Das Grindelwalder Grünhorn über den Nordostgrat

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Da keine schriftlichen Belege vorhanden sind, daß das Grindelwalder Grünhorn oder Pfaffenstöckli schon einmal über den ganzen Nordostgrat erstiegen worden ist, so nehme ich an, es werde von Interesse sein, einige Mitteilungen über eine Besteigung zu machen, die ich auf dieser Koute letztes Jahr unternommen habe.

Das Grindelwalder Grünhorn ( 3121 m ) ist für Bergsteiger so gut wie unbekannt, da es von gigantischen Hochgipfeln, die alle weltbekannte Namen tragen, etwas zurückgedrängt wird.

Sonntag den 13. Mai 1906, morgens 4 Uhr, brach ich mit meinem Freunde, dem patentierten Führer Peter Burgener, Sohn, von Grindelwald auf. Wir verfolgten den Weg nach der Bäregg und von hier die gewöhnliche Route bis zum Zäsenberg, Punkt 2214 ( Siegfr. Atl., Bl. 396 ). Von hier gelangten wir in südöstlicher Richtung zwei Lawinenzüge durchquerend, teils über Gletscher, teils über Fels, zirka in der Mitte zwischen Punkt 2678 und Punkt 2840 Siegfr. ( Oberbugel, siehe Climbers'Guide to the Bernese Oberland II, pag. 11 ), in eine Einsattelung des Nordgrates des Grünhorns.

Von dieser Einsattelung aus steigt der Grat ziemlich steil an, zudem versperren 7 Gendarmen, die überklettert werden müssen, die Route. Diese Gratwanderung erforderte die größte Vorsicht, da das Gestein brüchig und der Grat sehr exponiert war. Nach Bezwingung der Gendarmen kamen wir zu dem eigentlichen Bergsattel, den beinahe alle Partien, sowohl die, welche von der Schwarzegghütte aus, als die, welche direkt vom Grindelwalder Fiescherfirn den Gipfel besteigen, überschreiten, um den Gipfel zu erreichen. Das letzte Teilstück ist ausgesprochene Felskletterei und beansprucht zu seiner Bezwingung, bei einer Höhedifferenz von zirka 300 m ., vom Sattel aus zirka eine Stunde. Die Formation des Gipfels ähnelt dem des Mönchs sehr stark.

Die Aussicht vom Gipfel wird östlich durch die schroffen Wände der Schreck- und Lauteraarhörner, südöstlich durch das Finsteraarhornmassiv, südlich durch das Kleine Fiescherhorn und westlich durch den massigen Eiger stark eingedämmt.

Beim Abstiege verfolgten wir den Grat zuerst eine Strecke zurück, stiegen dann, nach Norden abbiegend, direkt durch die Felsbänder, westlich vom Simelbergli, auf den obern Grindelwalder Fiescherfirn ab, von hier aus über den Gletscher hinunter zum Zäsenberghorn und nach Grindelwald, wo wir um 10 Uhr abends anlangten.

Diese Tour eignet sich vorzüglich zum Training und bietet reichliche Abwechslung.F. Bally ( Sektion Bern ).

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