Der Steinbock in der Schweiz

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VON MARCEL A.J. COUTURIER, GRENOBLE

Mit einer Karte Alle zur Zeit in der Schweiz lebenden Steinböcke sind italienischer Abstammung und haben sich bei uns akklimatisiert. Der erste Einbürgerungsversuch wurde 1854 von Franz Josef Nager im Kanton Uri unternommene. Weitere mehr oder weniger glückliche Versuche fanden Ende des XIX. und anfangs des XX. Jahrhunderts statt. Erst seit 1911 kann man sagen, dass der Steinbock zur Schweizer Fauna gehört. Am 11. Mai 1911 fand eine Aussetzung in den Grauen Hörnern ( Kanton St. Gallen ) statt, und am 2. Juni, zum erstenmal seit dem Verschwinden des Tieres, kam ein Kitz in der Freiheit zur Welt; diese Daten kennzeichnen den erfolgreichen Anfang der Einbürgerung des Steinbocks in der Schweiz. Das Areal besteht heute aus Kolonien verschiedener Grösse, deren Anzahl und Bestand aber ständig wächst. Die nachfolgenden statistischen Daten gelten bis Ende 1960.

A. WALLIS Die letzten freilebenden Steinböcke der Schweiz waren in Arolla ( Eringertal ) zu sehen; sie sollen da 1840 verschwunden sein.

1. Vallée de Bagnes ( Bannbezirk Mont Pleureur und angrenzende Gebiete ) Auf Jeur Grasse, oberhalb der Alp Madzériaz und dem Pont de Mauvoisin, in den südwestlichen Ausläufern des Mont Pleureur, auf der linken Talseite des Val de Bagnes, auf ungefähr 1800 m, wurden 1928 die ersten Steinböcke ( zwei Böcke und drei Ziegen ) ausgesetzt. Im nächsten Jahr wurde die kleine Kolonie mit zwei weiteren Paaren bereichert. 1934/35 wurden zwei Böcke und drei Ziegen oberhalb Louvie, nördlich von Fionnay, auf einer Höhe von 1700 m, freigelassen. Heute erstreckt sich ihr Lebensraum nicht nur über den ganzen eidgenössischen Bannbezirk, sondern auch auf einige angrenzende Gebiete. Am 15. Mai 1960 teilte mir Wildhüter M. Machoud mit, der Bestand belaufe sich zur Zeit auf 470 Tiere; das ist auch die offizielle Zahl für Ende 1960.

a ) Rechte Talseite. Sie ist vom Mont Gelé und vom Col de la Chaux, nördlich von Lourtier, bis zur italienischen Grenze von Steinböcken bevölkert. Von Nordwesten nach Südosten: Monts de Sion, Bec de Perreire, Bec des Roxes, Bec Termin, Alpe du Grenier, Fichtenwald von Arbaray, oberhalb Les Mor-gnoz und Lourtier ( das ganze Jahr ), Mont Fort, Petit Mont Fort, Rochers de Momin und De la Rionde, Alpe de Louvie, La Rogneuse, Rosa Blanche, Parrain, Col et Alpe de Severeu, Wälder bei Granges Neuves und Areux ( vor allem im Frühling ) bis oberhalb Fionnay, Pointe de Torbesse, Tête de Saflau, Grand und Petit Crêt, La Salle, südliche und westliche Abhänge des Mont Pleureur ( Vasevay ), Giétroz, Mont Rouge de Giétroz, Ruinette, Alp und Seen von Tzofferay. Im Winter und vor allem im Frühling kommen die Steinböcke sehr tief herunter; manchmal sieht man sie kaum 100 m ob der Strasse zwischen Lourtier und Mauvoisin, besonders oberhalb Fionnay ( 1497 m ).

1 Aus: Marcel-A.J.. Couturier: Le Bouquetin des Alpes, 1 volume grand in-8°, 1564 pages, Grenoble 1962. a Siehe « Die Alpen », 1963, Seiten 86/87.

b ) Hinteres Bagnes-Tal Pointe d' Otemma und der ganze Nordostgrat bis Pointe des Portons. Auch in der Nähe der Cabane de Chanrion sind Steinböcke zu sehen. Den Glacier d' Otemma überqueren sie sehr selten, erscheinen jedoch an der Grenze: Col d' Otemma, in der Nähe des Gletschers und des Passes von Crête Sèche und von Fenêtre, Mont Gelé, Col de By.

c ) Linke Talseite Jüngst wurden einige kurze Besuche beobachtet. So bemerkte z.B. 1956 der ehemalige Wildhüter René Fellay am 24. September einen ausgewachsenen Bock am Bec de Corbassière, südlich von Fionnay. Angesichts der grossen Anzahl der auf der rechten Talseite lebenden Böcke scheint ein Wechsel auf die linke Talseite unausbleiblich.

2. Vallée d''Entremont Im Tälchen von Valsorey, talaufwärts von Bourg St-Pierre: Col de Valsorey, Mont Vélan, wurden Streifen gemeldet.

3. Vallée de Nendaz Das Eindringen in den Talgrund ist neu, aber schon bedeutend, vor allem ins Val de Cleuson: Grand und Petit Mont Calme, Grand Désert, beide Monts Fort, Bec des Etagnes, Mont Gelé, Tälchen oberhalb der Alpe de Tortin. Einige Tiere kommen schon ins Vallée de Farà, nördlich des Mont Gelé, vor allem in die Nähe des kleinen Sees Gouille des Veaux.

4. Vallée d' Hérémence Die Ausbreitung hat das Val des Dix erreicht. Hauptsächlich Prafleuri, Rochers de Mourti, Seiion. 1954 wurden hier etwa 20 Tiere gezählt.

5. Eringertal Vom Val des Dix dringen die Böcke ins hintere Eringertal ein, westlich von Les Haudères und Arolla, vor allem ins Gebiet Mont de l' Etoile und Aiguilles Rouges d' Arolla. Von dort wechseln sie Richtung Pigne d' Arolla und Mont Collon. 1953 wurden zwei Böcke talaufwärts von Haudères erlegt.

6. Oberes Rhonetal ( rechte Talseite ) a ) Bietschhorn-Massiv Zwischen 1938 und 1948 wurden zehn verschiedene Aussetzungen vorgenommen auf den südlichen und südwestlichen Ausläufern des Bietschhorns ( 3934 m ), südöstlich von Goppenstein, wurde 47 Tieren ( 23 Böcken und 24 Ziegen ) die Freiheit geschenkt. Aussetzungen wurden im Ijollital ( Melichhorn, Seilschüpfe, Bärenfalle, Schwarzhorn ), im Bietschtal ( Wiwannihorn ) und im Baltschiedertal ( Unterberg ) durchgeführt. Die Tiere haben sich nördlich von Raron, im Ijollital und im Bietschtal angesiedelt und vor allem auf dem Grat Prag-Seilegge-Schwarzhorn ( 2658 m ), der, an der Rarnerkumme beginnend, beide Tälchen trennt. Der letzte Gipfel ist im Sommer ihr Lieblingsauf-enthaltsort. Einige Tiere sind mehr westlich, gegen das Blumhorn, östlich vom Seetal, beobachtet worden. Im Winter steigen die Steinböcke in den Talwald und die Felsen des Schwangs bis Brandegge ab. Manchmal sind sie von der Lötschberglinie aus zu sehen, dringen aber selten westlich bis zum linken Ufer des Lötschentals; östlich hingegen wandern sie bis ins Baltschiedertal. Das Schwarzhorn scheint ihr Standortzentrum zu bilden, um welches die Kolonie Aletsch-Bietschhorn wechselt. Offizielle Zahl Ende 1960: 103 Tiere.

Im gleichen Bietschhorn-Aletschhorn-Massiv, mehr nach Osten, in Belalp, entstand 1960 eine kleine Kolonie, nachdem zwei Böcke, ein siebenjähriger am 27. April und ein vierjähriger am 4. Mai, freigelassen wurden.

b ) Plattenhörner-Rinderhorn-Massiv Fünf aus dem Pleureur-Gebiet stammende Steinböcke ( drei Ziegen und zwei Böcke ) wurden im neuen eidgenössischen Bannbezirk Leukerbad zwischen dem B. und 26. Mai ausgesetzt. Das Freilassen erfolgte am Fuss der Plattenhörner ( 2855 m ) im unteren Teil des Blischgrabens ( ca. 1900 m ). Die Tiere sind in der Nähe dieses Ortes « Galleng » geblieben und wagen sich selten weiter als zum felsigen Kamm der Plattenhörner. Einmal sind sie nordöstlicher, am Rinderhorn ( 3454 m ), beobachtet worden. Sechs Böcke und eine Ziege, die am 13. April, B. und 16. Mai freigelassen wurden, haben die kleine Kolonie vergrössert. Ende 1959 bestand sie laut offiziellen Angaben aus 29 Tieren. 1960 sind einige Zwillinge zur Welt gekommen, so dass die Zahl Ende I960 auf 45 gestiegen ist.

c ) Rifelberg-Gebiet ( Zermatt ) 1946 wurden aus dem Park der Seilerhotels in Zermatt ein Paar Steinböcke im Gebiet zwischen Gagenhaupt ( oder Gakihaupt, 2569 m ) und dem Rifelhorn ( 2927 m ) ausgesetzt. 1947 wurde dort noch ein Bock gleicher Herkunft zugegeben und 1948 eine aus dem Kanton Bern stammende Ziege. Zwischen 1947 und 1957 wurden drei Tiere tot aufgefunden. Anfangs 1957 bestand die Kolonie aus sechzehn Tieren, wovon zehn Böcke und sechs Ziegen oder Kitze. Die Tiere haben das Gakihaupt als Wohnort gewählt; je nach der Jahreszeit wandern sie jedoch Richtung Aussergornerh, zuweilen auf das Rifelhorn oder den Gornergrat. Selten aber überqueren sie den Bodengletscher, um den Garten und den Gerwetsch, auf einer durchschnittlichen Höhe von 2550 m, zu erreichen. Die Rifel-bergkolonie wurde nicht offiziell gegründet, sondern von den Besitzern der Seilerhotels geschaffen. Am 30. Mai 1958 wurde jedoch ein vom Pleureur kommender Bock zur Verstärkung der Ende 1960 33 Köpfe zählenden Herde ausgesetzt.

d ) Derborence ( Vallée de la Lizerne ) Vier Böcke und drei Ziegen wurden zwischen dem 7. und 24. Mai 1959 bei Areux ( Bannbezirk Mont Pleureur ) gefangen und in Vérouet, ca. 1600 m, in der Nähe des Derborence-Sees, im kleinen Tal Derbonère, im oberen Teil des Val de Triqueut ( Lizerne-Tal ), im Bannbezirk Haut de Cry, flussaufwärts von Mottelon, nordwestlich von Sitten freigelassen.

e ) Saastal Ein fünfjähriger Bock, dessen Einfangen ich am Tag vorher in Areux ( Bannbezirk vom Pleureur ) beigewohnt hatte, wurde am 16. Mai 1960 in der Nähe von Saas-Fee freigelassen, wie mir Polizei-wachtmeister O. Biderbost meldete, der selber den Wagen mit dem Tier geführt hatte. Kurz darauf brachte man drei weitere Tiere hinzu.

1960 wurden im Wallis drei neue Kolonien gegründet: Belalp mit drei, Arolla mit zwei, Figinen-Gondo mit zwei Steinböcken.

B. WAADT Um das Jahr 1800 ist der Steinbock aus diesem Kanton verschwunden. Ein Wiedereinbürgerungs-versuch erfolgte im Gebiet der Diablerets am 25. Juni 1936, mit zwei Böcken und vier Ziegen, die aus schweizerischen Parken stammten, zeigten aber keinen Erfolg. Die sechs Tiere, die am Plan de Châtillon, oberhalb Taveyannaz ausgesetzt wurden, wurden zu vertraulich und sind sehr wahrscheinlich von Wilderern erlegt worden.

Saanetal a ) Linke Talseite Am 21. Mai wurden drei im Augstmatthorn gefangene Tiere ( zwei Böcke und eine Ziege ) im Bannbezirk La Pierreuse-Gummfluh ( dem Tal von La Gerine ), südöstlich von Château-d'Oex, ausgesetzt. Die Operation wurde auf ca. 1600 m, im von Laissalets zum Col de Base führenden Tälchen, halbwegs zwischen La Montagnette und Plan de l' Etallaz, am Fuss des Rocher du Midi ( 2097 m ), durchgeführt. Die Tiere wurden später am südlichen Hang des Rüblihorns ( 2284 m ) gesehen, wohin sie über den Rocher Plat und La Videmanette gelangen; manchmal traversieren sie die Pointe de Videman und zeigen sich in der Nähe der Gummfluh ( 2458 m ). Am 11. Mai 1957 wurde eine am Pleureur gefangene Ziege ungefähr am gleichen Ort wie die drei Böcke zuvor freigelassen. Am 26. Mai 1958 wurde die Kolonie durch ein vom Augstmatthorn gebrachtes, und am 16. Juni 1958 durch ein aus dem Dählhölzli ( Bern ) geschenktes Paar vergrössert. Ende 1960 war der offizielle Tierbestand: 15 Tiere.

b ) Rechte Talseite Zwei von Motélon ( Freiburg ) kommende Steinböcke sind nördlich und nordöstlich von Château-. d' Oex, auf den Südflanken von Vanil Carré, Gros Perre und Pointe de Paray sowie in Paray-Dorena, im Tälchen von Ciernes Picat, südöstlich von Vanil Noir und Dent des Bimis ( 2158 m ) wiederholt gesichtet worden. 1959 fanden die Wildhüter zwei Gerippe in der waadtländischen Flanke des letztgenannten Berges.

C. FREIBURG Motélon Man findet Steinböcke im südlichen Teil des Kantons Freiburg, südlich von Charmey, südöstlich von Broc und Gruyères. Am 18. Mai 1953 wurden drei junge Böcke am Galèro ( 2143 m ), im kleinen Tal Morteys, südwestlich der Dent de Brenleire ( 2353 m ), ausgesetzt. Am 15. Mai 1954 gab man einer sechsjährigen Ziege am Gros Mont, in einem zu Motélon parallelen Tälchen, die Freiheit. Am 13. Mai 1957 stiessen zwei am Pleureur gefangene Ziegen zu der Kolonie. Sehr launisch und unternehmungslustig erscheinen die Tiere bald an der Dent de Brenleire, bald am Vanil du Croset oder an der Dent des Bimis, machen aber auch Abstecher in südwestlicher Richtung bis in die Hänge von Vanil Noir ( 2389 m ), Pointe de Paray ( 2374 m ), Gros Perre ( 2208 m ) oder Vanil Carré ( 2195 m ). Je nach der Jahreszeit kommen sie von diesem langen Grat bis ins Saanetal ( Kanton Waadt ) herunter. Die Kolonie vermehrte sich 1955 um ein und 1956 um zwei Kitzen. Im März 1956 haben die Wildhüter die neun Tiere gesichtet: die vier Böcke am Vanil Noir, die beiden Ziegen mit ihren drei Kitzen an der Dent de Brenleire. Ende 1960 belief sich der offizielle Bestand auf 18 Tiere.

D. BERN Gegenwärtig bewohnt der Steinbock verschiedene Gegenden des Kantons Bern, wo er seit 1770 verschwunden war.

1. Rechtes Aareufer a ) Augstmatthorn Die Kolonie befindet sich am rechten Ufer des Brienzersees. In Wanniknubel, unweit der Endstation der Harder-Drahtseilbahn, wurden drei Böcke und vier Ziegen im Jahre 1921, zwei Böcke und drei Ziegen im Jahre 1922 auf einer Höhe von 1500 m ausgesetzt. Ein Bock und zwei Ziegen wurden 1924 am südlichen Hang des Augstmatthorns, nördlich von Niederried, auf 1500 m Höhe ausgesetzt. Die Kolonie hat sich in vier Gruppen getrennt: eine befindet sich am Brienzer Rothorn, eine andere an der Rotschalp, vor allem in der Gegend der Hundsschöpfe; die dritte, meistens aus Böcken bestehend, an den östlichen Hängen des Augstmatthorns, und die vierte Gruppe, der hauptsächlich Ziegen angehören, bleibt in den westlichen Ausläufern des Augstmatthorns. Alle Tiere halten sich gewöhnlich auf der Südflanke auf; nur im Sommer wechseln sie auf die Nordflanke. Obschon des öftern mehrere Tiere gefangen wurden, um neue Kolonien zu bilden oder bestehende zu verstärken, zählte diese Gesamtkolonie Ende 1960 nach offiziellen Angaben 198 Tiere.

b ) Justistal Diese vor kurzem geschaffene Kolonie befindet sich nördlich des Thunersees, auf seinem rechten Ufer, nordöstlich von Merligen. 1949 und 1950 wurden fünf Böcke und zwei Ziegen am Burgfeldstand ( Güggisgrat ) auf ca. 2000 m Höhe freigelassen; 1950,1951 und 1952 folgten sieben Böcke und zehn Ziegen, die am Büfelberg, auf 1500 m Höhe ausgesetzt wurden. Am 6. Juni 1957 kamen eine vierjährige Ziege und zwei Böcke, von drei und vier Jahren, hinzu. Die Tiere halten sich ausschliesslich an der linken Seite des Justistals auf, in der Nähe des Gemmenalphorns ( 2061 m ), des Seefelds und der Sieben Hengste, meistens unterhalb 2000 m. Laut offizieller Schätzung belief sich der Bestand Ende 1959 auf 49 ( 24 Böcke und 25 Ziegen ) und Ende 1960 auf 60 Tiere.

2. Berner Oberland a ) Wetterhorn 1926 wurden drei Steinbockpaare im Rosenlaui, unterhalb der Engelhörner, zwischen 1700 und 1800 m Höhe, ausgesetzt. 1929 wurde der Versuch mit drei weiteren Paaren wiederholt. Im Sommer 1929 tauchten die Tiere auf den südwestlichen Ausläufern des Wetterhorns ( 3701 m ) auf, 8 km vom Aussetzungspunkt entfernt. Gegenwärtig halten sie sich am rechten Ufer des oberen Grindelwaldgletschers auf: im Sommer in den felsigen Aufschwüngen nordwestlich der Glecksteinhütte, auf ca. 2000 m Höhe; im Winter tiefer, in der Nähe der Enge. Ende 1959 war ihre Zahl nach offiziellen Angaben 48 ( 21 Böcke und 27 Ziegen ) und Ende 1960 55.

b ) Schwarzer Mönch Eine ziemlich bedeutende Kolonie bewohnt das Lauterbrunnental. Die Aussetzungen fanden folgendermassen statt: zuerst im Trümmeltal, im obersten Lauf des Trümmelbaches, auf 1500 m. Dort wurden 1924 zwei Böcke und eine Ziege, 1926 ein Bock und eine Ziege und 1950 zwei Paare ausgesetzt. 1949 wurden sieben Böcke und drei Ziegen auf der Stufensteinalp ( 1500 m ) und in Stechelberg ( 1200 m ) ausgebracht. Schliesslich wurde 1950 zwei Böcken am letztgenannten Ort die Freiheit

LLEMAGNE

FRANCE

\T//U/IGOV/, ( ZÜRICHi. Sc/meießorir ITALIE Übersicht der Siedlungsorte der Steinböcke in der Schweiz 1959 gegeben. Der grösste Teil der Kolonie hat sich am südlichen Abhang des Schwarzen Mönchs niedergelassen ( 2648 m ). Eine Gruppe Ziegen und Jungtiere wechselt ins Rottal. Zwölf Tiere haben das Tal durchquert und halten sich am Ellstab, oberhalb Obersteinberg, auf, zwei andere haben sich noch weiter westlich, im Sefinental, niedergelassen. Die offizielle Zählung von 1960 ergab einen Bestand von 91 Tieren.

c ) Grosser Lohner 1952,1953 und 1955 setzte man neun Ziegen und neun Böcke auf der Lauelialp ( 1700 m ) am Fuss des Mittaghorns ( 2678 m ), am Grossen Lohner, aus, am rechten Ufer des Engstligentals ( südöstlich von Adelboden ). Am 31. Mai 1957 kamen zwei dreijährige Ziegen dazu, die am Augstmatthorn eingefangen worden waren. Die Tiere haben sich folgende Aufenthaltsorte ausgewählt: im Sommer Mittaghorn, Lohnerhütte, Nünihorn ( 2716 m ), manchmal die Säumen; im Winter Hinterberg, Engstligenalp, d.h. mehr südlich. Die offizielle Zahl ergab Ende 1959 29 ( 13 Böcke und 16 Ziegen ) und Ende 1960 33 Tiere.

d ) Grimsel 1954 hat man zwei Böcke etwa 2 km westlich vom Grimselhospiz ( 1980 m ), 200 m oberhalb des linken Grimselseeufers, unter dem Juchlistock auf 2100 m ausgesetzt. Seitdem wurden sie nicht mehr gesehen. Man nimmt an, dass sie sich der Wetterhornkolonie angeschlossen haben, welche sich am nächsten zum Aussetzungsort befindet.

e ) Gasterntal Die Kolonie wurde am 3. und 16. Juni 1957 mit sechs vom Augstmatthorn hergebrachten Tieren, im Alter von zwei bis fünf Jahren ( vier Böcken und zwei Ziegen ), gegründet. Am 26. und 31. Mai 1958 und 1. und 6. Juni 1960 wurden sechs Böcke und drei Ziegen am Pleureur und am Augstmatthorn eingefangen und im Gasterntal am Fuss des Fisistocks ausgesetzt. Ende 1959 waren laut offiziellen Angaben nur acht Tiere zu sehen, Ende 1960 deren zwölf.

f ) Tscherzistal Seit 1958 bewohnt der Steinbock ein neues Gebiet des Kantons Bern: Zwischen dem 31. Mai 1958 und dem 25. Mai 1960 wurden neun Aussetzungen durchgeführt. Siebzehn am Augstmatthorn und am Pleureur eingefangene Tiere ( elf Böcke und sechs Ziegen ) wurden in den Staldenflühen, am linken Ufer des Tscherzisbaches, einem Zufluss der Saane, nordwestlich von Feutersoey in der Nähe der waadtländischen Kolonie der Gummfluh, auf ca. 1400 m Höhe freigelassen. Ende 1960 zählte man hier 22 Tiere.

E. TESSIN Valle Leventina Im eidgenössischen Bannbezirk Campo Tencia, im Norden des Kantons Tessin, sind am 4. Mai 1953 zehn Steinböcke ausgesetzt worden: es waren Böcke im Alter von sechs und sieben Jahren, die vom Albris stammten. Es folgten Aussetzungen von einem Bock und einer dreijährigen Ziege aus dem Park von Bretaye am 26. Juni 1953, von einem Bock und zwei zwei- und dreijährigen Ziegen aus dem Albris am 20. Juli 1953 sowie drei zwei- bis vierjährigen Ziegen vom Augstmatthorn am 17. Juni 1954. Alle zehn Tiere bekamen die Freiheit am nordöstlichen Hang des Pizzo Forno ( 2909 m ), auf einer Höhe von ca. 1500 m, oberhalb Gribbio. Die Tiere nahmen vor allem die Richtung nach Süden. Im Sommer 1956 hatten sich die Tiere in dem Gebiet von Pizzo Forno, Pizzo Barone ( 2861 m ), Pizzo Soveltra ( 2856 m ) und Pizzo Campo Tencia ( 3075 m ) niedergelassen. 1956 sind drei Geburten festgestellt worden. Anfang 1957 erreichte der Bestand zwölf Tiere. In den offiziellen Statistiken von Ende 1959 ist diese Kolonie nicht mehr erwähnt; sie soll als verloren gelten! ( A. Küster, in Lit. vom l.Mai 1958. ) F. UNTERWALDEN Die junge Kolonie im Hutstockgebiet wurde von L. von Moos geschaffen Es wurde das an der Grenze der beiden Halbkantone liegende Gebiet des Hutstocks ( 2679 m ) gewählt. Das erste Aussetzen von drei Böcken und drei Ziegen fand im Jahre 1954 auf den Arnialpen ( 1440 m ) am Trübsee statt, das zweite, mit zwei Böcken und drei Ziegen, im Jahre 1955, am Vomatt ( 1500 m ) an der rechten Seite des Melchtals. Schliesslich wurde 1955 unweit davon, am Vorstegg, ein Bock freigelassen. Anfang 1957 bestand die Kolonie aus 14 Tieren. Drei waren spurlos verschwunden, hingegen konnte man 1955 eine und 1956 vier Geburten verzeichnen. Die Steinböcke unternahmen zahlreiche Wechsel. Gegenwärtig halten sie sich meistens an folgenden Orten auf: Hanghorn ( vor allem im Sommer ), Henglihorn, Hutstock, Tannalp, Schönigumm und Schwarzfluh. Sie ziehen deutlich die Obwald-flanke vor. Laut offiziellen Statistiken zählte die Kolonie Ende 1960 25 Tiere.

G. URI Aus diesem Gebiet ist der Steinbock schon im Jahre 1583 verschwunden. Zwei Aussetzungsver-suche wurden 1953 ( drei Böcke ) und 1954 ( zwei Böcke ) an der Vorderen Waldichäle, linke Seite des Fellitals, ein Nebental der Reuss, durchgeführt. Kurz nach der Aussetzung sind die Tiere verschwunden; einige sind dann in Graubünden gesichtet worden. Eines von ihnen, das im Herbst 1964 in der Nähe der Grenze beider Kantone gesehen worden war, ist vielleicht dasjenige, das im Russein-tal ( GR ) erlegt wurde.

H. APPENZELL ( Innerrhoden ) Säntismassiv Am 26. Mai, am 2. Juni und am 10. Juli 1955 wurden jeweils ein Bock und eine Ziege, zwei Böcke und eine Ziege und zwei Ziegen auf 1550 m Höhe bei Gloggeren ausgesetzt, südöstlich vom Seealpsee, am linken Ufer des Schwedenbachs. Im gleichen Sommer wanderten die Tiere in östlicher Richtung und verliessen den Kanton Appenzell, um sich in den Kanton St. Gallen zu begeben.

I. ST. GALLEN 1. Säntismassiv Dort wurden sie im Rohr, südlich vom Hohen Kasten, beobachtet. Im August 1955 erschienen die sieben Steinböcke von Gloggen viel südlicher, am Gatterifirst, um sich schliesslich, 1956, südöstlich des Säntis in der Gegend der folgenden Gipfel niederzulassen: Nädliger ( 2270 m ), Moor ( 2346 m ), Jochli ( 2339 m ) und vor allem Wildhauser Schafberg ( 2382 m ). Eine Ziege ist verschwunden, ein Kitz kam im Jahre 1956 zur Welt. Am 7. Juni 1957 verstärkte man die Kolonie mit sechs jungen Tieren ( drei Böcken und drei Ziegen, im Alter von ein bis zwei Jahren ) aus dem Peter- und Paul-Park in St. Gallen. Laut offizieller Zählung bestand sie Ende 1960 aus 22 Tieren.

2. Massiv der Grauen Hörner Hier fand zum erstenmal die ständige Wiedereinbürgerung des Steinbocks in der Schweiz statt. Am B. Mai 1911 wurden zwei Böcke und drei Ziegen aus dem Peter- und Paul-Park in die Grauen Hörner gebracht. Die Aussetzung fand oberhalb des Rappenlochs ( 1691 m ) und von Weisstannen, an der linken Seite des Weisstannentals, statt. Nachdem die Steinböcke seit einem Jahrhundert im ganzen Lande erloschen waren, freute man sich im ganzen Land, als am 2. Juni 1911 die Geburt eines « schweizerischen Steinbocks in der Freiheit » gemeldet wurde. Zur Verstärkung der Kolonie führte man weitere Aussetzungen am Rappenloch durch, nämlich zwei Ziegen im Jahre 1912, eine Ziege und zwei Böcke 1917, zwei Böcke 1924 und ein Paar 1927. 1938 wurden noch fünf Ziegen und drei Böcke am Stierenläger in der Nähe von Unter Lavtina, auf einer Höhe von 1450 m, freigelassen. Am östlichen Abhang des Hühnerspitzes ( 2374 m ) wurden 1939 drei Ziegen und ein Bock, 1944 zwei Ziegen und ein Bock ausgesetzt. Die Herde wurde 1947 mit zwei Ziegen und 1951 mit einem Bock verstärkt, denen man in den Padönifelsen die Freiheit gab. Am 24. Juni 1958 wurden aus dem Peter-und Paul-Park zwei Böcke und zwei Ziegen in die Grauen Hörner gebracht.

Die Tiere haben eine Vorliebe für den Hühnerspitz. Manchmal wechseln sie in südlicher Richtung zum Laritschkopf ( 2498 m ), Hangsackgrat ( 2640 m ) und Muttenthalergrat. Im Herbst wagen sich einige von ihnen noch weiter südlich in die Ringelspitzkette auf der rechten Calfeisentalseite, doch kehren sie zum Hühnerspitz zurück.

Trotz dieser zahlreichen Zusätze entwickelt sich die Kolonie nur schwach: anfangs 1957 wurde ihr Bestand nur auf zwölf Tiere geschätzt.

Dieser Misserfolg kann verschiedenen Gründen zugeschrieben werden: lawinenreiches Gebiet ( einige junge Tiere sind von Lawinen verschüttet worden ), langer Winter, grosse Schneefälle, die einen Standortwechsel der Tiere verhindern, rauhes Klima mit häufigem Nordwind. Aus diesem Grund hat man 1956 versuchsweise zwei Böcke im südlichen Teil der Grauen Hörner, auf 1300 m Höhe, an den südlichen Abhängen des Gigerwaldspitzes ( 2292 m, an der linken Talseite des Calf-eisentals ) nördlich der Strasse Vättis—St. Martin, freigelassen. Im Oktober 1956 waren sie nördlicher, am Sazmartinhorn ( 2827 m ), zu sehen. Am 19. Mai 1957 brachte man zwei Ziegen ( zwei und siebenjährig ) vom Albris ins Calfeisental. Am gleichen Ort wurden am 14. Juli 1959 zwei Böcke und eine Ziege aus dem Peter-und Paul-Park freigelassen. Diese letzten Aussetzungen wirkten sich gut aus: Ende 1960 schätzte man den Bestand auf 38 Tiere; man darf aber nicht vergessen, dass seit der Gründung dieser Kolonie 50 Tiere in den Grauen Hörnern ausgesetzt worden sind!

J. GRAUBÜNDEN

Im Kanton Graubünden, wo der Steinbock seit der Mitte des XVIII. Jahrhunderts verschwunden war, findet man jetzt den grössten Gesamtbestand, wie auch die grösste Anzahl Steinbockkolonien. Am besten bevölkert ist das Engadin.

1. Schweizer Nationalpark ( Engadin ) Die folgende Tabelle zeigt Ort und Datum der verschiedenen Aussetzungen:

Jahr Böcke Ziegen Ort Höhe 1920 4 3 Praspöl, Südflanke des Piz Terza ( Val dal Spöl ) 1750 m 1923 1 2 Westflanke des Piz Terza ( Val Cluozza ) 1900 m 1924 2 idem 1900 m 1926 1 2 idem 1900 m 1933 3 6 Val Tantermozza, oberhalb der Waldgrenze 2300 m 1934 3 7 idem 2300 m 1947 2 Piz dal Fuorn ( Ova dal Fuorn ) oberhalb 1900 m 1949 2 1 Val dal Botsch ( Ova dal Fuorn ) oberhalb 1900 m 1950 1 idem oberhalb 1900 m Es sind also im ganzen 40 Steinböcke ( 17 Böcke und 23 Ziegen ) im Nationalpark ausgesetzt worden. Nur der südwestliche Teil, zwischen Inn und Spöl, ist aber besiedelt. Oft wechseln einzelne Tiere über die Parkgrenzen.

a ) Val Müschauns Vor allem an der rechten Talseite, in den Flanken des Südwestgrates des Piz d' Esan bis zum Punkt 2743 an der Parkgrenze sind Steinböcke zu treffen. Am 15. August 1955 konnte ich sogar zwei Böcke am Munt Blais ( 2455 m ), ausserhalb des Parks, beobachten. Im Winter wandern sie oft bis God Varusch und Val Trupchun. Manchmal erreichen sie den Talgrund des Val Torta oder des Val Tantermozza und die Nordabhänge des Piz d' Esan, Tantermozza und Quattervals und wagen sich sogar bis ins Val Raschitsch ( Murtaröl ) hinüber.

Val Cluozza Ausnahmsweise trifft man Steinböcke in den öden Gebieten des Valletta und Val Sassa. Hingegen ist das ganze Val dal Diavel, von Chamanna Cluozza bis zur italienischen Grenze, gut bevölkert, ganz besonders die rechte Talseite: die Westseiten des Piz Terza, Piz Murtèr ( vor allem Üerts dal Diavel ), Piz dal Diavel, Piz dell'Acqua.

c ) Val dal Spöl Nur die steilen östlichen Flanken der linken Talseite, vom Piz Terza bis zum Piz dal Diavel, werden von Tieren besucht. Dazu kommt noch das Val dell'Acqua, das sich parallel zur Grenze zwischen Piz dal Diavel, dell'Acqua und Murtarous erstreckt.

Aus den letztgenannten Tälern wechselt der Steinbock nach Italien, ins Val di Livigno hinüber.

Die biologischen Verhältnisse des Nationalparks passen dem Steinbock nur mittelmässig. Die offiziellen Daten von Ende 1960 wiesen 250 Tiere aus.

2. Zone Albris-Languard ( Oberengadin ) Das bedeutendste Steinbockzentrum der Schweiz befindet sich im Osten und Südosten von Pontresina sowie im Nordwesten des Berninapasses. Laut der offiziellen Zählung von 1956 befanden sich dort 503 Tiere, nämlich 254 im Val Muragl bis Bernina Suot, 153 im Val dal Fain, 26 im Val Minor, 43 im Val Chamuera und 27 im Val Champagna. Die neugeborenen Kitze nicht gezählt, ergab die am 11. und 12. Juni durchgeführte Zählung 558 Steinböcke für das ganze Albris-, Languard- und die angrenzenden Gebiete, wovon 124 allein im Val Chamuera, in welchem ein merklicher Zuwachs zu verzeichnen ist. Der offizielle Totalbestand war Ende 1960 604 Tiere.

Dieser starke Bestand stammt von vierzehn ausgesetzten Tieren, davon drei Ziegen aus dem Nationalpark ( zwei im Jahre 1921 und eine im Jahre 1927 ) und elf Tiere, die bei Bernina-Häuser auf einer Höhe von ca. 2200 m ausgesetzt wurden ( zwei Böcke 1922; ein Bock und zwei Ziegen 1925; zwei Paare 1927; ein Paar 1928 ). Der ausserordentliche Erfolg dieser Wiedereinbürgerung ist um so mehr zu schätzen, als zwischen 1953 und 1960 etwa 400 Tiere zur Wiederbevölkerung an andern Orten hier eingefangen wurden.

a ) Piz Albris Die nordwest-südost orientierte Albriskette, deren höchster Punkt 3166 m erreicht, ist wegen der seit 1921 dort lebenden Steinböcke berühmt. Da die Dichte sehr gross ist, sind sie überall zu treffen. Am zahlreichsten sind sie in den hauptsächlich von Ziegen und Jungtieren bewohnten Südostabhängen ( Val Bernina ). Die Tiere dringen in die Fichten- und Lärchenwälder bis 2100 m Höhe herab vor. Im Winter und im Frühling kommen sie sogar bis Laret ( 1900 m ), ganz nahe an die Strasse von Pontresina. Am Nordwestgrat sind Paradis und Paun da Zücher ihre Lieblingsorte, mit einer ausgezeichneten Tierdichte. Am Cho d' Albris, südlich des Gipfels, stellte Wildhüter Andrea Rauch senior am 22. März 1922 die Anwesenheit zweier Tiere fest, die 1920 am Piz Terza ausgesetzt worden waren und so 27 km, Luftliniendistanz, zurückgelegt hatten.

Die Nordostseite, die zum Val Languard abfällt, und vor allem das Gebiet des Sees von Languard ist auch gut bevölkert. Als ich mich zum erstenmal allein und führerlos, trotz des schlechten Wetters, dorthin begab, sah ich nur im Gebiet nordwestlich des Piz Albris an einem einzigen Tag, am 14. August 1955,110 Steinböcke; es waren Ziegen mit oder ohne Kitz und Jungtiere. An diesem Tag sah ich keinen Bock. Die Übervölkerung vom Albrisgebiet verursachte eine Abwanderung der Tiere, manchmal bis weit über die Grenzen dieser wunderbaren Reservation hinaus.

b ) Massiv des Piz Languard ( 3262 m ), Val Chamuera und Val Champagna Das Gebiet des Piz Languard ist ein sehr guter Aufenthaltsort für die Böcke: längs des ganzen Gebietes, das sich von der Pischa bis Las Sours erstreckt ( vor allem im Winter ), rechte Seite des Val Languard bis Cresta Languard, Piz Clüx, Piz Muragl, Val Muragl, Muragl-Alp, See und Pass, Abhänge die Pontresina im Norden und Nordosten überragen, Schafberg ( Munt da la Bês-cha ), Piz Utèr, Munt Gravatscha ( östlich von Samedan ), d.h. der grösste Teil des Val Champagna, Piz und Val Malat, Munt Müsella, hinteres Val Burdun, Cresta Burdun, Munt Olivet, Piz Vadret, Val Prüna und Prünella, Piz Prüna, Pischa, Sagliaint und Prünella, hinteres Val Chamuera. Neulich haben sich die Steinböcke noch nördlicher an der rechten Talseite des Val Chamuera niedergelassen: Piz Mezzaun, Vaüglia und Casanella. Einige haben sogar das Val Casana durchquert, erreichten das Val Trupchun und haben sich den Tieren des Nationalparks angeschlossen. So kehren die Steinböcke nach einigen Jahrzehnten in den Park zurück, den sie 1920/21 verlassen hatten!

c ) Val dal Fain Nur die rechte, nach Süden orientierte Talseite ist im Sommer wie im Winter bevölkert: Pischa, Tschüffer, Piz Chatscheders, Pascul de la Stretta und Piz la Stretta bis zum Pass gleichen Namens.

d ) Val Minor Die südlichen Abhänge der rechten Talseite: Piz Alv, Plaun Verd, Piz Minor, Piz dais Lejs unweit der Forcola di Livigno ( Italien ). Nach einer Mitteilung, die mir A. Küster am 26. Juli 1959 mündlich machte, findet man seit einigen Jahren Steinböcke auch auf der Pyramide des Piz Lagalb, an der linken Talseite.

e ) Val Agone und Val di Campo Neulich haben sich einige Tiere an der linken Talseite von Val Agone ( vor allem Südwestabhänge der Cima di Cardan ) und der rechten Talseite des Val di Campo ( vor allem Mürisciola, Val Mera und Gruppe des Corno di Campo ) angesiedelt. Wie die Abwanderungen aus den Herden des Nationalparks, so vergrössern auch diejenigen der Täler Chamuera, dal Fain, Minor, Agone und di Campo den Tierbestand des Val di Livigno.

3. S-charl-Tal ( Unterengadin ) In der Nähe des Nationalparks, etwas mehr östlich, wurde an der rechten Seite des Val S-charl, südöstlich von Schuls, eine Kolonie gegründet. 1953 wurden hier acht Böcke und zwei Ziegen am Sesvenna auf ca. 2000 m Höhe, oberhalb der Waldgrenze, freigelassen. Die Tiere halten sich entweder im Val Sesvenna oder in Lischana auf. Die Kolonie bereicherte sich um zwei Böcke und zwei Ziegen, die zweifellos aus dem Nationalpark gekommen sind. Ende 1960 belief sich der Bestand auf 19 Tiere.

4. Sils und Lagrev ( Oberengadin ) Am Fuss des Piz Lagrev ( 3164 m ), nordwestlich von Sils-Baselgia, wurden auf ca. 1900 m Höhe 1956 elf Böcke und vier Ziegen ausgesetzt. 1957 betrug der Zuschuss fünf Tiere ( vier Böcke und eine Ziege ) in vier, 1958 sieben ( sechs Böcke und eine Ziege ) in fünf, 1959 zwei Ziegen in zwei und 1960 ( bis August ) sechs ( zwei Böcke und vier Ziegen ) in fünf Aussetzungen. Alle 20 Tiere wurden vom Albris gebracht. Ende 1960 zählte die Herde aber nur 49 Tiere ( offizielle Zahl ).

S. Avers-Juppa Hier hat man 1954 sieben Böcke und vier Ziegen in vier Malen und 1955 sieben Böcke und drei Ziegen in drei Malen ausgesetzt, in den Felsen oberhalb Juppa, auf 2100 m, auf der rechten Talseite von Avers. Anfangs 1957 zählte man 20 Tiere, die sich an folgenden Orten aufhielten: Jupperhorn ( 3155 m ), Piz Platta ( 3392 m ), Mazzaspitz ( 3164 m ), Foppaspitz ( 2697 m ) und Stallerberg ( 2579 m ). Offizieller Bestand Ende 1960: 36 Tiere.

6. Piz Aela Unweit von Avers, im Massiv des Piz Aela, westlich und südwestlich von Bergün, scheiterte ein Wiederbevölkerungsversuch. 1914 wurden zwei Paare nach Plan Purcher, zwischen Uglix und Cha-vagl-Grond, auf 2100 m Höhe gebracht. 1915 setzte man einen Bock und zwei Ziegen in eine Mulde des Rugnux aus. Schliesslich liess man in der Mulde Uglix ( 2000 m ) zwei Böcke im Jahre 1918, ein Paar 1919 und zwei Paare 1926 frei. 1926 bestand die Kolonie aus 40 Tieren. In der Folge hat sich die Kolonie vermindert, und seit 1930 sind alle Steinböcke verschwunden...

7. Somvix ( Val Russein und Val Punteglias ) Diese Kolonie ist neu. 1956 wurden sechs Böcke und zwei Ziegen auf einer Höhe von 1600 m in Barcuns ( Val Russein, nordwestlich von Somvix ) an der linken Rheinseite freigelassen. Die offizielle Zählung von Ende 1960 ergab einen Bestand von 14 Tieren. Am 21. November 1958 wurde eine junge Ziege in der Nähe der Alp Punteglias, nördlich von Truns, auf ca. 1600 m freigelassen.

8. Misox ( Val Mesolcina ) Auf einer Höhe von 1600 m, in Pian San Giacomo ( nordwestlich von Misox, Mesocco, an der rechten Seite von Val Mesolcina ) setzte man im Jahre 1955 drei Ziegen und neun Böcke aus. Am 25. Juni 1957 wurde die Kolonie um zwei zweijährige, aus dem Albris stammende Ziegen vergrössert. Die Tiere haben sich in Pradirone, Alpe d' Arbèa und Giumella, am Fuss des Piz Trescolmen ( 2581 m ) niedergelassen. Offizieller Bestand Ende 1960: nur sechs Tiere.

9. Sufers-Safien Die Doppelkolonie Sufers-Safien besteht seit 1954. Damals wurden elf Böcke und drei Ziegen am Fuss des Stutzhorns ( auf 1800 m Höhe, nordwestlich von Sufers ) am linken Rheinufer ausgesetzt. Die Tiere haben das Alperschellihorn ( 2762 m ) und das Teurihorn ( 2973 m ) erreicht. 1954 wurden zwei Paare und 1955 drei Böcke und fünf Ziegen in Wanne, südlich von Safien, freigelassen. Sie haben sich auf dem Gelbhorn ( 3036 m ) und dem Schwarzhorn ( 3031 m ), südwestlich vom Piz Beverin, niedergelassen. Die zwei Gruppen, die anfangs 1957 25 Tiere zählten, haben sich teilweise zusammengeschlossen. Bestand Ende 1960: 37 Steinböcke.

10. Val Bever ( Oberengadin ) Die Steinböcke wurden 1957 eingeführt. Zwischen dem 9. Mai und dem 11. Dezember wurden siebzehn Aussetzungen durchgeführt und dabei achtundzwanzig Steinböcke ( zwanzig Böcke und acht Ziegen ) verschiedenen Alters freigelassen. Das geschah zwischen Blais Melnetta und Prasü- ratsch, auf 1900 m, am linken Ufer des Flusses Beverin westlich von Bever südlich des Albulapasses. Es folgten zwei weitere Aussetzungen am 19. und 21. Mai 1959 mit drei Ziegen vom Albris. Einige Tiere sind nach Westen abgewandert. Einer meiner Freunde aus Graubünden hat Steinböcke am F. Crap Alv gesichtet. Ende 1960 belief sich der offizielle Bestand auf 42.

11. Val Susauna ( Oberengadin ) Einige Aussetzungen wurden oberhalb des Dorfes Susauna auf dem Vallember ( nördlich von S-chanf, am linken Innufer ) auf 1680 m durchgeführt: 1958, am 6. Juni zehn Böcke und eine Ziege, am 12. Juni ein Bock, am 15. Juni drei Böcke und drei Ziegen, am 17. Oktober eine Ziege; im Jahre 1959, am 27. Mai zwei Ziegen, am 25. Juni zwei Ziegen, am 20. Juli drei Böcke. Die ganze Herde stammt vom Albris und hat sich auf den beiden Seiten des Val Susauna zerstreut. Steinböcke wurden auf dem Muot da l' Hom, im Viluoch und auf dem Piz Griatschouls gesichtet. Offizieller Bestand Ende 1960: 30 Tiere.

12. Val Lavoi ( linkes Rheinufer ) Seit dem 5. Juni 1959 bewohnen Steinböcke auch das Val Lavoi ( Lavoitobel ) oder Val Maliens. An jenem Tag wurden drei Ziegen aus dem Albris nordöstlich von Trin, nordwestlich von Tamins, freigelassen.

13. Gebiet von Flims-Bargis ( linkes Rheinufer ) 1958 wurde im Gebiet Crap de Flem, nördlich von Flims, auf 1550 m eine Kolonie gegründet. Folgende Aussetzungen wurden durchgeführt: am 18.Mai drei Böcke und eine Ziege, am 24.Mai fünf Böcke, am 3. Juni vier Böcke und am 14. Juli zwei Ziegen, alle vom Albris stammend. Val Lavoi und Flims-Bargis bilden eine einzige Kolonie, mit einem offiziellen Bestand von 15 Tieren, Ende 1960.

14. Lenzerheide Das Gebiet der Lenzerheide ist kürzlich in der Nähe von Lai mit vom Albris gebrachten Steinböcken bevölkert worden. In elf Aussetzungen sind vom 2. Juni bis 1. Juli 1959 neun Böcke und sieben Ziegen und vom 16. Juni bis 22. Juli 1960 zehn Böcke und drei Ziegen freigelassen worden, auf dem Weg zur Alp Scharmoin, auf ca. 1500 m Höhe. Nach offiziellen Angaben waren Ende 1960 nur 27 Tiere zu zählen.

75. Seehorn Am Seehorn, nordöstlich von Davos und östlich vom Davosersee besteht seit kurzem eine Steinbockkolonie. Siebenundzwanzig Tiere ( achtzehn Böcke und neun Ziegen ) sind vom Albris dorthin übersiedelt worden, in zwölf Aussetzungen, zwischen dem 24. Mai und dem 31. Juli 1960 auf ca. 1550 m.

K. GLARUS Kärpfstock Das Massiv des Kärpfs ( 2794 m ) ist ein Siedlungsgebiet der Steinböcke seit 1957. Es wurden im ganzen vier Aussetzungen von Albrisböcken an der Bischofalp ( südöstlich vom Kärpf ) auf ca. 1750 m vorgenommen. 1957: ein dreijähriger Bock und zwei zwei- und dreijährige Ziegen am 76 Glacier Jakobshavn ( côte occidentale du Groenland ). Son front qui avance de 30 m par jour est un des plus importants producteurs d' icebergs de l' Arctique. Le fjord de 30 km de long et 7 km de large en est rempli.

77 Le Puits Dumont ( centre du Groenland ). Profond de 40 m, il est creusé dans le névé. A 60 ou 80 m de profondeur, la métamorphose en glace est achevée. Quelle est la durée de son voyage jusque vers la côte ( 500 km )?

Photos A, Renaud 11. Juni, ein dreijähriger Bock am 23. Juli; 1958: am 1. Juni ein fünfjähriger Bock, am 9. Juni eine siebenjährige Ziege. Nach einigen Geburten belief sich Ende 1960 der offizielle Bestand auf 14 Tiere.

ANZAHL DER STEINBÖCKE IN DER SCHWEIZ ZU ENDE 1960 Eine solche Aufteilung der Siedlungsgebiete bringt unvermeidlichen Wechsel, Wanderungen, Abwanderungen und Herumstreunen der Tiere. Es ist manchmal ein überraschendes Auftauchen der Tiere weit vom Aussetzungsort oder vom gewöhnlichen Siedlungsgebiet zu verzeichnen, denn der Steinbock bleibt nicht ständig einem Berg oder einem Bergmassiv verbunden.

Nachfolgend sei der Stand der einzelnen Kolonien Ende 1960 wiedergegeben, wie er in der Januarnummer 1961 der Zeitschrift « Schweizer Naturschutz » ( Seiten 7/8 ) vom eidgenössischen Forstinspektor, Alfred Küster, Bern, festgehalten wird:

Bern Augstmatthorn 198 Wallis Mont Pleureur-Val des Dix470 Aletsch-Bietschhorn 103 Leukerbad45 Zermatt33 Waadt Château-d'Œx ( Rocher du Midi-Gummfluh ) 15 Wetterhorn

Schwarzer Mönch Justistal

Grosser Lohner..

Gasterntal

Tscherzis

55 91 60 33 12 22 Graubünden Piz Albris604 Nationalpark250 Sufers-Safien37 Avers-Juppa36 S. Giacomo-Mesocco6 Somvix14 Sils-Maloja49 Bever42 Val Susauna30 Flims-Bargis15 Lenzerheide 27 S-char1-Ta119 Davos27 Motélon Freiburg 18 Unterwaiden Hutstock 25 St. Gallen Graue Hörner 38 Schafberg ( Säntis ) 22 Kärpf.

Glarus 14 Totalbestand 2410 In dieser Gesamtzahl von 2410 Steinböcken sind folgende 1960 gegründete und 18 Tiere zählende Kolonien nicht inbegriffen: Haut de Cry-Derborence ( 7 ), Saas-Almagell ( 4 ), Belalp ( 3 ), Arolla ( 2 ) und Figinen-Gondo ( 2).Übersetzung: Nina Pfister ) 10 Die Alpen - 1964 - Les Alpes

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