Campanile Basso

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Mit 4 Bildern ( 88—91Von Josef Nadai

( Zürich ) Bei unserem Einzug in die Brentagruppe war uns schon von weitem ein ausserordentlich kühn aussehender Turm aufgefallen, den wir, durch die Lektüre des Dolomitenführers vorbereitet, unschwer als den Campanile Basso erkannten. Von unserem Standort aus durch einen Grat teilweise verdeckt, sah man nur wenig von ihm, aber was man sah, genügte. Man sah den obersten Drittel einer riesenhaften Säule; senkrechte, wenig gegliederte Wände oben von einer Horizontalen begrenzt. « Superbo monolito di incomparabile arditezza » nannte ihn der italienische Führer. Wenn es auch keiner mit Worten sagte, waren wir uns doch im stillen darüber einig, dass in diesem Turme eine unverhüllte Herau sforderung lag, der wir uns nicht entziehen durften, wollten wir die Brentagruppe mit dem Gefühle verlassen, getan zu haben, was hier zu tun war.

Obschon den räumliehen Ausmassen nach eine der unbedeutendsten Gestalten des Gebietes, machte ihn seine Beschaffenheit zum eigentlichen Mittelpunkt der Gebirgsgruppe. Wo immer wir auch in den darauffolgenden Tagen gingen, kletterten oder rasteten, unsere Blicke ( und Photoapparate ) suchten und fanden stets nur eines — die glatten Wände des Basso. Mitunter sah man auf der Ebene des Gipfels winzige Gestalten sich bewegen, Kletterer. Sie schienen zu beweisen, was der Dolomitenführer behauptete, was man aber angesichts des Berges selbst für unmöglich gehalten hätte, dass dieser Turm ersteigbar war, ja dass er schon sehr oft bestiegen worden war. Im Jahre 1942, so hiess es, habe man die tausendste Begehung mit einer Messe auf dem Gipfel gefeiert...

Nach drei Touren in der Umgebung des Rifugio Pedrotti, wo wir Unterkunft bezogen hatten, fühlten wir uns bereit, den Basso zu versuchen. Zu der für kürzere Dolomitenklettereien üblichen späten Stunde verliessen wir, ausgerüstet mit reichlich Seil und etwelcher « Schlosserei », das wimmelnde Rifugio, um über einen ausgebauten Bänderweg, den « sentiero delle bocchette », in dreiviertel Stunden den Einstieg zum Turm zu erreichen.

Ein Blick aufwärts über die aalglatte Südwand genügte, um jenes Gefühl der Spannung wieder wachzurufen, das man als Anfänger vor grossen Fahrten verspürt hatte. Diese Wand war so senkrecht wie eine Hausmauer und dazu noch oben mit einigen gelben Überhängen garniert, welche sogar den unternehmungslustigen Leuten, die seinerzeit die Erstbegehung der Wand durchführten, zu luftig gewesen waren und sie zu einem verfrühten Ausstieg nach links veranlasst hatten.

Wir wollten unser Glück auf der « via comune », der Normalroute, versuchen, die den Berg in einer Spirale auf drei Seiten umkreist. Sie stellt die Linie des geringsten Widerstandes dar, der indessen an zwei Stellen bedeutendes Ausmass annimmt Der erste dieser Engpässe, die Pooliwand, befindet sich etwa 50 m in der Fallinie über dem Einstieg, und während wir auf einem engen Bändchen die Schuhe wechselten und die üblichen Vorbereitungen trafen, wirtschaftete eine vor uns eingestiegene Partie in diesem Wandabschnitt über unseren Köpfen. Der Führer hatte bereits den oberen Sicherungsplatz erreicht und war im Begriff, seinen Touristen, einen älteren französischen Herrn, nachzunehmen. Dieser befand sich etwa in der Mitte der glatten Wandstufe, wo er sich offensichtlich etwas ungemütlich fühlte und auf die lebhaften Zurufe des Führers nervös reagierte. Nach einer kurzen « Lismete » gelang es dem Wackeren jedoch, das seelische und körperliche Gleichgewicht wieder zu erlangen und seinen Vordermann zu erreichen, worauf die beiden bald um eine Ecke unseren Blicken entschwanden.

Sie wurden knapp gefolgt von zwei jungen Burschen aus Bozen, welche den Èinsteig gleichzeitig mit uns erreicht hatten und die uns ihre Absicht verraten hatten, den Basso über die Preusswand ( eine fünftgrädige Route ) zu besteigen. Sie schienen zur Garde der ganz Extremen zu gehören, was sich sowohl in dem Tempo, mit dem sie die ersten Schwierigkeiten überwanden, als auch in der Zahl der ausgelösten Steine kundtat, die sie auf uns herabsandten.

Die Pooli-Wand hielt, was ihr Anblick versprochen hatte; sie war 20 m hoch, nahezu senkrecht, gelblich, kleingriffig und von den zahllosen Begehungen stellenweise glattpoliert. Hans Rein überwand sie als Seilerster in der ihm eigenen Art — nicht allzu rasch, aber mit einer Stetigkeit und Sicherheit, die mich immer an die Art erinnert, in der etwa ein Lateinprofessor seinen begriffstutzigen Schülern mit selbstverständlicher Gelassenheit einen schwierigen Text vorübersetzt. Nachdem er den Sicherungsstand erreicht hatte, folgten zuerst Leni Merk und dann ich rasch nach. Wir fanden die Kletterei recht schwer, aber ungemein elegant und nicht allzu ausgesetzt, da man sich hier noch verhältnismässig nahe zum Einstieg befand.

Mit der Durchquerung der Pooli-Wand verliess unsere Route die Südwand, um über die SO-Kante hinweg in die Ostflanke zu wechseln. Hier war die Kletterei stellenweise mittelschwer oder sogar leicht, wenngleich das Gefühl grosser Ausgesetztheit, welches eines der Kennzeichen der Tour war, uns auch hier nicht ganz verlassen wollte. Ein etwa 20 m hoher, sehr schöner Kamin brachte uns auf ein breites Band, das den Berg auf dieser Höhe auf drei Seiten waagrecht umgibt. Seine Ausdehnung, die ein bequemes Gehen ohne Seilsicherung gestattete, hat ihm die Bezeichnung « stradone provinciale », Landstrasse, eingetragen. « Am Strassenrande » sitzend fanden wir hier unsere Freunde aus Bozen vor, die dieses Band auf einem direkteren Wege ( entlang der SO-Kante ) erreicht hatten und sich nun über den weiter einzuschlagenden Weg — die Preusswand setzt an diesem Band an — nicht ganz im klaren waren. Unserem Führer konnten sie die nötigen Angaben entnehmen.

Dem « stradone provinciale » folgend durchquerten wir die Nordwand, um auf der Westschulter des Berges den Weiterweg zu suchen. Diese Schulter, die wir schon zuvor von andern Gipfeln, aus der Ferne, beobachteten, hatten wir uns stets als eine breite, sonnige Terrasse vorgestellt, wie geschaffen für eine längere Rast. Offenbar war dabei aber jener berühmte Wunsch der Vater des Gedankens gewesen, denn die Schulter erwies sich bei näherem Zusehen als ein flacheres, mit kleinen Felszacken bestandenes Gratstück, das für eine Rast nicht besser geeignet war als irgendeine andere Stelle des Berges.

So nahmen wir unverzüglich den hier ansetzenden 60-m-Kamin in Angriff, der zum letzten Gipfelaufbau führen sollte. Die Erkletterung des Kamins wird mir stets in angenehmster Erinnerung bleiben, einmal, weil mir Kamine an und für sich sehr sympathisch sind, und zum andern, weil dieser Kamin ein besonderes Prachtsexemplar seiner Gattung darstellt. Gutgriffig, teilweise senkrecht, mit hie und da weise eingestreuten Klemmblöcken, erlaubt er eine überaus angenehme Fortbewegung, die das Klettern zu einem wahren Genuss werden lässt.

Der Kamin endigt oben in leichterem, gestuftem Gelände, unmittelbar unter der westlichen Gipfelwand. Diese Schutterrasse, von den italienischen Kletterern poetisch « albergo al sole » genannt, schien der letzte von der Natur gebotene Rastplatz zu sein, bevor sich der Turm schliesslich in absoluter Steilheit und Glätte zum Gipfel aufschwingt.

Das war auch der Punkt gewesen, bis zu dem eine italienische Seilschaft seinerzeit schon vor den späteren Erstbegehern des Turmes gelangt war, angesichts der Überhänge aber zur Umkehr gezwungen worden war. Zwei Jahre später kamen zwei österreichische Studenten, Ampferer und Berger, die im ersten Anlauf ebenfalls nur bis hieher gelangten. Ihr Versuch, die Schlusswand direkt zu nehmen, scheiterte, und sie kehrten um, aber mit der berechtigten Hoffnung auf einen späteren Sieg, hatte ihnen doch eine kurze Rekognoszierung in Richtung der NW-Kante und der N-Wand, welche sie vor dem Abstieg noch unternahmen, eine Möglichkeit des Weiterkommens gezeigt. Zwei Tage darauf erschienen sie wieder, und es gelang ihnen, den Gipfel auf der vorgesehenen Route zu erreichen. Es geschah dies am 18. August 1899. Angesichts der Schwierigkeiten, welche ihre Route, auch mit modernen Maßstäben gemessen, bietet, versteht man, wenn ihre Erstbegehung den Zeitgenossen als « an der Grenze des Möglichen liegend » erschien.

Der Normalroute folgend erreichten wir, links ansteigend, in leichter Kletterei eine kleine Plattform, den « terrazzino Garbari ». Ein Bhendhaken und eine Seilschlinge schweizerischer Machart, die in etwa Schulterhöhe darüber angebracht waren, wiesen darauf hin, dass hier schon vor uns Kletterer von « oltre Gottardo » am Werke gewesen waren, und dienten mir gleich zur Selbstsicherung bei dem nun anschliessenden, exponierten Abstieg auf einen kleinen Gratvorsprung in der NW-Kante. Der überaus luftige Sicherungsplatz trug die Bezeichnung « terrazzino del Ré del Belgio », in Erinnerung an den König der Belgier, der seinerzeit in der Brentagruppe zahlreiche schwere Fahrten unternommen hatte.

Hier musste nun, nach den Angaben des Führers, der letzte und schwerste Abschnitt der Route beginnen. Wenn man vorsichtig den Kopf aus der sonnigen, warmen Westwand um die scharfe NW-Kante herum in die düstere Nordwand schob, durch die die Route führt, konnte man keinen Augenblick an der Richtigkeit dieser Voraussage zweifeln. Von einer Route im bürgerlichen Sinne des Wortes war wenig mehr zu erkennen. Die NW-Kante, auf der man steht, verliert sich, senkrecht abfallend, bald dem Blick, der vom nächsten Kantenvorsprung in die 400-500 m weiter unten am Westfuss des Turmes sich ausbreitenden Schutthalden abgelenkt wird. Gegen oben wird die Sicht durch einen Überhang abgeschnitten. Die Nordwand, der Weiterweg, bietet sich dem Blick im Profil. Sie ist nahezu senkrecht. Man muss schon gut hinsehen, um in der Nähe so etwas wie ein leicht abfallendes Band zu entdecken, das sich nach 4 m hinter einem Vorsprung verliert und das, nach den Weisungen des Führers, zu begehen ist.

Als ich zum erstenmal Gelegenheit bekam, die Nordwand zu besichtigen, waren Hans und Leni bereits irgendwohin verschwunden, und einzig die Tatsache, dass das Seil, welches uns verband, dem Gesimse folgend, hinter dem Vorsprung verschwand, deutete darauf hin, dass sich meine beiden Kameraden in dieser Vertikallandschaft irgendwie zurechtzufinden schienen. Durch Rufen gelang es mir zu erfahren, dass Leni etwa, 8 m von mir entfernt auf dem Band stehend, Hans sicherte, der bereits die « pièce de résistance », die berühmte « Ampfererwand », in Angriff genommen hatte, und dass, soweit die Berichterstatterin die Lage überblicken konnte, alles in bester Ordnung zu verlaufen schien. Unser Gespräch war etwas mühsam. Wie oft in solchen Wänden, verlor sich der Ton auf kürzeste Distanz, wie von der Luft verschluckt.

Als mir Leni zurief, nachzukommen, nahm ich zuerst einen tiefen Atemzug, in der Annahme, dass sich dies für alles Weitere nur als nützlich erweisen könnte, löste den Karabiner vom Haken, der mir bisher Sicherheit geboten hatte, und stand, nach einem herzhaften Schritt um die Kante, « in grande esposizione » im Quergang. Bei Leni angelangt, war ich eben im Begriff, die Eindrücke dieser Seillänge in Form einer feierlichen Erklärung, wonach dies die exponiertesten 8 m gewesen seien, die ich je kletterte, aller Welt zu verkünden, als mein Blick auf Hans fiel, der etwa 7 m über uns in der Wand hing, und die ausserordentliche Ausgesetztheit seiner Lage sowie die Gemessen-heit seiner Bewegungen liessen es mir angeraten erscheinen, meine Erklärung für eine baldige, noch würdigere Gelegenheit aufzusparen.

Die Ampfererwand, an deren Beginn wir uns hier befanden, ist keine selbständige Felsformation für sich, sondern bildet den obersten Abschluss der bisher noch nicht in ihrer ganzen Länge erstiegenen Nordwand des Campanile Basso. 30 m hoch ist ihre Neigung von der Senkrechten im geometrischen Sinne nur wenig abweichend. Um sich die Lage des Kletterers in ihr ausmalen zu können, muss man zu den 30 m die weiteren 300-400 m hinzugeben, die sich unterhalb anschliessen. Dem Tempo und der Behutsamkeit seiner Bewegungen nach zu schliessen, schien Hans über unseren Köpfen die Addition auch zu empfinden. Nachdem er einen Sicherungsplatz erreicht hatte, folgte Leni nach. Der dort verfügbare Platz hätte für drei nicht ausgereicht, und so nahm Hans unverzüglich sein alpinistisches Buchstabierspiel von neuem auf. Unentwegt nach Griffen suchend und Griffe prüfend, vorsichtig Tritte benützend, die nicht einmal einem Zehntel der Schuhsohle Platz boten, sich möglichst der Flanke anschmiegend, um das mühselige Gleichgewicht zu bewahren, und doch so weit vom Fels bleibend, um die Übersicht nicht zu verlieren, gewann er, Zentimeter um Zentimeter sich emporschiebend, langsam aber stetig an Höhe.Von hier unten war dies alles nur mehr zu erahnen, da man, wie meist im steilen Fels, vom Kletterer nicht viel mehr sah als zwei sich immer mehr entfernende Profilgummisohlen, einen Manchesterhosenboden und ab und zu etwa noch ein Kinn oder zwei Nasenlöcher.

Als er einen sicheren Standplatz erreicht hatte, war die Reihe an mir. Schon die ersten Meter zeigten, wie wohl ich getan hatte, mit meiner Erklärung über die exponiertesten Klettermeter meiner Laufbahn Zurückhaltung zu üben. Ampferers Wand war dazu noch besser geeignet als der Quergang. Sie hatte es entschieden in sich! Nahezu senkrecht, kleingriffig und aus einem wunderbar festen Kalk gefügt, bietet sie dem Kletterer einen seltenen Genuss. Ihre Schwierigkeiten liegen weniger in der Wand selbst als vor allem in dem, was unter ihr ist, in den vielen Metern Bergluft, die sich hindernisfrei dem Wanderer darbieten, wenn er beim Klettern zufälligerweise den Blick zwischen den Kletterschuhen hinabgleiten lässt. Nach einer eindrucksvollen Seillänge erreichte ich den Sicherungsplatz, von wo ich, mich zurückbeugend, nochmals den Aufstiegsweg überblickte.

Die feierliche Erklärung, deren Verkündung ich mir bis hieher aufgespart hatte, übte auf meine Kameraden, die schon weiter oben in der Wand verteilt waren, nicht die erwartete Wirkung aus und veranlasste Hans lediglich zur Bemerkung, ich solle nur warten, bis ich die nächste Seillänge hinter mir hätte. Ich revanchierte mich, indem ich diese Seillänge, die tatsächlich einen heiklen Schritt enthielt, « nicht besonders » fand. Die Sicherung von oben und die Nähe des Gipfels wirkten sich dabei wohl aus.

Die Gewissheit, das Schwerste hinter uns zu haben, und die Freude über das gute Gelingen des Aufstieges beschleunigten nun unser Tempo, so dass wir in kürzester Frist auf dem Gipfel das Seil ablegen konnten. Der unvermittelt schroffe Übergang aus der düsteren Vertikalen der Nordwand in die sonnenbeschienene Horizontale des Gipfels entsprach durchaus der Eigenart des bizarren Felsgebildes, das wir erstiegen hatten.

Unsere Bozener Freunde waren bereits vor uns angekommen, sassen auf den bequemen Gipfelblöcken und berichteten uns in einem drolligen Gemisch von zwei Drittel Deutsch zu einem Drittel Italienisch über ihre Begehung der Die Alpen - 1952 - Les Alpes20 Preusswand, wo sie, einmal eingestiegen, den Weiterweg auf Grund der zahlreichen Haken ( 25 Stück auf 120 m Höhe ) gar nicht mehr hatten verfehlen können. Im ganzen waren sie mit ihrer Tour ebenso zufrieden wie wir mit der unsrigen, und so verzehrten wir in ihrer Gesellschaft die wenigen Brocken, die zur Hauptsache in den Taschen von Lenis Kletterhose und Windjacke den Weg heraufgefunden hatten, betrachteten beim Essen vergnügt und zufrieden das muntere Spiel des Nebels mit der Sonne inmitten der wilden Brentalandschaft, die sich uns hier zum ersten Male seit dem Einstieg wieder unter freundlicheren Gesichtswinkeln zeigte.

Dem Gipfelbuch war zu entnehmen, dass unsere Begehung die 1527. war! Darüber hinaus ist darin noch allerhand Interessantes und Wissenswertes verzeichnet, so z.B. dass die beiden Bozener Mitglieder eines Kletterklubs mit dem bezeichnenden Namen « Grizzly » sind, was mit dem Steineschmeissen gut zu harmonieren scheint. Die erste Begehung der Saison war von einer Bündner Viererpartie ausgeführt worden. Einige Wochen später waren ein Aargauer Tourist mit einem Berner Oberländer Führer eingetragen. Die ganze Fülle bekannter und weniger bekannter Kletterernamen verrät deutlich, dass der Basso ein begehrtes und hoch gewertetes Tourenziel darstellt.

Der Abstieg, zu dem wir uns nach längerer Rast entschlossen, begann einige Meter unterhalb der Gipfelebene bei einem einzementierten Abseilring und führte vorerst über zwei Abseilstellen von je 20 m, der NW-Kante entlang zurück auf den terrazzino del Ré del Belgio. Längere Abseilstellen sind mir zuvor schon begegnet, ausgesetztere noch kaum! Von der Terrasse aus ist die Aufstiegsroute in freier Kletterei rückwärts zu verfolgen, was keine Schwierigkeiten bietet. Auch der 60-m-Kamin ist frei kletterbar und erweist sich im Abstieg als ebenso schön wie im Aufstieg. Grösstenteils kletternd, mitunter aber auch abseilend, gelangten wir so ohne jede Hast schliesslich gemeinsam mit den beiden Bozenern auf die Höhe der Pooliwand, über die die letzte senkrechte Abseilstelle in gangbares Gelände zurückführt.

.'Auf- und Abstieg hatten wir in annehmbaren Zeiten hinter uns gebracht, die zwar etwas über den im Führer angegebenen lagen, doch galten die letzteren für geübte Dolomitenkletterer und für Zweierseilschaften.

Das gemächliche Versorgen des Seiles, das Wechseln der Schuhe und das Packen des Rucksackes, wie wir es nun taten, sind Handlungen, denen nach glücklich verlaufener Tour Gefühlswerte innewohnen, die man hinter der äusserlichen Belanglosigkeit des Vorganges kaum vermuten würde. Nur der Kletterer weiss das!

Der Heimweg gestaltet sich, dank des mit Treppenstufen, Leitern und Drahtseilen versicherten « sentiero delle bocchette » sehr bequem und liess uns bald in jene wohlige Stimmung nach der Tour versinken, in der die Genugtuung über das Vollbrachte sich mit den Gedanken an Essen und Schlafen zu einer wunderlichen Mischung von Geistigem und Körperlichem verbindet und so dem Kletterer die beiden Wurzeln seiner Tätigkeit vor Augen führt.

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