Die Schweiz. Jahrgang XXI, Nr. 7. Juli 1917

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In der „ Alpennummer " dieser vorzüglich redigierten einheimischen Zeitschrift, auf die ich im empfehlenden Sinne wiederholt aufmerksam machen möchte, begegnen wir einer Reihe von beachtenswerten Artikeln. Ich nenne zunächst, unter Verdankung des mir vom Verfasser zugestellten Separatabdruckes, die Beiträge unseres Zürcher Klubgenossen Gustav Knick: Über die Gefahren im Hochgebirge und Über die Klubhütten des Schweizer Alpenklubs ( mit vier Abbildungen ). Der erstere bewegt sich im gleichen Geleise wie der von Kruck verfaßte Artikel im „ Ratgeber für Bergsteiger " ( siehe S.A.C.J.. LI, pag. 213 und 217 ) und wiederholt dieselben wohlgemeinten Räte und Warnungen, die leider nur allzuoft von denen, auf die sie gemünzt sind, in den Wind geschlagen werden; der letztere bringt außer dem auf Grundlage meiner Festschrift zum 50jährigen Bestehen des S.A.C. bearbeiteten Hauptteil Neues über die oben ( pag. 251 ) erwähnten Cadlimò- und Albert Heim-Hütten der Sektion Uto S.A.C. Hier sind besonders auch die Abbildungen ( Grund- und Aufriß ) wertvoll. Die Alpennummer der „ Schweiz " enthält außerdem auf die Alpen bezügliche Gedichte von Ernst Zahn, auf die ich hier nicht eintreten kann. Ebensowenig auf Victor Hardungs „ Liebesfahrten der Eisheiligen ", weil hier nur ein Bruchstück vorliegt, und Heinrich Federers Artikel über Nikiaus von der Flue, von dem das nämliche gilt. Dagegen nicht von den Skizzen aus den Alpen von Felix Beran. Die erste, betitelt „ Zur Guggihütte ", handelt von dem Gang, den der Verfasser mit einer Dame und einem jungen Führer von der Station Eigergletscher aus zur Hütte machte, wo sie den Überlebenden einer Zweierkolonne antrafen, die bei einer Mönchbesteigung zu Fall gekommen war. Die Aufsuchung und Bergung des Verunglückten wird lebendig erzählt. Die zweite Skizze, „ Abstieg " betitelt, gibt die Eindrücke wieder, die ein empfindsamer Feriengast bei der Rückkehr von der Station Jungfraujoch nach Wengen am Schluß der Saison von dem Aufenthalt in jenen Höhen mit sich nach Hause nimmt. Dann folgen als eine Überraschung für mich, der nicht wußte, daß unser Altmeister in Mußestunden auch der Poesie huldigt, kurze Gedichte von Albert Heim über alpine Themata. Ein mit vier Kunstbeilagen und zwei Reproduktionen im Text geschmückter Artikel von M. W. bringt uns Ferdinand Hodler als Alpenmaler näher. Auch wenn man nicht allen Deutungen zu folgen vermag, welche M. W. und der von ihr zitierte Hans Mühlestein dem alpinen Werk des eben erst verstorbenen Meisters angedeihen lassen, kann ich doch nicht umhin, zu gestehen, daß zwei der Vollbilder: Die Lawine ( 1887, Museum Solothurn ) und Aufstieg ( 1894, deponiert im Zürcher Kunsthaus ), wie Offenbarungen auf mich gewirkt haben und in mir den lebhaften Eindruck wieder wachriefen, den seinerzeit Hodlers „ Bach im Winter " mit dem Wetterhorn im Hintergrund auf mich machte, als ich dieses Gemälde zum ersten Male sah. Auch die Reproduktionen des „ Thuner-scc " ( 1904 ), „ Jungfrau, Mönch und Eiger " ( 1908 ) und „ Niesen " ( 1910 ) wirken eindringlich, obschon sie nach meinem Gefühl nicht an jene Größen aus der Genferzeit heranreichen. Wie gelegentlich Ferdinand Hodler über seine Kunst spintisiert—ein paar seiner Aphorismen sind in der „ Schweiz " mitabgedruckt — so will uns Prof. Dr. Fridolin Becher in seiner topographisch - ästhetischen Skizze an der Hand von zwei bildlichen Darstellungen: Hausstock auf dem Plakat der Sernfthalbahn, nach Photographie von E. Jeanrenaud, und Die Kurve am Hausstock, nach Zeichnung von Prof. Becker, in den Bergen schauen und sehen lehren. Die Methode ist originell und das Resultat verblüffend, wenn wir die beiden Bilder nebeneinander halten. Ich bin überzeugt worden. Was aber werden die „ Glazialgeologen " sagen, wenn ihnen Prof. Becker in diesen beiden Bildern zuerst die beliebte Trogform vor Augen führt, ja durch eine Linie markiert, um sie dann wieder wegzueskamotieren mit der Bemerkung, daß sie „ in der Wirklichkeit nicht existiere, sondern nur aus dem Hintereinandersehen von bestimmt geneigten Teilen erscheine "? Populär-wissenschaftlichen Charakter hat der mit einer Tafelbeilage und sieben Abbildungen im Text geschmückte Artikel von Ludwig Schröter über die Alpenflora. Zusammen mit dem Artikel über das gleiche Thema im „ Ratgeber für Bergsteiger " ( siehe S.A.C.J.. LI, pag. 213 und 217 ) und mit dem oben pag. 170^-211 abgedruckten und noch viel reicher illustrierten Aufsatz meines neuen geschätzten Mitarbeiters erhalten wir ein ungemein lebendiges Bild über die schweizerische Alpenflora durch einen ihrer besten Kenner und Erforscher. Liebe alte Bekannte finden wir in dem darauffolgenden Aufsatz: D as Heiden wasser ( mit sechs Abbildungen ) von Dr. F. G. Stehler. Was der Verfasser über dieses Thema, die Wasserleitungen von Visperterminen, 1900 in seiner dem Jahrbuch XXXVI beigelegten Monographie: Ob den Heidenreben, uns noch nicht berichten konnte, weil es noch nicht bestand, holt er hier nach, nämlich die Geschichte der neuen Zuleitung aus dem Nanztal durch einen das Gebüdem durchtunnelnden Stollen von 2667 m Länge, der 1897 projektiert, nach manchen Verzögerungen und Schwierigkeiten 1915 durchschlagen und am 9. August 1916 feierlich eingeweiht wurde. Eine Neuerung gegen früher ist auch, daß der neue Wässerkanal streckenweise nicht mehr in den kostspieligen und reparaturbedürf-tigen Holzkäneln, sondern in Zementröhren läuft und daß der winterliche für Bewässerung nicht nötige Zufluß aus dem Stollen dem Lonzawerk im Ackersand zwischen Visp und Stalden zugeleitet wird. Man spürt Stebler die Freude an, die es ihm macht, von dieser Arbeitsleistung eines ihm sympathischen Bergvölkleins in Wort und Bild berichten zu dürfen. Ein interessantes Gemisch von wissenschaftlicher Belehrung und touristischer Erzählung bietet unter dem Titel: Auf Gletscherspuren ins Oöschenertal ( mit sechs Abbildungen nach Originalaufnahmen des Verfassers ) Prof. Dr. Leo Wehrli. Diese Gletscherspuren leiteten ihn und seine Schülerinnen von der höheren Töchterschule in Zürich von Göschenen das Göschenental hinauf zur Göscheneralp und weiter auf den Kehlengletscher bis in die Nähe der Kehlenhütte der Sektion Pilatus und auf dem gleichen Wege zurück. Es muß eine Freude sein, mit einem solchen Lehrer zu wandern und in die Geheimnisse der Gletscherwelt eingeweiht zu werden. Der in munterem Tone und ohne literarische oder wissenschaftliche Prätension plaudernde Verfasser der Ferientage im Wallis, Hans Corrodi, läßt uns leider mit einem „ Schluß folgt " im Stich, bald nachdem er über die Gemmi in dieses gelobte Land gekommen ist. Nur die Abbildung 6 belehrt uns, daß er später das Weißhorn auch von dem Pas de Forcletta zwischen Ayer und dem Turtmanntal erblickt hat.

Und damit wollen auch wir mit der Besprechung der Alpennummer der „ Schweiz ", von der wir lieber sagen möchten „ Fortsetzung folgt ", Schluß machen. Redaktion.

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