Der Klein-Ducan

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Mit Freund Labhardt ( Sektion Uto ) und Herrn Koch von Wildhaus wanderte ich am 1. August 1895 durchs schutterfüllte Ducanthal hinauf. Wir ließen sämtliche Gipfel der Reihe nach passieren, die wir allenfalls mit einem Besuche beehren könnten. Schließlich einigten wir uns auf den Klein-Ducan ( 3006 m ), der uns ein ganz respektabler Geselle zu sein schien. Auch hatten wir von einer Besteigung desselben nie gehört. Die langen Schutthalden seiner Nordflanke zogen zogen uns aber wenig an. Wir stiegen deshalb bis zum Ducanpaß, von wo aus man einen sehr schönen Einblick in den geotektonischen Bau der Ducankette gewinnen kann.

Nach einer ausgiebigen Rast brachen wir eine Viertelstunde vor Mittag auf und folgten zunächst dem Grat des Gletscher-Ducans, den wir aber verließen, sobald wir eine bequeme Stelle gefunden, um den Ducangletscher zu betreten, welchen wir nun in der Richtung nach dem Klein-Ducan traversierten. Die Wanderung war ganz angenehm und nur wenige Spalten mahnten zu etwelcher Vorsicht. Der Klein-Ducan präsentiert sich als recht begehrenswertes Ziel, da sein Gipfel sich zu einer eleganten Spitze emporschwingt. Ziemlich steil steigt der Gletscher zuletzt an seinen Felsen empor, von welchen er durch eine tiefe Randkluft getrennt ist, doch ist dieselbe noch an einer Stelle mit Schnee gefüllt, also leicht zu überschreiten.

Zwei Couloirs standen uns zur Verfügung: eines, welches direkt unter dem obersten Gipfel ausmündet, und ein zweites, welches unmittelbar vor uns lag und auf den offenbar nicht schwierigen Grat führte. Da wir nur letzteres übersehen konnten, entschieden wir uns für dieses 1 ). Die Kletterei war nicht schwierig, allein das Gestein so brüchig, daß doch Vorsicht sehr von nöten war, besonders im obersten Teil. Vom Grat aus ist dann die Spitze leicht zu erreichen. Wir fanden gar keine Anzeichen früherer Besteigungen, Touristen werden wohl den benachbarten Groß-Ducan ( 3066 m ) vorgezogen haben. Der Berg kann übrigens auch von der Ducanscharte ( 2858 m ) bestiegen werden, wenn auch mühsamer als auf unserem Wege.

Leider verdeckten Nebel fast die ganze Aussicht. Wir kletterten noch schnell zum Ostgipfel hinüber, begannen dann aber bald mit dem Abstieg, da es fast den Anschein hatte, als wollte es schneien. Wir benutzten die erste steile Runse nach dem Westgipfel, welche uns steil ins Val Tuors hinunter führte. Das Gestein ist auch auf dieser Seite höchst verlottert, so daß jeweilen nur einer am Seile vorrücken durfte. Dennoch gelangten wir ziemlich rasch zu den obersten Rasenplätzen, wo wir nochmals rasteten, um nachher gemächlich thalauswärts nach Bergün zu bummeln.

Jedem Clubisten kann ich diese kleine Tour aufs beste empfehlen; wenn die Aussicht auch oben ein wenig beschränkter sein mag als auf dem Groß-Ducan, so bietet jedenfalls der Berg selbst größere Abwechslung und Unterhaltung als sein allerdings etwas höherer Nebenbuhler * ).

Rob. Helbling ( Sektion Bachtel ).

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