei Sohlen ( Läufe ), einem Querbalken ( Pfulf ), der mit zwei Spangen mit der sogenannten Bruoch ( gebogenes Holzvorn zwischen den ebenfalls gebogenen Hörnern ( Läufenverbunden ist. Der Schlitten besteht ausschließlich aus Holz, meistens Buchenholz. ) Jeder der Fuhrleute will der Erste sein; denn nicht nur gehört dies zur Holzfuhr-manns-Ehre, sondern er hat dadurch einen großen Vorteil für den ganzen Tag. Während die weiter hinten befindlichen Fuhrleute durch jedes Hindernis ( „ Umtrölen ", Steckenbleiben etc. ) in Mitleidenschaft gezogen werden, können die vordem rasch vorwärts gehen und haben somit früher Feierabend. Mitunter wird dabei das Frühaufstehen übertrieben; die Nacht wird zum Arbeitstag gemacht und Mann und Pferd haben keine rechte Ruhe. Das Holzführen ist eine schwierige, gefährliche Arbeit, namentlich bei schlechter Weganlage oder großem schwerem Holze. Es braucht dazu fähige Fuhrleute mit gewohnten, flinken Pferden; Unglücksfälle kommen indessen wider Erwarten selten vor. Trotzdem das Holzfuhren anstrengende Arbeit verlangt, ist es doch die Lieblingsbeschäftigung des Fuhrmanns; freilich wird er für diesen Dienst auch am besten bezahlt, meistens Fr. 9. per Tag für Mann und Pferd.

Welche Bedeutung das Holzfuhren für das Prätigau hat, geht schon daraus hervor, daß z.B. einzig im Jahr 1891 12,000 Blöcker aus den Alpen ins Land geführt wurden.

Das Flößen wird im Prätigau wenig- praktiziert und nur bei Brennholz. Früher wurden auch Blöcker durch die Landquart geflößt; seitdem dieselbe jedoch mit kostspieligen Wuhren eingedämmt ist, darf nicht mehr geflößt werden. Wir unterlassen es, das Flößen genauer zu beschreiben, und treten auch auf das Riesen nicht näher ein, da wir hierüber wenig Unbekanntes anzubringen wüßten; dagegen fügen wir zum Schlüsse noch einige Schilderungen anderer Beobachter unserer eigenartigen Holztransporte bei.

Herr Imhof hat im Itinerarium für 1890/91, S. 111 ff., auf welche wir hier verweisen, eine sehr interessante Schilderung der im Winter 1889/90 vorgenommenen llolzausbeutung im Schraubachtobel geliefert.

Ein anderer Bewunderer dieser Holztransporte schrieb darüber in einem hiesigen Blatte: „ Aus dem Schierser Tobel wird gegenwärtig ( Januar 1890 ) wieder eine große Partie Blöckerholz transportiert. Diese Holzfuhren sind dem Prätigau eigen; nirgends sonst finden sie in solchem Maße statt. Es bedarf hierzu besonderer Einrichtungen ( Schlitten u. s. w.aber auch Mann und Pferd müssen bei dieser Beschäftigung sich auskennen, sonst geht es schlimm. Nachts 3 Uhr schon wird eingespannt, und bei der Morgendämmerung langen die Fuhrleute auf den ca. fünf Stunden entfernten Holzladungsplätzen in der Alp an. Es wird rasch aufgeladen, ein bis drei Stück auf das Pferd, je nach der Größe der Hölzer, und nun geht 's in schnellem Tempo in langer Reihe über Abgründe und Schluchten hinaus ins Thal. Hie und da giebt es auch einen „ Trolder Schlitten wirft um und mitunter das Pferd ebenfalls, doch hilft man sich gegenseitig, und gewöhnlich ist alles bald wieder im Geleise. Bis jetzt ist kein größerer Unfall passiert, wiewohl kritische Situationen schon vorgekommen sind. Der lange Holzweg wurde speciell für diese Holzfuhren erstellt; geht der Schnee weg, ist auch der Weg dahin, und man spürt kaum mehr, wo er hindurchgeführt hat. "

Ferner: „ Aus dem Schierser Tobel kamen diesen Winter ( 1891/92 ) nicht nur Blöcken von 85 cm. Durchmesser, sondern sogar von 120 cm.; solche von 100 cm. und mehr zählte man nach Dutzenden. Im ganzen werden über 5000 Stück nur aus diesem Tobel herausgeführt. Gegenwärtig sind über hundert Pferde allein auf diesem Holzwege. Im ganzen Prätigau beschäftigen sich aber über zweihundert Pferde mit der Holz-fuhre; denn auch an verschiedenen andern Orten, wie z.B. in Seewis, Valzeinathal, Fideris, Saas etc., wird Holz geführt. Auch dieses Jahr werden über 10,000 Blöcker auf den Markt kommen. Wir brauchen indessen nicht sehr darum besorgt zu sein, man reute im Prätigau die Waldungen aus; denn die Vorräte sind noch groß und der Nachwuchs bedeutender als je. Das Prätigau ist nicht nur ein Thal der Wiesen, sondern auch ein Thal der Wälder par excellence. "

Wir führen schließlich noch eine Schilderung Roseggers im „ Hoch vom Dachstein " über das „ Riesen " an, indem bei uns ähnliche Verhältnisse sind, wenn auch das Riesen bei uns nur ausnahmsweise zur Anwendung kommt.

„ Hoch von einem Bergschlag nieder ging eine neue Holzriesen, in deren Rinne glatte, wuchtige Blöcke herabglitten. Sausend und dröhnend kam das niederwärts auf steiler Riesen, die in großen Bogen sich wand, über Hänge und Schluchten gebruckt war und so sorgfältig und wohl-berechnet gemuldet, daß kein Block ausspringen konnte. So kam das herab bis zu Thale, wo die Riesen sachte sich ebnete und die schwersten Blöcke fast sanft aufs Erdreich warf, daß die Blöcke dann von etlichen Männern beiseite geschafft werden konnten. Oben sah man erst die ganze Kühnheit des Baues der Holzleitung. Streckenweise strich sie in schönen Kurven an dem steilen Abhang dahin, dann setzte sie, auf schlanken Stämmen wie auf Strohhalmen gestützt, über Waldwipfel und Abgründe, in deren Tiefen Wasser rauschten. "

Wie es die Verhältnisse mit sich bringen, hat man bei uns ganz andere Bezeichnungen sowohl für die betreffenden Einrichtungen als für die Werkzeuge u. s. w. Das Patois der italienischen Holzarbeiter mischt viele seiner Ausdrücke unter unsern deutschen Dialekt. So haben wir bei der Holzriese, der wir den sächlichen Artikel geben ( das Holzries ) eine „ Suenda ". Dies bezeichnet eine, hauptsächlich aus Erde gebildete, künstliche Riese zum Unterschied von der natürlichen Holzriese oder dem aus Holz gebildeten „ Schutz ". Das „ Pardell " ist ein von Holz erstellter Verschlag an einer Holzriese, der derselben eine andere Richtung giebt. Das wichtigste Werkzeug bei der Holzarbeit ist der „ Zapin " ( Zapun ), vom italienischen Wort zappa ( Haue, Hackees hat aber mit einer solchen keine Ähnlichkeit. Die breite Axt wird „ Sigurin " genannt und das Lederseil zum Binden des Holzes „ Tretsche " oder „ Stricke ". An der Tretsche ist der „ Spolla " ( ein ausgehauenes Holzstück ) angebracht, durch welchen beim Binden erstere gezogen und dann um den „ Räuel ", ein kleines abgedrehtes Holz, gewickelt wird. Die Ketten zum Bremsen der Bockschlitten heißt man „ Ferriender „ Bruoch " und des „ Paluogs " haben wir bereits Erwähnung gethan, dagegen haben wir von der „ Bräue " noch nichts gesagt. Es ist dies die Abrundung an der Stirnfläche der Blöcker; sie wird gemacht, damit das Holz beim Riesen etc. weniger Schaden nehme. Es ließen sich noch viele Ausdrücke anführen, die noch kein Sprachforscher gehört und erklärt hat. Sogar der deutsche „ Wald-teufeleine ziemlich komplizierte Einrichtung von Ketten und Hebeln zum Umreißen von Waldbäumen, die zwar selten angewandt wird — wird vielen Leuten unbekannt sein; doch wir wollen diese Abhandlung und die Geduld der Leser des Jahrbuchs nicht noch weiter dehnen. Wir schließen mit der Hoffnung, zur Klärung der Ansichten über die Forstkultur im Prätigau etwas beigetragen zu haben.

II.

Freie Fahrten.

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