Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1981/82

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der Schweizer Alpen im Jahr 1981/82

Auszug aus dem 103. Bericht der Gletscherkommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( GK/SNG ) Peter Kasser, GK/SNG, und Markus Aellen, GK/SNG, und Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie ( VA W ) an der ETH Zürich Aufnahmen H. Zweifel, Linthal ( Bilder 1 bis 4 ) und M. Aellen, VAW ( Bilder 5 bis 9 ) Witterungs- und Schneeverhältnisse im Jahr 1981/821 Der Witterungsverlauf vom September 1981 bis Oktober 1982 ist in der Abbildung 1 auf den Seiten 210-213 graphisch dargestellt mit den Tagesmitteln der Lufttemperatur von Zürich SMA, Locarno-Monti und Jungfraujoch sowie mit den Höhenlagen der Nullgradisotherme um 13 Uhr über Payerne. Die Abweichungen dieser Werte von den eingezeichneten langjährigen Mittelwerten2 charakterisieren das 1 Die Beschreibung der klimatischen Verhältnisse stützt sich auf die nachstehenden Quellen: Für Klimadaten stehen die täglichen ( Wetterberichte ), die monatlichen

2 Für die Stationen Zürich sma, Locarno-Monti und Jungfraujoch, die zum automatischen Beobachtungsnetz ( anetz ) der sma gehören, sind die Temperaturmittelwerte der Referenzperioden 1901/60 ( Zürich, Locarno ) und 1938/60 ( Jungfraujoch ) den veränderten Messbedingungen angepasst worden.

Einleitung Das Beobachtungsnetz der GK/SNG zur Bestimmung der jährlichen Längenänderung der Gletscher umfasst im Berichtsjahr 120 Gletscherenden. Die VAW organisiert und bearbeitet die Messungen, die durch 9 kantonale Forstdienste an 82 Gletschern, durch 8 einzelne Mitarbeiter an 15 Gletschern, durch 2 Kraftwerkgesellschaften an 4 Gletschern, durch das Eidgenössische Institut für Schnee-und Lawinenforschung ( EISLF ) an 1 Gletscher sowie durch ihre eigenen Mitarbeiter an 18 Gletschern im Felde oder anhand von Luftbildern ausgeführt werden. Die zahlreichen Vermessungsflüge verdanken wir dem Bundesamt für Landestopographie ( L + T ) und der Eidgenössischen Vermessungsdirektion ( V+D ). Die Untersuchungen des Massen-naushalts der Gletscher Aletsch, Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Suvretta gehören zum langfristigen Forschungsprogramm der VAW.

Tabelle 1 Summe der positiven Tagesmittel der Lufttemperatur von Mai bis September der Jahre 1980 bis 1982'Station Meereshöhe in Metern Temperatursumme in Grad Ce 1980 1981 Isius 1982 a ) Messstationen Gütsch2 2287 737 810 998 Säntis2 2490 495 589 782 Weissfluhjoch2 2690 497 552 710 Jungfraujoch ( Sphinx)2 3580 81 92 98 Payerne ( 700 mb)3 3100 290 287 347 München ( 700 mb)3 3100 222 251 315 Mailand ( 700 mb)3 3100 405 401 518 b ) Extrapolationen für Firngebiete Clariden4 2700 451 498 643 Clariden4 2900 341 369 482 Suvretta5 2750 450 494 646 Jungfraufirn ( P3)6 3350 136 178 187 1 Durch A. Lemanst, SMA, für 1980 und durch H. Siegenthaler, vaw, für 1981 und 1982 berechnet und zusammengestellt.

! Automatisch registrierende Station ab 1981 ( Säntis ab 1978 ). Die Werte ab 1981 ( Säntis ab 1978 ) sind mit den Werten der früheren Jahre nur näherungsweise vergleichbar.

.'Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre durch Radiosondierungen. Durch G. Gensler und A. Lemans, SMA, berechnete Werte, gemittelt aus den Ergebnissen im Niveau 700 Millibar ( etwa 3100 m ü. M. ) der Sondenaufstiege um 0 und um 12 Uhr Weltzeit.

.'Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Gütsch.

Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Weissfluhjoch.

1 Schätzwerte, reduziert nach den Messungen auf Jungfraujoch.

Berichtsjahr. Ergänzend sind die täglichentober erhielten Alpennordseite und Wallis Niederschlagsmengen von Zürich SMA, Losehr viel Niederschlag. In Mittelbünden fielen carno-Monti, Säntis und Sitten eingetragen.ebenfalls grosse, im Engadin und auf der Al- Im Bericht des Vorjahres wurde bereits erpensüdseite normale Mengen. Im November wähnt, dass im Herbst 1981 die Septemberwar es im Engadin und auf der Alpensüdseite niederschlage, die im gesamten Gebiet dersehr trocken, in allen übrigen Gebieten wichen Schweizer Alpen sehr gross waren, zum grösdie Niederschlagssummen wenig von den sten Teil in der letzten Dekade des Monats fieNormalwerten ab.

len. Dies geschah vorerst bis hoch hinauf alsDas Versuchsfeld Weissfluhjoch wurde am Regen, sank doch die Nullgradisotherme der12. Oktober 1981 definitiv eingeschneit. Säntis Luft um 13 Uhr über Payerne von mehr alsund Gütsch folgten am 21. Oktober, Grimsel, 4000 Metern über Meer am 19. September nurAndermatt, Bosco Gurin, La Drossa und die allmählich bis zum 27. September auf denTalstationen des Oberengadins am darauffol-langjährigen Mittelwert von rund 3000 Meterngenden Tag. In den meisten Talstationen der über Meer, um erst beim Kälteeinbruch an denSchweizer Alpen bildete sich die bleibende beiden folgenden Tagen um weitere 1000 MeWinterschneedecke erst einen Monat später, ter abzusinken. Auf Gletschern mit sehr hochzwischen dem 25. und dem 28. November ( ver-gelegenen Firngebieten überwog die Bildunggleiche Tabelle 4 ). Im viel zu kalten und viel zu von Schneereserven bereits vom 22.Septemniederschlagsreichen Monat Dezember wurde ber an die Abschmelzung in den tieferen Lagen. Auf Weissfluhjoch ( 2540 m ü. M. ), Säntis ( 2490 m ) und Gütsch ( 2287 m ) lagerten sich am 28./29. September beträchtliche Schneemengen ab, die aber in der zu warmen ersten Oktoberdekade wieder wegschmolzen. Im Ok- 200Tabelle 2 Lageänderung der Gletscherenden 1979/80 bis 1981/82 Zusammenfassung Klassen Anzahl Gletscher und Prozentanteil der KlasS'1979/80 1980/81 Anzahl Prozent Anzahl en Prozent 1981/82 Anzahl Prozent Beobachtungsnetz 120 120 120 nicht beobachtet 7 19 91 beobachtet 113 101 111 Resultat unsicher 4 2 22 Stichprobe 109 100.0 99 100.0 109 100.0 im Vorstoss 73 67.0 52 52.5 453 41.3 stationär 9 8.2 5 5.1 64 5.5 im Rückzug 27 24.8 42 42.4 585 53.2 Mittlere Längenänderung + 3.27 Meter + 0.74 Meter -0.37 Meter Anzahl Werte 84 78 836 Bemerkungen: in den verschiedenen Klassen wurden folgende, durch ihre Nummer aus Tabelle 5 bezeichnete Gletscher eingereiht:

1 46 72 76 100110112113115116. 1 7 30.

3 2 10 11 13 16 18 23 24 25 27 28 37 38 39 40 41 42 43 45 48 53 55 56 57 59 60 61 64 66 68 69 70 71 73 75 77 87 92 93 96 99 105 107 108 109.

4 20 21 26 52 54 104.

5 1 345 689 12 14 15 17 19 22 29 31 32 33 34 35 36 44 47 49 50 51 58 62 63 65 67 74 78 79 80 81 82 83 84 85 86 88 89 90 91 94 95 97 98 101 102 103 106 111 114 117 118 119 120.

6 Für die Berechnung der mittleren Längenänderung sind 26 Gletscher nicht berücksichtigt worden aus folgenden Gründen: - durch künstlichen See beeinflusst: 3 50.

-Wert für 2 Jahre: 9 12 33 34 35 36 67 68 69 99 101.

-Wert für 3 Jahre: 13.

-Keine Zahlenangabe: 14 23 49 55 56 58 64 107 108 117 118 120.

die Schneedecke überall weiter aufgebaut. Auch der Januar war sehr niederschlagsreich, mit Ausnahme der zu trockenen Alpensüdseite und des Engadins, wo die Normalmengen ungefähr erreicht wurden. Im Februar und noch ausgeprägter im April waren die Niederschläge überall zu gering, während im März die Durchschnittswerte auf der Alpennordseite und im Wallis überschritten wurden. Auf den Gletschern waren die Monate September 1981 bis Januar 1982 vor allem auf der Alpennordseite, im Wallis und in Mittelbünden sehr niederschlags- und schneereich, die Monate Februar bis April 1982 gesamthaft überall zu trocken. Nach der zu kalten ersten Maidekade begann in den Ablationsgebieten der Gletscher allgemein die Schneeschmelze. Abgesehen von der eher wechselvollen Witterung im August waren die Monate Mai bis September 1982 durch mehrere lang andauernde Wärmeperioden charakterisiert, in denen beträchtliche Mengen der überdurchschnittlich grossen Schneevorräte abgebaut wurden ( vergleiche Abbildung 1 ).

Im Herbst 1982 kam der Winter in den Gletschergebieten nur zögernd. Von den Herbstmonaten waren September und November überall sehr warm. Der Oktober zeigte ein deutliches Nord-Südgefälle der Lufttemperaturen, die am Alpennordhang zu hoch, in den inneralpinen Gebieten normal und im Tessin relativ kalt waren. Die Niederschlagssummen der Monate September bis November lagen nur auf der Alpensüdseite deutlich über dem Durchschnitt. In den übrigen Gebieten war es zu trocken, abgesehen von Überschüssen an Tabelle 3 Jährliche Massenänderung einiger Gletscher, von 1979/80 bis 1981/82 Gletscher Haushaltsjahr oder Messperiode vom bis Gletscherfläche km* jährliche Massenänderung gesamt1 spezifisch2 B'b 106 m3Eis kg/m2 Gleichgewichtslinie mü.M, Gries 25.9.79 29.9.80 6.333 + 5.061 + 719 2660 29.9.80 24.9.81 6.324 - 1.634 - 232 2940 24.9.81 23.9.82 6.325 - 6.176 - 879 3030 Aletsch 1.10.79 30.9.80 128.206 + 218.57 + 1534 2781'1.10.80 30.9.81 128.148 + 180.83 + 1270 2857'1.10.81 30.9.82 128.119 + 50.0210 + 35110 29497 Limmern 30.8.79 1.9.80 2.52 "

+ 2.023 + 721 2302 1.9.80 1.9.81 2.52 "

- 0.311 - 111 2730 1.9.81 30.8.82 2.52 "

- 1.820 - 649 2860 Plattalva 30.8.79 1.9.80 0.86 "

+ 0.936 + 980 (

- 0.173 - 181 2825 1.9.81 30.8.82 0.86 "

- 0.235 - 246 2870 Suvretta 13.9.79 14.9.80 3.1513 + 3.898 + 1114 2505 14.9.80 12.9.81 3.1513 + 1.220 + 348 2675 12.9.81 11.9.82 3.1513 - 0.737 - 211 2790 1 Gesamter Zuwachs oder Abtrag, berechnet für Aletsch aus der hydrologischen Bilanz des Einzugsgebietes Massa/Blat-ten bei Naters, für die übrigen Gletscher nach Zonen gleicher Massenänderung mit einer angenommenen Dichte des Eises von 0.9 g/cm3.

1 Gleichmässig über den Gletscher verteilter Zuwachs oder Abtrag. Der Eismenge 1 kg/m2 entspricht eine Wassersäule von 1 Millimeter Höhe.

3 Geschätzte Fläche für den 2. Oktober 1980.

* Geschätzte Fläche für den 1. November 1981.

5 Geschätzte Fläche für den 1. Oktober 1982.

s Geschätzte Fläche für den 19. September 1980.

7 Aus den Pegelmessungen auf dem Jungfraufirn interpolierte Werte.

8 Geschätzte Fläche für den 19. September 1981.

9 Geschätzte Fläche für den 30. August 1982. 3 Vorläufige Werte.

1 Flächen vom 15. September 1977.

1 Verläuft unterhalb des Gletscherendes.

J Fläche vom 12. September 1973.

einigen Stationen in Mittelbünden im September, sowie im Wallis im Oktober und gebietsweise auch im November. Auf dem Säntis begann die permanente Winterschneedecke am 30. September 1982, auf Weissfluhjoch am 4. Oktober. Gütsch war vom 4. bis zum 31. Oktober schneebedeckt, vom 1. bis 7. November jedoch nochmals aper. Bis auf etwa 1600 Meter über Meer hinunter wurden die Alpentäler grösstenteils zwischen dem 13. und 18. November definitiv eingeschneit.

Für die Jahresniederschlagssummen von Oktober 1981 bis September 1982 und für die mittleren Sommertemperaturen von Mai bis September 1982 ist wie im Vorjahr3 die regionale Verteilung der Abweichungen von den Normalwerten graphisch dargestellt in Abbildung 2 auf Seite 216. Messwerte, die mit positiver oder negativer Abweichung vom Normal- 3 Korrektur zum Vorjahr: Bei den Sommertemperaturen sollte das Feld, welches die Stationen Adelboden und Montreux-Clarens enthält, nicht mit plus, sondern mit minus 1 angeschrieben werden.

Tabelle 4 Daten über die Schneedecke im Winter 1981/82 Station Höhe m ü. M.

Periode mit permanenter Schneedecke erster letzter Dauer Tag Tag Tage Grösste Betrag cm: Schneehöhe Datum Grösster Wasserwert der Schneedecke Betrag Datum mm Leysin 1250 28.11.

16.4.

140 138 21.3.

369 14. +31.3.

Grindelwald Bort 1570 26.11.

16.5.

172 223 19/21.3.

577 1.4.

Mürren 1670 25.11.

18.5.

175 184 21.3.

495 1.4.

Grimsel 1970 22.10.

24.6.

246 478 24.3.

- Stoos 1290 25.11.

29.5.

186 263 21.3.

900 27.3.

Andermatt 1440 22.10.

19.5.

210 220 30.1.

726 2.4.

Trübsee 1800 12.11.

20.6.

221 352 21.3.

1279 1.5.

Gütsch 2287 21.10.

25.6.

248 450 19./20.3. "

Schwägalp 1290 25.11.

21.5.

178 282 23.3.

997 15.3.

Braunwald 1340 12.11.

25.5.

195 271 23.3.

804 2.4.

Malbun 1600 12.11.

18.5.

188 200 19.3.

562 16.3.

Säntis 2500 21.10.

8.8.

292 610 19.3.

Ulrichen 1345 25.11.

2.5.

161 225* 30.1.

636 1.3.

Montana 1500 28.11.

28.4.

152 235 17.12.

578 2.4.

Zermatt 1610 28.11.

17.4.

141 140 7.1.

319 1.4.

Bourg-St-Pierre 1650 28.11.

20.4.

144 128 21.3.

404 1.4.

Saas Almagell 1667 28.11.

20.4.

144 90 9.1.

Mauvoisin 1840 25.11.

28.5.

185 238 21.3.

814 1.4.

Klosters EW 1200 12.11.

13.5.

183 242 30.1.

608 29.3.

Davos Flüelastrasse 1550 8.11.

10.5.

184 181 30.1.

424 15.3.

Zervreila 1735 22.10.

19.5.

210 170 30.1.

471 1.4.

Arosa 1818 22.10.

22.5.

213 210 30.1.

559 31.3.

Weissfluhjoch 2540 12.10.

10.7.

272 308 19.3.

1106 18.5.

Ftan 1710 12.11.

27.4.

167 117 30.1.

291 31.3.

La Drossa 1710 22.10.

10.5.

201 135 30.1.

329 1.4.

Samedan 1710 22.10.

12.4.

173 97 30.1.

Pontresina 1840 22.10.

13.4.

174 102 30.1.

Berninahäuser 2049 22.10.

30.4.

191 219 30.1.

Ambri 1000 28.11.

7.4.

131 121 9.1.

Bosco Gurin 1490 22.10.

19.5.

210 175 9.1.+ 1.4.

605 1.4.

San Bernardino Dorf 1630 28.11.

3.5.

157 142 18.3.

379 1.4.

Simplon Hospiz 2000 27.11.

22.5.

177 190 1.4.

Poschiavo 1014 14.12.

2.2.

51 55 29./30.12.

Santa Maria 1400 28.11.

7.4.

131 73 18.3.

135 15.3.

Maloja 1810 22.10.

16.5.

207 171 18.3.

474 1.4.

1 interpolierter Wert'sowie am 10. 4.

Tabelle 5 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1981/82 Nr. a ) Gletscher Kt. b ) Längenänderung in Metern 1980/81 1981/82 c ) c ) Höhe m ü. M.

1982 d ) Mes Tag 198C jsdatum, Monat ) 1981 1982 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1e Rhone VS - 0.2 - 4.6 2124 21.

9.

20. 9.

21.

8.

2 Mutt VS + 13 + 19 2590 21.

9.

19. 9.

22.

8.

3« Gries ( Aegina ) vs - 17.6 - 13.6 238281 2.

10.

1.11.

1.

.10.

4« Fiescher vs - 38.6 - 8 1662.0 28.

9.

20. 9.

9.

.10.

5« Grosser Aletsch vs - 27.6 - 12 1510.781 19.

9.

19. 9.

30.

8.

106 Mittelaletsch vs - 20 - 11.4 2255 ca.

17.

9.

20. 9.

5.

.11.

6 Oberaletsch vs + 3.1 - 11.5 2139.9 20.

9.

17. 9.

2.

.10.

7e Kaltwasser vs - 8.5 sn 275081 26.

9.

25. 9.

1.

.11.

8« Tälliboden vs - 52.8 - 12.9 2628.5 2.

10.

29. 9.

29.

9.

9« Ofental vs — X - 28.02a 2633.2 3.

10.

29. 9.

29.

9.

10« Schwarzberg vs + 10.1 + 7.6 2655.9 2.

10.

30. 9.

1.

10.

11e Allalin vs + 105.4 + 25.6 2178.6 2.

9.

8.10.

28.

10.

12e Kessjen vs St - 59.32a 2853.0 30.

9.

3.10.

28.

9.

13e Fee ( Nordzunge ) vs + X + 147.53a 1947.6 2.

9.

8.10.

4.

11.

14« Gorner vs — 55 ca.

4a _ x 207777 1.

10.

8.10.

13.

9.

15« Zmutt vs - 16 - 8 2241 12.

8.

12. 8.

15.

9.

16« Findelen vs + 52.1 + 48.1 2483.7 7.

10.

14.10.

22.

10.

107« Bis vs + X + X 2000 ca.

3.

9.

8.10.

29.

9.

17 Ried vs - 19.9 - 20.1 2052.4 4.

10.

28. 9.

2.

10.

18« Lang vs + 19 + 23 2017 25.

9.

17. 9.

17.

9.

19« Turtmann ( West ) vs + 17.0 - 1.5 2264 22.

9.

25. 9.

24.

9.

20« Brunegg ( Turtm.Ost ) vs + 9.0 + 0.4 2454 22.

9.

25. 9.

24.

9.

21« Bella Tola vs - 4.2 - 0.5 — 1.

10.

22. 9.

14.

9.

22 Zinal vs - 10.0 - 22.0 2020 24.

9.

6.10.

1.

10.

23« Moming vs + 4.2 + X — 24.

9.

6.10.

1.

10.

24 Moiry vs + 8.7 + 17.2 — 20.

9.

26. 9.

25.

9.

25 Ferpècle vs + 10.1 + 10.2 — 7.

10.

16.10.

26.

9.

26 Mont Miné vs + X 0 1965 ca.

7.

10.

16.10.

25.

9.

27 Arolla ( Mt. Collon ) vs + 11.8 + 8.4 — 1.

10.

21.10.

25.

9.

28 Tsidjiore Nouve vs + 28 + 25 — 1.

10.

21.10.

12.

10.

29 e Cheillon vs - 4.0 - 7.9 — 26.

9.

4.10.

3.

10.

30« En Darrey vs sn sn 247564 27.

9.

3.10.

2.

10.

31« Grand Désert vs - 11 - 24 280064 27.

9.

25. 9.

25.

9.

32 Mont Fort ( Tortin ) vs - 5.0 - 8.3 274067 25.

9.

23. 9.

25.

9.

33 Tsanfleuron vs n _ 42a — 25.

9.

n 25.

9.

34« Otemma vs n - 71.52a 2430 ca.

27.

9.

n 30.

9.

35« Mont Durand vs n - 202a 229073 28.

9.

n 29.

9.

36« Breney vs n - 252a 2575 27.

9.

n 29.

9.

37« Giétro vs + 11.0 + 4.0 2480 ca.

3.

9.

20.10.

20.

9.

38« Corbassière vs + 10 + 4 2181 9.

9.

2. 9.

31.

8.

39 Valsorey vs - 5.0 + 1.0 2395 10.

10.

9.10.

18.

10.

40 Tseudet vs + 20.0 + 2.0 2425 10.

10.

9.10.

18.

10.

41 Boveyre vs + 18.0 + 3.0 2599 10.

10.

9.10.

18.10.

42« Saleina vs + 10.0 + 17.0 1702 10.

10.

9.10.

18.

10.

108« Orny vs n + x5a — n 1 n 18.

8.

43« Trient vs + 15 + 15 1759 5.

8.

8. 9.

21.

10.

Nr. a ) Gletscher Kt.

b ) Längenänderun in Metern 1980/81 c ) g 1981/82 Höhe m ü. M.

1982 Messdatum Tag, Monat 1980 1981 1982 44« Paneyrosse VD - 9.0 - 12.8 — 26.

9.

20.10.

25. 9.

45 e Grand Plan Névé VD - 14.6 + 1.6 — 26.

9.

20.10.

25. 9.

46 Martinets VD n n — 2.

9.

n n 47 e Sex Rouge VD - 0.7 - 10.0 — 28.

9.

17.10.

1.10.

48« Prapio VD - 2.0 + 2.0 — 12.

10.

18.10.

7.10.

49« Pierredar VD + X - X — 18.

9.

8.10.

9. 9.

Einzugsgebiet der Aare ( la ) 50e Oberaar BE - 27.0 - 1.5 2302.9 3.

9.

8.10.

11. 8.

51« Unteraar BE - 26.6 - 12.4 1908.7 3.

9.

8.10.

11. 8.

52 Gauli BE - 2 0 2220 ca.

26.

9.

9.10.

11.10.

53 Stein BE + 17 + 20 1934 6.

10.

4.10.

16. 9.

54« Steinlimmi BE + 6 0 2092 6.

10.

4.10.

16. 9.

55« Trift BE + X + X 1660 ca.

5.

9.

18. 9.

9. 9.

56« Rosenlaui BE + X + X 1860 ca.

19.

8.

8.10.

30. 8.

57 e Oberer Grindelwald BE + 22 ca.

+ 65 1225 ca.

29.

10.

3.11.

11.10.

58« Unterer Grindelwald BE + 50 ca.

— X 1080 ca.

15.

10.

8.10.

9. 9.

59« Eiger BE + 26 ca.

+ 14.3 2110 25.

9.

10. 9.

16. 9.

60« Tschingel BE + 7.7 + 10.9 2260 26.

9.

11. 9.

17. 9.

61e Gamchi BE + 8.8 + 7.3 1990 20.

9.

19. 9.

2.10.

109 Alpetli ( Kanderfirn ) BE + 10.9 + 2.5 2250 16.

9.

17. 9.

17. 9.

110 Lötschberg BE n n — 2.

9.

n n 62« Schwarz VS - 2.8 - 14.5 2215 15.

9.

21. 9.

17. 9.

63 e Lämmern VS - 5.8 - 4.7 2540 15.

9.

22. 9.

17. 9.

64 e Blümlisalp BE + X + X — 18.

9.

8.10.

2. 9.

111« Ammerten BE - 1.8 - 3.6 2345 ca.

16.

9.

20. 9.

19. 9.

65« Rätzli BE - 18.3 - 30.5 2370 17.

9.

6.11.

17. 9.

112 Dungel BE n n — 19.

8.

n n 113 Gelten BE n n — 19.

8.

n n Einzugsgebiet der Reuss ( Ib ) 66 e Tiefen UR + 1.0 + 2 249067 12.

9.

6.10.

9. 9.

67« Sankt Anna UR n - 4.22a 2592 67 15.

9.

n 13. 9.

68 e Kehlen UR n + 42.42a 2080 13.

9.

n 15. 9.

69« Rotfirn ( Nord ) UR n + 36.52a 2031 13.

9.

n 15. 9.

70 e Damma UR + 16 + 13.2 204464 21.

9.

25. 9.

15. 9.

71« Wallenbur UR + 7 + 3 2237 25.

9.

8.10.

14. 9.

72 Brunni UR n n — 17.

9.

n n 73 e Hüfi UR + 2.0 + 10 1640 19.

9.

18. 9.

17. 9.

74« Griess UR - 14.6 - 15.4 2216 16.

9.

20.10.

14. 9.

75 e Firnalpeli OW - 8.6 + 1.0 2160 7.

9.

18.10.

19. 9.

76 Griessen OW?

n — 21.

9.

18. 9.

n Einzugsgebiet der Limmat ( le ) 77 e Biferten GL + 4.0 + 7 1904 18.

/19.9.

18. 9.

3. 9.

78« Limmern GL + 3.8 - 3.8 2241.681 30.

8.

27. 8.

26. 8.

114° Plattalva GL + 6.5 - 9.1 — 3.

9.

29. 8.

30. 8.

79« Sulz GL + 6.5 - 9.7 1788 18.

9.

4. 9.

29. 9.

80« Glärnisch GL - 6.3 - 10.5 229381 29.

9.

5.10.

20.10.

81« Pizol SG - 17.8 - 10.4 2550 8.

10.

18. 9.

14. 9.

a ) Gletscher Kt.

b ) Längenänderun in Metern 1980/81 e ) g 1981/82 e ) Höhe m ü. M.

1982 d ) Messdatum Tag, Monat 1980 1981 1982 Einzugsgebiet des Rheins ( Id ) 82« Lavaz GR - 22.2 - 11 229781 4. 9.

18.

9.

15. 9.

83« Punteglias GR - 10 - 39 2350 5./6.10.

9./10.10.

1.10.

84« Lenta GR - 12.0 - 10.7 2280 26. 9.

8.

10.

30.10.

85« Vorab GR - 2.1 - 8.0 — 25. 9.

21.

9.

10. 9.

86« Paradies GR - 15.2 - 20.4 2393.3 25. 9.

1.

10.

23. 9.

87« Suretta GR - 21.7 + 3.6 2205 16. 9.

11.

9.

9. 9.

115 Scaletta GR n n — n n I n 88 e Porchabella GR - 8.5 - 10.0 2643 15. 9.

5.

10.

17. 9.

89« Verstankla GR + 4.5 - 5 2390 16. 9.

31.

8.

5. 9.

90 e Suvretta GR + 4.5 - 3.9 2428.9 12. 9.

11.

9.

13. 9.

91« Sardona SG + 3.8 - 1.2 2500 7.10.

17.

9.

9. 9.

Einzugsgebiet des Inns ( V ) 92e Roseg GR + 0.1 2a + 13.2 2175 n 19.

8.

21.10.

93 Tschierva GR + 48.52a + 29.2 2140 n 19.

8.

21.10.

94 e Morteratsch GR - 56.42a - 2.2 2000 n 18.

8.

18.10.

95 Calderas GR - 6.2 - 8.8 2720 ca.

4.10.

9.

9.

3.11.

96« Tiatscha GR + 7 + 33 2500 28. 9.

2.

10.

19. 9.

97« Sesvenna GR - 2.6 - 5.1 2745 4.10.

18.

9.

11. 9.

98« Lischana GR + 6.0 - 25.0 2800 28. 9.

12.

9.

18. 9.

Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99« Cambrena GR + X + 1.52a 2520 27. 9.

?

20. 9.

100 Palü GR + 36.73a n — n 10.

11.

n 101« Paradisino GR n - 21.82a — 11. 9.

n 9. 9.

102 Forno GR - 15.1 - 28.5 2225 7.10.

2.

9.

20.10.

116 Albigna GR n n — n n n Einzugsgebiet des Tessins ( III ) 120« Corno TI n — X 24. 9.

n 5. 8.

117e Valleggia TI n — X 2420 ca.80 6.10.

n 13. 9.

118e Val Torta TI n — X — 1.10.

n 13. 9.

103 Bresciana TI + 4.0 - 10.0 2715 18. 9.

17.

9.

22. 9.

119« Cavagnoli TI - 0.6 - 16.7 2560 ca.

11. 9.

15.

9.

15. 9.

104e Basòdino TI - 6.2 + 0.8 2520 10. 9.

14.

9.

14. 9.

105e Rossboden VS + 3.7 + 5.0 1950 7.10.

24.

9.

21. 9.

Abkürzungen:

+ Im Vorstoss St Stationär — Im Rückzug n Nicht beobachtet sn Eingeschneit x Betrag nicht beziffert Allgemeine Bemerkungen a In Tabelle 2 und in Abbildung 3 dieses Berichts sind die Gletscher mit ihrer Nummer aus dieser Tabelle bezeichnet. b Bei Gletschern, die auf dem Gebiet mehrerer Kantone liegen, ist der Kanton angegeben, in dem sich das beobachtete Zungenende befindet. c Gilt die Angabe für ein mehrjähriges Intervall, ist die Anzahl der Jahre wie folgt angezeigt: — 13.63a = Rückzug um 13.6 Meter in 3 Jahren. d Ist die Höhenkote des Gletscherendes oder des Gletschertors nicht im Berichtsjahr bestimmt worden, geben wir das Jahr der Messung wie folgt an: 2220 Meereshöhe 2220 Meter, gemessen im Jahre 1967. e Eine besondere Bemerkung zu diesem Gletscher wird im ausführlichen 103. Bericht der Gletscherkommission enthalten sein.

? Resultat unsicher ca. Ungefährer Wert 1 Zungenende des Bifertengletschers am 2. Juli 1982. Der schuttbedeckte Eislappen, der sich am östlichen Rand des Gletscherendes durch die Felsrinne in der Bildmitte vorschiebt, hat in den letzten Jahren eine Wasserfassung der Kraftwerkanlagen Linth-Limmern überfahren ( Bilder 2 bis 5 ). Eine weitere Fassung ist verschüttet worden durch die Eisstürze von der Abbruchfront in der Zungenmitte ( rechts im Bild ). In schwieriger und gefährlicher Arbeit hat man beide Fassungen so umgebaut, dass das Wasser unter dem Gletscher ( subglazial ) gefasst werden kann.

Bilder 1 bis 5: Vorstoss des Bifertengletschers.

2 Stand am 6. Oktober 1980: der Gletscher stösst an die Wasserfassung in der Felsrinne.

wert je einmal innerhalb von 4 Jahren vorkommen, werden als normal bezeichnet. Sie finden sich in der Abbildung in den mit Null angeschriebenen Feldern. Die stark abweichenden Messwerte der Klassen + 1 und — 1 treten durchschnittlich einmal innerhalb von 4 bis 11 Jahren auf, die sehr stark abweichenden Werte der Klassen +2 und -2 seltener als einmal in 11 Jahren4. Die Abbildung 2 zeigt für die Jahresperiode von Oktober 1981 bis September 1982 sehr grosse Niederschlagsmengen in den Gletschergebieten des Berner Oberlandes und nordöstlich der Linie Walensee bis Klosters. Gross waren die Niederschlagssummen auch in Teilen der südlichen Walliser Täler, in den Urner- und Glarner Alpen sowie in Mittelbünden. Auf der Alpensüdseite und im Engadin schwankten die Niederschläge um den Normalwert. Die Sommertemperaturen von Mai bis September 1982 waren im ganzen schweizerischen Alpengebiet viel höher als in einem Durchschnittsjahr. Besonders gross waren die Wärmeüberschüsse überall nördlich des Rhonetals, des Tessingebietes und des Veltlins. Unter diesen Witterungsbedingungen waren die Abflussmengen aller stark vergletscherten Gebiete grösser als die langjährigen Durchschnittswerte.

Über Schnee und Lawinen im Winter 1981/82 berichten P. Föhn und S. Gliott ( ElSLF ) wie folgt:

Der trübe Herbst 1981 brachte verschiedentlich Schnee bis in höhere Tallagen, der je- 4 Diese Beziehungen gelten streng nur für statistisch normal verteilte Werte.

doch im Laufe des sonnigen, niederschlagsarmen November wieder wegschmolz. Wo der Schnee in Berglagen oberhalb rund 2000 Metern Meereshöhe liegenblieb, setzte alsbald eine intensive Umwandlung der dünnen Schneedecke ein, die als Basisschicht der Schneedecke anfänglich zu wenig tragfähig war. Infolgedessen führten die intensiven Schneefälle im Dezember vor allem im Wallis, in den Waadtländer- und Berner Alpen sowie im Gotthardgebiet zu gefährlichen Lawinensituationen mit zahlreichen Schadenlawinen, die aus hochgelegenen Einzugsgebieten, d.h. aus über 2500 Metern Meereshöhe, niedergingen. Nachher verfestigte sich die Basisschicht unter der zunehmenden Last der wachsenden Schneedecke immer mehr, wobei die Lawinengefahr für Touristen in allen Regionen gegen das Jahresende stark zurückging. Besonders zu erwähnen ist der ergiebige Schneefall vom 29./30. Januar 1982, der dem zentralen und östlichen Alpennordhang sowie den nördlichen und mittleren Teilen Graubündens innert 24 Stunden 80 bis 100 Zentimeter Neuschnee brachte. Bereits während des Schneefalls gingen viele Lawinen an ungewohnten Orten durch Waldcouloirs bis in die Täler nieder, wobei in zahlreichen Fällen Schaden entstand. Im Februar und in der ersten Monatshälfte des März waren die Verhältnisse trotz den gelegentlich auftretenden Schneefällen auch ausserhalb der Pisten so gut, dass die Schneedecke der Belastung durch die Skifahrer standhielt.

Gegen Ende März wurden in den meisten Regionen die grössten Werte der Schneehöhe im Berichtswinter gemessen. Dabei wurden die Maximalwerte früherer Jahre nur an wenigen Stationen mit vorwiegend kurzen, d.h. weniger als 15jährigen Messreihen übertroffen. Beim Vergleich der durchschnittlichen Schneehöhen und Wasserwerte des Hochwinters erweist sich der Berichtswinter am Alpennordhang und in Nordbünden als einer der schneereichsten der Periode 1946/47 bis 1981/ 82. In Höhenlagen zwischen 1000 und 2000 Metern Meereshöhe aperte der Boden im Frühjahr 1982 fünf bis zehn Tage später aus als in durchschnittlichen Jahren.

Die regionalen Unterschiede in der mit dem Schneereichtum parallel laufenden Stabilität der Schneedecke kommen auch in den Unfall-und Schadenzahlen zum Ausdruck. In der schneereichen nördlichen Zone verloren 5 Menschen ihr Leben in Lawinen, in der weniger schneereichen südlichen Zone dagegen waren 15 Lawinenopfer zu beklagen. Umge- 4 Stand am 14. Oktober 1982: die vom Gletscher überfahrene, nunmehr subglaziale Wasserfassung ist teilweise noch sichtbar.

kehrt traten Sachschäden durch Lawinen in der schneereichen Zone mit der überdurchschnittlich grossen Zahl von 161 Fällen viel häufiger auf als in der weniger schneereichen mit 28 Fällen. Von den 20 tödlich verunfallten Personen sind 18 als Touristen und zwar 8 auf Bergtouren ohne Ski, 5 auf Skitouren und 5 auf Abfahrtsvarianten ausserhalb der Skipisten verunglückt. Ein Mensch starb bei der Arbeit, ein anderer auf einem öffentlichen Verkehrsweg. ) 5 Stand am 14. Juni 1983: die Wasserfassung ist unter dem Gletschereis verschwunden.

Abbildung 1 Witterung 1981/82 an einigen automatischen Stationen der SMA ( ANETZ ) a ) Zürich SMA 556 m ü M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1901/60.

Niederschlag Tagesmenge mm

-

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-

Sep Okt )e l Jar et ).

W är z A 1 i I Juni Okt Gletscherchronik a ) Tätigkeit und besondere Ereignisse Die Erhebungen der Gletscherkommission für ihren 103. Bericht über den jährlichen Stand und die Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen sind im Herbst 1982 im gewohnten Rahmen und grösstenteils bei günstigen Bedingungen sowohl für die Messungen am Boden als auch für die Aufnahme von Luftbildern durchgeführt worden. Nach den langen Schönwetterperioden des Sommers waren die Gletscher stark ausgeapert, bevor im Süden und im Wallis bereits anfangs 50 Oktober erste Schneefälle die Talsohlen erreichten. Im Gegensatz zu den meisten hochgelegenen kleinen Gletschern, die von diesem Zeitpunkt an eingeschneit blieben, aperten die Zungen der grösseren Talgletscher im Laufe des Oktobers wieder aus und waren bis anfangs November zugänglich für die Messungen am Boden. Nur bei wenigen Gletschern im Wallis und im Tessin ist die Bodenmessung durch die im Süden besonders ergiebigen frühen Schneefälle verhindert worden. Hier traf es sich günstig, dass Vermessungsflüge für die in mehrjährigem Turnus wiederholten Luftaufnahmen in diesem Gebiet durchgeführt b ) Locarno-Monti 366 m u. M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1901/60 Niederschlag Tagesmenge mm

1

4L

1

.4.

LI k

1

L 1 1

L

.1

1.

1

1

ni Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

r Jan.

Fet ).

März April Mai Ju ni J ul ug. 1 £ ept H II Okt wurden. So ist im Berichtsjahr wiederum eine erfreuliche grosse Zahl von Gletschern beobachtet worden. Von den 120 Gletschern im Beobachtungsnetz der GK/SNG sind nur 9 nicht beobachtet worden, von denen 3 zu den 113 jährlich, 6 zu den 7 in mehrjährigen Intervallen kontrollierten Gletschern gehören. Von den 111 beobachteten Gletschern sind 97 im Gelände besucht, 40 im Luftbild erfasst worden. Dabei ist die Lageänderung des Zungenendes durch Messungen am Objekt in 93 Fällen, 50 durch Luftbildvermessung in 4 Fällen zahlenmässig bestimmt, aus Feldbeobachtungen für 2 und anhand von Luftbildern für 10 Gletscher richtungsmässig festgelegt worden. Für 2 eingeschneite Gletscher, von denen der eine am Boden besucht, der andere im Luftbild erfasst wurde, bleibt sie unbestimmt ( siehe auch Tabelle 2 und Abbildung 3 ).

Die Angaben über den Stand der Gletscher im Herbst 1982 verdanken wir in 68 Fällen den c ) Jungfraujoch 3580 m u. M.

Lufttemperatur Tagesmittel' C angepasster Mittelwert 1938/60 --25 Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt d ) Payerne 490 m ü. M.

Höhe der Nullgradisotherme um 13 Uhr T Mittelwert 1951/78 Mitarbeitern der kantonalen Forstdienste Wallis ( für 22 Gletscher ), Waadt ( 4 ), Bern ( 10 ), Uri ( 8 ), Obwalden ( 1 ), Glarus ( 1 ), St. Gallen ( 2 ), Graubünden ( 16 ) und Tessin ( 4 ), in 15 Fällen den privaten Mitarbeitern P. Mercier ( 4 ), J.L Blanc ( 3 ), H. und V. Boss ( 2 ), W. Wild und A. Godenzi ( je 2 ) sowie R. Zimmermann und E. Hodel ( je 1 ), in 4 Fällen den Kraftwerken Mauvoisin und Oberhasli ( je 2 ), in den übrigen 24 Fällen den Mitarbeitern der Abteilung für Glaziologie der VAW ( für 13 am Boden gemessene und 11 nach Luftbildern bewertete Gletscher ). Wir verdanken besonders die Ergebnisse der aufwendigen luftphotogrammetrischen Auswertungen, die uns Jahr für Jahr mitgeteilt werden. Sie sind bei 2 Gletschern für die Kraftwerke Oberhasli durch das Vermessungsbüro A. Flotron in Meiringen, bei 1 Gletscher für die Kraftwerke Mauvoisin durch das Vermessungsbüro H. Leupin in Bern und bei 1 Gletscher für die VAW durch deren Mitarbeiter W. Schmid am Autographen des Geodätischen Instituts der ETHZ erarbeitet worden. Dank der grosszügigen Unterstützung e ) Säntis 2490 m ü.M.

Niederschlag Tagesmenge mm f ) Sitten 482 m ü.M.

Niederschlag Tagesmenge mm durch das Bundesamt für Landestopographie ( L + T ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( V + D ) sind im Herbst 1982 wiederum zahlreiche Vermessungsflüge über Gletschern durchgeführt worden. Neben den im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli jährlich überflogenen Aaregletschern sind Luftbilder von 37 Gletschern in jährlicher Wiederholung und von 27 in mehrjährigem Turnus überflogenen Gletschern aufgenommen worden, wobei mindestens ebensoviele weitere Gletscher beiläufig erfasst wurden. Die jährlichen Auf- nahmen dienen in erster Linie den Erhebungen der Arbeitsgruppe für gefährliche Gletscher ( bei 20 Gletschern ) und der GK/SNG ( bei 11 Gletschern ) sowie den Untersuchungen der VAW im Auftrag von Dritten ( bei 6 Gletschern ). In mehrjährigem Turnus sind für die Erhebungen der GK/SNG 24 Gletscher, für wissen- schaftliche Forschungsprojekte der VAW 3 Gletscher beflogen worden5.

Im Berichtsjahr sind neben den vorgängig erwähnten Gletscherzungenmessungen und Firnbeobachtungen jährlich wiederholte Messungen zur Bestimmung des Firn- oder Eis-haushalts und der Bewegungsgeschwindigkeit an einzelnen, durch Pegelstangen markierten Punkten der Gletscheroberfläche im Rahmen verschiedener in früheren Berichten vorgestellter Forschungsprojekte oder Untersuchungen im Auftrag von Dritten weitergeführt worden durch die VAW auf den Gletschern Gries, Aletsch, Allalin, Hohlaub, Schwarzberg, Findelen, Giétro, Limmern, Plattalva und Silvretta, durch das Geographische Institut der ETHZ auf dem Rhonegletscher. Von der 5 Die Gletscherkommission dankt in diesem Zusammenhang allen Beobachtern, allen übrigen Mitarbeitern und Institutionen, die jedes Jahr oder auch gelegentlich zu unseren Erhebungen und Untersuchungen beitragen. Wir danken namentlich den altershalber in den Ruhestand getretenen Herren E. Blumer, Kantonsoberförster in Glarus seit 1964, und R. Kuoch, Forstmeister in Spiez seit 1966, für die Betreuung der Gletschermessungen in ihren Kantonen. Herrn W. Suter, dem bisherigen Kreisoberförster in Sargans, verdanken wir die vorbildliche Durchführung der Messungen an den Gletschern Pizol und Sardona während der letzten 10 Jahre und gratulieren ihm zu seiner Wahl als Kantonsoberförster in Sankt Gallen. Wir begrüssen als Amtsnachfolger die Herren Kantonsoberförster H. Oppliger in Glarus, Forstmeister H. Balsiger in Spiez und Kreisoberförster A. Hartmann in Sargans. Nach langer Krankheit und dennoch unerwartet ist im Frühjahr 1983 Herr Adolf Lemans, wissenschaftlicher Adjunkt an der SMA, gestorben. Sein Tod bedeutet auch für die Gletscherbeobachtung in der Schweiz einen schmerzlichen Verlust. Mit grosser Hingabe hat der Verstorbene im Nebenamt seit 20 Jahren die Beobachtungen und Messungen über den Firnzuwachs und den Niederschlag im Gebiet des Claridenfirns geleitet, deren Ergebnisse bearbeitet und zusammen mit vergleichbaren Beobachtungen auf andern Gletschern sowie klimatologischen Daten in den sogenannten ( Firnberichten ) veröffentlicht. Seit ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1914 bilden die Firnberichte eine wichtige Grundlage der Gletscherberichte, in denen sie auszugsweise wiedergegeben sind ( z.B. Tabelle 1 dieses Berichts ). Herr G. Kappenberger, Mitarbeiter am Observatorium Locarno-Monti der SMA, der seit der Erkrankung von A. Lemans die Feldmessungen im Claridengebiet besorgt, ist glücklicherweise bereit und in der Lage, fortan die Messdaten auch auszuwerten und für die Publikation bereitzustellen. Die Firn- und Niederschlagsmessungen im Claridengebiet, die 1913 von der Gletscherkommission der Physikalischen Gesellschaft Zürich begonnen, nach der Auflösung der

VAW sind neue Pegelnetze eingerichtet worden für wissenschaftliche Untersuchungen auf dem Saleina- und auf dem Rossbodengletscher, für Untersuchungen im Auftragsverhältnis auf dem Titlisgletscher und auf dem Belvédèregletscher bei Macugnaga ( Italien ). Am Rossboden soll das Bewegungsverhalten der durch einen vorstossenden Eiswulst reaktivierten schuttbedeckten Gletscherzunge beobachtet, am Saleina die Verformung und Stabilität von bogenförmigen Strukturen im Gletscher untersucht werden. Das Verhalten der beiden andern Gletscher wird beobachtet, um Gefahrensituationen beurteilen und entschärfen zu können. Beim Titlisgletscher geht es um die Sicherheit der Touristen im Bereich des von der Abfahrtspiste mehrmals überquerten, steilen Rotegghangs, in den sich eine seitliche Zunge des Gletschers vorschiebt, welche in den letzten Jahren stark angewachsen und im Sommer 1982 teilweise abgerutscht ist. Beim Belvédèregletscher sucht man nach Massnahmen, die eine kontrollierte Entwässerung des Randsees Lago delle Loccie auch während des in Gang gekommenen Gletschervorstosses gewährleisten. Nach einem Ausbruch des Sees, der im Sommer 1978 ein Schadenhochwasser verursachte, ist die Ausflussrinne durch ein Stahlblechrohr befestigt worden, das inzwischen durch das vorrückende Eis zusammengedrückt und verstopft wurde, so dass die Gefahr eines erneuten Aufstaus des Sees zunimmt, solange der Gletscher wächst.

Am Findelengletscher sind die Zusammenhänge zwischen kurzfristigen Schwankungen des Wasserdruckes am Gletscherbett und der Bewegungsgeschwindigkeit des Eises an der Gletscheroberfläche im Frühjahr 1982 weiter erforscht worden. Den nachstehenden Bericht verdanken wir der Projektleiterin A. Iken ( VAW ):

Ein weiterer, kleinerer Wassertaschenaus-bruch erfolgte zwei Wochen später. Im Anschluss an die Ausbrüche war die Aktivität des Gletschers jeweils geringer. Jedoch normalisierte sich das subglaziale Abflusssystem während einer Kälteperiode um den 14. Juni, so dass bei der nächsten Schönwetterperiode, vom 18. bis 20. Juni, ein ausgeprägter Tagesgang des Wasserdruckes und der Gletscherbewegung gemessen werden konnte. ) Am Grubengletscher ob Saas Baien wurden die Bohrlöcher, die mit dem Heisswasserboh-rer der VAW auf das Gletscherbett abgetieft wurden, für die Untersuchung des Gletscherbetts mittels geoelektrischer Messungen benützt. Indem die Elektroden in den Bohrlöchern in direkten Kontakt mit dem Gletscherbett gebracht werden, ist es möglich, schneller und einfacher als mit mechanischen Probebohrungen gewisse Aufschlüsse über die Beschaffenheit des Untergrunds zu erhalten, beispielsweise ob dieser aus Fels oder aus Lockergestein besteht.

Im Anschluss an die Gletscherkatastrophe von Mattmark ist 1973 die ( Arbeitsgruppe für gefährliche Gletscher ) ( AGG ) gegründet worden, deren Zusammensetzung und Ziele in unserem 93. Gletscherbericht umrissen sind. Eine ihrer Tätigkeiten besteht im Zusammen- stellen einer Dokumentation über aktuelle und frühere Ereignisse wie Gletscherstürze, Eislawinen, Ausbrüche von Gletscherrandseen oder subglazialen Wassertaschen und ähnliche Vorfälle mit oder ohne Schadenfolgen, bei denen die Gletscher in irgendwelcher Form beteiligt sind. Aus einer solchen

( Das Jahr 1981 war charakterisiert durch eine Anzahl kleinerer Ereignisse: Im Frühjahr zerstörte eine Schnee-Eislawine aus dem Gebiet des Hohbalmgletschers die Skilifte im bei Saas Fee und stiess bei der nach führenden Brücke bis zur Feevispa vor. Ausbrüche kleiner Wassertaschen ereigneten sich in der Zeit vom 16. bis 19. Juni am Glacier de Tsidjiore Nouve, im Juli am Festigletscher und am 21 ./22. Oktober am oberen Grindelwaldgletscher, ohne nennenswerte Schäden anzurichten. Der Ausbruch am Tsidjiore Nouve wurde von einer englischen Forschergruppe untersucht. Ihren Messungen und Berechnungen zufolge führte die ausgebrochene Wassermasse von rund 183000 Kubikmetern rund 2000 Kubikmeter oder 5500 Tonnen Schutt mit sich. Verteilt auf die Fläche des Gletschers entspricht diese Schuttmenge einem durchschnittlichen Abtrag des Gletscherbetts um 0,4 Millimeter. Eine Eislawine verschüttete den Weg zur Fründenhütte. Die jährlich für die AGG aufgenommenen Luftbilder zeigen grössere Lawinen auch am Balmhorngletscher ( etwa 100000 m3 ) und am Tälligletscher ( LK: ( Fletschhorngletscher ); ungefähr 500000 m3 ). Im Auftragsverhältnis hat sich die VAW mit Eissturzrisiken befasst am Glacier des Rosses oberhalb des Stausees Emosson und am Doldenhorngletscher oberhalb des Oeschinensees hinsichtlich der Bildung von Schwallwellen, am Plateau Rosa 6 Haeberli, W. ( 1983 ): ( Frequency and characteristics of glacier floods in the Swiss Alps. ) Annals of Glaciology 4 1983, p. 85-90.

hinsichtlich der Eisschlaggefahr für die Benutzer der Skipiste am Kleinen Matterhorn. Im letzteren Fall hat man die Gefahr beseitigt, indem ein rund 4000 bis 6000 Kubikmeter grosser, schiefstehender Firnblock durch Sicher-heitssprengungen zerlegt wurde.

Im Sommer 1982 warnte der SAC vor zunehmender Eissturzgefahr auf dem Weg von der Wengernalp zur Silberhornhütte, der unterhalb des Giessengletschers durchführt. Am 10./11. Juni wurde durch den Ausbruch einer Wassertasche im Bidergletscher das Bett der Saaser Vispa verstopft. Zur Räumung mussten schwere Baumaschinen eingesetzt werden. Der Vorstoss des Grubengletschers ob Saas Baien machte umfangreiche Bauarbeiten nötig: Das Entwässerungsrohr des 1968 und 1970 ausgebrochenen Randsees musste tiefer in Abbildung 2 Abweichungen der Jahresniederschläge 1981/82 und der Sommertemperaturen 1982 vom Zentralwert der Bezugsperiode 1901/60 a ) Jahresniederschläge Summe der Niederschläge vom 1. Oktober 1981 bis 30. September 1982 Wertung der Klassen:

KlasseJahresniederschlag + 2sehr gross + 1gross 0normal — 1klein — 2sehr klein den Boden gelegt und verlängert werden. Da es nun in ganzjährig gefrorenen Schutt eingebettet ist, sollte es dem Druck des vorstossenden Eises während einiger Jahre standhalten. Im Auftragsverhältnis hat die VAW Untersuchungen über das Verhalten des Titlisglet-schers am Rotegghang und des Belvédère-gletschers beim Lago delle Loccie oberhalb Macugnagas begonnen. Für den Neubau des Berghauses auf Jungfraujoch werden die Temperaturverhältnisse im Baugrund untersucht und in Zusammenarbeit mit Lawinen-fachleuten die zu erwartenden Schneelasten auf dem Dach des Gebäudes abgeschätzt. Im Rahmen einer Dissertation sind u.a. folgende Ereignisse festgehalten worden: Im Mai oder Juni stürzte eine Eislawine aus der Westflanke des Eigers auf die Zunge des Eigergletschers. Bei einem Volumen von etwa 300000 Kubik- b ) Sommertemperaturen Durchschnittliche Lufttemperatur vom 1. Mai bis 30. September 1982 Wertung der Klassen:

Klasse Sommertemperatur + 2 sehr warm + 1 warm 0 normal — 1 kalt -2 sehr kalt metern kam sie erst unterhalb der Bahnstation zum Stillstand. Am Unteren Grindelwaldgletscher fiel im Gebiet der Strahlegg eine grosse Eislawine ( etwa 1 000000 m3 ) auf das obere Eismeer. An der Südflanke des Mönchs, die bei gutem Wetter durch das Personal der Hochalpinen Forschungsstation täglich photographiert wird, erreichte die grösste von mehreren, zu verschiedenen Zeiten abgegangenen Eislawinen eine Grösse von rund 50000 Kubikmetern. Vom Balmhorngletscher, der durch eine automatische Kamera ebenfalls täglich aufgenommen wird, sind im Winter verschiedene Eislawinen losgebrochen und z.T. über den Weg, der zur Balmhornhütte führt, hinausgefahren. Schnee-Eislawinen stürzten im Februar 1982 und im Winter 1982/83 vom Nestgletscher an der Nordflanke des Bietschhorns bis auf den Schwemmkegel am Hang-fuss.> Abbildung 3 Die Gletscher der Schweizer Alpen Lageänderung der Zungenenden 1982

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Vorstoss © unbestimmt ® stationär ® nicht beobachtet e Rückzug b ) Massenänderung einiger Gletscher Tabelle 3 enthält Angaben über die Massenänderung einiger Gletscher während der letzten drei Jahre. Sie sind durch die VAW für die Gletscher Gries, Limmern, Plattalva und Suvretta aus glaziologischen Messungen direkt bestimmt, für die Gletscher des Aletschgebiets gesamthaft aus dem Wasserhaushalt des Einzugsgebiets der Massa abgeleitet worden. Die gesamte Massenänderung gibt die Vermehrung oder die Verminderung des Eisvolumens während der Messperiode an. Die spezifische Massenänderung entspricht der Dicke der Schicht, die sich aus dem als Wasser gleichmässig über den Gletscher verteilten Massenzuwachs oder -abtrag ergäbe. Als spezifische Werte sind die Massenhaushaltszah- Abbildung 4 Lageänderung der Gletscherenden in den Schweizer Alpen 1890/91-1981/82 Anzahl Gletscher im Vorstoss und im Rückzug in Prozent der Gesamtzahl der beobachteten Gletscher len der verschiedenen Gletscher direkt vergleichbar.

In den von Jahr zu Jahr kleiner oder negativer werdenden Bilanzergebnissen ist in allen Gebieten ein Nachlassen der Wachstumsten-denzen der Gletscher erkennbar. Bei Gries und Limmern hat sich in den drei Jahren der Umschwung vom Zuwachs- zum Schwund-regime ganz, bei den übrigen Beispielen etwa halbwegs vollzogen. Im Berichtsjahr sind wie in den Vorjahren ausgeprägte regionale Unterschiede im Massenhaushalt der Gletscher aufgetreten, die weitgehend durch die in Abbildung 2 summarisch dargestellten Klimaverhältnisse, zum Teil auch durch die Verschiedenheit des Geländes in den verschiedenen Gebirgsregionen bedingt sind. In den stark vergletscherten und sehr niederschlagsreichen nördlichen Gebieten hat die Abschmelzung, die ebenfalls sehr viel grösser war als im Durchschnitt, mengenmässig etwa den im Winter angehäuften Schneereserven entsprochen. Demzufolge hat sich in diesem Gebiet die Gesamtmasse der Gletscher bei sehr grossen Umsatzmengen im allgemeinen nur wenig verändert. Der bescheidene Zuwachs der Aletschgletscher beispielsweise ist bei den grössten seit 1959 in der Massa gemessenen Abflussmengen zustande gekommen. In den 25 150 100 50 0 südlichen Gebieten mit lediglich durchschnittlichen Winter- und Jahresniederschlagsmengen, aber ebenfalls stark überdurchschnittlicher Abschmelzung im Sommer, ist bei kleineren Umsatzmengen die Gletschermasse beträchtlich vermindert worden. Bei Gries beispielsweise entspricht diese Verminderung einer abgetragenen Eisschicht von durchschnittlich 90 Zentimetern Dicke. Das ungewöhnlich grosse Schmelzwasserangebot in stark vergletscherten Gebieten überstieg in einzelnen Fällen die Speicherkapazität der Stauseen.

Für den Talbereich der Aaregletscher hat A. Flotron auf Grund der luftphotogrammetrischen Vermessungen eine ausserordentlich grosse Volumenzunahme um 12,6 Millionen Kubikmeter ermittelt, die einer durchschnittlichen Dickenzunahme um 0,9 Meter entspricht. Er gibt jedoch zu bedenken, dass diese Haushaltsrechnung mit dem Vermessungsflug vom 11. August 1982, d.h. rund drei Wochen vor dem üblichen Termin und etwa sechs Wochen vor dem Ende der Schmelzperiode abschliesst. In den einzelnen Profilen hat sich die Gletscheroberfläche um mittlere Beträge zwischen 0,2 und 1,7 Metern angehoben, ausser in den beiden untersten Profilen auf dem Unteraar, wo sie sich um 1,0 und 1,4 Meter abgesenkt hat. Zusammengenommen ergeben die beiden letzten Haushaltsperioden 1980/81 und 1981/82 eine ausgeglichene Massenbilanz im vermessenen Gebiet.

c ) Lageänderung der Gletscherenden Die Ergebnisse der Beobachtungen am Netz der GK/SNG sind in Tabelle 2 für die letzten drei Jahre zusammengefasst, in Tabelle 5 für die letzten zwei Jahre und in Abbildung 3 für das Berichtsjahr ausführlich dargestellt. In Abbildung 4 sind die Hauptergebnisse der 92 Jahre von 1890/91 bis 1981/82 zusammengestellt.

Durch die sinkenden Prozentanteile der vorstossenden Gletscher und durch den abnehmenden Wert der mittleren Längenänderung bringen die Hauptergebnisse der letzten drei Jahre in Tabelle 2 das allgemeine Nachlassen der Wachstumstendenz der Gletscher in den Schweizer Alpen ebenso deutlich zum Vorschein wie die Bilanzzahlen der Tabelle 3. Anhand der Einzelergebnisse in Tabelle 5 und Abbildung 3 lassen sich wie im Vorjahr auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gebirgsregionen leicht erkennen: nur auf der Alpennordseite ist noch etwas mehr als die Hälfte der beobachteten Gletscher weiter vorgestossen. Auf der Alpensüdseite ist der Anteil der vorstossenden Gletscher auf einen Fünftel der Stichprobe zurückgegangen. Der einzige Gletscher, der im schwach vergletscherten inneralpinen Einzugsgebiet des Rheins an Länge zugenommen hat, ist nicht durch das Vorrücken des Eises, sondern durch angelagerten Lawinenschnee verlängert worden. In den stärker vergletscherten inneralpinen Gebieten des Wallis und des Engadins ist die Stichprobe mit etwas weniger vorstossenden als schwindenden Gletschern wiederum ähnlich aufgeteilt wie im Gesamtgebiet der Schweizer Alpen.

Im Berichtsjahr sind vorwiegend Gletscher vorgestossen, bei denen ein Vorstoss bereits Bilder 6 bis 9: Vorstoss des Rossbodengletschers 6 Ansicht vom 4. August 1983. Über die rund 1500 Meter hohe, durch eine Karnische gestufte Nordflanke des Fletschhorns ( 3993 m ü.M. ) fliesst und stürzt der fast 4 Kilometer lange Rossbodengletscher zur gleichnamigen Alp, wo er mit deutlichem Gefällsknick rechtwinklig nach Osten umbiegt. Seine meterdick mit grobblockigem Gesteinsschutt beladene, von mächtigen Moränenwällen umgrenzte Zunge endet heute wenig oberhalb der lokal tiefliegenden Waldgrenze, in einer Meereshöhe von 1950 Metern. Bei den Maximalständen im 17. bis 19. Jahrhundert erreichte sie rund 300 Meter tiefer, am untern Bildrand, knapp den Rand des Talgrundes.

seit Jahren oder gar Jahrzehnten im Gang ist. Einige sind trotz stärkerer Abschmelzung um eine längere Strecke vorgerückt als in den Vorjahren, was auf eine Beschleunigung der Bewegungsgeschwindigkeit des Eises schliessen lässt, die in einzelnen Fällen in Form von Zungenrutschungen aufgetreten ist. Bewegungsmessungen auf verschiedenen Gletschern haben bestätigt, dass die in den Vorjahren festgestellte Beschleunigung der Gletscherbewegung im Berichtsjahr angedauert oder nur wenig nachgelassen hat.

In den vorangehenden Gletscherberichten haben wir verschiedene Vorstossmechanis-men im Bild dargestellt. Die Photos des vorliegenden Berichts zeigen das Vorrücken des Bifertengletschers über eine Wasserfassung der Kraftwerke Linth-Limmern und den Vorstoss des Rossbodengletschers, der sich gewissermassen unterirdisch vollzieht, indem der meterdick mit Gesteinsschutt überdeckte vordere Teil der Zunge durch einen aus dem rückwärtigen Teil vorrückenden Eiswulst reaktiviert wird. Eine Dickenzunahme der rückwärtigen Zungenteile ist auch bei andern Gletschern, beispielsweise beim Fiescher und beim Gorner, beobachtet worden. Beim Fiescher hat die Aufwölbungszone die Talverengung hinter dem Felsrücken des Titers erreicht, so dass in absehbarer Zeit auch bei einem der grössten Gletscher der Schweizer Alpen ein Vorstossen des Zungenendes zu erwarten ist.

7 Im Bereich des Gefällsknicks 8 an der Zungenumbiegung, 9 in etwa 2300 Metern Meereshöhe, hat sich - vermutlich zwischen 1965 und 1970 - das Eis zu einem Wulst aufgestaut, dessen steile, radial zerspaltene Front sich seither um jährlich 30 bis 50 Meter vorschiebt. Bild 7, vom Kamm der nördlichen Seitenmoräne gegen die Sengkuppe ( 3606 m ü. M. ) aufgenommen, zeigt den Stand am 21. August 1982, die Vergleichsaufnahme, Bild 8, den Stand am 4. August 1983.

Blick von der nördlichen Seitenmoräne talwärts auf das Zungenende, am 4. August 1983. Infolge der abschirmenden Wirkung der talwärts an Mächtigkeit zunehmenden Moränendecke schmilzt auf dem Rossboden - im Gegensatz zu schuttarmen Gletschern -in den tiefergelegenen Teilen der Zunge weniger Eis als in den höhergelegenen. Dies führt in langdauernden Schwundperioden zu einem raschen Ausdünnen und damit zu einer Verminderung der Aktivität des Gletschers in einem verhältnismässig grossen Bereich der Zunge.

Die Zunge des Rossbodengletschers ist in der Schwundperiode zwischen den Vorstossen um 1920 und um 1980 bis gegen den Gefällsknick hinauf eingesunken und weitgehend inaktiv geworden. Auf der Moränendecke haben sich stellenweise Pionierpflanzen, Gräser und bereits auch die ersten Lärchen angesiedelt. Nun sind durch den Schub des Eiswulstes die unterliegenden Teile der Zunge gestaucht und reaktiviert worden, das Zungenende hat vorzustossen begonnen. An den Stauchwülsten bricht die Schuttdecke zusehends auf, wobei die helle graue Farbe des unverwitterten Gesteins zum Vorschein kommt und der Pflanzenbewuchs überschüttet wird oder im Schutt versinkt.

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