B. Protokoll der XX. Generalversammlung

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der

der

XX. Generalversammlung des S.A.C.

am 26. August 1883 im Großrathssaale in Bern.

Präsident: Herr Rudolf Lindt.

Herr Festpräsident Lindt eröffnet die Sitzung mit einer warmen Begrüßung aller Anwesenden und beschreibt in seiner Eröffnungsrede die geschichtliche Entwicklung der Alpentouren und ganz besonders der Schulerreisen. Die höchst interessante und anregende Rede des Herrn Festpräsidenten, die in diesem Jahrbuch, pag. 356 u. ff. abgedruckt ist, wird durch lebhaften Beifall verdankt.

Herr Professor Rambert, Präsident des Central-Comités, gedenkt in seinem Berichte in warmen Worten der Verluste, welche der S.A.C. durch den Hinscheid der Herren Professor Peter Merian in Basel, Hauser, Advocat in Glarus, Javelle, Professor in Vevey, erlitten hat, und spricht sein Bedauern aus, der Mitwirkung des Herrn Béraneck im Central-Comité durch Abreise verlustig geworden zu sein.

Die Jahresrechnung läßt sich folgendermaßen aufstellen:

Einnahmen... Fr. 16,572. 81 Ausgaben... „ 14,725. 81 Saldo Fr. 1^847. Sämmtliche Rechnungen sind auf Antrag der Revisoren genehmigt worden.

Mit allgemeiner Zustimmung wird die Mittheilung begrüßt, daß die Section Gotthard sich bereit erklärt hat, das Jahresfest für 1884 mit Herrn Ständerath Muheim als Festpräsident zu übernehmen.

Weitere in der Delegirtenversammlung zur Behandlung gekommene Fragen werden, da kein Widerspruch erfolgt, als genehmigt betrachtet.

Die Betheiligung des S.A.C. an der Landesausstellung in Zürich hat das Central-Comité in außerordentlicher Weise in Anspruch genommen. Durch die Vereinigung der Forst- und Jagdabtheilung erwuchsen Schwierigkeiten, welche den öfters in 's gleiche Gebiet fallenden Ausstellungsgegenständen zuzuschreiben sind. Auch die Kunsthalle war ein gefährlicher Concurrent. Trotz aller ungünstigen Umstände ist es dem Central-Comité dennoch gelungen, durch Vereinigung von Kunst und Wissenschaft ein klares Bild der Alpen-Erforschung den zahlreichen Besuchern der Ausstellung vor Augen zu führen.

Herr Festpräsident Lindt verdankt auf das Wärmste Namens der Versammlung den inhaltreichen und ausführlichen Bericht des Herrn Centralpräsidenten Rambert.

Vortrag des Herrn Professor Bachmann.

Die Bodenverhältnisse Berns. Die Terrassenbildung, als jüngste geologische Veränderung unserer Umgebung, ist wohl am besten mit den Rückzugserscheinungen der Gletscher der Eiszeit in Zusammenhang zu bringen.

Jeweilen entstehende Endmoränen stauten das Wasser der rückwärts versetzten Aarequellen und verschafften den reichen Geschiebsmassen neue Ablagerungsplätze. ( Belpsee, Thunersee. ) Dadurch erhielt die Aare eine größere lebendige Kraft zur wiederholten Tieferlegung des Bettes.

Diese jüngere Thalerosion hat ausschließlich Gletscherschutt abrasirt und verebnet. Für die betreffenden Gegenden ist also jeweilen die Vergletscherung vorausgegangen.

An der Hand einer größern, die Ausbreitung der verschiedenen Alpengletscher illustrirenden Schweizerkarte werden namentlich die Grenzverhältnisse zwischen Aare- und Rhonegletscher erörtert, als deren Kampfgebiet die Gegend von Bern und selbst das Emmenthal erscheinen. Es wird auseinandergesetzt, daß die Eismassen des Rhonegletschers länger in unserer Umgebung aushielten als der Aaregletscher. Als letzterer bereits bis südlich von Bern sich zurückgezogen, dauerten Partien des ersteren nördlich und nordöstlich von Bern gegen Bolligen aus und gaben zu jüngeren Moränen und Verschwemmungsproducten Veranlassung, welche die frühem des Aaregletschers bedecken oder sich doch an dieselben anlehnen müssen. Aus dem weit verbreiteten Vorkommen unzweifelhafter, zum Theil großer Blöcke, Wallisergesteine im Emmenthal, von Sinneringen, Großhöchstetten bis Eggiwyl, Langnau, Sumiswald und Huttwyl, wird geschlossen, daß zur Zeit der ausgedehntesten Vergletscherung der Aaregletscher ganz auf die Seite geschoben wurde und die Südostgrenze des viel mächtigeren Rhonegletschers sich vom Gurnigel der Kante des Kurzen-bergs entlang über vorgenannte Punkte gezogen habe. Später während des Abschmelzens wurden dieselben Gebiete großentheils vom Aaregletscher und dessen Ablagerungen bedeckt; die für den Rhonegletscher bisher angenommene Grenze vom Gurnigel über Bütschel- eck, Längenberg, Köniz und Grauholz entspricht nur einer Phase des Rückzugs.

Die Moränen und Terrassen sind von großem Einfluß auf die Configuration und Culturfähigkeit des Landes. Auffallend ist aber auch noch die Erscheinung, daß die Höhen des Bucheggbergs, Frienisbergs, Bantigers und auch des Massivs des Napfs an den einen Abhängen, erstere gegen den Jura, die beiden letztem gegen Westen und Südwesten, viel stärker erodirt und von Gräben und Schluchten angenagt sind, als auf den gegenüberliegenden Flanken. Es wird dieser Zustand in Verbindung gebracht mit der altern Thalauswaschung, die selbstverständlich rückwärts schreitend stattgefunden. Um den Betrag der unabsehbaren Zeitdifferenz zwischen der Erosion des weiten Aarethaies unterhalb der Einmündung der Saane und oberhalb derselben fand die seitliche Erosion mehr Gelegenheit zur Thätigkeit und mußte darum auch um so bedeutendere Spuren zurücklassen. Am Napf und Rämisgrat erklärt sich die Erscheinung aus der größern Wassermenge der Groß-Emme und ihrer zahlreichen Zuflüsse, verglichen mit der kleinen Emme.

Mit Benützung der im Saale aufgehängten Dufourkarte mit ihrem herrlichen Relief wurde weiter erläutert, daß in Folge der angedeuteten Auswaschungen jetzige sog. geographische Einheiten, wie z.B. Napf und Brienzergräte, keineswegs geologische Einheiten seien. Nach dieser Abstraction wird das weite Thal zwischen Alpen und Jura als Bildungsraum der tertiären Molasse und Nagelfluh markirt. Beide Gebirgszüge, wie auch das Mittelland, lagen zu jener längst entschwundenen Zeit bedeutend tiefer. " In der Mulde, welche das letztere darstellte, konnten zeitweise ausgedehnte Süßwasserseen sich sammeln oder selbst Meeresarme Grund finden. Dieses helvetische Meer stellte eine Verbindung des mittelländischen und atlan- « 3Chronique.

tischen mit einem großen osteuropäischen Meere dar; von letzterem ist das heutige schwarze Meer noch ein Ueberrest. Diese Gewässer drangen in schon bestehende Jurathäler ein und gaben dort zu Sedimentbildungen Veranlassung. Die damaligen Alpen zogen sich dagegen als eine zusammenhängende Ufermasse hin, ja sie waren noch durch einen mächtigen Vorwall verstärkt. Nirgends dringt die Molasse in die heutiges Alpenthäler ein. Aber auch von jener Kette von Vorbergen existirt nur noch der Détritus. Die Axe derselben zog vom obern Ende des GenferseeB bis zu demselben des Bodensees. Es bestand aus sedimentären Kalk- und Schiefergesteinen aus buntem Gneiß, der von buntem Granit, Porphyr, Diallag-gabbro und goldführendem Quarz mannigfaltig durchsetzt war. Dieß ist das Stamm- oder Muttergebirge der Nagelfluh und Molasse. Damalige Flüsse und Ströme transportirten die verwitterten Gesteine und lagerten sie deltaförmig in der Nähe der Mündung als Gerolle ( Nagelfluh ), weiter als Sand ( Molasse ) und am jenseitigen Ufer des Bassins als feinen Schlamm ( Mergel ) ab. ( Siehe Prof. Bachmann, Geologisches über die Umgebung von Thun. Jahrbuch des S.A.C. XI, pag. 399—413. ) Dieß geschah selbstverständlich mit vielen Oscillationen. Leicht abzusehen ist, daß diese neugebildeten Ablagerungen dem Jura entlang in geringerer Mächtigkeit ausfallen mußten. Als dieser neugebildete Meeres- oder Seeboden bei späterer Hebung von Mitteleuropa als trockenes Land auftauchte, stellte er eine dem Jura zugeneigte schiefe Ebene dar, welcher die Wasserrinnen folgten und die unsere heutigen Thäler auszunagen begannen. Durch diese Geschichte ist die natürliche Abflußrinne der Alpengewässer, welche sich dem hierseitigen Fuße des Jura entlang zieht, verständlich geworden. Dieser Gebirgszug fand aber, wie noch heute deutlich, seine Fortsetzung in der schwäbischen Alp. Dieser ent- lang folgte ebenfalls das erwähnte Drainage, mit andern Worten, es ergossen sich damals unsere Alpengewässer in die Donau. Der Schutt unserer ausgewaschenen Molassethäler liegt in der ungarisch-sieben-bürgischen Ebene. Erst die mächtigen Schuttablagerungen des Rheingletschers nördlich vom Bodensee und Schaffhausen störten dieses ursprüngliche Verhältniß. Erst seit der Eiszeit existirt die bezügliche Wasserscheide zwischen Donau und Rhein. Heute ziemlich allgemein als ursprünglich angenommene Verhältnisse ergeben sich nur als Consequenzen früherer Vorgänge.

Herr Festpräsident Lindt verdankt diesen äußerst lehrreichen und fesselnden Vortrag.

Schluss der Sitzung 1 Uhr.

Der Präsident:Der Secretär:

Eug. Rambert.A. Groß.

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