Aus dem Excursionsgebiet der Jahre 1878 und 1879

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Dr. J. M. Ludwig in Pontresina.

Aus dem Excursionsgebiet der Jahre 1878 und 1879 Von Man hatte sich im Engadin gefreut, dass der S.A.C. einmal die höchsten Spitzen und grössten Gletscher Graubündens zu seinem Excursionsgebiet gewählt und nach so langem Warten auch in die vielbegangene Berninagruppe zwei Schirmhütten gesetzt. Jetzt, nachdem schon eines der beiden Excursions'ahre vorüber, fragt man sich gegenseitig: wo sind denn die Clubisten gewesen? Wenn auch das — gelinde gesagt —unfreund-liche Wetter, der allgemeine Ueberfluss an Mangel, die weite Reise nach dem Engadin und Anderes dazu beigetragen haben, dass unsere Miteidgenossen im Verhältniss zu fremden Gästen und frühern Jahren sich seltener zeigten, so sind wir doch mit all diesen Erklärungen nicht zufrieden und werden nächsten Sommer mit dem Horn der Neuen Alpenpost zu einem gemeinschaftlichen Ausflug des S.A.C. ( wahrscheinlich auf den Piz Corvatsch ) Sammlung blasen.

Im Clubbuch möchten wir auf Einiges aufmerksam machen, was in der Oberengadiner Literatur noch keine-Erwähnung gefunden hat.

Es sind vor Allem vier sehr hübsche und dennoch fast ganz vernachlässigte Kletterpartieen. Sie sind all& kurz und nicht weit von den Ortschaften entfernt, erfordern daher keine Strapazen und können noch in frischer Morgenluft ohne vorausgegangene Ermüdung gemacht werden. Mit einem kräftigen Führer und einem zuverlässigen Seil kann auch der Lehrling nicht in Gefahr kommen. Dem Geübten gewähren diese Klettereien im reinen Aether viel Vergnügen und dem Ungeübten sind sie die beste Vorbereitung für höhere Pläne.

1. Der Paun* ) Zücher ( Zuckerhut ) ist ein gut getaufter Kopf am Munt Albris, steht zwischen Piz Languard und dem Morteratschgletscher und gewährt auf den letztern und die Grossen, die diesen umstehen, einen herrlichen Blick. Er kann von Pontresina in ungefähr 31k St. erstiegen werden Man geht hinauf zur Alp Languard und gelangt von dort entweder durch das Languardthal oder dem Grat entlang und über das Paradies zum Kegel. Dieser kann von allen Seiten, am leichtesten von der nordwestlichen, bestiegen werden. Die Kletterei dauert bloss eine halbe Stunde. Der sehr steile Abstieg gerade hinunter nach der Berninastrasse ( iVa St. ) macht den Rückweg um ein Gutes interessanter.

2. Las Sruors oder Sours ( die Schwestern ). WennSprich „ Päm ", die Silbe „ ann " wird im Romanischen immer wie „ am " gesprochen.

man auf der offenen Strasse zwischen Ober- und Unter-Pontresina steht und dem Rosegthal den Rücken zukehrt, so sieht man hoch oben auf dem Languardstock zwei kahle, schroffe Felszacken, die Sruors, links von diesen den Steinmann des weidereichen Munt della Bês-cha ( Schafberg ) und rechts den viel höhern, breiten Piz Muragl ( Muraigl ).

Man kann jede dieser Spitzen für sich und zwar nach Belieben von Osten oder Westen her erklimmen. Dazu braucht man hinauf etwa 3x/2, hinunter etwa 2 Stunden. Dr. Aug. Stadler aus Zürich und ich bestiegen am 29. September vorigen Jahres mit dem Führer B. Cadonau alle Spitzen und brauchten dazu mit Einschluss der Ruhezeit gerade 12 Stunden. Mehr Genuss hat man, wenn man zwei Tage dazu nimmt, einen für den Muragl ( s. unten ) und einen zweiten für die übrigen Spitzen.

Für die Abtheilung Sruors und Munt della Bês-cha empfehle ich folgenden Weg: Fussweg am Schafberg bis über die Waldesgrenze, dann gerade bergan durch eine grüne Runse, am obern Ende derselben rechts unter den Felsen der Sruors hin durch steile Schutthalden und dann hinauf auf den Grat zwischen der östlichen Schwester und dem Muragl. Der Grat ( Gneiss ) trennt das Pontresinerthal von der Val Muragl. Die Kletterei bis auf die Spitze der Schwester dauert eine kleine halbe Stunde.

Auf der Spitze geniessen wir ein wundervolles Bild; es ist die beste und vollständigste Ansicht der Berninagruppe, die es überhaupt gibt: sämmtliche Spitzen vom Berninapass bis zum Chapütschin, mit Einschluss aller Vorberge und der ihrer ganzen Länge nach offenen Thäler Morteratsch und Roseg, strahlen in voller Herrlichkeit vor unsern Blicken. Zu unsern Füssen liegt Pontresina und weiter gen Westen der reizende Oberengadiner Thalgrund mit seinen Seen, Arven und hübschen Ortschaften.

Die Fernsicht ist unbedeutend; wir sind ja nicht ganz 3000 m hoch.

Der westliche Abstieg ist leicht, dagegen der Aufstieg auf die zweite Schwester steil; in höchstens 1 x/2 Stunden ist diese erreicht. Zu unserem Erstaunen finden wir jetzt noch eine dritte Schwester, die man von Pontresina aus kaum bemerkt, weil sie schamhaft gegen das Muraglthal zurücksteht. Wegen dieser neuen Entdeckung taufte man die mittlere der drei Spitzen letztes Jahr « das Brüderchen ». Es ist wohl besser, diese neue Bezeichnung fallen zu lassen. Der Name « Schwestern » ist für die beiden von Pontresina aus leicht sichtbaren Zacken sehr gut und erleidet auch keine Aenderung, wenn man oben eine dritte findet. Das Besteigen dreier Schwestern klingt auch poetischer als das zweier Schwestern und eines Bruders.

Also vorwärts, auf die dritte Schwester! Nur ein kurzer Felsgrat trennt uns von ihr. Haben wir diesen hinter uns, so hört das Gehen auf allen Vieren auf und wir können den Rückweg nach Pontresina via Schafberg würdevoll im aufrechten Gang vollenden, wie es den Herren der Schöpfung geziemt.

Die von Pontresina so leicht ohne Führer und Seil zu erreichende westlichste Schwester gewährt einen Anblick der Berninagruppe, der demjenigen auf der östlichsten Schwester nur wenig nachsteht; man muss sich daher nur wundern, dass sie bis jetzt so sehr vernachlässigt wurde.

3. Piz Muragl ( sprich Murâllj ). Der Aufstieg bis auf den Grat ist der gleiche, den wir in der vorigen Tour beschrieben. Vom Grat, dem Muragl und den Sruors eingefasst liegt eine grosse, von losem Geröll bedeckte Vertiefung, die auf der Karte und im Munde des Volkes Foura dell' And' Ursina heisst. Dieser Name hat folgenden Ursprung: die Tante Ursina selig war die wetterkundigste Pontresinerin ihrer Zeit; ihre Prophezeiungen gründete sie hauptsächlich darauf, ob im « Loch », wie sie jene Vertiefung nannte, Nebel lagerten oder nicht; daher die fast zu kunstlose Verewigung.

Um zu dem stattlichen Steinmann des Muragl zu kommen, steigen wir erst über den Grat, dann über die gegen Pontresina gewendete Fläche des Berges hinauf. Wir finden dabei keine grossen Schwierigkeiten, können aber auch solche haben, wenn wir trotzig bis oben dem Grat folgen.

Die Aussicht vom Muragl auf die Berninagruppe ist schön, jedoch bei Weitem nicht so vollständig wie auf den Sruors. Dagegen hat sich in der Ferne ein Kranz von Bergen an den andern gereiht, und wir werden lebhaft daran erinnert, dass wir in der Nähe des Lungo Guardo, des weithin über die Erde schauenden Languard stehen.

Von der Spitze kann man entweder durch eine Runse hinunter gegen die Alp Languard steigen, oder aber die Kletterei auf dem zum Theil sehr scharfen Kamm gegen den Kegel des Piz Languard hin fortsetzen.

Die Besteigung des Muragl, von Pontresina bis zum Steinmann, erfordert etwa 4 Stunden.

4. Piz da trais Fluors ( Drei Blumen-Spitze ). Vor dem schönen Granitkegel des Piz Ot erhebt sich über Samaden ein breiter Kalkberg, Piz Padella* ). Zwischen diesem und Piz Ot liegt ein Thal, das gegen SW von einem Dolomitkamm abgegrenzt wird, aus welchem drei schroffe Zacken kahl in die Lüfte starren. Man sieht sie von Pontresina aus als unscheinbare Grossen links neben der Padella; etwas mehr imponiren sie von Celerina aus gesehen.

Dr. Stadler und ich bestiegen mit dem Führer B. Cadonau die Fluors am 19. September des vorigen Jahres. Es wäre uns wahrscheinlich gar nicht in den Sinn gekommen, diese unbedeutenden Zacken zu besteigen, hätte sie nicht der Reiz der Jungfräulichkeit umgeben. Zudem wussten wir, dass nicht sehr lange vorher ein erfolgloser Versuch gemacht worden war.

Niemand lässt sich gerne auslachen; um diese Strafe für jeden Fall von uns fern zu halten, gaben wir in Pontresina an, wir gehen auf den Piz Ot. Um unsere Absicht möglichst zu verbergen, luden wir noch Freund W. ein, mitzukommen; er hatte nämlich schon längst seine Sehnsucht nach dem Piz Ot kund gegeben und Leute gesucht, welche die Tour mitmachen würden.

Wir wählten den Weg über Celerina und erreichten von dort durch die hübsch abwechselnden Scenen derPatella heisst im Lateinischen Kniescheibe.

Val Saluver und über deren nördliche Einfassung den Grat zwischen der östlichsten Blume und der Padella in 3112 Stunden. W. erklärte sich in liebenswürdigster Weise bereit, während unseres « kleinen Abstechers » unten am Blumentopf zu warten. Wir fanden die ganze Kletterei bei weitem nicht so schwierig, als wir sie uns vorgestellt hatten. Die erste Blume erstiegen wir über deren östliche Kante in einer halben Stunde. Die Stelle, die am meisten Vorsicht erheischt, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Spitze; man muss sich dort vom Grat auf die südliche Seite begeben.

Der westliche Abfall sah so jäh und glatt aus, dass wir es vorzogen, den gleichen Weg, den wir gekommen, zurückzugehen, auf der Südseite die Schutthalde zu traversiren und im Einschnitt zwischen der östlichsten und der mittleren Blume wieder den Grat zu erreichen. Von dort wurde die zweite Blume im Sturm genommen, nicht längs dem Grat, sondern auf dem südlichen Abhang des Kegels. Von der ersten zur zweiten Blume brauchten wir lx/2 Stunden.

Die mittlere Blume hat eine vierzackige Krone; ich setzte mich mit all meinem Hochmuth rittlings auf das höchste Kronenblatt; der jungfräuliche Sattel wackelte aber so bedenklich, dass ich absprang und ihn von seinem erhabenen Sitz hinunterstürzte.

« Und hurtig, mit Donnergepolter entrollte das tückische Felsstück. » Wir kletterten dann zwischen den übrigen Zacken durch und gelangten rechts ( NO-Seite ) von der letzten hinunter in den Einschnitt zwischen der mittlern und der westlichsten Blume; diese wurde durch ein enges Kamin, in welchem fest eingekeilte Steine gute Dienste leisteten, in einer halben Stunde ebenfalls erklommen. Natürlich pflanzten wir überall Steinmännchen auf und liessen unsere Visitenkarten zurück.

Der Abstieg von der letzten Blume erforderte noch eine kurze, aber hübsche Kletterei; dann eilten wir zu unserm verlassenen W., um uns wegen des unerwartet langen Ausbleibens zu entschuldigen. Obgleich es erst halb 1 Uhr war, gaben wir doch den Piz Ot auf, weil wir noch einige Stunden durch ziemlich hohen, frischen Schnee hätten waten müssen. Um jedoch Herrn W. nicht unbefriedigt heimkehren zu lassen, schlugen wir den Rückweg über den Piz Padella ein, der eine wundervolle Thalaussicht gewährt. Man sieht den grössten Theil der Oberengadiner Seen und von St. Moritz bis Scanfs alle Ortschaften. Besonders schön liegt das Pontresiner-thal mit dem Berninapass da. Die Berninagruppe, zumal deren höchster Theil, vom Piz Roseg bis zum Piz Ber- nina, nimmt sich wunderschön aus.

Die Trais Fluors haben durchaus keine lohnende Aussicht; ihre Ersteigung gehört daher gänzlich zum Sport. Nachfolgern empfehlen wir, die Besteigung in entgegengesetzter Richtung, d.h. von Westen nach Osten zu machen; es wird dann möglich sein, die östlichste Blume ohne Umweg zu erklimmen und die aussichtsreiche Padella direct in den Rückweg einzuschalten. Als Ausgangspunkt hat Samaden vor Celerina den Vortheil, dass sein Fuss- und Reitweg auf den Piz Ot nahe an den Fluors vorbeiführt. Dagegen ist der Aufstieg durch die Val Saluver interessanter und abwechselnder. Nicht weniger als 19 Quermauern ( Thalsperren ) halten das Geschiebe des Baches vom bedrohten Dorf zurück und hinten im Thal grünt eine der bestgepflegten Alpen des Oberengadins.

Auf dem sehr guten Fussweg von der Padella hinunter nach Samaden wurde unsere Aufmerksamkeit von den Füssen auf die Hände und — die Hosen abgelenkt, die vom scharfkantigen Dolomit der Trais Fluors viel zu leiden hatten.

Je mehr wir uns der Hauptstadt Samaden näherten, desto fester wurde in uns die Ueberzeugung, dass Nadel und Faden nothwendige Ausrüstungsgegenstände eines Touristen seien. Den Einzug in Samaden bewerkstelligten wir ganz militärisch, in festgeschlossenem Carré mit sorgfältiger Flankendeckung.

Neue Hochtouren sind im Excursionsgebiete während des letzten Jahres meines Wissens folgende gemacht worden.

Piz Bernina vom Rosegthal aus, von Dr. P. Güssfeldt mit den Führern Hans Grass und Gian Gross; die östlichste ( kleinste ) Rosegspitze, von Prof. B. Minnigerode mit dem Führer Hans Grass; Piz Roseg, direct vom Sellagletscher, statt wie bisher über die Schneekuppe, von B. Wainewright mit den Führern Christ. Grass und Christ, de Chr. Grass ( Vater und Sohn ).

Diese drei Touren sind schon anderswo beschrieben; eine vierte machte ich am 7. October: alle drei Rosegspitzen an einem Tage; neu war dabei der Grat zwischen der höchsten und östlichsten Spitze, sowie der Abstieg von der letztern hinunter auf den Scerscengletscher.

Mein Führer war Hans Grass; wir luden auch die andern Führer, welche den Roseg noch nicht bestiegen hatten, ein; es kamen jedoch nur zwei: Benedict Cadonau und Hans de Christ. Grass.

Wir übernachteten in der neuen Klubhütte Mortel ( sprich Mortel ), brachen dort Morgens 2 Uhr 25 Min. auf, frühstückten von 5 Uhr 50 Min. bis 6 Uhr 20 Min. am Fuss jener Eiswand, die vom Kosegfirn auf den Sellagletscher herunterhängt, erreichten über diese Eiswand hinauf in Stufen um 7 Uhr 40 Min. den breiten, bequemen Grat ( 10 Minuten Pause ), punkt 9 Uhr die erste Rosegspitze, die sog. Schneekuppe, und um 9 Uhr 30 Min. den tiefsten Punkt in dem scharfkantigen Einschnitt zwischen der Schneekuppe und der höchsten Spitze. Hier machten wir einen Halt von 5 Minuten und stärkten uns in üblicher, erprobter Weise. Hans nannte uns mehr als einen « Rosegbesteiger », der hier angesichts des steilen, schmalen Firngrats ganze Wendung machte, dann schwang er sein Beil, sagte zu den beiden andern Führern: « Jetz passend uf, Buaba » und schlug so bequeme Stufen, dass wir ihm guten Muthes folgten. Um 10 Uhr 6 Min standen wir zum ersten, Hans zum 17. Male auf der höchsten Spitze, 3943 m über dem Meere.

An einem ganz schönen Tage muss die Aussicht entzückend sein; der Westen war für uns zum grössten Theil verhüllt; im Süden erfüllten dichte Nebelhaufen die Thäler, und die Sonne traf mit ihrem Glänze nur die Spitzen der vielen Berge. Der Osten war wunder- voll klar. Das Schönste aber, wie bei allen hohen Besteigungen, war unsere nächste Umgebung, die ein schauerlich schönes Zeugniss von den gestaltenden und zerstörenden Kräften der Natur ablegte.

Wir blieben bloss 24 Minuten auf der Spitze; es war sehr kalt und wir hatten von jetzt an jungfräulichen Firn und Felsen vor uns. Um 10 Uhr 30 Min. brachen wir also auf und erreichten die östlichste Spitze um 11 Uhr 35 Min. Der zwischenliegende Firngrat ist nur zwei- oder dreimal kurz von höchst willkommenen Felsen unterbrochen und erfordert an einigen Stellen wegen seiner Steilheit grosse Vorsicht. In der Nähe der östlichsten Spitze begaben wir uns auf die italienische Seite des Berges, durchschnitten eine kurze, sehr abschüssige Eiswand und nahmen dann den Kegel selbst über das kleine, aber steile Schneeband ein, das die Spitze mit dem Hauptgrat verbindet.

Nach bloss 10 Minuten Aufenthalt auf der östlichsten Spitze begannen wir den Abstieg. Wir hätten den gleichen Weg einschlagen können, den Hans mit Minnigerode von und nach dem Sellapass ausgefunden; da wir jedoch beabsichtigten, über die Fuorcla Crast'aguzza nach Boval zu gehen, wählten wir die kürzeste Richtung hinunter nach dem Scerscengletscher. Um 11 Uhr 45 Min. begannen wir den Abstieg, der mit Felsen und verrätherisch überschneiten Eisabhängen abwechselte und nur in seiner halsbrechenden Steilheit beständig war.

Um 1 Uhr'30 Min. war der Scerscengletscher glücklich erreicht; aber auf der Fuorcla Crast'aguzza jagten so dichte Nebel, dass wir es vorzogen, über den Sellapass heimzukehren. Um 3 Uhr waren wir auf dem Pass, ruhten und zechten eine halbe Stunde, um 4 Uhr 30 Min. verliessen wir den Gletscher, machten abermals eine halbe Stunde Pause und Toilette, und um 6 Uhr 50 Min. verkündigte das von allen Bergen wiederhallende, in Pontresina wohlbekannte Jauchzen Cadonau's unsern Freunden die glückliche Kückkehr.

Der folgende Tag Schloss mit Sturm, Regen und Schnee die so unfreundliche Touristensaison um mehrere Wochen früher ab, als es andere Jahre der Fall war. Dass anderes Wetter im Anzug sei, wurde uns schon auf dem Roseg in sehr empfindlicher Weise angezeigt. Ein wüthender Wind, der trotz seiner südlichen Herkunft beissend kalt war und uns nirgends längern Aufenthalt gestattete, blies uns beinahe von den hohen Kämmen weg. Er löschte schon früh am Morgen unsere Kerzen in den Flaschen; aber Hans führte trotz dunkler Nacht so famos, dass wir auf der Rückkehr unsere Morgenspur als die beste Linie wieder benützten. Während der ganzen Tour bewies Hans Grass, was er schon so oft bewiesen, dass er ein tadelloser Führer ist. Auch die beiden Andern, Cadonau und der junge Hans de Christ. Grass, verdienen für ihr Verhalten alle Anerkennung.

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