Berge des Iran

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Jacques Jenny. Bergführer, Genf

Sehr oft hören wir Alpinisten über zu stark besetzte Hütten, über von der Technik heimgesuchte, von Touristen überschwemmte Berge klagen. Das sind alles Vorwürfe, die die iranische Elburs-Kette nicht zu befürchten braucht.

Wenn wir von diesem dank der heutigen Ver-kehrs- und Transportmittel etwas nähergerück-ten Gebiet sprechen, fallen einem unwillkürlich zwei Namen von Berggipfeln ein: der Demavend und der Alam-Kou.

Der Demavend verdankt die Berühmtheit seiner Nachbarschaft von Teheran, seiner imponierenden Form und seiner respektablen Höhe von 5670 Metern. Wie bei vielen andern Vulkanen ist auch bei ihm eine Besteigung eher eintönig. Aufseiner Südseite vollzieht sich die Besteigung in zwei Tagen mit einer Übernachtung in einer Unterkunft auf q 4150 Metern. Nach einem monotonen Marsch auf unstabilem Schutt weiss der Besteiger im oberen und letzten Teilstück den Schnee zu schätzen. Der Krater ist ein mit Schnee gefüll- 1Rast auf dem Weg zum Alom 2Am Gipfel des Demavend ( j6yo m ) 3Roudbarak 4Der Alom, vom Gipfel des Salomon-Throns aus Photos Jacques Jenny, Genf tes grosses Becken; in seiner Nähe ziehen Fumarolen und Schwefeldämpfe unsere Blicke an.

Schwierigere Aufstiege gibt es auf den andern Seiten; doch wir verlassen schnell diese Gegend, um uns dem Alam-Kou zuzuwenden, der den Bergsteigern mehr Möglichkeiten offenhält.

Die Ortschaft Roudbarak, nicht weit von der Strasse von Teheran nach Chalus ( eine Stadt am Kaspischen Meer ) gelegen, ist der Ausgangspunkt für jegliche Besteigung. Eine Unterkunft wartet dort auf die Besucher, und der Führer Safar gebietet über dieses « Reich ». Dieser Mann, eine malerische, interessante Erscheinung, wird uns auf einem Ausflug begleiten, und wir werden seine Anwesenheit nicht zu bereuen haben.

Morgendlicher Aufbruch in Roudbarak ( 1350 m ) hinter einem Maulesel, der mit unsern Rucksäcken beladen ist. Und so geht es los auf den langen Marsch nach Sardtchal, einer Hütte auf 3600 Meter. Glücklicherweise stehen zwei Tschaïkanés ( Teehäuser ) am Weg. Gegen Ende des Nachmittags entdecken wir plötzlich von der Anhöhe einer Moräne aus den Alam-Kou und seine grossartige Nordwand, die vom Tal aus nicht sichtbar ist: eine phantastische senkrechte 600 Meter hohe Wand aus grossen, hellen Granitplatten. Zu ihrer Rechten springt ein Grat hervor, der 1936 von einer deutschen,Seilschaft begangen worden ist. Etwas näher erhebt sich der Takhte-Soleimann ( Thron des Salomon ), dessen 4650 Meter über uns wuchten; doch die Blicke werden hauptsächlich vom Alam-Kou angezogen.

Unser erstes Ziel ist der Thron des Salomon. Wir brechen wieder um 6 Uhr morgens auf, doch dank unserem « Training » an den Flanken des Demavend genügen uns, im Gefolge Safars, drei Stunden, um diese leichte Besteigung zu einem glücklichen Ende zu bringen. Und nun betrachten wir ganz aus der Nähe unser morgiges Ziel, den Alam-Kou. Wir verweilen nicht lange auf dem Gipfel, denn unser Führer muss mit dem Maultier, das die Kälte der Nacht schlecht erträgt, ins Tal absteigen; so nehmen wir denn den Rückweg durch die jähe Nordwand unter die Füsse, wobei wir direkt zur Hütte gelangen. Dort verlässt uns Safar, um allerdings drei Tage später wieder zu uns heraufzusteigen, weil er unsere Rucksäcke abholen soll.

Da sind wir nun allein. Das stimmt zwar nicht ganz; in Wirklichkeit leisten uns nämlich unzählige Mäuse Gesellschaft; doch hat uns ihr Reigen nicht daran gehindert, den Schlaf zu finden, der um 5 Uhr morgens durch das Rasseln des Weckers abgebrochen wird. Der Himmel ist wolkenlos wie an den vorangegangenen Tagen. Zwei Marschstunden genügen, um uns den Fuss des Nordgrates erreichen zu lassen. Dort befand sich früher eine kleine Hütte, die aber durch eine Lawine zerstört worden ist; doch wird sie bestimmt « plus beau qu'avant » wieder aufgebaut werden.

Der Anfang des Grates bietet keine Schwierigkeiten, so dass wir das Seil gar nicht erst aus dem Rucksack herausnehmen müssen. Bald aber stossen wir auf einen grossartigen vertikalen Aufschwung aus grauen Granitplatten, was zur Folge hat, dass der ganze « Eisenladen » unverzüglich aus dem Rucksack hervorgekramt wird: Seile, Karabiner, Haken, Hammer, amerikanische Hakenschlingen usw., und auf etwas über 4300 Meter geht die Kletterpartie los. Sechs heikle Seillängen führen auf eine schneebedeckte Schulter, wo der Eispickel in Funktion tritt. Gegen das Ende zu nimmt der Grat einen neuen Anlauf zu einem Aufschwung zum Gipfel.

Die Nordwand ist nun ganz nahe gerückt, und während wir sie bestaunen, versuchen wir die verschiedenen Routen, die durch sie hinaufführen, auszumachen. Es folgen Querungen im Schnee, Platten und Risse. Nun, da das Gelände abwechslungsreich und interessant geworden ist, gelangen wir ohne jede Ermüdung am frühen Nachmittag auf das Plateau, welches den Alam-Kou-Gipfel ( 4850 m ) bildet. Gipfelrast mit dem üblichen Drum und Dran: Picknick, Gipfelbuch, gegebenenfalls eine Konservenbüchse, wo jeder seine « Visitenkarte » einwirft. Unglücklicherweise haben die armseligen Sprachkenntnisse unseres Persers es uns verunmöglicht herauszubekommen, auf welcher Seite man von dieser « Zitadelle » hinuntersteigen soll.

Während zwei Adler über unsern Köpfen ihre Kreise ziehen, machen wir uns an die zermürbende Traversierung des Grates. Der Fels besteht nicht mehr aus dem hervorragenden Granit wie derjenige beim Aufstieg, sondern aus tückischem Schiefer; zudem werden wir gezwungen, zusätzlich drei Viertausender zu überschreiten, und Niedergeschlagenheit beginnt sich unserer Gemüter zu bemächtigen. Und eben als wir ein Biwak ohne Material für unerlässlich halten, mündet unsere Route endlich in einen Pass aus, von wo es über harmlose Geröllhalden ohne Schwierigkeiten auf das Gletscherplateau unter der Nordwand hinuntergeht.

Die Ermüdung nach einer solchen Strapaze erlaubt uns am folgenden Tag keine weitere Tour. Wie mit Safar vereinbart worden ist, lassen wir unser Gepäck zurück und beschliessen, im ersten Teehaus zu übernachten, um auf diese Weise den endlosen Rückweg zu halbieren.

Schon nach der ersten Krete verschwindet der Alam-Kou. Für immer? Das ist gar nicht so sicher; seine Nord wand ist wirklich grossartig...

( Übersetzung R. Vögeli )

Feedback