„Beschreibung einer Reis auf den Titlisberg

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Mir hat unser Herr Stathalter zu Sins2 ) das Schreiben meines geehrtesten Herrn zu beantworten übersandt, weil unsere Leute, die vor 23 Jahren ( 1744 ) Anfangs des Heumonats den höchsten Gipfel des Titlis-bergs oder die Nollen bestiegen, dermalen ihme von der Hand seyen. Ich habe demnach die zween noch lebende Manner Ignatius Heeß und Joseph Eugenius Waaser ( dann unser geweßte Markstahler und der Schmid, die auch mitgegangen, sind gestorben ) zu mir kommen lassen und von selbigen genaue und einstimmige Nachricht auf vorgelegte Fragen eingezogen. Und zwar den Weg betreffend, den und keinen andern sie auf gesagten Schneeberg machen konnten, war von dem Kloster Mittag-wärts durch die Ebne des Thals eine kleine halbviertolstund, dann weiter eine starke halb Stunde obsich durch den so genannten Gerschnewald, ferner eine Stunde durch die Gerschnealp hinauf bis an einen andern und letzten Wald, ob welchem vor Wildniß kein Holz mehr wachset. Von dieserem noch 2 starke Stunde allzeit streng obsich durch die Alp Laub, auf dessen Grat sie fortgiengen. Hernach marschierten sie eine halbe Stunde nidsich durch eine öde Steinriffe oder kleines Thal, allwo sie dann erst an den First des Titlisberges, dessen Gipfel wir Nollen heißen, oder auf den Gletscher und Firn gekommen, auf welchem sie ohne angelegte Fußeisen nicht hätten fortkommen oder vesteu Fuß setzen und sich halten können. Von danneu mußten sie noch vier starke Stunden über den Gletscher oder Firn hinauf steigen und hiermit einen Weg von mehr dann 8 Stunden von dem Thal aus in die Höhe machen. Und weil sich aller Orten in dem Gletscher Krakken oder Spülte zei-geten, von denen man in der Tiefe kein End sähe, und in denen sie theils Wasser sahen, theils herfürquellen oder sprudlen hörten, mußten sie diese Spalte entweder überspringen oder sie umgehen, und war die Gefahr denn so viel größer, weil die kleineren Spalte mit ueuem oder selbigen Jahrs gefallenem Schnee bedeckt waren. Deßwegen mußte der vorausgehende mit seinem Stecken immerdar probiren, ob sie festen Fuß setzen könnten. Alle vier waren an einandern gebunden und giengen hinter einandern her, damit, wann der erste fallen sollte, die hernach-kommenden und sich in Sicherheit noch befindenden selbigen wieder herausziehen möchten. Einmal ist der Schnee würklich unter ihren Füßen gesunken, doch nicht stark, sondern sie konnten fortkommen bis auf den Gipfel, allwo sich eine große Ebne zeigete, aber auch ein durchdringend kalter Wind wehete ohnerachtet des hellen Wetters und Sonnenscheins.

Zuvorderst auf dieser Ebne, wo sie in das Thal herab und in das Kloster sahen, machten sie mit vieler Mühe ein Loch in den Gletscher, steckten ihre bey sich habende große Stange darein, und hefteten zwei schwarz-gefärbete große leinene Tücher daran, welche man von dem Kloster aus so lange gesehen, bis sie von Wind und Wetter verzehrt waren. Spuren von Thieren fanden sie zu oberst, und 3 Stunden herab gar keine. Aber 3 Stunden unterhalb und besonders an dem Fuß des Gletschers sahen sie viele von den Gemsen gemachte große Wege, welche von da hinweg ihren Lauf von dem Schneeberg gegen dem Bernergebieth haben. Brünne oder Gewässer, so aber alles nur Schneewasser seyn kann, zeigen sich überall oder lassen sich vielmehr in dem Abgrund der obgemeldten Firn-schratten hören. Holz oder Stauden wachset wohl bey 6 Stunden unter dem höchsten Grat des Berges keines. Erst dann, wann man auf die Höhe der diesem Titlisberg gegenüberstehenden Berge kommt, siehet man mit Erstaunen, wie selbiger wachse und immer höher werde, also daß kein Wunder ist, daß man diesen ungeheuren Schneeberg aller Orten, such in den entferntesten Gegenden sehen kan.Redaktion.

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