Xaver Imfeld

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Ingenieur-Topograph.

Ehrenmitglied des Schweizer Alpenclub.

Von Dr. Alb. Beim, Prof.

Am 21. April 1853 ist Xaver Imfeld geboren. Sein Vater Ignaz war Hauptmann und „ Kapellvogt " in Kirchhofen bei Sarnen, seine Mutter Rosa geb. Frank von Luzern. Das Äußere, die stämmige, kaum mittelgroße Postur, ganz besonders Gesicht und Blick, hatte er vom Vater geerbt, mehr als irgend eines seiner Geschwister. Nachdem er die Schulen von Sarnen durchlaufen hatte, trachtete er an die Industrieschule nach Luzern. Hier schon zeigte sich seine selbständige Begabung und sein Schaffenstrieb. Ganz nach eigenen Ideen machte er ein Relief des Pilatus in einem Maßstabe kleiner als die ihm zur Verfügung stehende Karte, damit es um so genauer werde. Aber auch wiederum mit einem Pilatusrelief in 1: 25,000 und der Vorbereitung eines solchen in 1: 10,000 hat er zirka 40 Jahre später seines Lebens Arbeit geschlossen. Der Weg dazwischen war fast eine gerade Linie. Sein ganz überraschendes Talent in der Auffassung der Bergformen und der Formen überhaupt und seine Lust in der Wiedergabe des Erkannten in allen verschiedenen Darstellungsmethoden blieb der Leitfaden seines Lebens und seiner Arbeit. Dieser Begabung hat er seine große Arbeitskraft und seine kühne Unternehmungslust gewidmet vom Knabenalter bis an das Ende seiner Tage. Ihm ist das innere Glück treu geblieben, daß er zu dem, was er ohne Zögern und ohne Schwanken als Beruf wählte, wirklich „ von Gottes Gnaden " berufen und auserwählt war, wie nur selten einer. Darin liegt das Schöne, Hohe in dem abgeschlossenen Leben.

Aus der Kantonsschulzeit blieb er zwei vortrefflichen Lehrern besonders dankbar: dem Mathematiker Zähringer und dem Zeichnungslehrer Moosdorf. Im Herbst 1872 trat er an die Ingenieurschule des Polytechnikums in Zürich. Dort traf er zuerst Fr. Becker, der ihm fortan nicht nur ein Studiengenosse und Fachgenosse, sondern ein Freund geblieben ist, und der ihn verstanden und in seiner weitern Entwicklung unterstützt hat, soviel er es konnte. Aus der Polytechnikumszeit schreibt Prof. Fr. Becker: „ Kein anderer hat mir je diesen Eindruck gemacht, wie dieses muntere runde Gesicht voll schalkhaften und festen Mutes. Wir fanden uns auch bald und ließen uns nicht mehr. Flott ging 's durchs Polytechnikum, fleißig im Kolleg und wacker im Zeichnungssaal — nicht immer — wenn die Sonne draußen gar zu herrlich schien und die Berge glänzten, dann liefen wir in dieses Laboratorium; aber wir brachten auch Zeichnungen heim und Steine. Alle Lehrer waren uns lieb; aber zwei hatten es uns besonders angetan, der alte Meister der Topographie, Johann Wild, und der neue Jünger der Geologie, Albert Heim. Die modelten nun an uns mit der Weisheit und Erfahrung des Alters und dem Feuer und Schwung der Jugend, und wir zeichneten und rechneten, malten und modellierten und sahen auf zu unsern Meistern. " Auf einer geologischen Exkursion, die im Jahre 1874 die Studierenden, darunter auch Imfeid und Becker, mit dem Verfasser machten, übernachteten wir in Amden. Am Abend erfreuten uns die beiden durch ihre Lieder. Imfeid verfügte über einen schönen Tenor und war sehr musikalisch. In der Nacht brach Feuer aus, und 17 Häuser, darunter unser Gasthaus, brannten nieder. Imfeid nützte seine stämmige Kraft bei der Rettungsarbeit tüchtig aus. In einem Haus stieg er mit einer Wiege und dem Wiegenkind darin durch das Fenster hinaus, und beförderte nachher zwei Schweine auf dem gleichen Wege an die Luft, da der Ausgang des am Haus angebauten Stalles schon brannte.

Imfeid hatte sein erstes Panorama, das Panorama vom Tomlishorn-Pilatus, in den Sommerferien 1875 aufgenommen. 1875 auf 1876 hatte er sein Zimmer in meiner Wohnung. Hier begann er unter meiner Anleitung, zum erstenmal selbst in Stein zu stechen. Von vornherein ist auch hier außer der Genauigkeit der Umrisse die Klarheit in der Auffassung der Formen vorhanden; man sieht stets, wie die Gräte zusammenhangen, wie sie hintereinander laufen und welche Form der Berg " hat, so daß man jeden Einzelberg für sich allein an der Form erkennt. Innerhalb dieses Panoramas kann man deutlich von links nach rechts Xaver Imfeid.

einen Fortschritt in der Technik des Stiches ( Stahlnadel auf Stein ) erkennen. Im Vergleich zu den besten späteren Arbeiten Imfeids ist zu bemerken, daß die Mittel der Formdarstellung noch nicht die spätere durchsichtige Einfachheit erreicht haben, er braucht noch zuviel Linien, um eine Form deutlich zu machen, es ist noch nicht jene klassische, durchsichtige Klarheit wie später. Aber auch hier schon ist das Prinzip des nicht malerisch, sondern wissenschaftlich sein wollenden Panoramas festgehalten: Die Form des Berges ist in Linien objektiv und frei von jeder nur zeitweise zutreffenden Beleuchtung dargestellt. Das Talent in der Auffassung der Bergformen, im bewußten Sehen derselben, ist von vornherein schon bei diesem Erstlingswerke entfaltet, nur die Mittel der Wiedergabe sind noch der Vervollkommnung fähig.

Aus der gleichen Zeit stammt Imfeids Relief der Gotthardgruppe, 1 :50,000, in wunderbar feiner Modellierung. Man muß es mit der Lupe studieren. Hatte er zuerst kleiner als die Karte und hier in gleichem Maßstab wie die Karte modelliert, so war ihm nun durch dieses Gotthardrelief klar geworden, daß das Relief im Maßstab immer kleiner aussieht als die Karte, und daß man im Relief zirka den doppelten Maßstab anwenden muß, um alles das deutlich sichtbar wiederzugeben, was die Karte mit dem schwarzen Strich auf weißem Grunde stärker in die Augen springend und feiner zeichnen kann. Soll das Relief mehr leisten als die Karte, so ist um so mehr der größere Maßstab notwendig. Fortan modellierte Imfeid seine Gebirgsreliefs wenigstens in 1: 25,000, also im doppelten Maßstab der Karte, oft größer. Er hatte schon jetzt für immer erfahren, daß man das Relief weder mit der Lupe modellieren, noch mit der Lupe betrachten soll, daß die Detaillierung aber stets so weit gehen soll, als der Maßstab sie aus freiem Auge ohne Lupe gestattet. Dies sind die Erfahrungen der rasch erledigten „ Lehrzeit ".

Es folgte die Zeit der strengen Arbeit vor der Diplomprüfung. Imfeid lieferte dem ganzen Kurse die topographische Zeichnung als Grundlage für die Diplomaufgabe: „ Eisenbahn auf den Zürichberg ". Nach der im Frühling 1876 bestandenen Diplomprüfung löste Imfeid auf Mai 1877 die Preisaufgabe der Ingenieurschule, welche die „ Reinzeichnung einer mustergültigen Katasteraufnahme in möglichst klarer, deutlicher und geschmackvoller Weise verlangte, und erhielt den Preis und silberne Medaille.

Schon bald nach dem Verlassen des Polytechnikums trat Imfeid beim eidgenössischen topographischen Bureau in Stellung. Er übernahm teils Neuaufnahmen, teils Revisionen der Kartenblätter 1: 50,000, zuerst im Maderanertal und Schächental, dann im Wallis. Oberst Siegfried als Chef sah wohl, daß seine beiden jung angestellten Topographen Imfeid und Becker in der Zeichnung der individuellen Gesichtszüge eines Berges in der Karte weit über das bisher Gebräuchliche und Verlangte hinaus-strebten, und in vielen Dingen, z.B. in der Fels- und Gletscherzeichnung, von der üblichen Schablone abwichen. Er ließ sie gewähren und gestattete nun auch, daß Imfeid und Becker die Stecherpausen zu ihren Karten selbst zeichneten und so in viel direktere Verbindung mit dem Meister des Kartenstiches, Kudolf Leuzinger, traten, nunmehr unter Ausschaltung einer früheren Zwischenperson, die verständnislos und mechanisch die Stecherpausen gemacht hatte. In den so entstandenen Gebirgsblättern sind Imfeid und Leuzinger völlig ununterscheidbar geworden, die individuelle Manier ist aufgelöst in die Manier der Natur selbst, und was der Topograph gesehen und gezeichnet, gibt der Stecher ungestört und ebenso richtig verstanden wieder.

Nun war Imfeid in vollster Schaffenskraft. Karten, Panoramen, Beliefs folgten sich rasch nebeneinander. Stets hatte er mehrerlei gleichzeitig in Arbeit, um alle jahreszeitlichen Verhältnisse auszunützen. Im Hochsommer wurde im Hochgebirge aufgenommen, im Frühsommer und Herbst in den tieferen Regionen, im Winter Reinzeichnungen der Karten gemacht, gestochen, modelliert. Die Aufträge mehrten sich, aber über die Aufträge hinaus gingen seine kühnen weitreichenden eigenen Pläne. Wir lassen nachher ein Verzeichnis seiner topographischen Arbeiten folgen, zunächst sei der Faden seines Lebenslaufes weiter angedeutet. Am Militärdienst hatte Imfeid wenig Freude. Mehr oder weniger gezwungen durch seine Stellung am eidgenössischen topographischen Bureau trieb er seine militärische Laufbahn bis zum Range eines Infanteriehaupt-manns und den Funktionen eines Bataillons-Adjutanten, bis dann 1892 seine Krankheit weiteres verunmöglichte.

In Zermatt hat Imfeid in Marie Seiler, der Tochter des hochangesehenen verstorbenen Hoteliers Alexander Seiler, Vater, seine vortreffliche Gattin gefunden. Im November 1880 verheiratete er sich. Erst wohnten sie in Bern, dann fand Übersiedlung nach Glis bei Brig, schon 1881 und 1886 nach Zürich statt, zu welch letzterem Entschluß Imfeids Freund Becker nicht unwesentlich beigetragen hatte. 1890 finden wir in Imfeids Arbeitsnotizbuch die letzten Arbeiten für das eidgenössische topographische Bureau verzeichnet, Imfeid war allmählich „ Privattopograph " geworden. Er übernahm Aufträge und arbeitete daneben nach eigener Lust und auf eigenes Risiko.

Im Jahre 1891 folgte die denkwürdige Expedition auf den Mont Blanc. Imfeid hatte im Auftrage von Ingenieur Eiffel die Frage zur Untersuchung übernommen, ob und wie sich auf dem Gipfel ein Observatorium fundieren lasse. Mit Stollen durch Schnee und Eis mußte die Felsunterlage nach Tiefe und Gestalt sondiert werden. Gleichzeitig machte Imfeid die Aufnahmen, mit Fernglas zeichnend und mit Photo- Xaver Imfeid.

graphie, für sein Mont Blanc-Panorama und Aufnahmen für seine Mont Blanc-Karte. Es war dies in drei Besteigungen und fast dreiwöchentlichem Aufenthalt auf dem Mont Blanc vom 5. August bis 12. September 1891.

Noch kein Mensch hat in den Alpen so anhaltend auf einem Gipfel von dieser Höhe gearbeitet. Sturm und Gewitter erschwerten das Werk. Imfeids Begleiter, Dr. Jacottet, ist an seiner Seite im Observatorium Vallot gestorben. Ohne Zweifel war die Beanspruchung von Körper, Geist und Seele eine übermäßige. Es ist aber für Imfeid bezeichnend, daß er auch über diese seine Erlebnisse nichts als nur eine sechs Seiten große Chronik im Jahrbuch des S.A.C. 1892 geschrieben hat. Ich verweise die Leser auf jene merkwürdigen Blätter.

Im darauffolgenden Winter sehen wir Imfeid an der Vorarbeit für seine Mont Blanc-Karte in 1:50,000 und an der Arbeit ( Punktebestimmung ) für sein Panorama vom Mont Blanc, im folgenden Sommer zeichnet er herrliche Panoramen vom Niederbauen, vom Mettelhorn und macht einen Bergzeiger für Neuenburg. Vom 5. Juni an hat er bei einem Führerkurs in Sitten zu unterrichten. Am Schlüsse desselben, am 13. Juni 1892, gehorchen ihm plötzlich die Beine nicht recht, er fällt auf ebenem Trottoir, es ist der Anfang einer schweren Krankheit. Eine rasch aufsteigende Rückenmarkslähmung ( Landrysche Paralyse ) unbekannter Ursache stellt sich ein, und Imfeid liegt für mehr als ein Jahr ins Bett gebannt. Die Lähmung ergreift auch die Arme und beginnt sogar, das Schlucken unsicher zu machen. Da hält die Krankheit noch an der letzten möglichen Grenze ein. Die zähe starke Natur Imfeids und die vortreffliche Pflege durch die Seinen gewinnt die Oberhand, und es folgt eine langsame Besserung. Aufgemuntert durch seine Freunde und seine Familie, versuchte er im Krankenstuhl wieder den Stift zu führen. Es ging. Ende 1893 folgen die ersten Gehversuche im Haus, 1895 macht er wieder Aufnahmen im Terrain. Aber die frühere Rüstigkeit und Bergtüchtigkeit kam selbstverständlich nie mehr zurück. Mit der überlegenen Kraft, Sicherheit und bergsteigerischen Gewandtheit, durch die er seine Hochgebirgsführer in Erstaunen setzte, war es vorüber, und die Hand war unsicher geworden. Den Stahlstichel mit seinem Widerstand auf dem Stein konnte er eher wieder führen als den Bleistift. Seine Augen, die gleich scharf in größte Entfernung wie in die Nähe dienten, blieben unverändert. Imfeid suchte nun Mithülfe für seine Arbeiten, die er ganz in sein Sehen und Auffassen einführen könnte und die dann für ihn das Modellierholz und das Modelliermesser führen könnte. Nach verschiedenen mißlungenen Versuchen fand er endlich den richtigen Helfer in dem Kunstzeichner Karl Meili, den er ins Modellieren einführte. Meili modellierte erst, was Imfeid sah und ihm zeigte und korrigierte; dann fing er an, es selbst ebenso zu sehen und zu finden, unterstützt von vortrefflicher eigener Beobachtungsgabe und guter Vorschule. Schließlich wurde beider Schauen und Darstellen wie dasjenige ein und derselben Person. Und nun führt Meili aus, was Imfeid sinnt, nicht bloß als mechanischer Überträger, sondern völlig geistig mitlebend und mitarbeitend, beide nach dem gleichen Ideale strebend, das in Imfeids Genius begründet und vorgezeichnet war.

In geschäftlicher Hinsicht war Imfeid von äußerster Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit, frei von den bezüglichen Fehlern so vieler Künstler. Offenheit, Treue und Geradheit zeichnete sein Wesen. Daneben besaß er einen unverwüstlichen Humor, einen unversiegbaren Reichtum an geistreichen treffenden Einfällen. In der Sektion Uto hielt er einigemal in Form und Inhalt köstliche Vorträge von unübertrefflicher Originalität und voll gediegenen Inhaltes.

Schon in der Studentenzeit war Imfeid wochenlang von peinlichster Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Solidität, hie und da aber verführte in froher Gesellschaft sein sprudelnder Witz zum Ausgang in ein Trinkgelage. Es wäre unrichtig, zu verschweigen, daß der zähe starke Mann unter dieser Art schließlich doch Schaden nahm, besonders als er auch nach der schweren Krankheit von 1892 nicht völlig davon lassen konnte. 1904 stellten sich Herzbeschwerden ein, die dann nach langem Kuraufenthalt scheinbar wieder wichen. Seine Stimmung aber litt darunter. 1908 brach Imfeid durch Ausgleiten ein Bein, was ihn für einige Monate zur Untätigkeit zwang. 1907 und 1908 erlitten die beiden älteren Söhne Imfeids schwere Unglücksfälle im Hochgebirge. Der eine hatte am Matterhorn die Zehen abgefroren und mußte den vorderen Teil der Füße amputieren lassen, der andere zerriß Fußsehnen bei einem Absturz am Fleckistock. Beide Unfälle haben den Vater schwer ergriffen und niemals hat er sie verwinden können. Sarkastisch bemerkte er zu mir: „ Gottlob, daß sie die Füße verstümmelt haben, sie würden sonst sicher das nächste Mal totstürzen. " Die eingehende väterliche Beschäftigung mit seinem jüngsten Knaben bot ihm die ungetrübteste Erheiterung und half über Schweres hinweg.

Vom Oktober 1908 an fühlte sich Imfeid vielfach unwohl. Im Januar 1909 ging es wieder besser. Mit besonderer neuer Lust und Freude war er zusammen mit Meili wieder an der Relief arbeit: Rigigruppe, Pilatus mit Luzern und Berner Oberland in 1: 25,000 wurden eben vollendet, Pilatus in 1: 10,000 vorbereitet. Da, am 21. Februar 1909, abends, macht ein Herzschlag unerwartet und schmerzlos seinem Leben ein Ende. Er hatte 56 Jahre erreicht und hinterläßt Witwe, drei Söhne und drei Töchter. Er hinterläßt ferner begonnene Arbeiten, unausgeführte Ideen — ein Leben ist mitten in voller Arbeit, ohne zu einem Abschluß zu gelangen, abgebrochen.

Nach dieser kurzen Schilderung von Imfelds Lebensgang treten wir noch etwas auf seine Werke ein. Fast alle betreffen die Darstellung unserer Berge in Panorama, Karte, Vogelschaukarte, Relief und Stereorama. Imfeid arbeitete rasch. Es ist eine große Zahl von Werken für ein Menschenleben, Zeugnis seiner ungewöhnlichen Arbeitskraft und Unternehmungsfreudigkeit! Imfeid war in seinen Werken ein Dichter und Meister der Wahrheit. Kunst und Wissenschaft hatten sich vereinigt in ihm. Er stellte die Natur seiner geliebten Berge mit solcher Treffsicherheit, solcher Reinheit und göttlicher Klarheit dar, als wäre er selbst ihr Schöpfer gewesen. In seiner Hand wurden alle Formen verständlich und dadurch schön, und erst seine Darstellungen führten Tausende zum bewußten Sehen, zum Verständnis der Bergwelt. Seine klare Auffassung und Wiedergabe übertrifft alles vorher Erreichte und bedeutet einen großen Fortschritt. Nicht an einer bestimmten Manier, nicht an einem Stil erkennt man Imfelds Werke aus allen andern heraus, sondern an ihrer Freiheit von besonderem Stil und besonderer Manier, an ihrer reinen Wahrheit. Sein Stil und seine Manier waren diejenigen des Schöpfers. Imfelds topographische Werke beweisen, daß die äußerste wissenschaftliche Genauigkeit, Meßkunst, und daß Treue und Liebe bis ins Kleinste sich mit genialer Auffassung und Wiedergabe harmonisch verträgt. Darin liegt die Betätigung seiner großen Begabung, darin das Vorbild, das er uns gibt. Wissenschaft und Technik ohne angeborenes Kunsttalent hätten niemals vermocht, diese Harmonie von Wahrheit und Schönheit in der Darstellung zu erreichen. Imfelds Werke sind die Werke eines Naturforschers und Künstlers zugleich.

Panoramen und Alpenzeiger.

Manches der nachstehend aufgeführten Werke Imfelds beschäftigte ihn durch mehrere Jahre. Wir geben soviel als möglich die Jahreszahl der Vollendung und ordnen sie in zeitliche Reihe. Es sind gerade 40 Nummern.

Tomlishorn ( Pilatus ). .1875Eggishorn1881 Groß Rüchen nach Norden1876Rocher de Naye.. .1882 Ütliberg1876Gornergrat1882 Schaffhausen, Höhe. .1878Aarburg 1882 Titlis1878Chaumont1882 Monte Rosa1879Schilthorn1883 Guebweiler ( Elsaß ). .1880Gornergrat1883 Bern, Kleine Schanze. .1880Luzern vor Hotel Nationa11883 Belchen bei Mühlhausen .1880Roßwald bei Brig.. .1884 Sälischlößli bei Ölten. .1880Gemmi1884 Freiburg1885Neuenburg1893 Bruggerberg bei Brugg .1886 Mont Blanc1895 Mettelhorn1887Jungfrau1895 Riffelalp1888Gütsch ( Luzern ).. .1895 Roßberg1888Torrenthorn1898 Pilatus, neue Bearbeitung1888Weißenstein1903 S. Salvatore1890Zofingen1905 Mont Avri11891üster1905 Bachte11891Zug1905 Niederbauen1892Jungfraubahnstationen. .1906 Bei den sämtlichen Panoramen Imfeids sind die Grandsätze festgehalten, welche ich in einem Aufsatze im 8. Jahrbuch des S.A.C., 1873, niedergelegt hatte. Imfeid hat aber seinen Lehrer weit übertroffen.

Alle Panoramen Imfeids sind Originalzeichnungen, d.h. sie sind nicht etwa von einem Lithographen nach seinem Original, sondern von Imfeid selbst auf den Stein gezeichnet, oder nach seinem Original photographisch übertragen worden. Der Stich in Stein schien ihm auch immer das Vollkommenste, wenn auch Mühsamste, und so hat er seine wertvollsten Panoramen selbst graviert.

Manchmal hat Imfeid auf dem Gipfel frei gezeichnet und nachher ein Punktennetz aus der Karte konstruiert und die Zeichnung demselben eingepaßt. In anderen Fällen hat er sich vorher ein Punktennetz in bestimmtem MaßstabRadius des Projektionszylinders ) konstruiert oder berechnet und dann die Aussicht auf dem Gipfel direkt in dasselbe eingezeichnet, oder er hat auch mit dem Theodoliten eine Anzahl Punkte seines Panoramas aufgenommen.

Man schneide aus einem weißen Papier ein Loch von 1 cm2 und lege es auf das Panoramabild, so daß man daraus nur den einen oder andern gezeichneten Gipfel isoliert sieht, dennoch wird man ihn bei den Imfeldschen Panoramen sofort erkennen. Das ist eben nur möglich durch die hohe individuelle Charakterisierung jeder einzelnen Bergform. Dieses Experiment versagt bei den Panoramen mancher anderer Zeichner. Ohne jede Effekthascherei, ohne jede Weglassung, aber auch ohne Übertreibung sind die besonderen Züge im Antlitz jedes, auch des fernsten Gipfels in der Profillinie wie in Vordergräten oder Schichtlinien, in Form und Anatomie, aufgefaßt und wiedergegeben in all ihrer Mannigfaltigkeit und Besonderheit. Man findet in den Imfeldschen Panoramen nur sehr schwer zwei Gipfel, die miteinander verwechselt werden könnten. Nicht effektvoller Eindruck, nicht Stimmung sind angestrebt, wie das landschaftliche Kunstbild sie sucht, vielmehr ist absichtlich jede vorübergehende Beleuchtungswirkung vermieden, denn es soll, dem Wissenschaft- liehen Zweck des Panoramas entsprechend, die Bergform so dargestellt werden, wie sie an sich in Wahrheit ist, nicht wie sie unter zeitweisen Umständen vorübergehend erscheint. Dazu ist .die feine Linienzeichnung die einzig geeignete Manier, wie Imfeid in Übereinstimmung mit unseren früheren Erfahrungen gefunden hat. Mit den einfachsten Mitteln derselben ist es ihm gelungen, Schnee, Gletscher, Fels, Wiese, Wald klar auseinander zu heben. Man sieht jedem Strich an, was er bedeutet. Schraffierungen komplizierter Art sind vermieden. Am reinsten ist diese Art stets in den Hintergründen zum Ausdruck gebracht. Farbtöne sind vorherrschend nur zur Fernwirkung verwendet und sollen das ganze Bild etwas beleben. Für die Vordergründe mußte hie und da mit andern Mitteln ein Kompromiß eingegangen werden. Alle Httlfsmittel der Lithographie waren Imfeid zur Hand.

Viele von Imfeids Panoramen enthalten über 1000 Namen. Am mühsamsten zu zeichnen waren stets diejenigen, welche die Alpen aus großer Entfernung darstellen. Da sind die Gratlinien am schwierigsten zu verfolgen, das Auge am meisten angestrengt, die genügende Klarheit in der Luft am seltensten. Das schönste in der Gebirgszeichnung scheint mir das Panorama vom WeLßenstein zu sein. Die hervorragendste Leistung, die bisher auf dem Gebiete des Panoramas überhaupt zustande gebracht worden ist, ist unbedingt Imfeids Mont Blanc-Panorama. Über 1000 Punkte desselben sind geometrisch konstruiert und das Bild von freier Hand in dieses Punktengewirre gezeichnet. Der Gesichtskreis ist ungeheuer, die Zahl der hintereinander und nebeneinander sich gruppierenden Gipfel kaum mit dem Auge zu bewältigen. Dazu kommen die enormen physiologischen Schwierigkeiten des tagelangen Aufenthaltes auf solcher Höhe. Die meisten können überhaupt unter solchen Umständen nicht mehr scharf sehen, geschweige zeichnen, was sie sehen, Tiele nicht mehr leben — und auch die Photographie versagt bei solchen Entfernungen für die Hintergründe vollständig.

Karten.

Als Angestellter des eidgenössischen topographischen Bureaus hat Imfeid im Gebirge Blätter 1: 50,000 für den Siegfriedatlas teils revidiert, teils neu aufgenommen, und zwar 3 Blätter im Kanton Uri, 18 Blätter im Wallis. Sie alle zeichnen sich durch die vortreffliche und verständnisvolle Darstellung der Bodenformen und hohe Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit vor den älteren Blättern aus. Damals waren einzig diejenigen von L. Held ebenbürtig. Bei detaillierter geologischer Aufnahme empfindet man am deutlichsten, daß die Imfeidblätter einen großen Fortschritt bedeuten, der nun auch andere Mitarbeiter zu gleich tüchtigen Dr. Alb. Earn.

Leistungen angespornt hat. Die objektive Auffassung und künstlerische Treffsicherheit Imfeids freilich ist fast unerreichbar oder nicht zu übertreffen. Imfeids Leistung am eidgenössischen „ Siegfriedatlas " ist aus folgender Aufzählung der Blätter, die seinen Namen tragen, ersichtlich: Blatt 403 Altdorf, teilweise Neu-Auf nähme1876 „ 404 Tödi1876 „ 407 Amsteg1876 „ 527 Lourtier Eevision1877 „ 528 Evolena1877 „ 530 Grand Combin „ 1877 „ 531 Matterhorn1877 „ 532bis Mont Velan „ 1877 „ 533 Mischabe11878 „ 534 Saas1879 „ 535 Zermatt „ 1878 „ 536 Monte Moro „ 1878 „ 492 Kippel Neu-Aufnahme 1881/1882 „ 493 Aletschgletscher „ 1880/1882 „ 482 Sierre „ 1882 und 1884 „ 489 Jungfrau Revision 1883 „ 488 Blümlisalp „ 1883 „ 497 Brig Neu-Aufnahme1883 „ 494 Binnental Revision 1884 „ 501 Simplon Neu-Aufnahme 1886/1887 „ 300 St. Nikolaus „ 1889 Unabhängig vom topographischen Bureau hat Imfeid noch eine Menge von Kartenaufnahmen, Planaufnahmen oder auch bloß Kartenzeichnungen ausgeführt. Wir kennen die folgenden:

Planaufnahmen, zugleich mit Projekten für Bahnen oder Straßen, sind:

Visp-Zermatter-Bahn, Aufnahme und Projekt1887 Lauterbrunnen-Mürren-Bahn, Aufnahme und Projekt... 1889 Gornergrat- und Matterhorn-Bahn, Aufnahme und Projekt. 1890 Triangulation und Vermessung in Lichtensteig.... 1891 Lötschentalaufnahmen für Bodenkreditanstalt1891 Triangulation und Waldvermessungen in Unterwaiden 1894—1897 Drahtseilbahn Lauberhorn, Aufnahme und Projekt... 1895 Jungfraubahn, Aufnahme und Projekt1896 Lötschbergbahn, Aufnahmen1899 Brienzerseebahn, Aufnahme und Projekt1902 Sustenstraße ( mit Ingenieur Wildberger ), Aufnahme und Projekt 1903 Brig-Gletsch-Bahn, Aufnahme und Projekt 1904—1908 Molésonbahn, Aufnahme und Projekt1904 Bergaufzug Aiguille du Midi, Aufnahme und Projekt.. 1904 Bergaufzug Eigerwand, Aufnahme und Projekt 1905 Stalden-Saas Fee-Bahn, Aufnahme und Projekt1907 Eggishornbahn, Aufnahme und Projekt1907 Säntisbahn von Urnäsch, Aufnahme und Projekt 1907 Aletschbahn, Aufnahme und Projekt1907 Wasseranlage im Oberwallis, Aufnahme und Projekt.. 1909 Bei manchen dieser Arbeiten handelte es sich um weitläufige Terrainaufnahmen. Andere wurden in ausgezeichneter Art als detaillierte Kurvenkarten durch photogrammetrische Konstruktionen hergestellt, letzteres z.B. für die Säntisnordwand, Eigerwand, Aiguille du Midi etc., in einer Vollkommenheit, wie sie mit dieser Methode früher noch nicht erreicht worden war.

Eine Menge technischer Werke wurden von Imfeid für Ausstellungen in glänzenden Plänen, perspektivischen Ansichten etc. zur Anschauung gebracht. Solche Arbeiten waren:

Gotthardbahnpläne für die Genfer Ausstellung 1896 Reliefkarte der Lötschbergbahn 1907 Perspektivische Darstellung der Wasserversorgung Luzern. 1896 Reliefkarte der Grimselstraße1896 Exkursionskarte von Zermatt1883 Eisenbahnkarte für Jura-Simplon in Relieftönen.

Imfeid hat sich wiederholt in sogenannten Vogelperspektivkarten versucht, wobei er stets exakte geometrische Konstruktion zugrunde legte und dann die Formen ins Punktennetz einzeichnete. So sind entstanden: Vogelschaukarte der Zentralschweiz 1886 Vogelschaukarte von Schaffhausen.... 1901 Die erstere ist wohl die beste Vogelschaudarstellung eines Gebirges, die bisher gemacht worden ist. Sie steht durch Genauigkeit und Klarheit hoch über den älteren Arbeiten von Delkeskamp.

Für die Schulwandkarte der Schweiz 1897 machte Imfeid einen Entwurf, für welchen er den ersten Preis erhielt. Eine Variante seiner Karte war in. dem natürlichen von Südosten kommenden Lichte hergestellt. Desgleichen hat Imfeid bei seiner Karte des Schlachtfeldes von Morgarten 1905 die Südostbeleuchtung angewendet. Es ist eine wahre Wohltat, endlich wieder einmal eine in Wirklichkeit vorkommende Beleuchtung in einer Karte zu sehen, im Gegensatz zu der von den meisten Topographen mit Starrsinn festgehaltenen, der Natur total widersprechenden Nordwestbeleuchtung. Die schweizerische Schulwandkarte ist hauptsächlich nach dem Muster von Imfeids Entwurf dann ausgeführt worden; freilich leider wieder in der alten verkehrten Beleuchtung, in welcher die Sonne wohl auf der Südhalbkugel, aber niemals bei uns scheint.

Das herrlichste Kartenwerk von Imfeid, vielleicht die schönste Hochgebirgskarte der Welt, ist die im Auftrag von Herrn Albert Barbey ausgeführte Karte der Mont Blanc-Gruppe in 1: 50,000, 1896.

Die Vorbereitungen zur Mont Blanc-Karte sind schon vor der Erkrankung 1891 getroffen worden. Die Ausführung der Zeichnung hat Imfeid mit noch zitternder Hand als langsam Genesender, im Krankenstuhl sitzend, ausgeführt, und bei dieser Arbeit ist der alte Mut und die alte Arbeitsfreudigkeit ihm neu wieder auferstanden. Auf dem Papier entstand das Bild, wie er es im Geiste sah, und der Geist zwang die Hand. Und der Stechermeister Leuzinger lebte noch und schuf im Stich -von Imfeids Mont Blanc-Karte sein letztes großes Werk. Eine unerreichte Harmonie liegt in Stich und Ton, es ist ein treues herrliches Porträt--gemälde der Natur von höchster künstlerischer Vollendung. Um so mehr bedaure ich, daß für dieses herrliche Werk wieder die unwahre Nordwestbeleuchtung angenommen worden ist!

Einige Arbeiten Imfeids besonderer Art seien hier noch angeführt: Studien über die Temperatur im Simplongebirge, Vorschlag eines „ tunnel coudé ", 1881/1882; Gipfelplan des Mont Blanc, 1891; Pläne für die Clubhütte Plattje.

Reliefs.

Fast mit Naturnotwendigkeit muß ein solcher Gebirgstopograph sich auch dem Relief zuwenden, denn das Relief ist doch die befriedigendste, vollendetste Art der Gebirgsdarstellung. Es zeigt uns auf einen Blick mehr als tausend Beschreibungen sagen können, mehr als tausend Ansichten wiedergeben, mehr als die beste Karte liefern kann; in gewissen Beziehungen leistet uns das Relief mehr als die Anschauung in der Natur, weil wir den Standpunkt unseres Auges rasch willkürlich ändern und dahin versetzen können, wohin wir in der Natur nicht zu kommen vermöchten. Dem Relief steht, wenn es sich erst einmal ganz aus dem Dilettantismus herausgerissen hat, sicherlich in den wissenschaftlichen Museen und Lehrinstituten noch eine große Zukunft bevor. Für Imfeid ist bezeichnend, daß, wie es auch in der geschichtlichen Entwicklung der Topographie in den letzten 150 Jahren sich ereignet hatte, das Relief der Beginn war, Panorama und Karte die Nachfolge. Mit Naturnotwendigkeit ist unser begabte Gebirgstopograph, der unerreichte Meister X. Imfeid, aber auch nachher immer wieder auf das Relief als die vollkommenste Darstellungsart zurückgekommen. Im Relief empfand er vollste Befriedigung und seines Strebens innerstes Glück.

Arnold Böcklin, der oft mit Imfeid in freundschaftlichem Verkehr stand, saß einst sinnend vor einem ersten Entwurf eines Matterhornreliefs. Dann sagte er nachdenklich: „ Das ist eine Kunst, die eine Zukunft hat !"

Imfeid hat folgende Reliefs geschaffen:

Gotthardgruppe, 1: 50,000, 1873/1875 modelliert.

Zermatter Alpen, 1: 25,000, 1878 ( Exemplare in Zermatt, in der geologischen Sammlung im Polytechnikum Zürich, in Winterthur und im British Museum London ).

Engelberg, 1: 25,000, 1890 ( Exemplare im Hotel Titlis Engelberg, in Genf, geologisch bearbeitet im Polytechnikum ).

Zentralschweiz, 1: 25,000, umfassend 12 Blätter des Siegfriedatlas. Ein Exemplar befindet sich zurzeit im Generalstabsbureau Bern, eines geologisch koloriert im eidgenössischen Polytechnikum. Ein Exemplar wurde der Schuljugend von Obwalden geschenkt von X. Imfeid und steht im Rathaus Samen; eines mit spezieller Berücksichtigung der Verkehrslinien ist in London. Im Gletschergarten in Luzern steht in 1: 25,000 das Relief des ganzen Gotthardbahngebietes von Luzern bis Chiasso. Imfeid hat dazu den nördlichen Teil, F. Becker den südlichen vom Gotthard bis Locamo und Lugano hergestellt.

Simplongruppe1 ), 1:25,000, ausgeführt 1907/1908 im Auftrage der Bauunternehmung des Simplontunnels. Ein Exemplar wurde von dieser der Stadtbibliothek in Winterthur geschenkt. Weitere Exemplare befinden sich in Sitten, Lausanne, Paris ( Sorbonne ), Bern und Polytechnikum Zürich.

Matterhorn1 ), 1: 5000. Im Jahre 1896 für die Ausstellung in Genf ausgeführt, nach photogrammetrischen Aufnahmen und reichhaltigem Photographie- und Zeichnungsmaterial. ( Alpines Museum Bern, Polytechnikum Zürich, London, Zermatt, Paris [Sorbonne] ).

Jungfraugruppe, 1: 2500. Mit einer Grundfläche von 25 m2. 1897/1900. Eine Zeitlang war dieses gewaltigste Relief in der Börse Zürich ausgestellt. Jetzt befindet es sich, freilich in etwas defektem Zustande, im Friedensmuseum in Luzern.

Berner Oberland1 ), 1: 25,000, vollendet 1908, als Schulrelief vorgesehen. ( Paris [Sorbonne], Alpines Museum Bern. ) Pilatus, 1: 50,000, 1870, Erstlingsarbeit, zurzeit in Aarau.

Pilatus mit Luzern1 ), 1: 25,000, 1909, des Meisters letzte Arbeit, als Schulrelief vorgesehen.

Bigigruppe 1 ), 1: 25,000, vollendet 1908, als Schulrelief vorgesehen.

Relief der Mont Blanc-Gruppe, 1: 25,000, war in Arbeit, ist unvollendet geblieben.

Relief des Pilatus, 1: 10,000, war begonnen.

Eine wunderschöne Reihe von kleinen Reliefs, meistens in 1: 25,000, wurden als Briefbeschwerer in galvanoplastischer Metallreproduktion hergestellt ( meistens Verlag von Gebr. Scholl in Zürich ). Es sind dies: Dent du Midi, Matterhorn, Jungfrau, Jungfraugebiet, Rigi, Pilatus, Säntis, Titlis, Glärnisch, Mythen und Ortler.

An diese gebirgstopographischen Reliefs schließen sich Reliefs oder Modelle an, die, zum Teil in größeren Maßstäben hergestellt, einzelnen technischen oder wissenschaftlichen Zwecken dienten. Dahin sind zu rechnen:

Relief der Gryonne, 1: 500, für den Kanton Waadt, 1883.

Relief der Rhonekorrektion, 1: 2000, für den Kanton Wallis, 1885.

Relief von Gersau, perspektivisch, 1883.

Relief der Veveyse, für den Kanton Waadt.

Relief von Schweizersbild, 1897, eine Darstellung der prähistorischen Fundstätte. Schweizerisches Landesmuseum.

Relief von Axenstein, 1898.

Relief des ütogipfels, 1: 1000, eine Darstellung des dortigen prähistorischen Refugiums. Schweizerisches Landesmuseum. 1906.

Modell der Station Eismeer, Jungfraubahn. 1906. ( Für das Deutsche Museum für Wissenschaft und Technik in München hergestellt. ) Modell eines Gletschers, Gletschergarten von Luzern mit Strudelloch. 1895.

Wie wir aus obigem sehen, hat Imfeid für die Alpen den Maßstab 1: 25,000 bevorzugt. Seine Idee ging dahin, daß allmählich alle Siegfriedblätter der alpinen Schweiz in diesem Maßstabe als Relief ausgeführt werden sollten. Wir haben dieses Projekt bei den eidgenössischen Behörden unterstützt, und die Sektion Uto des Alpenclub ist zu Gevatter gestanden. Wir haben auch später das Projekt des eidgenössischen Reliefs in 1: 25,000 verteidigt gegenüber einem Reliefprojekt in 1: 100,000, denn längst ging unsere Erfahrung mit Imfeid dahin, daß im kleinen Maßstab die Karte, im größeren das Relief mehr leistet. Imfeid fand, daß die topographischen Aufnahmen für Reliefs in 1: 25,000 genügen, für einen größern Maßstab aber nicht reichen, und daß die Siegfriedblätter als Reliefs in 1: 25,000 von praktischer, leicht hantierbarer Größe werden, und jede Schule sich ein oder mehrere für sie besonders interessante Stücke anschaffen könnte. Imfeid ist selbst über diesen praktischen Vorzugsmaßstab nur dann hinausgegangen, wenn er auf Grundlage eigener neuer, namentlich photogrammetrischer Aufnahmen etwas noch Vollkommneres, Höheres leisten wollte.

Alle Relief arbeit Imfeids gehört zu der „ Zürcher Reliefschule ", deren fruchtbarster Vertreter Imfeid selbst ist. Die hier geltende Auffassung besagt, daß das Relief nicht eine bloß mechanische oder gar dazu noch dilettantische Übersetzung der Karte in die Körperlichkeit sein soll, sondern daß es auf allseitiger fachmännischer, die Karten reichlich ergänzender Naturbeobachtung und Naturaufnahme beruhen, und viel mehr leisten soll, als die Karte es kann. Die Natur, nicht die Karte, sei das Vorbild. Die Darstellung der Einzelheiten soll so weit gehen, als es der Maßstab erlaubt.

Die Technik der Reliefherstellung ist Nebensache, sie kann nach verschiedener Art durchgeführt werden. Imfeid hat das in der Regel wie folgt gemacht: Zunächst wurde der Grundstock in aus Karton von entsprechender Dicke ausgesägten Kurvenplatten treppenförmig aufgebaut. Dann wurde die Reliefsektion in einen von Imf eid ausgedachten und nach seiner Zeichnung ausgeführten sehr feinen Präzisionsapparat eingestellt, der für jeden Punkt eine genaue Einstellung aller drei Koordinaten auf feinsten Maßstäben ergibt und zugleich eine pantographische Veränderung des Maßstabes mit direkter Übertragung jedes beliebigen Punktes von der Karte auf das Relief ermöglicht. Mit Hülfe dieses Apparates wurden nun alle trigonometrisch vermessenen Punkte der Karte mittelst eingeschlagener Stahlstifte auf dem Kurvenstock festgelegt; außerdem ebenso noch eine Menge von Zwischenpunkten, deren Koordinaten Imfeid durch photogrammetrische Konstruktion neu gewonnen hatte. Nun wurde der Kurvenstock, versehen mit seinen Stahlstiftpunkten, aus dem Koordinato-graphen herausgenommen und dann aus irgend einem Kitt, später besonders mit Plastilina, zunächst nach der Karte, das Terrain aufmodel-liert. Schon vorher war das Gebirge genau begangen und eine Menge von Zeichnungen und eine große Anzahl von Photographien aufgenommen worden. In einem zweiten Stadium der Modellierung dient nicht mehr die ungenügende Karte, sondern jetzt Zeichnung und Photographie als Original, ausnahmsweise sind einzelne Partien auch direkt im Terrain modelliert worden. Ist die Modellierung so weit durchgeführt, als es in der plastischen Substanz möglich ist, so wird in Gips mittelst „ verlorener Negativ-em " umgegossen, und nun kommt im Gipspositiv, das nun zum sogenannten Original wird, als drittes Stadium der Modellierung die feinste Ausziselierung nach Zeichnungen, Plänen und besonders nach Photographien, und das ist der zeitraubendste und sachlich schwierigste und höchste Teil der Arbeit. Von dem so in Gips hergestellten Form-original werden dann mittelst Gelatineform Abgüsse in Gips oder auch galvanoplastische Abgüsse gemacht, und diese erst kommen dann in Bemalung. Die Bemalung muß nach dem Maßstabe gehalten werden und hat Imfeid und seinem Arbeitsgenossen Meili in technischer wie in künst- lerischer Hinsicht viele Versuche und Proben gekostet, bis sie in befriedigender Weise gelungen ist.

Imfeld hat einmal in der Sektion Uto des S.A.C. diesen ganzen Werdegang eines Reliefs unter Vorweisungen der verwendeten Instrumente, Substanzen, Hülfsmittel und Reliefs in verschiedenen Stadien der Ausführung sehr anschaulich und schön geschildert, so daß einzelne Zuhörer vielleicht für den Moment denken mochten, jetzt könnten sie es auch. Allein, um mit diesen Hülfsmitteln dann ein Imfeldsches Relief zu machen, muß man eben erst ein Imfeld sein. Manche gute Erfindung, die er oder andere für den technischen Werdegang eines Reliefs gemacht haben, läßt sich leicht vermitteln und von jedem benützen; allein die Hauptsache, das Talent für Auffassung und Wiedergabe der Formen, bleibt eben in der eigenartigen Begabung des Einzelnen begründet und ist unüber-tragbar.

Berner Oberland, Rigi und Pilatus in 1: 25,000 waren als Schulreliefs gedacht. Sie sind vollendet in der genauen Ausführung wie keines vorher. Die Konferenz der schweizerischen Erziehungsdirektoren hat in vorletztjähriger Sitzung in Sarnen diese Typen schweizerischer Landschaften einstimmig als für den geographischen Unterricht an allen Mittelschulen wünschenswert erklärt, in der richtigen Einsicht, daß gerade das Beste nur den vollen Dienst leisten kann, und hat sich mit der Bitte um Mithülfe zur Vervielfältigung an die eidgenössischen Behörden gewendet. Hoffentlich bleibt die Angelegenheit nicht auf dem Stadium eines frommen Wunsches stehen, sondern trägt den Namen des urschweizerischen Topographen auch in die Schulen hinein. Imfeld hatte einige Sätze drucken lassen, die seine Auffassung des Schulreliefs in einfachster Art darlegen. Sie lauten:

„ Die geographische Karte, auch die vollendetste, wird nie ein so unmittelbares Interesse, einen so tiefen Eindruck zu erwecken vermögen wie das Relief. "

„ Die Karte bringt nur zwei Dimensionen zur richtigen Anschauung, die horizontale Ausdehnung in die Länge und Breite, während das Relief gleichzeitig alle drei Dimensionen darstellt, nämlich auch den Aufriß. "

„ Unsere Karten mit ihrer einseitigen Beleuchtung erzeugen häufig dem Schüler falsche Vorstellungen und Begriffe, ja Unwahrheiten, während das Relief von allen Seiten beleuchtet werden kann und die ausgiebigsten Vergleichungen der Höhenverhältnisse gestattet. "

„ Das Relief ist daher die natürliche Brücke zur Einführung der Schüler in ein gründliches Kartenverständnis; es bildet den Übergang, das Mittelglied zwischen der geschauten Natur und der Symbolik der geographischen Karte. "

Xaver Imfeid.20 t Stellen wir uns vor das Matterhornrelief in 1: 5000 ( im Alpinen Museum Bern, Eigentum des S.A.C. ), welches vielleicht das schönste Reliefstück ist, das bisher ausgeführt worden. Einige hundert Punkte sind photogrammetrisch exakt bestimmt worden, um den Leib des Kolosses richtig zu formen. Eine Menge von Zeichnungen und Photographien haben bei der feinen Ausmodellierung gedient.

Das Matterhornrelief steht vor uns als ein ergreifendes Abbild der Natur, das uns wie kein anderes Mittel hilft, die Natur selbst objektiv zu erfassen. Es schildert uns die ungeheure Wildheit, die drohende Macht, aber auch die Eleganz dieser Bergerscheinung und läßt ihren anatomischen Bau durchscheinen und die stetigen Veränderungen ihrer äußern Gestalt erkennen. Es zeigt uns seine Gräte wie seine Steinschlagfurchen, seine Felswände wie seine Gletscher, alles in der gleichen großen, von Verständnis durchdrungenen Naturauffassung. Jede kleine Einzelheit in Form und Farbe ist richtig an richtiger Stelle dargestellt, genau photogrammetrisch konstruiert, in richtiger Größe dem Ganzen harmonisch eingefügt, ohne das Große zu stören, ohne ungerecht herauszustechen. Ich finde kaum, was ich noch besser wünschen könnte, ich kann in dem Relief manche Dinge studieren wie in der Natur. Überall ist Klarheit. Schon in der Form und dann noch unterstützt durch die Farbe sind klar auseinandergehalten Moränenschutt, Gehängeschutt, Fels, fließendes und brechendes Eis, getürmter oder rutschender Schnee. Nirgends ist verschwommene Unklarheit. Die Farbgebung ist glücklich, sie entspricht der Proportion in der Distanz, aus welcher wir das Ganze genießen, sie gibt die durch die Felsarten bedingten Wechsel landschaftlich richtig ohne Übertreibung wieder. Der Unterschied der kahlen Südseite und schneeigen Nordseite spricht mit voller Wahrhaftigkeit zu uns. Wir verändern unsern Standpunkt ringsherum und bewundern die Wechsel im Antlitz des wunderbaren Berges. In hellem Licht sehen wir den ganzen sonnigen Glanz der luftigen Höhen, wenn beschattet aber den düstem Ernst des Kolosses, ganz als wie in der Wirklichkeit. Wir müssen lange und von allen Seiten schauen — vielleicht mit dem Feldstecher aus einiger Entfernung — und eindringen, uns in das Modell versenken, um zum vollen Genüsse zu gelangen. Dadurch unterscheidet sich das Relief eines Imfeid von demjenigen eines Dilettanten, daß wir darin je länger je mehr finden und sehen, mit dem letzteren dagegen bald fertig sind. Imfeids Matterhornrelief 1: 5000 ist das schönste Dokument seines topographischen Genius, ein letztes Vermächtnis an die Freunde der Berge, seinem Namen zur bleibenden Ehre, ein Markstein in der Geschichte der Landestopographie.

Imfeid hat endlich noch eine ganz neue geistreiche Art der Darstellung des Gebirges erfunden, die er Stereorama nennt. In der „ Schweizerischen Bauzeitung ", Band XLVII, Nr. 20, 1906, hat er selbst das Stereorama nach seiner geometrisch-projektivischen Grundlage dargelegt und sagt dann: „ Im Stereorama vereinigen sich die Vorgänge des „ Reliefs ( Standpunktveränderung ) und jene des Panoramas ( Fernewirkung ). „ Das Stereorama gibt uns nicht nur das Mittel, die Rundsicht irgend „ eines aussichtsreichen Gipfels mit derselben Naturtreue und Fern Wirkung „ darzustellen, wie es das Panorama tut, sondern dasselbe befähigt uns, „ den Standpunkt beständig zu verändern und ähnlich dem Ballonfahrer „ die Landschaft zu durchfliegen und die stetig wechselnden Bilder an „ uns vorüberziehen zu lassen. " Mit Hülfe von Kunstmaler Hodel ( ja nicht Hodler !) in München hat Imfeid ein Modell mit Fahrbahn des Ballons 6000 m. über Meer von Zürich nach Bern konstruiert. Der Effekt ist großartig, die Illusion herrlich. Leider gelangte er nicht mehr dazu, ein größeres Stereorama für größeren Zuschauerkreis auszuführen, von dem er erwartete, daß es „ nicht nur dem flüchtigen Beschauer die „ Illusion einer Ballonfahrt hervorrufen, sondern auch dem strengen Beobachter den Eindruck erwecken wird, daß er es mit einem nach „ bestimmten mathematischen Gesetzen konstruierten Modell eines Teiles „ der Erdoberfläche zu tun hat ". Ein solches Stereorama-Pavillon wäre wohl bald eine Sehenswürdigkeit gediegener Art geworden. Ob die Idee von anderer Seite einst durchgeführt werden wird?

Um zu einem schönen Resultate zu gelangen, wie es Imfeid vorschwebte, ist es auch beim Stereorama notwendig, daß der streng durch-gebildete Geometer zugleich geborner Künstler sei, aber diese imfeldische Kombination tritt im Menschengeschlecht leider eben nicht häufig in Erscheinung.

Imfeid war ein ganz bescheidener Mann. Er redete nicht über seine Werke und Taten, er überließ es seinen Werken, selbst für sich zu sprechen. Der Reklame wich er soviel als möglich aus. In der Gediegenheit der Leistung allein suchte er den Erfolg. Viele seiner Werke hat er an Ausstellungen gezeigt. So konnten die höchsten Auszeichnungen ihm nicht ausbleiben. Goldene Medaillen, „ Grand Prix " etc. wurden ihm von internationalen Weltausstellungen wie von geographisch-topogra-phischen Spezialausstellungen zugesprochen. ( Silberne Medaille Paris 1878, Goldene Medaille Venedig 1888, Grand Prix Paris 1889, ebenso Genf 1896 und Paris 1900. etc. ) Die Sektionen „ Monte Rosa ", „ Dto ", „ Titlis " des S.A.C. und der S.A.C. selbst, sowie der Club alpin français ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitgliede.

Wir müssen Imfeids Leistungen, besonders die Panoramen und Reliefs, um so höher schätzen, als ihre Mehrzahl und ihre bedeuteadsten nicht des finanziellen Gewinnes halber, sondern aus dem innern Schaffenstrieb und der Bergfreude entstanden sind. Solche Arbeiten werden um so kostspieliger und unrentabler, je gediegener und vollkommener sie hergestellt werden, wogegen Pfuscherei finanziell eher lohnt. Weit davon entfernt, damit einen Eeichtum zu erwerben, hat im Gegenteil auch Imfeid sich glücklich geschätzt, wenn er wieder auf die Kosten kommen konnte, und in den begonnenen und kaum vollendeten, aber geschäftlich nicht mehr verwerteten Werken ist eine bedeutende Summe vergraben. Bei den Panoramen im besondern deckt der Verkauf die Kosten niemals, so daß ohne irgend einen subventionierenden oder die Publikation übernehmenden Verein ihre Herausgabe unmöglich wäre.Viele von Imfeids Panoramen sind im Jahrbuch des S.A.C. erschienen. Imfeid fragte mich einmal in gewohntem Humor: „ Du mußt auch die langjährige Erfahrung „ gemacht haben, daß es zwar sehr leicht ist, ein gutes Relief herzustellen, „ aber sehr schwierig, eines an Mann zu bringen; kommst etwa du auf „ die Kosten ?" Von Reliefs und Panoramen konnte auch Imfeid nicht leben.

Literarisch hat sich Imfeid wenig betätigt, obschon er im Wort der gleichen treffenden Schilderung fähig war wie mit Zeichenstift und Modellierwerkzeug. In den Jahrbüchern des S.A.C., Band XV und XVII, in der „ Neuen Alpenpost " finden sich einige kurze Schilderungen. Imfeid hatte den Plan, unter dem Titel: „ Aus meinen Topographenjahren " eine Anzahl Schilderungen zu einem Buche vorzubereiten. Wir treffen da auf Titel wie „ Über Reliefs und Panoramen ", „ Drei Wochen auf dem Mont Blanc " neben „ Bergfahrten " etc. Es ist ein großes Mißgeschick, daß diese Aufsätze, die gewiß eine Fülle von interessanten Erlebnissen, originellen Gedanken und reifen Erfahrungen gebracht hätten, ungeschrieben geblieben sind. Der einzige dafür vorbereitete Aufsatz, der sich schon im Manuskript vorfand, „ Im Nebel ", ist dann in der „ Neuen Zürcherzeitung ", Sommer 1909, abgedruckt worden.

Liebe und Freude an den Bergen ist es, die Imfeids ganzes Leben erfüllt und durchleuchtet hat, und unsern Bergen hat er fast seine ganze Arbeitskraft gewidmet. Sie richtig in ihrer Eigenart zu erfassen, sie richtig im flachen oder körperlichen Bilde darzustellen, treu, wahr und schön wie sie sind, und uns seine Formerkenntnis zu vermitteln, das war der Beruf, den er sich aus innerm Antrieb gewählt hatte. Bisher hat kein anderes Gebirgsland einen Gebirgstopographen von solcher Fruchtbarkeit, zugleich verbunden mit solcher Gediegenheit, solchem Scharfblick, so objektiver zugleich wissenschaftlicher wie künstlerischer Auffassung und Wiedergabe erzeugt, und kein anderer Gebirgsclub kann bisher einen gleichartigen den Seinen nennen.

Von gewissen Seiten hat man es Imfeid sehr übel genommen, daß er verschiedene Bergbahnprojekte und darunter auch die Matterhornbahn aufgestellt hat. Imfeids Standpunkt in dieser Frage, wie er ihn mir gegenüber ausgesprochen hat, ging dahin: „ Von allen Gipfeln über 4000 m. ist das Matterhorn der günstigste für eine Bergbahn, die Fahrzeit wird die kürzeste und dadurch das Wettergeschick am besten zu bewältigen. Ist es nicht Egoismus, den Tausenden, die sonst nie auf einen ähnlichen Gipfel gelangen könnten, den unermeßlichen edeln Genuß von einer Stunde auf solcher Aussichtswarte oben verwehren zu wollen? Sollten nicht vielmehr gerade wir, die wir die Berge lieben und ihre Pracht kennen, den andern zu ihrem Genuß und ihrer Verehrung helfen?11 Wenn man auch in dieser Frage sehr verschiedener Meinung sein kann, so bleibt doch sicher, daß Imfeid nicht aus niedriger, sondern aus hoher Gesinnung ein Freund der Bergbahnen war und für sie eintrat.

An Imfeids Grabe wurde die Beerdigungsfeierlichkeit mit den Worten beendet, mit denen ich auch hier schließen will:

Dein Fach und dein Vaterland und deine lieben Berge und wir alle, wir sagen dir Dank für deines Lebens Werke!

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