Das Turtmanntal

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Eine kulturgeschichtliche Studie.

Dr. L. Meyer, Sektion Monte-Rosa.

Von Illustration mit Textzeichnungen von Prof. K. Meckert, Sitten, und Aufnahmen von Meyer, Vollenweider und Lichtenhahn.

Streiflichter sind es, mehr kaum! Doch was geboten wird, ist aus fleissigem Suchen und Fragen entstanden. Die Zustände gehen in der Art, wie sie dargestellt sind, hinter das Jahr 1900 zurück. Manche Nummer trägt offenbar eine persönliche Färbung: Selbstgeschaut und miterlebt! Die Orts- und Alpenarchive wurden ausgenutzt, und alte Hirten und Sennen haben willig und freudig beigesteuert. Es mag bedauert werden, dass der Raum nicht andere Kapitel zugelassen hat. So musste zurückgelegt werden: 1. alles, was das Dorf Turtmann allein anging; 2. die Naturgeschichte des Tales, insbesondere a ) die Forschungen und Funde aus der Pflanzenwelt von Dr. G. Bauverd, Genf; b ) die Beobachtungen über die Fauna des Turtmanntales ( Vögel, Säugetiere und die kleine Tierwelt ), die in liebenswürdiger Weise Professor Galli-Valerio, Lausanne, uns zur Verfügung gestellt hatte.Vielleicht darf ein Nachtrag später folgen.

Mögen die lieben Tal- und Alpenleute und namentlich die geehrten Freunde der stillen Alpenwelt diese Aufzeichnungen gütig annehmen als treue Freundesgabe!

I. Überblick über das Tal.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Tal von hervorragenden Alpenfreunden wiederholt beschrieben worden. Hier eine Blumenlese:

« Das Turtmanntal ist in seiner Formation sehr einfach. Gegen das Haupttal der Rhone öffnet es sich bei dem Dorfe Turtmann in einer Waldschlucht. Der Bach, der dasselbe durchströmt, hat sich nicht zwischen den Felsen durchgefressen, sondern stürzt in schönem, 80 Fuss hohem Falle zu Tale. Hat man die Waldschlucht passiert, so öffnet sich ein kleines, schmales, zirka vier Stunden langes Alpental, in welches sich im Hintergrunde der Turtmanngletscher herabsenkt, von dem Weisshorn gekrönt. Das Tal ist nur im Sommer bewohnt, von den Hirten, die das Vieh besorgen. In die zur Seite liegenden Täler kann man auf verschiedenen Wegen gelangen; der Hauptpass aus dem Nikolaital ist der Jungpassvon St. Nicolaus aus, beim Schwarzhorn vorbei. Gegen Westen führen mehrere Wege ins Eifischtal. » ( Die Seitentäler des Wallis, von M. Ulrich, 1850. ) Das Tal ist später in französischer Sprache geschildert worden ( Jahrbuch 35, S. 187, und Echo des Alpes 1898, S. 115 ) von H. Correvon, dem begeisterten Freunde der Berge und der Alpenflora. Nach ihm ist das Tal ein zierliches Alpental, das er seit 1878 so oft und freudig durchstreift hat. « Es hat seine prächtigen Gletscher, die sein Haupt umlagern; einen wilden Bach, dessen Wasserfall grossartiger und schöner ist als der Pissevache; Wälder, die ihresgleichen im ganzen Wallis nicht haben; eine Flora, ausserordentlich reich und kostbar; es ist wie ein liebes Stelldichein von allem, was Alpe und Hochgebirge an Reizen aufbringen; zu seinem Ruhme sei es gesagt, gerade deshalb, weil es wenig bekannt ist, wird es sein und bleiben ein Lieblingsort der Alpinisten, Dichter und Künstler und ein bevorzugter Ferienwinkel. » « Das Tal erstreckt sich zu den ausgedehnten Eisgefilden des doppelarmigen Turtmanngletschers, die sich tief unten vereinigen und in engem Taleinschnitte verlieren. » ( L. Meyer, Jahrb. 50, S. 132 ). « Es endet bei der gletscherumwallten Königin, am Fusse des 4512 m hohen Weisshorns. » ( A. Dreyer, Alpinismus, Berlin 1909 ).

« Und droben, wo das Tal und seiner Triften Grün allmählich verschwindet im bläulichen Tiefenduft, da haben Firne, Gletscher und Schneegipfel sich des Landschaftsbildes bemächtigt und umgeben dich mit ihrer schimmernden Pracht. » Hier das weite Firnrevier, das zu beiden Seiten des nordwärts absteigenden Weiss-hornkammes sich ausbreitet, ostwärts von den Barrhörnern und dem Brunegghorn, westwärts von den Diablons beherrscht wird, die beiden mächtigen Gletscherarme, welche diesem Firnenmeer entströmen und unterhalb des Felsabsturzes des Weisshornabsenkers sich vereinigen, darunter die klare Eisflur des flachen Gletscherrückens und anschliessend der mit dem gelben Steinbrech und der würzigen Edelraute reich besetzte Moränenkessel; und dort, vom Grate des bösen Diablons aus gesehen: « Ein Gebirgszirkus von seltener Grossartigkeit und Wildheit, wie die Alpen keinen zweiten aufzuweisen haben mögen. Riesenhoch ragt sie auf zum blauen Äther, die Schar stolzer Gestalten, die ihn bildet. Hier mit den Diablons und dem Weisshorn beginnend, woran das Rothorn sich reiht, erreicht jener mit dem Gabelhorn und der Dent blanche seine grösste Tiefe und schliesst, nordwärts umbiegend, mit dem Grand Cornier und der Pigne de l' Allée. In der Mitte des Gipfelrundes, durch einen Firnkamm mit dem Rothorn verbunden, taucht schwarzgezackt und düster der Besso auf ( 3675 m ), in zwei nahezu gleich grosse Gletscherbecken es teilend, das westliche aber zum Teil verdeckend. Die glanzvollste Partie des Bildes, daran mit Bewunderung das Auge haftet, ist die zunächst vor dem Schauenden furchtbar hoch sich aufwerfende Gebirgsmauer, die im Weisshorn und Rothorn sich gipfelt, an deren Fuss des Weisshorn- und Momiggletschers blaudurchklüftete Eisterrassen schimmern. Leiser Lufthauch umflort die himmelhohen Wände des Weisshorns und mildert in etwas den grellen Kontrast zwischen dunklem Fels und blinkendem Schnee. In magischem Zwielicht liegen die Gletscher, helle Lichtreflexe jagen die bläulichen Schatten, treiben mit ihnen ihr zauberisches Spiel. » ( Nach J. J. Weilenmann: Aus der Firnenwelt, Leipzig 1872. ) Wenn man aber das Tal ganz überschaut, von seinem Auslauf hinein bis zu seinem Anfang, wie sieht es alsdann in Wirklichkeit aus?

Das Turtmanntal läuft in einer nahezu geraden Linie vom Süden her und bildet beim Dorfe Turtmann, 632 m ü. M., einen rechten Winkel mit dem grossen Tale des Rottens. In seiner Kehle sitzt der Gneiskegel des Kreuzhubeis, an dessen Wänden die Leimernklamm, der « Graben », östlich und die Bochtenschlucht westlich wie zwei eingeengte Luftgänge in die Ebene stechen. Die eigentliche Talsohle ist 10 Minuten vom Dorfe jäh entzweigebrochen. Der lärmende Talbach, die Turtmänne, zwängt sich durch eine schmale Felsrinne heraus und hüpft in zwei kecken Sprüngen, ganz zu Schaum geschlagen, herunter in ein schäumendes Becken. Der Wasserfall misst über 50 Meter, jederzeit, aber zumal im Sommer, eine Naturschönheit, die zu den Seltenheiten der Schweiz gezählt wird. Als die grosse Post noch durchs Land fuhr und in Turtmann umspannte ( bis 1878 ), da drängten sich die mutigsten der Kinder an die aussteigenden Fremden schüchtern heran und fragten: « Voulez-vous voir Wasserfall? » Und froh kehrte der junge Führer zur Mutter heim, hatte er ja einen Batzen oder einen Zwanziger als Trinkgeld erhalten.

Das Tal soll 20 Kilometer messen, heisst es in Reiseführern. Diese Angabe ist recht ungenau. Es ist so lang, dass ein guter Fussgänger 4 gute Stunden bis Gruben braucht und von Gruben in weitern 2 Stunden den Gletscher erreicht. Natürliche Beschaffenheit, Pflanzenwelt und Wirtschaftsverhältnisse teilen in auffälliger Übereinstimmung das Tal in 2 Glieder: in das vordere und innere Tal, die wie durch eine Kniescheibe, den Querriegel der Grindjiecke, zusammenhangen. Wie aus der Vogelschau gesehen, zeigt das Vordertal und das Hintertal seine Eigenheiten, sein charakteristisches Bild.

A. Das Vordertal.

Das Vordertal geht an Dörfern und Maiensässen, sage Weiden, vorbei. Am linken Ufer kauert über der Kreidenwand der Bochttschuggen das niedliche Unterems, 1011 m il. M., das mit seinem Gotteshaus sich frisch erhoben hat, nachdem es französische Raubhorden 1799 zu Asche verbrannt hatten. Darüber liegen, wie auf dem Lerchwald gestaffelt, die Weiler und Häuser von Oberems, das selbst 1345 Meter hoch über Meer aufragt. Jenseits der Talschlucht aber ruht das Dorf Ergisch, das uralte Argessa, dessen Name seit dem 13. Jahrhundert immer gleich gelautet hat. Und hat der Talweg den « Graben » his zum « Bildji » durchschnitten, geht rechts vom Ergischweg der Steig zu den « Linden » und eben hinein bis zur Bachtola, wo der alte Weg links nach dem bienenfreundlichen Tuminen, dem Tomagni von anno 1267 und Tumingen und z'Tuminen ( 1601 ), führt; dort ist der Weiler, in dem eine Kachelhütte, die einzige im Oberwallis, bunt-bemalte Erdgeschirre gebacken hat. Jetzt klappern hier Mühlen und Bäckereien; am Berge zu die des L. Jenelten und linksufrig die von Marx. Der Weg zieht in Krümmungen aufwärts durch den Erlenbusch ins Birch zu den Teufelstritten; das ist der halbe Weg zwischen Turtmann und den « Weiden », eine Wegstunde gerechnet. Wer beim Birchtrog nicht schon Wasser geschöpft hat, muss jedenfalls hierherum einmal « abstellen » und « liwen ». Ob dem Weg zeigt eine dicke Felsplatte die eingehauenen Fussstapfen uralter Talwanderer. Die Leute erzählen darüber: « Da wollte der Geistliche nach Gruben gehen Messe lesen; aber der « Leide»war damit nicht zufrieden. Im Tal war junges Volk beisammen, der Pfarrer hätte es aber in seinen Lustbarkeiten gestört. Darum will der « Böse » dem « Herrn » den Weg versperren. « Gib mir das ungebundene Fass in Gruben, dann lass ich dich ziehen », rief der Böse und meinte ein Eheweib, das in Gruben keinen Ehering trug. Der Geistliche aber segnet und befiehlt: Und der Teufel muss aus dem Weg, springt auf das « Gufer » und drückt seine « gfirigen Chlawen » tief in den Stein. Dann aber « taub » und pfauchend wirft er « urgewalts » sich unter den Weg; und da seht die « Spunne » ( Spur ); dort, wo der Gletscher in unvordenklicher Zeit eine Steinkehle ausgeleckt hat, da ist der « Böse » wüst und wild heruntergerutscht.

Einige Schritte bloss, und das « Chittunpletschi » spreitet den Rasenteppich unter der « Niwen » — der Leukerwasserleite — aus. Wer krankes Vieh aus und ein treibt, der kann hier von Rechts wegen rasten, wie er will; und so auch in der « stützenden Matte », wo immer noch unter dem Talwege die eingemauerte « Tal-pletsche » gezeigt wird. Die ersten Weiden heissen « Ringsfuren »; hinter ihnen öffnet sich der Taubenwald. Ein wahrer Märchenwald. Er dehnt sich von den Ringsfuren bis zur Hübschen Weide und ist in der Luftlinie keine 3 km breit; doch seit Tschudis Tierleben der Alpenwelt ( 1860 ) wird er immer mit 2 bis 2,5 Stunden Breite in den Reiseführern bemessen. ( Vgl. Fd. Wolf, Europ. Wanderbilder, 1884. ) Allein, der herrliche Tannenwald braucht keinen Phantasiezuschlag, um mit seinen Riesentannen die Aufmerksamkeit zu fesseln. Wenn irgendeiner in der Schweiz, verdient er den Namen eines Urwaldes, meinte Tschudi. Und er fährt weiter: « Erdbeerstauden spriessen 1,5 Fuss hoch aus der weichen Holzerde auf, tausend junge Stämme wuchern aus der modernden Leiche halbtausend-jähriger Stämme auf, und die meergrünen Bartflechten triefen ellenlang von den Zweigen, in denen der Urhahn balzt und der Luchs und die wilden Katzen auf Beute lauern. » Die « undurchdringliche Üppigkeit » aber ist jetzt, nach 80 Jahren, nur noch in Resten vorhanden. Oben geht der Weg am Kapellchen vorbei. Daneben in einer Felsennische ist in bescheidener Plastik die Heiligste Dreifaltigkeit dargestellt. Das ist das älteste Exvoto, das hierher gebracht wurde. Da löste ein Mann, der an diesem Orte mit seinem Pferde « Anstand » gehabt und in der Notlage durch seinen frommen Verspruch Hilfe gefunden hatte, vor Zeiten sein Gelübde. Hat man den Tannenwald verlassen, so betritt man das Gebiet der eigentlichen Weiden. Da sind rechterhand die Salweiden, die beim Vollenstein durch die Vollenweiden fortgesetzt werden, die Hänge bis hoch in die Waldhöhen bekleiden und schliesslich mit der Eggimatte die Weiden bis an die erste Alpe — das Grindji— vorschieben.

Jenseits der Hübschen Weid beginnen am rechten Ufer die Wängenweiden, über denen sich die sommerlichen Kuhweiden der « Alpeten » ausdehnen, während zuoberst an den Grathängen taleinwärts die Ergischer Schafalpe mit den Kummeten, dem Blis- und Wängerstafel lagert. 1548 erhielten die Kummetgeteilen das Brenn-und Bauholz an der Wengersfluh gerichtlich zugesprochen, und 1574, am 28. März, kaufte die « Genossenschaft » ( Gemeinde !) Ergisch von der Familie Kalbermatten einige Alprechte in Blysch und Kummeten um 200 Pfund; so wurde diese Alpe stückweise zusammengekauft, um schliesslich eine grosse Gemeinalpe für die Schafherde von Ergisch zu werden.

Nicht immer geht es still her in diesen steilen Alpenweiden. Steinschläge und Schneestürze bedrohen Alm und Hütten. Es war um 1878 herum, da war ein warmer Junitag über die Schneemassen gegangen. Wider Abend war 's in den Wängenweiden nicht mehr geheuer: Ein Tosen und Stöhnen glitt von den Höhen über die zitternden Hänge herab: Ist's Erdbeben? Um Gotteswillen! Mutter und Kind, Sennerin und Hirt rennen aufeinander, schlagen die Hände zusammen, fechten und fuchteln und stossen Angstrufe aus: Es wälzt sich ein Unhold hernieder. Da seht! Von Lochers Weiden schiesst eine Schneeschlange durch den Graben dem Tale zu: Vor ihr und über ihr wirbeln ganze Tannen mit Wurzeln und Ästen wie Zündhölzchen in der Luft. Felsen wie Öfen schwingen im Bogen über die Halde, und im Graben wälzt sich Schnee und Wasser, Erde und Steine und Äste wie ein Schlammbach krachend zur Tiefe. Die Turtmänne wird auf Augenblicke hinterschwellt, und beide Ufer sind mit einer haushohen Schneebrücke verbunden: Nicht eine Staublaui, eine « nasse Laui », eine Grundlaui war niedergegangen!

Am Talweg zwischen den Sal- und Vollenweiden liegt wie ein riesiger Steinwürfel der Vollenstein. Er hat den Namen von den Vollenweiden, und diese heissen so wohl deshalb, weil die Bodengestaltung an eine Volle, einen Trichter, denken lässt. Am Vollentschuggen, heisst es, haben am heiligen Abend einmal 9 Hirten mit ihren Milchkübeln, Milchbrentjinu, einander getroffen; sie waren auf dem Wege zur Mitternachtsmesse.

Über dem Vollensteg treten wir ins Amosi, die letzte Weide. Den 24. Februar 1487 kaufte Peter Locher von Turtmann um 43 Pf. Alpenrechte in « Amosera », worauf 16 Schilling Gilt an den Franziskusaltar in Sitten lasteten.

Nun folgt die Grenze zwischen dem Vorder- und Hintertal. Wie die sich so gut unterscheiden! Im Vordertal stürzt die Turtmänne vom Grindjisand heraus von Felsblock zu Felsblock, zwischen steilen Uferhängen, eingefressen in ein enges Bachbett, schäumend und tosend; im Hinterteil fliesst der Bach vom Senntum her und schlängelt in massigem Gefälle zwischen Grasufern wie eine Silberschlange zur Grindjibrücke. Im Vordertal Tannen- und Lärchenwälder; bei Niggeling, der ersten Alpe, hören die Tannen auf, und es wird als eine Seltenheit vermerkt, dass etwa 2000 m hoch in Blumatt, eben unter dem « Liwilärch », eine etwa zwei Klafter hohe Tanne unter Lärchen und Arven ein Einsiedlerleben fristet. In den Alpen wachsen ja nur Lärche und Arve und Schwarzerle, sonst nur Knieholz. Im Vordertal sind die Weiden nur Privateigen; im Hintertal die Alpen nur Genossenschaftsgüter. Freilich ist dieser letzte Zustand keine 200 Jahre alt. Denn alle Gemeindealpen, als Senntum und Schafalpen, und alle Geteilschaften sind nachweisbar aus Kauf und freiem Zusammenschluss entstanden, und zwar wohl erst recht seit dem 16. Jahrhundert. Doch lassen wir jetzt die Weiden, in denen Kinder und Vieh im Juni und wieder in der zweiten Hälfte September die seligsten Lebensstunden verbringen; weiter hinein zu den Alpen!

B. Das innere Tal.

Wer etwa vom Meidhorn herniederschaut, ein anderes Mal von der Grubegge oder dem Schwarzhorn, der hat die Alpen von Tal zu Grat, von Stafel zu Tagfeld und Täli ( wie die obersten Weidhänge genannt werden ) vor Augen. In der Talsohle folgen an den Ufern der Turtmänne Gruppe an Gruppe Gemächer: Hütten und Ställe, ausschliesslich Blockbau über einer mehr oder weniger aus dem Boden tretenden Trockenmauer, das Ganze unter einem Satteldach aus Lärchenschindeln. Eine ungewölbte Hütte mit offener Feuerstelle ist Küche und Käserei. Daneben ruht über dem Keller der Speicher ohne Fenster, Schlafraum und Vorratskammer zugleich; angeklebt der Heuspeicher. Jedermann hat nämlich seine eigene Heumatte, die seinen Pferden zum Frauentag und seinen Kühen für die Zeit der Not ( « Inhanni » ) Futter liefert. Mehr an « Gehäuseten » hat die alte Zeit, 50-80 Jahre zurück, kaum übriggehabt, höchstens noch ein Hüttchen für die Schweine, die « Stia » oder « Figgler », wie die Gommer sagen. Unsere Zeit hat allerdings gebessert; sie hat sogenannte Alpenstübchen gebaut, die z.B. im Kleebodi, in Gruben, Meiden und Blumatt zierliche Wohnungen sind. Höher auf werden die Wohnungen eher schlechter. Die Holzwände werden zumeist durch eine Trockenmauer ersetzt, und die Bettstelle ruht etwa in einer Ecke auf Holzklötzen oder Tragsparren fest. Es ist schon wie eine Ausnahme, wenn die früher in den Weiden einzig bestehende « Beienhütte » mit ihrem hölzernen, über den Stall gezogenen Brückenbau noch in die Berge kommt.

Die Vorsässe der 17 Kuhalpen folgen also taleinwärts aufeinander, bis Gruben in einer Höhe von 1750 ( Simigen ) bis 1800 Meter und steigen im Hungerli und Senntum bis zu 2000 Meter. Die meisten Alpen haben ihre drei Stafel; allerdings Kleebodi hat nur einen und Schafel zwei. Der zweite Stafel liegt am obern Waldsaum, er heisst der Mittelste, in Blumatt der Messstafel. Der oberste Stafel, gewöhnlich der reichste an Weiden, ist der eigentliche Sommersitz.

Es ist eine Verwechslung, dass die Karten von einer Meidenalp und einer Grubenalp schreiben und damit bloss den obersten ( Stafel ) bezeichnen wollen. In Blumatt heisst der oberste « Kaltberg »; dessen Hütten liegen 2580 Meter hoch und sind also der höchste Alpensitz des ganzen Tales; er wird vom St. Jakobstag bis in die ersten Tage September bewohnt.

Es fallen kleine Schlaglichter in die Geschichte des Tales, wenn an Alpnamen, an Kauf und Lauf alter Zeiten erinnert wird. Einige Beispiele:

1. Grindji. 1601 nennt ein Gütervertrag neben dem 18. Teil eines Stadels, der einst Perini Schwytzer gehörte, auch 1% Kuhrechte in der Alpe, genannt am Grüindlin; 1646 kosteten 3 Kuhrechte im Gringy 130 Pf .; das « Ankengilt » von 2 Pf ., auf die « Tessei » zu verteilen, ward aber nicht einbegriffen. Und 1649 wurden 1 % Kuhrechte im Grindgy um 45 Pf. verhandelt. Das Ankengilt, das auf der Alpe lastete, nicht gerechnet. ( Das Buttergilt der bischöflichen Tafel wird 1647 auch für die Alpe Zun Rotigen namhaft gemacht. ) Das althochdeutsche « crindil » und « grintil », das im « Grindil » des Pfluges weiterlebt, bedeutet Sperrbalken und Riegel und wird auch auf hohe Berge bezogen. Der Name passt zur Alpe, die ihren Fuss wie einen mächtigen Querriegel in die Talsohle stösst und damit das vordere Tal abschliesst, in frühern Zeiten auch ihre Zäune und Stapfen gehabt hat.

2. Schafel. 1546 wurde in Chaff el ( die Schreibweise erinnert an französischen Einfluss ) y2 Kuhrecht mit 15 Pf. bezahlt. 1660 hiess die Alpe Zaffel und 1680 Z'Schafol, ungefähr so, wie der Name noch jetzt gesprochen wird. 1680 gaben die Geteilen 3% Kuhrechte dem Kastlan von Rüden ( Gondo ), Joh. Am Herd, der ihnen seine Weide ( magale ) mit Hütte und Stall ( cum tigurio et stabulo ), gelegen am Z'Schafolbach in Tausch überliess, die Gemächer aber vorbehielt, solange er die Alprechte nicht verkaufen würde. Der Name « Zu Schafil(ol ) » hängt mit dem althochdeutschen scaph, Schale, Gefäss ( scaphil = Scheffel ), zusammen.

3. Z'Gruben kostete 1636 eine Kuh Alprecht 60 Pf. Z'Gruoben galten 1651 2 Pfennige Alprecht 4% Pf- » und 1657 war ein Fuss in der Alpe, genannt Gruben, um 18 Pf. angeboten. Der Name Grube ist eine schon im Gotischen ( gròba ) und im Althochdeutschen ( gruoba ) bekannte Sachbezeichnung ( Grube, Graben ). Er mag wie Schafel an Ortsbeschaffenheiten angeknüpft worden sein.

4. Meiden. 1582, am 31.März, erhält zu Turtmann Ant. Stalder, der « Fender des Drittels enent dem Rotten » ( Turtmann, Ergisch und Ems einschliessend ), vom Leuker Burger J. Brunner als Geschenk einen Fuss Alprecht im Turtmanntal in der Alpe, genannt Z'Meyden. 1647 wird ein Kuhrecht Z'Meiden an einen Zun Rotigen getauscht. Der Name Z'Meiden erscheint wie Z'Gruben als Bezeichnung einer Sache. Das mittelhochdeutsche « meiden » bedeutet Zelter, Pferd. Hier, am Treffpunkte alter Handelswege, waren Pferde sicher am Platze. Soll es ja in Meiden in alten Zeiten sogar eine Schmiede gegeben haben.

5. Blumatt. 1595 tauscht P. Ballin einen Fuss Alprecht z'B l u o m a t t oder am Kalten Berg gegen einen Fuss Alprecht am Lerch bei Oberems. Der Name wird auch 1659 und später gleich geschrieben, manchmal durch Plumatt ersetzt, wie denn die Aussprache bis auf unsere Zeit etwas schwankt für das althochdeutsche bluomo und pluomo.

Die andern Alpen tragen leicht verständliche Namen.

Die kleine, steile Alp Gigi wird dem althochdeutschen giga ( Geige ) wohl ob ihrer Steilheit und Lage den Namen verdanken; « giga schütze » heisst: sich kopfüber werfen. Die Sage erklärt den Namen aus einem Begebnis. ( Vgl. Im Gygi, S.316. ) Hungerli und Brändji sind in ihrer Form fast wie 2 Schulbeispiele, die zeigen, was lin und lein in der Mundart wird, li, bloss hinter r ( und Z ), sonst lautet es immer nur ji. Natürlich weiss der Volksmund Stücklein über Alpe und Namen. Er erzählt vom Hungern, von Bränden und den Brändjinen, wie das zierliche Knabenkraut, die Orchis nigritella, genannt wird. ( Vgl. der Mann im Brändji, S.315. ) Zur Bitz un darf also gedeutet werden: pizza oder bizza ist im Althochdeutschen Bezeichnung für Querbalken. Hängt mit « beizen » ( bîzan ) zusammen und wird auf Zaun und Stapfen der umzäunten Alpenweid anzuwenden sein.

Vier Alpen tragen, wie es scheint, jüngere Namen, die von den Besitzern herkommen: « Niggelingen ( Th. Niggoling, 1603 ), Simigen, Rotigen Jeneltigen und Jennigen. » Da haben die Nikolaus, die Simeon, die Roten ( noch jetzt ), die Johannes ( Janil und Jenil als Verkleinerung ) ihre Alpsitze gehabt.

Die Heumatten und der Keller von Niggelingen liegen in der Tent. Das mittelhochdeutsche tent, dem lateinischen tentum, tenta entlehnt, mag an irgendein Zelt und Obdach erinnern.

Mehr Urgeschichte bieten, was man heissen kann, verschollene Alpen. Niemand weiss mehr, wo die Alpe « Salzgeben » gewesen sein mag; man kennt aber die Salzböden und die verfallenen Hofstätten ob dem Kaltenberg. 1474 hat am 27. Februar Peter Locher von Turtmann die Hälfte von der 15 Kühe gerandeten Alpe genannt Andersalzgebon im Turtmanntal um 16 Pf. verkauft. Auf diese halbe Alpe konnten 12 Geissen und 5 Böcke getrieben werden. Auch das Heidelin zuhinterst Blumatt war eine Alpe mit 21% Kuhrechten; es wurde mit Blumatt 1693 vereinigt. ( Siehe Alpenbuch im Bild. ) Hinter dem Brändji liegt der sagenumsponnene Hohlenstein, in dem der Schafhirt von Ems seine Höhlenwohnung hat und nie frieren soll: Das ist das Gebiet der Emser Schaf alpe; nahe an der Turtmänne sind noch Reste von Gemächern der frühern Kuhalpe. Und weit hinten, gegen das Brunegghorn aufgezogen, dehnt sich hinter dem Gandriegel das Pipji, wo die Emser Schafe den Hochsommer verleben. Auch das war noch im 17. Jahrhundert Privateigentum. Im Stafel stehen noch die Hofstätten; 1600 hat vor Perrinisch Stadel in Turtmann Peter Randier einen Fuss Alpe, gelegen im Turtmanntal in der Alpe, genannt An Pipgi, an der Schafalpen, mit allen Rechten um 10 Mörser Pfund gekauft von A. Michel, mit dem Zunamen Einfischer von Unterems; der gleiche Käufer P. Randier erwarb 1601 noch einen Fuss Alpe Am Pipgin.

Am linken Ufer enden die Kuhalpen gegen den Gletscher zu mit dem Senntum der Burgergemeinde von Turtmann; darüber sind Grasflecke und Geröllhalden östlich von den Diablons bis hinauf zum Frilihorn. Das ist die Schafalpe von Turtmann.

Senntum und Schafalpe waren noch vor 300 Jahren in eine Anzahl Eigen-besitze geteilt. Noch sind auch in der Schafalpe an den besten Grasplätzen Hofstätten: in Kühmatt, zur bösen Müru, im Frilistafel, im Karlostafel, im Stein-stafel und besonders im Wengerstafel, wo noch 7 Stiegentritte zum Eingang eines jetzt verschwundenen Gemaches weisen.

Noch 1560, den 10. Juni, nimmt zu Turtmann M. Randier von P. Eycher als Tausch entgegen 3 Kuhrechte der Alpe, genannt Frylis, und zwar mit Gebäulichkeiten, als Stuben ( stuphas ), Keller und Ställen.

Um 1606 verkauft Pet. Fryli von Turtmann 2% Küh Alpe zum Sommern « an Frylis Alpen » um 96 Pf. Bargeld. Doch im Jahre 1691 kauft die Gemeinde Turtmann am 25. Februar 4x/4 Kuhrechte zun Fryligen und zahlt 200 Pf .; andere 2 Kühe hatte sie 2 Tage vorher gekauft, und am 9. Dezember kaufte sie noch andere 15 Kuhrechte; im gleichen Jahre also nachweisbar 21% Kuhrechte in Fryligen.

Auch die Wengeralp, offenbar der beste Teil der heutigen Schafalpe, wurde in den Jahren 1689, 1690 und 1691 durch die Gemeinde Turtmann zusammengekauft, im ganzen 44 Kuhrechte, von denen am 28. März 1690 eine Kuh zun Wengen mit 20 Pf. ( nach damaliger Rechnung etwa 40 Franken ) bezahlt wurde.

Ein anderer Teil der Schafalpe trug den Namen « zun Hyssern und zen Hischeren ». Turtmann kaufte 1691 den obersten Teil der Alpe um 250 Pf .; andere Rechte 1707; dann noch 2 Kühe am 7. März 1753; endlich tauschte es am gleichen 7. März 2 Kühe Alprecht zun Hyssern gegen 2 Kühe in der Alpe Gruben ein. Dort, wo es noch zur Frylipletsche heisst in der heureichen Vorsass des Senntums, muss ein Eigentum zen Bossigen gestanden haben. ( Der Bossigen Stein ist jetzt am rechten Ufer ). Am 3. Mai 1707 kaufte die Gemeinde Turtmann 6 Kühe Alprecht « zen Bossigen » um 300 Pf.

Aus den angeführten Einzelheiten ergibt sich ein doppelter Schluss für die Kulturgeschichte:

1. Das Tal mit seinen Alpen war noch im spätem Mittelalter, etwa vor 1500, in eine Menge EigenbesitzePrivatweiden — aufgeteilt. Nach und nach, besonders seit dem 16. Jahrhundert, haben sich die Geteilschaften entwickelt, indem sie die einzelnen Besitze kauften oder in ihren Verband aufnahmen. Eine Rechtsame einer Oberbehörde ist, das sogenannte Ankengilt der bischöflichen Tafel abgerechnet, nirgends erweisbar.

2. Die Namen weisen auf ursprüngliche germanische Besiedlung hin. Das Tal hat bis in die Urgeschichte zurück nie andere als deutsche Einwohner und Besitzer gezählt.

II. Die Kirche von Dorf und Tal.

Im Zenten Leuk gab es vor 1500 eine einzige Pfarrkirche, nämlich die Pfarrkirche von Leuk. Die Zweitälteste Pfarrkirche des Bezirks ist die von Leukerbad, am 10. September 1501 errichtet; Turtmann wurde erst 1663 eine Pfarrei. In Turtmann hatte aber schon im 15. Jahrhundert eine Kapelle zu « Unsrer Lieben Frau » gestanden. 1451, am 12. März, schenkte ihr A. Bertold von Agarn ein Viertel Butter als jährliches Gilt. 1453 wird Johann Floris, mit dem Beinamen Galli, als Rektor der Kapelle « Unsrer Lieben Frau » von Turtmann genannt. Es ist das der gleiche Herr, der später mit dem deutschen Namen « Blume » genannt wurde und, zum Rektor des St. Nikiausaltars von Nidergesteln gewählt, ein Testament als beeideter Schreiber am 5. Oktober 1461 aufgenommen hat. Als letzter Rektor amtete in Turtmann der Unterwaldner Joh. Wildrich ( 1644-1663 ), nachdem er vorher 1636-1641 Pfarrer von Münster in Goms gewesen war.

Im Jahre 1663 hörte das Rektorat auf; denn im September 1663 wurde die Pfarrei Turtmann von Leuk losgetrennt und errichtet unter dem Titel der Apostel Philipp und Jakob. Der erste Pfarrer war AdalrikusBundschuo aus Freiburg ( 1663 bis 1666 ). Der zweite, ebenfalls aus Freiburg, Fr. Christophor Heigier ( 1666—1668 ).

Zur Pfarrei Turtmann gehörte auch das Dorf Ergisch. 1860 wurde es aber zu einer eigenen Pfarrei erhoben und trennte sich endgültig 1861, nachdem es seit 1798 ein Rektorat gewesen war und eine Kapelle bereits vor 1548 gehabt hatte.

Die alte Pfarrkirche von Turtmann, 1663 gebaut, wurde 1865 abgerissen und durch eine neue ersetzt. Das alte Beinhaus blieb als Friedhofkapelle weiter bestehen.

Aus der Reihe der Pfarrherren von Turtmann ragt einer wie eine geschichtliche Persönlichkeit hervor, nämlich Dr. Michael Thenisch aus Binn. Im Feld, wo sein Vaterhaus noch steht, 1764 geboren, erhielt er in Brig, Novarra und Rom eine vorzügliche Ausbildung, die er mit der Auszeichnung eines Doktors der Philosophie und Theologie abschloss. Er wurde nacheinander Pfarrer von Bellwald ( 1787 ), von Stalden ( 1788 ) und Simpeln ( 1790 ), überall ein eifriger Seelsorger und ein einsichtiger, feuriger Patriot; seine Treue zu Land und Volk brachte aber viel Leid über ihn, sogar Verbannung und Gefangenschaft. Da waren die Franzosen ins Land eingefallen; am Auffahrtstage 1798 hatten sie die Landeshauptstadt Sitten eingenommen und gebrandschatzt. Hervorragende Volksführer wurden nun aufgespürt und bedroht. So musste denn der als treuer Vater-landsfreund bekannte Pfarrer Thenisch aus seiner Pfarre Simpeln weg nach Vorarlberg ( Kamerweil ) flüchten. Als aber der Pfynkrieg entbrannte, da litt es ihn nicht mehr in der Fremde; er eilte in sein Wallis zurück, um mitzukämpfen gegen freche Eindringlinge. So stand er als Feldprediger an der Massabrücke, dicht vor dem Feinde. Allein was half 's? Gewalt siegte, und das Land geriet unter die Füsse des Feindes. Darum musste Dr. Thenisch abermals seine heiss-geliebte Heimat verlassen. Er wurde Feldprediger der Kaiserlichen und verblieb bis 1801 in Welschland. 1802 kehrte er in seinen Vaterort Binn zurück und wurde Pfarrer von Obergesteln ( 1802-1810 ). Von nun an war er den französischen Unterhändlern ein gefürchteter Gegner. Der französische Gesandte Derville Maléchard hatte das Land ausgekundschaftet; darauf erstattete er der Sittener Regierung Bericht und beklagte sich über den Pfarrer Thenisch; er nannte ihn einen unbeugsamen und der französischen Politik gefährlichen Volksmann. Thenisch stand deshalb obenan auf der schwarzen Liste. Darum wurde er von der Präfektur des Departements des Simpelberges ( 13. November 1810 ) gleich in der ersten Woche ihres Daseins in Gewahrsam gebracht. Er war seit Weihnachten 1809 Pfarrer von Turtmann gewesen. Da wurde er am 3. August 1811 von Landjägern festgenommen, nach Genf abgeführt und im Oktober darauf nach Pierre-Châtel in den Kerker geschleppt, wo er, wie sein Testament sagt, mit vielen andern jämmerlich schmachten musste. Mit dem Sturz der Franzosenherrschaft drehte sich jedoch das Rad. Als der Heerführer der verbündeten Mächte, Oberst Simbschen, in der Weihnachtswoche 1813 bei St. Maurice den Walliser Boden betrat, entfloh der französische Statthalter Rambuteau mit Staatsstempel und Kasse. Wallis wurde frei. Mitte Januar 1814 wurde auch Pfarrer Thenisch erlöst; allerdings wurde er erst 100 Stunden weiter geschleppt, nach Bourg Péry. Doch nach 4 Monaten entlassen, kehrte er glücklich in seine alte Pfarrei Turtmann zurück und wurde von seinen Pfarrkindern mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. Er starb 10 Jahre darauf, 1824. Sein Testament ist mit dem 12. März unterschrieben und meldet den Leidensweg des Vielgeprüften, dem aber die Treue und Anhänglichkeit vieler edlen Freunde zum Trost verblieben war; « denn », so sagt er, « sowohl von Geistlichen als von Weltlichen scheinen einige bis auf diese Stunde nie vergessen zu haben, dass ich ein Liebhaber der alten Freiheit bin ».

Als Feldprediger hatte Pfarrer M. Thenisch sich auch daran gemacht, ein Erbauungsbuch für seine Soldaten zu schreiben. Er liess es 1804 in Einsiedeln drucken. Die Einleitung ist ein mit Begeisterung geschriebener Überblick der Walliser-Geschichte, « den Walliser-Helden » geweiht. Die«grossmütigen Glaubens-und Vaterlandshelden » feuert er zu ritterlichem Kampfe an, möge kommen, was da wolle: « Nicht Sieg ist es, so wahre Helden schafft: Grossmut ist es, Treu und Glaub und Tugendkraft. » Ein anderer Geistlicher, der um Dorf und Tal von Turtmann sich besonders verdient gemacht hat, war Anselm Brenzinger, gebürtig von Kirchheim im Breisgau. Er war 1790 geboren, kam als Novize der Redemptoristen ins Wallis, wurde Priester 1813 und trat in den Dienst der Diözese Sitten. Anfangs Schulherr in Leuk, wurde er am 15. Juni 1824 zum Pfarrer von Turtmann gewählt und verblieb in dieser Stellung bis zu seinem Tode, den 9. Oktober 1860. Der eifrige Seelsorger lebt noch immer wie eine liebliche Märchengestalt unter dem Volke. Beim Abendsitz erzählen die Alten noch jetzt gern von dem Pfarrer Brenziger, von seiner Leutseligkeit, von seiner Gesanggeige und seinem Lebensspruch: Zufriedenheit macht reich, darum bin ich reich, weil ich zufrieden bin. Ein inniger Verehrer der Alpenwelt, weilte er gerne in Gruben, baute sich dort aus eigenen Mitteln und vielfach mit eigener Hand eine wohnliche Alpstube. Hinter dem Eingang eine offene Feuerstelle, Küche und Gang zugleich, dahinter die Stube mit Neben-stuben und darunter ein Keller als Vorratsraum. So entstand es in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und ist noch heute das « Pfarrhüsi » von Gruben.

Wie die Pfarrei, so hat auch die Kaplanei von Turtmann gleich enge Beziehungen zu Dorf und Tal. Die Kaplanei wurde 1723 am 10. November gestiftet.

Domherr Jos. Willa, Dekan von Valeria und Pfarrer von Leuk, hatte zur Gründung der Kaplanei schon 200 spanische Dublonen vergabt. Das war ein guter Anfang; allein noch fehlte viel. Da trat, wie der Stiftungsbrief sagt, der hochgelehrte ( perdoctus ) Kaplan Jos. Bieler von Turtmann in die Lücke. Als letzter männlicher Sprosse seines Stammes will er die Stiftung vervollständigen; darum schenkt er seine Güter: Acker in Tennen, Matten und Äcker in Ried, im Tufetsch, in Gaffnersmatten, Rohrmatten usw., dazu einen halben Stadel in der Balmer Gassen und Reben in Salgesch; ferner Güter im Turtmanntale; eine Weide ( magale ) im Sali ( d.h. Salweiden ), noch immer Kaplaneiweide genannt, sodann Alprechte für drei Kühe in der Alpe Gruben. Und damit in der Alpe nichts fehlte, setzte er noch drei alte Dublonen hinzu zum Rückkauf seiner Gemächer, die er seinen Verwandten abgetreten hatte. Der Stifter zeigte seine Grossmut auch in den Bedingungen, die er an seine Stiftung knüpfte, man kann sagen in der weisen Fürsorge um die Erziehung der Jugend. Neben andern Verpflichtungen soll der Inhaber der Kaplaneipfründe künftig den Kindern, die es begehren, Schule halten und sie die Anfangsgründe lehren, nämlich lesen und schreiben, und als Entlohnung erhalte er von jedem Schulkind in jeder der vier Jahreszeiten je drei Batzen und jährlich einen Saum ( onus ) Holz.

Das Schulholz, das Schulgeld, lange 90 Cts. per Kind gerechnet, ist bis ins 20. Jahrhundert erhalten geblieben. Und weder Kinder noch Eltern waren durch diese bescheidene Auslage und Mitsteuer zu Schaden gekommen: Die Schule, die vom eigenen Beutel genährt und mit eigenem Holze geheizt wurde, musste nur um so höher gewertet, um so eifriger ausgenutzt werden.

Vor 2 Jahrzehnten wurden Weide und Alpe der Kaplanei mit den andern Liegenschaften verkauft und zu einer ansehnlichen Pfrundsumme umgemünzt. Das Andenken des gelehrten Kaplans Bieler, der die Kaplanei gestiftet und die Kapelle des hl. Leodegar auf dem Kastlernhubel gebaut und ausgestattet hat, es lebt weiter als Andenken eines unvergesslichen Wohltäters von Dorf und Tal.

III. Die Suonen des Tales.

« Auf beiden Seiten von hohen Bergen umgeben, in ausgesprochenem Windschatten gelegen, bildet das Wallis eines der trockenen Täler, deren Kultur nur durch künstliche Bewässerung ermöglicht wird1 ). » Die Niederschläge in der Gegend von Leuk weisen ein Jahresmittel von nicht ganz 700 mm auf. Sie sind, zumal im Sommer, so gering, dass eine Wiese von Ende April bis Ende August alle 14-21 Tage, also zur Jahresernte 4-5, bis 8 mal bewässert werden muss. Ohne Bewässerung ist der Heuertrag einfach ausgeschlossen. Darum darf man sagen, die künstliche Bewässerung sei so alt als der ordentliche Wiesenbau. Dass die Römer unsere Wassersuonen eingeführt hätten, wird kaum zu beweisen sein. Jedenfalls ist der Hauptname dieser künstlichen Wasserfuhren im ganzen Wallis, im deutschen wie im welschen, nicht römisch, sondern germanisch. Im Unterwallis nennt man alle Wasserleiten einfach « bisse », im 13. Jahrhundert bez, beiz geschrieben. Bisse ist das rechte Wasserbett und ist entstanden aus dem germanischen ( frk. ) « beds », unserm Bett entsprechend.

x ) Kulturingenieur F. Rauchenstein, « Die Bewässerungskanäle im Kanton Wallis », Bern 1909.

Wenn aber der Name so einzig und ausschliesslich von Germanen kam, so ist wohl auch die bezeichnete Sache von Germanen gekommen, ob erst von den Burgundern ( im 5. und 6. Jahrhundert ) oder gar von den germanischen Ureinwohnern Im germanischen Oberwallis hiessen die künstlichen Bewässerungskanäle früher durchwegs Suon, auch Wasserleita, Wasserfuhr, manchmal Runs, wie denn in der Gegend von Turtmann noch immer der Hauptname Dorfrüns ( mit nasalem n gesprochen ), Pfandrüns, Tuffetschrüns usw. gebräuchlich ist 1 ). Wasserfaden und Faden bezeichnen gewöhnlich kleinere Wasserleiten. Der Name Suon scheint eine indogermanische Grundbedeutung wie « nass, Wasser », zu haben; jedenfalls teilt er mit « sühnen » die gleiche Wurzel; im Althochdeutschen war suona das Gericht, die Versöhnung. Der « Runs » ist ebenfalls ein uraltes Erbe der germanischen Sprache. Ähnlich wie das griechische rüsis, so bezeichnete auch das althochdeutsche runs und runsa das Rinnende oder die Rinne: Bach, Wassergraben, Flussbett. Das Wässern, « Wasser-Kehr haben, d's Wasser reichen ( holen ), anschöpfen, anschlagen, abschlagen oder Wasser zen Runs schlan » sind im Volke geläufige Redensarten, die leicht an Sorge, Mühe und Gefahren erinnern.

Im Turtmanntal sind eine Anzahl Suonen, die ihre Anschöpf e in der Turtmänne haben, zwei auch an Seitenbächen. Taleinwärts sind auf dem rechten Ufer: 1. die Riederin, die oberhalb der neuen Tuminenbrücke geschöpft, im Bachtoli in die obere und untere Riederin geteilt wird, den Riedberg bewässert und mit einem Faden, der sich beim Ifelweg von der Oberin lostrennt, das Lunggiwasser-leitji bildet und bis in die Nähe des Gampeler Bahnhofes geht, zu den fruchtbaren Lunggihalden ob dem Weiler Tennen, dem alten Tendona ( 13. Jahrh. ). In Tuminen ist ein anderer Wasserfaden aus alter Zeit bekannt. Am 31. Dezember 1435 schloss die Gemeinde Turtmann einen Vertrag, um « den Brunnen in Tumigen ins Dorf Turtmann ( als Trinkwasser ) zu führen ».

Keine 2 km hinter der Riederinschöpfe hinein wird die Tuminerin geschöpft, die das schon anno 1267 als Tomagni genannte Dörfchen mit Wasser versorgt.

Mehr Bedeutung hat die Flüowasserleite oder die Ergisserin, die ihren Lauf unter dem Taubenwald beginnt und über Abgründe schlängelt, bis sie die dürstenden Fluren in Ergisch ( Argessa anno 1250 ) erreicht. Ein Pfädchen begleitet sie, und wenn am Frauentag ( 8. September ) die Käseträger und -trägerinnen, mit 40-50 Kilo auf dem Rücken, diesen schwindligen Fusssteig als Abkürzung benutzen, ächzt mitunter ein faulender Laden und rutscht eine morsche Schieferplatte unter der stampfenden Last.

Eine grosse Wasserfuhr ist eine Stunde höher im Tale. Über den Wängenweiden stürzt der Blieschbach aus der Höhe der Wengeralpe jäh hernieder; zu Schaum geschlagenes Wasser, rollt er unter der Pischierliweid hervor und bildet einen Wasserfall, der in der ersten Sommerhälfte reich und üppig zur Bodenweide fällt. Da hoch oben wird die Bliswasserleita geschöpft, wie sie 1441 genannt wurde. 1441 ging sie alle 15 Tage um ( Kehr ), und Perrodus Heinrich von Ergis verkauft in villa montis de Argessa einen halben Tag Wasserrecht um 2 Pf. Der Verkauf geschah zu Tumigen und wurde von Jakob Maior abgefasst. Und 1572 kauft Joh. Zengaffinen, sonst Gassen, von Turtmann, 2 Schnitt Matte in den l ) In der Bauernzunft von Turtmann vom Jahre 1586 sind über die Rünse eigene Bestimmungen aufgezeichnet.

« Alpetten » neben dem Gut des P. Jenelten, « unter dem Tränkweg nach dem Kalbergraben », mit Wasser aus der « Bleysswasserleyte ». Mehr denn einmal war schon die Rede gewesen, diese Suon, die nach Obermatten über Ergisch führt, weiter nach dem wasserarmen Eischlerberge zu führen. Wasser, heisst es, gehört um jeden Preis aufs Gut: ohne Wasser kein « Raub » ( Ernte ). Da ist kein Opfer zu scheuen.

Das linke Ufer ist reicher an Wasserfuhren.

Gleich der Riederin gegenüber saugt die Kummenwasserleite ihre Nahrung aus der Turtmänne.

Weiter hinein, hinter der Mühle der gutbekannten Brotbäckerei Marx, beginnt das « Fätschi », das den Talweg im Birch durchquert, über die Abgründe der Bochtenflühe gleitet und die Matten um die St. Leodegarkapelle herum, die Kastlern, im Gebiete Turtmann, tränkt. 1586 handelte Peter Randier als Vogt der Wasserleite, genannt « Fätscherren »; er verkaufte am 5. April mit Zustimmung seiner Geteilen dem Joh. Gasen 24 Stunden Wasser, « zu brauchen auf den eignen Matten in den Kastlerren », und erhielt dafür den Preis von 12 Pf. an Bargeld.

Mitte Weges zwischen Turtmann und den « Weiden » treffen wir die « Leukerin ».

Vor dem « Chittunpletschi » sind unter dem Wege Spuren einer Wasserfuhr, und einige Schritte weiter läuft ein starker Wassergraben den Weg entlang heraus; der nimmt seinen Lauf am Fusse der Ringsfuren: das sind die Alte und die Neue; die Neue hat die Alte erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzt; beide heissen die Leuker Wasserleite; sie führen in etwa 7 km Länge nach dem Leukergrund; durch den Lerchwald bei Ems besteht noch der uralte Wasserlauf; am Ende des Waldes waren noch vor etlichen Jahren zwei Arme, die Neue und die Alte; doch die Gefahren des Rutschens wuchsen, und um Schaden zu meiden, liess man die Neue verfallen. Aber die Alte besteht munter weiter, wird fleissig « angewerkt » und gehütet. Ihr grosser Wasserhammer teilt kräftige Schläge aus, die bis zur Suste hinunter hörbar sind und ihren Lauf verkünden.

Die Alte hat ihre Geschichte. Bereits am 9. Dezember 1395 wird sie die alte Turtmanner Wasserfuhr oder schlechthin die Alte genannt. Ein Tag Wasser aus der halben « Ill » ( aqueductus de Lylly ), die alle drei Wochen umgeht, wird gegen einen Tag Wasser aus der halben Alten, die nach altem Brauch alle 14 Tage Kehr bringt, ausgetauscht. Und 50 Jahre früher war sie schon Gegenstand eingehender Verhandlungen gewesen. Am 17. Mai 1346 waren zu Leuk vor dem Hause des Weibels Aymo die Geteilen der Alten — veteris aquaeductus de Torte-magni — versammelt. Es wurden die Pflichten der Wasservögte und Hüter der Alten verbrieft. Da wird die Art, wie die Wasserleite gepflegt wird, bis ins einzelne beschrieben. Wilhelm Emon hatte als Stellvertreter des Leuker Viztums, des Junkers Rudolf von Raron, das Volksding ( Gerichtstag ) im Monat Mai zu Leuk abgehalten. Da erschienen die Wasserhüter der Alten, als Wilhelm Gouch, Ans. Suap u.a. m. und erneuerten gegen die Geteilen Ulrich von Ayent ( Leuk ), Joh. Lambaner und Germ. Alliet u.a. einen Lehnsvertrag. Sie nahmen gewisse Grundstücke, welche sie als Entgelt für ihre Arbeit an der Wasserleite bisher schon benutzt hatten, wieder entgegen, und zwar mit der Verpflichtung:

1. für einen tauglichen Wächter zu sorgen; 2. jedes Jahr die Wasserleite auszuschöpfen ( reinigen ), so dass sie mit Mitte April bereitstehe, « so wie es in der alten Schrift verordnet ist »; 3. das Wasserleitenwerk den Geteilen 8 Tage zuvor anzuzeigen, damit diese 1 oder 2 Mann zur Aufsicht senden; 4. schliesslich die Lehnsgüter als reines Eigentum der Geteilschaft anzuerkennen.

Diese Zustände bestehen heute nach 600 Jahren fast unverändert weiter: Das Wasserleitengut, das dem Wächter der « Alten » verlehnt ist, liegt in der Gegend des Schwarzen Ackers.

Noch seien die drei Wasserfuhren weiter hinten im Tale genannt: die eine trifft den Talweg im Taubenwald, das ist die Emserin, die u.a. die Säge in Unterems treibt.

Unter dem Vollenstein nimmt das Turtmänni ( auch Schlifiwasserleite genannt ) seinen Ursprung, ein kleines Wässerchen, das nicht jedes Jahr ausgenutzt wird.

Die wichtigste Wasserfuhr aber geht hoch oben vom Borterbach aus, durchzieht die Salweiden und bewässert Oberems: das ist die Borterin.

Alle diese Wasserleiten sind im Winter trocken und verlassen. Doch wenn der Lenz die Halme aufweckt und der Föhn die Erde ausdörrt, da erinnert man sich mit Wohlgefallen der Suonen. Das Wasserleitenwerk setzt ein: Schöpfe und Abschlacht, Känel und Bennen werden untersucht und geflickt, Schutt und Schlamm ausgeschöpft; denn St. Jerjen ( Georg, 23. April ) naht, und da muss Lauf und Schwellbank fertigstehen. Schon lauert der Fleissige auf seinen Wasserkehr; er hat den 6. oder gar erst den 16. ( Wassertag ); mehr als 21 Tage in einem Umgang gibt es überhaupt nicht, und an Sonn- und Festtagen wurde früher gar nicht und wird auch jetzt nur gewässert, wenn die Not es gebeut. Und wie bös, wenn 's immer noch nicht regnet, und wenn bei der allgemeinen Dürre erst etwa der Runs bricht und dann « lenzt » ( 1-3 Tage wegen der Ausbesserung leer ist ) oder einer ruff inet ( Erdrutsch verursacht ): alles Zufälligkeiten, die den Dienst der Suon mit um so mehr Sorgen umgeben. Die Turtmänne liefert ein begehrtes Gletscherwasser und fruchtbaren Lettenwohin es dringt, ändert die Grasnarbe, grünt Klee und Halm und « mettume » ( moorig und sulzig ) Boden wird « malm »: Wasser ist Segen, und Gletschermilch ist reicher Segen, den Suonen und Rünse auf die dursten-den Halden schütten.

IV. Ein Zeugenverhör übers Turtmanntal aus dem

Jahre 1612.

« Kundschaften zwischen den Gemeinden Turtman und Oberems wegen Erdhub 1612. » Aufgenommen zu Turtmann in der Stube weiland Hauptmann Cristandi Schwitzer.

( Die Zeugen werden darüber befragt, was sie erstens über das Eigentumsrecht des Prupresen- oder Wengenwaldes und zweitens über die Oberhoheit [Juris-diktion] des ganzen Tales wissen. ) « Im laufenden Jahre 1612, am 11. März, vor dem geehrten Hauptmann Vinzenz Albertin, Meier von Leuk, ob eines Spans zwischen Lorenz Bieler und Nikolaus Schmid als Gewaltshaber ( procuratores ) von Turtmann eines Teils, undDas Einzugsgebiet weist zumeist Urgestein auf; das kalkige Meidhorn mit seinen Ausläufern bildet eine Ausnahme. So ist denn das Wasser der Turtmänne und der mitgeführte Letten wohl « gesund » und fruchtbar, aber kalkarm.

Anton Ballin und Thomas Manging, als Gewaltshaber der Gemeinde Oberems, andern Teils, sind die unterzeichneten Zeugen befragt worden über die von den Parteien vereinbarten Untersuchungspunkte nach Sinn des aufgestellten Fragezettels, zur bessern Erläuterung der Grenzverteilung zwischen den genannten Gemeinden, ohne Rücksicht auf Liebe, Hass, Freundschaft oder Feindschaft, Gold, Silber oder irgendeine Parteilichkeit, wodurch Recht und Wahrheit Schaden litten. » ( Übersetzung. ) Nach dieser lateinisch abgefassten Einleitung folgt das Verhör in seiner sprachlichen Eigenheit. Die einfache Schreibung spiegelt den Lautstand der Mundart getreu wider. ( Die in Klammer gesetzten Wörter sind erläuternde Zusätze. ) 1. Christan Brender, erster Zyger ( Zeuge ) zyget ( zeuget ), er habe von seinen Voreltern gehert sagen, es gange von Steckacher ( bei Ems ) die Turtman-huob ( Jurisdiktionsgebiet ) oder Marchzill oben in ( hinein ) bis inwendig an den Massolter Graben, und danathin ( von dort hinein ) stracks oberi ( obenein ) gegen den Eschgraben. Item habe er von Kaspar Bregin gehert, es mechtin sich etlich Marchstein finden, zobrest dem Massoltergraben oder zuunderst der Meigen oder des umher ( dort herum ).

Des Prupressen Walds halber wisse er nit, dass es Turtmaner nimmer ( wohl: jemer, d.h. jemals, wie Abschrift von 1805 ) den Borern verlenet haben zu born und habe nie gehert sagen, dass Turtmaner etwas darvon zogen oder genutzet haben, sonders habe er gehert sagen, das Waldlin gehere gänzlich dem von Nider-Ems, die haben es stets im Ban gehalten von wegen Erhaltung der Wasserfuhr, so unten durchgat, ob es gleich woll der Turtman Hut vilicht ( vielleicht ) mechte sein a ).

Und zu mehrer Erlutrung: So einer von Niderems etwas begert zu husen, haben sie Erlaubnis genommen von denjenigen von Niderems und nit von Turtmanern.

Vom letsten Artikel des Turtmantals ist ihm nicht bewusst.

2. Antoni Borter, der alt, zyget, als er mit Nico Ballin, der Gmeind Oberems Prokurator gsein ( gewesen ) seig, zwissent Oberems und Turtman ein Span gsein wegen des Stosswalds und als sy den undergangen ( die Marksteine nachsehen ), haben sy Märchen funden, drei miteinander Zun Ryttinen und Kaspar Bregins Acher, dem einer in gegen Brendres Acher, welcher teilt die Hub Oberems und Louk ( Leuk ); der ander in gegen Gasners Gut, do man doch eine funden, fir welche zwen voruf sig die Hub Oberems, und underthalb die Hub Turtman und Niderems, von demselben Marchstein an den Steckacher; do zwissent sig zimlich ein lange Wytte ( Weite ), dorin man auch spänig gsein; denn die einen vermeinten, der Stein zeigte hecher, die andern tiefer; davorin seig man nit gsein desmals, aber Stefan Kalbermatter sagte, es seig uf der Massolter-Eggen etwas ob dem l ) Das Anbohren der Lärchbäume zur Gewinnung der « Lärtschine » spielt in der Waldwirtschaft der alten Zeit eine grosse Rolle. Es war geradezu die einzige Ausbeute der Wälder, denn bei der Überfülle an Wald wurde das Holz kaum gewertet. Die Obrigkeit kümmerte sich um die Bannwälder zum Schütze gegen Steinschläge, Erdrutsche und Lawinen; sie traf Verordnungen über das Fällen von Bauholz und verlehnte das Lärtschinenbohren. Weiter ging die Waldpolizei der alten Zeiten nicht.

Wegli ein Marchstein; vorine ( weiter hinein ) sig ihm nit zu wissen, ob da mehr Marchstein seigen, dasselb hab er erst sit dato 4 Jahren zum letsten von ihm gehert, wisse aber den Marchstein nit mehr zu finden.

Von welchem Marchstein es vorin gan solle bis zur Ringschfuren.

Der Purpressenwald so vornacher der Wengenwald genambst ist, hat er immerdar nie änderst gehert sagen, denn der Wald gehere denen von Niderems, wisse auch nit, habe auch nie gehert, dass ihn die von Turtman keim ( keinem ) Borer je verlenet oder itzig ( Nutzen, Atzung ) darvon zogen, seig auch Turtmanern, seines Wissens nach ( habe er ) ghert sagen, darin kein Holz nie erloubt. Und zu mehrer Erluttrung: Als Tonio Schoubo etliche Khysete ( Gehäusete, so Abschrift 1805 ) zu Purpressen zu verbessern ( decken ), ein Sporkenel ( Dachrinnebalken ) houwen ( im Walde fällen ) wellen, ihn von den Turtmanern us dem Lerchwald erlouben miessen; habe woll gsechen, dass Borer den Wengenwald ongfer ( ungefähr ) vor 6 Jahren gebort, wisse aber nicht, von welchen dieselben die Erloubnus gehabt haben, von Turtmanern oder Niderems.

Item des Turtmantales halber wisse er nit änderst, habe ouch nie änderst gehert sagen, dann die Erdhub Oberems gange bis zuinderst in das Tal, und im andren Ort usher bis an den Grubbach, und von dem Bach usher geher es den von Ergisch. Und zu mehrer Erluttrung desselbigen, ( haben ) Hauptmann Antsch-man Kalbermatter und Martin Leman als Gewaltshaber und Prokuratoren Oberems gsagt, sy haben miessen die Teilung ( Besteuerung ) aller Gietren gelegen ( liegenden ) inziehen und haben von allen Alpen, so wyt vorgemeldet bis an den Grubbach inzogen, wisse aber nit, was ein jeder Kuh ufgelegt seig.

Item habe er ghert sagen, die Gemeinden Ober- und Niderems haben alles miteinander gemein, dry Ding vorbehalten, als das Gemeingeld zu teilen, die Zili ( Marken ) der Erdhuben zu undergan und die Teilung. In welchen dry die Niderems es mit Turtmanern halten.

3. Thomo Bregin nach Leistung ufgelegten Eids, öffnet, er habe von Antscho Kalbermatter, sinem Schwer, und Kaspar Bregin, sinem Vater, ghert sagen, die Massoltra und Purpressen gehern der Erdhub Turtman, da vorin habe er nie gehert, dass sich die Hub Turtman vorin verstrecke; den Marchstein bim Steckacher wisse er zwar woll, dass er die zwo Hüben teile, wisse grundlich nit, dass wohin er zeige.

Was den Purpressen ( so man gemeinlich das Wengenwaldlin nembset ) angeht, weiss er nit, hat auch nit ghert sagen, wem derselbe zuherig sie, oder wer ihn hat lassen boren, ist ihm gänzlich unbewusst; doch hat er als ouch ibrige vor 60 Jahren drin gehiett ( gehütet ), und nachmalen sine Kind, dem etlich 50jerig, mit ibrigen Gmeindern Oberems immerdar one Widerred gweidet.

Des Turtmantals halber, ut praecedens testis ( wie der vorausgehende Zeuge ), nicht darzu noch darvan setzend, sunders das Turtmantal sig der Erdhub Oberems uf derselben Seiten in und am andren Ort bis an den Grubbach. Und zu mehrer Erluttrung, hab obgesagter Antscho Kalbermatter die Teilung mit Martin Leman, sinem Mitgspanen, als Gewaltshaber inzogen; was ein jede Kuh getellot ( besteuert ) seig, hab er vergessen, die Teilung aber is geschehen von wegen des Kriegs, so man Kriegslytt ( leute ) gan Zug schicken miessen ( vielleicht wegen des Krieges, der 1610 den Eidgenossen drohte !), habe ouch noch zu mehrer Erlutrung Vogt Antoni Jakob gsagt, so man wundrig seig, wie die Erdhuben gangen, selle man im Zenden-kasten ( in Leuk ) lugen, da werde mans finden.

4. Kaspar Bregin, nach getanem Eid zyget, er wisse woll, dass im Steckacher ein Marchstein seig, wisse aber nit, was er teile. Item habe er aber ghert sagen, Purpressen und der Wengwald gehere der Erdhub Turtman und davorin bis an den ersten Graben, inwendig der Massoltren; davorin habe er nie gehert sagen, dass Turtman Hub vorin gange.

Item von Margret, einer Husfrouw Hans Widolint, als er do uffem ( im ) Platz were: Das Gut zur Meygun oder Massoltrun, in welchen ein grosse, heche ( hohe ) Füren, und was under der Füren seig, gehere Turtman zu, und voruf der Hub Oberems, das hat sy ghert sagen von gemeltem ihrem Mann.

Des Wengenwalds halber wisse er nit änderst, habe ouch nie änderst gehert, dass niemand den poren ( bohren ) habe lassen oder Holzmeiss gebrucht habe als Nideremser und den Feldgang Oberemser.

Das Turtmantal ghert Oberemsern, gehert von obgemeltem Antscho Kalbermatter und Martin Leman, der Teilung halber glich wie sein Bruder nechst-vorgenannter Zyger.

5. Antoni Kalbermatter, Turtman, zyget, als er mit Peter Heymen Gewaltshaber gsin und die zwo Gemeinden mit einander die Marchstein undergangen, jeder Syts ( Seite ) 6 Mann, und alles richtig funden, bis in den Steckacher. Ferneres habe er ghert sagen von Hauptmann Locher, Turtmaner Hub gange ob dem Purpreswald in bis do ( wo ) der unter und ober Weg oder Strassen zusammen komment, im Toubenwald. Das Wengenwaldlin habe er ghert sagen, gehere der Hub Turtman und haben es seines Verdenkens etlichen Borern born lassen und den finften ( 1/5 ) Teil des Gelds den Nideremsern geben; wisse nit, dass Oberemser daran kein Anspruch nie tan haben, vorbehalten den Feldgang.

Item hab er von Hauptmann Locher ghert sagen, das Turtmantal, vor dem indem Vollenbach in und im andern Ort us ( rechtsufrig heraus ) bis an den Graben, gehere der Erdhub Turtman. Wytters habe er von ime, Hauptmann Locher, gehert, Anton Kalbermatter habe zwar die Teilung selbiges Tals inzogen hinder-rucks ihre ( ihnen ) und sigin sy nie darby gsein.

6. Philip Pilet nach getanem Eid: Es seig ein Markstein zur Schlehstuden, den er selb gsechen und noch do sig, und sigin noch etlich Markstein bis zum Steckacher durch den Stosswald oder die Tschuggen und vom Steckacher sage man, er gange straks ine bis uf d'Massolter Eggen, den er nit gsen, habe aber von Stefan Schmid gehert sagen, er habe ihn gesechen.

Den Wengwald habe in allweg sins Denkens als 40 od. 50 ( Jahre ) die Gemeind Niderems genutzet und gebrucht, seig der Holzmeiss oder Lertschinenborn, haben ihn die von Turtman kein Wort nie darwider geredt, der Turtmanern Holzmeiss gange nit wytters als bis an den Wasserfall, ob es glichwoll der Hub sein mege.

Item habe er immerdar gehert sagen, des Turtmantals halber, wie oben der Lange nach erlyttert durch Antoni Borter und Kaspar und Thomo Bregin.

7. Peter Randier us Syder, pflichtzyget, der Anfang Turtmanern Hub sig zur Schlehstuden und dann den Howald iberin sigin etliche Marchzill bis an den Marchstein im Steckacher und danathin, als er ghert habe von Meritz Michel alias ( sonst genannt ) Ballin, er teile die Hüben und der zeige an ein andren Marchstein, so da seig uf Eychers Eggen und selle ein andrer Marchstein sein uf dem Wegli uf der Massolter Eggen, den man dort nit finden ken ( könne ).

Item habe sein, des Zygers, Vater Arbeiter gehept vor Purpressen in im Thanwald; doselbst ghywen ( gehauen ) nach gfallen one Widerred und er, Zyger, das Holz dannen gfiert, nit änderst vermeinend, denn es seig ihrer Hub.

Des Wengenwalds halber, er, Zyger, und Houptmann Locher als Gewaltshaber zu Turtman haben denselben verdinget zu boren one Erloubnus Oberemsern, ouch inen nichts vom Geld geben, als allein den finften Teil Nideremsern.

Das Turtmantal gehere ganzlich der Erdhub Turtman von wegen alten Stammens und Nammens.

8. Joder Balmer zyget eidlich, er habe vom alten Stefan Kalbermatter gehert sagen, als man der Hüben halber z'reden kommen, habe er gsagt: Ich hab in der Massoltren ein Stickli Matten, ich vermein, es seig in der Hub Turtman. Des Wengenwalds wisse er kein Entscheid geben, glych ouch von Turtmantal.

( Abschrift gleichzeitigG. A. Turtman D. K. ) Der Streitfall ist seit 1612, volle drei Jahrhunderte, in der Schwebe geblieben; daran haben die gerichtlichen Ortsschauen, Denkschriften, Streitereien, Unterredungen und Versuche zu friedlicher Verständigung bisher nichts geändert. Wiederholt hatten einsichtige Vorsteher beider Parteien einen Ausgleich in Minne angebahnt; sie wollten lieber ein Opfer bringen und etwas nachgeben, als ewig streiten und Kosten haben. Männiglich, der rechtschaffen dachte, freute sich. Eintracht und nachbarliche Verträglichkeit grünten; da sprang der Unhold Zank-teufel auf die Ferse, und — es ist mehr als Unart — böse Berater übernahmen die schwere Verantwortung, die Friedenssaat zu zerstören und die Zwietracht zweier Nachbargemeinden ins 4. Jahrhundert zu verziehen.

Im Jahre, da man zählt 1924, belastet der Turtmanntalprozess den Arbeitstisch mehrerer Rechtsanwälte.

V. Die Alpengeteilschaften im Turtmanntal.

Das Kleebodi ausgenommen, bildet jede Alpe eine Genossenschaft. Alle Alpen sind, mit Ausnahme des Senntums, das der Burgergemeinde von Turtmann gehört, in ihren Rechtsamen ein vererbbares Eigentum, das unter den Geteilen ohne Einschränkung verhandelt werden darf. Die Anteile bestehen in Kuhrechten, halben Kuhrechten ( für ein Rind, das die Kalbszähne am Tag der Besetzung noch trägt ) und Füssen ( für ein Kalb unter einem Jahr, je 4 als eine Kuh gerechnet ). Gemächer und Heumatten galten von jeher als ausschliessliches Privateigen, das für sich gekauft und verkauft wurde. In neuerer Zeit haben einige Alpen Keller, Hütten und Ställe, von der Geteilschaft aus gebaut. Diese Geteilschaften gehen tief in die Vergangenheit zurück. Sie entstanden durch freien Zusammenschluss und wurden abgerundet durch Kauf einzelner Privatbesitze. Im 16. Jahrhundert treten sie durchwegs als fertige Gebilde auf, als geordnete und weise verwaltete Genossenschaften, die an Einzelheiten aus der Alpe Blumatt, der grössten des Tales, illustriert werden sollen.

Heidelin, Heidilji, ist der hinterste Teil der Alpe Blumatt; Hofstätten erinnern noch an die drei Stafel der frühern Alpe, welche 21 y2 Kuhrechte aufwies. 1693 schloss sich diese Geteilschaft an Blumatt an und ist seither in dieser Alpe aufgegangen. Das Reglement dieser verschwundenen Alpe und ihre Verwaltung sind geradezu vorbildlich für das, was heute noch im ganzen Tale Geltung hat. Also einiges aus dem Alpenbuch der Alpe Heidelin ( Blumatt ):

A. Artikel und Regel der Alpen am Heidellin 1691. ( Siehe die Autotypie zu Seite 296. )

Erstlich ist man verblieben und übereinkommen, dass niemands keinerlei « Vych » auf die Alpen schicke, noch triebe, welche « schadlüehm»x ) oder uberthenig 2 ) were. Und wer das ubertrittet, der soll umb ein Pfund gestraft werden, und soll der Vogt vollkommen Gwalt haben, dasselbig uberthenig « Vych » abzutrieben 3 ). Zum ander ist man auch verblieben, dass niemand die Alpen « u b ersetz e»4 ); und soll der Vogt nit mehr Gwalt haben, als andre Alpgeteilen, die Alpen oder « Krut » zu verlehnen by der Buss eines Pfundes und Abtreibung des « Vychs », wie oben.

Zum dritten ist man übereinkommen, dass keinem zugelassen sei, die Alpen zu dingen und Vych zu dingen, by der Buss, wie obstaht.

Zum vierten hat man beschlossen, dass wer sich « inerkennt»6 ) soll geben anderthalb Pfund und « ein Trunk ». Wer sich aber « inkauft », 3 Pfund und 1 Sester Wyn, darzu ein « guots Morgenbrot: Fleisch und Wyn, zweien Personen vom Geteilen ».

B. Vermögen.

1. Werkzeuge.

Inventarium der Alpen im Heydelin, anbetreffend das Inbuw oder Werkzeug: Primo Ein Tromsagen 2. Ein Schindeleisen 3. Item 2 Spitzhauwen ( zu Wasserleiten und Wegen ) 4. 2 Materi-Körb ( Düngerkörbe, die auf Pferderücken weggetragen wurden ). ( Für Blumatt wird um die gleiche Zeit noch ein Reisteisen unter der « fahrenden Habe » aufgezählt. ) Welche obgemelte Stück die Geteilen der Alpen im Heydillin zuo der Alpen im Bluomatt übergeben haben im Jahr 1693, indem sie ( die Geteilen vom Heydillin ) in obgemeltem Jahr ihre Alpen mit der Alpen in Bluomatt mit Nutz und Beschward vereinbart haben und unsre ( der Bluomatter ) Alpengeteilen worden seindt.

2. Randung.

« Das Alpenbüchlein der Alpe am Heydelin im Dortmantal », das 1692 angefertigt wurde, nennt auch die Randung ( den Besatz ) der Alpe: Hans Ehemann besitzt in seinem eigenen Namen 3 Kühe Berg und im Namen seines Weibs 2 Kue und 1 Fuoss.

x ) schadlüehm = schädlich.uberthenig = frech, grob, hier etwa stössig ( stechend ) und ähnlich. 3 ) trieben oder uftrieben = auf die Alpe treiben; abtrieben = von der Alpe wegtreiben, entlassen. 4 ) übersetzen = mehr auftreiben, als er Recht dazu hat. 6 ) inerkennt = sein ererbtes Alpenrecht anerkennen vor der Alpbehörde. In der Regel wird das Alprecht, wie überhaupt das Genossenrecht vieler Bruderschaften und Innungen, z.B. noch heute in der Schützenzunft und Sennerei in Turtmann, nur durch Erbgang erworben. Wem aber seine Ehefrau Alpenrechte in die Ehe bringt, der muss sich erst als « Weibsgeteilen einkaufen ».

Dr. L. Meyer.

Christian Borter von Obérons sowohl in seinem Namen als im Namen seines Weibs 3 und ein halb Küeberg; Christian Borter Zu Turtman im Namen seines Weibs 5 K.

Hans Schaubo 3 K.

Martin Heimen 7 Füess und Antoni Bregy auf der Fluo 3 K.

Im ganzen also 20 Kühe und 6 Füsse oder ( 1 Kuh zu 4 F. gerechnet ) 21 y2 « Kuhrechte ».

3. Kapitalien.

Mit der fahrenden Habe brachte das Hei- delin auch einen bestimmten Geldwert mit in die gemeinsame Haushaltung: Zwei Guthaben auf Schuldscheinen aus dem Jahre 1691. Joh. Ehemann aus Tuminen schuldet der Alp Heidelin 8 Pfund und sollte dafür an St. Martini von jedem Pf. einen Schilling Zins entrichten, also, da 1 Pf. = 20 Seh ., seine Schuld mit 5 % verzinsen; er setzte als Gewähr sein Äckerchen bei « Z'Marggen-Acker », an der Turtmänne gelegen. Tatsächlich wurde die Schuld anno 1775 an Blumatt ausbezahlt.

Das zweite Guthaben lautete auf Christian Borter von Oberems, betrug 20 Pf. und sollte an St. Martini mit einem Sester guten Weisswein verzinst werden. Die Rückzahlung erfolgte 1704, den 25. Mai.

C. Die Alpenrechnung, ein Bild der Verwaltung.

Die Alpenrechnung von Blumatt aus dem Jahre 1776 diene als Beispiel. Nachdem die Genossenschaft am Heidelin in den Verband von Blumatt aufgenommen worden war, legte der gemeinsame Vogt jeweilen im Frühjahr ( Mai ) seine Rechnung schriftüch vor. Das Alpenbuch hat über das Jahr 1776 folgende Aufzeichnungen: Das Alpenkapital beträgt 696 Pf ., und an Zinsen sind eingelaufen 18 Kronen, 3 Batzen und 3 Groschen.

Die Ausgaben sind auf den 28. Mai gerechnet:

Erstlich ein Reisteisen lassen reisen ( flicken ) 2 Batzen An Hauwen Helb ( Halbe ) 3 » 2 Hauwen stehlen ( stählen ) lassen22 » 27 Batzen Verzehrt an der Rechnung ( sogenanntes Alpenmahl ):

Ein Kalb25 Batzen Speck 4 Liver ( 2 Kilo)16 » Schefin Fleisch ( Schaffleisch ) für23 » Ein Hammen 4% lib12 » 3 Gr.

Ein Fischi Weiz ( offenbar zur Bereitung des Brotes ) 28 » item für Brot 7 » An Wein 2 Sester ( 73 Liter)30 » Anken ( 1 Pf. ) 2y2 » Spezien ( sonst Spezerei oder Pfeffer ) 2 » Das Turtmanntal.

a ) Milchtessel einer Sennerei von 5 Geteilen, deren Messmilch 1. 31, Mass, 2. 11 Mass und 3 Löffel, 3. 7 Mass weniger 1 Löffel, 4. V, Mass und 1 Löffel, 5. 13 Mass weniger 1 Löffel betrug. Die Krauttessel: b ) Anfertigung; die eine Hälfte kommt in den Alpenkasten, die andere Hälfte c ) erhält der Eigentümer. Gezeichnet nach Natur von Prof. K. Meckert.

Dazu Hirtenlohn Batzen 107 ( manche Jahre 80 Batzen gerechnet; noch am Ende des 19. Jahrhunderts bekam der Hirt 20 Fr. Sommergehalt aus der Alpkasse, von denen er 5 Fr. dem « Zuhirt » abgab. So in Blumatt und anderswo. Der jetzt 80jährige Alex Bregy hat das in seiner Hirtschaft in Meiden in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts selber erfahren ).

Für Schweinringen ( Drahtringe in die Nase ) 10 Batzen. Am gleichen Tage haben Weibel Z'brun und Jos. Im Winkelried die Murmenden gekauft für 10 Jahre um 6 Pf. und 2 Mass Wein.

( Die Murmeltiere wurden je auf 10 Jahre mit Ausübung unbedingten Hoheits-rechtes durch die Alpgenossenschaft in Pacht gegeben.

1806, am 26. Mai, bezeugt der Alpenvogt Nikolaus Roten, Landvogt, er habe um den Preis von 10 Pf. und drei Kanneten Wein die Murmeltiere zu graben und zu schiessen auf 10 Jahre verlehnt. ) Die Rechnungen gleichen sich Jahr um Jahr bis ins 19. Jahrhundert, freilich haben sie manchmal Zusätze, wie: Einnahmen 1777: Pfandschatz von Wachtmeister Jenelten, das Alpenwerk 16 Batzen ( in der Regel von je 2 Kuhrechten ein Tag Arbeit ). Derselb, ein Schaf übersetzt. 3 Batzen P. Sterren, für Anwerchen.. 8 » Kastlanin Zimmermann, dass sie Alpen und Vych gedingt ( Verbot, das immer noch gilt !). 24 » 1782: Frau Kastlanin Zimmermann, dass sie in verbotnem Wald hat lassen Holz hauwen 8 » Jos. Meyer für den « Inerkantnus » 12 » 1784 Pfandschatz; Herr Landvogt Roten für « Werchen ». 8 » Der Alpenkasten von Blumatt, offen, eisenbeschlagen und mit einem Doppelschloss, Jos. Bregy von Ems « für ein ungeringetes Schwein auf die » Alpe getrieben » 3 Dr. L. Meyer.

Der Speisezettel zeigt im Laufe der Jahre wenig Veränderung. Wohl tritt an Stelle des Fleisches teils oder ganz Käse; 1778 werden 18 Pfund Käse zu 8 Groschen mit 40% Batzen verrechnet ( das Kilo also zu 60-65 Cts. ). 1781 werden 1 y2 Pfund Käse mit 3 B., das Kilo also mit 4 Batz. = zirka 55-60 Cts. bezahlt. Im gleichen Jahre sind noch 11 Pfund grünes ( frisches ) Rindfleisch mit 17 Batzen in Rechnung gestellt.

1805 wurde das Mahl beim Wirt in Turtmann bezahlt, und zwar für 30 Besetzer, ohne den Wein per Person 7 Batzen, für den Wein allein 7 Kronen und 6 Batzen, dazu 16 Batzen Fuhrlohn für den Wein. In den Ausgaben steht z.B. 1792: 5 Sester Wein, der Sester Ankauf 35 Batzen ( 1 Liter also etwa 13 Cts. ) 1781 steht auch berechnet 27 Batzen für das Spendkorn. Bis ins 20. Jahrhundert teilte die Alpe am sogenannten Betteltag ( 14. August ) mit dem Käse auch ein Fischel Brot ( 10 Stück ) unter die Armen aus.

Die 17 ( 18 ) Kuhalpen, deren Vorsass in der Talsohle gelegen ist. Statistik aus dem Jahre 1900.

Handling! » in Kuhrechtin Milchkühe Galtzeit-kühe Rinder Kälber Stiere Ziegen Schweine Grass-vieh Kleinvieh A. Taleinwärts auf dem rechten Ufer der Turtmänne 1. Niggelingen 38 18 71 50 7 35 10 2. Schafel..

74 46 14 14 — 1 30 11 66 6 3. Pletschen.

27 18 6 —.

4 —.

14 3 24 2 4. Gruben..

78 60 5 15 12 1 — 20 75 — 5. Meiden..

102 86 8 5 5 1 — 12 98 5 6. Gygi...

12 7 — 11 — 113 — 7. Hungerli.

47 30 151 5 7 44 1 8. Brandji..

32 28 — 7 — 1 5 — 33 1 B.

Taleinwärts auf dem linken Ufer der Turtmänne 1. Grindji..

36 261420 8 33 4 2. Kleebodi.

10 81 2 — 9 1 3. Bächi u. Goli 18 12 2 4 — 1 8 2 17 2 4. Simigen..

32 19 4 7 4 1 20 6 28 4 5. Rotigen..

36 29 — 6 18 1 — 7 38 — 6. Jeneltigen.

28 21 4 4 2 1 2 5 27 — 7. Blumatt.

122 90 10 26 21 2 — 30 120 1 8. Bitzen..

27 19 4 4 6 1 — 4 27 — 9. Senntum.

41 401 — 7 41 — Bestand der 17 ( 18 ) Alpen.

760 557 79 117 72 16 156 129 728 37 Die Alpen Senntum, Schafalpe ( Turtmann ), Blumatt, Gygi und Gruben gehören ausschliesslich den Leuten von Turtmann. Ebenso haben Turtmänner bedeutende Alprechte in Meiden, Schafel und im Grindji, so dass ein starkes Drittel des innern Tales, und Vorder- und Hintertal, Weiden und Alpen, die zum Talwege gehören, zusammengerechnet die bessere Hälfte des Tales, Eigentum der Angehörigen der Gemeinde Turtmann ist.

Über die Sennerei- und Nutzungsverhältnisse gibt eine Aufzeichnung über Blumatt Aufschluss.

Im Sommer 1899 waren in Blumatt 86 melke Kühe; in etwa 69 Tagen ( St. Peter bis Frauentag ) hatten sie 25,248% kg Milch geliefert ( 50,496 Pfund und 9 Unzen ); daraus wurden 6083 Pfund 4 Unzen Fettkäse bereitet; 12 Pfund Käse auf 100 Pfund Milch gerechnet. Es wurden am Frauentag ( 8. September ) 386 Stück Käse verteilt.

1900 hatten 85 Kühe 52,226 Pfund Milch, d.h. 6317 Pfund Käse geliefert.

VI. Aus der alten Alpenpraktik.

Aus den uralten Alpenbräuchen hat die Zeit manches verwischt, manches ersetzt, manches stehen lassen. Seit einigen 30 Jahren wird die « Blumkuh » in keiner Alpe mehr von Hütte zu Hütte geführt; die Milch wird nicht mehr bloss einmal im Sommer gemessen, sie wird regelmässig, wenigstens 2-3 mal in der Woche gewogen, und auch Käse und Zieger werden gewogen und nach Gewicht verteilt. Aber immer noch sind der B'setztag, der St. Jakobstag und der Frauentag im Herbst feierliche Alpentage. Sie waren es früher freilich noch mehr, so recht umduftet von Poesie und Gemeinsinn. Die Erinnerung geht 50 Jahre zurück, und die Einzelheiten sind aus Blumatt, der weitaus grössten Alpe, entlehnt. Da war es also:

1. Der Besetztag. « Morgendes Tags » von St. Peter, also am letzten Brachmonat, ist von alters her Alptag gewesen. Das ganze innere Tal wird lebendig. Geteilen um Geteilen bringen ihr Vieh: Kühe und Kälber durcheinander, Schweine hampeln nach. Der Alpentost, so heisst das Gepäck für den Alpenhaushalt, ist dem Rosse aufgeladen, oder Mann, Weib und Kind tragen jedes seinen Teil. Die Trinkelkuh schnüffelt Alpenluft; sie drängt voran und führt ihren Trupp mutig hin zum Besetzpferch. An der Stapfe warten Vogt und Hirt; der Vogt, das Büschel Holztesseln in der Hand, sucht die Krauttessel jedes Ankömmlings; er zählt und prüft. Anno 1805 waren in Blumatt 31 Besetzer. Anno 1924 sind es 57 Tesseln, von denen die kleinste 3 Pfennig oder %, die grösste aber 6 % Kuhrechte verzeichnet. Die älteste aus ihnen gehörte einst dem J. Ignaz Jäger von Tennen, der sich 1822 « einerkannt » hatte, und ist bereits an den dritten Besitzer durch Erbschaft übergegangen. ( Siehe die Textzeichnung auf Seite 299. ) Da wird gerufen: « 4 Küh, 2 halbkühige, ungeworfene Rinder ( mit Kalbszähnen ) und so viel Fusse ( d.h. Kälber unter einem Jahr ). Die Stapfe geht auf, Trupp um Trupp zieht gemustert ein, die Trinkelkuh als Führerin voran. Das Vieh geht durcheinander, und kleine und grosse Gegner geraten aneinander, der Kampf entbrennt, hält an, wechselt, wird frisch aufgenommen, und die Entscheidung fällt. « Fargi » hat gewonnen, ist die erste, die Blumenkuh. « Landi » ist die zweite, « Wasi » und « Botsardi » haben verloren. Natürlich müssen die Meisterkühe welsche sein; die Eringer sind wehrhaft, und die « Tschäggen » ( Fleckvieh ) taugen zum « Stechen » -wenig.

Dr. L. Meyer.

2. Der Messtag. Das Vieh hat die Vorsass abgegrast, nur die « Schneeätze » wird für den Notfall ganz gelassen. In 8-10 Tagen hat man gezügelt, « g'robt », und ist « aufgefahren » in den Mittelsten ( Stafel ); das ist der Messstafel. Es naht und kommt der Alpfeiertag St. Jakob ( 25. Juli ). Das weiss nun draussen im Dorfe der Mann, dessen Weib « Küherin » ( Sennerin ) ist. Er hat den « Alpenpack » gerüstet und ist gekleidet wie Männer, die z'Alp gehen. Seine Hosen sind aus kohlen-schwarzem Drilch; der Rock aus Drilch oder blauem Zweitritt, schlenkert mit leeren Ärmeln über die einte Achsel; der reistene Brustlatz ist steif ausgerieben, die Hemdlitzen spiegelblank; ihre ausgewaschenen Fäden hatte schon Grossmutter gesponnen. Brot und Gebäck, eine frische Tresse, weiche Stöcklein oder gar eine « mutze Rieje » duften unter dem Felldeckel seiner Male ( Brotsack ). Und zählt er 60-70 Sommer, eine Nelke muss gleichwohl auf dem Hute nicken, bräunlichrot, sonst ist er kein rechter Talmann. Er hat « äs Nägeli » allfällig auch im Mundwinkel und Nelken noch im feuchten Tüchlein für die Älpler! Die Nelken-knöpfchen sollen drinnen in der Alpe aufgehen und lange Hütte und Keller zieren; ja, in Butter gesteckt, sollen sie die Messtagsfreuden über den ganzen Sommer hinziehen und noch am Frauentag im Herbste blühen. Aber am 25. Juli ist in Meiden Gottesdienst; eine festtägliche Schar aus den Zenten Leuk und Raron, Alte und junges Volk aus etwa zehn Gemeinden knien in und vor der Kapelle und halten Andacht. Doch hat mal der Pfarrer über die Betenden mit segnender Hand das Kreuz geschlagen, da wird 's geschwätzig und geschäftig auf dem Platze vor der Kapelle, an den Zäunen und in den Gässchen bis zu Speicher und Hütte.

Das Turtmanntal.

Und nun seht, die Vögtinvon Blumatt kommt mit dem Herrnanken und der « mehr Hirt»2 ) mit ihr. Wie sie aufgemacht ist! Ihr sitzt der Walliserhut mit der Goldborte wie die Krone einer Königin; und wie sonst nie trägt sie heute dunkelblaue Seide über die Schultern und gerippte Armstösse. Sie bringt ein Seidenvorschoss wie am hohen Festtag; und die matt-gestreifte haustuchene Schürze fällt in säubern Falten. Lasst sie! Sie hat eine Pflicht, die ihr seit Wochen schwer genug angekommen ist. In den ersten Tagen nach dem Alpen, als die Milch am höchsten stieg, hatte sie nämlich « ausgerichtet » ( in Gebsen ) und mager gekäst; und alle Küherinnen und Sennen taten desgleichen. Der magere Käs ward für die Armen aufbewahrt, für den Betteltag. Der Anken aber gehört dem Pfarrer von Turtmann, der dafür heilige Messen lesen und das Vieh segnen soll. « Der Ankenballen zieht 32—37 ( aus den Jahren 1877/80 ).

Gez. nach genauen Angaben von Prof. K. Meckert.

Liver », munkeln sich die Älpler zu, « und ist honig-gelb »; diese Farbe fordert die bessere Buttermarke; und wie sorgsam verstrichen und geglättet ist er, ähnlich wie ein Morchelpilz oder, wie die Leute meinen: goldzündend gelb wie ein Tannpullen, d.h. Trollblume. Er ist übers Kreuz durchfurcht und mit Nelken besteckt. ( Siehe das Textbild auf dieser Seite ). Der Hirt trägt ritterlich die Last, er weiss die Ehre zu schätzen und will der Alpe keine Unehr antun; drum hat er sich in den Alpenfeiertag geworfen; wenn sonst nie im ganzen Sommer, heute dreht er einen feurigen Stummel, er raucht Zigarre. Es ist denn auch mehr als billig, wenn der « Herr » den Hirt und die Vögtin mit freundlichem Gruss empfängt, hier dankt und dort einen hübschen Batzen in die Hand drückt. So geschah es einst mit dem aus freien Stücken eingesetzten Buttergilt von Blumatt, das in der Gegenwart noch in fettem Käse entrichtet wird. Nun ist es aber Abend worden, und die Leute sind droben im Messstafel. Dort gibt es eine eigene « Messätze » ( Weide ) und ein St. Jakobsmoos. Hier schwelgt an diesem Tage die Viehherde in weichem Kraut; auch sie hat Feiertag. Und haben sich die letzten Tagesstrahlen verzogen, und ist der Abendpfiff der « Murmenden » ( Murmeltiere ) in den Flühen verhallt, so nahen die Kühe sich den Hütten, gesättigt und mit Eutern wie an keinem andern Abend. Die Woche vorher hatten sie freilich fühlbaren Wechsel erfahren: Zwei Tage mussten sie magere Weide nagen, und da war die Milch zurückgegangen wie der Schnee in der Sonne. Dann folgten zwei fette Tage im Kaltberg mitten im schwellenden Junggras des Schaflagers, ein königlicher Schmaus. Wie das die Milch herbeizauberte! Der Hirt hat sich 's ausgerechnet: Ordentlich messen,Vögtin heisst in diesem Falle jene Sennerin, die das Vieh des Alpenvogtes milkt und besorgt.

* ) Der « mehr Hirt » ist in den Alpen, wo zwei Hirten sind, der grössere, der die ganze Verantwortung trägt, den kleinern Hirten, « den Zuhirten«, anstellt und bezahlt und noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus der Alpkasse 20—25 Franken Sommerlohn erhalten hat.

Dr. L. Meyer.

macht die Geteilen zufrieden und bringt Trinkgeld im Herbst! Doch bevor noch gemolken wird, kommt die Blumkuh, die Meisterkuh, die alle andern niedergerungen hat. Ihr gilt jetzt die Ehre: Trinkel, Ring und Riemen funkeln im Dämmerlicht. Zwischen den Hörnern festgebunden, trägt die Kuh auf einem im Andreaskreuz geformten Holzgerippe einen viereckigen Spiegel, von roten, goldenen und weissen Blumen bunt umstrahlt. In dieser Aufmachung muss sie von Hütte zu Hütte; der Hirt führt sie, und männig- lich freut sich, wie Hirt und Kuh gleich froh und stolz die Ehrung entgegenzunehmen scheinen. Der Eigentümer aber schmunzelt, öffnet den Beutel und zieht das übliche Trinkgeld, einen Napoleon, heraus. Der « Blumen » wird in die Kapelle in Meiden als Andenken verschenkt. Da hängt ja gegenwärtig noch einer. Dass der Blumen aber in Glaskästchen aufbewahrt und gehütet wird wie ein Kleinod, dürfte doch eher eine Ausnahme sein. So eine Ausnahme ist im Bilde vorgezeigt. Diesen « Blumen » hat vor etwa 30 Jahren dem A. Venetz von Turtmann sein flott gepflegtes « Fargi » am St. Jakobsabend heimgebracht. Er bleibt ein Schmuck der Wohnstube.

Nun soll die Milch gemessen werden: Eine Steinplatte in der Erde heisst die Messplatte, ein zylinderförmiges Holzgeschirr das Messküblein und ein runder Holzstab, nach Mass, Halben und Löffeln abgeritzt, der Messstab. ( Siehe das Textbild auf Seite 304. ) Die Alpe hat 5—7 Geteilschaften, Sennereien, von je 4—6 Geteilen. Jeder Geteilen trägt die Milch seiner Kühe im hölzernen Milchfass herbei. Die Kühe werden in der Reihe gemolken, wie es am Morgen geschehen war, damit niemand « überschehe » ( geschadet werde ). Der bringt bloss einen Goiz ( wenig ), der andere viel, ä Schepf oder ä Schwelli Milch. Die Milch wird in das Messkibji gelöst, und der Vogt taucht den sauber getrockneten Stab hinein; dann zählt und liest er am Stabe: 3, 5, 6 Mass, eine halbe und 2 Löffel; oder auch eine Halbe mit einem bösen Löffel, d.h. es fehlt ein Löffel. Das Mass gilt für die Käseverteilung im Herbst. Jede Geteilschaft hat ihre Milchtessel, die jeweilen aus Arvenholz geschnitzt, auf der Rückseite die Namen der Geteilen, auf der Vorderseite das Milchmass in römischer Schrift trägt; die Mass hat einen ganzen Querstrich, die Halbe einen halben, das Viertel bloss einen Keileinschnitt und ein Löffel, einen Messerstich mit einer Verbreiterung an Kopf und Fuss, ähnlich einem X. Der Senn nimmt die Milchtessel in Empfang und macht sich Sorgen, so oft er sie ansieht; denn er rechnet sich vor: Soviel habe ich Messmilch und so manchen Käse und Zieger gibt 's bis zum Frauentag, täglich zwei bis Mitte August; hernach wird nicht vom « Mal », sondern vom Tag gekäst. Das mag auf die Mass soviele Pfund Käse geben; einmal gab es an einem guten Sommer 30 Pfund ( Meiden. ) Werd ich sie befriedigen können? " Wer weiss es? Der Käs ist « nit untan » ( nicht schlecht ) geraten, einer vielleicht verbrüht, dieser etwas « z'lüohm » ( weich ), aber alle richtig gesalzen, geschabt, gewendet; dafür geht der Senn auch jeden oder doch den andern Tag zur « Salzi », d.h. er trägt den frischen Käse zum Keller und pflegt die ganze Habe.

Am Nachtag von St. Jakob wird der Kaltberg bezogen, es geht weit über die Waldgrenze, die oberste Zwergarve ( Pinus cembra ) hinauf; die Hütten stehen 2580 m il. M., und die letzten Weidgänge kleben am Burgihorn und hinter dem Weissen Hiri am Hirsihorn, wie die Spitzen am Höhenkamm des Roc de Budry ( 3080 m ) genannt werden. Hier weilt die Sennerei volle 6 Wochen.

Mitte August bringt Wechsel in das Einerlei. Da wird geheuet; es kommt Besuch vom Tal herauf; junge Beine wagen einen Ausflug aufs Meidhorn, zur Mine, zum Gletscher, mal nach Meiden und gar aufs Schwarzhorn. Nur geht das alles wie im Verborgenen, denn Küherleben auf hoher Alm darf nicht feiern. Aber es ist auch vorgekommen, dass Kühervolk vom Kaltberg in Luc zur Messe ging. Sie waren um 2 Uhr früh auf den Beinen, zogen über die Schöne Riebe hinein und durchs Joch 2961 m zur Alpe Nava und stracks auf St. Luc hinunter. Und bevor das Vieh zum Stalle kam, waren sie in den Kaltberg zurück; sie hatten einen Weg von mindestens 10 Stunden zurückgelegt. Einzig das Melken um drei Uhr nachmittag, das sogenannte Ottofanmelken1 ), war ihnen für heute geschenkt worden; sonst hatten sie gleichwohl ihre ordentliche Tagesarbeit getan, trotz der mühevollen Bergwanderung.

3. Der Betteltag. Am 13. August kommen arme Kinder und Mütter, oft Säuglinge auf den Armen oder auf dem Rücken, ins Tal. Es sind Arme, die halbe Tagereisen herkommen, zumeist aus den drei umliegenden Bezirken Leuk, Raron und Visp. Sie nächtigen in Gruben und Meiden in Speichern und Hütten und geniessen die Gastfreundschaft mildtätiger Älpler. Jahr um Jahr sind sie 45-60 an der Zahl. Am 14. früh ziehen sie zur Kapelle und beten; hierauf geht 's zur Spende. Die Alpen Hungerli und Brändji spenden zusammen die erste Käsgabe.Vom Brändji kommen die Armen den Weg einige 200 Meter zurück, betreten auf einer quer über die Turtmänne liegenden Riesenarve das linke Ufer und eilen heraus nach Blumatt. Vor alten Zeiten und bis ins zwanzigste Jahrhundert erhielten die Armen in Blumatt neben dem Käse 10 Stück Brot verteilt. So hat die Rechnung von 1798: « Im vorigen Jahr für Almosen ein Fischel Korn, Batzen 20 », und 1808 steht der Rechnungsposten: ein Fischel Korn den Armen um ein Pfund, 8 Batzen und 1 Groschen. Jetzt wird kein Brot mehr verabreicht, dafür aber ganz fetter Käse. Die Spende geht weiter in Meiden, wird fortgesetzt in Gruben und schliesst in den Alpen Schafel und Grindji. Sieben Alpen haben ihre Gaben verteilt; edle Wohltäter aber krönten die Spende mit klingenden Geldstücken. Da solltet ihr sie sehen, diese leuchtenden Augen! Die Armen ziehen dankend von dannen, sichtlich erfreut über alle Liebeserweise; denn auch sie hatten einen Feiertag erlebt.

4. Der Frauentag. « Der Angst im Grat, der Herbst empfaht », sagt der Älpler. Und Ende August klingt das Lied: « Ihr Matten, lebt wohl, ihr sonnigenVom Besetztag weg bis Mitte August wurden früher die Kühe gegen 3 Uhr nachmittags in den Pferch getrieben und gemolken; das hiess man « ottofan » melken, offenbar ein aus einer romanischen Gegend entlehnter Brauch; die achte Tagesstunde ( octava hora ) der Römer mag unserm 2-3 Uhr nachmittags entsprochen haben.

Dr. L. Meyer.

Käse und Zieger auf einem Leinlaken in der Heumatte « geteilt.. Der Bettlerkäs, der Küherinkäs, der Chessikäs, der Löseziegerfürs Milchtragen und der Melkzieger für Melkerdienste sind vorweggenommen.

Haiden! Der Senne muss scheiden! » Von allen Oberstafeln wallen Leute und Herden dem Tale zu in die Vorsass. Am B. September ist ja der Frauentag; da ist für jedermann Fest bei der Kapelle, feierlich und fromm. Und nachher ist die Teilung in Keller und Speicher. Der « Nutz », so heissen Käse und Butter und Zieger zusammen, wird am Abend aus dem Keller in die Heumatten getragen. Ein sauberes Leinlaken wird ausgespreitet. « Tiet schisch ( uns ) d's best 1 ) und teilet schisch ( uns )! » So bittet man einen Erfahrenen. Und der Teilmann überschaut bedächtig und schätzt den Nutz, wägt und befühlt. Seit dem Alptag sind 's 69 Tage; unsere Sennerei hat 24 Mass Messmilch. Da gibt 's 24 Teile, einen, zwei bis drei Käse auf die Mass und Ziegerstöcke zum Ausgleichen darauf! Nun wird gelost, mit Halmen und Hölzchen, die jungem brauchen wohl Papierstückchen. Kaum ist die Verteilung geschehen, recht friedlich wie immer, Unzufriedene sind so selten als weisse Raben; und gleich wird eingepackt auf Reff und Rückkorb: das ist für die Fussgänger. Sie laden 50 und 100 Pfund auf vier Stunden Weg; und bevor der späte Tag durch die Schindeln guckt, stampfen die Käslasten über Steine und Stege das Tal hinaus. Ihnen folgen unter drückenden Molkenkörben die stolpernden Rosse und wie zur Ausnahme einmal auch ein bepackter Stier oder ein Maultier. ( Gegenwärtig finden für den Transport mehr Maultiere Verwendung. ) Eine Woche hernach, in den Tagen vom 12. auf den 18. September, wird entalpet. Hirt und Rind suchen die « Weiden » auf. Noch bleiben drinnen als letzte Älpler die Schafhirten von Ergisch, Ems und Turtmann. Doch am St. Moritztag verlassen auch die Schäfchen das Tal und kommen herab zur Schur. 78 Sommer-und Herbsttage haben einander abgelöst; und wenn nicht böse Murmeltiergraber oder verwegene Jäger herbeikommen, ist jetzt alles stumm und still geworden bis an den heisern Schrei der Nusshäher, die ihren Arvenzapfen nachjagen. Für 9 gezählte Monde ist Ruhe, und ein langer Wintertraum umfängt die verödeten Hütten.

Bestimmte Daten sind im Alpenbetrieb seit mehr denn 300 Jahren bis heute immer die gleichen geblieben: So der Besetztag, St. Jakobstag, Frauentag und Seid so gut und teilt in unserm Namen die Habe.

Abfahrt. Einzelheiten haben sich nach den Bedürfnissen verändert, und zwar fühlbar um die Wende unseres Jahrhunderts herum. Das lässt sich auch von der Viehrasse sagen. Jetzt gilt einzig das Fleckvieh, nur etwa Trinkelkühe, « Stäche », « Boye»1 ), gehören noch der Eringerrasse an. Vor 1900 war 's anders; noch vor 40 Jahren gehörte die grössere Zahl Rindvieh der alten, braunen Walliser-rasse an, wie sie die Berge und die bescheidenen Ortsverhältnisse geradezu verlangten. Und vor 50 Jahren waren « Tschäggen » noch Ausnahmen.

Daher kommt es, dass auch die Kuhnamen gewechselt haben. Viele, die nur auf die alte Rasse passen, sind bloss noch alten Leuten in Erinnerung; sie sind nicht mehr gebraucht, weil sie zu den Farben nicht mehr passen. Solche Namen waren z.B.: Zindli ( schwarz mit weissen Rückenstreifen ), Landi ( schwarz, Stäche !), Choli, Remi, Bruni, Chesti ( Kastanie ), Chriesi, Heitri, alle auf dunkle Farben hinweisend.

VII. Gruben-Meiden ( 1817 m über Meer ).

Gruben und Meiden heissen die Vorsässe der gleichnamigen Alpen. Ein Holzzaun trennt sie, und mitten auf der Grenze steht am Talwege die Kapelle. Die Alpgeteilen Gruben und Meiden mit guter Hilfe von Blumatt und andern haben sie 1708 gebaut. Das sagt die Inschrift unter dem Altarbilde: Hoc altare construxerunt Alpiatores de Alpibus Gruoben et Meiden 1708. Darunter steht die zweite Jahreszahl 1681, die an den Bau eines altern Bethäuschens erinnert. Das ansprechende Altarbild ist bloss einige Jahre alt und stellt die heilige Familie nach Deschwandens Vorbilde dar. Die vielen Ex-voto gehen zum Teil ins 18. Jahrhundert zurück und sind Beispiele der Volkskunst. Über den Bau der Kapelle erzählt der Volksmund:

« Da het eine versprochu, äs Chapelli z'buwu, wenn er Chalch berchämiz ). Jetz ischt in der Turtmännu ä grimmunde3 ) Chalchstei gsin, grad so a Tossu. Aber der het mitsch im Wüohr glägu. Was machu? Da het schi d's Wasser über Nacht gchert4 ) u der Stei ischt trochunde gsin. Nu heint'sch5 ) angfangu fundamentu, aber über in der Hungeru, iehr wisst scho« ), da im Bodi, wa drob d's alt Wirtschhüs steit. Und gseht, am Morgunt het 's ne d'Strumenti dirha7 ) ghan, wa jetzu d's Chapelli steit. Schi dermit wider a muber 8 ) u witer wärchot9 ). Aber am andru Morgunt ischt alls Wärchzig wider zrug hjena10 ) gsin wje am Firtag. Das hets gitan! Und so heint'sch düo da gibuwot, zer Ehr der Ijebu Müoter Gottes. » Gruben und Meiden haben seit einem guten halben Jahrhundert viel Neues erlebt. 1860 bauten die Geteilen Gruben das Gasthaus Schwarzhorn, das erste im Tal; und die Wirtin Johanna Loretan von Leukerbad, die es noch in den 70er Jahren in Pacht hatte, konnte zur Not ein Dutzend Fremde unterbringen. Mit den Jahren mehrten sich die Ansprüche. 1896 baute K. Steiner das Hotel du Glacier unter dem Walde in der Hungern; mit seinen Möbeln aus geschnitztem Arvenholz, den sinnvoll ausgestellten Alpengeräten, seiner tadellosen Einrichtung und seinem unvergleichbaren Blick aus Lärchengezweig heraus auf die Silber-kanten des Weisshorns ein einziges Kleinod einer gastlichen Herberge. Das Haus wurde im Januar 1901 ein Raub der Flammen, und heute starren seine Mauern x ) « Stäche » und « Boye » sind Ringkühe. 2 ) bekäme. 3 ) gar grosse.abgekehrt. 5 ) haben sie. 6 ) ihr wisst schon. 7 ) herüber. 8 ) zurück hinüber. 9 ) gewerkt ( gearbeitet ). I0 ) diesseits.

mit erblindeten Augen wehmütig in die Höhe. Da kam das alte Hotel Schwarzhorn wieder zu Ehren. Es wurde 1898 von den Gebrüdern Jäger gekauft und 1900 bedeutend vergrössert, erhielt 1914 das Telephon. In der Nachbarschaft ist das freundliche Alpenhäuschen, die Postablage Gruben. 1888 brachte ein Bote die Post von Turtmann herauf. Er kam jeden Tag und trug bis 15 Kilo Gepäck. 1890 und 1891 wurde neben dem Boten eine Pferdepost eingesetzt für jeden Samstag und von 1892-1895 für jeden Mittwoch und Samstag. Seit 1898 geht vom 15. Juni bis zum 15. September die Pferdepost jeden Tag. Der Postesel, die Ankunft und Abfahrt der Post ist jeweilen ein Tagesereignis für die Alpenleute.

In alter Zeit war hier reges Leben: « Im Städtli Meiden und im Dörfli Gruoben hab ich den besten roten Win getrunken; » das habe vormals der laufend Jud gesagt, als er auf seiner Durchreise das Tal besucht hatte. In Gruben und Meiden trafen sich viel besuchte Wege.

VIII. Wege und Stege.

Der Talweg.

1868 entschied die Walliserregierung, bis der Streit über die Hoheit des Tales entschieden sei, möge Oberems die Steuern erheben, dafür aber eigene Rechnung führen und Wege und Stege unterhalten. Doch über die allernötigsten Ausbesserungen hinaus ist seither am Wege nicht viel geschehen. Vor 1868 hatte der sogenannte Talvogt für den Talweg gesorgt. Als letzte Talvögte sind noch der Vorsteher F. Summermatter und Fehnder Jeger den alten Leuten in Erinnerung. Da war denn im Frühjahr das Talwerk angesagt. Weiden und Alpen stellten im Verhältnis ihrer Randung die erforderlichen Werkleute; und wenn bei Lindwetter im Sommer eine Rufe niederging oder ein Rutsch den Durchgang sperrte, so trat der Talvogt ins Amt. Er und seine Leute mussten um 6 Uhr morgens auf dem Chittunpletschi ( 1 Stunde oberhalb Turtmann ) zum Tagesbefehl bereitstehen. Hierauf wurde gearbeitet auf Befehl und Anordnung des Talvogtes; das Tagwerk war mit 2 Franken berechnet; noch 1868 brachte die Gemeinde Turtmann zwei Franken « Tagwann » in Rechnung. Der Vogt aber bekam als Lohn für seine Mühe und Aufsicht im Herbst von jedem Senn und jeder Sennerin des ganzen Tales je einen Ziegerstock. Die alte Zeit hatte für den Talweg Unterhalt und Pflege aufgebracht. Oberhalb dem Weiler zur Linden heisst es beim Bachtoli; dort bog der Weg links durch das Gebüsch hinauf nach Tuminen und von da hernieder über die Brücke aufs linke Ufer. Gegenwärtig aber zieht er vom Bachtoli eine gerade Linie quer durch die Matten bis zum Kummengraben, übersteigt die Turtmänne auf einer Holzbrücke und trifft beim Wegkreuz den alten Fusssteig. Dieser neue Weg mit ebenmässiger Steigung und bedeutender Abkürzung ist durch die Schützen-gesellschaft von Turtmann erstellt und vom Holzhändler Herrn Zen-Ruffinen bezahlt worden. Eine andere Verlegung und Verbesserung des Talweges geschah ebenfalls um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts am Ort zen Ringsfuren. Früher hob sich der Weg im mühsamen Zickzack über die steile Halde hinan; und manches Rind war da erfallen. Jetzt durchschneidet der Talweg die Weide, zieht sanft ansteigend hinein bis zur ersten Taubwaldrüfe, biegt an der Emser-wasserleite nach Norden und trifft Im Roten oder Leiden Graben den alten Weg, nachdem er den Wanderer an Riesentannen und einer ganzen Au duftenden Waldmeisters vorbeigeführt hat. Diese angenehme und nützliche Wegverbesserung, die jüngste in ihrer Art, hat der letzte Talvogt ausgeführt, der Fehnder Jeger von Turtmann. Wie er jetzt ist, bietet der Talweg den Fussgängern viel Wechsel und muss auch Saumtieren recht sein. Es liesse sich jedoch bei einiger Anstrengung manches bequemer machen. Allein so viele Jahre schon ist die Rede von einer Wagenstrasse gewesen. Ob wohl bessere Zeiten einmal die alten Pläne ausführen werden?

So bescheiden er aussieht, der Weg ins Turtmanntal hatte früher eine volkswirtschaftliche Bedeutung, und zwar in weit grösserm Masse als in unsern Tagen.

Lange bevor die Wagenpost über den Simplon ( seit 1805 ) und durchs Land führte ( bis 1878 ), war der Talweg für den Zenten Leuk und teilweise auch für Raron ein Handelsweg gewesen. Meiden, das « zu den Rossen » heissen ( Meiden, mittelhochdeutsch gleich Wallach ) und früher einmal eine Hammerschmiede gehabt haben soll, war ein Brennpunkt von fünf wichtigen Wegen. Dort trafen sich Talweg, Meidenpass, Furkelti, Tracuit und Augstbordpass. Die Hauptader des Verkehrs zog aus Turtmann der Turtmänne nach herauf, nahm in Tuminen den Ergischweg auf und im Taubenwald den Emserweg, der die beiden Ems und weiter weg Agarn und Leuk mit Umgebung bediente. Ein zweiter Weg kam vom Leukergrund über die Meschlerweiden, schlängelte am Illsee vorbei und fiel unter der Bella Tola in den bequemen Maultierweg, der vom Einfischtale über Chandolin und Luc den Verkehr des Sidnerzentens herbeileitete. Noch heute stampfen Lasttiere auf einem gebrochenen Pfade bis hart unter die Spitze der Bella Tola. Südlich vom Pas de Bœuf ( 2790 m ) steigt zu 2772 m der Meidenpass, über den Saumtiere sichern Fusses ihre Last tragen, um von dort in 3-4 Stunden Gruben zu erreichen. Eine grosse Karawane kam diesen Weg am 5. Juli 1904; 72 Personen, darunter 47 Kinder von 12-16 Jahren und 12 Damen, alle vom collège industriel de Chenet ( Vaud ), hatten von St. Luc aus die Bella Tola erstiegen und gingen nach Gruben übernachten.

Von Gruben führt ein anderer Weg über Blumatt aufwärts; er streift den Liwilärch, der am Fusse einen Meter fünfzig dick gewesen war und mehr denn tausend Jahre gestanden hatte, zuoberst am Waldsaum, wie ein Naturwunder. Bis zur Rinde durchfault, ist er vor etlichen Jahren umgefallen, quer über den Liwiplatz, diese alte Ruhestelle der auf- und abgehenden Küherinnen, und vermodert nun am Wege. ( Siehe die Autotypie zu Seite 296. ) Der Steig kommt zu dem Messstafel, zum Kaltberg und durch die Edelweisshalden des Blumattäli in vier Stunden zum Furgelti, der Forcletta, 2990 m ü. M., und von hier in weitern 3-4 Stunden nach Zinal. Der Pass ist zwischen dem Blumattgrat ( Crête d' Ombe-renze ) und dem Bergkamm des Hirsihorns ( Roc de Budry ) eingebettet und bietet eine entzückende Aussicht auf die Berner, Savoyer und Grajischen Alpen, auf die Dent Blanche und das Heer der Gipfel, die östlich vom Weisshorn den Blick abschliessen. Im Abstieg zwieselt der Weg: streckt einen Arm durch die Gand-halde nach dem Weisshornhotel und linkerhand den andern Arm ins Einfischtal hinein nach Zinal. Im neunzehnten Jahrhundert wurden über die Forcletta auch Erze getragen. 1836 wiesen die Brüder Peter und Bernhard Epiney dem Grosskastlan von Leuk zur amtlichen Feststellung Kobalt und Nickelerze vor, die sie am Blumattgrat gefunden hatten. Die Ausbeute liess aber einstweilen auf sich warten. 1854 erhielt der Advokat Zermatten die amtliche Bewilligung zum Abbau der Metalle. Doch erst Ad. Ossent schuf den geordneten Minenbetrieb. Nachdem er 1874 fleissig geschürft und alle Funde untersucht hatte, erhielt er 1875 die Ermächtigung zur Ausbeute von Nickel, Kobalt und Bismuth. Im Januar 1875 leitete Ossent sogar selber die Arbeiten, wie er bemerkte, in dieser Höhe von 2500 Meter nicht ohne Strapazen. Das Erz wurde mit Hämmern zerschlagen, in Säcken verladen, nach Fang bei Vissoie gebracht und von hier nach Siders zum Schmelzofen in Glarey geschleppt. Die 50 Kilo Erzstaub waren 100 bis 125 Franken gewertet. Allein der Minengeist grollte dem rührigen Unternehmer und verderbte ihm leider zu früh die Geschäfte. Der Betrieb ward eingestellt. 1889 versuchten andere das Bergglück; Burkard Friedrich und Dr. Schacht erwarben 1892 die Mine als Eigentum, stellten die zerfallenen Hütten wieder her und bauten 1894 drunten am Ufer der Turtmänne beim Senntumkeller die Metallwäsche. Ein Kabel gleitete die Bergbeute herab, und Lasttiere trugen sie das Tal hinaus. Allein 1898 machte ein hartes Schicksal wieder allem Minenglück ein Ende: eine Laui drückte die Wäsche zusammen, und Krankheit verscheuchte die Unternehmer aus den feuchten Minengängen. Nun ist das Minenhaus ausgebrannt und verlassen.

Ein anderer Bergweg, der von Gruben ausgeht, heisst Col de Tracuit, bei den deutschen Hirten der Traggopass geheissen. Er führt am Fuss des Diabeiberges ( Diablons ) vorüber, geht rechts von der Crête de Millon und fällt ins Einfischtal. Von Gruben bis zur Tracuitalpe über das Joch von 3252 Meter Höhe braucht es gute 10 Stunden und zumeist viel Vorsicht vor den fallenden Steinen und den ungleich gearteten Schrunden. Wie lange war dieser Pass wie vergessen! Da hat ihn 1859, am 20. August, der Sanktgaller Alpenschriftsteller J. J. Weilenmann mutterseelenallein überstiegen. In seinen Aufzeichnungen « Aus der Firnenwelt » ( 1872 in Leipzig gedruckt ) ist er in hellem Entzücken über die schneebehangenen Wände, den Glanz der Eisfelder und stolzen Berghäupter, die riesengross zum blauen Äther ragen. 1879 kletterte M. R. Passingham von Zinal her auf das Tracuitjoch und erstieg das Weisshorn am 12. August; das war die erste Besteigung von der Westseite aus und bleibt ein Verdienst der beiden Saaser Führer Ferd. Imseng und L. Zurbriggen. Das « Gross Wiss Hiri » ( 4512 m ), auf dem es nie nachten soll, war von Randa aus zum ersten Male schon 1861, am 18. August, von Prof. John Tyndall nach einer lOstündigen Kletterei erreicht worden. Das Biesjoch ( 3549 m ), jener Sattel zwischen dem Bieshorn und Brunnegghorn, wurde erstmals am 31. Juli 1862 von Baron de St. Joseph und Graf de Bourges überschritten, und 1864 verliessen MM. Gaskell, Moore und Morshead am 15. Juli um 3 Uhr 5 Minuten Randa, erkletterten mit den Führern Almer und Perren das Biesjoch und trafen um 5 Uhr 15 nach 12 Stunden kecker Bergwanderung in Gruben ein.

Noch war der grösste Vorberg des Weisshorns von keinem menschlichen Fusse betreten worden Endlich wurde auch er, das drohende 4161 Meter hohe Bieshorn, bezwungen. Die Führer Jos. Imboden und P. Sarbach führten von Randa aus Mrs. Burnaby am 6. August 1884 auf jene Spitze, die östlich vom Weisshorn aus der Eisflur emporragt. In alter Zeit erklommen die Menschen weder Bies- noch Weisshorn; um so rühriger aber waren sie im Tale. Es muss hier um den Turtmanngletscher herum vormals weniger wild und kalt gewesen sein. Die Pipjialp, in der nur noch Schafe sommern, war noch im 17. Jahrhundert eine Kuhalpe. J. J. Weilenmann berichtet, als er im Sommer 1859 durch die Emser Schafalpe nach dem Turtmanngletscher wanderte, habe ein Hirt ihm erzählt, man habe ein Wagengeleise unter dem Gletscher gesehen. Mit Recht meinte Herr Weilenmann, diese Angabe habe nach Jägerlatein gerochen. Allein der Hirte hatte doch einen Volksglauben, wenn auch verblümt, ausgesprochen. Über einen gangbaren Weg, der nach Einfisch geführt habe, jetzt aber unter Schutt und Eis zugedeckt sei, wissen in der Tat die alten Leute gemeinhin zu erzählen. Der alte Schafhirt J. J. Jeger, der jetzt 80 Sommer zählt, hat in vielen Jahren die Gegend abgelaufen, schier jeden Stein angetastet. Er beteuerte allen Ernstes, mit eigenen Augen habe er am Fusse des Wengerstafels einen gepflasterten Weg gesehen, der die Richtung nach dem Tracuitpasse hatte und in einer Strecke von etwa 200 Meter unter dem westlichen Gletscherrande sichtbar gewesen war. Das soll ein uralter Weg, ein Handelsweg gewesen sein, der in den Col Durand mündete und den Verkehr nach Zermatt und von da über den Theodulpass nach Valtournanche befördern half. Stumme Zeugen dafür wären noch die Hofstätten im Wengerstafel und die vielen längst verlassenen Baureste am Wege beim Senntum und Heidelin, in Kaltmatten und Meidmatten. Saumtiere und Lastträger seien in grauer Vergangenheit an ihnen vorbeigegangen; pustend und schwitzend haben sie bei diesen Alpenhütten gerastet und gastliche Labung empfangen. Schon solange ist 's, und Öde und Verlassenheit haben den märchenhaften Weg und die Schutzhäuschen umfangen. Erst hatte der ganze Verkehr mit Zermatt und Italien sich auf den Augstbord verschoben, bis es auch hier stiller wurde.

Also der Augstbordpass! Von Gruben windet sich über die östliche Talwand zuerst durch einen Arven- und Lärchenwald, dann zwischen Wacholder und Alpenrosen und endlich über nackte Alpentriften hinauf der Grubner Salzweg, ein angenehmer Saumpfad, der in 4 Stunden den Bergsattel zwischen dem Schwarzhorn und dem Steintalhorn erreicht. Das ist der Augstbordpass, der 2893 Meter über Meer steigt. In einer Stunde gelangt auch ein bescheidener Fussgänger vom Passe auf das Schwarzhorn, das seinen Namen davon hat, weil die Steine ringsum mit schwarzen Flechten, wie mit einem Trauerplüsch überzogen sind. Mit dem Schwarzhorn vergleicht man gewöhnlich die Bella Tola, das Torrenthorn und das Eggishorn, um von berühmten Aussichtspunkten zu sprechen, die gleich wie der unvergleichbare Gornergrat gefahrlos zu erreichen sind. Am 3. August 1921 wurde auf der Spitze des Schwarzhorns unter leichtem Schneeschauer um 1 Uhr nachmittags ein Schriftstück unterzeichnet, das 27 Namen trägt und an eine bunte, lebensfrohe Bergfahrt erinnert. Gelehrte verschiedener Fakultäten, Hirten, Studenten, Mütter und kleine Alpenmädchen unterschrieben ihren Namen; der jüngste Bergsteiger zählte 8 Jahre und kritzelte mit schlotternden Fingerchen « Agnes » aufs Papier. Die Aussicht lohnte. Ja, wer hätte denn das Schwarzhorn je besucht und möchte es nicht wieder besuchen und ein zweites und drittes Mal geniessen, was man eine grossartige Hochgebirgsrundsicht nennen darf. Das ist, was man vorziehen mag, ein Kranz von Hochgebirgen ohne Zahl: im Südwesten der Montblanc, ihm entgegengesetzt vierzig Stunden weit entfernt, als äusserster Eckpfeiler im Nordosten, der Tödi und sein Hofstaat; dazwischen die Dent du Midi und die Berneralpen von der Dent de Mordes bis zum Galenstock. Südlich und näher ist der grossartige Halbkreis, in der Dent Blanche, Weisshorn, Monte Rosa, Dom, Weissmies und Monte Leone etwa die Hauptfiguren spielen.

Auch in frühern Jahrhunderten zogen Leute über die Kämme des Dreizentenhorns und Schwarzhorns vorüber. Diese Bergwanderer kümmerten sich jedoch wenig um die Rundsicht; sie gingen Geschäften nach und dem täglichen Brote. Einst brachte das Ginanztal von Raron und Turtig herauf über Unterbäch und Eischol viele Leute und Lasten hierher, um sie nach Jungen hinab und weiter nach St. Niklaus und Zermatt zu schicken. Nur selten mag 's geschehen sein, dass auch der Jungpass, 2994 Meter hoch, in frühern Zeiten Besuch bekam, etwa von Lastträgern, die von der Gigialp oder vom Hungerli her am Fusse des Furgwanghorns emporklommen, dann über Gletscherwände rutschten und das öde Jungtal hinaus den Augstbordpass fanden. Oftmals kamen zum Augstbord Leute müde und krank; sie kamen zu einer Heilquelle. Unter dem Passe abwärts sprudelt an der Geröllwand des Augstbordtälchens ein Wässerchen, das eine Geschichte hat. Das « Goldbrunnji » hatte 1557 grossen Besuch. Jeden Tag kamen Mengen von Leuten zum Brünnlein, das zwischen verwitterten Plattenstücken aus rötlicher Erde quillt, die Steine golden färbt und Eis und Schnee rötet. Von weit herum kommen Besucher, die Linderung oder Heilung erhoffen: « Das Wasser öffnet und reinigt den Leib, heilt tränende Augen, stillt die beginnende Wassersucht und, man trinke soviel man wolle, tut nie weh, nur bei Fieber taugt es nicht. Katarrh, Verkältung, Verschnupfung hören alsbald auf. Das Wasser muss über Kupfer fliessen, auch Ocker mit sich führen und unter dem Einflüsse der Sonne seine Heilkraft verstärken. » So erzählte der Sittner Apotheker Kaspar Ambuel seinem Zürcher Freunde Konrad Gessner und fuhr dann fort: « Da kommen die Leute mit ihren Gebresten; sie waschen Leib und Glieder mit dem eiskalten Nass; denn baden wollen sie nicht; sie werfen sich vielmehr das Wasser mit der Hand zu und, einfältig genug, trinken sie, bis es fast obenaus kommt Hierauf tragen sie Alpenrosenstauden zusammen und machen ein Feuer, holen den Vorrat aus ihren Säcken, harte, fette, weiche Käse, wärmen sich die Speisen auf und unterbrechen das Essen immer wieder, indem sie tüchtig Wasser schlucken; denn sie können, behaupten sie, nie zuviel trinken. Und ist das Mahl unter dem freien Himmel beendet, füllen sie die mitgebrachten Fässchen mit Wasser und rüsten zum Heimweg. » ( J. Simler, Descriptio Vallesiae et Alpium, Tiguri 1574. )

IX. Aufzeichnungen eines unermüdlichen Bergkraxlers.

( Sommerferien in Gruben 1918, 19, 20, 21, 22, 23. ) 1918. August. 19. Gruben 5 Uhr morgen: Schwarzhorn ( 3200 m ), Abstieg auf den Augstbordpass ( 2893 m ), von da auf das Steintalhorn ( 3113 m ), auf die Weisse Egge ( 3168 m ), Furgwanghorn ( 3163 m ), Abstieg auf die Höhe 2803, zur Gigialp, nach Gruben zurück um 5% Uhr nachmittag.

20. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Meidhorn ( 2873 m ), herunter über den Abhang gegen Gruben, dann über einen Eckpfeiler der Südseite aufwärts. Um Mittag Halt zwischen Meidhorn und Höhepunkt 3084, Grosser Tounot, Abstieg gegen Meidjoch und nach Gruben 4% Uhr abend.

21. Gruben 5 y2 Uhr morgen: Turtmanngletscher, Pipigletscher, Lange Egge, Abstieg zur Brändjialpe. Gruben 5% abend.

22. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Meidsee, über den Grat bis zum Punkt 2932, Pas de Bœuf, Bella Tola. Gruben 5 Uhr 30 abend.

23. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Fruitali, Frilihorn ( 3101 m ), Höhepunkte 3146, 3037, 3047, Forcletta. Gruben 5 Uhr 30 abend.

24. Gruben 5 Uhr 30 morgen: Jungpass, Turtmann-Rothorn, Kamm 3262, Abstieg Nordwestseite. Ankunft Gruben 4 Uhr 30 abend.

25. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Kaltberg, die Spitze 3076 und 3080, Budri-Felsen, Kaltberg. Gruben 4 Uhr 30 abend.

September. 10. Ankunft von Val Ferrex in Grimentz, Aufbruch 5 Uhr 40 morgen nach Zinal, von da nach Frilipass, Frilihorn und über Turtmanngletscher nach Gruben 5 Uhr 30 abend.

14. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Über westlichen Kamm auf Spitze 3255, auf Rothorn-Kamm, nach Gruben zurück um 5 Uhr abend.

1919. August. B. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Schwarzhorn; Dreizentenhorn ( 3056 m ), Ginanzpass ( 2812 m ), auf Rothorn ( 2979 m ), am Kamm bis Signalhorn. Gruben 5 Uhr abend.

10. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Über Nordwestkamm und Kamin auf Spitze 3404 ( Brändjihorn ?). Gruben 6 Uhr abend.

12. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Signalhorn, dann den Kamm entlang bis Ergischhorn, Abstieg auf Ergisch und Turtmann. Gruben 4 Uhr abend.

29. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Am Kamm zwischen Meiden und Rotingenalp, auf Höhepunkte 2693 und 2958, Bortertäli. Halt zwischen Bella Tola und Borterhorn. Gegen Brunethorn ( 2960 m ), Bortertäli, Talweg nach Gruben 7 Uhr 20 abend.

31. Gruben 7 Uhr 20 morgen: Schöne Riebe ( Kaltberg ), Abstieg über den Pass 2961, Tounotspitze, zurück über Forcletta nach Gruben 7 Uhr abend.

September. 2. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Jungpass, dann den Kamm des Steintalhorns entlang zur Spitze 3092, auf Steintalgrat, Abstieg durch Runse. 7 Uhr 30 Gruben.

4. Gruben 4 Uhr 45 morgen: Nach Ginanzpass, Ginanztal. Raron 4 Uhr 15 abend.

1920. August. 3. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Schöne Riebe ob Kaltberg, Joch ( 2961 m ), Visivisee, Navakamm entlang bis zum Punkt 2771. Zurück über Forcletta. 6 Uhr abend Gruben.

6. Gruben 2 Uhr nachmittag: Meidhorn, herunter auf Nordseite, nach Meidenalp. Gruben 8 Uhr abend.

7. Gruben 5 Uhr morgen: Kante des Barrhorns. Gruben 6 Uhr abend.

9. Gruben 5 Uhr 20 morgen: Kaltberg, Schöne Riebe, Pass 2961, Grosser Tounot, Kamm gegen Kleinen Tounot, über die Gand zur Spitze des Kleinen Tounot, über Kamm des Grossen Tounot und Punkt 2806. Gruben 5 Uhr 30 abend.

10. Gruben 5 Uhr morgen: Joch zum Grossen Tounot und Höhe 2806, Spitze über dem Meidpass. Gruben 6 Uhr 15 abend.

12. Gruben 5 Uhr 15 morgen: über Pipigletscher auf den Kamm zwischen Gässispitz und Stellihorn, weiter über den Kamm auf Stellihorn ( 3415 m ), Abstieg auf Kamm zwischen Stellihorn und Höhepunkt 3404. Über Lange Egge nach Gruben 6 Uhr 15 abend.

14. Gruben 4 Uhr morgen: Auf den Kamm zwischen Frilihorn und Diablons, den Kamm des Diablons gekreuzt. Vom Sturm überrascht, durchs Kamin der Westwand abgestiegen, auf Barnosaalpe übernachtet.

17. Gruben 5 Uhr 15 morgen: Augstbordpass, von da Kamm östlich des Dreizentenhorns bis Augstbordhorn, obere Ginanzalpe. Raron 5 Uhr 10 abend.

1921. August. Von Ayer 5 Uhr 15 morgen: Aufstieg zur Forcletta. Ankunft in Gruben 5 Uhr 30 abend.

5. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Meidhornegge durch Kamin links von einem Gipfel mit 2 Spitzen, den Grat entlang bis Meidenpass. Gruben 4 Uhr 30 abend.

6. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Grat gegen Rotigenalpe hinunter bis zum Punkt 2861 ( Rotighorn ), Pletschenhorn. Gruben 4 Uhr 30 abend.

8. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Turtmanngletscher, auf Frilihorn, dann auf den Kamm, auf Höhepunkt 3037, Blumattgrat zwischen Fruitali und Kaltberg ( 2933 m, 2905 m ). Gruben 5 Uhr 30 abend.

10. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Rotigenalp, Kamm zwischen Punkt 2861 und Pletschenhorn, Abstieg ins Bortertäli, auf Kamm zwischen Bortertäli und Brunethorn, dann wieder Aufstieg auf Brunethorn. Zurück über Brunettäli, Talweg, Gruben 5 Uhr 30 abend.

12.Gruben 6 Uhr morgen: Brändjialp, Höhepunkt 2732, Lange Egge, Pipigletscher. Auf dem rechten Ufer der Turtmänne nach Gruben 6 Uhr abend.

17. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Meidenpass, Chandolin. Sierre 5 Uhr abend.

1922. 14. August. Gruben 5 Uhr 15 morgen: Borterhorn, Abstieg durch Kamin am Nordgrat nach Illsee, Kamm Illhorn ( 2720 m ), am Abhang gegen Chandolin, Meidenpass. Gruben 9 Uhr 30 abend.

16. Gruben 7 Uhr 10 morgen: Bella Tola, dem Kamm Bella Tola-Borterhorn entlang, von da am Borterhorngletscher auf Schwarzhorn über dem Illsee ( 2793 m ), hinunter auf Bella Tolagletscher, Joch südwestlich vom Borterhorn, Abstieg Bortertäli, Grindjialp und im Zickzack zum Talweg. Gruben 6 Uhr 30 abend.

18. Gruben 5 Uhr 15 morgen: Gruben Oberstafel, von da auf den Kamm zwischen Steintalhorn und Weisse Egg, Abstieg ins Jungtal, über nordwestlichen Kamm auf das Sparrhorn ( 2990 mhinab ins Jungtal, hinauf auf den nordöstlichen Kamm des Furgwanghorns, Hungerlialp. Gruben 8 Uhr 30 abend.

1925. Juli. 31. Gruben 4 Uhr 30 morgen: Bella Tola, Nordkamm, Höhen 2766, 2605, Meidpass. Gruben 6 Uhr abend.

August. 2. Gruben 5 Uhr morgen: Meiden, mittlerer Stafel, von da Grindjialp, Bortertäli, quer durch die Wand bis gegenüber Emshorn, dann auf den Kamm zwischen Emshorn und Brunethorn, durch grossen KaminAbstiegMeretschisee, dann über Joch 2579 nach Illsee, Meidenpass. Nach Gruben zurück um Mitternacht 20.

4. Gruben 5 Uhr morgen: Forcletta, Roc de Budri, Kamin und Kamm verfolgend, Abstieg am Ostgrat, auf Weiss Hiri ( 2859 m ). Gruben 6 Uhr 20 abend.

6. Gruben 5 Uhr morgen: Hungerli Oberstafel, Jungpass, Spitze 3112 ( Junghorn ). Gruben 5 Uhr 30 abend.

8. Gruben 4 Uhr 45 morgen: Hungerlialp, über Westkamm auf Spitze 3012, Abstieg zwischen dieser und Höhepunkt 3255. Gruben 5 Uhr 30 abend.

10. Gruben 4 Uhr 40 morgen: Brändjialp, Kamm und Spitze 3288, Abstieg zum Gletscher, auf Wasenhorn ( 3340 m ). Gruben 5 Uhr 30 abend.

13.Gruben 4 Uhr 45 morgen: Gigialp, Kamm zwischen Furgwanghorn und Weisse Egg, Abstieg ins Jungtal, durch Kamin und Nordkamm auf Festihorn ( 3249 m ). Über Jungpass nach Gruben 6 Uhr abend.

( Mitteilungen von Dr. Galli-Valerio, Prof. méd., Lausanne. )

X. Sprache und Sagen vom Turtmanntal.

1. Die Bliemlisalp.

A mal syg ä Hirt, ä Sännu, äs Wibuvolch und ä blinde Vatter ufer Alpu gsi. Da wa jetz der Gletscher ischt, heig is1 ) d's Bliemlis Alpu gheissu; das syg d'schenschti Alpu gsi im ganzu Tal. Jetzu heigi'sch äs schlächts Labe gfiert und du altu Vatter firchterli verunwirtot2 ). Denu heigi'sch dum Veh nahgschickt, wen er scho blinde gsi si und nit d' Hand vor Oigu3 ) gseh hei; und essu hei er myessu, was der Hund nit wellu hei. Da hei er äs güotu Tagsch 4 ) aber dum Veh nahsellu 5 ). Di sygi mu aber immer fir und wyter, und er nah; der Herrgott het mu schetz 8 ) wider äs gsunds Liecht gigä gha. Und wye er wyt sy weg gsi, sy 7 ) hinnernah Schnee und Isch über alls abha 8 ) chu und hei Sann und Hirt und Wibervolch und Hund zer Straf unnergmacht. Drum soll 's immer no Unghyr 9 ) sy. A schwarze Hund loife ä sye10 ) über du Gletscher ob der Turtmännu üs und i und thye wehwelu11 ):

Ich, mis Hundji Ri, Hirt und mys Catri, Myesse hye bigrabu sy 1S ).

2. Der Ma im Brändji.

Im Brändji syg a mal ä Ma mit Wyb und Chind gsy. Da hei mu der Pfarrherr gseit, er selti oi zer Mess chu13 ). Er geji alii Tag zer Mess, hei mu dysche zer Antwort gigä14 ). « Ja wa de? » « So stellet he uf d'Schüospitza und lüoget über myni Axlu, da gsed er de, wa ji zer Mess ga»15 ). Aber syter16 ) het nu der Pfarrherr mit Fryd gla und nimme gfregt. Der Ma sygi äbu bim Herrgott selbs zer Mess gigangu. Nu hei mu düo der Pfarrher züogredt, seil er oi a mal schy Sach chu ga machu 17 ) und ze Sakramentu ga. « Ja was aners », hei der Ma gseit. Und er üsa und schy Sach gmacht. Yetz seil mu der Herr aber doch oi so äs hochgsägnots Brot gä fer du Chindru18 ) heimzbringu. Und richtig, der Herr hei mu ä heiligi Hoschtju ins Handmälterli19 ) gitah, warin mu der Ma hei Milch gibrungu gcha. Da sy der Ma freidige d's Tal ä mi20 ), mit dum Mälterli in der Hand. Und wye er deheimu d's Deckilti hei wellu lipfu21 ) und drabtüo22 ), fer de Chinnu d's hochgsägnot Brot z'gä, da sygi äs Engilti üsa gflogu 23 ).

J ) heigis = habe es. 2 ) firchterli verunwirtot = fürchterlich verunwürdigt ( misshandelt ). 3 ) Oig, Oigu = Aug, Augen. 4 ) äs güotu Tagsch = eines guten Tages; das Schluss-u lautet zwischen u und o. 6 ) nahsellu = nachsollen, d.h. nachgehen sollen. 6 ) schetz und schetzi = schätz'ich, wie es scheint.sy = sei.

— 8 ) abha = herab. 9 ) Unghyr = Ungeheuer, im Sinn von Spuk. 10 ) ä sye, d.h. hie und da. xl ) und thye wehwelu = tun wehschreien, jammern. 12 ) auch in der Fassung, wie: Ich, Hund und Hirt und mys Catri, myesse immer und ewig in dischum Gletscher sy. 13 ) er sollte auch zur Messe kommen. 14 ) gigä = gegeben.So stellt euch auf die Schuhspitzen und luget über meine Achsel, da seht ihr dann, wo ich zur Messe gehe.syter = seither.schy Sach chu ga machu = seine Sache ( beichten und kommunizieren ) kommen gehen machen.

für ( um ) den Kindern heimzubringen. 19 ) Handmälterli = hölzernes Gefäss mit Deckel und einer verlängerten Daube, in der das Handloch zum Tragen ausgehauen ist. 20 ) ä mi = wieder hinein ( ins Tal ). 2 ' ) lipfu — liften, heben.drabtüo = abnehmen. S3 ) da sei ein Englein herausgeflogen.

3. Der Qyger1)- Im Gygi2 ) sygi a mal oi ä Hirt und ä Sännu gsin 3 ). Nu heigi'sch 4 ) vam Oberstafil a brin g'robt8aber schetzi6 ) d'Volluvergässu. « Ich gan scha schon gan reichu 8 ), machet schisch iehr nur dun Puchil9 ) », het der Hirt dum Sännu gseit. Und er ä müf 10 ). Da hets grägnot, und er ischt bnachtot und het myessu obena blybu. Und richtig het er schi ufum Beju u ) uf 's Glyger 12 ) gleit und het wellu schlafu. Aber da chumunt dri Chjeerinne 13 ), jedi mit äner Gebsu und heimp mu 14 ) Milch angibotu. Er welle nit drichu 1S ), hei er ne gseit. Di Gebse heigi aber dry underschidlichi Farbe g'han. Da heigi mu dyschu Wybs-bilder ang'gän 16 ), er chenne näh, us wellera 17 ) er welli. Trych er user erschtu, gab er ä Singer; trych er user zweitu, ä Gyger, und welli er di dritti, so gäbi er ä Hackbrettler. Erd'erschtiangschtitzt! Das het nu gmottot18 )! Undergidanne19 ) uber 's Bergji a mabha 20 ); het angfangu singu und het halt gsungu appas prächtigsch 21 ). Der Sännu het glotset und gloset22D 's hibsch Gsang und d's Gygu het du Sännu oi verzännt23 ). Er het schi verwägu 24 ), er welle Gyger wärdu. Und er was gischt was d' hescht25 ) du Salzwäg üf ins Obergygistafilti. Aber der het nimme wellu zerruckcho. Jetz sind'sch nu gan süochu, und wye'sch uf d' Hittu ljogent, ischt d'Sännu'sch Hut uf um Dach üsgspreitoti gsin. Da het er dio fer 's Gygu ghan26 )! Und darum heisst jetz d' Alpu d's Gygi.

XL Die alte Bauernzunft von Turtmann.

Eine Bauernzunft oder Genossenschaft mit Satzungen war in Turtmann bereits im 15. Jahrhundert.

Am 24. Februar 1479 entschied der Landeshauptmann durch Schiedsspruch, Turtmann bilde mit den Geteilen Tennen, Ried und Unterems nur eine Gemeinde.Verträge dürfen nur von der Gemeinde aus geschlossen werden.

Und 1489, am 18. Februar, wird Albrecht Schluechter um 11 Pf. in Turtmann eingebürgert.

Es ist dies jener Schluechter, der 1513 öffentlich verurteilt wird.

1513 war nämlich Albert Schluechter von Turtmann von Th. Minnig, dem bischöflichen Fiskal, angeklagt, er habe gegen Kardinal Schiner Verleumdungen ausgestossen, wie: der Bischof het sich schelmenhaft fan dan ( von dannen gestohlenGyger = Geiger. Das lange i wurde mit y wiedergegeben. 2 ) Gygi = Alpe innerhalb Gruben. 3 ) gsin = gewesen, mit nasalem n zu sprechen. 4 ) hätten sie.5 ) a brin g'robt = herunter « gerobt », den Alphaushalt herabgetragen.8 ) schetzi = schätz'ich, scheint es.d'Vollu = der Milchtrichter. 8 ) Ich geh'sie schon gehen holen. 9 ) dun Puchil = den Haushalt ( Küchenarbeit ). 10 ) ä brin und ä brüf = ab und auf; ä müf = wieder hinauf. xl ) d'r Beju = Holzbrücke in der Alphütte, über den Stall hineingebaut. 12 ) Glyger = Lager des Bettes, besonders Wildheu, Stroh als Unterlage. 13 ) Chjeerinne = Küherinnen. Die Küherin besorgt vorab das Vieh, die Sennerin vorab die Milch; im Dorfe gibt 's keine Sennerinnen, nur eine oder zwei Sennereien, doch viele Küherinnen. 14 ) heimp mu = haben ihm. 15 ) drichu und bei starkem Anlaut frichu. le ) ang'ghän = angegeben.aus welcher. ls ) motten = bewegen. 19 ) gidanne = flink. 20 ) herunter, zurück. 21 ) appas prächtigsch = etwas Prächtiges. 22 ) ljogen und lotsen = sehen, losen = zuhören. 23 ) verzännt = angelockt, gelüstet. M ) verwäge = hat sich verwagt.25 ) was gischt was d' hescht = was du gibst, was du hast = schnell.e ) Da hat er alsdann fürs Geigen gehabt ( Lohn ).

Stolen und vulgariter, « er ist ein Schelm und ein Beswycht ». Das Gericht, bestehend aus dem Landeshauptmann Arnold Kalbermatten und 15 Richtern in Leuk, erkennt, A. Schluechter ins Gefängnis zu setzen und der Gerechtigkeit zu überantworten. ( Imesch, W. Abschied I, S. 252. ) 1515, am 6. März, setzten die Bürger ein eigenes Burgerreglement auf über Vererbung des Burgerrechtes, gemeinen Weidgang, Bann der Wälder, Arbeiten bei Überschwemmungen, Pfändungen usw. Der Notar Egidius Fredericus von Leuk hat die Abfassung besorgt, der gleiche, der auch die folgenden Zusätze 1535 und 1548 geschrieben hat.

Zwei Jahrzehnte später, am 22. Februar 1535, waren die Burger in der Wohnstube ( stupa ) des Jos. Schmid versammelt; wenige fehlten; über 2/3 waren anwesend, nachdem sie durch Auskündigung in der Pfarrkirche von Leuk und durch Glockenzeichen im Ort Turtmann eingeladen waren. Diese Urversammlung bestätigte die 1515 angelobten Statuten und fügte Bestimmungen hinzu über Wasserleitungen, Gemeindewerke und Spendsteuer ( die sogenannte St. Jodrospende ). Ein Urteil des Obergerichtes von Leuk vom 10. Dezember 1515 regelte die Beiträge an die St. Theodulspende für die Bewohner von Ried und ihren Anteil an den Hoheits-geldern Turtmanns.

Am 9. April 1548 wurde ein neuer Entscheid aufgenommen über die Benutzung der Allmein; danach können Pferde und Kühe auf gemeinen Weidgang « aus-gekehrt » werden laut Haushaltung und Vermögen — eine weise Vereinigung von Kopf- und Vermögensrechten.

Alle die alten Bräuche, « geschrieben oder ungeschrieben, aber zurecht-bestehend in vordenklichem Herkommen », wurden frisch zusammengetragen, in 33 Artikel gefasst und 1586 am 25. Februar feierlich beschworen.

Sie handeln über Burgerrecht, Allmeinde, Wuhren, Gemeindearbeit, Wald-, Dorf- und Feldpolizei, in ihrer einfachen Fassung ein kleines Kulturbild eines geordneten Dorf- und Gemeindelebens aus dem 16. Jahrhundert. Lateinisch abgefasst, wurden sie in « teutsch verdolmetscht des Jahres 1682 wie folgt », inhaltlich nicht weniger als ob ihrer sprachlichen Eigenheiten und uralten Zutaten der Beachtung wert:

Die Bauernzunft von Turtmann aus dem Jahre 1586.

« Im Namen der hl. und unzerteilten Dreifaltigkeit usw. als man zahlt 1586, den 25. Tag Hornung zu Durtmann in der Stuben des Hauss des fürsichtigen Mannes Antoni Stalders, Mittelfenders hieseits des Rodans, vor mir Schriber und hienach geschribnen Zygern Gegenwärtigkeit sein daselbsten persönlich erschinen, sonderlich wegen hienach geschribnen Sachen löblich zu traktieren und zu handeln, bestellt und verordnet gewesen die weisen Männer Johannes Locher, ohnlengst Meier, und jetziger Zendenhauptmann für den Zenden Leuk; N. Nikolaus Perrini, Notar und Vogt zu Leuk, der gesagt Fender Antoni Stalder, Niklas Feleser, Peter Frilin, Joh. Heimen, Egidius Sewer, Antscho Balmer, Joh. Gasen und sein Sohn Peter und ich underschribner Schriber, wie auch vili andre, welche Kürze halber nit eingestellt sind worden mehr als die zwei Teil der Gemeinder, welche im Namen der ganzen löblichen Gemeind sich stark aus Kraft einer gewissen Assignation, welche von Altersher auf selbigen Tag gebrucht und geübt ist worden, der gsagten Gemeind Nutz zu fürderen und aufzurichten, den Schaden aber und Unheil abzuwenden, sind sie versamblet gewesen, zu übersehn und zu besichtigen ihre alte Bauerenregel und haltende Artikel: welche zwar Gemeinder ohne Zwang, noch Trang, auch ohne Forcht herzu gezwungen, angefiert, noch betrogen, sondern wissend, freywillig herzubewegt und ihrer Recht woll erfahren, für sich und ihre Nachkommenden haben sie mit einander geraten und beschlossen ein Ordnung der Artiklen und gewissen Regeln mit oder undereinander steif und fest zu halten firgenommen durch ein Form und Weis wie folgt:

1. Erstlich ist geraten und beschlossen worden, dass niemand solle in gesagte Gmeind angenommen werden, noch der gmeinen Güter geniessen, welcher nit aus rechtmässiger Erbschaft dieselben Güter besitzt: Wann einer schon Güter kaufte, vertuschete oder durch Einzug an sich brächte oder « mit welcher Manier einer Güter überkommen mechte ».

2. Es soll ein jeder Gemeinder alles Vych, welches sein Weid auf der Erdhuob Turtman oder auf derselben « gmercheten » ( abgegrenzten ) gemeinem Feld, oder Allmein nimbt, soll auf gesagter Huob zu Nacht ingetan werden, wo nit, alle Mal, so oft einer ertappt wird, umb 5 Schilling gestraft werden ohne Gnad, so oft einer solches tut.

3. Ist man auch verbliben, das hienfüro kein Gmeinder solle, noch mege einigerlei Vych auf das Feld oder gemein Allmein dingen, dasselbige da zu weiden, bei drei Pf. Buoss ohne Gnad und soll stracks gestraft werden, so oft einer solches getan hette ohne Gnad.

4. Zum 4ten, dass es keinem Gmeinder erlaubt sei, ein Ross zu kaufen oder auf welche Manier man sagen kann, an sich zu bringen, das nit mehr als 5 Pfund ( zirka Fr. 10 !) wert sei, dasselbe auf dem Feld zu weiden, welcher darwider tete, soll umb 5 Schilling gestraft werden.

5 und 6 enthalten Bestimmungen über Ross und Rind auf dem Felde.

Soll, noch mag kein Gmeinder ein Kolbstier oder geheiltes Rind auf das Feld « kehren », es sei denn Sach, dass es am « Tuen » geheilt sei; welcher anders tete, soll allemal um 5 Seh. gestraft werden.

6. Wann ein Gmeinder ein geheiltes Ross oder mehr ( Mähre ) hette, welche die Stuoten stiegen wurden, und er vermahnt wird, selbiges Ross abzuhalten, und er das nit tun wollte, soll er jedes Mal um 5 Seh. gestraft werden.

7. So einer ein Ross oder mehr hette, welches über genugsamne Zun oder Stapfen Sprunge, und derselb ermahnt wurde, dasselbe abzuhalten, und es nit tun wellte, soll allemal umb 5 Seh. gestraft werden, und allen Schaden, so durch des Ross willen geschehen kennte, wann vielleicht viel andre Ross wurden nachfolgen, zu zahlen und zu ergenzen schuldig sein.

8.Ist gemacht worden, dass nieman aus gesagter Gmeind Geiss, Schaf, Schwyn nicht änderst als auf seinen eignen Gütern, noch auf dem Feld, noch Allmein, in der Ebne, noch auf andern, welche auf besagter Gmeind liegen, weiden solle, dann welcher solches finden wurde in seinen eignen Gütern, oder der Huoter dazu kombt, so soll ein jedes Vych, sei was für Geschlecht es well, umb 5 Seh. gestraft werden, wann sie aber auf dem Felde oder auf der ebnen Allmeind durch die Huoter gefunden werden, sollen sie auch jedesmal umb 5 Seh. gestraft werden. Wann aber sowohl im Früeling als Herbst, was für Geschlecht Vych in den Ackern hinder dem Dorf oder Tufetsch ( östlich des Dorfes ) erfunden wurde, durch die, welchen die Acker zugeherig, oder durch die Huoter, wann sie darzu komme, ein jedes Vych um 5 Seh. gestraft werden, so oft und dick sie dort erfunden werden.

9. So ist keinem Gmeinder erlaubt, noch zugelassen, dass er Sonntag noch an andern Fyertäg wessern mege noch solle seine Güter; wann einer erfunden wurde, soll er umb ein jede Übertretung umb 5 Seh. gestraft werden, ausgenommen welche Kehrwasser ( wie es eben alle 14-20 Tage einer Matte gehört ) haben.

10. Wann einer alle seine Güter verkaufte oder hinwegtuschete, welche sich inwendig den Gmercheten gesagter Gmeind befinden, der soll gesagter Gmeind 2 Pfund geben Morser Wehrung, welche 2 Pf. sollen dem Jahrzeit ( der Kirche ) zugeherig sein.

11. Welcher wurde Holz hauwen auf den Wehrinnen, es sei bei dem Rodan oder Turtmane, auch welches Geschlechtes Holz es sein mechte, der soll umb ein jeden Stouck umb 10 Seh. gestraft werden ohne Gnad.

12. Welcher wurde in den Bannweidren oder Eien Lerch, Birchen oder Erlen hauwen, der soll umb ein jeden Lerch umb 20 Seh ., um ein Birchen umb. 5 Seh. und ein Erlen umb 1 Seh. gestraft werden, vorbehalten welche anstossende Güter mechten haben an den gmeinen « Waiden » oder Eien oder Allmein, dieselbe kennen bei dem mindsten Schaden ab das Zunholz ( Holz zum Zäunen: « Schär-bänder, Latten, Wyden » ) darvon nehmen für die anstossende Gutter und nit änderst.

13. So einer erfunden wurde, welcher auf gmeinen Eien oder Waiden Holz in andre örter fürte ( führte ), wo er nit Gmeiner were, der soll umb ein jeden Stammen oder Stuck, welcherlei Holz es immer well, ein Seh. zahlen.

14. Welcher mit Erlaubnus der Gwaltshaber Holz hauwet im gmeinen Wald oder Bannwald, und er inwendig Jahr und Tag kein Hand wurde anlegen oder verrücken, ist es der Gmeind verfallen, und sollen es die Huoter mit einer gebührenden Blonung bis in das Dorf erstatten; welcher aber in erlaubten Waiden Holz tete hauwen, der soll es auch in gesagtem Termin und Zeit « rucken », wo nit, mag es ein jeder Gmeinder, welcher zum ersten darzukommt, behändigen und an sich nehmen als sein eigen.

15. Welcher Blatten, die Techer oder Hüser zu decken aus der Gmeind ohne Verwilligung der ganzen Gmeind, und Gewaltshaberen, hinwegführte, der soll jedes Mal umb 40 Seh. gestraft werden.

16. Welchem es zu wissen kerne, dass das Wasser wüchse oder ein Überfluss des Wassers gebe, dass es von Neten were, gemeinlich jeder männigklich zu Hilf zu kommen, welcher alsdann nit kerne, der soll für ein jeden solchen Fehler umb 10 Seh. gestraft werden.

17. Wan etwan in einer Person Gutt, Heiw oder Myst ein Kreuz gesteckt wurde, ursach eines begangenen Fehlers oder nit gehaltner billicher Artiklen inwendig 14 Tagen, nachdem es zu wissen kommen, es wurde ausziechen oder verändren, ehe und zuvor er umb erforderte Straf mit den Gwaltshaberen habe abbunden, soll gesagter umb ein jedesmal um 5 Seh. gestraft werden, ohne den vorigen Fehler, und sollen die 5 Seh. ab dem genommen werden, darin das Kreuz gesteckt ist.

18. Ist geraten und beschlossen worden, dass welche durch ihre Güter gemeine Runs oder Wasserleitenfuhren haben, die sollen also breit und tief gemacht werden, dass sie 2 Wesserwasser tragen; welcher darwider tete, soll umb 5 Sch. gestraft werden.

19. Welcher Guetter hette, dardurch andre ihr Wasserfuor haben, der soll dieselbe Wasserleiten gnugsam auftun, damit der, welcher die Fuor dadurch hat, gnugsam wässern kenne; wo nit, so mag, der die Fuor hat, die Wasserleiten auftun nach seinem Belieben ohne Widerred.

20. Welcher wessern will, der soll nit mehr Wasser anschlagen, als er vonnöten ( Nöten ) hat, oder der Runs oder Wasserleiten ertragen kann, und soll der da wesseret, nichts änderst vom Wasser gehn, als bis heim gehn, Speis reichen ( holen ) oder geschwinder Weis einmal nemmen, demnach alsbald wieder zu dem Wasser gehn, und auch nachdem er gewessert hat, soll er das Wasser mindren oder ganz abschlan; welcher hierin wurde fehlen, soll umb jedes Mai umb 5 Sch. gestraft werden.

21. Dass niemand dörfe noch mege keinerlei Vych in die Acker fieren, so sich nennen die Zeig, es sei dann Sach in sein eygend und wohl ingezunet Gut und ausserthalb den Inverschlachten ( Umzäunten ) gar nit tun, ohne Hyrtschaft, wann man sie schon heftete.

22. Ist geraten und beschlossen worden von den Gmeinwerchen. ( Übriges fehlt. ) 23. Weiters ist geraten und beschlossen worden, dass ein jeder Gmeinder mege und kenne auskehren auf die Felder in der Ebne der gesagten Gmeind, nemblich 2 Bruchross und eins unter den 3 Jahren; nach den 3 Jahren soll es für ein Bruchross gehalten werden. Item Rindvych mag man uskehren 3 Küe schweri, ein jährig Kalb, es sei Ochs, Stier oder Meinschen ( Rind ); bis dass es die Kalber Zänd auswirft, soll es für ein halbe Kuo gezelt werden, mit hinzugetaner Condition, dass niemand kenne für Ross, Rindvych auskehren, hergegen für Rindvych, Ross; und soll auch kein Gmeinder den Feldgang dem andren verkaufen; welcher aber mehr, als die Ordnung vermag, tete auskehren oder übersetzen, der soll umb jedes Mal umb 20 Sch. gestraft werden; welche 20 Sch. der Halbteil den Gwaltshabern, der ander Halbteil den Huoteren soll zugeherig sein.

24. Dass nieman in gesagter Gmeind auf gmeine Allmein die Embs- oder ausstren ( äussern ) Halden oder Lerchwald, wo es sein mechte dem Berg nach, auskehren solle ohne Hyrtschaft keinerlei Rindvych, vom Fest des HI. Johannis des Täufers ( 24. Juni ) bis zum End des Herbstes; welcher darwider tun wird, soll umb jedes Mal von den Huoteren um 5 Sch. gestraft werden.

25. Dass es nieman erlaubt sei, im Herbst Ross auf ander Leuten Matten zu « felden » ( weiden ) als in seinen eignen Gütren, woll geheft, dass sie dem andren kein Schaden tien kenne; welche Ross, wann sie auf andren Güetren von dem, dess das Gut ist, oder vom Huoter oder von welchem es sei, erfunden wurde, sollen umb jedes Mal umb 4 Gross gestraft werden, ein jedes Ross.

26. Ist geraten und beschlossen worden, dass ein jeder Gmeinder, wo sein Güeter an das Feld oder gmeine Landstrassen anstossen, ein guten wehrhaften Zun zu machen und zu erhalten schuldig sei, wann man aber in Besichtigung der Zünen zu allen 3 Wochen, oder so oft es vonneten ( von Nöten ) sein wird, der auch dass man etliche Ungehorsame oder Widerspennig anklagte, dass sie ( als ) nit gnugsam ( ihr Zaun sei ungenügend ) erkennt worden, in der ersten Besichtigung umb ein Mass Win, oder 3 Gross, weders ( welches von beiden ) der Angeklagte will zahlen und wann er in der andren Besichtigung nit gezäunt hette, soll er 5 Seh. zahlen, das dritte Mal umb 10 Seh. und also umb jedes Mal umb 5 Seh. aufsteigen, bis er genugsam zäunet.

27. Ist gemacht und beschlossen worden, dass die Gewaltshaber gesagter Gmeind, welche mit der Zeit sein werden, jährlich sollen besichtigen alle Gehüseten ( Gebäude ), dass sie in gnugsamer Tachung ( Bedachung ) erhalten werden, und also wird den Hüseren beizeiten vorgesechen, und dass den Waiden, welche im Ban sein, verschonet werde; welcher aber innerthalb Jahresfrist nit tacheté und aber ( obwohl er ) ist geheissen worden, der soll umb 3 Pf. gestraft werden.

28. Alle und jede Hünder ( Hühner ), jung und alte, sollen nach Maria Magda-lenetag ( 22. Juli ) bis auf Sankt Michael ( 29. September ) ingehalten werden in Ställen oder worin ein jeder will, damit sie nieman noch in den Bergollen ( Reben-ständer oder Weinlaube, Bercula genannt ) noch anderswo schaden kennen; wann aber einer inwendig gesagtem Zihl solche Hünder in den Reben oder anderstwo funde, dass man dieselben verjagen oder gar töten mege und wann die Huoter darzukommen, dass sie von eines jeden Weibs Hennen 5 Seh. ziechen sollen.

29. Ist beschlossen worden, dass ein jeder Gmeinder gnugsam und recht solle ausrichten nach seinem Rechten die Garb oder Spend auf St. Jodrentag, wie es bis hieher ist im Brauch gewesen, wie auch ein Brod für die Arbeit dem Sigristen oder Zahlnus bis hieher zu geben im Brauch gewesen, welcher unter diesen Zweien unterliesse oder fehlen wurde, soll umb 5 Seh. gestraft werden, umb ein jedes Mal; nit dest weniger ist er schuldig, die Spend und das Sigresten Brod zu zahlen. ( Der Sigristen Napf, x/8 Fischel, zirka 2 % Liter, war noch Ende des 19. Jahrhunderts jeder Haushaltung auferlegt. ) Weiters hat man noch geordnet, dass man kein unflete oder unsubre Sachen, sei wie oder warvon es well, in Dorfruns solle suberen oder weschen vom Anfang des gesagten Runs vor den Gehüseten auf, als zoberst im Dorf und in der Baimergassen, bei der Straf 5 Seh. umb ein jedes Mal, den Wasserhuotern zu zahlen.

30.Ist beschlossen worden, dass es nieman erlaubt sei, was Geschlecht Vych es well, so etwan mit Schaden abgestanden were, in gmeine Strassen oder Güeter hinwerfen oder fiehren, aber welche hinnach ( diesseits ) der Turtmannen wohnhaft, in das benembte Ort, so sich nennt die « Graseten » zu fieren schuldig sei, welche aber enet ( jenseits ) der Turtmannen wohnhaft, in die « Bochten » ( beim Wasserfall ), welcher änderst tete, der soll umb jedes Aas umb 5 Seh. gestraft werden, und dann noch gezwungen werden, solches hinwegzufiehren. ( Dieser Schreiber hat regelmässig « Dortman » und « Dortmanne » !) 31. Welcher auf der DortmannenWehre die Geiss hietet oder sie liesse darauf gehn, soll umb jedes Mal umb 10 Seh. gestraft werden.

32. Mehr ist klar vorberedt und vermeldet worden, dass all diejenigen, welche ihr Wasserfuohr über die gmeine Landstrassen haben, mit welcher die Strassen verderbt werden mechten, sollen in ihren Güetren die Wasserfuohren woll öffnen, ehe sie ( die Wasserfuhren ) über die Strassen fliessen, damit sie ihre Matten ohne Schaden der Strassen bewessern megen; welcher aber änderst tete, der soll umb 5 Seh. gestraft werden und dieselbige Gmeind vor allen Schaden schuldig sein zu verhieten, so deswegen tete auflaufen.

33. Item wann ein Gmeinder etwas, was mit gmeinem Rat gemacht were worden, zu halten bei einer Straf, und einer demnach widerstrebte oder ein Auf- ruohr machte wider die Gwaltshaber oder ihren Rat, mit Gewalt in solchen Händlen zu widertriben sich understiende, derselbe soll ein Jahr lang von allen Nutzungen der löbl. Gmeind beraubt werden. Zum letsten, dass guter Friden und Einigkeit zwischen den Gmeindern ewiglich verblibe und mit minderen Kosten vili zwei-spänige Sachen vereinigt werden, ist geraten und abgeschlossen worden, als wan einer oder mehr in gesagter Gmeind etwas Zanks oder Kriegs hetten, in welchem sie nit kennten übereinkommen, ehe und zuvor sie solches für Gericht ziechen, soll die Sach für vier redliche Menner des Orts gebracht werden, durch welche, wann es nit kennte geschlicht werden, so soll den Teilen das Recht offen stahn; wann aber der Anklager dem Schuldigen das nit anbietet, ( oder ) der Schuldige es abschlüge, in wedrem ( welchem von beiden ) sich solches befunde, der soll umb 20 Seh. gestraft werden ohne Gnad.

Ende.

Verdolmetscht durch den Kastlan Peter Bieler, offnen Schriber, und von Wort zu Wort copiert durch mich Peter Zum Stein, offnen Schriber. » ( Gemeindearchiv Turtmann A. 11. ) ( Kastlan P. Bieler ist aus einer alten Turtmanner Familie, der Ahne des gelehrten Kaplans J. Bieler, der, als letzter seines Stammes, die zierliche Kapelle zum hl. Leodegar auf Kastlern gebaut und beschenkt und 1723 seine ansehnlichen Erbgüter zur Errichtung der Kaplaneipfründe von Turtmann verschenkt hat. Der Schreiber P. Zum Stein ist ebenfalls aus Turtmann; er war ein bekannter Notar und hinterliess u.a. ein Heft wichtiger Abschriften, denen die vorstehenden Gemeindestatuten entnommen sind. Der Text wurde durchwegs buchstäblich wiedergegeben und mit einigen in Klammern gesetzten Erläuterungen begleitet. Der gelehrte Notar, sei es der Verdolmetscher oder der Abschreiber oder beide zugleich, hat Mitteldeutsch und Hochdeutsch gemischt, neben « Schriber » schreibt er z.B. « beizeiten » an Stelle des gewöhnlichen byzyten, während einige Verordnungen die alte Volkssprache mit uraltem Einschlag [wohl Althochdeutsch] widerspiegeln. )

Feedback