Zur ersten Besteigung des Mont Blanc

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Von Paul Montandon.

Am Morgen des 28. August, letztem Tag des vom Club Alpin Français einberufenen Internationalen Alpinen Kongresses in Chamonix, wurde ein an gut sichtbarer Stelle am Hôtel de Ville angebrachtes Bronzemedaillon, den Doktor Paccard darstellend ( vide Abbildung in Nr. 9 der « Alpen » ), eingeweiht. Ganz Chamonix war anwesend sowie zahlreiche Vertreter der Alpenvereine und auch ein direkter Nachkomme unseres grossen H.B. de Saussure. Als Grundlage hatte der Künstler ( Silvestre-Paris ) den bekannten Stich von Bacler d' Albe gewählt, welcher Paccard im Profil wiedergibt. Ansprachen wurden gehalten von Commendatore G. Bobba, Vertreter des Italienischen Alpenclubs und der Turiner Akademie der Wissenschaften, welche Paccard nach seiner Besteigung des Mont Blanc zum Mitglied ernannt hatte. Ferner vom Präsidenten des C.A.F. Escara, vom Maire von Chamonix, welcher das Medaillon den Alpenvereinen verdankte und mitteilte, dass eine Hauptstrasse in Rue Paccard umgetauft worden sei. Auch unser Ehrenmitglied Dr. H. Dübi sprach. Diese gehaltvolle Rede unseres besten Mont-Blanc-Historikers und unermüdlichen Verfechters der Ehrenrettung Paccards, französisch und ganz frei gehalten, fand sehr grossen, sympathischen Beifall. Sie wird voraussichtlich in « La Montagne », Organ des C.A.F., veröffentlicht werden. Dübi überreichte jenem Club ein Exemplar seines vergriffenen Buches « Paccard-Balmat, die Entwicklung einer Legende », welches bezeichnenderweise in der Bibliothek des C.A.F. fehlte, dagegen bei deutschsprechenden Alpinisten und besonders auch in englischen und amerikanischen Kreisen die verdiente Beachtung gefunden hatte. Zahlreiche Abhandlungen in « Die Alpen » ( von Dübi ), im « Alpine Journal » ( von Freshfield, Ch. Mathews, Stevens usw. ) und andern Publikationen ( Montagnier, Ferrand, Gaillard ) hatten die bekannte Streitfrage « Paccard versus Balmat » wissenschaftlich genau untersucht und in einwandfreier Weise zugunsten des Ersteren entschieden. Schliesslich waren es Amerikaner, die Gebirgsforscher Thorington und Ladd, sowie Montagnier, welche dieEine der letzten ist diejenige des 79jährigen Henri Brulle vom G. A. F. und A. C. in der 3. Augustwoche 1932.

VIII35 Ehrung des Paccardschen Andenkens durch persönliche bedeutende Opfer praktisch in Fluss brachten und die Herstellung des Medaillons ermöglichten. Dies auch unter Mithilfe unseres S.A.C. und anderer alpinen Vereine, die alle der Überzeugung sind, dass der erste Besteiger unseres höchsten europäischen Berges es wohl verdiene, öffentlich geehrt zu werden, besonders nachdem er von Neidern ( Bourrit ) und Romanschriftstellern ( Alexandre Dumas, Rochat-Cenise und andern ) in krasser Verkennung der Tatsachen und in gewissenloser Weise in seiner Ehre angegriffen und verunglimpft worden war. Wir beglückwünschen also die genannten Freunde des edlen Savoyarden und Bergsteigers ( und uns alle ) zur endlichen Erreichung ihres schönen Zieles, der öffentlichen Ehrenrettung des Doktors Paccard. Es ist ihm nun Gerechtigkeit widerfahren, nachdem sein Begleiter Balmat längst durch zwei Monumente in Chamonix verherrlicht worden ist.

Der alte Friedhof von Chamonix, früher bei der Kirche, wo Paccard anno 1827 begraben wurde, besteht nicht mehr, und im neuen ist kein Grab mit seinem Namen vorhanden. Balmat ging auf unbekannte Weise in den Felsen des Buet zugrunde. Niemand weiss also, wo die Gebeine der beiden Männer liegen. Aber ihre grosse Tat in einer Zeit, wo jedermann die hohen Berge und die Gletscher fürchtete, bleibt unvergessen in unserer Bewunderung.

Wir sehen die beiden ( im Fernrohre des damals in Chamonix anwesenden Barons von Gersdorf ) zähen Willens und entschlossen in den eisigen Einöden vordringen. Ohne Pickel noch Seil überkriechen sie auf ihren nebeneinander-gelegten Stöcken gefährliche Schrunde. Nach langem mühsamem Anstieg, mit Instrumenten beladen, bald der eine, bald der andere den Vortritt nehmend, erreichen sie endlich um 6% Uhr abends ihr Ziel, als die ganz Ersten, den höchsten Gipfel Europas. Was sie fühlen mochten in diesem grössten Momente ihres Lebens, wer will es ergründen? Der Doktor macht einige wissenschaftliche Beobachtungen. Dann, nach einem letzten Blick in die unendliche Weite, in die Welt zu ihren Füssen, eilen sie abwärts mit ihren langen Stangen, brennenden Auges, ungewiss, ob sie wohl den Gefahren entrinnen, ob sie heil und ganz auf feste Erde, zur Stelle ihres Biwaks gelangen werden. Mondschein begünstigt sie, und das Geschick ist den Mutigen wohlgesinnt.

Paccard hat nun, 146 Jahre nach ihrer Besteigung, die verdiente Ehrung erhalten, und jeder Vorübergehende, welcher in Chamonix einen Blick auf sein Bildnis wirft, wird des edlen Feuers eingedenk sein, welches das Herz dieses echten Bergsteigers und Mannes der Wissenschaft erfüllte. Er ist einer der Unsrigen und vertritt, was wir Alpinisten als das Edelste unserer Bestrebungen betrachten.

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