Bekenntnis

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Von Alfred Graber.

Mit jedem Tag wird die Erde für uns Wanderer neu. Unsere Lockung ist die weite Welt. Und ist der freie Himmel, ist Sturm und Sonne, Nacht und Morgengrauen. Was zwischen den Wandertagen liegt, das so « wichtige » Erwerbsleben, es ist nur ein Zwang, eine Hemmung, eine fragwürdige Zeitspanne, da wir uns selbst nicht ganz gehören.

Lieber lauschten wir einem Strome im Urwald, lieber blickten wir über eine unendliche Steppe hin, schauten wir auf zu einem weissen Berg. Lieber erfühlten wir die Erde und die Unbedingtheit, mit der wir ihr verwachsen und verfallen sind.

Das Bewusstsein, Wanderer zu sein, verlässt uns nie, Wanderer im Gegensatz zu den unheimlich Sesshaften, Wanderer auf der Erde überhaupt, aus einer Ungewissheit auftauchend und in der andern versinkend.

Wanderer sind wir in jeder Lebensäusserung, Freunde sind uns alle Gleichgesinnten, wandern sie nun, wie immer sie mögen, zu Fuss, im Flugzeug, zu Pferde, im Auto. Wir lieben diese Gleichgesinnten und lassen sie gesellig mit uns ziehen, unser Geschick scheint nicht von dem ihren zu trennen. Und doch ist in uns stets wieder jene grenzenlose Einsamkeit, da uns all diese Weggenossen doch nicht ganz gehören und wir ihnen nicht.

Keine Ziele haben wir. Uns kümmern die zeitweilig gesteckten Endpunkte der Wanderung wenig. Auf der Fahrt sein, ist uns alles, Unruhe und Glück, Sehnsucht und Erfüllung zugleich.

Pan ist nicht tot für uns. Sind wir auch unersättlich im Wunsche nach Neuem, so bleibt doch das Erlebte und Gesehene in uns verankert, und die Dankbarkeit gegenüber der Erinnerung ist unermesslich gross. Und wenn wir die Menschen verlassen, die wir lieben, weil die Lockung übermächtig wird, so bleiben sie doch mit uns auf unseren Wegen als stete Begleitung.

Die Zeit, in der wir jetzt leben, ist unklarer und verworrener, als je eine frühere es war. Wir ahnen nicht, wohin wir treiben. Wir sehen die Führer nicht, denen wir vertrauensvoll in die dunkle Zukunft folgen könnten. Wir wissen auch, dass die Tat in den Bergen und im Wandern nicht die Tat ist, die die Menschen erlöst oder vorwärtsbringt. Doch was bleibt in der Ungewissheit und im Warten Schöneres zu tun als zu wandern? Unser fruchtloses Wandern aber wird die eine Frucht nie in uns faulen lassen: das Abenteuer, das Erlebnis und den Glauben an ein Wunder über den Gletschern, in der Steppe, auf dem Meer.

Wir sind Städter und komplizierte Geschöpfe. Aber es steht nicht schlimm mit uns, solange wir über all den angenehmen Dingen den Duft der Erde, das Rauschen der Wälder und die Stille des Himmels nicht vergessen. Wir werden Gralsritter bleiben. Wir werden um eines Berges, um einer Ferne willen kämpfen, weil es uns Freude macht, und wir werden in der Abenddämmerung auf unsern eben erlebten Wandertag zurückblicken und finden, dass er gut vollbracht war.

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