Auf dem Gipfel des Weisshorns

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Von G. W. Young ' ).

Mittag war vorüber. Wir waren sieben Stunden in der Wand gewesen, und seit dem Biwak waren zwölf verge ngen, fast ohne Halt. In der Höhe schliessen dünne Luft und eigene Konzentration die Müdigkeit aus, solange noch irgendetwas zu überwinden bleibt; die Reaktion auf dem Gipfel ist entsprechend. Glück ist nur durch Gegensätze messbar, und wie das Klettern die härteste der hübschen Arbeiten in dieser Welt ist, so ist wahrscheinlich keine Musse so wunderbar befriedigend wie die Entspannung, die dem Klettern folgt. Jeder Gedanke an vergangene Mühe, an kommende Anstrengung, sogar an die Müdigkeit wird von einer Flut körperlichen Wohlbefindens weggeschwemmt. All unsere Sinne ruhen; aber sie sind durch die lange Spannung aufs feinste abgestimmt und bleiben in der Ruhe seltsam feinfühlig für äussere Eindrücke. Das ist noch ein Grund mehr, warum wir die Schau von einem Gipfel schöner finden als irgendeine andere Aussicht. Doch sind wir Menschen und Menschlichem unterworfen; und die Spanne der Erfüllung muss durch irgendeine Form der Handlung oder der bewussten Inaktivität ausgefüllt werden. Manche Sterblichen geben sich einem gemütlichen Gipfelschlaf hin, trotz der Kälte: das ist Verschwendung grosser Augenblicke. Andere ziehn es vor, zu essen; was fühlbar ist, aber prosaisch. Wieder andere tun nichts als schauen und vergessen zu denken und lassen all den Überschwang von Ruhe und Schau und Gefühl ununterschiec'.en in sich einströmen — in der spätem Erinnerung nichts als die eine lichterfüllte Wolke des glückvollen Gewesenseins einer verschwendeten Stunde.

Aus « On high Hills ». Übersetzt von Richard Meyer, Zollikon.

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