Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1983/84

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Auszug aus dem 105. Bericht der Gletscherkommission der Seh weizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( GK/SNG ).

Markus Aellen, GK/SNG und Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie ( VAW ) an der ETH Zürich.

Witterungs- und Schneeverhältnisse im Jahr 1983/84 Die Beschreibung der klimatischen Verhältnisse stützt sich auf verschiedene Quellen ( siehe Fussnote 1 ). Der Witterungsverlauf vom September 1983 bis Oktober 1984 ist in den Abbildungen 1 ad auf den Seiten 206 bis 209 graphisch dargestellt durch die Tagesmittel der Lufttemperatur an den Stationen Zürich SMA, Locarno-Monti und Jungfraujoch, durch die tägliche Höhenlage der Nullgradisotherme um 13 Uhr über Payerne und durch die täglichen Niederschlagsmengen von Zürich SMA, Locarno-Monti, Säntis und Sitten. Die Abweichungen der Tagestemperaturen von den eingezeichneten langjährigen Mittelwerten ( beachte Fussnote 2 ) charakterisieren das Berichtsjahr.

Einleitung Die jährlichen Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen werden seit 1880 durch regelmässig wiederholte Beobachtungen und Messungen an zahlreichen Gletscherzungen systematisch erfasst. Gegenwärtig umfasst das Beobachtungsnetz der GK/SNG 120 Gletscher, an denen die Längenänderung in der Regel jährlich, in einigen Fällen in mehrjährigen Intervallen bestimmt wird. Die VAW organisiert und bearbeitet die Messungen, die durch 9 kantonale Forstdienste an 82 Gletschern, durch 7 private Mitarbeiter an 15 Gletschern, durch 2 Kraftwerkgesellschaften an 4 Gletschern, durch das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( EISLF ) an 1 Gletscher und durch Mitarbeiter der VAW an 18 Gletschern ausgeführt werden. Die Messungen am Boden werden ergänzt durch zahlreiche Vermessungsflüge, die durch das Bundesamt für Landestopographie ( L+t ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( V+D ) jährlich oder in mehrjährigem Turnus wiederholt werden. Die zusätzlich zu den Zungenmessungen durchgeführten Untersuchungen über die jährliche Änderung der Gesamtmasse der Gletscher Aletsch, Gries ( Aegina ), Silvretta, Plattalva und Silvretta gehören zum langfristigen Forschungsprogramm der VAW. Die Angaben über den Massenhaushalt im Talbereich der Aaregletscher verdanken wir den Kraftwerken Oberhasli.

Tabelle 1 Summe der positiven Tagesmittel der Lufttemperatur von Mai bis September der Jahre 1982 bis 19841 Station Höhe m ü. M. in Metern Temper; 1982 jtursumme in Grad Celsius 1983 1984 a ) Messstationen Gütsch2 2287 998 1040 669 Säntis2 2490 782 813 478 Weissfluhjoch2 2690 710 707 364 Jungfraujoch ( Sphinx)2 3580 98 143 43 Payerne ( 700 mb)3 3100 347 415 221 München ( 700 mb)3 3100 315 366 160 Mailand ( 700 mb)3 3100 518 564 369 b ) Extrapolationen für Firngebiete Clariden43 2700 643 731 393 Clariden4a 2900 482 579 284 Silvretta4b 2750 646 650 329 Jungfraufirn ( P3)4C 3350 187 220 92 1 Berechnet und zusammengestellt durch B. Nedela und M. Aellen, vaw.

2 Automatisch registrierende Station. Die Werte sind mit jenen der Jahre vor 1981 ( Säntis vor 1978 ) nur näherungsweise vergleichbar.

3 Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre durch Radiosondierungen. Durch G. Gensler, sma, berechnete Werte, gemittelt aus den Ergebnissen im Niveau 700 Millibar ( etwa 3100 m ü. M. ) der Sondenaufstiege um 0 und um 12 Uhr Weltzeit.

4 Schätzwerte, berechnet aus den Messwerten der Stationen: a Gütsch b Weissfluhjoch c Jungfraujoch Dem überaus warmen Sommer 1983 folgte nach einem mehrtägigen Kälteeinbruch, mit Schneefall bis unter die Waldgrenze am 12. September, erneut eine sehr warme Periode, in der die Abschmelzung an den Gletschern kräftig weiterzehrte. In der Kälteperiode vom 11. bis 17. Oktober fiel Schnee bis in höhere Tallagen. Dabei sank der Abfluss aus vergletscherten Einzugsgebieten unter normale Werte. Auch während der anschliessenDie Klimadaten des Berichtsjahrs sind im täglichen ( Wetterbericht ), im monatlichen , im Quartalsheft ( Ergebnisse der täglichen Niederschlagsmessungen ) und im Jahrbuch der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt ( sma ) zu finden. Aus den langjährigen Messreihen ermittelte Vergleichswerte dazu sind in den Heften ( Klimatologie der Schweiz ) ( Beihefte zu den Annalen ) enthalten. Die Abflussdaten sind dem ( Hydrologischen Jahrbuch ) der Landeshydrologie im Bundesamt für Umweltschutz entnommen. Die Daten über die Schneedecke in Tabelle 4 wurden am gemeinsamen Netz des ElSLF und der vaw wie auch an den Stationen Gütsch und Säntis der sma gemessen. Den Bericht über ( Schnee und Lawinen im Winter 1983/84 hat S. Gliott ( eislf ) verfasst.

2 Für die Stationen Zürich sma, Locarno-Monti und Jungfraujoch, die zum automatischen Beobaehtungsnetz ( anetz ) der sma gehören, sind die Temperaturmittelwerte der Referenzperioden 1901/60 ( Zürich, Locamo ) und 1938/60 ( Jungfraujoch ) den veränderten Messbedingungen angepasst worden.

den Folge von 37 Tagen ohne nennenswerten Niederschlag in der ganzen Schweiz ging er stetig weiter zurück, obwohl es in den Berggebieten ungewöhnlich warm und sonnig war. Die Monatssumme des Niederschlags blieb im Oktober überall um mehr als 10 Prozent, in der Südschweiz, in grösseren Teilen Graubündens und im Oberwallis, namentlich in den Vispertälern, sogar um 50 bis 80 Prozent unter dem Normalwert. Im November fielen erst in den letzten 6 Tagen des Monats ergiebige Niederschläge, die manchenorts die normale Monatsmenge erreichten oder übertrafen. Beträchtliche Überschüsse erhielten die Zentralschweiz sowie die Berner, Walliser und Waadtländer Alpen. Auf der Alpensüdseite dagegen war es erneut sehr trocken, deutlich zu trocken auch im Oberengadin, im Rheinwaldgebiet und in der Region Basel. Nach den Schneefällen, die am Monatsende gebietsweise die Niederungen erreichten, blieb das Alpengebiet oberhalb rund 1000 Metern Meereshöhe dauernd eingeschneit ( vergleiche Tabelle 4 ). Bei nahezu gleichzeitigem Beginn in allen Regionen und Höhenlagen der 190Tabelle 2 Lageänderung der Gletscherenden 1981/82 bis 1983/84 Zusammenfassung Klassen Anzahl Gletscher und Presentante 1981/82 Anzahl Prozent )il der Klassen 1982/83 Anzahl Prozent 1983/84 Anzahl Prozent Beobachtungsnetz 120 120 120 nicht beobachtet 9 9 251 beobachtet m 111 95 nicht klassiert 2 2 102 Stichprobe 109 100.0 109 100.0 85 100.0 im Vorstoss 45 41.3 46 42.2 533 62.3 stationär 6 5.5 6 5.5 54 5.9 im Rückzug 58 53.2 57 52.3 275 31.8 Mittlere Längenänderung -0.37 Meter -1.58 Meter + 2.49 Meter Anzahl Werte 83 96 746 Klassierung: Den verschiedenen Klassen sind im Berichtsjahr folgende, durch ihre Nummer aus Tabelle 5 bezeichnete Gletscher zugeordnet:

1 89 12 14 21 29 30 32 3435 36 46 66 67 75 76 80 103 108 110 115 116 117 118 120.

2 33 49 72 74 81 82 85 91 101 113.

3 2 34 7 10 13 16 17 18 19 20 22 24 25 26 27 28 37 38 40 41 42 43 44 45 50 53 54 56 59 60 61 63 64 68 69 70 71 73 78 79 87 89 90 93 99 100 104 105 107 109 112 114.

4 23 52 55 57 111.

5 1 56 11 1531 39474851 58 62 65 77 83 84 86 88 92 94 95 96 97 98 102 106 119.

6 Für die Berechnung der mittleren Längenänderung sind die Ergebnisse von 11 Gletschern nicht berücksichtigt worden aus folgenden Gründen:

-durch künstlichen See beeinflusst: 50.

-Wert für 3 Jahre: 100.

-keine oder ungenaue Zahlenangabe: 13 55 56 58 64 99 106 107 112.

Schweizer Alpen traf der Winter auf den Höhenstationen mit extrem grosser Verspätung ein. Weissfluhjoch z.B. ist seit Messbeginn im Jahre 1936 nie so spät eingeschneit worden. Im Gegensatz zu den Vormonaten brachte der Dezember, der in der ersten Monatshälfte mehrheitlich zu kalt, in der zweiten überall ausserordentlich warm war, stark überdurchschnittliche Niederschlagsmengen in der Südschweiz, unterdurchschnittliche auf der Alpennordseite und im östlichen Mittelland. In den trüben und niederschlagsreichen ersten zwei Monaten des Jahres 1984 herrschte in den Hochalpen zeitweise strenge Kälte, von der die Niederungen nur zum Teil betroffen waren. Die häufig auftretende Westströmung führte im Januar zu einem starken Nordwest-Südost-Gefälle des Niederschlags, der in der Westschweiz und im Jura sehr gross, in der Südschweiz und im Engadin dagegen sehr klein war. Im Februar erhielten die Südschweiz und das Engadin sowie grosse Teile des Mittellandes und der Voralpen mit annä- hernd normalen Monatsmengen wesentlich weniger Niederschlag als der Jura und die Alpen. Sehr grosse Mengen erhielten vor allem die Walliser Alpen, das Gotthard- und Alpsteingebiet sowie Rheinbünden, wo der Normalwert an manchen Orten um 100 bis 200 Prozent übertroffen wurde.Vom 6. bis 9. Februar kam es in den Alpen durch Zuwachs um 1 bis 2 Meter Neuschnee bei stürmischen Winden aus West bis Nord zu folgenschweren Lawinenniedergängen.

Die mehrheitlich zu kalte Witterung des März, die ausserhalb des Tessins, wo normale Niederschlagsmengen fielen, auch zu trocken und ziemlich sonnig war, dauerte im April bis zur Monatsmitte an. Die zweite Aprilhälfte war meistenorts extrem trocken, so dass die normale Niederschlagsmenge dieses Monats im ganzen Land bei weitem nicht erreicht wurde. Nach ausserordentlich warmen und sonnigen Tagen in der letzten Aprildekade setzte am Monatsende eine ungewöhnlich kalte und sehr sonnenarme Periode ein, die sich über den ganzen Maimonat und die erste Juniwoche hinzog. Die Lufttemperatur blieb im Mai überall deutlich unter dem langjährigen Mittel: durchschnittlich um 2,5 Grad auf der Alpen- Tabelle 3 Jährliche Massenänderung einiger Gletscher, von 1981/82 bis 1983/84 Gletscher Haushaltsperiode vom bis Gletscherfläche km2 Massenänderung gesamt1 10s m3 spezifisch2 kg/m!

Gleichgewichtslinie m ü. M.

Gries 24.9.81 23.9.82 6.3213a - 6.176 - 879 3030 23.9.82 23.9.83 6.3203b - 3.862 - 550 3000 23.9.83 27.9.84 6.32230 - 0.023 - 3 2865 Aletsch 1.10.81 30.9.82 128.114a + 49.27 + 346 29495 1.10.82 30.9.83 127.864b + 21.22 + 149 29545 1.10.83 30.9.84 127.7440 + 111.266 + 7846 28705 Limmern 1.9.81 30.8.82 2.527 - 1.820 - 649 2860 30.8.82 31.8.83 2.527 - 2.252 - 803 2950 31.8.83 1.9.84 2.527 - 0.933 - 333 2820 Plattalva 1.9.81 30.8.82 0.867 - 0.235 - 246 2870 30.8.82 31.8.83 0.867 - 0.524 - 549 2940 31.8.83 1.9.84 0.867 + 0.070 + 74 2770 Silvretta 12.9.81 11.9.82 3.158 - 0.737 - 211 2790 11.9.82 10.9.83 3.158 - 1.915 - 547 2905 10.9.83 12.9.84 3.158 + 0.982 + 281 2690 1 Gesamter Zuwachs oder Abtrag, berechnet als Eisvolumen mit einer mittleren Dichte von 0,9 g/cm3, für Aletsch aus der hydrologischen Bilanz des Einzugsgebiets Massa/Blatten bei Naters abgeleitet, für die übrigen Gletscher aus Zonen gleicher Massenänderung ermittelt.

2 Gleichmässig über den Gletscher verteilter Zuwachs oder Abtrag. Der Eismenge 1 kg/m2 entspricht eine Wassersäule von 1 Millimeter Höhe.

3 Geschätzte Fläche füra 1.10.1982, b 27.9.1983,c 26.9.1984.

4 Geschätzte Fläche für3 30.8.1982, b 21.9.1983,c 9.10.1984.

5 Aus den Pegelmessungen auf dem Jungfraufirn interpolierte Werte.

6 Vorläufige Werte.

7 Fläche am 15.9.1977.

8 Fläche am 12.9.1973.

nordseite und in der Ostschweiz, um 3,5 Grad in der Westschweiz und im Wallis, um 3,5 bis 4,5 Grad im Tessin, wo seit Beginn der Messungen im Jahre 1864 kein so kalter Mai verzeichnet worden war. Dieser viel zu kalte Frühlingsmonat brachte dem Tessin sehr grosse, den meisten übrigen Landesteilen normale bis überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Etwas zu trocken waren grosse Teile der Zen-tral- und Ostschweiz sowie kleinere Gebiete im Berner Oberland, im Wallis und im westlichen Teil des Genferseebeckens. Mit den starken Niederschlägen der ersten Juniwoche, die wie die Mainiederschläge in den höheren Lagen noch als Schnee fielen und den Gletschern einen erheblichen Massenzuwachs eintrugen, ging die Akkumulationsperiode des glaziologischen Haushaltsjahrs 1983/84 um den 6. Juni zu Ende.

Mit zunehmender Erwärmung während der meistenorts niederschlagsfreien zweiten Junidekade setzte die Schneeschmelze auch in den Hochalpen ein, wo sie jedoch bis zur Hitzeperiode der zweiten Juliwoche vorerst nur zögernd vonstatten ging. Zahlreiche Kaltlufteinbrüche dämpften die sommerliche Erwärmung im Juni und Juli, wobei z.T. abrupte Wechsel der Luftmassen mit sprunghaften Änderungen der Temperaturtagesmittel bis 15 Grad auftraten. Nach fünf zu kalten Monaten näherte sich die Durchschnittstemperatur im Juni in den Niederungen erstmals wieder dem Normalwert, in den Berggebieten blieb sie noch merklich darunter. Im Juli war es im Südtessin deutlich zu warm, in den Hochlagen 192 Tabelle 4 Daten über die Schneedecke im Winter 1983/84 Station Höhe m ü. M.

Periode mit permanenter Schneedecke erster letzter Dauer Tag Tag Tage Gröss Betra cm ;te Schneehöhe g Messdatum Grösster Wasserwert der Schneedecke Betrag Messdatum mm Leysin 1250 28.11.

24.4.

149 142 4.3.

377 14.3.

Grindelwald Bort 1570 28.11.

4.5.

159 200 10.2.

454 15.+ 31.3.

Murren 1670 28.11.

2.5.

157 175 9.2.

386 1.4.

Grimsel 1970 25.11.

22.6.

211 318 8.2.

Stoos 1280 27.12.

8.5.

134 150 4.3.

385 2.4.

Andermatt 1440 28.11.

17.5.

172 217 10.2.

654 15.4.

Trübsee 1800 28.11.

23.6.

209 273 3.4.

986* 15.4.

Gütsch 2287 25.11.

6.7.

225 385 12.2.

Schwägalp 1290 28.11.

15.5.

170 202 12.2.

610 1.4.

Braunwald 1340 28.11.

20.5.

175 220 10.2.

694 1.4.

Malbun 1610 28.11.

15.5.

170 165 10.2.

578 14.4.

Säntis 2500 25.11.

6.8.

256 535 10.12.3.

Ulrichen 1350 27.11.

2.5.

158 10.2.

559 10.4.

Montana 1500 27.11.

1.5.

157 218 10.2.

503 2.4.

Zermatt 1620 28.11.

25.4.

150 112 9.2.

243 30.3.

Bourg-St-Pierre 1670 4.1.

25.4.

113 145 10./11.2.

340 16.2.

Mauvoisin 1800 28.11.

31.5.

186 216 10.2.

657 15.4.

Klosters EW 1200 28.11.

10.5.

165 180 12.2.

439 16.4.

Davos Flüelastrasse 1560 28.11.

7.5.

162 138 9.2.

396 16.4.

Zervreila 1735 28.11.

25.5.

180 158 6.4.

504 15.4.

Arosa 1818 28.11.

25.5.

180 176 10.2.

534 31.3.

Weissfluhjoch 2540 25.11.

19.7.

238 246 3.4.

878 1.6.

Ftan 1710 28.11.

2.5.

157 132 10.2.

284 29.2.

La Drossa 1710 27.11.

7.5.

164 119 30.3.

279 2.4.

Samedan 1710 28.11.

28.4.

153 95 3.4.

Pontresina 1840 28.11.

27.4.

152 96 3.4.

Bernina Diavolezza 2090 27.11.

6.6.

193 162 3.4.

Ambri 980 13.12.

14.4.

124 102 27.2.1.3.

Bosco Gurin 1490 27.11.

24.5.

180 205 27.2. + 6.4.

San Bernardino Dorf 1630 27.11.

6.6.

193 202 6.4.

465 16.4.

Simplon Hospiz 2000 28.11.

155 27.2.

Poschiavo 1010 17.12.

12.3.

87 25 17.+ 19.2.

Santa Maria 1400 28:11.

24.4.

149 92 26.3.

193 2.4.

Maloja 1800 27.11.

31.5.

187 191 6.4.

491 16.4.

:'ohne Eisschicht an der Basis: 806 mm.

Tabelle 5 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1983/84 Nr. a ) Gletscher Kt. b ) Längenänderun in Metern 1982/83 c ) g 1983/84 c ) Höhe m ü. M.

1984 d ) Messdatum Tag, Monat 1982 1983 1984 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1 Rhone vs - 0.7 - 1.5 2125 21. 8.

14. 9.

30. 8 2 Mutt vs + 11.0 + 18 2583 22. 8.

19. 8.

30. 8.

3« Gries ( Aegina ) vs - 2.1 + 6.0 2384 1.10.

27. 9.

26. 9.

4e Fiescher vs - 10.0 + 3.7 1663.9 9.10.

22. 9.

7.10.

5« Grosser Aletsch vs - 95 - 46.3 1542.3 30. 8.

21. 9.

9.10.

106e Mittelaletsch vs - 12.6 — X — 5.11.

21. 9.

17.10.

6 Oberaletsch vs - 7.7 - 5.7 2139.2 2.10.

6.11.

8.10.

7« Kaltwasser vs - 0.52a + 1.7 2640 1.11.

22. 9.

28. 9.

8 Tälliboden vs + 10.5 n — 29. 9.

30. 9.

n 9 Ofental vs - 25.3 n — 29. 9.

30. 9.

n 10« Schwarzberg vs + 3.6 + 2.7 2644.2 1.10.

28. 9.

1.10.

11« Allalin vs + 1.4 - 59.1 2184.283 28.10.

7.10.

16.10.

12 Kessjen vs - 1.0 n — 28. 9.

27. 9.

n 13« Fee ( Nordzunge ) vs + 49.6 + 40 ca.

1938.083 4.11.

11.10.

17.10.

14 Gorner vs - 93.25a n — 13. 9.

7.10.

n 15 Zmutt vs + 1 - 6 2242 15. 9.

18. 8.

29. 8.

16« Findelen vs + 18.0 + 16.1 2482.183 22.10.

7.10.

29.10.

107« Bis vs + X + X 2000 ca.

29. 9.

19. 9.

16.10.

17« Ried vs - 7.5 + 1.3 2051.3 2.10.

1.10.

29. 9.

18« Lang vs + 16 + 13 2025 17. 9.

27. 9.

26. 9.

19« Turtmann ( West ) vs + 18.5 + 18.2 2260 24. 9.

12.10.

12.10.

20 e Brunegg ( Turtm. Ost ) vs + 12 + 48.7 2443 24. 9.

12.10.

12.10.

21 Bella Tola vs - 3.0 n — 14. 9.

28. 9.

n 22 Zinal vs - 40.3 + 22.7 2030 1.10.

2.10.

18. 9.

23« Morning vs + 7.5 + 0.7 2370 1.10.

2.10.

18. 9.

24 Moiry vs - 7.2 + 9 — 25. 9.

28. 9.

21.10.

25 e Ferpècle vs + 21 + 15 — 26. 9.

15.10.

16.10.

26 Mont Miné vs + 1 + 5 1965 ca.

25. 9.

15.10.

15.10.

27 Arolla ( Mt.Collon ) vs + 10.6 + 7.6 — 25. 9.

15.10.

17.10.

28 Tsidjiore Nouve vs + 38 + 26 — 12.10.

15.10.

17.10.

29 Cheillon vs - 0.9 n — 3.10.

29. 9.

n 30 En Darrey vs + 7la n — 2.10.

24. 9.

n 31 Grand Désert vs - 18.7 - 1.8 280064 25. 9.

12.9.

32 Mont Fort ( Tortin ) vs - 1.4 n — 25. 9.

n 33« Tsanfleuron vs + 6 sn — 25. 9.

27. 9.

16.10.

34 Otemma vs - 35 n — 30. 9.

24. 9.

n 35 Mont Durand vs - 6 n — 29. 9.

25. 9.

n 36 Breney vs - 29 n — 29. 9.

24. 9.

n 37« Giétro vs + 8.7 + J.4 2480 ca.

20. 9.

23. 9.

17.10.

38« Corbassière vs + 14 + 7 2177 31. 8.

31. 8.

14. 9.

39 Valsorey vs - 17.0 -11.0 2395 18.10.

8. 9.

11. 9.

40 Tseudet vs + 20.0 + 2.0 2423 18.10.

8. 9.

11. 9.

41 e Boveyre vs + 10.0 + 2.0 2597.5 18.10.

8. 9.

11. 9.

42 Saleina vs + 14.0 + 8.0 1698 18.10.

8. 9.

12. 9.

108 Orny vs n n — 18. 8.

n n 43« Trient vs + 9 + 8 1755 21.10.

12. 8.

15.10.

44 e Paneyrosse VD - 7.7 + 22.4 — 25. 9.

29. 9.

3.11.

45 e Grand Plan Névé VD - 21.0 + 17.2 — 25. 9.

29. 9.

3.11.

Nr. a ) Gletscher Kt. b ) Längenände in Metern 1982/83 c )'.rung 1983/84 c ) Höhe m ü. M.

25.

9.

12. 9.

48« Prapio VD - 44.3 - 4.3 — 7.10.

25.

9.

7.10.

49« Pierredar VD sn sn — 9. 9.

15.

9.

17.10.

Einzugsgebiet der Aare ( la ) 50e Oberaar BE - 24.4 + 10.0 2301.0 11. 8.

15.

9.

17.10.

51e Unteraar BE - 26.6 - 17.9 1909.3 11. 8.

15.

9.

17.10.

52 Gauli BE - 12 0 2220 ca.

11.10.

30.

9.

16.10.

53« Stein BE + 40 + 20 1934 16. 9.

30.

9.

14.10.

54 Steinlimmi BE + 1 + 4.5 2092 16. 9.

30.

9.

14.10.

55« Trift ( Gadmen ) BE — X st — 9. 9.

19.

9.

28. 8.

56 e Rosenlaui BE - X + X — 30. 8.

23.

9.

17.10.

57« Oberer Grindelwald BE + 35.5 0 1225 ca.

11.10.

5.

11.

31.10.

58« Unterer Grindelwald BE - 65 ca — X 1085 ca.

9. 9.

15.

8.

20.10.

59« Eiger BE + 9.1 + 6.3 2115 16. 9.

29.

9.

20. 9.

60« Tschingel BE + 5.0 + 5.6 2265 17. 9.

30.

9.

21. 9.

61 Gamchi BE + 2.0 + 6.5 1990 2.10.

28.

9.

11.10.

109« Alpetli BE + 1.9 + 5.4 2250 17. 9.

15.

9.

16.10.

110 Lötschberg BE n n — n n n 62 e Schwarz VS - 2 - 3.6 2215 17. 9.

6.

9.

1.10.

63« Lämmern VS + 0.3 + 3.9 2520 17. 9.

7.

9.

2.10.

64 e Blümlisalp BE + 7 ca. + 5ca.

219780 2. 9.

18.

8.

17.10.

111e Ammerten BE - 2.6 - 0.5 2345 ca.

19. 9.

25.

9.

30. 9.

65« Rätzli BE - 21.7 - 3.5 237083 17. 9.

27.

9.

18.10.

112« Dungel BE n + X — n n 1. 9.

113« Gelten BE n sn — n n 1. 9.

Einzugsgebiet der Reuss ( Ib ) 66 Tiefen UR - 6.0 n 9. 9.

21.

9.

n 67 Sankt Anna UR - 4.4 n — 13. 9.

14.

9.

n 68 e Kehlen UR + 12.0 + 18.4 2080 15. 9.

21.

9.

19.10.

69« Rotfirn ( Nord ) UR + 10.2 + 2.0 2031 15. 9.

20.

9.

19.10 70« Damma UR + 32.0 + 14.5 204464 15. 9.

21.

9.

18.10.

71e Wallenbur UR + 13.0 + 11.0 2234 14. 9.

22. ,'27.9.

23.10.

72 e Brunni UR - 503a sn — n 27.

10.

16.10.

73« Hüfi UR + 14.0 + 6.0 1640 17. 9.

23.

9.

18.10.

74« Griess UR - 11.0 sn 2217 83 14. 9.

15.

9.

3.11.

75 Firnalpeli OW n n — 19. 9.

n I n 76 Griessen OW - 14.13 a n — n 29.

9.

n Einzugsgebiet der Linth/Limmat ( le 77« Biferten GL9 - 3.0 1896 3. 9.

5.

9.

22. 8.

78« Limmern GL + 2.8 + 6.7 — 26. 8.

25.

8.

27. 8.

114« Plattalva GL - 2.0 + 2.3 — 30. 8.

27.

8.

29. 8.

79« Sulz GL - 4.1 + 13.1 1788 29. 9.

10.

10.

25.10.

80 Glärnisch GL + 7 n — 20.10.

9.

9.

n 81e Pizol SG - 37.0 sn 255083 14. 9.

21.

9.

16.10.

Nr. a ) Gletscher Kt. b ) Längenänderung in Metern 1982/83 1983/84 e ) e ) Höhe m ü. M.

1984 ä ) Messdatum Tag, Monat 1982 198:

1984 Einzugsgebiet des Rheins ( Id ) 82e Lavaz GR - 30 sn 15. 9.

22.

9.

16.10.

83« Punteglias GR - 11 - 34 2350 1 .10.

30.

9.

13.10.

84« Lenta GR - 16.7 - 2.0 2290 30 .10.

29.

9.

22.10.

85« Vorab GR - 8.1 sn — 10. 9.

8.

9.

16.10.

86 e Paradies GR - 19.8 - 5.3 2391.3 23. 9.

7.

10.

28. 9.

87 e Su retta GR - 30.7 + 14.8 2206.5 9. 9.

14.

9.

13. 9.

115 Scaletta GR n n — n r n 88« Porchabella GR - 3.0 - 8.5 2636 17. 9.

20.

9.

17.10.

89« Verstankla GR + 6 + 2 2390 5. 9.

28.

8.

29. 8.

90 e Silvretta GR - 3.0 + 2.9 2429.283 13. 9.

14.

9.

16. 9.

91e Sardona SG - 3.3 sn 250083 9. 9.

20.

9.

16.10.

Einzugsgebiet des Inns ( V ) 92 e Roseg GR - 6.8 - 4.9 2175 21 .10.

24.

10.

29.10.

93 e Tschierva GR + 5.1 + 11.0 2140 21 .10.

24.

10.

29.10.

94« Morteratsch GR - 10 - 4.6 2000 18 .10.

13.

10.

5.10.

95 e Calderas GR - 10 - 3.6 2720 3 .11.

10.

10.

30.10.

96« Tiatscha GR - 5 - 8 2500 19. 9.

1.

10.

14.10.

97« Sesvenna GR - 2.8 - 1.9 2745 11. 9.

19.

8.

15. 9.

98« Lischana GR - 1.4 - 5.1 2800 18. 9.

7.

9.

1. 9.

Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99e Cambrena GR + 3.9 + X 20. 9.

18.

9.

27.10.

100« Palü GR n + 32.03a 2350 n r î 2.11.

101e Paradisino ( Campo ) GR + 11 sn — 9. 9.

25.

9.

30. 9.

102« Forno GR - 13.5 - 13 2225 20 .10.

19.

10.

10.10.

116 Albigna GR n n — n r î n Einzugsgebiet des Tessins ( III ) 120 Corno TI + 0.6 n 5. 8.

31.

8.

n 117 Valleggia TI - 10.53a n — 13. 9.

23.

8.

n 118 Val Torta TI sn n — 13. 9.

23.

8.

n 103 Bresciana TI + 21.0 n — 22. 9.

15.

9.

n 119« Cavagnoli TI - 3.5 - 9.5 2560 15. 9.

21.

9.

12. 9.

104« Basodino TI + 14 + 2.7 2520 14. 9.

20.

9.

12. 9.

105« Rossboden VS - 10.7 + 8.3 1950 21. 9.

26.

9.

14.11.

+ im Vorstoss st stationär — im Rückzug Allgemeine Bemerkungen In Tabelle 2 und in Abbildung 3 dieses Berichts sind die Gletscher mit ihrer Nummer aus dieser Tabelle bezeichnet. Liegt ein Gletscher auf dem Gebiet mehr als eines Kantons, ist der Kanton angegeben, in dem sich das beobachtete Zungenende befindet.

Gilt die Angabe für ein mehrjähriges Intervall, ist die Anzahl der Jahre folgenderweise angezeigt: —13.63a = Rückzug um 13.6 Meter in 3 Jahren.

Ist die Höhenkote des Gletscherendes oder des Gletschertors nicht im Berichtsjahr bestimmt worden, wird das Jahr der Messung folgenderweise angeben: 222080 = Meereshöhe 2220 Meter, gemessen im Jahre 1980.

Eine Bemerkung mit der Nummer dieses Gletschers wird im vollständigen 105. Bericht der Gletscherkommission enthalten sein.

ca. ungefährer Wert x Betrag nicht bestimmt? unsicheres Ergebnis sn eingeschneit n nicht beobachtet Mittelbündens etwas zu kalt. In den übrigen Gebieten ergab der mehrmalige Wechsel von heissen und kühlen Tagen eine normale Monatstemperatur. Der August brachte der Alpennordseite einen erheblichen Wärmeüberschuss, im Nordtessin wie auch in den mittleren und höheren Lagen des Wallis und Graubündens dagegen war er kühler als gewöhnlich. In den mehrheitlich ziemlich sonnigen und ausgesprochen trockenen Monaten Juni bis August erhielten nur wenige Gebiete normale oder überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Im Juni, der allgemein deutlich, im Tessin und Misox etwas zu trocken war, lagen solche Ausnahmegebiete im Wallis und am östlichen Alpennordhang. Im Juli verbreitete und verstärkte sich der Niederschlagsmangel, bis er auf der Alpennordseite durch heftige, z.T. von schweren Hagelschlä-gen begleitete Gewitterregen, die an manchen Orten auch grosse Hochwasserschäden verursachten, am 25. und 26. des Monats etwas vermindert wurde. Im Berner Oberland, in den zentralen und östlichen Voralpen sowie im Bodenseegebiet wurde er stark vermindert, stellenweise sogar ausgeglichen. Ebenso kamen im August normale Niederschlagswerte im Süd- und Westtessin, im Oberwallis wie auch in einigen Regionen des Berner Oberlandes, der Zentral- und der Ostschweiz hauptsächlich durch ergiebige Gewitterregen am 10. d. M. zustande.Von den Berggebieten blieben vor allem das Engadin sowie Süd- und Mittelbünden in allen drei Monaten deutlich bis viel zu trocken.

Im ausserordentlich niederschlagsreichen September erreichte das Temperaturmittel nur in den Niederungen der Alpennordseite den Normalwert. In den übrigen Gebieten blieb es erheblich ( bis 2 Grad ) darunter. Alle Landesteile erhielten deutlich bis stark überdurchschnittliche, einzelne Orte sogar extrem grosse Niederschlagsmengen, die grossenteils während der Tiefdrucklage vom 3. bis 7. September fielen. In diesen Tagen löste der Durchgang eines Kaltlufttropfens, der sich von Nordwest- nach Mitteleuropa verschob, im ganzen Land zunächst zahlreiche Gewitter und anschliessend, am 5. und 6. September, bei gleichzeitiger starker Abkühlung enorm grosse Niederschläge mit Schneefall bis in die Niederungen des bündnerischen Rheintals aus. In den Niederungen nördlich der Alpen war dies der früheste seit 1864 verzeichnete Herbstschneefall. An zahlreichen Stationen in- nerhalb eines 40 bis 70 Kilometer breiten und etwa 160 Kilometer langen Gebietsstreifens, der sich vom Appenzellerland zum Monte Ceneri erstreckte, wurden bei diesem Ereignis Tagesniederschläge über 100 Millimeter, an einzelnen Orten ( z.B. Biasca mit 245 mm ) die höchsten Tageswerte dieses Jahrhunderts gemessen. Der ergiebige Schneefall brachte den Hochalpen und namentlich den Gletschern grossenteils bereits die bleibende Schneedecke des Winters 1984/85, die im Laufe des Monats und in der ersten Oktoberwoche durch weitere Schneefälle vermehrt wurde. Während der anschliessenden mehrwöchigen Periode mit vorwiegend sonnigem und mildem Wetter bis Mitte November aperten Gletscherzungen und Schattenhänge in tieferen, Sonnenhänge auch in mittleren bis höheren Lagen wieder aus. In diesen Gebieten stellte sich der Winter stufenweise in zeitlich weit auseinanderliegenden Schritten wieder ein. Höhere bis mittlere Lagen wurden grossenteils in der Niederschlagsperiode vom 14. bis 26. November, in der einzelne Schneefälle die Niederungen der Alpensüdseite erreichten, dauernd eingeschneit. Im übrigen Berggebiet bildete sich die bleibende Schneedecke in der zweiten Dezemberhälfte, in den Niederungen beidseits der Alpen erst zu Beginn des Jahres 1985.

In Abbildung 2 sind die Niederschlagssummen von Oktober 1983 bis September 1984 und die durchschnittliche Lufttemperatur von Mai bis September 1984 zusammenfassend dargestellt durch die regionale Verteilung ihrer Abweichungen vom Normalwert. Die Darstellung stützt sich auf die Angaben der SMA für die ausgewählten, durch Punkte eingezeichneten 111 Stationen des Niederschlagsmessnetzes ( Abbildung 2a ) und 53 Stationen des automatischen Messnetzes ( Abbildung 2 b ). Die Werte des Berichtsjahres sind wie in den Vorjahren nach statistischen Regeln klassiert in normale, stark oder sehr stark vom Vergleichswert abweichende Werte. Normale Werte treten mit geringer positiver oder negativer Abweichung vom Vergleichswert durchschnittlich je einmal in 4 Jahren auf. Sie sind der Klasse zugeordnet und finden sich in den entsprechend bezeichneten Feldern der Abbildung. Die stark abweichenden Werte der Klassen +1 und —1 kommen im Durchschnitt einmal in 4 bis 12 Jahren vor, die sehr stark abweichenden Werte der Klassen +2 und —2 seltener als einmal in 12 Jahren. In Abbildung 2a ist eine ausgedehnte Zone normalen Jahresniederschlags zu erkennen, die sich über den grössten Teil der südlichen, zentralen und östlichen Schweizer Alpen erstreckt und weitgehend auch das Mittelland umfasst.

Deutlich zu trocken war das Berichtsjahr im Oberengadin, in Südbünden und im Südtessin, erheblich zu nass in den übrigen Landesteilen mit sehr niederschlagsreichen Gebieten in den Waadtländer und westlichen Berner Alpen wie auch im Nordjura. Abbildung 2b zeigt, dass die Durchschnittstemperatur des Sommers 1984 nördlich der Alpen und im Unterwallis nur in den Niederungen, östlich des Inns und im Bergell auch im Berggebiet in der Nähe des Normalwerts, in den übrigen Gebieten deutlich darunter lag. Besonders kalt war es in den Hochlagen der Zentralschweiz, gebietsweise auch in den Walliser- und Bündner Alpen.

Den folgenden Bericht über ( Schnee und Lawinen im Winter 1983/84> verdanken wir S. Gliott ( EISLF ): ( Drei Merkmale prägen den Winter 1983/84: spätes Einschneien, Grossschneefälle in der ersten Februardekade und grosse regionale wie auch zeitliche Unterschiede im Aufbau der Schneedecke.

Dem sehr späten und ausserhalb der Tessiner Berge auch zögernden Einschneien folgten weitere Wochen mit geringem Schneezuwachs. Bis Ende Januar blieben die Schneehöhen wesentlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Innert weniger Tage der ersten Februardekade wurden in einem ausgedehnten Gebiet, das sich von den Waadtländer Alpen über das Gotthardgebiet bis Samnaun erstreckte, ausserordentlich grosse Neuschneemengen abgelagert. Die Messstation Meien z.B. erhielt innert 5 Tagen eine Neuschneesumme von 175 Zentimetern, wodurch die Mächtigkeit der Schneedecke von 110 auf 280 Zentimeter anstieg. In dieser Zeit erreichte die Schneehöhe auf vielen Stationen einen Wert, der zu den 10 grössten der letzten 30 Jahre gehört. Auf 14 Stationen wurde eine maximale Schneehöhe gemessen, die den Berichtswinter unter die 5 schneereichsten der letzten 25 Jahre einreiht.

Nach dem Grossschneefall im Februar setzte sich die Schneedecke, bis die Niederschläge der ersten Aprilhälfte erneuten Zuwachs brachten. Die warme und niederschlagsfreie Witterung der zweiten Aprilhälfte bewirkte einen raschen Abbau der Schneedecke vor allem in den tieferen Lagen, die anfangs Mai ausaperten. Oberhalb rund 2000 Metern Meereshöhe wurde der weitere Abbau der Schneedecke durch neue Schneefälle und tiefe Temperaturen während der folgenden Wochen erheblich verzögert.

Die Entwicklung im Aufbau der Schneedecke nahm in den einzelnen Regionen einen ungewöhnlichen, aufgrund der Verhältnisse am Winteranfang nicht ohne weiteres erwar- teten Verlauf. Obwohl der bleibende Schnee überall auf gefrorenen Boden zu liegen kam, entstand ein solider Schneedeckenaufbau nur in höheren Lagen des Alpensüdhangs, wo zu Beginn des Winters grössere Schneemengen gefallen waren. Auf der Nordabdachung der Alpen, im nördlichen Wallis sowie in Nord-und Mittelbünden behielt die wenig mächtige Schneedecke ein lockeres Gefüge und wandelte sich während einer niederschlagsarmen Periode teilweise um zu Schwimmschnee. Erst die späteren Schneefälle führten zu einer besseren Verfestigung. Vor allem die Grossschneefälle im Februar bewirkten an den Orten, wo der Neuschnee nicht als Lawine abgeglitten war, eine überdurchschnittlich gute Stabilisierung der Gesamtschneedecke. Demzufolge ergab sich für den Skifahrer eine geringe Lawinengefahr in den Frühlingsmonaten.

Im südlichen Wallis und im Engadin, wo anfangs des Winters in tieferen und mittleren Höhenzonen wenig Schnee lag, wandelte sich die gesamte Schneedecke rasch zu locker gefügtem, kohäsionsarmem Schwimmschnee um. Oberhalb rund 2500 Metern Meereshöhe entwickelte sich bei wesentlich grösseren Neuschneemengen am Winteranfang und ergiebigen späteren Schneefällen mit der Zeit eine gut verfestigte Schneedecke. In diesem Gebiet nahm die anfänglich grosse allgemeine Lawinengefahr für den Skifahrer im Laufe des Winters fortwährend ab.

Lawinenniedergänge mit grossen Schadenfolgen ereigneten sich hauptsächlich während der Grossschneefälle im Februar. Am stärksten betroffen war das Gebiet von Ormont-Dessus in den Waadtländer Alpen, wo zahlreiche Lawinen in kurzer Zeit rund 100 Gebäude zerstörten oder beschädigten und viel Wald vernichteten. Zahlreiche weitere Schadenlawinen gingen in dieser Zeit vor allem im Meiental, im Bündner Oberland und Samnaun, aber auch in der oberen Leventina sowie in einigen Gebieten der Kantone Wallis und Sankt Gallen nieder. In den Tagen vom 7. bis 11. Februar 1984 haben die Lawinen in den Schweizer Alpen 12 Menschen in den Tod gerissen, 433 Gebäude zerstört oder beschädigt und in den Gebirgswäldern mehr als 42000 Kubikmeter Holz geworfen. In den übrigen Lawinen des Winters 1983/84 sind 29 Menschen gestorben, die als Touristen auf Skitouren ( 17 ), beim Variantenskifahren ( 5 ), auf offenen Skipisten ( 4 ) oder beim Bergsteigen ( 3 ) verschüttet worden sind. Von 10 weiteren Verschütteten sind je 5 durch Lawinenhunde oder mittels eines Suchgeräts aufgefunden und gerettet worden. ) Zunge des Alteisgletschers im September 1984. Die bogenförmige Abrissnische einer früheren Rutschung ( links oben ) ist mit Schnee verfüllt.

Hängegletscher in der Nordflanke des Lyskamms im April 1978. Die senkrechte Abbruchfront durchschneidet die jährlichen Zuwachsschichten des Firns, die durch die waagrechte Banderung angezeigt werden.

Alteisgletscher im September 1983 Oberer Jungfraufirn ( Grosser Aletschgletscher ) am 20. September 1984. Von der Hundeschlittenbahn im Vordergrund führt die Fussspur zum oberen Mönchsjoch querdurch das Ablagerungsgebiet der Eislawine vom 5. Juli 1984. Längs der horizontalen Spur in der Bildmitte wird das Oberflächenprofil jährlich vermessen.

Steingletscher am Sustenpass: Die Aufnahme vom 10. Oktober 1968 zeigt den letzten Minimalstand des Gletschers, rund 250 Meter hinter dem Seeufer Gletscherchronik a ) Tätigkeit und besondere Ereignisse Mit den Messungen im Herbst 1984 sind die Veränderungen der Gletscher der Schweizer Alpen in der 105. Berichtsperiode des im Jahre 1880 durch F.A. Forel begonnenen, seit 1893 durch die Gletscherkommission der SNG im Sinne einer Landesaufnahme weitergeführten Beobachtungsprogramms erfasst worden. Ungünstige Witterung mit frühen und reichli- chen Schneefällen im September und anfangs Oktober, in der Zeit, in der normalerweise die meisten Feldbegehungen und Vermessungsflüge stattfinden, erschwerte die Aufgabe der Beobachter ungemein. Mit dem Schneefall vom 5./6. September erhielten die Gletscher grossenteils bereits die bleibende Winterschneedecke. Nur tiefgelegene Gletscherzungen aperten nochmals aus und konnten während der Schönwetterperiode von Mitte Oktober bis Mitte November bei guten Bedingungen vermessen werden. Durch besondere Anstrengungen gelang es zahlreichen Beobach- tern, auch von höhergelegenen, teilweise meterhoch mit Neuschnee beladenen Gletscherzungen zählbare Ergebnisse zu beschaffen. Die meisten Vermessungsflüge über Gletschern konnten erst im Oktober durchgeführt werden, weshalb den Luftbildern nur bei tiefergelegenen ausgeaperten Gletscherzungen zusätzliche Informationen zur Ergänzung der Lücken in den terrestrischen Aufnahmen zu entnehmen waren. Während der Messkampagne 1984 sind von den 120 Gletschern des Beobachtungsnetzes insgesamt 95 erfasst worden, indem 79 im Gelände besucht und 33 im Luftbild aufgenommen wurden. Dadurch ist die Längenänderung seit der letzten Messung bekannt für 85 Gletscherzungen. Sie ist durch Messungen oder Beobachtungen am Objekt in 72 Fällen quantitativ, in 2 Fällen qualitativ und durch Fernerkundung mittels Luftbildern in 6 Fällen quantitativ, in 5 Fällen qualitativ bestimmt worden. Bei je 5 Beobachtungen am Boden und aus der Luft liess sich der Gletscherrand unter der mächtigen und ausgedehnten Schneedecke nicht eindeutig festlegen.

Steingletscher am Sustenpass 2Die Vergleichsaufnahme vom 10. September 1984 zeigt die aufgewölbte Zungenstirn hart am Seeufer.

3Zungenende mit aufgeschobenem Schuttwall ( Stirnmoräne ) am 10. September 1984.

Tschiervagletscher am 28. August 1984 Zungenende mit Schmelzfront oberhalb des Gletschertors im Bereich des schuttbedeckten südlichen Teils, mit aufgewölbter Stirn im schuttfreien nördlichen Teil des Gletschers. Die Nahaufnahme zeigt rechts den grobblockigen Vorstosswall neben dem Gletschertor, links anschliessend ein helles Band überfahrenen Winterschnees.

Die Gletscherkommission darf bei ihren jährlichen Erhebungen auf die bewährte Mitarbeit erfahrener Beobachter zählen, von denen die meisten als Angestellte der Forstdienste, Bundesinstitutionen oder Kraftwerke über viele Jahre, oft über mehrere Jahrzehnte regelmässig ihren Beitrag leisten. Ohne die zuverlässige Unterstützung durch diese kaum je namentlich erwähnten Personen wäre die Kommission schwerlich in der Lage, ihre Hauptaufgabe mit der dazu erforderlichen Regelmässigkeit zu erfüllen. Mit der nachstehenden Aufzählung der Institutionen und privaten Mitarbeiter, die der letztjährigen Messkam- pagne unter erschwerten Bedingungen zu unerwartet gutem Erfolg verholfen haben, richtet sie ihren Dank auch an alle ungenannten Beobachter sowie alle weiteren Institutionen und Mitarbeiter, die anderswie zu den jährlichen Gletschermessungen oder Gletscherberichten beitragen. Angaben über die Längenänderung der Gletscherzungen lieferten im Berichtsjahr in 56 Fällen die Mitarbeiter der kantonalen Forstdienste ( Wallis 18, Waadt 4, Bern 10, Uri 6, Glarus 1, Graubünden 15 und Tessin 2 ), in Roseggletscher am 28. August 1984 Vor rund 30 Jahren trennte sich der Roseg-vom Tschiervagletscher. Bis 1979 schmolz er, beschleunigt durch die Bildung eines kilometerlangen Sees, sehr rasch zurück. Seither ist er nahezu stationär. Die sommerliche Erwärmung des Seewassers verstärkt die Schmelzung am Zungenende und verhindert dadurch das Vorstossen des Gletschers im Bereich der Kalbungsfront.

Auf dem Westufer des Sees stösst der Gletscher vor. Der aufgeschobene Vorstosswall ( links ) überschüttet die junge Vegetation.

Glacier d' Epicoune ( Val de Bagnes ) Ansicht von der Pointe d' Otemma am 13. August 1968. Der Kargletscher, der sich über eine Fläche von rund 1,2 Quadratkilometern ausdehnt, ist bereits seit einigen Jahren wieder im Vorstoss. Seine Zunge hat bis anfangs der 1950er Jahre über die steile Felsstufe hinunter zum Otemmagletscher gereicht. Die Ansicht aus dem Helikopter zeigt am 2. September 1983 ein frühes Stadium der Rutschung mit durchgehend abgerissenem, noch kompaktem Zungenende, das im östlichen Teil ( links ) erst wenig, im westlichen Teil bereits über eine Strecke von mehreren Dekametern abgeglitten ist.

11 Fällen die privaten Mitarbeiter der GK/SNG ( P. Mercier 4, H. Boss, senior und junior 2, A. Godenzi 2, E. Hodel, W. Wild und R.Zimmer-mann je 1 ), in 4 Fällen die Mitarbeiter oder Beauftragten von Kraftwerken ( Mauvoisin und Oberhasli je 2 ) und in 24 Fällen die Mitarbeiter der Abteilung für Glaziologie der VAW ( für 11 im Gelände und 13 mittels der Luftbilder beobachtete Gletscher ). Wie in den Vorjahren sind uns bei 4 Gletschern die Ergebnisse der luftphotogrammetrischen Aufnahmen zur Verfügung gestellt worden. Die Auswertungen sind wie bisher bei den Aaregletschern für die Kraftwerke Oberhasli durch das Vermes- sungsbüro A. Flotron in Meiringen, beim Giétro für die Kraftwerke Mauvoisin durch das Vermessungsbüro H. Leupin in Bern und beim Allalin für die VAW durch deren Mitarbeiter W. Schmid am Autographen des Geodätischen Instituts der ETH Zürich ausgeführt worden. Einen sehr wertvollen Beitrag leisteten wiederum das Bundesamt für Landestopographie ( L+T ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( V+d ) durch Luftbildaufnah- Abbildung 1 Witterung 1983/84 an einigen automatischen Stationen der SMA ( ANETZ ) a ) Zürich SMA 556 m ü.M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C -25 angepasster Mittelwert 1901/60 -5 Niederschlag Tagesmenge mm 100 50 Sept.

II Okt.

Nov.

Dez.

Jan.

Feb.

März men von insgesamt 50 Gletschern. Von 36 jährlich überflogenen Gletschern gehören 20 zum Beobachtungsnetz der Arbeitsgruppe für gefährliche Gletscher, 11 zum Messnetz der GK/SNG und 5 werden durch die VAW im Auftrag von Dritten untersucht. Von 14 in mehrjährigem Turnus überflogenen Gletschern sind 13 für die GK/SNG und 1 im Rahmen eines Forschungsprojekts der VAW aufgenommen worden. Die Vermessungsflüge über den Aaregletschern, ausgeführt durch die V+D im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

T-pf Okt April Mai Juni Juli Aug.

Sept.

In den vorangehenden Gletscherberichten haben wir an dieser Stelle die personellen Änderungen bei den Gletscherbeobachtern und in der Gletscherkommission mit kurzen Würdigungen der zurücktretenden oder verstorbenen Beobachter und Kommissionsmitglieder vermeldet. Dem Wunsche kritischer Leser stattgebend, werden wir uns künftig mit der schlichten Bekanntgabe der Beobachterwechsel und Kommissionserneuerungen begnügen. Im Berichtsjahr hat V. Boss die Beobachtungen am oberen Grindelwaldgletscher, die er seit seiner Jugendzeit als Messgehilfe, seit 1960 als selbständiger Beobachter gemeinsam b ) Locarno Monti 366 m ü. M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C 25 angepasster Mittelwert 1901/60 Niederschlag Tagesmenge mm 50 Sept.

Okt.

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Dez.

Jan.

Feb.

März mit seinem Bruder H. Boss ( senior ) betreute, an seinen Neffen H. Boss ( junior ) übergeben. Wir verdanken ihm zahlreiche Kurzberichte, in denen er das schrittweise, seit 1959 andauernde Vorrücken des Gletschers ausführlich und anschaulich beschreibt. Aus der Kommission ausgetreten sind A. Flotron, Mitglied seit 1972, P. Kasser, Mitglied seit 1948 und H. Oeschger, Mitglied seit 1967. P. Kasser war Präsident der Kommission von 1974 bis 1980 und hat sich als Delegierter für Gletscherkon- r100 i; i April Mai

Juni Juli Aug.

Sept. I Okt.

trollen von 1964 bis 1980, als Verfasser der Gletscherberichte Nr. 84-104 von 1964 bis 1984 richtungweisend für ihre Hauptaufgabe eingesetzt. Als erster Direktor des ( Permanent service on glacier fluctuations ) ( siehe 104. Gletscherbericht ) hat er die Beobachtungen und die Berichterstattungen über die jährlichen Gletscherveränderungen auch auf internationaler Ebene entscheidend gefördert. In die Kommission neu eingetreten sind G. Gensler, B. Stauffer und P. Wick.

Anknüpfend an die Berichte über Eislawinen in den Schweizer Alpen in den vorangehenden c ) Jungfraujoch 3580 m ü. M. Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1938/60 Sept. Okt. Nov. Dez. Jan.

d ) Payerne 490 m ü. M.

Höhe der Nullgradisotherme um 13 Uhr 5000 Feb. März April Mai Jahren, berichtet J. AIean nachstehend über seine diesbezüglichen Beobachtungen im Berichtsjahr: ( Eine sehr grosse Lawine ging am 5. Juli 1984 um etwa 3 Uhr morgens vom Hängegletscher des Mönchs auf den Jungfraufirn nieder. Die abgelagerte Eislawine wurde am 6. Juli durch Schrägaufnahmen aus einem Flächenflugzeug und am 7. Juli durch Vermessung am Boden dokumentiert und kartiert. Das abgestürzte Eis mit einem Volumen von 340000 Kubikmetern bedeckte eine Fläche von 107000 Quadratmetern. Die Lawine hatte eine m ü. M.

4000 Reichweite von 690 Metern. Die vordersten Eisblöcke, von denen der grösste eine Kubatur von 1000 Kubikmetern aufwies, kamen nur 80 Meter vor der Spur der Hundeschlittenbahn und 140 Meter vom Skilift entfernt zum Stillstand. Diese Eislawine ist die grösste aller dokumentierten Abbruche vom Hängegletscher in der Südflanke des Mönchs. Ihr Rauminhalt entspricht etwa der Eismenge, die normalerweise in einem ganzen Jahr portionenweise in kleineren Abbruchen von diesem Hängegletscher abbricht. Eine ausführlichere Beschreibung mit Karten und Abbildungen ist im Quartalsheft 111/1985 dieser Zeitschrift erschienen ( siehe Fussnote 3 ).

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Okt Auf dem Beobachtungsflug am 6. Juli 1984 konnten zwei weitere sehr grosse Eislawinen erfasst werden: Rund 350000 Kubikmeter abgestürzten Eises lagen östlich des Aletschhorns auf dem Mittelaletschgletscher. Der Abbruch muss in der Nähe der Koordinaten 643.3/147.0 in etwa 3650 Metern Meereshöhe erfolgt sein. Die frisch erscheinende Ablagerung überdeckte eine Fläche von 175000 Quadratmetern. Die Reichweite dieser Eislawine betrug 1060 Meter. Eine ältere, nahezu vollständig eingeschneite Ablagerung einer Eislawine befand sich auf dem Bruneggletscher 10 101 unterhalb des Hängegletschers in der Nordostflanke des Bishorns. Diese Lawine dürfte bereits im Winter 1983/84 abgestürzt sein. Anhand einzelner aus dem Schnee herausragender Eisblöcke liess sich eine Ablagerungsflä-che von mindestens 200000 Quadratmetern abgrenzen, aus der sich mit Erfahrungswerten für die mittlere Dicke ein Volumen in der Grössenordnung von 300000 Kubikmetern ergibt. Somit ist diese Eislawine ebenfalls grosser als die früheren an diesem Ort dokumentierten Eislawinen, die in meiner Dissertation beschrieben sind ( siehe Fussnote 4).> Im Rahmen der Untersuchungen über gefährliche Gletscher sind an der VAW weitere Studien im Gang. In seiner Diplomarbeit hat H. Schweizer ein mathematisches Modell aufgestellt, mit dem er die Verteilung der Spannungen und Fliessgeschwindigkeiten in einem steilen, an seiner Unterlage festgefrorenen Hängegletscher berechnen kann, um daraus in verschiedenen Fallstudien auf theoretischem Weg Einblick in die Abbruchmechanismen zu erhalten. Als Vorlage für die geometrischen Abmessungen des Modells benützte er den Hängegletscher in der Nordflanke des Lyskamms.

Ebenfalls im Zusammenhang mit dem Problemkreis der Stabilität steiler Eismassen hat B. Ott im Rahmen seiner Dissertation bogen-und gewölbeförmige Strukturen an verschiedenen Gletschern untersucht. Bogenformen treten häufig auf bei Gletscherspalten, insbesondere Querspalten, an Abbruchfronten von Hängegletschern oder als Abbruchnischen von Gletscherstürzen. Gewölbeformen sind oft an Kavernen in senkrechten Gletscherfronten über steilen Felsrinnen, in Kalbungsfronten an Gletscherrandseen oder bei den Gletschertoren zu beobachten. B. Ott hat verschiedene solche Formen im Felde vermessen und die gesammelten Daten zur Berechnung der statischen Festigkeit der untersuchten Strukturen mittels mathematischer Modelle benützt. Für die Berechnung der dynamischen Festigkeiten, die zu räumlich-zeitlichen Vorhersagen von Gletscherstürzen führen könnten, fehlen in der Regel genügende Kenntnisse über die Unregelmässigkeiten des Gletscherbetts im Abstützungsbereich der Gewölbe und über die kurzfristigen Schwankungen der Gletscherbewegung ( siehe Fussnote 5 ).

Auf periodische Rutschungserscheinungen in steilen Gletscherzungen ist in den Gletscherchroniken früherer Jahre verschiedentlich hingewiesen worden. Um Einblick in den Vorgang der Rutschung und ihrer Vorbedingungen zu erhalten, sind kurzfristig wieder- 3 Alean, J. ( 1985 ): Eislawinen.DIE ALPEN,, 111/1985, 61. Jg., S. 121-132.

4 Alean, J. ( 1984 ): Untersuchungen über Entstehungsbedingungen und Reichweiten von Eislawinen. Mitteilungen der VAW/ETH Zürich Nr. 74.

5 Ott, B. ( 1985 ): Effets de voûte dans les glaciers. Mitteilungen der VAW/ETH Zürich Nr. 80.

holte Messungen während der Aufbauphase und des Ablaufs der Rutschung erforderlich. Als Objekt einer solchen Studie ist der Seitengletscher am Alteis gewählt worden. Aus den jährlich wiederholten Aufnahmen der L + T ist ersichtlich, dass in diesem schmalen, knapp 1 Kilometer langen und 30 Grad geneigten Gletscher Rutschungen in den Jahren 1975, 1976 und 1981 stattgefunden haben. Erste Ergebnisse der Messungen an 4 Pegeln in der Längsachse des Gletschers und der Aufnahmen mit automatischen Kleinbildkameras zeigen, dass die Bewegung der Gletscherzunge mit einem deutlichen Geschwindigkeitsmaximum im Herbst auch während der Aufbauphase der Rutschung nicht nur durch das Kriechen infolge innerer Verformung des Eises, sondern zu einem wesentlichen Teil auch durch das Gleiten am Gletscherbett zustande kommt.

Eine besonders spektakuläre Rutschung ist im Laufe des Sommers 1983 am Glacier d' Epi-coune im Val de Bagnes in Gang gekommen. Dabei brach die rund 600 Meter breite Zunge auf eine Länge von 300 bis 400 Metern unterhalb einer bogenförmigen Abrisskante in 2800 bis 2900 Metern Meereshöhe in typischer Weise in zahllose kleine Schollen auf und stürzte teilweise über die steile Felsstufe am Gletscherende ins Vorgelände ab.

b ) Massenänderung einiger Gletscher In Tabelle 3 sind die Massenänderungen einiger Gletscher während der letzten drei Jahre angegeben. Sie sind durch die VAW für die Gletscher Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Silvretta aus glaziologischen Messungen direkt bestimmt, für die Gletscher des Aletschgebiets gesamthaft aus dem Wasserhaushalt des Einzugsgebiets der Massa berechnet worden. Die gesamte Massenänderung gibt die Vermehrung oder Verminderung der Eismenge während der Messperiode an. Die spezifische Änderung entspricht der Dicke der zugefügten oder abgetragenen Schicht, die sich aus der als Wasser gleichmässig über den ganzen Gletscher verteilten gesamten Massenänderung ergäbe. Als spezifische Werte sind die Massenhaushaltszahlen der verschiedenen Gletscher direkt vergleichbar. Dies gilt ohne Vorbehalt nur für gleiche Messperioden.

Der Massenhaushalt der Gletscher spielt sich - wie auch der Wasserhaushalt vergletscherter Einzugsgebiete - in den Alpen in der Regel in einem klimabedingten zweiphasigen Jahreszyklus ab. Der Zuwachs während der winterlichen Akkumulationsphase wird durch den Schwund während der sommerlichen Ab- Abbildung 2 Abweichungen der Jahresniederschläge 1983/84 und der Sommertemperaturen 1984 vom Zentralwert der Bezugsperiode 1901-60 a ) Jahresniederschläge Summe der Niederschläge vom 1. Oktober 1983 bis 30. September 1984 Wertung der Klassen:

KlasseJahresniederschlag + 2sehr gross + 1gross 0normal -1klein -2sehr klein lationsphase mehr oder weniger stark ausgeglichen, in Schwundjahren überwogen. Im langjährigen Durchschnitt entspricht der naturgegebene Jahreszyklus in den Gletschergebieten der Schweizer Alpen ziemlich genau dem sogenannten hydrologischen Jahr mit kalendermässig festgelegtem Beginn am 1. Oktober. Im Haushaltsjahr 1983/84 hat sich der klimabedingte Jahreszyklus in einer extrem kurzen Zeitspanne abgespielt. Die Akkumulationsperiode begann allgemein etwa 8 Wochen nach dem Normaltermin und dauerte rund 200 statt der durchschnittlichen 250 Tage. Die Ablationsperiode begann um den 10. Juni nahe am normalen Zeitpunkt, endete jedoch nach einer Dauer von rund 90 statt 115 Tagen fast 4 Wochen zu früh. Bei mehrheitlich normalen Niederschlagsmengen im Alpengebiet ( vergleiche Abbildung 2 ) und überall deutlich unternormalen Abschmelzbeträgen ist im Berichtsjahr wesentlich weniger Gletschermasse umgesetzt worden als in den vorangehenden 7 Jahren. Den Niederschlagsverhält- b ) Sommertemperaturen Durchschnittliche Lufttemperatur vom I. Mai bis 30. September 1984 Wertung der Klassen:

KlasseSommertemperatur + 2sehr warm +1warm 0normal -1kalt -2sehr kalt nissen entsprechend ergaben sich bei den einzelnen Gletschern gebietsweise leicht negative bis deutlich positive Massenbilanzen für das hydrologische Jahr, stärker negative oder weniger positive für die wesentlich kürzere Bilanzperiode des klimabedingten Jahreszyklus, in der die ergiebige Niederschlagsperiode des Septembers 1984 nicht enthalten ist. Die kurze Dauer der Schmelzperiode, die durch Kälteeinbrüche mehrmals unterbrochen und zusätzlich verkürzt wurde, führte dazu, dass in manchen wasserwirtschaftlich genutzten hochalpinen Einzugsgebieten zu wenig Schmelzwasser anfiel, um die Jahresspeicher der Kraftwerke zu füllen.

Bei den Zahlenangaben der Tabelle 3 ist die unterschiedliche Zeitspanne der Bilanzperiode bei den verschiedenen Gletschern zu beachten, namentlich wenn die Ergebnisse des Berichtsjahrs miteinander verglichen werden. Anstelle des deutlichen Schwundes im September normaler Jahre brachte der September 1984 allen Gletschern einen spürbaren Zuwachs, der in den dargestellten Bilanzergebnissen unterschiedlich erfasst ist: er ist nicht Abbildung 3 Die Gletscher der Schweizer Alpen Lageänderung der Zungenenden 1984 1 r .'3 91 ÌO'1

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Vorstoss stationär Rückzug nicht beobachtet unbestimmt ( eingeschneit ) erfasst bei Limmern und Plattalva, etwa zur Hälfte erfasst bei Silvretta, grösstenteils bei Gries und ganz bei Aletsch. Im letzten Fall vermindert sich beispielsweise die Gletschermasse im September durchschnittlich um rund 240 kg/m2. Im September 1984 dagegen nahm sie um rund 180 kg/m2 zu.

Im Talbereich der Aaregletscher, der jedes Jahr luftphotogrammetrisch vermessen wird, hat die gesamte Eismenge von Mitte September 1983 bis Mitte Oktober 1984 um 3,9 Millionen Kubikmeter zugenommen. Dieser Zunahme entspricht eine mittlere Hebung der Gletscheroberfläche im vermessenen Bereich um 0,3 Meter. Damit ist der Schwund des Vorjahres nur zu einem kleinen Teil ausgeglichen worden. Auch bei den Aaregletschern ist seit einigen Jahren eine Umkehr von Schwund- zu Wachstumstendenz festzustellen: im Messbereich verringerte sich die Eismasse von 1969 bis 1977 um durchschnittlich 14 Millionen Kubikmeter pro Jahr, seither hat sie sich jährlich im Durchschnitt um 1 Million Kubikmeter vermehrt.

c ) Lageänderung der Gletscherenden Die Ergebnisse der Beobachtungen am Messnetz der Gletscherkommission sind in Tabelle 2 für die letzten drei Jahre zusammengefasst, in Tabelle 5 für die letzten zwei Jahre und in Abbildung 3 für das Berichtsjahr ausführlich dargestellt. Abbildung 4 gibt eine Übersicht über die Hauptergebnisse der 94 Jahre umfassenden Messperiode seit 1890. Im Berichtsjahr hat sich die Zahl der wachsenden Gletscher um 7 auf 53 erhöht, wobei auch die mittlere Längenänderung deutlich Abbildung 4 Lageänderung der Gletscherenden in den Schweizer Alpen 1890/91-1983/84 Anzahl Gletscher im Vorstoss und im Rückzug in Prozent der Gesamtzahl der beobachteten Gletscher ( von - 1,6 auf + 2,5 m ) zugenommen hat. Folglich dürfte man annehmen, dass sich die nachlassende Vorstosstendenz der Vorjahre neuerdings wieder verstärkt hat. Dem ist entgegenzuhalten, dass an fast allen auf verschiedenen Gletschern unterhaltenen Messstellen erneut eine weitere Verlangsamung der Gletscherbewegung festgestellt wurde. Der entsprechend verminderten Eiszufuhr zum Gletscherende hat andererseits die Abschmelzung im Sommer 1984 weit weniger entgegengewirkt als in den vorangehenden Jahren. Demnach ist das Ergebnis des Berichtsjahrs bei den Längenänderungen wie auch bei den Massenbilanzen gewissermassen als Spareffekt zu betrachten. Im Gegensatz dazu kann beispielsweise das vergleichbare Ergebnis des Jahres 1980/81 erklärt werden als Überschuss-effekt, der aus dem Ungleichgewicht zwischen stark überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen und normaler Abschmelzung bei den Massenbilanzen, zwischen stark erhöhter Eiszufuhr ( infolge beschleunigter Gletscherbewegung ) und normaler Abschmelzung bei den Längenänderungen entstanden ist.

Im einzelnen ist darauf hinzuweisen, dass bei einigen grossen und flachen Gletscherzungen ( Fiescher, Ried, Zinal ) im Berichtsjahr erstmals ein Längenzuwachs zu verzeichnen war. Bei anderen ( Morteratsch, Roseg ) ist das Zungenende in den randlichen Partien mit typischen Merkmalen des Vorstossens ( aufgewölbter Eisrand, aufgeschobener Moränenwall ) vorgerückt, gesamthaft jedoch zurückgegangen. Die Zunge des Grossen Aletschgletschers dagegen ist erneut stark verkürzt worden. Sie hat sich deutlich abgesetzt von der Schlucht des Oberaletschbachs, die nur noch von einer abgetrennten Toteismasse überbrückt wird. Noch stärker geschwunden ist die Zunge des Allalingletschers, dessen Vorstoss bereits im Vorjahr praktisch zum Stillstand gekommen war.

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