Alfred Steinitzer: Die Bedeutung des Zuckers

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Die von dem als Sportmann gut bekannten Verfasser herausgegebene kleine Broschüre dürfte entschieden das Interesse der Bergsteiger in Anspruch nehmen, insofern sie unzweifelhaft gute Anregungspunkte bezüglich der Anwendung des Zuckers als Nähr- und Kräftigungsmittel bei großen Anstrengungen giebt. Der Verfasser betont zunächst, daß der Zucker die Muskelarbeitsfähigkeit erhöhe und damit auf die Herzthätigkeit einen wichtigen Einfluß ausübe, womit indirekt die geistige Aufnahmsfähigkeit und die Genußfreudigkeit, die vor allen Dingen für den Bergsteiger in den Vordergrund tritt, gesteigert wird, denn nur, wer nicht eroder gar übermüdet auf einem Gipfel ankommt, kann die Schönheit der Natur voll und ganz auf sich wirken lassen. Außerdem verspricht sich der Verfasser durch den Zuckergenuß die Ersparung des Trainings für Bergtouren, worunter er allerdings nur die Vorbereitung versteht, die den Touristen in den Stand setzt, anstrengende Touren ohne Vorbereitung zu unternehmen und trotzdem die anfänglich eintretende Ermüdung auszuschalten. Jedenfalls steht so viel fest und wird dies auch im 2. Teil der Broschüre, die über die Physiologie der Zuckerernährung handelt, auseinandergesetzt, daß der Zucker ein leicht verdauliches Nahrungsmittel ist, in nicht zu großen Gaben die ermüdeten Muskeln zu neuer Thätigkeit befähigt und dadurch das Ermüdungsgefühl beseitigt. Der 3. Abschnitt der Arbeit bringt eine Zusammenstellung der wichtigsten Versuche über Zuckerwirkung bei Muskelermüdung von einer Reihe von Gelehrten, die alle zu einem für den Zucker günstigen Resultat kommen. Die im 4. Abschnitt beschriebenen eigenen Versuche des Verfassers beanspruchen das größte Interesse, insofern sie allerdings ergeben, daß die physische Leistungsfähigkeit durch reichlichen Zuckergenuß bedeutend gesteigert wird, daß der Zucker ein sehr rasch wirkendes Kräftigungsmittel ist, daß er ein Training für Bergtouren erspart, daß er am vorteilhaftesten in gelöster Form genommen wird und daß bei mehrtägigem fortgesetztem Gebrauch größerer Mengen Zuckers sich keine unangenehmen Erscheinungen bemerkbar machen. Der Referent kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß die Versuchsreihe, wenn auch sehr gut angelegt und durchgeführt, doch vielleicht nicht alles berücksichtigt hat, insofern sie entschieden als zu kurz und zu singulär erscheint. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Einführung von so viel Zucker ins Blut entschieden Störungen hervorruft, wie das ja experimentell festgestellt ist. Auch schadet man entschieden der Herzthätigkeit durch die Einführung des für die Lösung des Zuckers nötigen Quantums, Flüssigkeit, da die Bewältigung von 4—7 Liter Flüssigkeit in 24 Stunden doch den Nieren eine ganz forcierte Thätigkeit zumutet, ganz abgesehen davon, daß ein solcher Wasserkonsum auf die Dauer sicher störend auf die Verdauungsorgane wirkt. Zu gleicher Zeit wäre damit dem eigentlichen Training ein Hauptprinzip abgesprochen neben der systematischen Übung der Muskeln: die Entwässerung des Organismus. Nichtsdestoweniger kann sich der Referent doch mit den Vorschlägen bezüglich der Anwendung des Zuckers im großen und ganzen einverstanden erklären: als Beigabe zur Tageskost und als Kräftigungs- und Belebungsmittel bei forcierten Anstrengungen, wo er entschieden dem Kokain, Alkohol, Kola etc. vorzuziehen ist.

Wir empfehlen also und hoffen damit im Sinne des Verfassers zu sprechen, der seine kleine Arbeit als Anregung aufgefaßt wissen will, allen Clubgenossen in diesem Sinne den Versuch mit Zucker auf ihren Touren.

Dr. Krumbein.

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