Der Bergsturz von Elm

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Hans Amanti, St. Gallen

vom 11. September 1881 Elm am Fusse des Kärpf, des Vorab, der Sar-dona-Gruppe und am Panixerpass, dem Übergang nach Graubünden, gelegen, wird den 1 i.September 1881 nie vergessen.

40 Die Ventirillo-Route am « Popò »führt über den einzigen Felsvorsprung am pyramidenförmig vergletscherten Berg 41«Iglu » heisst eine der Unterkünfte auf dem Weg zum « Ixta ». Sie bietet Platz für 12 Personen 42 Was uns stets wieder von neuem fasziniert, ist die fremdartige Kegelgestalt dieser Vulkanberge Seit Tagen fiel der Regen ohne Unterlass, und auch an diesem Sonntag war kein besseres Wetter ins Sernftal gezogen. Schon am Vormittag lösten sich oben am Tschinglen, am Plattenberg, wo man seit mehr als einem Jahrzehnt Schieferplatten brach, grössere Gesteinsbrocken, welche erst in unmittelbarer Nähe des Dorfrandes zum Stillstand kamen. Besorgte Eimer blickten bergwärts, da sie Schlimmes ahnten. Da fuhr kurz nach fünf Uhr abends eine eigentliche Steinlawine mit grossem Getöse den Hang hinab. Wenige Minuten später schien es dann, als sei die ganze Wand in der Höhe des Tschinglenberges in Bewegung geraten. Gewaltige Felsmassen stürzten mit unheimlicher Wucht zu Tal und bedeckten weite Teile des Dorfes mit Schutt und riesigen Blöcken. 22 Wohnhäuser, 50 Ställe und Scheunen und viele Bewohner von Elm wurden bis zu 40 Meter hoch von den Trümmern des Bergsturzes verschüttet. Für 114 Menschen bedeutete dies die letzte Stunde ihres Lebens. Nur ^Personen konnten später neben dem kleinen Kirchlein beigesetzt werden. Die anderen blieben unter den Überresten ihrer Häuser und unter den Gesteinsbrocken des Tschinglenberges begraben.

Die Frage nach der Ursache oder gar Verantwortung für den Bergsturz konnte nicht klar beantwortet werden. Keiner der herbeigerufenen Geologen und Ingenieure wollte eine präzise Antwort geben. Sie liessen aber durchblicken, dass man ein Gestein, welches den Regengüssen allseits Hunderte von Spalten, Rissen und Schrunden zum Einsickern darbietet, nicht ungestraft durchwühlen dürfe. Die Fachleute stellten weiter fest, dass die Anrisslinie des Abbruches, welche ungefähr 620 Meter über dem Talgrund ansetzte, durch Wald und Weidegrund führte. Die Hauptmasse des Bergsturzmaterials ( insgesamt etwas mehr als die Hälfte ) stammte jedoch aus einer Höhe von etwa 350 bis 400 Metern. Hier hatte sie sich auf einer Strecke von mehr als 300 Metern gelöst und war über eine ebenfalls bereits angeris-sene Schutthalde hinuntergestürzt. Mit grosser Wucht war sie daraufhin am gegenüberliegenden 43 g$o n. Chr. wurde die Hauptstadt der Tolteken erbaut.

Tula wurde 1160 zerstört und ist erst in diesem Jahrhundert wieder aufgefunden worden. Mehrere solcher Kriegerstatuen von 4,6 Meter Höhe trugen das Tempeldach Photos Ruth Steinmann-Hess, Zürich 44 Der Bergsturz von Elm am 11. September 1881 ( Massstab r :20000, Äquidistanz der Höhenkurven 30 m ) 45 Südostwärls vom Dörfli; gezeichnet von J. Weber nach Augenzeugenberichten Zjir Veranschaulichung gewisser Momente hat sich der Künstler einige Verschiebungen erlaubt Düneberg abgeprallt und teils talwärts ausgefahren, teils am anderen Hang hinaufgestiegen, und dies bis 112 Meter hoch! Die Ausmessung eines der mächtigsten Schieferblöcke ergab bei maximalen Kantenlängen von 12, 15 und 27 Metern ein geschätztes Volumen von rund 1400 Kubikmetern. Das Gewicht dieses Brockens dürfte gegen 60 000 Zentner betragen haben. Blöcke ähnlicher Grosse lagen noch viele im Tal und an der Bergflanke. Etwa 10 Millionen Kubikmeter Fels waren 450 Meter über einen beinahe 70 Prozent steilen Hang hinuntergefahren und hatten fast 895000 Quadratmeter Boden zugedeckt.

In Elm war die Not gross. Sowohl der Glarner Regierungsrat wie auch der Bundesrat erliessen einen Aufruf zur Solidarität. Das Echo war überwältigend! Auch der SAC spendete über 1000 Franken, was damals viel Geld war, und leistete so einen Beitrag zur Linderung der Folgen dieses schweren Unglücks.

Hundert Jahre sind nun seit jenem erschütternden Ereignis vergangen. Aus der kleinen, fast ver- 46 Dieser Steindruck vermittelt ein Bild vom Katastrophenort mit allen Details. Der Geologe Prof. Albert Heim lieferte dazu viele Einzelskizzen, welche er im Abrutschgebiet angefertigt hatte. Es dürfte sich somit um die vollständigste Ansicht der Situation nach dem Bergsturz handeln. Diese Lithographie wurde als Gedenkblatt verkauft. Der Reinerlös von Fr. 1940. kam den Geschädigten zu Photos Hans Amann, St. Gallen 47 Der Grand Cornier ( 3962 m ) vom Pigne de la Lé aus. Im Hintergrund die Dent Blanche Photo Robert [mboden, Zürich 48 Die Matterhorn-NordwandPhoto Air Zcrman gessenen Siedlung ist ein touristisches Zentrum geworden. Trotzdem ist es dank dem Einsatz verantwortungsbewusster Leute gelungen, dessen ursprünglichen Charakter zu bewahren. Nicht umsonst steht der Dorfkern unter Heimatschutz, und der Europarat hat die Bemühungen um die Erhaltung und Restaurierung des bäuerlich-behäbi-gen Dorfes sogar ausgezeichnet.

Aber selbst der mehr alpinistisch Interessierte kann in der herrlichen Gebirgswelt um Elm auf seine Rechnung kommen. Es locken etwa die Touren auf den Piz Grisch, das Gletscherhorn, den Vorab. Im Gebiet des Glarner Freibergs finden wir zudem eines der ältesten Wild- und Pflan-zenschutzgebiete der Schweiz. Dann lassen sich von hier aus ebenfalls einige der schönsten Passwanderungen unternehmen. Man denke nur an den Panixer- oder den Segnespass!

So ist heute für alle, den stillen Geniesser der Natur und den Alpinisten, reiche Gelegenheit geboten, in der Umgebung des einstmals schwergeprüften Elm unvergessliche Stunden zu erleben.

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