Alpine Journal

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Das Alpine Journal hat im Winter 1889/90 seine Redaction gewechselt. An die Stelle Rev.W.A.B.Coolidge's, der seit 1880 mit eminenter Sachkenntniß sowohl in montanistischer wie in litterarischer Hinsicht seines Amtes als Redactor gewaltet, ist zu Ende des Jahres 1889 Mr. Arthur Redaction.

John Butler getreten, welcher sich in der Februar-Nummer ( 107 ) dem Alpine Club als neuer Redactor vorstellt. Mr. Butler hat damit keine leichte Arbeit übernommen, und er ist sich dessen wohl bewußt. Es ist kein Geringes, nach Vorgängern, wie Rev.W. A.B. Coolidge, D.W. Freshfield u. A., an die Spitze einer Zeitschrift zu treten, die in der periodischen alpinen Litteratur nicht bloß dem Alter nach die erste Stelle einnimmt.

Der neue Redactor hat in seiner Vorrede versprochen, das Alpine Journal in der Weise seiner Vorgänger weiterzuführen, und man darf ihm dazu gratuliren, daß er dies Versprechen voll und ganz hat erfüllen können, dank namentlich den altbewährten Mitarbeitern, welche der neuen Redaction durch ihre werkthätige Unterstützung über das schwierige erste Jahr ihrer Amtsführung hinweggeholfen haben. Die Hefte 107 bis 110 reihen sich ihren Vorgängern würdig an, und wenn ein Unterschied zu merken ist, so ist es nur der wahrscheinlich rein zufällige, daß die Berichte über Bergfahrten neuen Datums aus dem eigentlichen Alpengebiet noch etwas spärlicher vertreten sind, als sonst. Wir finden von solchen nur: einen Bericht über die Traversirung des Weißhorns von Zinal nach Randa ( 1889 ), mit einigen angehängten Notizen über Wintertouren von Grindelwald aus ( Schreckhorn, Wetterhorn im Januar 1889, Jungfrau und Groß-Fiescher-horn im Januar 1890 ) von Mr. Th. Cornish, dem Reisegefährten des am Düßistock verunglückten Mr. A. Macnamara: eine Reihe hübscher Reiseskizzen von Mr. W. M. Conway, dem bekannten Verfasser des Zermatt Pocket Book und des Pennine Guide, welcher den „ erschöpften Gebieten " von Entremont, Val de Bagne, Valpelline u. s. w. mehrere neue Gipfel und Pässe abgewonnen hat ( vgl. pag. 389 u. 395 dieses Buches ), und eine Dombesteigung von Saas aus ( 1885 ), von Mr. Carteighe. Die Ergänzung zu diesem letzteren Berichte, Mr. Conway's Notiz über seine Besteigung des Doms vom Domjoch aus, greift auf das Jahr 1878 zurück, hat aber trotz dieses langen Zwischenraums an Interesse nichts eingebüßt, und seine, bei aller humoristischen Uebertreibung doch zutreffende Charakteristik zweier Haupttypen von Montanisten, des modernen Berggymnasten, der in den Bergen eigentlich nichts als Turngeräthe großen Stils sieht und sucht, und des Bergsteigers älterer Schule, beruht jedenfalls auf Beobachtungen der letzten Jahre. Noch weiter zurück, bis zu den Jahren 1839-1856, gehen die Tagebuchblätter des verstorbenen Mr. A. T. Malkin, der, wie unser Gottlieb Studer, an den wir unwillkürlich erinnert werden, offenbar nicht den Berggymnasten zugehört hat, sondern den altmodischen Bergsteigern, die es lieben, weit in den Alpen herumzuwandern, Berge und Thäler, Land und Leute kennen zu lernen, und denen eine schöne Rundsicht, selbst von einem leichten Gipfel, lieber ist, als die halsbrechendste Felswand und der pikanteste Steinschlag.

Drei höchst interessante Arbeiten aus dem Kaukasus beweisen, daß dieser, wie es auch der abtretende Präsident, Mr. Clinton Dent, in seiner prächtigen Anrede an den Alpine Club hervorhebt, seit 1887 immer mehr das eigentliche Arbeitsfeld der englischen Bergsteiger und Bergforscher geworden ist: Mr. D. W. Freshfield schildert in der ihm eigenen malerisch anschaulichen Weise seine Reise von Suanetien nach Suchum Kaleh durch die Waldeinsamkeit von Abchasien am Südwestabfall des Kaukasus, Alpine Journal.

Mr. Hermann Woolley beschreibt die Besteigung des Dych Tau im centralen Kaukasus, und Mr. Clinton Dent erstattet ausführlichen Bericht über die Expedition zur Aufsuchung der Ende August 1888 verunglückten Partie Donkin und Fox und deren Resultat, das bekanntlich die Auffindung der letzten Schlafstelle der Verunglückten ( 29. Juli 1889 ) am Ullu Auz-Passe war.

Vom Orient in den fernen Westen führt uns endlich Mr. H. Remsen Whitehouse mit seiner Besteigung der mexikanischen „ Weißen Frau ", des Iztaccihuatl, deren erste Bezwingung nicht lange vorher einem Schweizer Bergsteiger, Hrn. James v. Salis, geglückt war.

Von den übrigen größeren Arbeiten sind zu erwähnen: Die Erinnerungen W. Mathew's, F. F. Tuckett's, C. Packe's und Prof. T. G. Bonney's an den berühmten Alpen- und Naturforscher John Ball ( t 1889 ), den ersten Präsidenten des A. C, Verfasser des „ Alpine Guide " und Herausgeber der „ Peaks, Passes and Glaciers " u. s. w., Rev. W. A. B. Coolidge's Geschichte der früheren Besteigungen der Dent Blanche von 1862 ( Kennedy und Wigram)—1876 ( Gardiner ), und Col. J. W. A. Mitchell's Forschungen im Himalaya von Sikkim.

Neben den üblichen Listen alpiner Unglücksfälle und neuer Bergfahrten, die beide für die entsprechenden Artikel dieses Buches stark benutzt worden sind, zahlreichen litterarischen Notizen, Sitzungsberichten des A. C. n. s. w.,enthalten die vier Nummern viele kleinere Mittheilungen verschiedenen Inhalts, welche auch nur aufzuzählen zu weit führen würde. Nur auf zwei derselben, die speciell Mitglieder des S.A.C. berühren, muß hier kurz eingetreten werden. In der Liste der New expeditions 1889 war die Ansicht ausgesprochen worden, der Hinter-Hühnerstock Pfarrer Baumgartner's ( siehe Jahrbuch XXV, pag. 126 ff. und 5201521 ) sei nichts als der Punkt 3110 ( recte 3310 ) der Siegfriedkarte. Laut Nr. 110, pag. 3231324, des A.J. haben nun MM. Coolidge und Gardiner, nachdem sie den ausführlichen Bericht Pfarrer Baumgartner's gelesen, ihre Ansicht dahin geändert, der Hinter-Hühnerstock sei eine Zacke im Südwestgrat des Berges, höher als 3310 m, niedriger als 3348 m, und von letzterem Punkte aus unter den vielen Zacken des Grates als selbständiger Gipfel nicht erkennbar; 3110 statt 3310 sei, wie vermuthet, ein Druckfehler. Damit ist die Streitfrage vorläufig erledigt; unerledigt bleibt noch die relative Höhe und Lage der beiden Gipfel. Einen kleinen Seitenhieb der betreffenden Notiz gegen die Redaction des Jahrbuches weist diese ebenso höflich als entschieden ab. Daß es Recht und Pflicht der Redaction war, für einen Mitarbeiter des Jahrbuches einzutreten, läßt sich nicht bestreiten, und daß sie sich dabei auf die als richtig anerkannten, von Mr. Coolidge selbst aufgestellten Regeln berief, kann ihr billigerweise nicht als „ Unhöflichkeit " angerechnet werden. Auch die nächste „ Alpine Note " derselben Nummer beklagt sich über „ grobe Unhöflichkeit ", deren sich einige Mitglieder der Section Genf S.A.C. den Herren Coolidge und Gardiner gegenüber schuldig gemacht haben sollen, indem sie denselben in ungebührlichster Weise ein Obdach in der damals noch unvollendeten Chanrion-Hütte verweigert hätten. Wer nur das Alpine Journal liest, kommt zu dem Schluß, die beiden Engländer haben triftigen Grund, sich zu beklagen; wer aber auch das Echo des Redaction.

Alpes liest, dessen Nr. 1 des Jahrgangs 1891 den streitigen Fall behandelt, wird bei den einander diametral entgegenstehenden Aussagen zweier gleich glaubwürdiger Parteien sagen müssen: non liquet, und wird denken, das Richtige liege ungefähr in der Mitte: vielleicht seien die Genfer lebhafter und ungeduldiger, die Engländer anspruchsvoller gewesen, als sie nachträglich gewesen zu sein glauben.

Unter den Beilagen und Illustrationen sind zu erwähnen: Eine Kartenskizze des Dych Tau-Gebietes, ein Kärtchen der Grenze zwischen Sikkim und Tibet, das Porträt John Ball's und zwei prächtige Ansichten aus dem Kaukasus: Dych Tau, von oberhalb Karaul aufgenommen von H. Woolley, und Nordwest-Aussicht von der Leila, nach V. Sella.Red.

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