Auf Wegen und Umwegen durchs Bündnerland

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Emil Schimpf, Winterthur

Bilderg bis 12 Wieder einmal war es soweit: wir verspürten eine unbezähmbare Lust auf Wanderferien. Also packten wir mit Bedacht unsere Rucksäcke, denn es musste recht viel darin verstaut werden.

Ende August wurde an einem Samstag — es war im Jahr 1951 -die Reise angetreten. Unser Wandergebiet hiess, in grossen Zügen umrissen, ganz einfach « Bündnerland », wobei hauptsächlich Gegenden ausgewählt werden sollten, die wir entweder überhaupt noch nicht oder nur vom Winter her kannten.

Dass wir nicht einfach ins Zentrum des an Tälern und Bergen so reichen Kantons fuhren, war Bestandteil unseres Planes. Als Ausgangspunkt suchten wir Elm im Glarnerland ( 977 m ) aus. Hier standen uns zwei vorzügliche Anmarschwege ins Bündnerland zur Verfügung; bei unserer abendlichen Ankunft daselbst waren wir uns allerdings noch nicht im klaren, ob wir den Spuren des russischen Generals Suworow folgen und über den Panixerpass ein erstes Ziel erreichen oder ob wir den Segnespass — als etwas kürzere Route - vorziehen sollten.

Während der Nacht entlud sich ein heftiges Gewitter, doch sah das Wetter am Morgen gar nicht so schlimm aus. Noch beim Frühstück entschieden wir uns für den Segnespass ( Pass Segnas ), da wir anderntags dem Bündner oder dem Glarner Vorab einen Besuch abzustatten gedachten. Gut ausgeruht und verpflegt, brachen wir um 7 Uhr auf. Die Temperatur war geradezu ideal für den ersten Aufstieg. Schon nach kurzer Strecke zieht sich der Weg durch die Hänge einer romantischen Schlucht mit wilden Wassern empor. Oberhalb der Alp « Nideren » unterbricht ein kurzes, flaches Geländestück den sonst recht steilen Pfad. Mit Ausnahme eines Verschnaufhaltes von wenigen 12 Minuten strebten wir, meist von Schwärmen von 11 Gewitter Stimmung auf der Alp Flix. Blick zum Pìz Piatta 12 Blick auf Soglio und gegen die Sciora- und Bondascagruppe Photos Lisa Gensetter, Davos Bergfinken begleitet, zügig der Passhöhe ( 2627 m ) entgegen und damit auch der Grenze zum Kanton Graubünden.

Der Übergang, den wir um die Mittagszeit erreichten, liegt zwischen dem Piz Segnas im Nordosten und den Tschinglenhörnern im Südwesten; er bietet einen umfassenden Rundblick, wobei uns vor allem die Sicht auf Vorder- und Hinterrheintal interessierte, wo wir ja auch herumzuva-gabundieren gedachten. Leider blies ein rauher Wind, der nicht zu langem Verweilen einlud, so dass wir uns alsbald dem vorerst jähen Abstieg gegen Süden in Richtung Flims zuwandten. Bald befindet man sich aber in einer relativ flachen, langgezogenen Mulde, der « Plaun Segnas » -man erreicht hier bereits das Sprachgebiet von Surselva. Zu unserer Freude trafen wir in etwas feuchtem Geröll noch eine für diese Jahreszeit reiche Flora an: Gletscherhahnenfuss in vielen Gruppen belebten das Tal in seiner ganzen Breite. Unsere Blicke aber schweiften immer wieder zum « Martinsloch », das im nordöstlichen Ausläufer der Tschinglenhörner als Wahrzeichen der Gegend zu sehen ist.

Wo sich die etwa 6 Kilometer lange Mulde verengt, kann man in einer kurzen Gegensteigung zur Segneshütte ( Camona da Segnas, 2102 m ) gelangen, die denn auch unser erstes Etappenziel war. Gegen 15 Uhr trafen wir ein. Heute herrscht, infolge der « Erschliessung » der Gegend durch Luftseilbahnen, Sessel- und Skilifte, rundherum allerdings nicht mehr die Ruhe, wie wir sie damals genossen! Zuerst stärkten wir uns in der heimeligen Hütte mit einer feinen Suppe. Der Hüttenwart, im Hauptberuf Lehrer, hatte im Verlauf des Nachmittags gut Zeit, uns die Berggipfel in der weiten Runde mit Namen zu nennen. Es ist ja oft so, dass man Berge, die man sogar selbst bestiegen hat, aus einem andern Blickwinkel nicht erkennt. Natürlich unterhielten wir uns auch über den gewaltigen Felssturz, der sich nach wissenschaftlicher Berechnung in der Zwischeneiszeit am Flimserstein ereignet hat. Die Spuren dieser ungeheuren Naturkatastrophe erstrecken sich weit über Flims hinaus, und noch heute sind sogar in der Rheinebene markante Überbleibsel der Steinmassen zu erkennen.

Als wir am nächsten Morgen nach dem Wetter Ausschau halten wollten, sahen wir nur Grau in Grau. Nach Ansicht des Hüttenwartes konnte man nicht einmal damit rechnen, dass einer der für eine Besteigung in Frage kommenden Berge heute die Wolkenschicht überragen würde. Daher resignierten wir und nahmen gegen 9 Uhr den Weg talwärts unter die Füsse. Nach strammem Marsch kamen wir gerade recht nach Flims, um mit dem Postauto nach Reichenau zu fahren. Die « Rhätische » führte uns alsdann durchs burgenreiche Domleschg nach Thusis und weiter bis nach Filisur, wo die Bahnstrecke nach Davos von derjenigen ins Engadin abzweigt. Es war eben Mittagszeit, für uns also die beste Gelegenheit zur « Einkehr » im Wirtshaus.

Dann galt es aber ernst. Da wir als nächstes Ziel die Elahütte gewählt hatten, mussten wir uns zunächst noch der Albula zuwenden, wo wir den Fluss bei P.998 überschritten. Bei Nebeltreiben und gelegentlichen Regenschauern begann der Anstieg. Die ersten 500 Meter Höhendifferenz werden über einen ziemlich steilen Hang auf gutem Weg überwunden. Von hier wandert man durchs Val Spadlatscha, meist durch lichten Wald, und gewinnt dabei unmerklich an Höhe. Oberhalb der Waldgrenze, auf etwa 2000 Meter, hofften wir, die alte und die neue Hütte zu entdecken; allein der Nebel liess keine 50 Meter Sicht frei. Dank einer guten Markierung standen wir dann aber unvermittelt vor der neuen, oberen Hütte ( 2252 m ). Es war niemand da. Mit gutem Gewissen nahmen wir denn auch von ihr Besitz und bereiteten Suppe und Tee, wobei uns der Herd gleichzeitig etwas Wärme spendete.Vor dem « Lichterlöschen » wurde beim Schein der heimeligen Petroleumlampe noch eine Zeitlang das Hüttenbuch durchstöbert und nach bekannten Namen abgesucht.

Der dritte Tag begann erfreulich; nach dem Frühstück lichtete sich der Nebel unter dem Ein- fluss eines starken, aber kalten Windes. So stiegen wir ohne Rucksäcke gegen den Südgrat des Tinzenhorns; das muntere Spiel der Murmeltiere und ein Gemsrudel vertrieben uns dabei die Zeit. Wir kamen aber trotzdem höher und erreichten den Sattel zwischen dem besagten Grat und « Igls Orgels », um von dort zu P. 2821 und weiter hinüber zum Pass d' Ela zu wechseln. Dieser Abstecher kam uns sehr gelegen, konnten wir doch auf diese Weise unsere Route für den folgenden Tag teilweise erkunden. Zum Mittagessen kehrten wir auf dem nächsten Weg zur Hütte zurück. Ein Nachmittagsbummel brachte uns zum Übergang nach Bergün, von wo der Zugang zur Hütte um einiges kürzer ist als unser gestriger Aufstieg. Hier blühten zu unserer Überraschung nicht nur prächtige Edelweiss; es gab sogar Pilze: Champignons - eine willkommene Abwechslung für unsern Menüplan!

Für unsere Dislokation zur Alp Flix verkündete uns ein strahlender Himmel am nächsten Morgen einen Tag nach Wunsch. Um 7.30 Uhr starteten wir, mit immer noch recht « anhänglichen » Rucksäcken, auf dem uns vom Vortag her bekannten Weg direkt zum Elapass ( 2724 m ), wo wir ungefähr um 9 Uhr ankamen. Da wir bei unserm gestrigen Besuch noch keinen Rundgang um die drei unmittelbar südlich des Passes gelegenen Seelein gemacht hatten, holten wir dies nach, verweilten dann aber nicht mehr zu lange da oben, sondern nahmen bald den Abstieg Richtung Oberhalbstein unter die Füsse. Der Pfad führt zunächst über gut 400 Meter Höhendifferenz durch mit Edelweiss geradezu übersäte Hänge; dann verflacht sich das Gelände. Mit Vorteil verlässt man bei P. 2080 den Pfad vorübergehend und gelangt dem Bach entlang zur »Alp Mota d' En » ( 1965 m ). Hier hielten wir Mittagsrast, die uns hauptsächlich dazu diente, an diesem sonnigen und windgeschützten Plätzchen zu faulenzen. Beim Weitermarsch durchs Val d' En Richtung Tinizong trottete ein prächtiger Fuchs kaum i oo Meter vor uns auf dem Strässchen in gleicher Richtung. Bei einer Wegbiegung witterte er uns dann allerdings und verschwand fluchtartig. Nun ging der Weg in ein gutes Alpsträsschen über, das wir unterhalb der Alp Pensa auf ungefähr 1500 Meter südwärts verliessen. An dem folgenden Waldweg wuchsen Erdbeeren in Hülle und Fülle; die süssen Beeren lockten uns denn auch so sehr, dass wir trotz der hinderlichen Rucksäcke immer wieder « Bücklinge » machten, was sich nicht besonders beschleunigend auf unser Tempo auswirkte. Dazu kam, dass ich meiner Spürnase mehr zutraute als der Karte, was einen grösseren Umweg zur Folge hatte. Wenn auch der Blick zum Piz Piatta oberhalb der inzwischen erreichten Waldgrenze immer grossartiger wurde und die nähere Umgebung — mit zum Teil allerdings leicht sumpfigem Einschlaggeradezu märchenhaft anmutete, waren wir doch froh, als das Gasthaus auf der Alp Flix ( 1977 m ) gegen 18 Uhr auftauchte. Das Nachtessen hatten wir uns verdient - mitsamt der prächtigen Abendstimmung - verzogen uns aber gerne zeitig in die Federn.

Anderntags erleichterte uns ein wolkenloser Himmel das Aufstehen. Bivio, unser nächstes Ziel, war uns zwar bestens bekannt, doch hatten wir das Dorf noch nie von dieser Seite angesteuert.

Vorerst folgten wir dem Weg ins Val Natons, das man über eine kleine Erhebung mit je etwa 200 Meter Höhendifferenz - im Auf- und Abstieg - erreicht. Nun wandten wir uns gen Osten, um durch das erwähnte Tal zur Alp Ses ( 2227 m ) zu gelangen. Kurz oberhalb der Alphütten liess ich mich infolge meiner schmerzenden Achseln dazu bewegen, einen Teil des Rucksackinhaltes an einem geeigneten Plätzchen zu deponieren, und meine Frau war auch nicht unglücklich, ihre Bagage ebenfalls zu « hinterlegen ». Auf diese Weise pilgerten wir recht unbeschwert zur Forcla digl Leget ( 2711 m ) hinauf und wurden oben zusätzlich beglückt durch das verträumte Bergseelein und den Blick in das uns wohlbekannte Val d' Agnel. Mein unbedachter Entschluss zur Deponierung unserer Siebensachen wurmte mich aber jetzt um so mehr, als wir hier Gelegenheit gehabt hätten, zur « Veduta » am Julier abzusteigen und von dort mit dem Postauto an unser Ziel zu fahren! Uns blieb wohl oder übel nichts anderes übrig, als zu unsern Habseligkeiten zurückzukehren. Der Bummel über die Alp Natons und anschliessend durch herrlichen Nadelwald gefiel uns aber doch ausnehmend. Auffällig waren die vielen Flechten an den Bäumen über weitere. Strek- ken. Leider liessen sich — entgegen unsern Erwartungen - unterwegs keine Hirsche sehen, obwohl es nach Aussage der Einheimischen deren ziemlich viele haben soll in dieser Gegend.

Gegen 17.30 Uhr waren wir bei « Papa Torriani » in Bivio. Das Dorf Bivio ( « Beiva » ) liegt auf rund 1800 Meter am Julier. Sein Name leitet sich ab von den zwei alten Passübergängen, dem Septimer, der ins Bergell führt, und dem Julier, der heute vielgenannten Strassenverbindung ins Oberengadin. Die Bewohner sind dreisprachig ( Deutsch, Romanisch und Italienischin der Schule unterrichtet der Lehrer meist in allen drei Sprachen. Bivio ist vor allem ein Skidorado; schön war es für uns aber vor allem damals, als die Gegend noch nicht « erschlossen » war!

Bereits bei unserer Ankunft hatte sich der Himmel bedeckt. Am Freitag sah es nach Regen aus; doch an unserm Plan, einmal ohne Schnee über « Cuolmens » zum kleinen Skihüttlein, das auf etwa 2400 Meter liegt, aufzusteigen, änderte das nichts. Im untern Teil des Rückens, der im Westen durch das Valletta da Beiva und im Osten durch das Cavreccia ( Karte 1:25000 = Tga-vretga ) begrenzt ist, wachsen neben vielen Erlenbüschen — die im Winter sich ausgezeichnet im Schnee « verzahnen » - Alpenrosen und eine Vielfalt von Stauden. Hier begegneten wir an einer lichten Stelle einer Kreuzotter. Sie glitt wie ein Pfeil davon, als sie uns gewahrte; ich aber hätte sie zu gerne in Abwehrstellung gesehen. Später flogen in nächster Nähe unserer Pirsch durch dick und dünn plötzlich zwei Schneehühner auf und davon. Dies machte uns auf ein Gelege mit zehn Eiern aufmerksam. Es war also ein interessantes Streifen durch die Gegend, welche im obern Teil nur noch dürftigen Grasbewuchs aufweist. Noch bevor wir in der —jedenfalls damals — unordentlichen Hütte eintrafen, begann es zu regnen. Unter Dach wurde nun Brotzeit gehalten. Anschliessend schlenderten wir noch zu P. 2560, von wo aus man den Piz Forcellina vor Augen hätte, wäre er nicht so züchtig in Wolken gehüllt... Nun ging 's zwischen leichten Felsbarrieren hindurch zur « Plang Canfer » und auf dem Septimersträsschen weiter nach Bivio. Frühzeitig waren wir wieder im Dorf- zum Glück, denn düstere Gewitterwolken hatten sich inzwischen zusammengebraut.

Wider Erwarten war es am andern Morgen jedoch wieder klar. Also, wenn auch etwas spät: nix wie los Richtung Stallerberg! Die Hauptstei-gung dorthin hat man bei Plang Tguils ( 2390 m ) bereits überwunden. Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass man hier eine ordentlich langgezogene Ebene betritt, die mit sumpfliebenden Gewächsen überzogen ist. Von hier bis zum Stallerberg, dem Passübergang nach Juf, sind hohe Stangen aufgestellt, die einem bei Nebel die Orientierung erleichtern. Bei früherer Gelegenheit haben wir von Jägern erfahren, dass selbst Einheimische hier stundenlange Irrgänge erlebten, weil sie sich ohne Kompass auf ihre Geländekenntnisse verlassen hatten und daher zwischen Morast und kleinen Bodenerhebungen vergeblich den verlorenen Weg suchten. Nun - wir hatten heute Glück und würden den Pfad auch ohne Stangen finden. Um die Mittagszeit waren wir auf dem Stallerberg ( 2579 m ), wo wir abkochten und faulenzten.

Es ist am Platz, auf eine weitere empfehlenswerte Wanderung hinzuweisen, für die man hier abzweigt:

Man steigt in nördlicher Richtung - bei den Flühseen vorbei - durch wegloses Gelände zur Forcla da Faller ( 2838 m ). Wohl kaum an einem andern Ort sahen wir bis jetzt so viele Gesteinsarten beisammen wie in der Umgebung dieses Überganges ins Val Bercia; es dürfte sich um Teile eines Bergsturzes handeln. Als geologisches Greenhorn unterscheidet man allerdings nur die vielen Farben des Gerölls: Weiss, Schwarz, Grün, Gelb, Grau usw. ein Anblick, der jedenfalls in Erinnerung bleibt. Der Abstieg zur Alp Faller ist sehr rauh und erheischt - insbesondere bei Nebel - sehr gute Aufmerksamkeit. Bei guter Sicht ist der Anblick des P. Piatta, vor allem von Tga aus, geradezu überwältigend; der Berg steht da wie ein Mini-Matterhorn. Von Tga aus, wie eine Gruppe von Hütten auf der Alp Faller heisst, führt ein guter Alpweg nach Mulegns im Oberhalbstein.

Wir brachen von unserm Rastplatz erst nach 3 Uhr auf und waren nach einer kurzen halben Stunde bereits in Juf ( 2126 m ). Das kleine Dorf wird immer wieder ( auch in der Schule ) erwähnt, weil es als höchste Ansiedlung in Europa gilt, die während des ganzen Jahres bewohnt wird. Ob dieser Europa-Rekord immer noch Gültigkeit hat? Das Dörfchen kann jetzt mit der Reisepost auf einer gutausgebauten Strasse erreicht werden; früher konnten nur Pferdefuhrwerke verkehren.

Wir aber waren am heutigen Reiseziel angelangt; hier wollten wir übernachten.

Am Sonntagmorgen ( wir befanden uns also bereits seit einer Woche auf unserer « Schulreise » ) brachen wir kurz nach 6 Uhr mit Ziel Soglio auf. Nach einem kaum viertelstündigen Fussmarsch auf dem Fahrweg nach Cresta erreicht man das « Potestats Haus ». Unterhalb der so benannten Häusergruppe überquerten wir bei P. 1988 den Jufer Rhein. Von hier an hat man - je nach Tempo - während Stunden dem Bergalgabach zu folgen, und zwar immer in südlicher Richtung. Die ersten 3 Kilometer verlaufen ziemlich flach. Bei der « Hintern Bergalga Alp » ( 2074 m ) verlässt man dann diesen eher etwas eintönigen Abschnitt der Route, und nun beginnt die Steigung. Der nicht immer sichtbare Pfad zieht sich jetzt der rechten Talseite entlang über Gras- oder Geröllhänge. Ab P. 2325 muss man danach trachten, immer in der Mitte der breiten Mulde über Masügg und « Uf den Bielen » zu bleiben. Am obern Ende der trichterartigen Geländeformation erreicht man den B'ergalgapass ( 2790 m ). Wir hatten die letzten 250 Meter Höhendifferenz auf Firnschnee zu überwinden, der durchwegs gut begehbar war. Um halb Io Uhr standen wir in der Einsattelung. In diesem Moment setzte vom Val da Roda her Nebeltreiben ein. Erschwerend kam dazu, dass die von jetzt an zu überquerenden Karrenfelder auf weite Strecken mit ziemlich tiefem Schnee bedeckt waren. Eine Wegspur war demzufolge nicht zu sehen, und auch Markierungen sah man nur hier und dort. Unterwegs zum Lägh da la Caldera, der am obern Ende des Val Duana liegt, überlegte ich mir bereits, welchen Fluchtweg wir bei zunehmender Wetterverschlechterung einschlagen könnten: Wir müssten ins Val Maroz gelangen. Mit dem Kompass kamen wir aber gut durch, und bei P. 2576 wurde die Sicht etwas besser. So wagten wir es vorerst einmal, das gesteckte Ziel, den Pass da la Duana ( 2694 m ), anzugehen. Um halb i 1 Uhr standen wir dort oben und damit oberhalb des Bergells ( Val Bregaglia ). Zwar herrschte immer noch Nebeltreiben, aber ein gutmarkierter Pfad lud uns geradezu ein, noch nicht « schlapp » zu machen.

Mit der Überwindung des letzten Steilstückes liessen wir die Wolken hinter uns. Und damit hatten wir fast unvermittelt den Blick frei gegen die imposanten « Bergeller » mit der wohlbekannten Bondascagruppe und ihren himmelanstrebenden Gipfeln. Ungefähr bei P. 2363 kam uns ein schönes Plätzchen inmitten herrlicher Blumengrup-pen und mit einem sprudelnden Bächlein wie gewünscht, nun einen wohlverdienten Halt einzuschalten, bevor wir den noch langen und teilweise recht steilen Abstieg nach Soglio unter die Füsse nahmen. Nach den zuletzt durchwanderten eher wilden Regionen wechselten nun offene Weidhänge ab mit lichten Wäldern. Immer noch hatten wir das Panorama und die näherrückende Talsohle vor uns. Je tiefer man kommt, desto eindrücklicher wirkt die Steilheit der gegenüberliegenden Berge. Leider hatte ich mir die Abfahrtszeit des Postautos in Soglio ( 1090 m ) nicht vorgemerkt. So kamen wir ausgerechnet 1 o Minuten zu spät für den letzten Kurs! Wir hatten natürlich auch keine Zeit, uns die « Palazzi » der Salis-Soglio anzusehen, die aus dem 16. und ^.Jahr-hundert stammen sollen. Für uns galt es jetzt nur noch die Kastanienwälder ob Promontogno im Eiltempo hinter uns zu bringen. Das lohnte sich, denn so erreichten wir im Tal ( etwa 820 m ) den letzten Postkurs, der uns noch am gleichen Tag zurück nach Bivio brachte. Es war herrlich, im bequemen Car seine Beine zu strecken, den müden Rücken auszuruhen und so die Fahrt durchs Bergell zu den Oberengadiner Seen und weiter über den Julier zu geniessen. Ein besonders gutes Nachtessen bei « Papa Torriani » und eine erquickende Nachtruhe in Bivio liessen die Erinnerung an die Anstrengungen der Tour rasch verblassen.

Am andern Morgen hiess es diesen Stützpunkt endgültig verlassen. Es wurde halb t o Uhr, bis wir uns verabschiedeten. Erneut war der Stallerberg und damit der Übergang nach Juf unser erstes Ziel. Diesmal schalteten wir nur einen kurzen Halt ein, bevor wir ins Tal abstiegen. Inzwischen war ein Gewitter aufgezogen, während wir dem Averserrhein entlang nach Cresta marschierten. Hier bestiegen wir das Postauto.

Seit dieser Fahrt hat sich allerdings die Gegend ganz wesentlich geändert. Der Bau des grossen Stausees Lago di Lei, der - mit Ausnahme der Staumauer - auf italienischem Gebiet liegt, brachte neue Strassen und damit viel Autoverkehr ins Tal. Das Wasser dieses Stausees, der von der Kraftwerke Hinterrhein AG erstellt wurde, wird ein erstes Mal zwischen Inner- und Ausserferrera ausgenützt. Eine weitere Kraftzentrale steht beim heutigen Bärenburg, worauf das Wasser durch einen Druckstollen zum Betrieb des Werkes in Sils i. D. geleitet wird.

Wir mussten beim Zusammenfluss von Averser-und Hinterrhein in das Postauto nach Splügen umsteigen. So hatten wir vor der Weiterfahrt Gelegenheit, die damals noch wildromantische Roflaschlucht mit den tosenden Wassern zu besichtigen. Die Gegend von Rheinwald, die wir anschliessend durchfuhren, stand lange zur Diskussion wegen der Anlage eines grossen Stausees. Die Einwohner des Tales wehrten sich gegen dieses Projekt, wobei sie von vielen Sympathisanten aus der ganzen Schweiz unterstützt wurden. In der Folge liess man den Plan fallen. Jetzt liegt bei « Sufers » lediglich ein relativ kleines Staubecken von etwa 2,5 Kilometer Länge, das sehr gut in die Gegend passt. Es gehört ebenfalls der KWH AG. Ein Stollen führt zum Werk bei Innerferrera, womit auch eine Verbindung zum Lago di Lei hergestellt ist.

« Splügen » ( 1457 m ), das wir als neuen Stützpunkt gewählt hatten ( Stützpunkt = Nach- und Rückschub von Wäsche und Entgegennahme allenfalls dringender Nachrichten ), liegt an der Gabelung des Splügenpasses und des San Bernardino. Das Dorf war vor allem im Mittelalter ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aller Art. Noch steht dort das « Bodenhaus » - heute als Hotel -, in dem früher Berühmtheiten auf die Weiterfahrt ins Tal oder auch auf Pferde für den Ritt überdie Gebirgspässewarteten. Bei unserm Besuch wusste man, dass hiergrosseÄnderungen des Strassennetzes bevorstünden. Welches Ausmass alles annehmen würde, ahnte man aber noch kaum.

Unser nächstes Ziel war San Bernardino. Als wir am Dienstag bei schönstem Wetter dorthin aufbrachen, mussten wir vorerst der noch relativ schmalen Landstrasse nach Nufenen folgen; sie war fast unpassierbar für Fahrzeuge, da ganze Herden von heimkehrendem Sömmerungsvieh darauf unterwegs waren— und wir unserseits froh, als wir bei Medels die Strasse verlassen und auf die andere Seite des Hinterrheins und damit auf einen Fussweg wechseln konnten. Südlich von Nufenen, bei der Einmündung des Areuabaches in den Hinterrhein, trifft man mit dem von diesem Dorf herführenden Weg zusammen, der das Val Curciusa und dessen Alpen erschliesst. Wir begegneten unterwegs verschiedenen Bauern, die im Begriffe waren, ihr Sömmerungsvieh auf diesen Alpen abzuholen. Ob der « Käseteilet » vor- oder nachher stattfand, entzieht sich unserer Kenntnis.

Oberhalb der « Alp Roggio » galt es die Entscheidung zu treffen, ob wir die etwas weite Route über die Bocca di Curciusa oder die kürzere über den Passo Vignone einschlagen wollten, um nach San Bernardino zu gelangen. Schliesslich gaben wir der letzteren Variante den Vorzug.

Auf der Passhöhe ( 2373 m ) machten wir Mittagshalt. Ein uns bisher unbekannter Ausblick bot sich dar: im Westen die Zapportgruppe und das Rheinwaldhorn.

Der anschliessende Marsch durchs langgezogene, aber abwechslungsreiche Val Vignone nach San Bernardino ( 1608 m ) war problemlos. Wie schon oft unterwegs, wurden wir auch hier von kleinen Schmetterlingen, den Bläulingen, umgaukelt. Der Wanderer muss ständig auf der Hut sein, sie nicht zu zertreten, denn sie flattern vor seinen Schritten unentwegt von einer feuchten Stelle zur andern.

Auf die Empfehlung unseres Wirtes in Splügen fanden wir in San Bernardino gute Unterkunft. Vor dem Einnachten machten wir noch einen Bummel durchs Dorf und besichtigten bei dieser Gelegenheit die Rundkirche mit ihrem Kuppeldach. Von einem Strassentunnel - heute liegt am oberen Dorfrand dessen Südportal - war damals natürlich noch nichts zu sehen.

Wir beabsichtigten, anderntags über den Passo Passetti ins Calancatal zu wandern. Der Gastwirt riet uns zwar von dieser Tour eher ab, weil die Hänge jenseits der Passhöhe und dementsprechend auch die Wege sehr unter den Lawinenniedergängen gelitten hätten. Doch wir beharrten auf unserm Plan.

Bald nachdem wir am i 1. Tag unserer Wanderung das Dorf verlassen hatten, empfing uns ein herrlicher Bergwald. Wir folgten dem Weg Richtung « Alpe Ocola », um von dort über Grashänge zur Passhöhe anzusteigen. Eine aufsässige Kuh zwang uns dabei zu einem kleinen Umweg; sie versperrte uns ausgerechnet an einem « Engpass » den Durchgang - und als die Gescheiteren gaben wir eben nach...

Beim Bergseelein ennet dem höchsten Punkt ( 2o8i m ) gab 's eine kurze Rast; denn wiederum standen wir vor einer uns bisher unbekannten Gegend. Beim Abstieg zeigte es sich dann nur zu bald, dass der Wirt mit seinen Warnungen nicht übertrieben hatte, erlebten wir doch einiges an « Unvorhergesehenem »! In der Enge des Val de Passetti lagen noch Unmassen von Lawinenschnee, aus dem da und dort Baumwurzeln hervorlugten. Der Humus an den Hängen war über beträchtliche Strecken gleichsam abgeschält; blanker Fels trat zutage. Bäume und Sträucher lagen drunter und drüber und mussten von uns überstiegen oder unterkrochen werden. Erst bei der « Alp Alögna » ( 1451 m ) entrannen wir dem Wirrwarr und standen gleichzeitig an der Calancasca. Nun durften wir uns getrost ausruhen, denn bis nach Rossa, wo wir das Postauto zu besteigen beabsichtigten, war der Marsch auf dem Alpweg über die restlichen etwas mehr als 6 Kilometer zweifellos kein Problem. Und so war 's auch.

In Rossa ( 1071 m ) erfuhren wir zu unserem Erstaunen, dass die Strasse durchs Calancatal infolge Überschwemmungen für alle Fahrzeuge, also auch für das Postauto, grösstenteils unpassierbar sei. Deshalb entschlossen wir uns, in der heimeligen Herberge zu übernachten - und hatten es auch nicht zu bereuen. Als einzige Gäste sassen wir bis spät in die Nacht hinein mit dem Wirt zusammen und erfuhren von den Schwierigkeiten, mit denen die Bevölkerung in diesem abgeschiedenen Tal zu kämpfen hatte, von der Abwanderung der jungen Leute, von wirtschaftlichen Nöten und vielen andern Problemen.

Trotz spätem Lichterlöschen war am Donnerstag schon um 5 Uhr Tagwache. Die Talbewohner waren übereingekommen, für die Beförderung der Güter eine Art Stafette zu organisieren. Unser Wirt war als erster beauftragt und konnte sein Auto benützen - und wir benützten die Gelegenheit zum Mitfahren! Zuerst schien uns, mit der Schilderung der Wasserschäden sei arg übertrieben worden; je weiter wir aber gegen das Mesolcina kamen, desto schlimmer sah es aus. Immer mehr Bäche hatten von beiden Hängen nicht nur Wasser, sondern Geröll, Erde und Bäume ins Tal getragen. Bald mussten wir — immer noch in Begleitung unseres Gastgebers — zu Fuss weiter und sehen, wie wir am besten durch das Chaos kamen. Zur Abwechslung lud uns dann ein Stück weit ein Camion auf, darauf ging 's wieder per pedes weiter, wobei die Begleiter wechselten, die den Botendienst besorgten. Und allenthalben stiessen wir auf Autos, die im Schlamm steckengeblieben oder gar schwer beschädigt waren. Garageausfahrten endigten im neugebildeten Bachbett, abgebrochene Telefonstangen hingen an den Drähten, halbe Häuser standen am Weg; von einer Sägerei war nur noch ein Gewirr von Eisen zu sehen. Und dies alles, obschon das Militär schon seit Tagen mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt gewesen war. Steinbrüche waren stillgelegt, weil die Arbeiter ebenfalls mithelfen mussten. Mehr als drei Stunden waren wir unterwegs, bis wir unterhalb der ersten grösseren Ortschaft des Tales, in Molina, ein Postauto besteigen konnten, das uns nach Grono brachte. Nach längerer Wartezeit konnten wir von dort mit der Bahn nach Mesocco und anschliessend mit dem Postkurs nach Splügen weiter, wo wir gegen 16 Uhr — mit einem Tag Verspätung auf die Marschtabelle - eintrafen.

Anderntags brachen wir kurz nach 6 Uhr zu einer Fusstour auf, in der Absicht, das Bärenhorn zu besteigen und von dort ins Safiental hinüber zu gelangen. Der steile Aufstieg zur Stutzalp ( 2018 m ) erschien uns weit weniger beschwerlich, als wir ihn von einer Skitour in Erinnerung hatten. Zusammen mit einem alten Hirten, der sich gerade auf die Suche nach drei vermissten Rindern begab, wanderten wir weiter. Er vermutete die Tiere irgendwo am Safienberg, und wir freuten uns über die Gesellschaft dieses Mannes, der uns viel aus seinem Leben erzählte. Er strahlte eine wohltuende Abgeklärtheit aus, die er sich im Laufe seines jahrelangen Aufenthaltes - im Sommer stets allein - auf den Alpen erworben haben musste. Den Winter verbrachte er jeweils am Heinzenberg, seiner Heimat. Er gestand uns, dass er trotz seines vorgerückten Alters und der AHV-Rente sich noch nicht entschliessen könne, das ganze Jahr über sesshaft zu bleiben. Während unserer Unterhaltung suchten wir immer wieder die Hänge mit dem Feldstecher nach den abhanden gekommenen Rindern ab. Schliesslich entdeckten wir sie im Steilhang des Schollenhorns, also gerade gegenüber dem Safienberg! Bevor sich unser Begleiter zu den Tieren begab, luden wir ihn ein, mit uns zu essen, hatte er doch in der Eile keinen Proviant mitgenommen. Den Durst löschte er aber mit Wasser, das er mit seinem Hut aus dem Bach schöpfte... Geradezu ungern verabschiedeten wir uns von unserm liebgewonnenen Begleiter.

Für uns galt es nun die letzten 300 Meter zum Safienberg ( 2486 m ) zu überwinden, doch konnten wir uns der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr zur Gipfelbesteigung entschliessen. Statt dessen liessen wir unsere Blicke über das langgezogene Safiental und die beidseitigen Berghänge schweifen, da wir gleichzeitig immer wieder auf der Suche nach Ideen für weitere Wanderungen sind. Während dieser Rast begann es fast unvermittelt zu nieseln, was uns bewog, den Halt abzubrechen, um auf steilem Zickzackweg ins Safiental und damit ans Ufer der Rabiusa zu gelangen. Der beim « Bodenälpli » von rechts aus dem Hölltobel einmündende Bach hatte hier mit viel Geschiebe einen eigentlichen Morast gebildet, so dass wir auf « Schleichwegen » diese Stelle möglichst ungeschoren hinter uns zu bringen versuchten. Dann war es nicht mehr weit bis zum Berghaus « Turahus » ( 1694 m ). Die paar Häuser gehören zu Thalkirch, und dieser Weiler seinerseits ist die oberste Siedlung, die zum Dorf Safien gehört. Die Gemeinde Safien setzt sich nämlich aus einer grösseren Zahl von Weilern zusammen; sie erstreckt sich über ein gutes Dutzend Kilometer durchs Tal, das zum Bündner Oberland zählt.

Unweit oberhalb Turahus befindet sich heute ein kleines Staubecken, dessen Wasser durch einen Stollen im Heinzenberg zur Zentrale Rothenbrunnen geleitet wird. Dieses Becken korrespondiert überdies mit dem Zervreila-Stausee.

Leider standen wir nun am Samstag vor der letzten Etappe unserer Zigeunerfahrt. Und wieder ging 's frühzeitig auf die Walz. Obwohl die Wetteraussichten am Vorabend nicht gerade rosig gewesen waren, konnten wir unter blauem Himmel dem endgültigen Wanderziel, nämlich Vals, zustreben. Den dem Gelände vorteilhaft angepassten Weg zum Tomülpass ( 2412 m ) legten wir in knapp zwei Stunden zurück. Auf der Passhöhe weist ein Gedenkstein darauf hin, dass der Pfad von polnischen Internierten angelegt worden ist. Der Schnee war hier offenbar noch gar nichtlangegeschmolzen, denn wir befanden uns inmitten von Frühlingsblumen und Alpenrosen, die dazu beitrugen, uns den Abschied von den geliebten Bergeshöhen gleichzeitig zu verschönern und zu erschweren. Wir erklommen noch P. 2527 nördlich der Passhöhe, verzehrten unsern letzten Proviant und liessen die Bergdohlen daran teilhaben.

Es folgte der Abstieg nach Vals, der uns noch eine kleine Überraschung bereithielt. Bei der « Alp Tomül » mussten wir eine riesige Viehherde durchqueren — ein Senn sprach von mehr als 400 Tieren -, wobei die Viecher uns offenbar nur ungern passieren lassen wollten. Wir glaubten uns bereits in Sicherheit, als sich plötzlich fünf Tiere vom Rande der Herde lösten und in gestrecktem Galopp und mit gestellten Schwänzen auf uns zu jagten. Glücklicherweise befanden wir uns unmittelbar vor einem Brücklein, das allerdings durch ein Gatter abgesperrt war. Wir retteten uns vor der Gefahr des Überranntwerdens durch einen Sprung, wie ihn weiland Teil vom Schiff aus an Land getan hat - nur kamen wir nicht ganz ans sichere Ufer, sondern, des Gatters wegen, nur zum Stand ausserhalb des Geländers, so dass wir nach dem Schrecken noch darüberklettern mussten. Die fünf Verfolger aber muhten uns aufsässig nach. ( War das etwa gelacht ?) Um uns von dem unliebsamen Abenteuer zu erholen, brauten wir uns bei nächster Gelegenheit den letzten Kaffee dieser Reise, bevor wir die restliche Strecke in einem Endspurt nach Vals Platz ( 1252 m ) zurücklegten.

In diesem Dorf, einer ehemaligen Kolonie der Walser, konnten wir auch noch einen Teil der Folgen des Lawinenwinters feststellen; die Schneemassen hatten denn auch hier 19 Todesopfer gefordert. Vals hat seinen Charakter seit unserm damaligen Besuch natürlich gewaltig geändert, was teilweise auf die Anlage des Stausees von Zervreila, der heute auf einer gut ausgebauten Strasse erreicht wird, teils aber auch auf den Ausbau der Heilbäder, die allerdings bereits in alter Zeit bekannt waren, zurückzuführen ist. Letztere haben dem Fremdenverkehr einen gewaltigen Auftrieb gegeben.

Uns verblieben noch die Fahrt mit dem Postauto durchs Valser Tal nach Ilanz, der ersten Stadt am Rhein, und die Heimreise mit der Rhätischen Bahn nach Chur und dann mit der SBB ins Unterland... in den Alltag.

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