Alpines Gleitschirmfliegen — eine neue Dimension

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Urs Karli, Matthias Loppacher, Markus Stähelin

Vor dem Start: Warten auf gute Sichtverhältnisse ( Hohgwächte, VS ) Ein geschichtlicher Rückblick Fliegen übte seit jeher eine besondere Faszination aus. Die Idee, es den Vögeln gleichzutun, geistert schon seit sehr langer Zeit in den Köpfen der Menschen herum. Nicht erst seit Flugeindrücke im Berner Oberland Sommer 1987: Ein schwacher Seitenwind bewegt das Windfähnchen. Bei guten Verhältnissen sind wir die Nordflanke der Ebenefluh ( Äbeni Flue ) hinaufgeklettert und stehen jetzt auf der des Berner Oberlandes. Dreitausend Meter weiter unten leuchten die grünen Wiesen des Lauterbrunner Tals.

Zum letzten Mal kontrolliere ich, ob die Leinen nicht verwickelt sind. Langsam beginne ich zu laufen, und sofort spüre ich den gesunden symmetrischen Zug in den Armen; ein Kontrollblick bestätigt die gute Öffnung des Gleitschirms. Noch ein wenig Beschleunigung, und ich schwebe nach Westen der Kante entlang in die Luft hinaus. Nun die Rechtskurve, und der Abgrund der Nordwand tut sich unter mir auf.

Unter meinen Fussen verliert sich unsere Aufstiegsspur in der Tiefe - nur wenige Sekunden, und ich befinde mich direkt Hunderte von Metern über dem Bergschrund, wo wir im Morgengrauen eingestiegen sind. Unmittelbar danach folgen Urs und Matthias - wie klein ihre Schirme vor dieser Wand wirken! Weit über die Rottalhütte hinweg gleiten wir auf Höhe der Silberhornhütte gegen den Schwarz Mönch zu. Hier erfassen uns starke Aufwinde, so dass wir einige Kurven über dem Mönchsbüffel, einer abgelegenen Felsnadel, drehen können. Schon im 18. Jahrhundert soll dessen Kragen auf dem äusserst exponierten Band umkrochen worden sein. Respekt vor dieser Leistung! Sicher noch tausend Meter trennen uns vom Talboden. Wir entschliessen uns daher noch zu einem Ausflug hinüber nach Mürren. Den Felswänden entlang bauen wir Höhe ab, halten der Wasserfälle und Transportkabel wegen dabei respektvollen Abstand. Nach vielleicht 20 Minuten setzen wir sanft in Stechelberg auf.

Wie Besucher aus einer anderen Welt fühlen wir uns hier unten auf der sommerlichen Wiese, während wir uns von der warmen Kleidung befreien; lange Zeit noch sind wir erfüllt von den Eindrücken aus der

Leonardo da Vinci, der bereits in wundervollster Weise Flugmaschinen konstruierte, sondern auch schon früher haben Menschen versucht, diesen Traum zu verwirklichen. So weiss man zum Beispiel von chinesischen Akrobaten, die sich Anfang des 13. Jahrhunderts mit einer Art Fallschirm aus dicht gewebtem Seidentuch und Hanfschnüren an Volksfesten von Türmen hinunterstürzten.

Bis ins 19. Jahrhundert waren zuerst Fall-schirmspringen und später auch Ballonfahrten die einzigen Formen des Fliegens. Mit der Industrialisierung um die Jahrhundertwende kamen auch die grossen Fortschritte in der Luftfahrt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts leitete Otto Lilienthal mit seinen Flugzeugkonstruk-tionen eine Entwicklung ein, die enorme Umwälzungen zur Folge hatte. Zunächst wurden aber - vor allem im Ersten Weltkrieg - Fallschirme als Rettungsgeräte weiterentwickelt.

Fliegen war eine exklusive Sache und nur wenigen Leuten zugänglich. Doch die ( genialen ) Leute der Zeit experimentierten weiter Äbeni Flue: kurz nach em Start ein Blick zu-ück. Urs und Mathias >ind ebenfalls schon in er Luft.

und konstruierten geschleppte Rundkappen-schirme. Ähnlich wie Kinder im Herbstwind ihre Drachen steigen lassen, hat man Menschen an Fallschirme gehängt und an einem Seil in die Luft gezogen. Doch nicht nur Menschen, sondern auch werbewirksame Re-klame-Transparente wurden in die Luft gehisst. Allerdings konnten diese nicht voll befriedigen, nicht zuletzt, weil relativ viel Wind nötig ist, um die Dinger in der Luft zu halten. So war es 1963 der Amerikaner Domina Jalbert, der einen völlig neuartigen Fallschirm konstruierte und damit zum Vater des Gleitschirmfliegens wurde. Die Grundfläche war nicht mehr rund, sondern viereckig. Zudem baute man einzelne Luftkammern ein, damals sieben an der Zahl, vorne offen und hinten geschlossen, die sich durch die anströmende Luft füllten und dem Fallschirm eine Fliegen im Tessin Flügelform gaben. Die den Flügel umströmende Luft erzeugt Auftrieb - das eigentlich Revolutionäre an Jalberts Produkt. Man muss sich also den Flug mit einem solchen Fallschirm nicht mehr als durch Luftwiderstand gebremstes Sinken, wie es bei den ( Rundkappen ) der Fall war, sondern eher als ein durch Auftrieb ermöglichtes Gleiten vorstellen. Wegen eben dieser zusätzlichen Kraft benötigt man vergleichsweise weniger Fläche. Das Lastgewicht ist durch viele Leinen auf die ganze Fläche verteilt. Viele Aufhängepunkte gewähren ein Flügelprofil und somit auch Auftrieb.

Vom Schlepp- zum Fallschirm Die , wie man den Gleitschirm seiner Form wegen heute auch nennt, wurde anfangs nur als Schleppschirm genutzt. Natürlich liessen sich auch bald einmal Menschen in die Luft heben. Um zum eigentlichen Fallschirm zu werden, mussten noch einige Modifikationen angebracht werden: Die überlangen Leinen wurden verkürzt, die Steuerung verbessert, und eine Öffnungsverzögerung wurde eingeführt, um ihn für die Öffnung aus dem freien Fall tauglich zu machen. 1969 nahmen US-Fallschirmspringer zum ersten Mal mit den Matratzen an Meisterschaften teil. Es zeigte sich, dass diese wegen der besseren Steuerung und der um bis zu 50 Prozent geringeren Sinkrate bei Ziellandungen den ( Rundkappen ) überlegen sind.

Anfang der 70er Jahre gelangte die Matratze von den USA nach Europa. Hier in den Alpenländer bot es sich geradezu an, mit dem ( Ding> vom Berg zu starten. Aber es blieb bei ganz vereinzelten Versuchen. Man darf nicht vergessen, dass 1948 der Amerikaner Francis Rogallo den Rogallo-Drachen, den direkten Vorläufer der heutigen Drachen, entwickelt hatte. In den 70er Jahren begann das Drachenfliegen eine Volkssportart zu werden. Jene, die auf ( einfache Art ) fliegen wollten, schlössen sich deshalb den Drachenfliegern an.

Die Geburtsstunde des Gleitschirms Es waren zwei Franzosen, Jean-Claude Bét-temps und Gérard Bosson, die 1978 das Gleitschirmfliegen aus dem Dornröschenschlaf erweckten und in der Folge eine Massenbewegung auslösten, wie sie noch nie in der Fliegerei vorgekommen ist. In Mieussy ( F ) unternahmen die beiden Fallschirmspringer ihre ersten Fussstartversuche. Man öffnet die Matratze nicht aus freiem Fall aus einem Flugzeug, sondern legt sie an einem steilerem Wiesenhang offen hinter sich aus. Durch kontrolliertes An-laufen des Piloten wird der Gleitschirm hochgezogen, ähnlich dem oben angesprochenen Steigenlassen der Drachen im Herbstwind. Die Luftkammern füllen sich mit der einströ-menden Luft, und aus dem schlaffen Stoff-fetzen entsteht ein relativ starres Gebilde mit Flügelform. Je schneller der Pilot läuft, desto grösser wird der durch die umströmende Luft verursachte Auftrieb, und die Matratze trägt den Piloten in die Luft. Im Winter benutzt man Skis, um die benötigte Startgeschwindigkeit zu erreichen. Dabei ist man immer besorgt, beim Start ( wie auch beim Landen ) den Wind von vorne zu haben, was die Anlaufstrecke wesentlich verkürzt.

Jean-Claude und Gérard waren von dieser Art der Fliegerei überzeugt und gründeten eine Schule. Ein früherer Schüler dieser Schule, Roger Fillon, vollbrachte 1982 mit dem Flug von der 4121 m hohen Aiguille Verte ( Montblanc ) die vielleicht erste Spitzenleistung einer ganzen Reihe, die mit Jean-Marc Boivins Flug vom Mt. Everest im letzten Jahr sicher noch kein Ende gefunden hat.

Erst 1985 schwappte die neue Bewegung von Mieussy dauerhaft in die anderen Alpenländer über. Es war der Schweizer Drachen-flugpionier Laurent de Kalbermatten, der Wesentliches zur Entwicklung des Gleitschirms beigetragen hat und immer noch beiträgt. Er war es, der mit seinem ( Randonneuse-Stan-dard ) den ersten Serienschirm produzierte. Das von ihm benutzte Nylontuch überzeugte durch die geringe Luftdurchlässigkeit und das geringe Gewicht, was gerade für die alpinen Gleitschirmflieger besonders wichtig ist. Auch war das Tuch vergleichsweise steifer als die früher benutzten Sprungschirme, was das Startverhalten wesentlich verbesserte. Kon-struierte man bis anhin meist 7-Zell-Schirme, begann man nun, 9-Zeller zu produzieren. Man weiss aus der Aerodynamik, dass der Auftrieb, die für möglichst gutes Gleiten so wichtige Kraft, am vorderen Flügelteil angreift. So war man bald versucht, die Spannweite zu vergrössern und gleichzeitig die Flügeltiefe zu verkleinern. Um den Luftwiderstand und das Gewicht zu verkleinern, benutzt man heute sehr dünne Kevlarleinen zur Aufhängung. Die verbesserten Materialien und die veränderte Grundform machen aus dem einstigen Schlepp- und Fallschirm einen Gleitschirm mit eindrucksvollen Leistungen. Das 4 bis 5 kg schwere Stoffbündel trägt uns etwa fünfmal so weit, wie es an Höhe verliert. Dieses Verhältnis nennt man Gleitzahl.

Die Situation heute Die Konstrukteure sind versucht, Gleitschirme mit immer höherer Gleitleistung zu entwickeln. Leider geht das nicht mehr ohne eine gewisse Einbusse an Sicherheit für den Piloten; wir sind heute schon so weit, dass viele Piloten einen Notschirm ( eine Rund-kappe notabene ) auf sich tragen.

Der deutsche Hängegleiterverband teilt die verschiedenen Gleitschirmtypen in vier Kategorien ein, wobei die der höchsten Kategorie angehörenden Gleitschirme eigentliche Wett-kampfschirme sind oder solche, die nur von sehr erfahrenen Piloten geflogen werden sollten. Heute haben die besten Gleitschirme eine Gleitzahl von mehr als sechs, was die der Deltas der 70er Jahre übertrifft und dies mit einem wesentlich kleineren Packvolumen und Gewicht.

Alpine Gleitschirmflieger — eine Minderheit Es ist Samstag, der Zug verlässt Spiez. Aufmerksam schaue ich aus dem Fenster. Wem sind sie nicht schon aufgefallen, die farbigen Vierecke, die sich an einem schönen Wochenende am Himmel um die Bergpyramide des Niesen abzeichnen? Bei guten Verhältnissen kann man mehrere Gleitschirmflieger gleichzeitig beobachten, wie sie ihre Flugbahn ziehen und gleich auf der anderen Seite der Kan- der landen. In Kandersteg ein ähnliches Bild, nur dass die Häufung an Fliegern wegen der dort ansässigen Schulen noch grösser ist. Hier kommt es immer wieder vor, dass einer in der Luft zu bleiben scheint und bis zur Weiterfahrt des Zuges nichts an Höhe eingebüsst hat.

Brig - umsteigen! Zeit, den Himmel abzusuchen. Vergebens! Auf der Strecke nach Randa schaue ich immer wieder aus dem Fenster, aber auch da sieht man keinen bunten Fleck am Himmel. Und so soll es das ganze Wochenende bleiben.

Am Sonntag brechen Matthias und ich die Tour auf dem Täschhorn ab. Markus klettert mit den Freunden weiter Richtung Dom, während wir nach Täsch hinunterfliegen. Wir sind die beiden einzigen, die an diesem wunderschönen Wochenende in dieser Gegend fliegen.

Diese Szenerie wiederholt sich immer wieder: in der unmittelbaren Nähe einer Seilbahn viele Gleitschirmflieger, dagegen etwas abseits keine oder nur sehr wenige. Ich möchte deshalb zwei Gruppen von unterscheiden: die und die alpinen Gleitschirmflieger; wobei dies nicht einen Typ Menschen beschreiben soll, sondern die Art, wie jemand sein Hobby ausübt.

Der ( Bähnlifliegen benutzt die Seilbahn, um auf möglichst einfache Art zum Startplatz zu gelangen. Er ist nicht so sehr um das Gewicht seiner Flugausrüstung besorgt - ist sie doch alles, was er in seinem auf die Länge unbequemen Rucksack trägt. Um den Startplatz muss er sich nicht allzu viele Gedanken machen, gibt es doch meist bei Bahnanlagen vorbereitete Start- und Landeplätze. Womöglich findet sich an beiden Orten schon eine helfende Windfahne.

Der alpine Gleitschirmflieger andererseits achtet schon beim Schirmkauf darauf, einen leichten und dennoch leistungsfähigen Schirm zu erwerben; schliesslich schleppt er noch die ganze Hochgebirgsausrüstung mit sich. Die Planung zu Hause, bevor man eine Tour antritt, hat eine ganz entscheidende Bedeutung: Wetterkarten verfolgen, bei Unsicherheit die Schweizerische Meteorologische Anstalt in Zürich anrufen und sich persönlich beraten lassen. Man muss sich zu Hause auch schon über verschiedene Startplätze Gedanken machen; oft haben wir erlebt, dass man auf dem angestrebten Startplatz nicht starten konnte, dass wir aber dank eines kleinen Abstiegs dennoch zum Fliegen gekommen sind.

Hüttenaufstiege einmal anders Juni 1988: Zu dritt stehen wir am Ausgang des Sphinx-Stollens auf dem Jungfraujoch. Blendendes Wetter, fast keine Wolken, aber noch ein wenig mehr Schnee in den Felsen als zu dieser Jahreszeit üblich. Trotzdem entschliessen wir uns für den Südwestgrat am Mönch, etwas schwieriger als die Normalroute, aber dafür auch interessanter und schöner.

Nach knapp dreistündiger, sonnigwarmer Kletterei mit phantastischem Tiefblick auf die Kleine Scheidegg erreichen wir zur Mittagszeit den Gipfel des Mönch.

Schon bilden sich über der Kleinen Scheidegg bedrohlich grosse Wolken, die eine gemütliche Gipfelrast unmöglich machen. Jetzt gilt es rasch zu handeln; Sicht- und Windverhältnisse können sich in solchen Situationen plötzlich ändern. Bald liegen drei bunte Tücher mit fein sortierten Leinen startklar auf dem Gipfel, und etwas später entschweben dem Mönch drei Alpinisten Richtung Silberhornhütte. Eine Viertelstunde später landen wir alle drei wohl beisammen sanft neben der Hütte. Beim Eintrag ins Hüttenbuch überkommt uns schon etwas Stolz, als wir feststellen, dass in diesem Jahr noch niemand die Hütte besucht hat und auch noch nie jemand auf die Hütte eingeflogen ist.

Die Möglichkeit, anstelle eines langen Hüttenweges eine kurze Tour mit einem Flug zu machen, gibt es vielerorts. Lauitor - Rottalhütte, Jungfraujoch - Guggihütte und Stockhorn - Monte-Rosa-Hütte, um nur einige zu nennen. Da die Gleitleistung der Schirme weiter zunimmt, werden auch die Möglichkeiten immer zahlreicher.

Auf Startplatzsuche: Gipfelstart nicht garantiert Ein schöner Tag im Juli 1988: Nur noch wenige Meter Mittellegigrat liegen vor uns. Die Spannung steigt - wie sind die Startverhält-nisse am Eigergipfel? Noch ist es fast windstill. Nur hin und wieder eine Windböe. Typisch für ein Lee? Wir erreichen den Gipfel, wo sich die ungute Vorahnung bestätigt: ( Es fegt> mit sicher 40 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit über die Kuppe hinweg. Keine Frage, dass bei diesen Verhältnissen der Schirm im Rucksack bleibt... Der Startplatz an sich sieht gar nicht so schlecht aus. Wohl zählt die steile Schuttflanke zu den anspruchs- volleren Gipfelstartplätzen; aber wenn hier ein konstanter SW-Wind mit sagen wir 15 Stundenkilometern wehen würde...

Zum Träumen lässt uns der kalte Wind nicht viel Zeit. Weiter geht es nun über den Grat hinunter auf das 300 Meter tiefer gelegene Eigerjoch zu. An der Abseilstelle haben wir Mühe, diese einzurichten: Wie Stangen liegen unsere ausgeworfenen Seile fast horizontal in der Luft.

Und doch, am Eigerjoch angekommen, sieht der Flug bald nicht mehr unmöglich aus: Ein konstanter Westwind mit vielleicht 20 Stundenkilometern bläst uns entgegen. Nur-reicht die Gleitzahl der Schirme im Gegenwind über das flache Gletscherplateau des oberen Eigergletschers hinaus? Schnell ist Manuel als Testpilot startbereit und bald in der Luft. Mit Spannung verfolgen wir seinen Flug: Mal ein Durchsacken, dann wieder ein Anheben, bis endlich durch den Funk die befreienden Worte kommen: ( Geschafft, kein Problem mehrb.

Ist der Bergsteiger mit den Elementen Fels und Eis vertraut geworden, so kommt für den Paralpinisten ein weiteres hinzu: die Luft. Bis anhin in Form eines kalten Windes allenfalls als störend empfunden, entscheidet sie jetzt mit über den Ausgang der Tour. Schon im Aufstieg den Flug der Vögel und das Spiel der Wolken zu beobachten, um daraus die Windverhältnisse abzuschätzen, wird nun wichtig für die Wahl eines geeigneten Startplatzes und einer sicheren Flugroute. Eine zusätzliche Aufgabe für den Alpinisten, die aber auch das Naturerlebnis vertiefen kann.

Unbeschwertes Klettern: Gleitschirmdepot beim Einstieg Eine ganz gewöhnliche Klettertour: Bergseeschijen Südgrat. Ausnahmsweise liegt an Weihnachten 1987 noch kaum Schnee, so dass wir - Andrea, Urs und ich - uns für diese Tour entschieden haben. Um es mit den Ski zu versuchen, ist die Unterlage allerdings zu dünn, während für einen Anmarsch eigentlich bereits zu viel Schnee liegt. Wir entschliessen uns also, den Gleitschirm mitzunehmen, um nicht auch noch den Abstieg auf diese mühsame Weise bewältigen zu müssen.

Die sonst so übervölkerte Klettertour wird zum einsamen Genuss, der Fels ist trocken wie an schönen Herbsttagen. Zurück beim Einstieg, geniessen wir die Wärme und die letzten Sonnenstrahlen, bis wir uns startklar machen und ins Gwüest hinunterfliegen.

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, Bergtouren mit Gleitschirmfliegen zu verbinden: Bei schwierigen Klettereien deponieren wir den Gleitschirm am Einstieg. Als Abschluss Gipfelpanorama. Von der Äbeni Flue gegen das Wallis des Tages ist dann meist ein kurzer Flug ins Tal hinunter möglich. Nachteil hierbei: Man muss wieder zum Einstieg zurück und meist auch ins gleiche Tal hinunter. Auf kombinierten Touren oder leichteren Klettereien hingegen stören 4 kg Gleitschirm oft weniger, als man denkt. Meist lohnt sich die Mühe, können wir doch häufig in ein anderes Tal hinunterfliegen oder bei guten Verhältnissen gar ganze Überschreitungen, die sich zu Fuss nicht bewerkstelligen liessen, unternehmen.

Abschliessende Gedanken Sicher, nicht alles läuft immer so problem-und gefahrlos ab. Fliegen birgt ein zusätzliches Risiko. Dieses wird aber ähnlich wie beim Bergsteigen stark durch den Ausführenden selbst bestimmt. Es gilt auch hier: Im Zweifel nie!

Ein Wort zum Flugerfolg: Ungünstige Sicht-und Windverhältnisse können einen Flug unmöglich werden lassen. Das Wetter ist und bleibt unberechenbar, so dass wir auf etwa jeder fünften Tour unsere 4 kg wieder ins Tal tragen.

Trotzdem, was gibt es nach einem anstrengenden Aufstieg Schöneres, als sich direkt vom Gipfel durch ein halbes dutzend Schritte in die Luft zu heben und den vielleicht mehrstündigen Abstieg gemütlich im Gurtzeug hängend von oben zu betrachten? Oder direkt nach dem Start 1000 m Luft unter den Fussen zu haben, zurück auf eine riesige Nordwand zu blicken und entlang bizarrer Grate und verlassener Wände ins Tal zu gleiten?

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