Alpine Unglücksfälle 1895

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Von den in der Litteratur als alpine Unglücksfälle verzeichneten Vorkommnissen des Jahres 1895 nehmen wir, wie gewöhnlich, die Unfälle aus, welche keinen tödlichen Ausgang genommen haben; ferner die Todesfälle auf der Gemsjagd, beim Edelweißsuchen, beim Hüttenaufräumen durch Führer im Früh- und Spätjahr und dergleichen. Ebenso verzichten wir darauf, einige mysteriöse Fälle in unsere Tabelle aufzunehmen, so: die ungenannte Touristin, die im Juni oder Juli auf dem Pilatus umgekommen sein soll; der deutsche Tourist, der bei der Bergung einer Leiche auf dem Großen St. Bernhard abgestürzt sein soll, und endlich die Frau Rohr aus Gohlis bei Leipzig, die verschollen war und deren Leichnam im Oktober auf dem Wetterhorngefunden wurde.Siehe über diese 3 Fälle M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 163, 242 und 267. ) Es bleiben immerhin noch übrig 19 Unglücksfälle, welche Touristen und Führer in der Ausübung alpiner Thätigkeit betroffen haben. Die Zahl der Opfer beträgt zusammen 24, darunter 4 Führer und Träger; aber 10 Alleingänger. Die Einzelheiten sind folgende:

A, Im Hochgebirge.

1 ) 21. Juni. Zugspitze. Herr Magistratssekretär Simon aus Berlin glitt beim Abstieg zur Wiener-Neustädter Hütte auf einem steilen Schneefeld aus und riß den unter ihm gehenden Führer Anton Ostler mit fort. Beide wurden über eine hohe Felswand hinausgeworfen, an deren Fuß sie von zwei Herren der gleichen Partie, Herr Simon als zerschmetterte Leiche, der Führer schwerverwundet, gefunden wurden. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 163.

2 ) 16. Juli. Im Lötschenthal. MM. E. F. M. Benecke und A. Cohen, zwei geübte und mit der Gegend wohlvertraute Bergsteiger, verließen um 3 Uhr morgens das Hotel in Ried für eine kleinere Expedition, von der sie nachmittags zurück zu sein hofften. Sie nahmen nur wenig Proviant und keine Steigeisen mit. Sie wurden morgens früh beim Dörfchen Blatten von einem Bauern gesehen und sind seitdem verschollen. Die mit großem Eifer betriebenen Nachforschungen waren umsonst. A.J. Nr. 130, pag. 562.

325. Juli. Hoher Zahn im Gschnitzthale. Herr G. H. Bergmann, Oberlehrer in Schöneberg bei Berlin, versuchte allein eine Ersteigung des hohen Zahns oder der Weißwandspitze und muß dabei abgestürzt sein. Er wurde am 7. August von einigen Führern, die den Vermißten suchten, am Fuß des hohen Zahns als Leiche gefunden. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 190.

430. Juli. Triglav. Professor Alois Schmidt aus Komotau, der allein den Gipfel erstiegen hatte und mit einer Gesellschaft zum Maria-Theresia-Schutzhause abgestiegen war, verunglückte beim Abstieg durch die Kerma ( allein ) durch Ausgleiten oder unvorsichtiges Abfahren auf einem kleinen Schneefeld, indem er mit dem Kopf gegen einen Stein prallte, so daß ein Schädelbruch eintrat. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 190.

5 ) 6. August. Monte Viso. Der italienische Ingenieur Calcino war mit einer größeren Partie, darunter 2 Führer und 1 Träger, an einer Stelle, etwa 500 Fuß unter dem Gipfel angelangt, wo man in zwei Partien geteilt ein Schneecouloir überschreiten mußte. Signor Calcino war bei der zweiten Partie und lehnte es ab, sich anseilen zu lassen, sprach auch den Wunsch aus, allein wieder umzukehren; darauf bot sich der Führer Claudio Perotti an, ihn an der Hand auf den schon gehauenen Stufen hinüberzuführen. In der Mitte der Passage glitt Calcino aus und warf den Führer aus den Stufen; dieser konnte, an der eingeschlagenen Axt hangend, den Reisenden eine Zeit lang an der Hand festhalten, mußte ihn aber nach einiger Zeit fahren lassen. Der Unglückliche glitt den Abhang hinunter und wurde von den übrigen 450 m tiefer als zerschmetterte .v Leiche aufgefunden. R.M. XIV, pag. 297.

613. August. Jungfrau. Zwei junge Leute, Johann Wawra von Wien und Ritzau von Breslau, von denen nur Wawra einige Übung int Bergsteigen besaß, versuchten, hinter einer geführten Partie hergehend, die Jungfrau vom Rotthal über den Südwestgrat zu ersteigen. Wegen rasch zunehmender Erschlaffung von Ritzau waren sie, beim dritten ( letzten ) Seil angelangt, hinter den Vorangehenden, die ihnen zuriefen, lieber umzukehren, weit zurückgeblieben. Wawra kletterte an dem vereisten, permanenten Seil hinauf, seilte auch beide Pickelstöcke auf und wollte seinem Kameraden das eigene Seil hinunterreichen, damit er sich anbinde. Ohne dies abzuwarten, kletterte Ritzau am permanenten Seil empor, rief aber plötzlich: „ ich komme nicht mehr fort ". Wawra, mit der Linken sich an den Eisenbolzen haltend, reichte ihm die Hand, konnte aber nur vier Finger ergreifen. Ritzau, der offenbar fast ohnmächtig war ( er hatte schon beim Aufstieg ins Rotthal Krampfanfälle gehabt ), glitt ihm aus der Hand und stürzte, ohne einen Laut, kopfüber die Felsen hinunter auf ein Schneefeld etwa 100 m tiefer und dann in großen Sprüngen weiter, bis er verschwand. Der andere, seinen Kameraden verloren gebend, eilte der vorausgegangenen Partie nach, traf sie unter dem Jungfraugipfel und stieg mit ihr nach Grindelwald ab. Die Leiche des Verunglückten wurde nach langem Suchen am 21. August beim untersten permanenten Seil im Schnee gefunden. Alp. III, pag. 127.

7 ) 16. August. Sparrenhorn. Mr. Benjamin Eyre, Rechtsgelehrter, von London, glitt beim Versuch, diesen oberhalb der Beialp gelegenen Gipfel allein zu ersteigen, aus, und fiel zu Tode. A.J. Nr. 130, pag. 566.

818. August. Montblanc. Herr Dr. Robert Schnurdreher, ein Advokat aus Prag, hatte mit den Führern Michel Savoye und Laurent Bron aus Courmayeur den Gipfel von Chamonix aus erstiegen und in der Vallothütte übernachtet. Beim Abstieg wurden sie am Grand Plateau von einer aufsteigenden Karawane begegnet. Etwas später müssen sie in der Gegend des Petit Plateau in eine Spalte gefallen sein, die über 32 m tief war. Die Unglücksstelle liegt einige 100 m unter der gewöhnlichen Route und es ist unklar, ob die Verunglückten durch unvorsichtiges Abrutschen oder Absturz hineingeraten sind. Da sie anfangs nicht vermißt wurden, wurden sie erst am 26. August gesucht und gefunden. Der Herr und der ältere Führer trugen tödliche Wunden, der Träger mag die Katastrophe kurze Zeit überlebt haben. A.J. Nr. 130, pag. 563, und Alp. III, pag. 143.

919. August. Parseyerspitze. Freiherr Paul von Eberz, Rechtsanwalt aus München, verließ am 19. August allein die Augsburgerhütte, wo er wegen Unwohlsein einen Tag gerastet hatte, und wurde gegen 12 Uhr von einem Führer am Dawingletscher gesehen. Da er nicht zur Hütte zurückkehrte, wurde er gesucht und am Fuße der Ferner wand zu oberst in der Gassilschlucht tot aufgefunden. Er muß über die Fernerwand herabgeklettert und im letzten Teil abgestürzt sein. Der Fundort der Leiche war etwa 400 m von der Wand entfernt. Die Wunden, die Blutspuren und andere Anzeichen bewiesen, daß er sich nach dem Falle noch eine Strecke fortgeschleppt hatte und der Verblutung erlegen war. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 202.

1024. August. Dent du Géant. Emile Rey, ein Führer von Weltruf, hatte mit Mr. A. Ç. Roberts die Dent du Géant allein erstiegen und war auf dem Rückweg um 4 Uhr am Fuß des Gipfels angelangt. Um bei dem drohenden Wetterumschlag schneller vorwärts zu kommen, wurde auf Vorschlag Reys das Seil abgelegt. Um 4 Uhr 30 Min. waren sie am oberen Ende des Felscouloirs angelangt, welches an der Nordwestseite des Gipfels etwa 600 Fuß tief zu einem Firnfeld abfällt. In demselben sind einige kurze Kamine zu passieren; Rey ging voran, einen fast leeren Sack und das Seil auf dem Rücken, Mr. Roberts wartete auf der Höhe eines dieser Kamine, während Rey, Gesicht auswärts, in demselben abstieg. Nahe dem Fuß des Kamins machte Rey einen ganz kleinen Sprung, oder ließ sich fallen, auf einen schmalen, etwas nassen Felsen, der leicht geneigt und mit kleinem Geröll bedeckt war. Auf diesem glitt er aus, strauchelte einige Fuß weit auf dem vereisten Hang, auf dem er vergeblich versuchte, die Eisaxt einzuschlagen; diese entglitt vielmehr seinen Händen und er stürzte in drei großen Sprüngen das ganze Couloir hinunter auf den Firn, wo er bewegungslos liegen blieb. Mr. Roberts kletterte bis in eine Entfernung von etwa 200 Fuß nach und rief ihn ohne Resultat an. Ein zweiter Versuch, sich von einer anderen Seite zu nähern, wurde durch 35QRedaktion.

Eintreten von Nebel und Schneefall verhindert. Es gelang Mr. Roberts, die Hütte am Coi du Géant zu finden, von wo er am folgenden Tag bei fortdauerndem schlechtem Wetter Bericht nach Courmayeur schickte. Eine von*hier ausgehende Karawane von Führern und Trägern holte den Leichnam, der tödliche Wunden an Schädel und Rückgrat zeigte. R.M. XIV, pag. 296.

1124.August. Gegend des Nanga Parbat ( Kashmir Himalayas ). Mr. A. F. Mummery verließ mit zwei Gurkhas, Ragobir und G aman Sing, ein Lager im Diarmiraithal am 23. August, mit der Absicht, einen Gletscherpaß nach.dem anstoßenden Buldarrakkiotethal zu tiberschreiten, während die andern Mitglieder der Expedition, Mr. G. Hastings und Dr. J. Norman Collie, mit den Kulis und dem Gepäck auf einem Umweg sich ebendorthin begeben sollten. Am 24. August wurde er noch von zwei Eingeborenen, die ihn bis zu einem Bivouac begleitet hatten, gesehen. Seit der Zeit ist er mit seinen zwei Begleitern verschollen; alle zur Aufsuchung geraachten Expeditionen sind erfolglos geblieben und es ist ungewiß, ob die drei durch eine Lawine oder sonstwie verunglückt sind.A.J.. Nr. 130, pag. 561, Nr. 131, pag. 32.

12 ) 26. August. Eisjöchl ( Schnalserthal ). Herr stud. Modi aus Berlin hatte mit dem Führer Gstrein aus Sölden vom Ramolljoch aus den Übergang über das Eisjöchl gemacht. Beim Abstieg kam der Tourist durch eigene Unvorsichtigkeit zu Fall und riß den Führer mit sich fort* Modi blieb sofort tot, Gstrein wurde schwerverletzt durch Armbruch und Wunden an Kopf und Bein, konnte sich aber zu einem Hirten retten, der ihn in Sicherheit brachte. Der Führer wurde nachträglich vor Gericht gezogen wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens, ^ weil er sich zu der schwierigen Tour habe anwerben lassen, trotzdem ihm dt© mangelhafte Ausrüstuug und die nicht genügende Übung des Touristen bekannt waren^. Im Prozeß wurde konstatiert, daß der angeseilte Tourist, entgegen der Warnung des Führers, auf einem Band sitzend abrutschte und über eine Felswand hinausgeworfen wurde, was der Führer nicht verhindern kpnnte, trotzdem er das Seil um den eingerammten Fickel geschlungen hatte; der Führer wurde von Strafe und Kosten freigesprochen. M. D, Ö.A.V. 1895, pàg. 213, 298.

13 ) 30. August. Triftpaß. Miss Sampson war mit Miss Growse und den Führern Peter Biner und Lquìs Carrel. um 2 Uhr morgens von der Riffelalp aufgebrochen, hatte den Triftpaß überschritten und den Fuß der Felsen und den Gletscher um 10 Uhr 30 Min. erreicht; während Eisstufen gehackt werden mußten, um zum Bergschrund zu gelangen, wurde die Gesellschaft durch eine von der Wellenkuppe stürzende Steinlawine überrascht. Carrel konnte sich durch einen Sprung retten und Miss Growse, die von einem Stein auf die Schulter getroffen war, mit dem Seil an einen sichern Ort ziehen. Miss Sampson wurde von den Steinen aus den Stufe » geschlagen und hing besinnungslos am Seil. Sie und Biner mußten die etwa drei Minuten dauernde Kanonade über sich ergehen lassen; dem Biner wurde ein hölzernes Weinfäßchen, das er auf dem Rücken trug, in Stücke Alpine Unglücksfälle 1895..351 geschlagen. Dies und ein mit Kleidern gefüllter Rucksack schützten ihn einigermaßen; aber Miss Sampson erlitt so schwere Wunden, namentlich am Rückgrat, daß sie, nach Aufhören des Steinfalls in Sicherheit gebracht, eine Stunde später starb. A.J. Nr. 130, pag. 563; M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 242.v 14 ) 23.November. Urirotstock. Der 24jährige Züricher Polytechniker Julius Franellich aus Triest begab sich nach einem bedeutenden Schneefall und trotz entgegengesetzter Warnungen von Engelberg aus auf den Weg nach dem Urirotstock und wird seitdem vermißt. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 288.

B, Im Mittelgebirge, 113. Juni. Admont Riffel ( im Gesäuse ). Der Wiener Tourist Otto Stocker wurde am Nordabhange des Kammes von der Riffel zum Kreuzkogel als Leiche gefunden. Man nimmt an, daß er sich im Abstieg vom Sparafeld im Nebel auf dem zwar schmalen und beiderseits jäh abfallenden, aber meist mit Rasen bedeckten Kamme irrtümlich nach rechts ( nördlich ) abwärts wandte, dabei an eine Wand kam und abstürzte. Es ist auch möglich, daß ihm die Steigeisen, für die hier keine Notwendigkeit vorlag, verhängnisvoll wurden. Das Wetter war an diesem Tage schlecht und es lag etwas Neuschnee auf dem Kamme. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 163.

27. Juli. Rochers de Naye. Bei der Besteigung dieses Gipfels ist ein junger Arbeiter der Cigarrenfabrik Ormond in Vevey zu Tode gestürzt. Alp. III, pag. 107.

315. August. Cram mont. Signor Carlo Dominione, der mit einem Freund und einem Führer die Besteigung gemacht hatte, kam beim Abstieg an einer verhältnismäßig leichten Stelle durch einen unvorsichtigen Sprung auf einen abschüssigen Grashang ins Rollen und stürzte in einen darunter liegenden Abgrund, in dem er als Leiche aufgehoben wurde. R.M. XIV, pag. 298.

415.August. Schwalmeren. Der junge Postangestellte Paul Züllig aus Bern, der am 15. August die Kette des Morgenberghorns vom Thunersee ins Saxetenthal traversiert hatte und seither vermißt war, wurde am 19. August als Leiche am Fuß der Steilwände der Schwalmeren aufgefunden, von denen er abgestürzt sein wird. Alp. III, pag. 127.

510. September. Großer Mythen. Herr Ingenieur O. Gelpke, der das Jahresfest des S.A.C. in Schwyz mitmachte, strauchelte beim Abstieg vom großen Mythen an einer Ecke des gut angelegten Zickzackweges, stürzte über Felsen hinunter und blieb auf einer unteren Kurve des Weges bewußtlos liegen. Infolge einer schweren Wunde am Hinterhaupt verschied er kurz nach dem Falle. Die Ursache des Straucheins ist nicht sicher ausgemittelt.

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Zur Kritik dieser Unglücksfälle verweise ich auf die sachverständigen Bemerkungen im Alpine Journal Nr. 130 und 131 und in der Osterreichischen Alpenzeitung Nr. 436. Ferner habe ich zu erwähnen, daß die Leiche des 1894 in der Gegend der Palferscharte verunglückten Theodor Lewy 1895 aufgefunden wurde. Man nimmt an, daß er von dem Feuerseng abgestürzt sei. M. D. Ö.A.V. 1895, pag. 149.

Ebenso wurde in der Tatra die Leiche des 1894 verunglückten F. Scheich im Felkathale unter der Schlagendorferspitze gefunden. Alp. III, pag. 128.Redaktion.

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