Doppelüberschreitung des Mont Blanc

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Von Alfred Zürcher. Peutereygrat.

9 Uhr abends flogen die Rucksäcke in der überfüllten Vallothütte in die Ecke. Den letzten Tropfen Kognak schütteten wir in ein Gemisch von Eiswasser und Tee. Knubel fand auf einer Pritsche kärglich Platz, Lochmatter stellte die Tragbahre auf, ich warf zwei Seile auf den nassen, kalten Hüttenboden — ruhte und träumte — träumte von unserer Fahrt — konnte es kaum glauben, dass ein jahrzehntelanger Wunsch, mein Jugendtraum, am 9. August so schön in Erfüllung ging.

Nach 20stündigem Aufstieg über den Peutereygrat zum Mont Blanc lagen wir geborgen, wunschlos glücklich zwischen vier Holzwänden auf 4360 m, eine Stunde unterhalb des höchsten Gipfels der Alpen. Gedanken flogen zurück zu den ersten Morgenstunden, Bilder zogen vorüber, lösten in bunter Reihenfolge einander ab und verflochten sich zu einem grossen Ganzen, zu einem Erlebnis sondergleichen.

Um 130 Uhr morgens hatten wir die Gambahütte, Stützpunkt der drei längsten und schwersten Gratbesteigungen zum Mont Blanc, verlassen.

Wir seilten uns erst beim Betreten des stark zerrissenen Fresneygletschers an. Knubel fand den am Vortage hergerichteten, mit Blättern markierten Durchgang zum andern Ufer, ohne ein einziges Mal eine Unachtsamkeit zu begehen. Ganz fabelhaft ist sein Instinkt und Orientierungssinn.

Gähnende, schwarze Spalten, ein wirres Durcheinander, Krachen, Poltern, zerschlagene Eistrümmer, phantastisch ins Leere hängende Eisnadeln — das ist der Fresneygletscher, der wildeste, unberechenbarste aller Gletscher. Eine blanke Eiszunge leitet zu schroffen, glatten Felsen. Steigeisen ab. Wir zwängen uns einen engen, stotzigen, wohl 300 m langen Riss hinauf, bezwecken durch diese von Hoerlin und Schneider ausprobierte Variante die Umgehung des so steinschlaggefährlichen Couloirs zur Brèche Nord des Dames Anglaises.

Nach kurzer Erfrischungspause geht 's den unschwierigen aber steilen Grat hinauf, wo ein Absatz hoch oben uns an die lockere Ostwand hinaus zwingt. Knubels rechter Fuss wird durch einen wackligen, grossen Block eingezwängt. Mit vereinten Kräften bringen wir ihn frei. Immer mehr in die Ostwand hinaus! Wir jagen durch die erste schmälere Schlucht weiter ins grosse, gefährliche Couloir hinein. Vereinzelte Steine fallen — pressieren, pressieren — ein Block schlägt über uns auf — Prellschüsse durchsurren die Luft — wie gehetztes Wild jagen wir davon. Ein Felsabsatz bietet Schutz. Los — wir stehen auf der Kante, steigen empor zum Felsgrat, der wild in starres Eis übergeht und zum Gipfel führt.

Zwei wunderschön hergerichtete Biwakplätze bieten Gelegenheit zum Verschnaufen. Dann beschweren wir unsere Füsse wiederum mit Steigeisen.

Neunmal zähle ich auf hundert, bis wir um 1030 Uhr auf der Aiguille de Peuterey stehen. Unbeschreiblich schön ist der Blick auf den Brouillardgrat, den Peutereygratanstieg und in die Brenvaflanke hinein.

Wie Seiltänzer balancieren wir dem steil abfallenden Schneegrat entlang. Zweimal seilen wir ab und stehen genau zur Mittagszeit auf dem Col de Peuterey, 3984 m. Dort lassen wir uns zu einer langen Rast nieder.

Die Weltabgeschiedenheit, der feierliche Frieden wären vollkommen; aber gerade über uns jagen unheimliche Geschosse zum Glacier de 1a Brenva hinunter, und vom Peutereygrat stürzen Eislawinen dem oberen Fresneygletscher zu.

An die tief in den Schnee gestossenen Pickel gelehnt, erleben wir diese Mittagsrast als etwas derart Schönes, Einmaliges, dass der Aufbruch uns allen schwer wird. Zögern ist diesmal erlaubt, weil Wetter und Verhältnisse überaus günstig sind.

Um 230 Uhr brechen wir auf. Mächtig holen wir aus, dem ersten Eisbruch zu, wo Lochmatter und ich Deckung vor herabfallenden Steinen suchen, während Knubel die Eiswand hinaufhackt. Wir folgen nach — steil sind die Felsen — steinschlaggefährlich der Weg — wir springen schliesslich auf den richtigen Grat, steigen unaufhaltsam, Schritt für Schritt kommen wir der grossen Höhe näher.

Vereinzelte, eisüberzogene Felsblöcke bilden Stützpunkte, ungesichert diängen wir vorwärts bis zur letzten, mächtigen Eiskante, die Knubel in meisterhafter Weise bearbeitet. KirchturmähnJich geht es wohl 100 m hinauf. Noch nie auf allen meinen Fahrten bin ich so steil auf Eis emporgeklommen. Senkrecht stehen wir in den Stufen; manchmal ist das Gesicht nur 30 bis 40 cm vom Eis entfernt. Wir klettern ganz aufgeschlossen — vier Stufen genügen, um meine Augen mit den Absätzen Lochmatters in eine Linie zu bringen. Wir leisten das Äusserste an Kraft und Willen — da, ein Jubelruf von Knubel — hoch stösst er den Pickel auf die andere Seite des Grates, ein Ruck, er liegt bäuchlings auf dem ebenen Firn — lacht und jauchzt wie ein Kind. Tiefbewegt liegen wir bald darauf neben ihm in der Sonne.

Es war kurz nach 6 Uhr, als wir die letzten Hindernisse hinter uns hatten. Die günstigen Verhältnisse ermöglichten es uns, diesen Absatz, für den andere Partien bis 16 Stunden gebraucht haben, in 3 1/2 Stunden zu erklettern. Wir standen auf dem Mont Blanc de Courmayeur, der nur ca. 50 m niedriger ist als der eigentliche Mont Blanc, warfen Rucksäcke und Rock auf sonnen-durchwärmte Platten und hielten nochmals Rast.

Keiner sprach — das Schweigen dieser erhabenen Stunde war beredter als Worte, war gegenseitiges Verstehen und stummes Bekennen unserer Freude und Ergriffenheit.

Um 7 Uhr brachen wir auf. Das Schlussstück, den Dom hinan, war ein gemütlicher Feierabendspaziergang.

Wir waren auf dem höchsten Berg angelangt. Der Tag ging unter in einem Flammenmeer — unendlich und feierlich. So müsste auch unser Lebensabend sein. Der 9. August 1933 mit seinem überwältigend schönen Ausklang wird mir Symbol und das grösste Erlebnis in den Alpen bleiben.

Brouillardgrat.

Frühmorgens um 7 Uhr standen wir wieder auf dem Mont Blanc. Warm war es — kein Lüftchen wehte. Die Fernsicht war unendlich — vom Viso bis zum Ortler — die Ruhe, der Frieden passten dazu.

Doch halt — surren nicht auf einmal gegen den Kleinen St. Bernhard Flieger durch das Blau und verzieren den Himmel mit farbigen Wölkchen — und tönt es nicht kurz darauf wie ferner, grollender Donner zu uns herauf? In den italienischen Alpentälern sind grosse Manöver — die schwere Artillerie brüllt und stört den Frieden.

Wir schnallen die scharfen Steigeisen an. Knubel braucht länger als sonst; er fühlt sich gar nicht wohl. Den Magen hat er sich in der Grands Mulets-Hütte gründlich verdorben. Wir überlassen ihm den Entschluss zur harmlosen Rückkehr oder zum Abstieg über den Brouillardgrat. In Gottes Namen. Er zeigt nach Süden. Nun steht uns ein schwerer Gang bevor.

Schnell sind wir drunten auf dem Mont Blanc de Courmayeur. Dort, wo der Peutereygrat einmündet, schauen wir nochmals unseren Aufstiegsweg hinab. Dann biegen wir ziemlich stark nach Westen und folgen dem abwechslungsreichen Grat.

Es ist ein Genuss, ihn zu begehen — Zacken und Grattürme sind durch heikle Schnee- und Eisgrätchen miteinander verbunden. Oft stehen wir auf dem Grat; manchmal weichen wir etwas südlich, dann wieder nordwärts aus. Alles wäre recht; nur Knubel ist gar nicht auf der Höhe. Nicht einmal rauchen mag er mehr; das ist schon schlimm. Wir nehmen ihm den Rucksack ab und steigen tiefer ab. Der Mont Blanc-Gipfel gewinnt an Höhe und Mächtigkeit.

Unvermittelt stehen wir über dem letzten Gratsturz, der zur kleinen Scharte zwischen ihm und dem Pic Amadeo hinabführt. Jetzt geht Knubel voran, Lochmatter sichert ausnahmsweise, es ist besser so. Warm sind die Felsen und solid — kurze Kamine, grosse Platten, kleine Abbrüche wechseln ständig ab. Zweimal werfen wir das Seil um Zacken und lassen uns mühelos hinunter. Warme Luft löst sich beim Anprallen an Schnee und Eis in Nebel auf. Das gibt herrliche Bilder. Schade um Knubel; er tut uns leid, und leistet 's doch mit seiner Energie.

Im letzten Stück zur Scharte seilen wir uns durch einen Riss ab. Dort lösen wir mächtige, lose Blöcke freiwillig vom Grat und jagen sie das schauerliche Couloir hinunter. Hei, wie sie aufschlagen und zerschellen. Schwefel-und Feuergeruch kommt zu uns herauf. Wir freuen uns wie Kinder des harmlosen Spiels. Da kommt nie ein Mensch herauf.

Ein heikler Aufstieg durch lose Blöcke bringt uns schon um 11 Uhr auf den ebenen Gipfel des Pic Amadeo. Auf herrlich warmen, länglich geformten Granitplatten legt sich Knubel hin. Eine halbe Stunde Ruhepause. Biskuit, Zucker, verbotenes Getränk aus der Notaluminiumflasche wirken Wunder. Es wird Knubel besser. Er lacht wieder, freut sich mit uns über den schönen Tag. Wundervoll öffnet sich der Blick gegen den kühngeformten Bionassay- grat. Wir sind immer noch auf 4472 m Höhe. Ein Schmetterling kommt geflogen. Es ist Mittag.

Wir werfen die Rucksäcke um, Lochmatter geht jetzt voran. Leichte Schutthänge springen wir hinunter, biegen von Westen nach Süden um. Nun wird es ernst.

Das Couloir, das Knubel am 9. August 1911 beim ersten Aufstieg vom Col Emil Rey benützte und das seither so selten begangen wird, ist der vorgerückten Tageszeit wegen viel zu steinschlaggefährlich. Entweder biwakieren oder den ca. 300 m tiefer liegenden Col Emil Rey durch ständiges Abseilen gewinnen.

Es ist Samstag. Die Führer wollen am Sonntag nach Courmayeur in die Kirche. Also fest drauflos. Durch lange tiefe Risse, an schmalen, gutgriffigen Kanten, glatten Wandstufen wird abgeseilt. Es geht, dass es eine Freude ist. Hei, wie die Steine vom gegenüberliegenden Mont Brouillard hinunterpfeifen. Wir finden immer abwärts Möglichkeiten.

Bald stehen wir nur noch 50 m oberhalb dem Col Emil Rey, 4007 m. Dort zwängen wir uns zu dritt in einen engen Riss und stehen auf einer eingefrorenen Platte. Gefährlich ist 's. Wir pressieren. Ein letztes Seilausgeben, und wir entsteigen der Wand etwas unterhalb der eigentlichen Scharte, die wir über leichte Felsstufen gewinnen.

Es ist 330 Uhr. Pickel und Rucksack lassen wir zurück. Den Photoapparat in der Tasche eilen wir den brüchigen Grat hinauf. Genau um 4 Uhr nachmittags stehen wir auf dem Mont Brouillard.

Tief und ernst schaue ich in die Augen meines lieben Josef Knubel und drücke ihm dankbar die Hand. Das Herz ist mir übervoll.

Nun ist mir kein Gipfel über 4000 m in den gesamten Alpen mehr fremd. Alle 76 habe ich von den leichten bis zu den schwersten Routen erklettert, 132 mal auf 4000 m meinen jeweiligen Begleitern Dank gesagt. Es ist mir ganz eigentümlich zu Mute. Ist es Freude am Vollbrachten oder Trauer? Vielleicht beides — ich weiss es nicht.

Kurz die Rast — die Zeit drängt. Der Abstieg über den Brouillardgletscher zur Gambahütte wird eingehend besprochen. Er gefällt uns gar nicht, quert doch der Weg auf mehrere hundert Meter den Auslauf des so steinschlaggefährlichen Couloirs, das vom Pic Amadeo hinunterführt und dem wir ja vor kurzen Stunden ausgewichen waren.

Zu unsern Säcken zurückkehrend sind wir Zeuge, wie eine Salve die andere ablöst. Eine ganz böse poltert und knattert wie Maschinengewehrfeuer.

Wir warten deshalb mit dem Abstieg so lange wie möglich. Erst nach 5 Uhr hackt Lochmatter die ersten Stufen in wahnsinnigem Tempo hinunter. Die fortwährenden Steinfälle und die von Knubel so oft geäusserte Bemerkung: « Für nichts in der Welt ginge ich am Nachmittag da hinunter », rufen in mir innere Unruhe und Gereiztheit hervor, die mir bis dahin fremd waren.

Unheimlich steil geht 's auf schwarzem, durchlöchertem Eis hinunter. Da, wo das letzte Eis sich den beinahe senkrechten Felsabstürzen des Pic Amadeo anwirft, suchen wir unsern Weg. Weit im Bogen schwirren die Geschosse über unsere Köpfe hinweg. Solche ohne Schwung könnten uns wohl harmlos treffen. Eine 10 m tiefe Eisschlucht versperrt den Weg.

Lochmatter hackt wie der Teufel hinunter, überhört mein Rufen, das Seil sei aus, und reisst mich aus den Stufen, in denen die Zacken nur kümmerlichen Halt fanden. Knubel hält, ich finde schnell wieder Stand, und schon hackt Lochmatter wieder zu den Felsen hinauf.

So geht es in wilder Hast abwärts. Wundervoll, wie Knubel jetzt im Element ist. « Die verfluchten Steine treffen uns sicher nicht », schreit er immer. Aber nach 1 1/2 Stunden Sperrfeuer atmen wir doch alle tief auf, als wir auf dem Schneegrätchen anlangen. Eine Nervenanspannung sondergleichen! So könnte ich mir den Krieg vorstellen!

Den Schneekamm fahren wir hinunter und stehen kurz vor 7 Uhr an den obersten Spalten des wild zerrissenen Brouillardgletschers, der ebenso bös und schlimm wie der durch den Innominatagrat von ihm getrennte Fresneygletscher im Val Veni ausmündet.

Durch Umlaufen, Überspringen und Überschleichen geht 's stetig abwärts. Unvermittelt stehen wir vor einem mächtigen Querspalt, der den Gletscher in seiner ganzen Breite wohl gegen tausend Meter von Ufer zu Ufer durchreisst. Keine Brücke führt hinüber. Etwa ein Meter oberhalb des Abbruches wird in blankes Eis ein gegen 30 cm breiter Ring gehauen. So haben wir einen festen angefrorenen Eiszapfen. Um ihn legen wir das lange Reserveseil und lassen zuerst Knubel in die Tiefe des senkrechten Eisbruches, und zwar so, dass seine Steigeisen an die Wand eingepresst werden und der Körper im rechten Winkel zu der Eiswand steht.

Bereits sind 20 m Doppelseil ausgegeben, als Knubel im Bruch drinnen auf einer Schneebrücke Halt findet, über dieselbe behutsam kriecht und den gegenüberliegenden Eishang hinaufhackt, der selbstverständlich nicht so hoch ist wie der obere Teil. Inzwischen hat er guten Stand gefunden.

Ich komme an die Reihe. Durch die ständige Nervenanspannung sowie durch diese neue Schwierigkeit gerate ich in eine recht böse Stimmung. Ich schimpfe und fluche, habe Angst und tue wirklich dumm. Da spricht mein Führer das stolze Wort: « Vergessen Sie nicht, dass Sie Josef Knubel bei sich haben. » Im Moment bin ich wie umgewandelt. Volles Vertrauen kommt wieder über mich. Ich bin wieder ganz auf der Höhe und bekomme geradezu Freude an dieser Abseilerei.

Ist es nicht unglaublich, wie ein einziges Wort, zu rechter Zeit gesprochen, Wunder wirken kann?

Bald bin auch ich drunten auf der schwachen Brücke, krieche bäuchlings über sie hinweg und vollziehe den Aufstieg zu Knubel in der mit Stufen hergerichteten Eiswand, in die auch Griffe für die rechte Hand gehauen sind. Lochmatter vollführt den Abstieg ohne Sicherung von oben und kommt nur am doppelten Seil zu uns herunter. Mit vereinten Kräften ziehen wir das Seil ein.

Wieder geht es ein Stück abwärts. Da löst sich unversehens, kaum hundert Meter von uns entfernt, ein Serac wie eine Kirche so hoch und stürzt mit unheimlichem Gepolter und Getöse zusammen. Wild stäuben die Schnee-und Eiskristalle in die Abendluft hinein — minutenlang.

Wieder durchbricht ein Spalt den Gletscher. Knubel und ich werden von Lochmatter am Seil hinuntergelassen. Die Rucksäcke werden abgeseilt. Lochmatter selbst hackt an der Gletscherlippe eine kleine Kanzel, um von dort herabzuspringen. Er wirft uns den Pickel zu, und wie er senkrecht droben steht, schüttelt er den Kopf und meint: « Es ist verdammt hoch. » « Besinn dich nicht, halt den Kopf zurück — zieh die Knie ein! », befiehlt Knubel. Wir zählen auf drei — und in diesem Moment springt Lochmatter in kühnem Bogen zu uns herunter, nachdem zuvor alle nötigen Sicherheitsmassnahmen getroffen worden.

Gegen 3 m breit und genau 6 m tief war der Sprung. Viele würden dieses Husarenstücklein nicht nachmachen. « So Hermann, das hast du gut gemacht, ich bin zufrieden », lobt Knubel.

Aber schon stehen wir wieder in den Seilen. Knubel führt meisterhaft und eilig über das letzte grosse Hindernis hinweg. Um 930 Uhr abends überspringen wir beinahe übermütig den letzten Eisbruch. Nass wie wir sind, schadet es unsern Hosen nicht, dass wir zu dritt aneinandergeklammert, sitzend, den spaltenlosen schüssigen Abhang auf weichem Schnee hinuntergleiten. Der Übergang auf die lockere Geröll- und Schutthalde ist eine angenehme Abwechslung. Wir fahren darin stehenden Fusses in nächtlicher Dunkelheit ab. Das war am 12. August 1933.

Nach vier Tagen Abwesenheit lösen wir um 930 Uhr abends die nassen Seile vor der Gambahütte. Wir gönnen uns einige Stunden Ruhe und laufen am Sonntagmorgen in aller Frühe nach Courmayeur hinaus.

Die Führer gehen zur Kirche, um zu beten und zu danken. Mich treibt es mit aller Macht hinaus auf jene blumenreiche Wiese. Dort werfe ich mich ins Gras. Eine grosse Ruhe ist in mir. Ergriffen schaue ich empor zu den gewaltigen Bergen, deren Gräte der Unendlichkeit zustreben, und halte für mich allein eine stille Erinnerungsfeier, die eine Welt von Schönheit, froher Erfüllung und tiefster Dankbarkeit in sich schliesst.

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