Die Aiguille de la Persévérance

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Grönland, Westküste ( ji° 30'N/520 15'W )

Edgar Thurre, Bergführer, St-Maurice

« Nadel der Beharrlichkeit » — so haben wir die prächtige Granitnadel aufder Insel Upernivik getauft, hat es doch einiger Entschlossenheit und Hartnäckigkeit bedurft, sie zu bezwingen.

Unsere Gruppe bestand aus zwei Führern und zehn jungen Leuten, dazu kamen Priester und ein Arzt. Insgesamt dabei waren fünfzehn Angehörige der ASCA ( Sportverein des Priesterseminars an der Abtei von St-Maurice VS ), die sich auf 71° 30'nördlicher Breite versetzen liessen, um dort vierzig Tage in « alpiner » Einöde zuzubringen.

Augenblicklich schlug sie uns in ihren Bann, diese « Aiguille de la Persévérance », vorerst einfach die « Schwarze von Upernivik » genannt, um sie von ihrem makellos weissen Nachbarn zu unterscheiden.

Die im Verlauf der ASCA-Expedition ig8i zum erstenmal bestiegenen Gipfel Basislager AMtASCA, 2120 m Mt Blanc, 1850 m ▲ Aig. cfela Persévérance, Schon während wir am 8. Juli in den Fjord eindrangen, sachte zwischen den Eisbergen durch-glitten und endlich an dem für das Basislager vorgesehenen Ort auf der Halbinsel Qioqé anlegten, zog sie uns magisch an, diese über 1500 Meter sich aufschwingende Wand.

Ihr galt denn auch unser erster Erkundungsmarsch, und bald hatten wir einen Granitpfeiler ausgemacht, der uns eigentlich erlauben sollte, eine Traumführe zu öffnen, hinauf zum 1000 Meter höher liegenden Grat.

Allerdings sollte der Klettertraum nicht ohne böses Erwachen in Erfüllung gehen; unerbittlich griff die Wirklichkeit ein, und Regen und Schnee erzwangen mehr als einmal den Rückzug durch fluchtartiges Abseilen...

Doch zurück zum Basislager, bevor wir die Geschichte der « Persévérance » weiterverfolgen.

ZIELE UND DURCHFÜHRUNG DER EXPEDITION Unsere Expedition war insofern etwas ungewöhnlich, als ihr eine christliche Absicht zugrunde lag: als Bergsteiger und Wanderer die Einöde zu erfahren und in ihr Gott zu begegnen. Das erklärt auch die Anwesenheit dreier Priester. Es ist hier aber nicht der Ort, dieses Anliegen in allen Einzelheiten darzulegen; ebensowenig können wir im Rahmen dieser Publikation auf die unerhörte menschliche Bereicherung eingehen, die uns der Kontakt mit den Eskimos, die von Jagd und Fischfang geprägte Lebensweise, vor allem aber das vierzig Tage währende enge Zusammenleben von fünfzehn Menschen in der Abgeschiedenheit dieser Halbinsel, gebracht haben.

Wir beschränken uns darauf, die spezifisch Überschreitung Aiguille de la Persévérance-Blanc d' Upernivik Grönland 1981, 71'30'N/520 15'W 670 m Einstieg 170 m Quersorsuaq bergsteigerischen Pläne und deren Ausführung zu schildern.

Die Halbinsel von Qioqé befindet sich auf 71 ° 30'nördlicher Breite und 520 15'westlicher Länge. Unser Lager lag direkt am Wasser, was natürlich den Materialtransport erheblich erleichterte. Ins Herz dieser gebirgigen Gegend in der Grosse der Westschweiz dringt, als natürlicher Verkehrsweg, der schon erwähnte Fjord.

Wie war es eigentlich um unsere Sicherheit bestellt?

Nun, von Qioqé aus erreicht man in sechs Bootsstunden Umanak, einen Ort mit rund tausend Einwohnern, wo die Dänen ein mustergültiges Spital erstellt haben.

Im übrigen hatten wir zwei Einheimische verpflichtet, einen Familienvater mit einem seiner Söhne. Deren Aufgabe bestand darin, uns mit dem Boot an den Ausgangspunkt unserer Besteigungen zu fuhren und dann als Sicherheitsposten zu wirken. Bei ruhigem Meer konnten sie nämlich ihr Dorf Nugatsiaq in eineinhalb Stunden erreichen, und von dort war es möglich, Verbindung zur Heli-Station des Bergbauzentrums von Mar-morilik, etwa 100 km weiter südlich, aufzunehmen. Und schliesslich war ja auch ein Arzt mit von der Partie.

Unserem Tatendrang stand demnach nichts mehr im Wege...

Drei Tourengebieten wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit zu: der Halbinsel selbst, der gegenüberliegenden Insel Upernivik und dem etwa 30 Kilometer landeinwärts liegenden « Inlandsis » ', dessen Gletscher den Fjord mit Eisbergen speisen.

Zahlreiche Möglichkeiten eröffnen sich uns... Erstbegehungen sind hier noch in beliebiger Menge zu haben!

Schlechtes Wetter aber dämpft unseren Übermut. Immerhin ist es uns vergönnt, zwei leichtere Gipfel aufdem « Inlandsis » zu besteigen, deren einer jedenfalls noch nie betreten wurde; spasses-halber taufen wir ihn « Super-Chips ». Weiter er- 1 Inlandsis: In seinem Zentrum fast drei Kilometer starker Eispanzer, der praktisch ganz Grönland überzieht.

klettern wir, direkt über unserem Lager, den Prachtsgipfel des nach der Expedition benannten Mt.Asca ( 2100 m ), im Schwierigkeitsgrad etwa dem Chardonnet ähnlich. Und schliesslich ist da noch « unsere » Aiguille de la Persévérance mit der Überschreitung des Blanc d' Upernivik.

Bevor wir auf die Einzelheiten dieser Besteigung eingehen, sollen doch noch die wunderschönen Ausflüge rund um Nugatsiaq Erwähnung finden, ebenso die Wanderungen entlang der Seen von Qioqé und Upernivik, schliesslich auch der Abstecher auf die Kuppe hinter unserem Lager, wo wir ein Kreuz errichten. « Grosse Ruine » haben übrigens die Erstbegeher- den riesigen, 1600 Meter hohen Steinhaufen treffend genannt.

Noch viele Gipfel und Höhen wären zu ersteigen... einfache Tourenberge, Schneekuppen, Felstürme, Granitwände - alle von atemberaubender Schönheit. Besonders die Insel Upernivik birgt noch einen Schatz unerschlossener Gipfel... ein Geheimtip! Doch zurück zu unserer Nadel!

DIE PERSÉVÉRANCE UND IHRE GESC HI C H TE Nach einer Erkundung zu viert, am 14.Juli verwenden wir zwei Tage darauf, den Pfeiler der « Schwarzen von Upernivik » zu erschliessen. Das Ergebnis: dreizehn ausgerüstete Seillängen im IV. und V. Schwierigkeitsgrad, dazu eine halbe Länge im VI.; in dieser Passage lassen wir ein fixes Seil hängen.

Fünf Tage sollten genügen, um Pfeiler und Wand zu durchsteigen, anschliessend den Südgrat der « Schwarzen » und den Blanc d' Upernivik zu überschreiten. Am 20.Juli, einem Montag, brechen wir auf, mit drei schweren Säcken voll Material und Proviant sowie einem leichten Rucksack, den wir abwechslungsweise tragen wollen.

Auf das bereits erschlossene Stück folgen vier 2 Eine von Michel Darbellay geführte Seilschaft, 1967. M.D. verdanken wir wertvolle Hinweise für die Durchführung unserer Expedition.

weitere Seillängen, woraufwir den Pfeilerkopf auf 670 Metern Höhe erreichen. Wir biwakieren und - am folgenden Tag weckt uns der Regen!

Eine herbe Enttäuschung, längeres Abwarten. Eine kurze Aufhellung erlaubt uns, drei Längen weiter vorzustossen, aber die Wetterlage ist derart unsicher, dass wir wieder zum Biwak zurückkehren. Tatsächlich: nach einer zweiten Regennacht bleibt uns nichts anderes übrig, als den Rückzug anzutreten und die siebzehn Längen abzuseilen.

Am 4. August erfolgt ein zweiter Versuch... aber diesmal erreichen wir nicht einmal den Pfeilerkopf und müssen uns gar in ein Felsloch verkriechen, vierzehn lange Stunden, bevor wir im andauernden Regen überhaupt absteigen können!

Erst am I o. August, sechs Tage vor unserer Heimreise in die Schweiz, können wir mit Aussicht auf Erfolg aufbrechen. Bis zum Abend haben wir die siebzehn Längen des Pfeilers hinter uns gebracht, ebenso die Wand, die uns den Zugang zum Südgrat öffnet: das sind acht Längen schwieriger Kletterei, dazu ein paar weitere in leichtem Fels. Wie wir endlich den Grat der « Schwarzen » erreichen, werden wir von Schneegestöber recht unfreundlich empfangen.

Das Biwak errichten wir 1170 Meter über dem Fjord, 1000 Meter oberhalb des Einstiegs. Der Schneefall hält 36 Stunden an, gleichzeitig fällt der Höhenmesser um 150 Meter! Wir warten, denn Lust, durch die Wand abzusteigen, verspürt keiner.

Am 12. August, gegen neun Uhr morgens, wendet sich das Blatt: ein prächtiger Tag kündigt sich an, wie gewünscht für den Südgrat der « Schwarzen ». An sich eine recht leichte Tour mit lediglich zwei, drei IVer-Stellen, die im gegenwärtigen verschneiten Zustand allerdings recht heikel sind.

Der Gipfelaufschwung bietet noch ein paar Seillängen echter Genusskletterei. Die Sonne hat glücklicherweise die schwierigeren Teilstücke bereits getrocknet; dennoch müssen wir eine ganze Länge in künstlicher Kletterei hinter uns bringen, bevor wir uns an eine unangenehme, mit Blankeis überzogene Stelle heranwagen können. Eine letzte herrliche IVer-Länge, und wir betreten den heissersehnten Gipfel.

In diesem Augenblick beschliessen wir, unsere « Schwarze » Aiguille de la Persévérance zu nennen. Bald steigen wir über den leichten Nordgrat ab und beziehen ein zweites Biwak im Sattel zwischen der « Schwarzen » und dem Blanc. Wieder überzieht sich der Himmel.

Am nächsten Tag geht alles gut, und wir traversieren den Blanc in einem Zug, in neunzehn Stunden. Einzige Besonderheit ist dabei der abschliessende Abstieg durch eine 500 Meter hohe Nordwand: eine Seillänge mit einer Neigung von fast 65°, dann eine nicht enden wollende Folge zwischen 45 und 500 '.

Schliesslich rutschen und torkeln wir eine 1000 Meter lange Geröllhalde hinunter und erreichen um drei Uhr früh das Ufer des Fjords, glücklich und zufrieden mit der vollbrachten Leistung 4.

Aus dem Französischen übersetzt von Ch. Rohr, Oberho- fen

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