Berge in verschiedener Beleuchtung

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Von Stefan Jaslenski-Schmid

Photographische Betrachtungen Mit 4 Bildern ( 127-130Ballaigues VD ) André Roch, wohl einer unserer besten Bergsteiger und zugleich Photograph, hat in seinen launigen Betrachtungen über Erfahrungen auf dem Gebiete der Gebirgsphotographie ( « Die Alpen », Januar 1953: « La photographie en montagne », Seiten 29-32 ) eingestanden, dass man eigentlich nie genug verschiedener Aufnahmen des gleichen Berges machen kann, wenn die Beleuchtungsverhältnisse danach sind, d.h. wenn ein rapider Wechsel von Stimmungen auftritt. Wohl wird man aus einer solchen Vielzahl von Aufnahmen, die sehr ähnlich sein werden, zuletzt nur eine als eindeutig die beste auswählen, doch weiss man nie, wann der Kulminationspunkt der aufeinanderfolgenden Variationen der Beleuchtung eintritt.

1 Mimosa wird in Australien « wattle » genannt = Flechtwerk, weil die ersten Kolonisten ihre Dächer mit den Mimosazweigen deckten.

* Der Wombat ist ein kleines, dachsartiges, am Boden lebendes Beuteltier.

Ohne André Roch in sein Handwerk pfuschen zu wollen, möchte ich jedoch die Aufmerksamkeit der photographisch tätigen Alpinisten auf das besondere Interesse lenken, das Vergleichsaufnahmen des gleichen Berges bei verschiedener Beleuchtung auch bei schönem, wolkenlosem Wetter bieten. Man sollte solche Vergleiche tunlichst vom selben Standort 1, jedoch zu verschiedenen Tageszeiten aufnehmen, um sie direkt vergleichbar zu machen.

Solche Gelegenheiten bieten sich insbesondere dann, wenn bei einer Tour z.B. frühmorgens beim Aufstieg derselbe Weg gemacht wird wie abends beim Abstieg.

Man braucht sich dafür nur einen markanten Wegpunkt zu merken und bei der Früh-aufnahme einen bestimmten Gipfel anzuvisieren. Bei der Abendaufnahme besteht dann die Aufgabe, unbeirrt der völlig verschiedenen Beleuchtung, das Motiv im gleichen Bildausschnitt zu wiederholen.

Als Bildbeispiel für dieses Vorgehen kann ich das Bildpaar vom Bietschhorn bringen, das in bezug auf die gestellte Forderung der Identität des Bildausschnittes absolut genau entspricht. Beide Aufnahmen sind vom Gornergrat ( mit starkem Teleobjektiv ) gemacht, und zwar Bild 127 am frühen Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen das Bietschhorn erreichten. Bild 128 wurde abends mit den letzten, stark roten Strahlen der untergehenden Sonne erhalten ( September 1945 ).

Dieser Vergleich ist sehr lehrreich insbesondere dadurch, dass der Vordergrund in beiden Fällen völlig im Schatten lag, und sich somit die Beleuchtungsdifferenz nur auf das Hauptobjekt, das Bietschhorn, konzentriert und uns dieser Unterschied um so deutlicher veranschaulicht wird.

Würde ich diese Aufnahmen heute nochmals zu machen haben, so glaube ich jedoch, dass ich besonders frühmorgens den Ratschlag von A. Roch in dem Sinne befolgen würde, dass ich statt nur einer Aufnahme deren mehrere in gewissen Zeitabständen machen würde, um die zum Vergleich mit dem Abendlicht beste heraussuchen zu können. Dieses Eingeständnis ergibt sich aus der Tatsache, dass die Morgenaufnahme viel weniger Sonnenlicht hat als die Abendaufnahme und somit der Vergleich etwas hinkt. Immerhin ist dies ein Beispiel als Anregung, und man lernt mehr an einem unvollkommenen als einem sehr guten derartigen Beispiel.

Das zweite Bildpaar ist in bezug auf Beleuchtungseffekt sehr viel besser, hat aber den Mangel des nicht gleichen Standortes. Die Verschiedenheit ist sogar zu gross, um das Bildpaar streng genommen als « Vergleich » ansprechen zu können, und doch veranschaulicht es in treffender Weise, was ich als Anregung darlegen möchte. ( Zur Entschuldigung mag gesagt sein, dass eigentlich keine Absicht vorlag, ein Vergleichsbilderpaar zu machen. ) Entstanden sind diese Aufnahmen im Oktober 1953 an einem selten schönen Tage auf dem Wege zur Mont-Fort-Hütte SAC, und zwar die Morgenaufnahme ca. um 9 Uhr, Bild 129, die Vergleichsaufnahme aber schon nachmittags ca. 15 Uhr, Bild 130. Der kurze Oktobertag und das milde Sonnenlicht ermöglichten dennoch einen sehr schönen Effekt in beiden Darstellungen.

Das Morgenlicht, stark seitlich mit knappen, scharfen Lichtkanten, zeigt eine Kulissen-wirkung der verschiedenen aufeinanderfolgenden Bergrücken, während die Nachmittags-aufnahme die Rundung und das Volumen zur Geltung bringt, jedoch die Tiefengliederung wesentlich unterdrückt, was schon z.T. dem Umstände der Verwendung einer sehr langen Brennweite ( Teleobjektiv 180 mm auf Format 24 X 36 mm ) zuzuschreiben ist.

Bei der Morgenaufnahme ist der Widerschein der unsichtbaren, besonnten Berghalde auf den gegenüberliegenden Gletscher sehr schön zur Geltung gebracht und rundet glück- 1 Es sei an dieser Stelle erlaubt, auf den Unterschied von Standort und Standpunkt zu erinnern, da sehr oft Standpunkt fälschlicherweise dort gebraucht wird, wo Standort allein richtig ist.

lieh den Kulisseneffekt auf. Selbstverständlich sind derartige Vergleiche in Farbenaufnahmen noch lehrreicher und dankbarer, doch eignen sie sich leider nicht zur Veröffentlichung, solange als die Farbreproduktion und der Farbendruck so teuer sind, dass nur ausnahmsweise davon Gebrauch gemacht werden kann. Es ist heute jedoch leicht möglich, nach Farbendias sehr gute Schwarzweissnegative anzufertigen, die gute Vergrösserungen erlauben.

Ich möchte jedoch die Anregung zu solchen Farbenvergleichsaufnahmen unbedingt aufrechterhalten, da sie dazu berufen sind, interessante Aspekte auch in Projektionsvorführungen zu geben. Da bei Farbenaufnahmen ( auf Umkehrfilm ) jede Korrektur des Bildausschnittes nachträglich unmöglich ist und das Bild so zu projizieren ist, wie es aufgenommen wurde, ist bei Vergleichen ganz besonders auf die Übereinstimmung des Bildausschnittes beider Aufnahmen zu achten.

Liegen die Aufnahmen weit genug auseinander, so dass man schon das erste Bild fertiggestellt hat, wenn das zweite aufgenommen werden soll, dann ist die Sache relativ einfach. Man muss unbedingt das erstaufgenommene Bild mit sich führen, um das andere danach aufnehmen zu können. Macht man jedoch beide kurz aufeinander ( z.B. am selben Tag ), so ist eine derartige Hilfe nicht möglich. Je zuverlässiger die Visiervorrichtung der verwendeten Kamera ist, desto leichter kann die Aufgabe gelöst werden. Ausser dem genauen Standort ( z.B. markanter Stein, Pfosten, Baumstrunk oder dergleichen ) muss man sich alsdann auch die genaue Höhe und Richtung der Kamera merken ( und natürlich bei Kameras mit Wechsel-optik die Brennweite des angewandten Objektivs ). Es ist dabei wichtig, auf einer Seite einen gut sichtbaren, markanten Fleck im Mittelgrund an eine Bildkante - oder noch besser in eine Bildecke - zu nehmen, was die Übereinstimmung des Bildausschnittes wesentlich erleichtert.

Man lasse sich aber durch den Wechsel der Beleuchtung nicht irreleiten! Sonnenbeschienene Stellen scheinen sehr markante Bezugspunkte aufzuweisen, während sich im Schatten vorher beachtete Fixpunkte kaum erkennen lassen.

Sehr interessant sind Vergleichspaare von Aufnahmen, die sehr weit auseinander liegen, wie z.B. das gleiche Gelände im Sommer und Winter. Hierbei dürfte es sich aber empfehlen, eine ähnliche Beleuchtung für beide zu wählen, um nur den Unterschied Sommer/Winter spielen zu lassen.

Ich hoffe, mit diesen Hinweisen einigen Klubkollegen neue Probleme gestellt zu haben, deren Lösungen sich abwechslungbringend in den Projektionsvorführungen auswirken können.

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