Die Binntalhütte

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Binntalhütte SAC per, die eben das zerstören, was uns angezogen hat: die Schönheit eines baulich unversehrten Dorfes und was dahinter steht: das Ahnen um unser Herkommen, unsere tiefsten Wurzeln, die wir irgendwie und irgendwo erhalten möchten.

Die trüben Gedanken verlieren sich, während wir auf dem ein Stück weit steileren Weg hinaufwandern. Prächtiger Lärchenwald und eine vielfältige Flora begleiten uns weiter taleinwärts, vorbei an den Alpen Brunnbiel und Freiche. Wir sind nun auf dem Albrun-Passweg, und unsere Gedanken wenden sich dessen uralter Geschichte zu. Es ist etwas Eigentümliches um solche Wege: Wie nirgendwo sonst werden wir erinnert an unsere immerwährende Wanderschaft zu unbekannten, lockenden Zielen, schliesslich zu einer dauernden Heimat. Und wie nirgendwo sonst glauben wir die Seelen jener Unzähligen nahe zu spüren, die vor uns diesen Weg gegangen sind, jeder mit seiner eigenen Last, seiner Sehnsucht, seiner Hoffnung.

Dass es einst ein vielbegangener Saumpfad war, sieht man aus seiner Anlage. In gemächlicher Steigung führt er im Talhintergrund auf die höher gelegenen Terrassen hinauf und mündet schliesslich auf dem weiten Ochsenfeld aus. Im Süden erblicken wir nun die Senke des Albrunpasses und am diesseitigen Hang, am Fuss des Überganges, ist unsere Hütte zu vermuten. Man kann das Ochsenfeld am westlichen Rand umgehen, muss dann aber weiter oben zwei Bäche überqueren, um wieder Anschluss an den am östlichen Hang deutlich sichtbaren Weg zu finden, auf dem man in massiger Steigung bald zur Hütte gelangt.

Dank seiner geographischen Lage und der petrographischen und mineralogischen Beschaffenheit seines Bodens hat sich im Binntal eine überaus vielfältige Flora entwickelt, und wer mit offenen Augen bergwärts wandert, der wird manch seltene Pflanze entdecken.

Weitherum bekannt sind auch die Mineralien aus dem Binntal, die im feinkörnigen, weissen Dolomit, in Glimmerschiefern und im Gneis gefunden werden. Das Binntal hat auch dem Naturwissenschaftler manch Interessantes zu bieten.

Die Hütte Weder die Lage - an einem Passweg und in einem mehr oder weniger tarnenden Blockfeld -noch die Bauart entsprechen den im SAC üblichen Richtlinien für den Hüttenbau. Der den einfachsten Ansprüchen einer Militärunterkunft genügende Status ist inzwischen durch den Ausbau allerdings wesentlich gehoben worden, ohne dass dadurch der Charakter und die Atmosphäre einer Hütte verlorengegangen sind. Wir treten in einen freundlichen Raum ein, der gleicherweise zum Schlafen, Essen und Verweilen dient. Sicher werden all jene Freude daran haben, die eine gewisse Hüttenromantik höher schätzen als grossen Komfort. Wir dürfen der Sektion Delémont dankbar sein für den Ausbau dieses Stützpunktes und sind überzeugt, dass sie ihn mit aller Sorgfalt betreuen wird.

Wie eingangs erwähnt, werden nun einstweilen einige Erfahrungen bezüglich Besuch und Betrieb zu sammeln sein; die Zukunft wird lehren, ob die Unterkunft zu erweitern oder durch einen grösseren Neubau zu ersetzen sein wird.

Tourenmöglichkeiten W. Kraft, Sitten Durch Vertrag zwischen der Gemeinde Binn, der Sektion Monte Rosa des SAC und dem Walliser Bund für Naturschutz wurden bekanntlich rund zwei Drittel des Gemeindegebie-tes unter Naturschutz gestellt. Dieser mutige vor-ausschauende Entscheid der Bevölkerung von Binn bedeutet nicht, dass dem Wanderer und Alpinisten das freie Durchstreifen dieser herrlichen Gegend verwehrt ist; es wurde kein « Reservat » geschaffen, das nur dem Forscher zugänglich ist, sondern Landschaftsschutz in grosszügiger Weise verwirklicht. Dass der Bergsteiger in diesem Tal besonders willkommen ist, beweist die Tatsache, dass die Naturschutzkreise zusammen mit den Binnern die Initiative für die Umwandlung der soliden Militärunterkunft am Albrun in eine heimelige SAC-Hütte tatkräftig förderten!

Die eine halbe Stunde vom Albrunpass entfernte Hütte liegt — wie die sie umgebenden Gipfel, Grate und Alpweiden — auf Naturschutzgebiet. Lassen wir also die in der Umgebung der Hütte prächtige Alpenflora ungeschoren, und leben wir der Devise des SAC, « Sauberkeit in der Natur », gewissenhaft nach!

Sommer- und Herbsttouren Zahlreiche, zum Teil bisher wenig ausgeführte Touren im Abschnitt Turbhorn—Ofenhorn-Schinhörner werden durch die Eröffnung der Binntalhütte sehr erleichtert. Der meistbesuchte Gipfel ist wohl das Ofenhorn, mit seinen 3235 Metern der zweithöchste Berg im östlichen Teil des Binntals ( zweieinhalb bis drei Stunden von der Hütte aus; Normalroute über Egger-ofen-Eggerscharte und über den auf italienischem Gebiet liegenden Gletscher Richtung Gipfel. Variante: Von Eggerscharte über den Südgrat zum Gipfel ).

Zwischen Eggerscharte und Albrunpass locken eine Reihe von Zacken, die auf der Landes- 1Blick ins Binntal. Von links nach rechts: Strahlgrat, Hohsandhorn, Hohsandjoch, Ofenhm Eggerscharte, Seewishorn, Schinhörner Photo Klopfenstein, Adelboden 2Im hinteren Binntal: Ofenhorn Photo Waller Schmid, Bern karte wohl mit Höhenkoten, nicht aber mit Namen versehen sind.

Im gleichen Abschnitt seien folgende Touren ennet der Landesgrenze erwähnt: Cima del Coust, 3045 Meter ( via Eggerscharte ), M. Mi-noia/Pzi della Satta, Pta. Lebendun, 2931 Meter. Der letztgenannte Gipfel kann im Anschluss an die Besteigung des Ofenhorns/Pta. d' Arbola besucht werden; Rückkehr über Hohsandjoch-Tälligletscher nach Binn oder zur Hütte.

Für den Passwanderer bieten sich gerade auf der italienischen Seite des Albrunpasses sehr dankbare Ziele: Scatta Minoia-Lago Vannino ( Lebendunsee ), Lago Sruèr ( Obersee)-Neufel-giupass, Richtung Morasca. Erwähnt sei vor allem die etwa sechsstündige Wanderung Albrun-pass— Alp Forno—Dèvero—Geisspfad—Mäniboden-Feld-Binn.

Westlich des Albrunpasses ziehen den Kletterer das Albrunhorn, das Bochtenhorn und die Schinhörner an. Wem der Schnauf nicht so schnell ausgeht, der versucht es mit den Geiss-pfadspitzen... ( Gneis, zum Teil schwierige Kletterei ).

Kehren wir zurück zum Ofenhorn, von dessen Gipfel aus der Ausblick zum Hohsandhorn, 3182 Meter, zum Strahlgrat und zum Turbhorn, 3247 Meter, dem höchsten Gipfel der Ofenhorngruppe, frei wird. Diese Berge sowie das Rappenhorn sind von der Binntalhütte aus gut erreichbar. Die Besteigung des Blinnenhorns ( 3373 m ) wird hingegen vorteilhaft mit einem Besuch des Rifugio Citta di Busto verbunden, mit Rückkehr vom Blinnenhorn direkt zur Al-brunhütte oder nach Binn.

Winter/Frühjahr Infolge seiner Abgeschiedenheit und der zahlreichen Lawinenzüge, aber auch wegen der fehlenden Unterkunftsmöglichkeiten sind im Binntal bisher wenig Skihochtouren ausgeführt worden. Auch wird die teilweise Steilheit der meisten Abfahrten viele Skibegeisterte ferngehalten haben. Die Eröffnung der Binntalhütte und die heutige alpine Skitechnik dürften nunmehr dazu beitragen, dass immer mehr Hochtouristen im Spätwinter und vor allem im Frühjahr die Alpen, Gletscher und Gipfel der Ofenhorngruppe in Angriff nehmen werden. Es sei aber ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass die Lawinengefahr nach starken Schneefällen bereits zwischen Binn und Feld zu beachten ist. Es ist ratsam, sich vor jedem Aufstieg zur Binntalhütte über die lokalen Lawinenverhältnisse im Dorf Binn zu erkundigen.

Aufstieg zur Hütte: bei guten Schneeverhältnissen dreienhalb bis vier Stunden, ab Weiler Feld gerechnet. Nach der Alp Freiche kann bei genügend Schnee das Bachbett als Aufstiegsroute verwendet werden. Nach Überquerung des Brückleins bei den « Steinhütten » erfolgt der Aufstieg zur Alpstallung « Blatt », und nach der Traversierung der Ebene Blatt in südöstlicher Richtung geht 's zum Ochsenfeld und weiter zur Binntalhütte ( nicht den Sommerweg benützen.

Als Skitouren von der Hütte aus seien erwähnt: Albrunpass-Alp Forno; Ofenhorn über Eggerofen, wobei auf die Lawinengefahr im steilen Couloir, das zur Eggerscharte führt, zu achten ist; Hohsandjoch-Blinnenhorn oder Hohsandjoch — Rif. Citta di Busto — Griespass — Cornohütte. Diese letztgenannte Tourenangabe zeigt, dass ein längst gehegter Wunsch zahlreicher Skialpinisten nunmehr in Erfüllung gehen kann: die Durchführung der « Haute-Route » Brig—Binn-Ulrichen in drei Tagen ( Brig-Ross-wald- Saflischpass - Binn -Binntalhütte - Hohsandjoch, evtl. via Pta. d' Arbola,Griespass-Corno-Airtte-Blinnenhorn-Vordere Sulzlücke-Aeginen-tal-Ulrichen ). Diese Hochtour kann von Ulri-chen/Oberwald aus via Geren tal- Witenwasse-renpass-Rotondohütte bis nach Andermatt verlängert werden.

Die günstigste Zeit für Skitouren liegt, je nach Schneeverhältnissen, zwischen Mitte Februar und Mitte Mai.

Weitere Skitouren in der Region Binntal-Piz Rotondo sind von Bergführer A. Pont, Siders, in David Schiesser in der Schlüsselstelle des Röticouloirs Piloto Albert Schmidt, Engi GL Vom Sandpass zum Tödi ( Westgrat ) Photo G. Kunz, Ruswil seinem Buch « Ski Alpin », vol. 3, Alpes valaisannes, beschrieben ( SAC-Verlag ).

Aber noch sind bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft; die Eröffnung der Binntalhütte wird dem Tourenfahrer mit etwas Abenteuerlust Gelegenheit bieten, eine Menge praktisch unbekannter Abfahrten zu rekognoszieren; jedoch sei nochmals und mit Nachdruck auf die in diesem Gebiet nicht zu unterschätzende Lawinengefahr aufmerksam gemacht.

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