Vorder Spitzalpelistock über die Süd- und Ostwand. Erste Besteigung

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Erste Besteigung.Von Heinrich Hefti.

Schon seit längerer Zeit hatte ich im Sinn, auf den Vorder Spitzalpelistock über dessen Südwand einen « Weg » zu erschliessen. Ich fand zu diesem Vorhaben einen Begleiter in Fritz Steiner aus Lenzburg. Im Umkreis des grossartigen Hochgebirgskessels der oberen Sandalp fällt gegenüber dem Tödi der massive Vorder Spitzalpelistock besonders ins Auge. Seine gewaltigen Kalkwände sind im Rücken vom Claridenfirn ummantelt und auch an den Seiten durch wilde Eisbrüche eingefasst.

Am Morgen des 18. August 1934 brachen wir um 3 Uhr von der Fridolinshütte am Tödi auf, überschritten die Röti und stiegen aus dem Kessel der Obersandalp, südwärts ausholend über steile Rasen- und Schutthalden, längs den Felsen der Südwand des Spitzalpelistockes bis an den Fuss einer mächtigen Rinne. Dieses Couloir links lassend, querten wir über ein mit feinem Schutt bedecktes Felsband zum Südostgrat hinüber. Der Fels ist hier dachziegelartig geschichtet. Das Klettern war keineswegs leicht, wir mussten uns mehr hinaufziehen als hinauf stemmen, weil den Füssen kein richtiger Halt geboten war. Wir erreichten bald ein ziemlich grosses Felsband, wo wir ausruhen und uns stärken konnten.

Der Ausblick von unserer hohen Warte ist grossartig. Erhaben steht der Tödi da, links neben ihm die noch beschatteten Nordwände des Bifertenstockes, in absteigender Zackenlinie folgen die Hintere und Vordere Scheibe, und diesen talauswärts vorgelagert der wie aus einem Stück herausgemeisselte Selbsanft. Tief unter uns, auf der Sandalp, als kleine Punkte das weidende Vieh.

Unter dem Einfluss der intensiven Sonnenstrahlen lösten sich, kaum 300 Meter von uns entfernt, Eisteile gewaltigen Ausmasses vom Eisabbruch des Geissbützifirns los. Unvergesslich der Akt, wie sich ein Stück von rund 1000 Kubikmeter loslöste und unter gewaltigem Getöse in unzählige Teile zersplitternd zur Tiefe stürzte.

Die Zeit erlaubte uns nicht, länger in die Betrachtung der herrlichen Bergwelt versunken zu weilen, da noch ein beträchtliches und unbekanntes Stück Arbeit unser harrte. Eine ziemlich schwere Kletterei folgte. An einer Stelle war der weitere Anstieg nur möglich, indem ich von der Schulter meines Begleiters aus wieder Griffe zu erfassen vermochte. Über plattiges, griffarmes Gestein erreichten wir ein enges Kamin, in dessen Mitte ein mittelgrosser Stein lose eingeklemmt war. Griffe suchend, wollte ich den Stein umgehen, musste aber feststellen, dass dies nicht möglich war. So musste ich nun doch den Versuch machen, über den Stein hinwegzukommen. Kaum Vorder Spitzalpelistock, 2915 m.

hatte ich den Griff gewagt, neigte sich der Stein nach vorn und nur ein schnelles Zurückweichen in die alte Lage rettete uns das Leben.

Was nun? Sollten wir verzichten müssen? Nach langem, allseitigem Suchen und Probieren fand ich endlich eine zentimeterbreite Ritze, mit so viel Halt, dass ich mich mühsam hinaufarbeiten konnte. Einige Meter höher oben war es mir möglich, zu sichern. Mit äusserster Sorgfalt, um den noch im Kamin steckenden Stein nicht erneut in Bewegung zu setzen, mussten die Rucksäcke einzeln heraufgehisst werden, dann konnte mein Kollege nachfolgen. Der Wert des Sicherns zeigte sich bald, als mein Kamerad, die Griffe loslassend, unversehens zwischen Himmel und Erde schwebte.

Leicht erreichten wir nun ein Felsband, das wir nach Norden zu verfolgten, um an dessen Ende durch ein steiles Eiscouloir hinauf und leicht zum Gipfel zu gelangen. Die Eisarbeit erforderte viel Zeit, und wir waren froh, unsere Pickel mitgenommen zu haben. In knapp drei Seillängen waren wir auf dem Gipfel, wo ein froher Händedruck unsere Freundschaft besiegelte. Die Uhr zeigte 15. Wir hatten also zur Überwindung der rund 1000 m Höhe 9 Stunden gebraucht.

Nach kurzer Gipfelrast kehrten wir auf dem normalen, sehr leichten Wege über den Claridenfirn und Altenoren nach Linthal zurück.

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