Alpine Unglücksfälle 1899

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Es ist ein melancholisches Geschäft, jedes Jahr die Statistik der im Gebirge vorgekommenen Unglücksfälle aufzunehmen und hier zusammenzustellen. Aber bei der großen Wichtigkeit, welche diese Vorkommnisse für die alpine Sache haben, kann sich der Redaktor einer alpinen Zeitschrift dieser Aufgabe doch nicht wohl entziehen. Ich habe es diesmal sogar unternommen, den Äußerungen eines Kritikers nachgebend, die betreffenden Ereignisse etwas ausführlicher darzustellen und meine Ansicht über Ursachen und Verantwortlichkeit bei diesen Unglücksfällen nicht nur in der Hervorhebung der wirkenden Punkte, sondern geradezu in kritischen Sätzen, wo mir dies notwendig erscheint, vor die Augen des Lesers zu bringen.

Ich gebe mich freilich nicht der Illusion hin, daß durch solche Betrachtungen, Mahnungen und Warnungen die Zahl oder die Beschaffenheit alpiner Unglücksfälle sich wesentlich ändern lassen; die Erfahrung lehrt, daß die Menschen im allgemeinen und die Bergsteiger im besondern durch fremden Schaden nicht klug werden. Immerhin ist es Pflicht, wenn die Gefahr immer größer wird, daß unsere gute Sache durch Mißbräuche diskreditiert werde, dafür Zeugnis abzulegen, daß auch nach unserer Ansicht in der Bergsteigerei nicht alles so ist, wie es sein sollte. Auffallen mag dabei, daß ich in zwei Fällen, und gerade in den zwei wichtigsten, den sonst wohlerwogenen Bemerkungen des Herrn Gustav Becker in den M. D. Ö.A.V. 1900, Nr. 5, 6 und 7, nicht unbedingt beistimmen kann. Ich glaube aber, meine abweichende Meinung hinlänglich motiviert zu haben. In der Einteilung habe ich die bei Winterpartien vorgekommenen Fälle dem Hochgebirge zugerechnet, auch wenn sie sich in Mittelgebirgs-region zugetragen haben. Der Winter stellt eben manchem Unternehmen die Hochgebirgsgefahren entgegen, das sie ohne ihn nicht hätte. Ausgelassen habe ich, wie immer, die Unfälle ohne tödlichen Ausgang, die Abstürze beim Blumenpflücken ( hier der Konsequenz wegen auch den Tod des botanisierenden Pfarrvikars O. Baumgart am Mirnock ), Verunglücken in Gebirgsbächen oder beim Abirren von Alpenstraßen u. dgl., kurz alles, was nicht Touristen und Führer bei Ausübung bergsteigerischer Thätigkeit betroffen hat. Der Fall des Führers Collini gehört nur nach seinen Wirkungen ins Jahr 1899.

Es bleiben dann nach meiner Rechnung noch übrig: im Hochgebirge 18 Fälle mit 27 Opfern, darunter 8 Führer, 10 Führerlose und 1 Alleingänger; im Mittelgebirge 21 Fälle mit 22 Opfern, darunter nur 1 Führer, wenn man den Jäger Zembacher als solchen gelten lassen will; daneben 4 Führerlose, 16 Alleingänger und 1 von einem Führer Begleiteter. Ein Fall ist ausschließlich fremder Schuld zuzuschreiben. Die Fälle beginnen mit dem 1. Januar und endigen mit dem 31. Dezember; am dichtesten sind sie im August, der allein 17 von den 39 Gesamtfällen mit 21 Opfern von 49 umfaßt. In den Schweizeralpen nehmen die Fälle, namentlich die mit Führern, zu, in den österreichischen Alpen die der Führerlosen und Alleingänger jedenfalls nicht ab. Das Resultat des Jahres ist also für niemand, dem die Sache am Herzen liegt, ein tröstliches, und es hat keine Partei Ursache, deswegen von der andern unfreundlich zu sprechen, was leider auch in Clubkreisen, nicht nur von dem zeitungslesenden Publikum, nur zu oft geschieht. Der Unterzeichnete hat sich bemüht, in seinem Urteil milde und gerecht zugleich zu sein. Die Einzelheiten sind folgende:

A. Im Hochgebirge.

12. Januar. Frète de Saille ( Muveran ). Am Neujahrstage verließen fünf junge Leute aus Genf, Mitglieder der Gesellschaft „ Die fröhlichen Touristen ", Namens Aug. Chouet, Alb. Hirschy, Eug. Ferrand, Alph. Clerc und Alph. Lenormaud, nachdem sie die Sylvesternacht fröhlich zugebracht hatten, morgens 10 1/4 Uhr Leytron im Rhonethal, um in Begleitung eines wegkundigen Trägers, Placide Arrigoni, zur Ramberthütte aufzusteigen. Der Schnee war tief und schlecht und die Gesellschaft mangelhaft ausgerüstet. Bei den Hütten von Saille ( 1800 m ) ereilte sie die Nacht. Dennoch wurde der Marsch fortgesetzt. Um 9 3/4 Uhr legte sich Lenormaud, der vorangegangen war, etwa 150 Meter unterhalb der Cabane Rambert erschöpft nieder; die andern erreichten, mit Hülfe Arri-gonis, in zwei Kolonnen ( Mr. Clerc blieb eine Zeit lang bei Lenormaud zurück ) zwischen 10 und 12 Uhr nachts die Hütte.Von da aus versorgte Arrigoni den zurückgelassenen Lenormaud noch mit Decken und Lebensmitteln. Am 2., bei ausgebrochenem Schneesturm, stiegen Clerc und Arrigoni nach Leytron ab, um Hülfe zu holen. Sie fanden Lenormaud in verhältnismäßig gutem Zustande und benachrichtigten die in der Hütte Gebliebenen, die beabsichtigten, Lenormand heraufzuholen, durch ein Hornsignal, daß er noch lebe. Dennoch wurde am 2. und 3. Januar von den drei jungen Leuten kein ernsthafter Versuch gemacht, Lenormaud zu bergen, und als sie am 4. abstiegen, fanden sie von ihrem Kameraden keine Spur mehr. Er war eingeschneit und erfroren. Die Hülfskolonnen vom Thale aus hatten am 3. nicht hinaufdringen können, am 4. kreuzten sie sich mit den Absteigenden bei den Hütten von Saille, am 5. erreichten sie die Unglücksstätte, ohne den Verschütteten zu finden. Der Leichnam wurde erst am 17. Juni von einer Suchkolonne gefunden. Das Benehmen der jungen Leute, höchstens von Mr. Clerc abgesehen, verdient den schwersten Tadel, dagegen hat der Träger Arrigoni alles gethan, was in seinem Vermögen und seiner Pflicht lag. E.d.A.. 1899, pag. 27 ff., 266; Alp. 1899, pag. 40 und 86.

2 ) 2. Januar. Sustenpaß. Dr. Gustav Mönnichs und Dr. Hugo Ehlert, zwei sehr tüchtige Alpinisten und speciell im Wintersport geübte Skifahrer, verließen morgens 3 Uhr 20 Min. das Wirtshaus „ zum Stein ", wo sie am Neujahrstage von Gadmen aus in 4stündigem, beschwerlichem Marsche eingetroffen waren, in der Absicht, über den tiefverschneiten Sustenpaß, der namentlich auf der Ostseite als sehr lawinengefährlich gilt, nach Wassen an der Gotthardbahn zu gelangen. Da sie dort nicht eintrafen, wurden von beiden Seiten des Passes Suchpartien in Bewegung gesetzt, die aber kein Resultat hatten. Erst am 27. Juni wurden die beiden Leichen von einer Reiseklasse des bernischen Lehrerseminars in der Mulde zwischen der rechten Ufermoräne des Steingletschers und dem gegenüberliegenden Sturzhang ( Punkt 2033 Siegfr. ) aufgefunden. Die beiden Verunglückten müssen, noch im Dunkeln und auf Skiern marschierend, bei der ersten Kehrwendung der Straße auf einen sogenannten „ Schneeschild " getreten, mit diesem etwa 150—200 Meter weit abgerutscht und von der Lawine verschüttet worden sein. Es herrschte an dem Unglückstage starker Föhn, vor welchem die Herren in Gadmen gewarnt worden waren. Sie hatten aber, gestützt auf mehrfache Erfahrung bei Winterpartien ( Grimselpaß, Oberalp u.a. ) und ihre wissenschaftlichen Kenntnisse, der eine war Meteorolog von Fach, sich diesen Gefahren gewachsen geglaubt.

— M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 19, 162; Ö.A.Z. 1899, pag. 208/9; Alp. 1899, pag. 38—40.

322. Januar. Passo di Salarno ( Adamellogruppe ). Der Führer Giacomo Collini starb infolge Erfrierens der unteren Extremitäten, das er sich auf einer Wintertour mit dem Grafen Scipio Borghese und mehreren Führern und Trägern am 22. Dezember 1899 zugezogen hatte. Er hatte, wie zwei seiner Kameraden, ärztliche Hülfe, leider infolge eigener Unklugheit zu spät, in Anspruch nehmen müssen und durch Amputation sämtliche Zehen eingebüßt und war scheinbar auf dem Wege der Besserung, als eine Blutvergiftung eintrat, die ihn hinraffte. Den Fürsten Borghese trifft keine Schuld der Vernachlässigung. R.M. 1899, pag. 29.

415. Juli. Bovalhütte. Herr Eugen Staub aus Baltimore hatte mit zwei Begleitern die Bovalhütte besucht. Auf dem Rückweg that er im sogenannten Kamin einen Fehltritt, stürzte ab und erlitt einen Schädelbruch, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Weg zur Bovalhütte ist stellenweise gefährlich, wie der Fall Weber-Imhoof beweist, wird aber jährlich von einer Menge von Touristen mit und ohne Führer begangen.

— Alp. 1899, pag. 95.

5 ) 23. Juli. Zugspitze. Herr Ferdinand Rockenstein, ein geübter Bergsteiger, brach um 3 Uhr 15 Min. früh mit seinem Bruder und zwei Freunden von der Höllenthalhütte auf und gelangte auf dem Alpenvereins-wege bis an die Schutthänge, die sich kurz unter dem Ostgipfel der Zugspitze quer hinüberziehen. An einer Stelle, die mit Geröll bedeckt war, wurde kurze Rast gemacht. Herr Rockenstein, der in der Mitte war, hatte seinen Pickel neben sich an einen Felsen gelehnt, als plötzlich das Geröll unter seinen Füßen nachgab und er, durch einen Felsblock nach links geworfen, in eine Schneerinne fiel, in der er lautlos in die Tiefe glitt. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 190.

61. August. Gamchigletscher. Herr Hubacher aus Twann, ein eifriger Bergfreund, aber nicht mit genügender Geschicklichkeit und Erfahrung ausgestattet und zum führerlosen Gehen oder gar zu Führer- diensten schwerlich kompetent, hatte mit seiner 18jährigen, ganz unerfahrenen und ungenügend ausgerüsteten Tochter von der Mutthornhütte aus den Petersgrat und das Tschingelhorn erstiegen, was nicht ohne Abenteuer, aber ohne Schaden ablief, und versuchte nun, von der Gamchilücke über den steilen Gletscher ins Kienthal abzusteigen, wobei die Tochter auf einer alten, zum Teil weggeschmolzenen Trace voranging, während der Vater ihr am kurzgehaltenen Seile, und mit dem Pickel sich jeweilen verankernd, folgte. Schon nach wenigen Schritten glitt Fräulein H. aus, riß ihren Vater mit, und die beiden rutschten etwa 100—200 Meter weit über den vereisten, mit Felsstellen unterbrochenen Firnhang hinunter und fielen in den mit Schnee gefüllten Bergschrund. Fräulein H. war ziemlich schwer, Herr H. sehr schwer, unter anderem am Hinterkopf, verletzt. Nachdem sie beide zur Besinnung gekommen, gelang es Fräulein H., sich aus dem Schrunde herauszuarbeiten ( ihr Vater konnte sich wegen seiner Verletzungen nicht bewegen ) und über den zerschrundeten Gletscher hinunter auf den ebeneren Teil zu gelangen, wo sie von zwei Männern, die auf dem Wege zur neuen Büttlassenhütte waren, zufällig entdeckt und in die Gamchihütte geborgen wurde.Von hier ging eine Hülfsexpedition ab, die abends 6 Uhr beim Bergschrund eintraf, aber Herrn Hubacher schon tot fand. Er war offenbar seinen Verletzungen erlegen. Alp. 1899, pag. 105.

7August. Mont Vélan. Zwei junge Leute aus dem Aostathale, Namens Duc und Viele, hatten Anfang August allein eine Bergfahrt, deren Ziel der Mont Vélan war, angetreten und werden seitdem vermißt. R. A. L. 1899, pag. 269.

8 ) 4. August. Zinal-Rothorn. Nach einer glücklich durchgeführten Traversierung des Zinal-Rothorns von der Mountethütte aus verunglückten Herr A. Baumann aus Zürich mit dem bekannten Führer Joachim Tabin und dem Träger A. Antille auf dem steilen Firnfeld, welches sich oberhalb des Eseltschuggens von den Ausläufern des Rothorns herabzieht, indem sie von der Lawine über die hohen Felsen auf den Triftgletscher geworfen wurden, wo sie zerschmettert aufgefunden wurden. Ob die Partie die Glissade, welche sie zum Tode führte, freiwillig angetreten habe, wie allgemein behauptet wird, ist mir fraglich ( siehe oben pag. 86 Anm. ), und von der Beantwortung dieser Frage hängt die Entscheidung darüber ab, wie weit den Führer Tabin ( Herr Baumann war ein ungeübter Tourist ) ein Tadel für das Ereignis trifft. Thatsacbe ist, daß jene Stelle dem Abrutschen ausgesetzt ist, und daß der tiefe Neuschnee auf vereistem Firn an jenem föhnigen Tage sich in verräterischer Beschaffenheit befand. Alp. 1899, pag. 106.

9 ) 7. August. Vernagtferner. Der als Träger bei den Vermessungsarbeiten der Herren Dr. H. Heß und Dr. Ad. Blümke verwendete Mathias Niedermaier betrat, trotz der Warnung des zweiten Trägers, eine dünne Schneebrücke, stürzte etwa 20 Meter tief in die Spalte und konnte erst nach 3 1/2 Stunden von herbeigeholter Hülfsmannschaft mit Seilen als Leiche herausgeschafft werden. Der Tod ist wahrscheinlich schon durch den Absturz herbeigeführt worden. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 201.

1014. August. Seekariesschneide ( Ötzthaleralpen ). Die drei Studenten Friedrich Stolz, Arthur Sedl und L. Prochaska, alle drei geübte Bergsteiger, unternahmen den Versuch, diesen bisher noch unerstiegenen Gipfel über den Westgrat zu erreichen. Von Plangeros früh 4 Uhr aufbrechend, erreichten sie ohne Schwierigkeiten den hintersten Teil des Seekariesferners, legten hier Pickel und Steigeisen ab und stiegen, unangeseilt, um ungehinderter klettern zu können, über den aus schwarzem Hornblendeschiefer bestehenden, sehr brüchigen Blockgrat rasch hinauf. Prochaska hielt sich an die Schneide, Sedl und Stolz kletterten in der Wand. Aufgefordert, auch die Schneide zu benutzen, trat Stolz auf einen Block, der unter ihm wankte. Er verlor das Gleichgewicht, stürzte rücklings ab und rollte, offenbar schon durch das erste Aufschlagen betäubt oder getötet, abwärts und fiel dann 200—250 Meter über Felswände, an deren Fuß seine Begleiter ihn als zerschmetterte Leiche wieder auffanden. Ö.A.Z. 1899, pag. 220.

1114. August. Pointe d' Otemma. Zwei Partien, darunter der 16jährige Mr. R. Hamilton Smith, hatten, führerlos und etwas spät von der Cabane de Chanrion aufbrechend, auf dem gewöhnlichen Wege den nicht schwierigen Gipfel erstiegen. Beim Abstieg hielt sich Mr. Smith, sei es wegen der Steingefahr, sei es aus Irrtum, etwas zu weit rechts von dem Westgrat. Etwa halbwegs, abends 4 Uhr, verkletterte er sich in den Felsen, welche sich oberhalb des ersten Couloirs links ( von der Hütte aus gesehen ) befinden. Er glitt aus und stürzte bis ans Ende des Couloirs in ein Rinnsal, wo er tot liegen blieb. R. A. L. 1899, pag. 270.

12 ) 18. August. Zagengrat ( Balmhorn ). Drei Berner Studenten, cand. med. Laufer, cand. med. Kottmann und cand. jur. Walther Fürst, wollten ohne Führer vom Schwarenbachwirtshaus aus das Balmhorn ersteigen. Beim Aufstieg vom Zagengletscher zum Grat hielten sie sich irrtümlich zu weit links gegen die Felsen der Alteis und gerieten dort auf schwieriges Terrain. Als sie umkehren wollten, glitt einer in den schlecht gehauenen Stufen aus und riß die andern mit sich fort. Sie rutschten etwa 150 Meter weit über die Eishänge hinab, wobei sie auch über einen drei Meter hohen Felsabsatz geworfen wurden, und kamen erst unterhalb des Bergschrundes zum Stillstand. Herr Fürst, der am schwersten verletzt und besinnungslos war, erlag in der Nacht im Hotel Schwarenbach, wohin er von einer Hülfskolonne von dort und Kandersteg transportiert worden war, einer inneren Blutung. Die andern kamen mit leichten Verletzungen davon. Alp. 1899, pag. 106.

1328. August. Dent blanche. Eine wohl zu zahlreiche, wenn auch aus lauter geübten Leuten zusammengesetzte Partie, bestehend aus Mr. Owen Glynne Jones mit den Führern Elias Furrer von Stalden und Clemenz Zurbriggen von Saas und Mr. F. W. Hill mit Jean Vuignier von Evolena, verunglückte bei der Ersteigung der Dent blanche von Alp Bricolla aus über den sehr schwierigen Westgrat. Nach mehrstündigem Aufstiege, wobei sie alle am gleichen Seil gingen und Furrer leitete, waren sie an eine entscheidende Stelle gekommen, cirka 150 Meter unterhalb des Gipfels, wo ein senkrechter, fast griffloser Felsen von etwa drei Metern Höhe erklettert werden mußte, weil eine vorhandene Felsrinne mit Eis ausgelegt und unpassierbar und auch die Plattenwände zur Seite zu glatt waren. Furrer trat auf den von Zurbriggen gegen den Fels gestemmten Pickel; auf sein Begehren kam auch Jones herbei, um den Halt zu verstärken, während Vuignier in gleicher Höhe etwa 8—10 Meter zurück und Hill in gleicher Entfernung von Vuignier standen. Von seinem Standpunkte auf dem Pickel konnte Furrer den oberen Rand des Felsens erfassen, aber er vermochte sich nicht festzuhalten, fiel rückwärts auf Zurbriggen und Jones und schlug sie von ihrem schmalen Standorte fort. Auch Vuignier wurde durch das Seil weggerissen, und die vier fielen etwa 500 Meter tief, bis sie in den Felsen, etwas oberhalb des Bergschrundes, zerschmettert liegen blieben. Mr. Hill, dessen Seil nahe an Vuignier zerrissen war, rettete sich durch eine erstaunliche Energie, indem er die schlimme Stelle nach rechts umging, den Gipfel erreichte und allein nach Zermatt abstieg, von wo und von Evolena aus Führer- und Touristenkolonnen die Leichen der Verunglückten bergen gingen. Mr. Jones galt als ausgezeichneter Kletterer und war bei den Führern wegen seiner verwegenen Aufgaben berüchtigt; es scheint aber nicht, daß Furrer und Zurbriggen unwillig die Expedition mitgemacht oder unterwegs den Gedanken ausgesprochen hätten, umzukehren. Ich kann daher der Meinung nicht beipflichten, daß die Verantwortung für die Katastrophe Mr. Jones allein angehe.. A.J. XIX, pag. 590 ff.

14 ) 28. August. Col de la Vuignette. Eine Partie, bestehend aus dem Führer Charles Filliez aus Chables, Dr. M. Fuld aus Frankfurt a./M ., dem Führer Joseph Reinstadler aus Sulden und Herrn Adolf Fuld, in dieser Reihenfolge an einem Seil marschierend, war von der Chanrion-hiltte den Otemmagletscher hinaufgestiegen und näherte sich, vom Col de Chermontane wenig ansteigend, der Paßhöhe des Col de Vuignette, wo eine Rast gemacht werden sollte. Beim horizontalen Traversieren des obersten Hanges stürzte Reinstadler, der nahe an Dr. Fuld herangetreten war, plötzlich in eine verdeckte Firnspalte, in deren Verlaufsrichtung sie marschierten, und riß Dr. Fuld rückwärts mit hinunter. Dort konnte Dr. Fuld sich auf eine Eisquerrippe emporarbeiten, während der nun unter ihm hängende Reinstadler von den losen Seilschlingen des ihn mit Herrn A. Fuld verbindenden Seiles, die er sich unbefestigt um die Schulter gelegt hatte, erdrosselt wurde. Wiederbelebungsversuche, welche seine Gefährten, nachdem sie ihn aus dem Schrund heraufgezogen, anstellten, blieben erfolglos. Der Fall hat große Ähnlichkeit mit dem Tode Dr. Draschs. Daß ein so erfahrener Führer, wie Joseph Reinstadler, bei einer Tour, die er zu leiten hatte, so fahrlässig handeln konnte, ist fast unbegreiflich. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 247/8.

15 ) 12. September. Habachscharte ( Venedigergebiet ). Herr Gustav Weißmayr, Hotelier aus Gastein, war mit den Führern Rup. Hochbrugger und Rup. Hacksteiner am 11. früh von der Pragerhütte aufgebrochen, um über die Habachscharte zur Habachhütte und von dieser ins Pinzgau zu gehen. Zu diesem Zwecke mußten sie die steile Ostflanke des Kessel-kopfes queren, was sehr mühsam im Schneesturm und wegen steter Lawinengefahr auch bedenklich war. Auf dem Viltragenkees angekommen, waren alle schon ziemlich erschöpft, stiegen aber doch nicht ins Gschlöß ab, sondern setzten, trotz des sich steigernden Sturmes, den Anstieg zur Habachscharte fort. Aber 1/2 Stunde unter der Höhe mußten sie sich doch zur Umkehr und, wieder an der Seitenmoräne des Viltragenkeeses angekommen, zu einem Biwak entschließen. Am folgenden Morgen stieg der eine Führer ins Gschlöß ab und holte aus dem dortigen Wirtshaus Hülfe herbei. Aber als diese gegen 5 Uhr abends an der Biwakstätte ankam, fand sie Herrn Weißmayr schon seit Stunden tot und steif gefroren, den Führer Hochbrugger aber im Sterben. Er verschied bald darauf. Der Wetterumschlag hatte die an sich harmlose Unternehmung zu einer gefährlichen gemacht, die rechtzeitig hätte abgebrochen werden sollen. Auch war die Ausrüstung des Touristen für einen solchen, immer möglichen Fall doch wohl ungenügend, resp. zu wenig warm. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 225/6.

16 ) 21. November. Grand Paradis. Der noch junge, aber sehr tüchtige italienische Alpinist Giov. Dom. Ferrari hatte mit dem Führer L. Jeantet von Cogne aus den Grand Paradis erstiegen und wollte nun in vorgerückter Stunde noch nach Val Savaranche absteigen und schlug dazu einen kürzeren, aber viel schwierigeren und bei der einbrechenden Nacht gefährlichen Weg ein. Beim Stufenschlagen ausgleitend, müssen die beiden, nach den Spuren zu schließen, eine Strecke weit gerutscht sein, wobei die Pickel und einzelne Gegenstände aus den Taschen verloren gingen. Zum Halten gekommen, versuchten sie, weiter abzusteigen. Jeantet, der innerlich verletzt war, wie ausgebrochenes Blut beweist, stürzte nach einigen unsicheren Schritten in einen großen Schrund und wurde von nachfallenden Eisblöcken zugedeckt, so daß seine Leiche nicht hat gefunden werden können. Ferrari, der sich wohl von ihm getrennt hatte, um Hülfe zu holen, gelang es, obschon verwundet, noch cirka 2600 Meter weiter zu kommen, wobei er Proben einer ungewöhnlichen Entschlossenheit gezeigt hat. Aus dem Spaltengewirr schon beinahe herausgekommen und der wahrscheinlichen Rettung nahe, stürzte er beim Überspringen einer breiten Spalte, vom jenseitigen Rande abgleitend, in die Eiskluft und ist dort an Kälte und Erschöpfung zu Grunde gegangen. Es ist gewiß, daß der Versuch, zu zweien den Grand Paradis in so später Jahreszeit zu traversieren, mehr als gewagt war. R.M. 1899, pag. 495/6.

1725. Dezember. Schmirner- oder Tuxerjoch. Ohne genügende Ausrüstung und mit schlechter Beschuhung hatte der Monteur Karl Kal-kowsky aus Berlin den im Winter recht schwierigen Aufstieg von Kasern aus unternommen; er wollte unterwegs umkehren, glitt aus und fuhr einen vereisten Schuttkegel hinunter, wobei er sich eine Verwundung am Kopfe zuzog. Bei dem Versuch, weiter zu gehen, muß er bald zusammengebrochen und im Zustande der Ohnmacht erfroren sein. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 18.

18 ) 31. Dezember. Rocher de Naye. Die Ingenieure Robert Schuch und Fritz Steiner versuchten auf ungewöhnlichem Wege die Besteigung dieses wegen seiner steilen Hänge durch Unfälle berüchtigten Berges und gerieten dabei in eine Lawine, aus welcher sich Steiner noch herausarbeiten konnte, während Schuchs Leiche erst am Neujahrstage nach langen Arbeiten gefunden wurde. Alp. 1900, pag. 23.

B. Im Mittelgebirge.

1 ) 19. März. Pointe Blanche ( Savoyen ). Mehrere Mitglieder der Gesellschaft Edelweiß aus Genf und drei junge Deutsche, darunter Herr Hirschfink aus Köln, bestiegen den steilen Grat Arête Verte, welcher von dem Plateau von Cenise gegen die Pointe Blanche hinzieht. Als die drei jungen Deutschen Halt machten, wurde Herr Hirschfink von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und glitt den vereisten Abhang hinab; er stürzte von Fels zu Fels bis zur Combe aux vaches, wo er tot liegen blieb. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 64.

2im Frühjahr. In der Nähe von Ventimiglia stürzte ein französischer Tourist, Namens Malvin, bei einem Ausflug 200 Meter tief ab und wurde als Leiche gefunden. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 62.

34. Juni. Am Kapuzinerberg bei Klausen ( Eisackthal ) fand ein Württemberger, Namens Laut, durch Absturz seinen Tod. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 62.

410. Juni. Stockhorn ( Simmenthal, Berner Oberland ). Beim Abstieg vom Gipfel nach Erlenbach stürzte der Lithograph Reichmann zu Tode. Es ist wahrscheinlich, daß der Verunglückte vom Schwindel erfaßt wurde, da er häufig an Schwindelanfällen gelitten haben soll. Der Abstieg ist im ganzen leicht, doch giebt es darin einige Stellen, die bei Fehlgehen oder Unvorsichtigkeit schon mehrmals Unfälle herbeigeführt haben. Alp. 1899, pag. 95.

525. Juni. Ackerlspitze ( Kaisergebirge ). Zwei bayrische Offiziere, v. Bonnet und v. Godin, geübte Bergsteiger, hatten von der Griesener-alpe aus die Ackerlspitze bestiegen und verunglückten im Abstieg auf der Nordseite etwa 10 Meter unter dem Gipfel. Es scheint, daß sie bei den herrschenden ungünstigen Witterungsverhältnissen den Abstieg durch eine schneegefüllte Rinne, statt auf dem gewöhnlichen Wege, nehmen wollten und dabei zu Falle kamen. Sie stürzten durch diese auf das schneebedeckte Griesenerkar hinunter, wo ihre Leichen, die sofort tödlich wirkende Verletzungen an Kopf und Brust trugen, tags darauf von einer anderen Partie zufällig gefunden wurden. Es ist zu bemerken, daß die beiden das Seil, das sie mitführten, nicht benutzten. Im übrigen waren sie gut ausgerüstet. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 166 und 177.

6Juli. Colle tre Croci ( piemontesische Alpen ). Ein Tourist, Namens Visini, aus Varallo, stürzte hier zu Tode. Nähere Angaben fehlen. M. D. Ö.A.V., pag. 63.

7Juli. Bei Berchtesgaden verunglückte, vielleicht infolge von Unpäßlichkeit, Kanzleirat Schulz aus Spandau auf einem Ausflug. Seine Leiche wurde erst im November gefunden. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 64.

8 ) 13. Juli. Watzmann, Der Lehrer Max Sickel aus Ingolstadt war vom Watzmannhause allein aufgebrochen, um alle drei Watzmannspitzen zu übersteigen. Seitdem war er vermißt und seine Leiche wurde erst am 23. Oktober im sogenannten Watzmannmais, unmittelbar unter den Abstürzen der Mittelspitze in das Wimbachthal, aufgefunden. Es scheint, daß der Verunglückte, welcher herzleidend war, sich bei der Kletterei, die der Abstieg in das Wimbachthal erfordert, überanstrengte und einem Schlagfluß erlegen ist. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 261.

914. Juli. Hoher Göll. Der Amtsgerichtssekretär Oscar Hercher hatte allein die Besteigung gemacht und stürzte beim Abstieg aus bedeutender Höhe ab. Seine Leiche wurde erst im August am Brettriedl, cirka 100 Meter unterhalb der Hochbrettwand, aufgefunden. Hoch über dem Fundort der Leiche fand man den Pickelstoek fest eingehauen und den Rucksack an einer Schnur abgeseilt. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 190 und 202.

10 ) 16. Juli. Peternpfad ( Hochthorgruppe ). Der 34jährige Disponent Victor Maresch, der sich in Begleitung zweier Freunde etwas oberhalb der Quelle beim Beginn der Felskletterei befand, wurde plötzlich von einem Stein, der wahrscheinlich von einer vorangehenden Partie gelöst war, derart am Kopf getroffen, daß er mit einer klaffenden Wunde etwa 5 Meter hoch abstürzte und in einer Rinne bewußtlos liegen blieb. Der Tod trat schon nach wenigen Minuten ein. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 177.

11 ) 28. Juli. Groß Elendscharte. Rechtsanwalt Dr. Sander aus Graz, 32jährig, hatte sich vom Pflüglhof im Malteinthale nach der Osnabrücker-hütte begeben, dieselbe gesperrt gefunden und sich trotz der späten Stunde und mangelhafter Ausrüstung, mit Regenschirm und ungenagelten Schuhen, zum Übergang zur Hannoverhütte, einem Weg von 4 Stunden, entschlossen. Er überschritt glücklich die Groß Elendscharte, kam jedoch in der beginnenden Nacht zu weit links, strebte weglos dem Thale zu, gelangte auch sehr tief hinunter bis zur Waldgrenze und stürzte in der Dunkelheit über eine Wand, wobei er sich eine teilweise Zertrümmerung des Schädels und andere Körperverletzungen zuzog, denen er erlag. Sein Leichnam wurde erst am 5. September im Seethal gefunden. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 224/5.

12 ) 4. August. Schwandfehlspitze. Herr Adolf Herz aus Paris bestieg mit seiner Familie von Adelboden ( Berner Oberland ) aus diesen unschwierigen Aussichtsberg. Auf dem Rückweg schlug er bei den Feldern von Tschantenegg allein einen kürzeren Weg ein, verfehlte denselben und stürzte über die steilen Felsen hinunter. Man fand ihn tot am Fuße derselben. Alp. 1899, pag. 106.

13 ) 10. August. Alpe de Lirec. Auf einem Spaziergang von Zinal aus, in Gesellschaft einer anderen Dame, machte Miss Bridge von Brighton, von einem Insekt gestochen, eine lebhafte Bewegung, glitt dabei auf dem feuchten Rasenhang aus, rollte über Felsen hinunter, etwa 100 Meter tief, und brach sich den Schädel. R. A. L. 1899, pag. 273.

14 ) 11. August. Hochstaufen. Der 19jährige absolvierte Gymnasiast Joseph Friedmann verließ nachmittags Reichenhall, wahrscheinlich mit dem Angeben, den Untersberg zu besteigen. Um 3 Uhr 30 Min. begegnete ihm Ingenieur Kleinwächter, welcher den Hochstaufen über den steinernen Jäger erreicht hatte, etwa zwei Stunden unterhalb des Gipfels; als einzige alpine Ausrüstung trug Friedmann einen Bergstock. Es scheint nun, daß er bei weiterem Marschieren vor oder auf der Bartlmahd, wo die Wegmarkierung etwas undeutlich ist, von dem richtigen Wege abgewichen ist und sich, statt nach aufwärts, gleich nach rechts gewendet hat. Hierbei ist er wahrscheinlich in die steilen Südwände des Hochstaufen gelangt, hat dort, nach vergeblichem Bemühen, aufwärts durchzukommen, den Rückzug angetreten und ist dabei über die Goldtropfwand abgestürzt. Zertrümmerung der Schädeldecke und andere schwere Verletzungen haben den sofortigen Tod herbeigeführt. Die defekten Schuhe, die man beträchtlich höher oben fand, hat der Verunglückte vielleicht ausgezogen, um besser zu klettern, was in dem stark mit Gras durchwachsenen Felsgehänge ein Fehler war und auf große Unerfahrenheit im Bergsteigen schließen läßt. Ö.A.Z. 1899, pag. 245.

15 ) 13. August. Croix de Tavernaz. Ein junger Deutscher, Name unbekannt, trennte sich beim Abstieg von seinem Gefährten, schlug einen wenig begangenen, gefährlichen Felspfad ein und stürzte dabei zu Tode. M. D. Ö.A.V. 1900, pag. 63.

1614. August. Bei der Rojacherhütte am Sonnblick verunglückte der Jäger Georg Zembacher, als er nach Einweihung der Hütte beim Abstieg die vorausgegangene Partie überholen wollte, wie er dies schon beim Abstieg von Zittelhaus durch Abfahren über einen steilen Gletscherhang praktiziert hatte. Beim Abklettern über die Leidenfrostwand, welche man ihm vergeblich abgeraten hatte, kam er zu Fall und wurde, mit Verletzungen am Kopfe, als Leiche neben dem Abfluß des Kleinsonn-gletschers gefunden. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 212.

17 ) 26. August. Ponica ( Julische Alpen ). Die 57jährige, auch sehr nervöse Lehrerin Johanna Stein aus Wien hatte führerlos und in ganz ungenügender Ausrüstung nach einer Markierung vom Slovenischen Alpenverein den Kamm der Ponica erstiegen und wollte von hier zu den Weißenfelserseen absteigen, wobei sie über eine Felswand etwa 200 Meter tief abstürzte und mit völlig zerschmetterten Gliedern als Leiche liegen blieb. Es scheint, daß eine ungeschickte Markierung die zum Alleingehen im Gebirge nicht geeignete Touristin zum Besuche dieses entlegenen Gipfels verleitet habe. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 211.

18 ) 28. August. Mont Corbeau. Zwei junge Gelehrte, Dr. Cauro und Lespiau, waren mit Führern von Chamonix aufgebrochen, um auf dem Wege zu den Grands Mulets Experimente über Télégraphie auf dem Gletscher zu machen. Auf dem Bec de l' Oiseau oder Mont Corbeau angekommen, wollte Mr. Cauro die Abhänge des Berges untersuchen, glitt auf dem durch den fallenden Regen feuchten Rasen aus und stürzte in einen Abgrund von 300 Metern Tiefe, wo seine Gefährten die zerschmetterte Leiche aufhoben. R. A. L. 1899, pag. 294.

19; 30. August. Dent de Jaman. An diesem durch Unfälle berüchtigten Gipfel der Waadtländer Alpen stürzte der 19 Jahre alte Italiener Rossi 30 Meter tief ab und war sofort tot. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 211.

20 ) 1. September. Pilatus. Der 19jährige Apothekergehülfe Ludwig Röckl aus München hatte von Samen aus, wo er in Kondition stand, einen Ausflug nach diesem Aussichtsberge unternommen. Erst am 28. September fand man seine Leiche in einem etwa 500 Meter hinter der Pilatus-bahnstation Ämsigen sehr steil abfallenden Graben am Fuße einer ungefähr 15 Meter hohen Felswand. Er scheint beim Abstiege vom Matthorn den Weg verfehlt zu haben, geriet in den sehr steilen und glatten Heumattlizug und stürzte über die Felswand hinunter. Hut und Stock wurden etwa 20—30 Meter oberhalb des Felsens gefunden. Die schweren Verletzungen an Kopf und Gliedern haben wohl den sofortigen Tod zur Folge gehabt. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 236.

21 ) 3. September. Abendberg bei Interlaken. Abbé Bonisson, Vikar der église de St-Pierre de Paris, schlug im Abstieg einen ihm unbekannten und sehr steilen Holzweg ein, glitt aus und wurde über eine Felswand hinausgeschleudert, an deren Fuß Kinder den zerschmetterten Leichnam fanden. R. A. L. 1899, pag. 207.

22 ) 10. Oktober. Gamsberg ( St. Galler Oberland ). G. B. Litscher, Kunstmaler, 47 Jahre alt, ein tüchtiger Bergsteiger, auch als Alleingänger bekannt, wollte von Palfris aus den Gamsberg auf dem Wege über das Goldloch ersteigen und wurde am 15. Oktober als Leiche etwa 100 Meter westlich vom Goldloch, im Couloir zwischen Goldlochgrat und Fenstergrat, etwa 12 Meter unter dem Einstieg in die Felsenrinne aufgefunden. Der Absturz erfolgte wahrscheinlich am Goldlochgrat ob den letzten Legföhren in der Höhe von etwa 2000 Metern, da, wo der Grat abbricht. Vermutliche Höhe des Absturzes etwa 80 Meter. Neben der Leiche lag ein großes Rasenstück, dessen Ausbrechen vielleicht den Sturz veranlaßt hat. Der Gamsberg, ein Kletterberg, bietet verschiedene Anstiegsrouten; die von Litscher gewählte gehört zu den schwierigeren. Alp. 1899, pag. 141.

23 ) 27. Oktober. Peilstein. Ein jugendlicher Radfahrer aus Wien stürzte an den Wänden dieses als Kletterschule bekannten Berges bei Weißenbach an der Triesting ab und zog sich schwere Verletzungen zu, an denen er, wie berichtet wird, einige Monate später starb. Ungenügende Ausrüstung, namentlich unpassendes Schuhwerk, dürfte die Ursache des Absturzes sein. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 261, und 1900, pag. 64.

Hinzuzufügen ist, daß seit dem 7. November 1899 der cand. math. Otto Wackwitz aus Dresden vermißt wird, der an diesem Tage, unter Zurücklassung des Gepäckes, aus Botzen abgereist ist, um Bergtouren zu unternehmen. Dagegen wurde auf dem Errgletscher der wohlkonservierte Leichnam eines Herrn Hoffmann aus Zürich aufgefunden, der seit 1888 verschollen war; er scheint auf einer allein unternommenen Tour verunglückt zu sein.

Redaktion.

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