Der neue Weg zur Schwarzegg

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Es war früh Nacht geworden am 10. Oktober 1894. Drüben am „ Kalli " blinzelte ein verlorenes Licht, lange irrte es dann auf dem Grindelwaldgletscher umher und kam schließlich die Leitern der Bäregg herangeklettert, da wurde es von der Stieregg her mit langgezogenem Juchzer begrüßt — man hatte uns bemerkt.

Nach 16stündigem Kampfe mit der hartnäckigen Jungfrau traten wir endlich bei den freundlichen Sennen ein, besiegt zwar und herzlich müde, doch nicht unbefriedigt von dem strammen Tagewerk, und schliefen — horribile dictu — schliefen ahnungslos bis in den hellen schönen Herbstmorgen hinein, von trommelndem Regen träumend. Es war schon halb 7 Uhr und von Norden her wegen des schlechten Schnees nichts zu erzwingen. Die Strahlegg aber war uns noch neu, der dies Jahr umgebaute Pavillon Dollfuß noch neuer und der erst vor wenigen Tagen fertig erstellte Weg zur Schwarzegg am neuesten, ergo:

Um 7 Uhr brachen wir auf. Eine deutliche Fußspur geleitete durch gelbende Matten zur „ Bänisegg " hin, allmählich zur großen Randmoräne des untern Eismeeres absteigend und verlor sich ungefähr bei Punkt 1773. Noch bezauberten uns die verwegenen Formen der wilden Mittellegi und ich rekonstruierte in Gedanken unsere Angriffslinie durch die Eislabyrinthe unterm Bergli, da öffnete sich der Blick gegen die Strahlegg und auf die Fiescherhörner; das Schreckhorn senkte seine Flühe steil gegen den Gletscherbruch unter dem Kastenstein; unser neue Weg brachte andere Gedanken. An hier und dort aufeinander gelegte, markierende Steine uns haltend, ging 's, teils auf der östlichen Randmoräne, teils auf der innern Seite derselben ansteigend, gegen Punkt 1951. Von hier klettert der Pfad an den steilen, oft von Gletscher glattgeschliffenen Felsen hin, mit herrlichen Blicken in den Fall des obern Eismeeres und die darüber thronende Bergwelt, bald über eine kurze Schutthalde ansteigend, bald über Rasenbänder querend, Bachrunsen überschreitend; überall, wo nur geringe Gefahr droht, sind feste Eisenstäbe angebracht oder in den Fels selbst bequeme Griffe und Tritte für Hand und Fuß eingehauen. Zwei Leitern erleichtern die Passage durch zwei kurze Kamine hinauf. Bei Punkt 2362 betreten wir die Halde des Kastensteins und ich kann mich nicht enthalten, diese für den Clubisten klassische Stelle zu photographieren, während meine beiden Begleiter der Schwarzegg zustreben. Schon verkündet eine wirtliche Rauchsäule Freund Bachmanns rührige Thätigkeit, als, auf der Randmoräne um den Südwestfuß der Schwarzegg biegend, ich plötzlich der Clubhütte ansichtig werde. Wie mir berichtet, ging das Unternehmen des neuen Schwarzegg-weges von sämtlichen Grindelwaldner-Führern aus und wurde auch, indem ein jeder sein bestimmtes Tagewerk leistete, von diesen selbst ausgeführt. Die größten Schwierigkeiten boten sich in der Gegend der ersten Leiter und ebenso oberhalb bei der zweiten Leiter, „ beim Tritt " und „ beim langen Tritt ". Die Arbeiten begannen am 24. September 1894 und dauerten ungefähr drei Wochen. Die Kosten des gesamten Unternehmens beliefen sich laut meinen Erkundigungen auf Fr. 920, wovon Fr. 300 von der Sektion Basel, Fr. 100 von der Gemeinde Grindelwald-Scheidegg und das übrige von den Grindelwaldner Führern selbst bestritten wurde.

Wir hatten in bequemer Wanderung, inklusive Rasten, 3 Stunden gebraucht, während der alte Weg über Zäsenberg 3V2 Stunden beansprucht. Der Rückmarsch auf der neuen Route soll eine schwache Stunde kürzer sein als über den Gletscher. Im Winter ist die erstere jedenfalls mehr Lawinengefahr ausgesetzt, doch kommt es auf die Schneeverhältnisse an; im Sommer dagegen ist sie für jedermann ohne Gefährde gangbar, verlangt aber doch bei schlechtem Wetter oder in dunkler Nacht, besonders wenn man müde zurückkehrt, etwelche Vorsicht. Erst um 11 Va Uhr brachen wir nach der Strahlegg auf, deren Höhe wir bei schlechtem Schnee außerordentlich mühsam in 3 Stunden gewannen. Hier empfing uns ein rasender Sturm, es wurde rasch dunkel und schneite stark, so daß wir einander kaum sahen; der Abstieg zum Strahlegggletscher bot uns noch unerwartete Schwierigkeit. Um 6 Uhr zündeten wir oberhalb des „ Abschwungs " unsre Laternen an und in tiefer Nacht erst begrüßten wir den gastlichen Pavillon Dollfuß, eine der schönsten Hütten, die wir bis jetzt kennen gelernt. Die Kücheneinrichtungen samt dem vorzüglichen kleinen Ofen lassen nichts zu wünschen übrig; der Schlafraum mit seiner Ausstattung, der auf der Ostseite angebaut wurde und durch eine Schiebthüre abgeschlossen wird, bietet jetzt Raum genug auch für größere Gesellschaften; Bilder schmücken häuslich die Wände und aufgehängte Karten der umliegenden Gebiete helfen zur leichten Orientierung. Ganz nahe rinnt ein frisches Wässerlein über den Fels, von dem das freundliche Asyl hoch über den Gletscher hinaus-schaut.Möge einem jeden dort ein solcher Morgen beschieden sein, wie er uns am 13. Oktober in wundersamem Glänze über der hehren Wiege der Aare heraufzogHans Brun ( Sektion Uto ).

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