Bericht über das Excursionsgebiet 1875

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I. Bericht

über das Excursionsgebiet 1875

Von H. Zähringer.

« Der S.A.C. stellt sich die Aufgabe, das schweizerische Hochgebirgsland allseitig genauer zu erforschen und näher bekannt zu machen. Er sucht seine Aufgabe durch jährliche Bereisung von Excursionsgebieten und durch periodische literarische und graphische Publikationen zu lösen. » An der Hand dieser statutarischen Bestimmungen wird jedes Jahr ein abgegrenztes Excursionsgebiet ausgewählt und nach den in Thun gefassten Beschlüssen soll in Zukunft dasselbe Excursionsgebiet für zwei Jahre gelten. Es trifft diese Abänderung das Gebiet,, welches auf den Blättern Tödi, Laax, Elm, Lintthal dargestellt ist, und nach den erfreulichen Fortschritten, welche in den Jahren 1874 und 1875 in der Bearbeitung der Exkursionsgebiete gemacht wurden, darf man erwarten, dass ein zweijähriges Verweilen in demselben Gebiete eine noch grössere Vielseitigkeit der Leistungen herbeiführen werde.

Wir haben in unseren früheren Berichten ein kurzes Programm für die Arbeiten in den Excursionsgebiete !! aufgestellt und theilen nachstehend das für die Mitglieder der Sektion Pilatus ausgearbeitete Programm mit, das auch für spätere Excursionsgebiete so ziemlich Geltung behalten dürfte.

Programm für die Arbeiten im Excursionsgebiet 1875.

A. Wissenschaftliche Aufgaben.

1Geschichte. Entweder eine geschichtliche Uebersicht über die Schicksale der betreffenden Thäler, oder Episoden aus der Geschichte derselben.

2Topographie. Dieser Abschnitt ist zwar wesentlich dem Itinerar zugeschieden, allein es wird namentlich in der Nomenclatur noch manche Lücke auszufüllen bleiben.

3Land und Leute. Die Abhängigkeit des Volkes von seinem Boden; Volkseigenthümlichkeiten ( Sagen, Sitten und GebräucheBeschäftigung der Bewohner; Culturzustände ( Staats- und Gemeindeverwaltung, Schule und Kirche, Vereinsleben ).

4Naturgeschichte. Allgemeiner Ueberblick nach den Rubriken: Geologie, Zoologie, Botanik; besondere Bearbeitung der geologischen Verhältnisse; Einzelheiten aus der Thier- und Pflanzenwelt.

5Gletscherkunde-. Die gegenwärtigen Gletscher: Vervollständigung der Notizen im Gletscherbuch von J. Siegfried; Beobachtungen über die Gletscher-bewegung.Die ehemaligen Gletscher: Bestimmung der Grenzen des Aargletschers, der einen Arm über den Brünig sandte; Aufsuchung von Moränen und Schliffen aus der Eiszeit ( Reuss Und Aargletscher ); Bestrebungen zur Erhaltung erratischer Blöcke.

6Alpwirthschaft. Eigenthumsverhältnisse; Verbesserung der Alpen; Produkte und deren Verwerthung; Bilder aus dem Leben des Aelplers.

7Forstwirthschaft.Eigenthumsverhältnisse; Schutz der Wälder; Holzexport.

8Schutzbauten. Lawinenzüge; Wildbäche; Abrutschungen.

B. Künstlerische Aufgaben.

1Panoramen von aussichtreichen Spitzen.

2Landschaftliche Bilder, etwa Thalhintergründe.

3Skizzen zur Architektur. Oeffentliclie Gebäude ( Kirchen und Kapellen ), Wohnhäuser, Oekonomie-gebäude, Alphütten.

4Volkstrachten an charakteristischen Persönlichkeiten.

C. Touristische Aufgaben.

1Wanderungen und Besteigungen.

2Aufsuchen neuer Uebergänge von einem Thal ins andere.

3Aufsuchen neuer Wege auf schon erstiegene Spitzen.

Bevor wir zur Berichterstattung über die Leistungen im Excursionsgebiet übergehen, erfordern die den Clubisten gelieferten Hülfsmittel, nämlich die Karten und das Itinerar, einige Erläuterungen. In Betreff der Karten müssen wir uns nach dem Stande der Revisionsarbeiten des Stabsbüreau's richten und aus diesem Grunde entsprechen die vier gelieferten Blätter dem Vereinsbeschluss von Herisau ( IX. Jahrg., pag. 592 ) 36 nicht ganz; die Blätter Isenthal und Giswylerstock sind weggefallen, dagegen ist das Blatt Meyringen hinzugekommen. In Betreff des Itinerars ist zu bemerken, dass Herr Prof. Rütimeyer, der dasselbe ursprünglich übernommen hatte, wegen anderweitiger Geschäfte die begonnene Arbeit nicht vollenden konnte, und dass Herr Dr. H. Christ in Basel mit grösster Bereitwilligkeit in die entstandene Lücke trat. Da dem Verfasser des Itinerars die Karten bei seiner Arbeit noch nicht zur Verfügung standen, so umgrenzte er das Gebiet meist nach seinen persönlichen Anschauungen, die er in so ansprechender Weise in seinem schönen Buche « Ob dem Kernwald, Schilderungen aus Obwaldens Natur und Volk » niedergelegt hat.

Wie nun zwischen Vereinsbeschluss, Karten und Itinerar nicht die strengste Harmonie waltet, so haben auch einzelne Clubisten die Grenzen nach ihrer Art gezogen, doch bleibt immer und überall Engelberg der Mittelpunkt des Gebietes. Der S.A.C. hat weder eine militärische, noch eine hierarchische Organisation, er lässt seine Mitglieder in ihrer Wanderlust und ihrem Forschungseifer frei gewähren.

Wollten wir bei unserer Berichterstattung die Befolgung des oben mitgetheilten Programmes als Massstab anlegen, so müssten wir manche Lücke registriren; allein dieses Progamm ist uns nicht Massstab, sondern nur Rahmen, in welchen die gelieferten Arbeiten eingereiht werden, und Ausgangspunkt für unsere Beurtheilung ist uns nicht das Ideal, sondern der bisherige Zustand. Und so gefasst bieten die vorliegenden Arbeiten, welche den dritten Theil des ganzen Werkes ausmachen, einen wesentlichen Fortschritt gegen das Vorjahr, welches wir auch schon als ein Jahr des Fortschrittes bezeichnet hatten. Hierin liegt der Beweis, das der S.A.C. die Bahn der Entwicklung nicht verlässt, wenn er auch, nach der Meinung des Referenten, den Culminationspunkt dieser Bahn noch nicht erreicht hat. Die Fortschrittsmedaille von Wien und die Lettre de distinction von Paris haben unsere Clubisten nicht in süssen Schlummer eingewiegt; sie streben vorwärts.

Vergleichen wir unsere Exkursionskarten mit der Dufourkarte, so finden wir die Nomenclatur sowohl abgeändert als auch bereichert. Es kommt häufig vor, dass ein Berg, der an der Grenzscheide zweier Thäler steht, in jedem der beiden Thäler einen andern Namen trägt. So ist es in der Wallenstockkette und in der Melchthalkette und es scheint, man habe sich bei der Revision der Karten meist den im Engelbergerthal gebräuchlichen Namen zugewendet; ob dadurch immer das richtige getroffen wurde, können wir nicht entscheiden.

In der südlichen Kette treten zwischen den Gadmer-tlühen und dem Titlis folgende Namen auf: Pfaffenhut und Pfaffengletscher, Wendenstöcke, Ochsenkopf mit dem Jochgletscher. Der Titlis, in der Excursionskarte ( durch ein Versehen ) auf 3039 m herabgesetzt, hat in der diesem Jahrbuche beigegebenen revidirten Karte wieder seine rechtmüssige Höhe von 3239™ erhalten. Der Grassen ist nach Westen gerückt und der Grassengletscher wird nun vom Wichelplankstock beherrscht. Früher trug der Titlis auch den Namen Wendenstock und die Gruppe südlich vom Wendengletscher hiess Wendenhörner. Diese Namen sind nun dort verschwunden, die Wendenstöcke sind nach Westen gerückt und unmittelbar südlich vom Titlis steht der Grassen; die kleine Erhebung zwischen beiden, von welcher östlich der Firnalpeligletscher und westlich der Wendengletscher niedersteigt, heisst Thierberg. Bei dieser Namengebung kann die Einsattlung zwischen Titlis und Grassen ebensogut Grassenjoch als Wendenjoch genannt werden. Der Kröutlet heisst jetzt Krönte und der zwischen Krönte, Spannörtern und Schlossberg liegende Firn heisst Glattenfirn und umschliesst das Schwarzstöckli. Zwischen Klein-Spannort und Krönte tritt ein Schneehühnerstock auf und der Punkt Gwasmet 3079 heisst nun Zwächten. Diese letztere Abänderung entspricht etwa der Vertauschung von Schwarzhorn mit Weisshorn; Gwasmet ist ein Punkt wo Wasen oder Rasen ( Wasenhorn ) vorkommt, Zwächten oder Gwächten sind Punkte, wo überhängender Schnee vorkommt.

In der Gruppe der Rothstöcke tritt östlich vom Blackenstock der Brunnistock ( 2952 m ) auf und der obere Theil des Kessels heisst Kleinthalfirn.

In der nördlichen Kette tritt neben dem Hasenstock der Schönthalfirn auf. Der Schlittkuchen, früher an der Stelle des gegenwärtigen Ruchstocks ( 2812 m ) ist nur noch ein Pass zwischen Ruchstock und Schynberg. Der Südabhang des Schynbergs heisst Laucherband, während früher der ganze Stock Laucheren hiess. Der Grat zwischen Schynberg und Rigidalstock heisst jetzt Plankengrat, während früher nur der über der Chronik.5G5 Plankenalp stehende Grat diesen Namen trug. Der Wyssi g heisst jetzt Wyssigstock.

In der westlichen Kette steht jetzt südlich vom Juchlipass der Hutstock ( 2679 m ), der früher Geissberg oder Hutstock hiess. An der Stelle der Tannenfluh steht jetzt der Wildgeissberg ( 2655 m ).

Als besondere Fortschritte in den Arbeiten der Clubisten heben wir die künstlerische Seite derselben hervor. Ausser unsern altbewährten Künstlern Müller-Wegmann, Zeller - Hörner und Beck treten noch Dr. R. Stierlin in Luzern und X. Imfeid in Zürich auf, und die Zahl ihrer Arbeiten war so gross, dass nicht alle aufgenommen werden konnten. Die historische Ai'beit von Archivar Liebenau zeigt uns den Kampf eines nach Freiheit ringenden Volkes und die geologische Arbeit von Prof. Dr. Kaufmann führt uns in die Werkstätte erprobter Forscher. Finden wir auch gegenüber dem aufgestellten Programme noch manche Lücken, so ist doch das gebotene Material so reichhaltig, dass der Leser sich von den Umgebungen Engelbergs ein genaueres Bild machen kann, als von jedem der früheren Exkursionsgebiete, wozu die ansprechenden Schilderungen der Herren Dr. H. Christ, R. Wäber, Dr. Carl Meyer, Zeller-Hörner, J. Beck, A. Wäber und E. Cattani höchst verdankenswerthe Beiträge liefern.

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