Die neue Etzlihütte

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H. Mütter ( Sektion Hoher Rohn ).

Die neue Etzlihütte, 2080 m.

Es geziemt sich, daß ein junger Erdenbürger, wenn er aus der Taufe gehoben ist, seinen Paten vorgestellt werde. Als ein solcher Sprößling des S.A.C. möchte sich die neue Etzlihütte dieser Verpflichtung nicht entziehen, und so sei es gestattet, über deren Werdegang Bericht zu erstatten.

Der Wunsch, ein eigenes Heim im Gebirge zu besitzen, reicht so weit zurück, als die Sektion Thurgau S.A.C. angefangen hatte, allmählich zu erstarken, und deren Mitglieder immer mehr die Schönheiten unseres Alpenlandes zu würdigen lernten. Aus einer Eeihe von Plänen kristallisierte sich im Laufe der Jahre das obere Etzlital als das Gebiet heraus, das uns als Standort für eine Hütte am zweckdienlichsten erschien. Bei Anlaß des 10jährigen Bestehens unserer Sektion 1908 wurde dem Vorstand offiziell der Auftrag erteilt, den Bau einer Clubhütte zu fördern und der Verwirklichung näher zu bringen. Bereits im Februar des folgenden Jahres war der Vorstand in der Lage, Baupläne für eine Clubhütte im Etzlitale, nebst Über-nahmsofferten verschiedener Bauunternehmer, der Jahresversammlung zu unterbreiten mit dem hübschen Angebinde eines beträchtlichen Hüttenfonds, den einige begeisterte Mitglieder zusammengelegt hatten.

Die Jahresversammlung beschloß am 10. Februar 1910 hierauf im Prinzip den Bau einer Hütte im Etzlital. Das Subventionsbegehren wurde alsdann rechtzeitig dem Zentralkomitee eingereicht, im Hinblick auf die Begehren anderer Sektionen aber noch vor der Delegiertenversammlung in Zürich zurückgezogen. Am 10. Juli 1910 genehmigte die Delegiertenversammlung in Neuenburg unser Hüttenprojekt und deren Subvention mit 50 % des verlangten Kostenbetrages, wofür an dieser Stelle der wärmste Dank ausgesprochen sei. Mit dem Bau wurde von Baumeister Kaiser in Amsteg sofort begonnen, und bereits Mitte August waren die Fundamente erstellt. Das Holz, das bereits im Frühjahr im Etzliboden gefällt worden war, wurde im Laufe des Sommers hergerichtet und im Spätherbst an die Baustelle gebracht, wo es zum Teil beim Bau noch Verwendung fand. Frühzeitiger Schneefall vereitelte leider die Vollendung des Baues. Immerhin gelang es noch in der zweiten Dezember-woche, die Hütte, welche am 26. Oktober im Gerippe vom Baumeister abgenommen werden konnte, provisorisch mit Brettern einzuwanden und sämtliches Baumaterial unter Dach zu bringen.

Erst im Juni 1911 konnte die Wiederaufnahme der Arbeiten erfolgen. Trotzdem wurde die festgesetzte Bauzeit innegehalten, und es konnte am 16. Juli die Hütte zur Freude der dabei Anwesenden eröffnet werden. Dabei wurde folgender Prolog von Alfred Huggenberger gesprochen:

Bergheil.

Ein schmuckes Heim ist neu erstandenWo rings die schroffen Zinken ragen, Auf steilem Hang, am Gletscherrand:Wo stumm die Einsamkeit gebeut, Der fernen Ostmark Söhne reichenMagst, Wandrer, dich des Schutzes freuen, Der Urschweiz drin die treue Hand.Den dieses sichere Dach dir beut!

Die schnelle Thur, ein Kind der Berge,Fernab vom Strom der Allzuvielen Rief leise Sehnsucht in uns wach,Gehst du auf kaum betretnem Pfad; Wen zogen nicht geheime KräfteDer Berg zeigt die geheimsten Wunder Dem großen, stillen Leuchten nachNur dem, der ihm mit Liebe naht.

Bergheil! Ein guter Stern mög'walten Ob diesem gastlich oft'nen Haus! In lichten und in trüben Tagen Geh'alte Treu'drin ein und aus! Für alle zweiundzwanzig Brüder Ist ein bescheiden Plätzchen frei. Steig'jeder Gast gekräftigt nieder, Daß er zum Tagswerk tüchtig sei!

Die Hütte, 2080 m hoch gelegen, ist ein durch starke Eisenstangen wohlverankerter Holzbau von 5.5o X 5.oo m Bodenfläche und 5 m Höhe. Ein kleines durch Karboli-neum imprägniertes Haus, steht es hoch oben über Müllersmatt auf blumigem Hang und macht schon von weitem einen recht heimeligen Eindruck mit seinen weißgestrichenen Läden, Fenstern und Dachraffen. Der Architekt, unser Mitglied Herr W. Kaufmann, der die Pläne verfertigte und den Bau überwachte, hat es verstanden, dem Äußern gemäß den Prinzipien des Heimatschutzes ein gefälliges Kleid zu verleihen. Ebenso ist es ihm gelungen, den Anforderungen moderner Innenausstattung gerecht zu werden, wodurch eine Wohnlichkeit geschaffen wurde, die so recht zum Bleiben ermuntert. Jedes Winkelchen ist in dem kleinen Raume ausgenutzt, und überall sieht man bis in das kleinste Detail das Bestreben praktischen Sinnes. Reichlich ist das Inventar bemessen, und wohltuend wirkt die Einheitlichkeit des Koch- und Eßgeschirres aus Aluminium.

Das Erdgeschoß umfaßt einesteils den Wohn- und Kochraum mit einem großen Kochherde, neben welchem ein Schüttstein für die Abwasser als große Annehmlichkeit empfunden werden dürfte, andernteils hinter einem zierlichen Gitterkranze und farbigen Gardinen ein Matratzenlager — Kapok — für 8 Mann. Die eine Hälfte hiervon kann durch Vorhänge für sich abgeschlossen und alsdann für Damen reserviert werden. Im Dachraum ist für 14 Mann auf Heusäcken Unterkunft vorhanden. Jede Lagerstätte ist mit einem weichen Kopfkissen versehen, und es stehen 24 Wolldecken schwerster Qualität zur Verfügung.

Holz befindet sich im Dachraum des Abortes. Das weitere Erfordernis, Wasser, sprudelt in nächster Nähe als tadellose Quelle in reichlicher Menge.

Die Baukosten belaufen sich auf:

Bauleitung, Konzessionen uswFr. 429. 25 Bau der Hütte und Transport7,799. 35 Abort459. Inventar1,279. 95 Total Fr. 9,967. 55 Möge nun die Thurgauerhütte ihren Zweck erfüllen und jahrzehntelang bleiben ein trautes Heim fröhlicher Bergwanderer und eine Zufluchtstätte für jedermann in Zeiten der Gefahr.Dr. Vogler ( Sektion Thurgau ).

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