Die Kristallfunde in den Schweizer Alpen

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Von Paul Niggli.

Vor einem Vierteljahrtausend — am 9. Juni 1685 — wurde zu Willisau im Kanton Luzern Moritz Anton Cappeller ( Kappeier ) geboren, mit den Dänen Nicolaus Steno und Erasmus Bartholinus und dem Italiener Domenico Guglielmini ein Begründer moderner Kristallkunde.Von den Schweizer Alpen und von Island aus entwickelte sich die neue Wissenschaft, enthalten diese Gebiete doch die schönsten Fundorte ( oder sind sie, wie man damals sagte, die « ächten Vaterländer » ) der zwei Mineralien Bergkristall und Kalkspat, deren Erforschung für die Entwicklung der gesamten Kristallehre wegweisend blieb. Der 1638 in Kopenhagen geborene Nikolaus Steno lebte von 1665 bis 1669 in Florenz und wurde hier durch die Sammlung von Bergkristallen aus den Alpen, aus Elba und von Carrara, sowie durch die Fossilsammlung aus dem Tertiär des Apennin zu der Arbeit « De solido intra solidum naturaliter contento, dissertationis prodromus » angeregt. Sie stellt für das Abendland den Beginn geologischer und mineralogischer Forschung dar. In ihr wird bewiesen, dass viele Gesteine, die heute Berge aufbauen, aus dem Meer entstanden sind und dass die Gestalt des Bergkristalles keine zufällige sein könne, weil immer wieder die gleichen Winkel zwischen den Flächen sich erkennen lassen. Im selben Jahre beschrieb sein Freund, der Begründer der Kristall-optik, Erasmus Bartholinus, die Doppelbrechung am isländischen Doppel-spat, dem Calcit, auf diese Weise mit Hilfe physikalischer Eigenschaften das Wesen des kristallisierten Zustandes erfassend. Steno erkannte, dass auch andere Mineralien als der « crystallos » der Alten gesetzmässige Umgrenzung besitzen, er nannte diese Stoffe indessen im deutlichen Unterschied dazu « corpora angulata ». Bereits 1688 wurden von dem Bolognesen Domenico Guglielmini künstliche Niederschläge dazu gerechnet.

Im Jahre 1719 nun wurde im Grimselgebiet am Zinkenstock eine Kristall-grube in den Berg gesprengt, von der Cappeller an Johann Georg Altmann von Zofingen, den Verfasser des « Versuch einer historischen und physischen Beschreibung der helvetischen Eisberge », schrieb, « sie sei wohl die allerreichste gewesen, so jemahls in der Welt, von denen uns die Geschicht-Kunde Wissenschaft geben, eröfnet worden; der darinnen gefundene Crystall wurde über dreissigtausend Thaler geschätzt. Man fande Stücker darinnen, welche von grossem Gewicht waren; das grösste davon wöge über achthundert Pfund, verschiedene wären an Gewicht fünfhundert Pfund und sehr viele, die einen Centner und mehr gewogen ». Dieser Fund 1 ) beschäftigte intensiv unsere Schweizer Naturforscher. Albrecht Haller begeisterte er zu folgender Schilderung im Lehrgedicht « Die Alpen »:

Allein wohin auch nie die milde Sonne blicket, Wo ungestörter Frost das öde Thal entlaubt, Wird hohler Felsen Gruft mit einer Pracht geschmücket, Die keine Zeit versehrt und nie der Winter raubt.

Im nie erhellten Grund von unterirdschen Grüften Wölbt sich der feuchte Thon mit funkelndem Kristall, Der schimmernde Kristall sprosst aus der Felsen Klüften, Blitzt durch die düstre Luft und strahlet überall.

O Reichtum der Natur! verkriecht euch, welsche Zwerge.

Europens Diamant bleibt hier und wächst zum Berge.

Cappeller, der 1722 diesen « Kristallkeller » der Grimsel besuchte, fasste den Plan, eine erschöpfende Monographie des Bergkristalles zu schreiben. Es mag den gehetzten Wissenschaftern von heute ein Trost sein, ,dass auch diese zweite fundamentale mineralogische Arbeit ein « prodromus », eine vorläufige Mitteilung, blieb. Sie erschien 1723 gedruckt bei H. R. Wyssing in Luzern als « Prodromus crystallographiae de crystallis improprie sic dictis commentarium » ( Abhandlung über die sogenannten Kristalle.Vorläufer einer Kristallographie ) und war dem Zürcher Johann Jacob Scheuchzer zugeeignet. Vom Bergkristall steht fast gar nichts darin, um so mehr von den übrigen Kristallen. Der Begriff und das Wort Kristallographie finden sich hier zum erstenmal, gleichzeitig ausgedehnt auf alles, was wir auch heute so nennen. Cappeller hat als Alleiniger — wie sein vorzüglicher Übersetzer Karl Mieleitner schrieb — « mit aller Entschiedenheit die Wichtigkeit des von Steno entdeckten Gesetzes der Winkelkonstanz betont, nicht nur zur Bestimmung der Kristalle, sondern auch zur Feststellung ihrer gegenseitigen Verwandtschaft sowie ihrer chemischen und physiologischen Eigenschaften und Wirkungen... Da die Schrift die gesamte Literatur bis zu ihrem Erscheinen berücksichtigt, ist sie zugleich eine Zusammenstellung aller bis dahin gemachten Angaben über Kristalle. Es ist nicht viel, und, abgesehen von einzelnen Beobachtungen Stenos und Bartholinus, stammt das Beste von Cappeller selbst. » Besonders wertvoll sind die genauen Zeichnungen; sie dürfen als erster Kristallatlas angesprochen werden. Cappellers Kristallographie wurde von den Zeitgenossen hoch geschätzt. Die Royal Society verlieh dem berühmten Schweizer die Mitgliedschaft.

So steht der Kristallreichtum der Schweizer Alpen an der Wiege der Kristallographie, vom Bergkristall hat eine Wissenschaft ihren Ausgang genommen. Das allein rechtfertigt es, diesen Schätzen, die zum Schönsten gehören, was das Hochgebirge darbietet, unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu kommt, dass das « Strahlen », das Aufsuchen der Kristallhöhlen, zeitweise eine einträgliche Beschäftigung unserer Bergbewohner war, eine Beschäftigung jedoch, zu der sich die Erfolgreichsten unter ihnen, früher wie heute, in erster Linie aus Liebe und aus Leidenschaft zu der Formschönheit der Funde hingezogen fühlten.

Im 19. Jahrhundert haben L. Lavizzari, D. Wiser, G. v. Rath, liessenberg, G. Seligmann, A. Kenngott besonders eingehend schweizerische Mineralfunde beschrieben. In der neueren Zeit ist in allererster Linie J. Koenigs- berger als Bearbeiter neuer Vorkommnisse zu erwähnen, ausserdem haben sich besonders intensiv mit schweizerischen Kluftmineralien beschäftigt: H. Baum-hauer, R. L. Parker, R. H. Solly, L. und Fr. Weber, N. F. Ashcroft. Nicht vergessen aber dürfen wir die eingeborenen Kristallsammler ( Strahler ) und Entdecker neuer Fundorte, unter denen aus den letzten Jahrzehnten nur beispielsweise genannt seien: Carlo Taddei, der unermüdliche, begeisterte Erforscher des Mineralreichtums des Kantons Tessin, die Strahlerfamilie der Caveng im Tavetsch, der Indergand im Reusstal, der Stoffel im Valsertal, der Tresch im Maderanertal, ferner der Clemens im Binnental, Joh. Bie-lander und J. Walter im Oberwallis, J. Biner in Zermatt, nebst vielen andern. In den Westalpen war Albertazzo ein vorzüglicher Sammler, in den Ostalpen lieferte Pfeiffenberger u.a. für die Bearbeitung durch Weinschenk und Groth wesentliches Material.

1. Das Vorkommen und die Entstehung der Mineralklüfte.

Die wunderbare Gesetzmässigkeit des strukturellen Aufbaues eines Kristalles tritt offensichtlich nur zutage, wenn sich der Kristall frei, d.h. ohne Raumbehinderung, in einem lediglich von Flüssigkeit oder Dampf erfüllten Raum äusserst langsam und stetig entwickeln kann. Dann zeigt die äussere Gestalt jene Eigenart und Harmonie, von der schon Cappeller schrieb, « dass sie Auge und Geist des Beschauers aufs angenehmste ergötzen und zum Nachdenken anregen ». Die in allen Museen der Welt an hervorragendster Stelle zu findenden, eigengestaltigen « alpinen Mineralien » sind daher in der Tat Ausscheidungen, die sich aus relativ verdünnten Lösungen in offengebliebenen Klüften und Hohlräumen der Gesteine absetzten.

Wann und wie sind diese Klüfte entstanden? Sie sind eine Begleiterscheinung der Gebirgsbildung und gehören der jüngsten geologischen Vergangenheit an. Wenn wir die Gesteine der Alpen untersuchen, so erkennen wir ihre oft tiefgreifende mechanische und chemische Umformung, die mit der Gebirgsbildung Hand in Hand ging. Das Studium der Umwandlung oder Metamorphose gibt uns über die Vorgänge Auskunft, die sich während der gewaltigen Massenverschiebungen im einzelnen Gesteinskörper abspielten. Wir beobachten mit Hilfe des Mikroskopes, wie einzelne Mineralien zertrümmert oder zerrissen wurden; Verbiegungen, Verspannungen, Gleitungen unter dem Einfluss des ungleichen Druckes werden sichtbar. Die mechanisch beanspruchten, durch die Teilbewegungen in innige Berührung gebrachten Mineral-partikelchen reagierten miteinander, sofern sie sich nicht unter den herrschenden Bedingungen von Temperatur und Druck im Gleichgewicht befanden. Umkristallisationen erfolgten, neue Mineralien wurden gebildet. Im Gegensatz zu den analogen Vorgängen bei der Kalt- und Warmbearbeitung der Metalle ist jedoch hier deutlich erkennbar, dass Lösungsumsatz in oft erheblichem Masse mitwirkte. In Reissklüften und Zerrissen ist neue Substanz auskristallisiert, die nur aus zirkulierender wässeriger Lösung abgeschieden werden konnte. Wo bei turbulenten Teilbewegungen um grössere Mineralkörner kleine Zerrungshohlräume entstanden, wurden sie sofort mit Neu- bildungen ausgefüllt. Das in umwandlungsfähigen Mineralien und als Berg-feuchtigkeit in den Gesteinen vorhandene oder während der Grossbewegungen von unten ausgepresste Wasser diente als Lösungsmittel. Die Gesamtmasse war so davon durchtränkt, dass fast überall, wo sich Lockerstellen zeigten, diese von den wässerigen Lösungen erfüllt wurden. All das ist im kleinen im mikroskopischen Untersuchungsbereich sichtbar.

Entsprechende Phänomene im grossen erzeugten die alpinen Kluft-minerallagerstätten. Die « kristallfündigen » Klüfte liegen, wie der beste derzeitige Kenner der alpinen Minerallagerstätten, J. Koenigsberger, an Hunderten von Beispielen dartun konnte, recht häufig ungefähr senkrecht zur Schieferung der Gesteine, als sogenannte Q-Klüftung. Parallel derselben oder schwach dazu geneigt fehlen Klüfte nicht, sind jedoch zumeist mit derb kristallisierten Massen völlig ausgefüllt. Hohlräume, die nicht während des Entstehens durch Kristallisationsprodukte sofort wieder geschlossen wurden, konnten sich also nur in bestimmten Lagen, vorzugsweise rechtwinklig zur Hauptpressung oder Hauptbewegungsfläche ( Gleitfläche ) ausbilden. Im einzelnen ist die Lage der Kluftebene ( Ebene parallel der Hauptbegrenzungs-flächen der meist sehr flachlinsigen bis flachellipsoidischen Kluft ) von den grosstektonischen Verhältnissen der Gebiete abhängig. In den mineralreichen Zentralmassiven mit steilstehender Hauptschieferung liegen die kristallreichsten Klüfte gerne mehr oder weniger horizontal, nicht selten zugleich senkrecht zu einer Nebenplattung. Im Gebiet der penninischen Decken und am Aussenrande der Massive ist die Kluftebene ( entsprechend der flacheren Lage der Schicht- und Schieferungsflächen ) oft steil, mehr oder weniger senkrecht zur Schieferung und z.T. parallel einer Striemungs-richtung.

Betrachten wir den gesamten Alpenbogen, so ergibt sich eine bislang kaum beachtete, äusserst charakteristische Verteilung der Hauptkluftlager-stätten in Bücksicht auf die Gesamttektonik. Vier Abschnitte des Alpenbogens sind durch ihre Kristallfunde besonders berühmt geworden:

1. die Dauphiné, in erster Linie das Gebiet des Massif du Pelvoux und der Chaîne des Grandes Rousses; 2. das Gebiet des Mont Blanc und die Südwestabdachung des Gran Paradiso-Gebietes mit dem Alatal; 3. das reichste Gebiet der helvetischen Zentralmassive und der Tessinerdecken mit einer westlichen Fortsetzung ins Binnental und das Monte Rosa-Gebiet und einer östlichen ins Adulagebiet bis zum Hinterrhein; 4. das mineralreiche Gebiet der Tauern vom Zillertal bis Grossvenediger und jenseits des Grossglockners vom Rauristal-Sonnblick zum Gasteintal und zum Hochalmspitz.

Die dazwischen gelegenen Gebiete sind relativ arm an offenen, mit Kristall ausgekleideten Klüften. Nun sind im Längsprofil die oben genannten Abschnitte die Hauptkulminationen des Alpenbogens. Es treffen sich in ihnen Quer- und Längsgewölbe zu Grosskuppeln. Neben dem Mercantour-Massiv sind Pelvoux-Belledonne-Massiv, Mont Blanc-Aiguilles Rouges-Massiv, Aar- Gotthard-Massiv die grossen Aufbruchzonen der Westalpen. Da sie auch auf Quergewölben liegen, sind ihnen rückwärts gelagert die Kulmination der Dora de Maira und Ambin ( mehr flankierend zum Pelvoux-Massiv ), des Gran Paradiso ( südöstlich Mont Blanc ), der Toce und des Ticino. Im Osten ist, von kleineren Gewölben innerhalb der riesigen Depression zwischen Rhein und Brenner abgesehen ( z.B. Unterengadin ), die Deckengewölbezone der Tauern mit der Venediger- und Hochalmkulmination bis gegen den Semmering die einzige Grosskuppel. Alle Depressionszonen, in denen sich die höheren Decken ( z.B. im Osten die ostalpinen Decken ) stauten, sind arm an oder frei von typischen Kluftlagerstätten. Der Zusammenhang der alpinen Mineralfundorte mit der Quer- und Längsgliederung der Alpen ist daher ein offensichtlicher. Ja — er ist noch bis in Einzelheiten aufs deutlichste wahrnehmbar. In dem helvetischen Kulminationsgebiet finden sich die Hauptlager-stätten beidseitig, d.h. an den Flanken der Berner Oberland-Tocekulmination ( z.B. Grimselgebiet, Fiesch, Bächistock, Binnental ) und der Reusstal-Tessinerantiklinale ( Seitentäler des Reusstales-Oberalpstock, Tavetsch, Gott-hard-Medelsergebiet, Valle Maggia und Leventina ). Die Verteilung ist eine auch lokal typisch gehäufte, also lokal tektonisch bedingte. In den Tauern ist die Depression des Grossglockners zwischen Zillertal-Grossvenediger und Sonnblick-Hochalmspitz deutlich ärmer an Mineralfunden als die Gewölbeflanken.

In den Aufbruchszonen allein konnten sich somit in grosser Menge offene Mineralklüfte bilden. Sie besitzen hier die Lage, die ihnen bei der Empor-wölbung, dem Erosionsabtrag und dem Abgleiten der Deckgesteine zukommen musste. Zur Auslösung kam wohl besonders die Gewölbespannung, die bei dem Ausweichen nach oben und teilweise nach Ost-West in den Gesteinen entstanden war. Nach Bildung der Kristalle haben in den Alpen sicherlich keine erheblichen Teilbewegungen mehr stattgefunden. Selbst die wenigen zerbrochenen Kristalle ( besonders Bergkristalle ) der Klüfte zeigen oft noch auf den Bruchflächen Neuabsatz normaler jüngerer Kluftmineralien, sind also noch während der Kristallisationsepoche zertrümmert worden. Das verlangt, dass die endgültige Ausbildung der Kulminationen und der Stau-massive in die letzte Phase der Alpenbildung zu fallen hat. Vorzüglich stimmt diese Schlussfolgerung überein mit historisch-tektonischen und historisch-morphologischen Untersuchungen ( z.B. von E. Argand und R. Staub ).

Ein Teil der Lösungen oder doch wenigstens des Lösungsmittels, das in die Hohlräume eindrang, mag aus grösserer Tiefe stammen, stieg in den Grosskuppeln von unten empor. Nirgends hat jedoch hier im Mittelbogen oder am Aussenrand der Alpen Magma ( die glutflüssige Schmelzmasse des Erdinnern ) emporsteigen können. Ganz deutlich gehören die Orte des etwas früheren Magmaemporstiegs andern tektonischen Einheiten an; sie liegen am Innenrand, seitlich hinter den äussern Kulminationen, in der Zerrung zwischen stauenden Gewölben und Depressionen. Nur an wenigen Kreuzungsstellen im südlichen Tessin ( mit dem bis in die Wurzelzone reichenden Quergewölbe ), im Monte Rosa-Gebiet und in der Dauphiné sind schwache Übergänge erkennbar.

2. Die Klüfte und ihr Inhalt.

Betrachten wir nun die Klüfte und ihren Inhalt im einzelnen, so ergibt sich folgendes. Auch die grössten Höhlen enthalten nur einige m3 Raum. Sofern die Kristalle nicht direkt auf Wandungen ganz flacher, parallel-flächiger Klüfte aufsitzen, ist in den kieselsäurereicheren Gesteinen auch die typische Kristallkluft weitgehend von weissem dichtem Quarz erfüllt und öffnet sich nur lokal zur Druse. Schon Johann Georg Sulzer schrieb in seiner « Beschreibung einiger Merkwürdigkeiten der Schweiz » ( erste Hälfte des 18. Jahrhunderts ): « Die Geburtsstätte des Crystalls findet sich nur oder doch meistens in den allerhöchsten Bergen, und zwar allein in den Quarzadern, welche die Bergleute Bande oder Crystallbande ( heute Quarzband ) nennen, weil diese Adern meistens wie weisse Bande erscheinen. Siehet ein Crystallgräber diese Bande an einem Berg, so trachtet er vor allen Dingen, einen bequemen Weg dahin zu finden, welcher oft in die Felsen muss gehauen werden, hernach fangt er an, von diesem weissen Quarz ein Stück nach dem andern durch Gewalt des Pulvers wegzusprengen, da er dann oft etliche Jahre zubringen muss, ehe er in dieser Quarzader eine Höhle entdecket, in welcher er die Crystalle meistens in grossen Mengen antrift; sie finden sich auf allen vier Seiten der Höhle, sie sind meistens horizontal an dem Quarz angewachsen, und werden ohne Mühe mit einem eisernen Haken hervor gelangt, einige haben sich schon von dem Quarz abgesöndert, und liegen bloss in dem Boden. » In der Grosszahl der unsere Hochalpen aufbauenden Silikatgesteine mussten daher die in die Risse eindringenden Lösungen bald an Kieselsäure übersättigt sein. Sie brachten Quarz, oft auch Adular und Albit, schon während der Ausdehnung der Klüfte — besonders randlich — kontinuierlich zum Absatz, und vermutlich erst in einer der letzten Phasen der Erweiterung bildete sich der offene, nur mit Flüssigkeit erfüllte Hohlraum, der die langsame, eigengestaltige Kristallausscheidung ermöglichte. An den Wandungen der Klüfte ist das Gestein oft verändert, nicht selten etwas zersetzt. Diese besonders von Koenigsberger in seinen Arbeiten hervorgehobene Zone zeigt den Einfluss der Lösungen auf die Kluftwände. Es ist jedoch kaum so, dass der gesamte Kluftinhalt aus lokal ausgelaugtem Material entstand. Wohl lässt sich, besonders bei kleinen Klüften in nur linsenartig auftretendem Gestein, eine deutliche Abhängigkeit des Mineralbestandes vom Nebengestein, ja vom Gesteinsmineral, erkennen; in kluftreichen Zonen der Hauptgesteine indessen ist grössere Beweglichkeit der Lösungen anzunehmen. Diese wurden, wie bereits erwähnt, zum Teil schon mit Stoffen beladen in die Klüfte gepresst, sie haben dann vielleicht in Einzelfällen eher die Wände verhärtet und nicht mehr im eigentlichen Sinne ausgelaugt. Man kann daher nur in grossen Zügen und stark schematisierend die alpinen Minerallagerstätten nach den Nebengesteinen, den Kluftmuttergesteinen, gruppieren.

Eine erste in den Zentralmassiven und penninischen Decken weitverbreitete Gesteinsgruppe sind die Alkali-Tonerdesilikatgesleine. Es sind das die Granite, feldspatreichen Gneise und Syenite unserer Alpen, in denen unter den chemischen Bestandteilen Kieselsäure, Tonerde und Alkalien die Haupt- rolle spielen. Weitaus am reichlichsten findet man in den Klüften dieser Gesteine den Quarz oder Bergkristall. Er ist farblos, durchsichtig, in Höhen über 2000 m aber nicht selten hellbraun, in Höhen über 2700 m dunkelbraun gefärbt ( sogenannter Rauchquarz, Morion, fälschlich Rauchtopas genannt ). Nach Brauns und Koenigsberger ist diese Färbung durch /-Strahlung der radioaktiven Gesteine verursacht; die Wirkung war um so intensiver, je niedriger die Bodentemperatur blieb. Daher die Abhängigkeit von der Höhenlage. Sehr selten in den Alpen und wenig lichtbeständig ist Amethystfärbung. Die Grosszahl der Amethyste ( violette Farbe der Quarze ), die in Mineral-handlungen der Alpen zum Verkauf angeboten werden, stammen nicht aus der Schweiz.B.esonders interessant sind die gewundenen Gruppen, sogenannte gedrehte Quarze, des Aarmassivs und des Gotthardmassivs ( besonders Val Giuf ). Es handelt sich um Verwachsungen von Quarzkristallen mit gesetz-mässiger kleiner Abweichung der Parallelität der Hauptachsen und Nebenachsen in bestimmtem Drehsinne. Manchmal enthalten die Quarze rechtwinklige prismatische Hohlräume, die vermutlich von eingeschlossenen, später wieder gelösten Anhydritnadeln herstammen. Andere Einschlüsse sind z.B. feine grünliche Hornblendenadeln, sogenannter Byssolith ( z.B. Maderanertal, Gotthard, Oberwallis ), gelbe bis rotbraune haarförmige Rutilnadeln ( besonders schön aus dem Adulagebiet ), Hämatittafeln, Chloritschüppchen, Turmalin- oder Epidotstengel. Besonderes Interesse haben die Gas- und Flüssigkeitseinschlüsse erweckt, lässt sich doch mit ihrer Hilfe etwas über die Temperatur und den Druck während der Kristallisation aussagen.

Neben dem grossen Bergkristallfund vom Zinkenstock sollen noch beispielhaft erwähnt werden: die alten Funde im Cristallinatal im 16. und 17. Jahrhundert, die um 1700 eröffnete Kristallhöhle der Sandbalm bei Göschenen, die Rauchquarzhöhle am Tiefengletscher und Galenstock, gefunden 1868 bis 1870, ein 1720 entdeckter Kristallkeller am Krüzlistock, der Quarzrutil-fund am Piz Aul vom Jahre 1896.

Als Cappeller seine Reise in die Grimselberge antrat, wollte er schauen, ob er « etwas entdecken könnte, warum dieses in den Eingeweiden der Erde entsprungene Gewächs an allen Orten so geartet sei, dass es sich mit sechs Winkeln oder Seiten zu zeigen pfleget ».

Seitdem sind die Gestalt des Bergkristalles, die Art seiner Verwachsungen und Zwillingsbildungen, der Ätz- und Korrosionsfiguren, vielfach Gegenstand von Untersuchungen gewesen. Wir wissen, dass die Verteilung einzelner Flächen davon abhängt, ob die Anordnung der Atome nach links- oder rechts-gewundenen Schraubenachsen statthat, dass die Hauptwachstumsflächen mit der speziellen Struktur des Quarzes in engster Beziehung stehen, dass sich auch das Fehlen einer basalen Wachstumsfläche daraus, im besonderen aus der nach der Hauptachse kettenartigen Aneinanderreihung der Silizium-Sauerstoff-Tetraeder ableiten lässt.

Der Bergkristall war und ist der Hauptrepräsentant alpiner Kluftmineralien. Aber es gibt in den Klüften eine ganze Reihe anderer Kristallarten, die nicht weniger bemerkenswert, ja vom wissenschaftlichen Standpunkte aus oft noch interessanter sind.

In den genannten Gesteinen begleitet der grünliche oder rötliche, oft eisenreiche Chlorit den Quarz fast immer. Er bildet festanhaftende Überzüge oder losen Decksand. Manchmal ist er auch im Quarz eingewachsen. Der Decksand von Chlorit ( oder Limonit usw. ) hat sich relativ spät in den Lösungen schwebend ausgebildet und ist auf die Drusenkristalle niedergeschlagen worden.

Nächstwichtig ist das neben Quarz besonders charakteristische Mineral der Schweizer Alpen, der Adular, der ( wie übrigens auch Calcit und Quarz ) oft in recht grossen Individuen auftritt, daneben häufig in mittelgrossen, gleichfalls gerne von Chlorit überzogenen Kristallaggregaten. 1781 hat Pini am Gotthard erstmals die weisse, durchsichtige bis durchscheinende, meist prismatische Varietät des Kalifeldspates Adular genannt, gestützt auf die geographische Bezeichnung Strabos, der den Namen Adulagebirge für das gesamte nordtessinische Alpengebiet brauchte. Die Adulare sitzen oft gehäuft auf den Kluftflächen. Sie sind meistens ebenflächig, hie und da indessen ( besonders im Grimselgebiet ) gewunden, ähnlich den Quarzen. Besonders bemerkenswert sind die Zwillings- und Viellingsbildungen, wobei oft recht grosse Gesamtindividuen, unterteilt durch einspringende Winkel, resultieren. Manchmal sind die Adulare opalisierend. Das ist dann der Fall, wenn der an sich kleine Natronfeldspatgehalt in feinster Verteilung beim Abkühlen entmischt wurde. Wegen des Farbenspieles werden solche Mondsteine als Halbedelsteine verschliffen.

Neben diesen drei Hauptmineralien Quarz, Adular und Chlorit sind in einer Statistik nach den Mengenverhältnissen noch besonders zu erwähnen der schneeweisse, mehr tafelige Natronfeldspat Albit ( auch Periklin genannt ), der Fluorit, das Eisenoxyd Hämatit, das Phosphat Apatit in rundlichen, flächenreichen, kurzprismatischen oder tafeligen Formen, der in der äusseren Gestalt ausserordentlich variable Calcit und die wasserhaltigen Zeolithe, d.h. die Siedesteine genannten Kalksilikate. Letztere, besonders Desmin, Chabasit, Heulandit, Skolezit, Laumontit, enthalten um 46—56 % Kieselsäure, um 16—27 % Tonerde, um 7—14 % Kalk und 13—22 % Wasser als Hauptbestandteile. Sie sind besonders bemerkenswert durch ihre Aggregatbildung, die naturgemäss wieder mit der Kristallstruktur im Zusammenhang steht. Der Desmin heisst auf Grund seiner Aggregate auch Garbenzeolith, der Chabasit tritt in würfelähnlichen Aggregaten von Rhomboedern auf, der Skolezit ist ein Faserzeolith und der Heulandit ein Blätterzeolith. Die dünnen Hämatittafeln sind oft zu prachtvollen Rosetten ( Eisenrosen ) gruppiert.

Hinsichtlich der speziellen Verbreitung lässt sich folgendes sagen. In den kieselsäurereichen Graniten und Gneisen des Aarmassivs ist Bergkristall am verbreitetsten, dann folgen Chlorit, Adular-Calcit-Albit ( letzterer besonders in natronreicheren Umhüllungszonen der Granitmassive oder in Grano-dioriten ), Fluorit, Hämatit ( z.B. bei Reckingen ), Apatit-Pyrit und Zeolithe. Der an sich spärliche Fluorit ist bei Giebelsbach oft grünlich, im Göschener-gebiet oft blassviolett bis rosarot gefärbt. Unter den Zeolithen werden Heulandit ( z.B. mit Fluorit bei Giebelsbach ), Desmin, Laumontit häufiger angetroffen als Chabasit, Skolezit oder der kalihaltige Apophyllit. Besonders typisch, wenn auch sehr spärlich, sind für die Klüfte der Granite und Syenite 82 - Photo Prof. Dr. Parker, ZürichDruntobel ( Wildbadbrunse ) über der Schutterrasse von Sedrun ( Tavetsch ). In den Runsenwänden bekannte Fundorte für Titanit neben Adular, Chlorit, Calcit, Zeolithen 83 - Photo Prof. Dr. Parker, ZürichNeue ausgesprengte Kristallkluft am Pazzolastock, am Brunner & Cie. A.G. ZürichWeg in das Maigelstal Fundort von Adular, Titanit, Chlorit, Calcit usw.

84 - Photo Prol. Dr. Parker, Zurich85. photo Prof. Dr. Parter, Zürich Dunkle Hämatittafeln, rosettenartig grup- Bergkristalldruse aus dem maderanertal pier ( Eisenrose ) Reckingen, Ober-Wallis 86 - Photo Prot. Dr. Parker, Zürich87 - Photo Prof. Dr. Parter, Zürich Desmin ( Zeolithaggregate ) aufAdular von der Fibbia ( Gotthardpass ).

Quarz von Riental. Der BergkristallDie quadratisch prismatischen Adulare sind brach von seiner Unterlage ab, auf deeZwillingsbildungen Bruchfläche bildete sich der Zeolith- überzug des Aarmassivs Beryllium-Mineralien, unter ihnen der seltene Milarit. In den Syeniten fehlt Fluorit fast völlig. Apatit und Calcit sind häufiger; Titanit, Epidot und Amiant ( Hornblendeasbest ) müssen jetzt bereits hervorgehoben werden. Der oft diamantglänzende, meist tafelig-keilförmige, grüne, schwefelgelbe bis braune Titanit oder Sphen gehört zu den schönsten Kristallen der Drusen. Die lichten Varietäten weisen oft überraschend hohen Glanz auf. Epidotkristalle sind meist stengelig gerieft, hellgelbgrün bis dunkelschwarz-grün, scharf kantig herausmodelliert. Zu Ehren von Escher von der Linth hatte man hell gefärbte Kristalle Escherit genannt. Noch schöner ausgebildet als in der Schweiz wird Epidot übrigens im Tirol gefunden. Der infolge kettenartigen Kieselsäuregerüstaufbaues faserige Hornblendeasbest Amiant bildet manchmal gespinst- und gewebeartige Aggregate von bizarrer Gestalt ( Bergleder, Bergkork, Byssolith ).

Die Mineralvergesellschaftung der Granit- und Granitgneisklüfte des Gotthardmassivs unterscheidet sich im Mittel von derjenigen der Granite des Aarmassivs wie folgt: Fluorit fehlt fast völlig, dafür ist Apatit verbreiteter. Weiterhin tritt als Kluftmineral der farblose bis blonde Glimmer Muskowit auf. Unter den Zeolithen ist Desmin einzig von grösserer Bedeutung. Statt der Berylliummineralien findet man ( wie übrigens bereits in einzelnen Syeniten des Aarmassivs ) lokal ( besonders im Osten ) seltene Kalk-Bormineralien. Auch Turmalin in feinen Nadeln und teilweise Hämatit in Form der Eisenrosen, sind eher verbreiteter als im Aarmassiv. Adular und Albit treten Quarz gegenüber deutlicher hervor.

Diese Änderungen sind im Einklang mit den chemischen Unterschieden beider Hauptgesteinskomplexe. In den Granitgneisen der penninischen Decken sind Kristallklüfte nicht reichlich zu finden. Nach dem Mineralbestand sind sie denen des Gotthardmassivs näherstehend als denen des Aarmassivs. Der in nierig stalaktitischen Aggregaten auftretende Prehnil, ferner Titanit, Muskowit, Zeolith sind relativ verbreitet. Erst durch die unermüdliche Tätigkeit des Tessiners Carlo Taddei ist übrigens im letzten Jahrzehnt das Tessin mineralogisch gut erforscht worden. In höchst verdankenswerter Weise wurde diese Aufsammlung, wie ein grosser Teil derjenigen von Koenigsberger, der Eidgenössischen Technischen Hochschule geschenkt. Zusammen mit den alten Funden der Wisersammlung gestatten diese Materialien eine im Gange befindliche gründliche Neubearbeitung der alpinen Kluftmineralien. Zugleich werden auf einer geotechnischen Karte der Schweiz die Hauptfundstellen eingetragen. Auf besondern Kärtchen erfolgt die nähere Charakterisierung. Von R. L. Parker, J. Koenigsberger, L. Weber und dem Referenten ist ein kleines Werk über den Gegenstand geplant.

In den Kalk-Tonerdegesteinen, d.h. in Dioriten, Amphiboliten, Hornblendegarbenschiefern, Plagioklasgneisen trifft man statt der dichten Quarzadern oft grünliche Epidotadern an. Die offenen Klüfte enthalten im Durchschnitt Quarz, Adular, Albit und Chlorit immer noch am reichlichsten; es spielen jetzt jedoch Amiant, d.h. Hornblendeasbest ( oft in Form des Berg-korkes oder Bergleders oder der feinen Byssolithhaare ), Epidot und Sphen eine grössere Rolle. In der Mineralvergesellschaftung spiegelt sich somit deutlich der grössere Kalkgehalt der Muttergesteine wieder. In den hochmetamorphen Mergeln des Südrandes des Gotthardmassivs ( Granitglimmer-schiefer, Plagioklasgneise, Hornblendegarbenschiefer ) sind im speziellen beobachtet worden: Quarz, Albit, Rutil, Siderit, dunkelgrüner Chlorit, Amiant, Limonit, Turmalin, Calcit und spärlicher Muskowit, Anatas, Dolomit, Titanit. In den Grünschiefern der Adula sind Titanit, Epidot, Albit, Adular, Calcit, Pyrit, Aragonit, Chlorit, Amiant und Quarz häufig anzutreffen.

Zu den alkaliarmen Tonerdesilikatgesleinen gehört die Grosszahl der glimmerreichen Gneise, Glimmerschiefer und Sericitschiefer der Alpen. Im allgemeinen sind diese Gesteine alkaliämer als die Granitgneise, oft auch kalkarm, jedoch tonerde- und relativ eisen- und titanreich. In vielen Fällen handelt es sich um umgewandelte Tone, doch fallen auch stark verschieferte Eruptivgesteine in diese Kategorie. In den Kontakthöfen der alten Granite sind Erzimprägnationen nicht selten. Neben Quarz, Albit und Adular sind in den Glimmergneisen und Glimmerschiefern die Titan- und Eisenoxyde als Kluftmineralien bedeutend. Die Zeolithe fehlen völlig, ebenso zumeist Epidot und Amiant. Titanoxyd tritt in drei verschiedenen Ausbildungen auf als Rutil, als Anatas und als dünntafeliger Brookil.

Die scharf pyramidalen braunschwarzen oder mehr tonnenförmigen bis tafelig, oder pyramidalen, gelblichen, flächenreichen Kristalle des Anatas waren eines der ersten Beispiele, anhand dessen die Beziehungen zwischen Morphologie und Struktur der Kristalle genauer erfasst werden konnten. Das Binnental ist der schönste Anatasfundort der Welt. Brookit bildet, wie erwähnt, meist kleine Tafeln, die zehn- und mehrfach breiter als dick sind. Die sanduhrartigen Farbverteilungen von gelb, rötlichbraun bis schwarzbraun hat schon liessenberg beschrieben. Wundervoll sind die feinen fuchs-roten Rutilnadeln, die beispielsweise im Quarz des Piz Aul in ungeheurer Menge eingeschlossen sind.

Im Mittel ergibt sich hinsichtlich der Verbreitung der Kluftmineralien in diesen Gesteinen folgende Rangordnung: Quarz — Anatas, Brookit, Chlorit — Hämatit oder Ilmenit, Adular, Albit, Calcit — Pyrit, Rutil. Neben oder statt Hämatit kann man auch Magnetit finden. In den berühmten Klüften des Glimmergneises des Binnentales dominieren Quarz, Adular und Limonit stark, recht häufig trifft man Chlorit, Albit, Muskowit, Hämatit, Magnetit, Rutil, Anatas, Turmalin, Calcit, Siderit, Pyrit; nur selten Titanit, Ilmenit, ferner Phosphate der seltenen Erden. In dünnschieferigen Sericit-gesteinen und Kalkphylliten ist die Kluftmineralparagenesis Quarz, Sideril, Hämatit, Rutil, Pyrit besonders weit verbreitet. Apatit, Calcit und Glimmer sind häufige Begleiter, Anatas und Brookit treten wieder etwas zurück.

In den Schiefern des Tavetsch sind unter andern folgende zwei Para- genesentypen bemerkenswert:

1. In Gesteinen mit alten Eisenerzgängen: Quarz, Hämatit mit Rutil verwachsen, oft in Form von Eisenrosen ( Cavradi ), Adular, Calcit, dazu Siderit, Arragonit, Turmalin, Anatas, Brookit, Baryt, Strontianit, Muskowit, Kupferglanz mit Malachit.

2. In dünnschieferigen Gesteinen: Quarz, Siderit, Rutil, Monazit, Turmalin, Anatas, Ilmenit, Pyrit, Calcit, dazu etwa Apatit, Baryt, Adular, selten Xenotim.

Nach E. Hugi ist die Häufigkeit des Vorkommens der Kluftmineralien, die auf verschiedenen Klüften bei den Arbeiten für die Wasserstollen des Kraftwerkes Amsteg in der Schieferhülle des Aarmassivs aufgefunden wurden, etwa wie folgt zu veranschlagen: Quarz — Albit, Calcit, Magnetkies ( Eisen-sulfidPyrit ( EisendisulfidHämatit, Zinkblende — Dolomit, Apatit, Fluorit, Titanit, Adular, Brookit, Rutil, Anatas, Bleiglanz.

In Kalksilikatgesteinen und magnesium-eisenreichen Gesteinen finden sich meist nur kleine Klüfte in den Grenzregionen der linsenförmigen Gesteine. Quarzband ist nicht mehr vorhanden. Hauptkluftmineralien sind jetzt in Abhängigkeit von der Gesteinszusammensetzung: Calcit, Albit, Hornblende oder Hornblendeasbest, Serpentinasbest, Epidot, Prehnit oder Talk und Magnesit. Granat-Diopsid-Chlorit ± Vesuvian und Epidot bis Klinozoisit sind nebeneinander bekannt. Kalkzeolithe begleiten die Mineralien an den Rändern der Kalksilikatschollen. Chromit, Magnetit, Apatit sind mit Talk und Magnesit in Talkschieferlinsen anzutreffen. Unter den Granaten ist besonders interessant der grüne Granat vom Findelengletscher, der in von Asbest durchwobenen, nierig-knolligen Aggregaten auftritt. Dolomit, Quarz, Calcit, hie und da Adular, Rutil, Turmalin, Glimmer usw. kleiden die Wände kleiner Drusen in dolomitischen Gesteinen aus. Bemerkenswert sind zwei Fundorte, die spezielle chemische Verhältnisse darboten:

1. Die hochinteressante Arsensulfosalzlagerstätte des Binnenlales am Lengenbach. Hier wurde eine aus Bleiglanz, Pyrit, Zinkblende, Kupferkies und Arsenkies bestehende silber- und thalliumhaltige Erzlagerstätte alpin umkristallisiert. Viele interessante Bleiarsensulfosalze, von denen manche nur an dieser Lokalität gefunden wurden, stammen von hier. Am augenfälligsten kommt der Arsengehalt im roten Realgar und im gelben Auripigment zum Ausdruck. Der Bariumgehalt ist in Feldspäten und im Baryt bemerkbar. Am verbreitetsten aber sind neben Dolomit die Erze Pyrit und Zinkblende. Im ganzen hat die Lagerstätte, die zeitweise besonders von englischen Mineralogen genauer beschrieben wurde, über 40 Mineralarten geliefert. Sie ist einzigartig in der Welt, weil selten unter analogen Bedingungen Erze der genannten Ursprungszusammensetzung in kleinen Klüften und Verdrängungs-höhlen des Dolomits bei niedrigen Temperaturen Umkristallisieren konnten.

2. Die Lagerstätten im Dolomit- und Schiefergebiet zwischen Fusio und Faido am Campolungopass. Hier fand man u.a.: Skapolith ( z.T.eil nach den Funden C. Taddeis völlig klar, edelsteinartig ), grünen Turmalin, roten und blauen Korund ( Saphir und Rubin ), lebhaft grüne, aber auch weisse grammatitische Hornblende, blonden Phlogopit, bläulichgrünen aquamarin-artigen Beryll, Disthen, Quarz, Rutil, Talk, Pyrit, Siderit. Der Mineralbestand lässt vielleicht bereits etwas die Mitwirkung von Gasen und Dämpfen erkennen, die von Magmen abgegeben wurden, die in der Zone Biasca-Bellin-zona, eventuell in der Maggiasenke, in höhere Erdrindenniveaux empordrangen.

In den Kalkalpen der helvetischen Decken, z.B. im Säntisgebiet, sind Fluorit, Calcit, Quarz allein von Bedeutung; ihre Bildung ist wohl lediglich auf sogenannte Lateralsekretion zurückzuführen.

Fassen wir einige Hauptgesichtspunkte zusammen, ohne Berücksichtigung der zuletzt genannten Spezialfälle.

Ziemlich unabhängig von Gesteinsarten findet man: Quarz, Adular, Albit, Chlorite, oft auch Calcit, Pyrit, Hämatit oder Ilmenit. Quarz ist spärlich in intermediären bis basischen Gesteinen, wo übrigens auch Chlorit oft zurücktritt. In kalkarmen Gesteinen mit Tonerdeüberschuss fehlen fast durchwegs die Zeolithe, Epidot, Amiant, Sphen, Diopsid, Kalkgranat, Fluorit, Scheelit, Berylliumsilikate, Milarit, Borsilikate, meist auch Apatit. Besonders reichlich findet man in solchen Gesteinen die Titanoxyde Siderit, Hämatit, Ilmenit. Hier allein sind auch Phosphate seltener Erden wichtig. In kalkreicheren Gesteinen sind spärlich Hämatit, Magnetit, Brookit, Anatas, Siderit, Muskowit, Apophyllit, Milarit, Fluorit, Turmalin. Nur lokal treten die Erze und ihre Oxydationsprodukte auf, meist in alten Kontakthöfen von magmatischen Intrusionen mit Erzgängen, ebenso ein Kalkwolframat in der Nähe von kalkreichen Gesteinen. Lokal findet man in sauren bis intermediären Eruptivgesteinen Fluorit, die Beryllium- und Bormineralien ausser dem weitverbreiteten Turmalin; in umgewandelten peridotitischen Gesteinen: Talk, Magnesit, Chlorit; in Kalksilikatgesteinen, Dolomiten und Kalksteinen werden neu angetroffen: Diopsid, Granat, Skapolith, Vesuvian, Klinozoisit. In sehr tonerdereichen Gesteinen kann in Quarzknauern Disthen als Kluftmineral angesprochen werden, ein Mineral, das sonst wesentlicher als Gesteinsgemengteil ist. Oft werden in kalkreichen Gesteinen Hämatit durch Epidot, ferner Chlorit durch Amiant, und Titanoxyde durch Titanit ersetzt.

Anatas, hellgrüner Chlorit, Ilmenit, brauner Turmalin oder Monazit ( ein Phosphat seltener Erden ) sind fast durchwegs untereinander vergesellschaftet.

3. Die näheren Umstände bei der Bildung der Kluftmineralien.

Nach diesem summarischen Überblick können wir nun die Bildungsbedingungen der Kluftmineralien in physikalisch-chemischer Hinsicht etwas näher präzisieren.

Bedenken wir, dass Flysch und Molasse, das Abtragungsmaterial der werdenden Alpen, grösstenteils entfernt und abgelagert waren, als die Klüfte sich öffneten, so muss zu dieser Zeit eine mächtigere Bedeckung der zentralmassivischen Gesteine als ausgeschlossen gelten. Allerdings ist das Abgleiten von Deckpaketen während des Aufstaues mitzuberücksichtigen, aber auch so darf die Erdrindentiefe, in der heute sichtbare Kluftmineralien sich erstmals ausgeschieden haben, höchstens auf einige km geschätzt werden. Die normale Temperatur in derartiger Tiefe wird maximal zwischen 100 und 200° liegen. Die zum Teil unter hohem Druck emporgepressten Lösungen können natürlich heisser und aktiver sein, müssen sich dann aber im Laufe der Zeit langsam abkühlen. Nach neuesten Untersuchungen sind in reinem Wasser bei 200° ca. 0,1 Teile, bei 320° ca. 0,2 Teile SiO2 auf 100 Teile Wasser in Lösung. Naturgemäss ändert Zusatz von CO2 oder Silikaten usw. die Löslichkeit stark, zweifellos aber nimmt sie für die Silikate, Oxyde und Carbonate im allgemeinen mit sinkender Temperatur ab. Nun findet man fast stets in den Mineralklüften eine deutliche und gesetzmässige Ausscheidungsfolge. Abkühlungs-kristallisation ist daher das Wahrscheinliche. Die ursprünglichen Lösungen mussten also wohl teilweise aus der Tiefe stammen oder im Verlaufe der Abtragung abgekühlt werden. Sie beluden sich mit den auslaugbaren Bestandteilen der Nebengesteine und schieden beim Abkühlen und der Druckentlastung die Kristalle aus. Über die Temperatur zu Beginn der eigentlichen Kluft-kristallisation liegen verschiedene Anhaltspunkte vor.

In den Klüften der Silikatgesteine sind Anhydrit, Amiant, Epidot, Albit, Adular, Siderit, Quarz, Apatit und Rutil meist Erstbildungen. Zur Temperaturbestimmung dienen besonders Quarz, Albit und Adular. Quarz ist sicher durchwegs wesentlich unter 575° entstanden, da keinerlei Anzeichen der bei dieser Temperatur sich abspielenden Umwandlung auftreten. Auch sprechen die Gas- und Flüssigkeitseinschlüsse für niedrigere Temperaturen. Der Adular ist immer natronarm, niemals werden Natronkalifeldspäte gefunden, die in Drusen des Bildungsbereiches um 500° noch häufig sind. Da sich mit sinkender Temperatur die Mischungslücke zwischen Kali- und Natronfeldspat verbreitert, liegt die Temperatur der Adularbildung unter 400°. Auch der Albit ist kalkarm; der Epidot, der an Stelle des Kalkfeldspates bei tiefern Temperaturen tritt, ist bereits eine Frühkristallisation. Schwieriger ist es, die Temperatur des Kristallisationsbeginns nach unten abzugrenzen. Synthetisch konnte man Adular und Albit oberhalb 300—400° leicht hydrothermal darstellen, wie E. Baur, J. Koenigsberger und ihre Mitarbeiter zeigten. Aber es scheint immer wahrscheinlicher, dass unter gewissen Bedingungen derartige Feldspat-bildung noch bei viel tieferen Temperaturen möglich ist. Sowohl im Ackerboden wie in Sedimenten sind neuerdings neugebildete Alkalifeldspäte gefunden worden. Es scheint deshalb nicht ausgeschlossen, dass die Annahme höherer Temperaturen als 300° völlig unnötig ist.

Zu den Mineralien, die im allgemeinen in der Ausscheidungsfolge an mittlerer Stelle stehen, gehören vor allem Fluorit, Titanit, Brookit, Anatas, Hämatit, meist auch Muskowit und Calcit. Letzterer leitet zu den Spät-kristallisationen über, die u.a. die Hauptmenge des Chlorites und der Zeolithe umfassen. Für deren Bildung sind keinesfalls Temperaturen über 100° notwendig. So hat sich vielleicht die ganze Kristallisation in einem relativ kleinen Temperaturintervall abgespielt.

Interessant ist es weiterhin, die Art und Zusammensetzung der neuen Kristallisationsprodukte zu vergleichen erstens mit bei hoher Temperatur gebildeten Mineralien, z.B. den ursprünglichen Mineralien der Eruptivgesteine, zweitens mit den Produkten der kurz vorausgegangenen oder gleichzeitigen alpinen Gesteinsumwandlung. Die in den Silikatgesteinen wichtigsten chemischen Elemente sind neben Sauerstoff: Silizium, Aluminium, Eisen, Magnesium, Calcium, Natrium, Kalium; in bereits bedeutend geringeren Mengen Titan, Phosphor, Mangan. Bei hoher Temperatur, z.B. aus dem Silikatschmelzfluss oder den Magmen, bilden sich, solange Kieselsäure in mässigen Mengen vorhanden ist, Silikate recht komplexer Zusammensetzung, in denen viele der Elemente sich im Kristallgebäude gegenseitig vertreten können. Unter dem Einfluss der wässerigen Lösungen bei Temperaturen, die für die Bildung der alpinen Minerallagerstätten in Frage kommen, werden diese komplexen Silikate zersetzt, entmischt oder hydrolisiert. Viele der Kluftmineralien sind daher von relativ einfacher Zusammensetzung, genau so wie die Neubildungen in den Gesteinen selbst. Titan und dreiwertiges Eisen, die vorher im Silikatverband waren, werden zum Beispiel vorwiegend als Oxyde ausgeschieden.

So gibt uns bei näherer Betrachtung die chemische und mineralogische Untersuchung der Kluftmineralien über einen Abschnitt der Geschichte der Alpenfaltung weitgehenden Aufschluss. Nachdem bereits das Haupt-deckensystem sich entwickelt hatte, brachte die letzte Phase des Zusammen-staues, des bogenförmigen Vortretens der Alpenkette, durch eine Art Unterschiebung von Süden her eine kräftige Längsgliederung hervor. In Abhängigkeit von stauenden Massen des Vorlandes entstanden Grossgewölbe und Depressionen, stieg das flache Gebirgsland zum Hochgebirge empor, verbunden mit diesem Gewölbeaufstau und der weitern Deckenüberflutung der Depressionszonen. Die Erosion verstärkte sich und begann langsam wieder abzubauen, was die Faltung aufgetürmt hatte. In den Gewölbezonen selbst, besonders an den Flanken der Hauptscheitel, entstanden Klüfte, die von wässerigen Lösungen sofort weitgehend erfüllt wurden. Das heisse eingepresste Wasser belud sich mit den gelösten Bestandteilen der umgebenden Gesteine. Im Verlaufe der Druckentlastung und Abkühlung begann die Auskristallisation. Langsam und kontinuierlich wurden die wunderbaren, formvollendeten Kristalle gebildet, die heute der Schmuck unseres Hochgebirges sind. Verfolgt man im einzelnen die Zusammensetzung und Vergesellschaftung dieser Mineralien, so erhält man über die Temperaturverhältnisse, die damals im Innern der Gebirgszone herrschten, Auskunft. Man erkennt, wie Kristallgebäude, die in den Gesteinen in früheren Zeiten sich gebildet hatten, unbeständig wurden, wie Entmischungen und Zersetzungen auftraten, die Neubildungen einen ganz bestimmten Charakter aufweisen. Das Aufsuchen und Sammeln dieser Kristalle bietet daher nicht nur einen hohen ästhetischen Genuss, sondern vermag auch zur wissenschaftlichen Bereicherung unserer Kenntnisse über die Bildung der Alpen wesentlich beizutragen.

Immer und zu allen Zeiten hat es in der Schweiz Männer gegeben, die den Bergbewohnern Ansporn waren, neue Fundstätten aufzusuchen, die aus Liebe zu den Bergen und zu der Harmonie der Kristallgestalten ausgezeichnete Sammlungen anlegten. Hoffen wir, es möge auch in Zukunft diese Tradition uns erhalten bleiben, denn es gibt gewiss keine schöneren Erinnerungen an unsere geliebten Berge als eine Kristalldruse, die der Berg selbst erzeugt hat, die still für sich leuchtet, ein Abglanz der Firnen- und Gipfelpracht.

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