75 Jahre S. A. C

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Ein Gedenktag.

Das Centralcomité an die Sektionen und Mitglieder. Liebe Clubkameraden!

Am 19. April 1938 feiern alle Bergfreunde, die sich im Schweizer Alpenclub zusammengefunden haben, das Andenken an die Gründung, welche vor 75 Jahren im oberen Saale des Bahnhofgebäudes zu Olten vollzogen wurde.

Unter den damaligen 35 Gründern aus den Kantonen Basel, Bern, Zürich, Luzern, Aargau, St. Gallen, Glarus und Solothurn befanden sich auch drei aus Olten selber. Es bleibt einer berufenen Feder vorbehalten, in der Ok-tober-Jubiläumsnummer von « Die Alpen » auf die Vorgeschichte dieser Gründung näher einzutreten. Im Juli des Gründungsjahres zählte der Verein bereits 257 Mitglieder.

Die Initiative zur Gründung ging aus von Dr. Rud. Theodor Simmler, damals Privatdozent der Chemie und Geologie an der Universität Bern, der die Freunde des Bergsteigens aus den genannten Kantonen zur Aussprache über seinen Plan zusammenberief. An der Gründungsversammlung wurde Dr. Simmler zum Präsidenten und Dr. Bischoff zum Aktuar gewählt. Das erste offizielle Exkursionsgebiet war die Gletschergruppe des Tödi und der Clariden.

So ist denn Olten mit den Anfängen des Schweizer Alpenclubs eng verbunden, und wie schon vor- und namentlich seither so mancher schweizerische Verband in der Dreitannenstadt ins Leben gerufen wurde, so stand auch die Wiege unserer Vereinigung inmitten ihres Schienennetzes, das die Eisenbahnzüge nach allen Himmelsrichtungen führt und so nicht nur dem Personen-und Gütertransport dient, sondern auch zum Vermittler grosser und schöner Ideen geworden ist.

Wenn wir am 19. April 75 Jahre zurückdenken und uns Rechenschaft geben, wie aus der damaligen kleinen Vereinigung vaterländisch gesinnter Bergfreunde sich der Alpenclub zu einer der grössten schweizerischen Organisationen mit idealen Bestrebungen entwickelt hat, so gebührt allen Clubkameraden, die mit an der Gründung dabei waren, unser aller aufrichtiger Dank.

Aus der gewaltigen Entwicklung des Schweizer Alpenclubs und von seinen Leistungen in diesen 75 Jahren seien hier kurz erwähnt:

Die 116 Hütten und 114 Rettungsstationen; die Einführung der obligatorischen Turenunfallversicherung und der Führerversicherung; die Herausgabe von Führern, Karten etc.; die Unterstützung des Alpinen Museums und des Observatoriums auf Jungfraujoch.

Im gleichen Moment aber ist es unsere Pflicht, uns auch Rechenschaft zu geben über die Ziele, die sich der Alpenclub für die Zukunft stellen muss.

Ein gewaltiger Unterschied ist festzustellen zwischen dem Alpinismus von früher und heute. Damals harrten noch viele Gipfel der Erstbesteigung, und in den Alpen war noch viel Forschungsarbeit in Gestalt geologischer, botanischer und anderer wissenschaftlicher Studien zu erledigen. Heute aber Die Alpen — 1938 — Les Alpes.11 75 JAHRE SCHWEIZER ALPENCLUB.

sind alle Gipfel erstiegen und eine reiche alpine Literatur steht zur Verfügung. Der Alpinismus hat eine gewaltige Ausdehnung erfahren, aber vielleicht gerade dadurch an Tiefe etwas verloren. Durch die ungeahnten Fortschritte in der Technik des Bergsteigens, durch die Verbesserung der Ausrüstung, durch die verkürzten Anmarschzeiten infolge besserer Verkehrsverhältnisse ist das Bergsteigen leider fast zu einer Sache der Rekordsucht und der Akrobatik geworden. Unter diesen Verhältnissen hat sicher auch die wissenschaftliche Seite des Alpinismus eine Einbusse erlitten zugunsten der sportlichen Entwicklung.

Wie sich diese Verhältnisse für die Zukunft gestalten werden, ist schwer zu beurteilen. Eines aber, liebe Clubkameraden, muss und wird unser Alpenclub im Auge behalten, nämlich: dem Überhandnehmen von Rekordsucht und übertriebenem Sport energisch entgegenzutreten.

Die dem Schweizer Alpenclub bei seiner Gründung gegebenen Statuten sind hinsichtlich Zweck und Aufgaben heute noch dieselben, und sein Wesen und Ziel können wohl nicht schöner ausgedrückt werden, als wie sie in Art. 1 unserer Centralstatuten umschrieben sind:

« Der Schweizer Alpenclub ( S.A.C. ) ist eine Vereinigung von Freunden der Alpenwelt. Sinn und Zweck ist, Gebirgswanderungen zu erleichtern, die Kenntnis der Schweizeralpen zu erweitern, der Erhaltung ihrer Schönheit zu dienen und dadurch die Liebe zur Heimat zu wecken und zu pflegen. » Liebe Clubkameraden! Wir können wohl am 19. April den 75. Geburtstag unseres Schweizer Alpenclubs nicht besser ehren, als wenn wir uns erneut das Wort geben, die Bestrebungen und Ideale des S.A.C. uneingeschränkt zu pflegen und zu fördern. Nie mehr als jetzt sind eine geschlossene Zusammenarbeit und das Sichverstehen ein Gebot der Stunde. Denn gerade in dieser sorgenschweren Zeit sucht so mancher Clubkamerad droben in der Stille der Berge Ausspannung, Erholung und neuen Mut zu neuer Tat. Diesen Tempel wollen wir uns erhalten und ihn schützen vor unwürdigen Eindringlingen. Wir wollen die wahre Liebe und Ehrfurcht zu unseren Bergen hochhalten, sie wahren und fördern und allzeit für die Pflege eines aufrichtigen Heimat-gefühles einstehen.

Wer daher uns Alpinisten die Freude am Vaterland und die Liebe zur Heimat nehmen will, der begeht ein Verbrechen, denn er beraubt uns des schönsten Glückgefühls, für das es keinen materiellen und selbst keinen ideellen Ersatz gibt.

Und wenn wir in einsamer Nacht des Lebens voller Sehnsucht nach unseren schlichten heimischen Bergen dahinwandern, dann soll in uns Meister Gottfried Kellers herrliches Lied erklingen:

« 0 mein Heimatland, o mein Vaterland, wie so innig, feurig lieb'ich Dich! » Für das Centralcomité des Schweizer Alpenclubs:

Der Centralpräsident:

Spring.

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