Der Piz Piatta als Skiberg

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Der Piz Piatta als Skiberg.

Mft 4 Bildern und 2 Skizzen. Von Eugen Wenzel.

Das Oberhalbstein ( Sursés ) und vornehmlich seine linke Talseite sind als dankbarstes Skigelände weit herum bekannt. Das Tal lässt sich unter diesen Gesichtspunkten in drei Abschnitte teilen, wovon der unterste das weite Gelände um Savognin ( Val Nandro, Fuorcletta Ziteil ) umfasst, der mittlere, mit Mühlen ( Mulegns ) als Ausgangsort, die Gebiete der Val Faller einerseits und der Terrasse von Flex anderseits eröffnet und der oberste das Skiland um Bivio ( Beiva ) in sich schliesst. Während Savognin ( mit Tigia ) und Bivio unter den Skifahrern schon seit Jahren den besten Ruf geniessen, ist das dazwischen liegende Gebiet von Mühlen ziemlich unbekannt geblieben. Die bewaldeten Talhänge dieses Mittelstücks steigen zu steil in die Höhe und Mühlen selbst liegt viel zu eng in diese Bergflanken eingebettet, als dass dort der Durchreisende Skigelände vermuten möchte.

Mühlen ( Mulegns ) ist aber der Ausgangsort zu zwei sehr schönen Skigebieten, die zwar nicht die grosse Auswahl von Turenmöglichkeiten bieten wie die benachbarten Skizentren, dafür aber mit ein paar Köstlichkeiten aufwarten können, welche jeden alpinen Skifahrer locken müssen. Die zum Teil langen und anstrengenden Anstiege lassen sich wesentlich verkürzen, wenn man die etwa 500 Meter höher liegenden Stützpunkte bezieht. Für Türen in der Errkette nimmt man dann auf der Alp Flex Quartier, und für Skifahrten auf der linken Talseite kann auf der Skihütte auf Alp Tga genächtigt werden. Von den mannigfaltigen Turenmöglichkeiten, welche die Flexerterrasse bietet, soll hier nicht die Rede sein. Unsere Aufmerksamkeit gilt heute ihrem Gegenüber, den Skigefilden um die Alp Faller und im besondern dem Piz Piatta, dem höchsten und schönsten Berg des ganzen Oberhalbsteins.

Man muss ihn von Flex aus gesehen haben, diesen klotzigen, wuchtigen Berg, um zu wissen, dass sich weit herum kein Rivale findet, der sich mit der kraftvollen Gestalt dieses Giganten messen könnte. Wer aber einmal seinen Fuss auf sein stolzes Haupt setzen und die aussergewöhnliche Rundsicht schauen durfte, der wird seine Erwartungen, so hoch sie auch geschraubt waren, in jeder Beziehung erfüllt sehen.

So schroff und abweisend der Piz Piatta von Norden und Nordosten auch wirken mag, seine Südost- und Südwestflanken lassen es zu, ihn auch im Winter mit Ski zu begehen. In erster Linie wird uns hiezu die augenfällige Gletscherrampe der Südostseite einladen, da sie nicht nur einen relativ leichten Anstieg, sondern vor allem eine in ihrer rassigen Linienführung kaum zu übertreffende Abfahrt gewährleistet. Der Alpinist, der von der Averserseite, also von Cresta aus die Besteigung antreten will, findet aber auch durch die Südwestflanke des Berges einen Skiweg. Er ist etwas kürzer und steiler und durch eine Felsstufe, die zu Fuss gemacht werden muss, alpiner, eine Stelle, die dem erfahrenen Skituristen jedoch kein ernstes Hindernis bedeutet. Beide Routen treffen am gleichen Ort am Südfuss des Gipfelaufbaus zusammen, wo die Ski endgültig zurückbleiben und von wo aus die letzten 200 Meter DER PIZ PLATTA ALS SKIBERG.

zu Fuss erledigt werden müssen. Durch Verbindung beider Routen lässt sich eine prächtige Überschreitung durchführen, wobei man vorteDhaft von Westen nach Osten, also von Cresta nach Mühlen wechselt.

Der Oberhalbsteiner Anstieg1 ).

Von Mühlen folgt man dem Alpsträsschen, das gleich vom Dorf aus in die Val Faller ansteigt. Bald nach dem ersten Stutz wird man vom Hochwald aufgenommen und so aller Fernsicht beraubt. Nachdem der Bach das erste Mal überschritten ist, erhascht man aus der nächsten Wegbiegung vielleicht etwas vom Bergwall der Errkette, der auf der gegenüberliegenden Talseite aus der breiten Terrasse von Flex zu wachsen scheint, dann ist man wieder vom schweigenden Wald umgeben. Bei der kleinen Wegkapelle von Igl Plaz macht man eine Atempause, hat nach kurzem, ebenen Stück eine neue Talstufe zu überwinden, was dank ein paar gut angelegten Wegschleifen ohne grosse Mühe vor sich geht, ist bald darauf zum Wald hinaus und in wenigen Minuten bei den ersten Alphütten des Faller Talbodens. In einer guten Stunde werden also von Mühlen aus die Hütten von Tga erreicht, wo sich die vorerwähnte Skihütte befindet.

Man steuert über die Ebene gegen die hinterste Alp « Igl Plang » wo sich das Tal gabelt. Rechts zeigt sich der tiefe Einschnitt der Val Gronda, der Weg zur Fuorcla Curtegns und Thälifurka, links zweigt die Val Bercia ab, unser Anstieg. Anfänglich spurt man östlich des Baches empor, findet sich weiter oben wieder zum Bachlauf und damit auch in flacheres Gelände zurück und hat nun aufzupassen, den richtigen Einstieg zum Piz Piatta nicht zu verfehlen 2 ). Links, südlich des Bachzuflusses vom Plattamassiv herab, ist der nicht ganz harmlose Hang zu bewältigen, durch den auch ein Sommerpfad emporführt. Man ist froh, wenn man diese Stufe hinter sich gebracht hat und in der Hochmulde von « Piatta » wieder verschnaufen kann. Es geht nun westlich und südwestlich auf der massig ansteigenden Terrasse hinan, und während dieses kurzen Zwischenstücks wird man gerne einmal anhalten und nordostwärts schauen, wo hinter weissen Vorketten die felsigen Recken der Bergünerstöcke aufgetaucht sind.

Nun aber ist das Hauptstück dieser Plattabesteigung zu leisten, die kühn anstrebende Gletscherrampe. Diese legt sich im Halbbogen um die Südflanke des Gipfelaufbaus und endigt auf dem Gletschersattel zwischen Thälihorn und Piatta. Es sei jedem einzelnen überlassen, die Anzahl der Kehren zu verringern, der Steilhang sorgt dafür, dass auch der zäheste Spurer immer wieder wenden muss. Aber mit jedem Schritt in die Höhe wird der Blick freier, und von ungeahnter Grossartigkeit ist dann der Ausblick vom obersten Gletscherfeld in die Bergellerberge.

DER PIZ PLATTA ALS SKIBERG.

Piz Piatta. Gipfelkopf von Süden.

Der Gletscher wird nicht bis ganz hinauf verfolgt. Ungefähr auf der Höhe des Thälihorns quert man an den Südfuss des Gipfelkopfes, der uns hier als richtiger Bündnergrind noch um 200 Meter überragt und nur zu Fuss erobert werden kann. Ein Firncouloir vermittelt den Anstieg. Zuerst von respektabler Neigung, legt sich der Hang weiter oben etwas zurück, um zuoberst in einem massig geneigten Dach auszulaufen.

Die freistehende Lage des Piz Piatta hat ihn zu einem Aussichtsberg allererster Klasse gemacht. Der vielstündige Aufstieg macht sich an einem schönen Tag reichlich bezahlt. Wir haben es hier mit einem Berg zu tun, den man ohnehin bei schlechtem Wetter oder bedecktem Himmel nicht aufsuchen sollte. Die Abfahrt, und sei sie auch vom besten Schnee begünstigt, kann hier allein nicht locken, der Berg, seine hervorragende Rundsicht sind das grosse Erlebnis.

Der Averser Anstieg.

Kurz nachdem man das Dorf Cresta verlassen hat, beginnt man, genau wie der Sommerpfad, allmählich ostwärts anzusteigen. Es ist hier gleich zu Anfang eine stark geneigte Halde zu meistern, bis man nach etlichen Kehren die Höhe von « Glätti » erklommen hat und nun horizontal ins Thäli hinüber spuren kann. Wenn der Schnee hart ist, was im Frühling an diesem Sonnenhang oft zu erwarten ist, wird man den Anstieg von Cresta zur Glätti besser zu Fuss machen und in diesem Falle gerade ansteigen Einmal im Thäli, wird es bedeutend gemütlicher und man hat auch wieder Musse, die Averserberge anzusehen, welche immer grosser und zahlreicher am Horizont erscheinen.

DER PIZ PLATTA ALS SKIBERG.

a wo das Thäli im grossen Bogen nach Norden und Nordwesten um den äussersten Sporn des Weissbergs herum zu laufen beginnt, verlässt man es und hält rechts nordöstlich gegen das Plattamassiv. Es ist dies auch der Weg, den der Skifahrer bei einer Begehung der Berclafurka zu nehmen hat. Vorerst steuert man einem dem Thälihorn südwestlich vorgelagerten Hügel entgegen, lässt diesen aber rechts liegen und beisst sich an einem harten Steilhang fest, der nordwärts auf das kleine Gletscherchen auf der Westseite des Berges führt. Hier ist ein gutes Stück Arbeit zu leisten, doch brauchen die Ski nicht abgeschnallt zu werden.

Das Firnfeld, das nun betreten wird, hängt mit dem Thälihorngletscher nicht zusammen. Die Felsstufe, welche sie trennt, birgt auch die Schlüsselstelle dieser Besteigung und hat dieser Fahrt alpineren Charakter als der gegenüberliegenden Route verliehen. Die Sache sieht aber schlimmer aus, als sie in der Nähe besehen ist. An der nordöstlichen Ecke des Firnhanges findet man ein schwach ausgeprägtes Couloir, das ohne grosse Schwierigkeit ( allerdings zu Fuss ) auf den Verbindungsgrat Thälihorn—Platta leitet. Wenn an aus dem Schattenhang oben in die Sonne tritt, ist man überrascht, direkt am Gipfelaufbau zu stehen. Es verbleibt waagrecht hinüber zu spuren, m in ein paar Minuten an jene Stelle zu kommen, wo auch die Oberhalb-teiner Route einmündet.

>ie Abfahrt und die Übergänge.

Die Abfahrt wird wohl immer über den grossen Gletscher genommen. )ie Oberhalbsteiner Route ist ja vorausbestimmt dafür, aber selbst dann, wenn man nach Cresta zurückzukehren vorhat, sollte man sich die ungewöhnlich rassige Abfahrt bis in die Val Bercia nicht entgehen lassen. Man hätte dann allerdings am Nachmittag noch einmal eine Gegensteigung zu bewältigen, sei es über Berclafurka mit etwa 660 m, oder über Faller- urka via Stallerberg mit etwa 530 m Höhenunterschied. Um diese schöne ^undtur auszuführen, müsste man sich den Tag gut einteilen, und selbstverständlich wäre das eine Frühlingsfahrt.

Für solche endlich, die den Aufstieg auf den grossen Berg scheuen oder ciesen infolge Zeitmangels nicht besuchen können, bietet das Plattagebiet drei schöne Übergänge, die als überaus dankbare Skituren angesehen werden können. Es sind dies einmal die vorerwähnten Skiübergänge Bercia- und Fallerfurka, welche beide das Avers mit dem Oberhalbstein verbinden, dann als dritter im Bunde die Thälifurka, die dieselben Talschaften verbindet, aber auf der Nordseite des Piz Piatta herum leitet.

Vielleicht braucht nicht betont zu werden, dass alle diese Türen nur von erfahrenen Alpinisten und guten Skifahrern unternommen werden sollen. Wer das nötige Rüstzeug nicht besitzt und wer selbst nicht beurteilen kann, wann und wie so eine Skihochtur nicht ausgeführt werden darf, der vertraue sich besser einer guten Führung an oder lasse die Finger davon. Dem erfahrenen Skimann aber wird eine Plattabesteigung oder einer der genannten Übergänge wirklich etwas Grosses bieten.

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