Die Romanischen Ortsnamen des Kantons St. Gallen

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Ueber Bosco speciell erfahren wir von Baragiola, daß der deutsche Name Gurin vom nächsten italienischsprechenden Weiler Gorino in der Gemeinde Cerentino abzuleiten sei. Dafür hat sich auch J. Hardmeyer, der in der Schweizerischen Rundschau 1891, Heft 6, pag. 359 ff., einen lehrreichen Artikel über Bosco geschrieben hat, entschieden, während er früher Gurin von Collina ableiten wollte. Baragiola hat auch das Gemeindearchiv von Bosco benutzt, wie vor ihm schon Prof. Janner ( cf. Bollettino Storico della Svizzera Italiana, vol. III, n° 11 und 12. Anno 1881 ). Es bietet wenig. Die älteste Urkunde ist von 1253 und betrifft die Gründung der Kirche. Eine andere von 1274 betrifft gewisse Alpen, welche die Boscesen von der Gemeinde Losone am Langensee zu Lehen nehmen, während sie früher an Leute von Pommat verpachtet waren. Das bestätigt wohl die Meinung, daß die Deutschen von Gurin ursprünglich über die „ Hintere Furke " aus dem Val Formazza gekommen seien. Das Deutsche ist in Bosco noch lebenskräftig, obschon die Schule ganz italienisch ist. Die Tessiner Regierung ist ihm nicht unsympathisch und die Bevölkerung hängt zähe an der alten Sprache und Sitte.

Wenn wir die neue Arbeit des verdienten St. Galler Germanisten in diesem Jahrbuch besprechen, so geschieht es nicht nur, weil in derselben einige Belehrung über Ortsnamen der Schweizer Nordalpen zu finden ist, sondern vor Allem, weil wir von der Fruchtbarkeit dieser Studien für die Zwecke des S.A.C. überzeugt sind und weil uns die Methode Götzinger's, Einschränkung auf ein bestimmtes Gebiet und systematische Erweiterung desselben, die einzig richtige zu sein scheint. Mit Eecht bemerkt der Verfasser, daß „ das Studium der Ortsnamen nicht nur eine Hülfsquelle der Philologie bilde, sondern auch auf Geschichte, Geographie, Völkerkunde und andere Zweige wissenschaftlicher Cultur-Erforschung einwirke ". Die wissenschaftlich nüchterne Behandlung des Stoffes, die sich nicht scheut, gelegentlich ihr Nichtwissen einzugestehen, lieber als mit etymologischen Phantasien einen trügerischen Schein der Sicherheit zu erwecken, hat uns besonders angenehm berührt in einer Literatur, in welcher sich der Dilettantismus breit macht, und wir möchten sie allen künftigen Bearbeitern ähnlicher Themata zur Nachahmung empfehlen. Zu thun ist noch, namentlich in den Gebirgsgegenden, für die Toponomastik der Schweiz ungemein viel; die Arbeit wird auch lohnend sein, mehr als man vielleicht ahnt, aber sie verlangt, wie alles Gehen in den Alpen, Ausdauer und Vorsicht, und scharfen Blick für die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges.

In der Einleitung wird in knapper Weise das Geschichtliche dargestellt, dann der Umfang der Arbeit festgesetzt, die Quellen angegeben, die Grundsätze der Lautlehre, die in Betracht kommt, genannt, die Siedelungsverhältnisse und endlich das Altersverhältniß zwischen Berg-und Flußnamen erörtert.

Auf ein Verzeichniß der benutzten Literatur und behandelten Gemeinden folgt ein allgemeiner Theil „ größerer Namenfamilien ". Wir heben aus diesen hervor die Gruppe Campus, zu welcher die mit „ Gams " zusammengesetzten Ortsnamen gehören. Bei einigen derselben ist Anlehnung an deutsches Gams = Gemse wahrscheinlich schon alt. Ferner die Gruppen Cingulum deutsch Tschingel, Furcula deutsch Furgge, Planca deutsch Plangge, Abhang, Puteus, Brunnen z.B. im deutschen Bützalp, Vallis = Thal, Tobel u.a. Die irrige Verdeutschung Vallis Rheni = Rheinwald kommt schon 1286 vor.

Aus dem speciellen Theil nennen wir: Calanda, vielleicht vor-romanisch, ein Etymon ist nicht bekannt.

Curfirsten d. i. die Firsten gegen Curwelschland. Davos ( kommt auch in G. Pfävers vorde abvorsum, dahinten.

Gaster und seine Zusammensetzungen deuten auf Nähe eines Schlosses, Castrum. ( Diese Deutung paßt zum bernischen Gasterthal schwerlich. Bemerk, des Ref. ).

Grappe und Ableitungen = Stein, Fels. ( Vergl. oben pag. 349 dieses Jahrbuches den Namen: Tete ä Pierre Grept in den Waadtländer Alpen. Bemerk, des Ref. ) Säntis. Die urkundlichen Formen sind Alpis Sambatina und Mons Sambiti. Sambatinus oder Sabatinus ist ein Taufname und der Name des Berges kommt also von dem Besitzer der Säntis-Alpen. Noch heute heißt in diesem Gebiet ein Alpgut Sämbtis.

Selun, eine Spitze der Curfirstenkette, ist wohl von Sella, Sattel abzuleiten.

Ich schließe, indem ich die verdienstliche Arbeit Götzinger's zu Studium und Nachahmung lebhaft empfehle.Red.

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