Dr. Chr. Luchsinger: Die schweizerische Alpwirtschaft im Spiegel der Mundart

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

In einer wissenschaftlich durchaus einwandfreien Weise und doch sehr lesbaren Form entrollt uns der Verfasser ein weit über den Titel seiner Broschüre hinaus-gehendes Kulturbild von der Entwicklung der schweizerischen Alpwirtschaft von prähistorischen Zeiten an bis auf die Gegenwart und unter den Händen der vor- römischen ( lepontischen und rätischen ), der romanisierten keltischen und rätoromanischen Bevölkerung, der eindringenden und später über die Pässe von Süden nach Norden und von Westen nach Osten hin und her wandernden alemannischen, burgundischen und ostgermanischen Stämme. Eine Menge von Tatsachen, die gar nicht oder ungenügend bekannt sind, werden ins Licht gerückt, und die Sprachforschung kommt der Siedelungs- und Wanderungsgeschichte zu Hülfe.

Die Kombination dieser drei Wissenschaften gibt überraschende Resultate. Wir lernen eine Reihe von alpwirtschaftlichen Altertümern, speziell aus dem Wallis, kennen, gewinnen Einsicht in die dort und anderswo von alters her vorkommende Form der Einzelalpung, den Alpbetrieb im Hüttendorf durch die vom Tal ab- und zuwandernde Familie. Aber auch der genossenschaftliche Großbetrieb ist im Wallis zu Hause und findet in der von Dr. Luchsinger eingehend geschilderten Hierarchie der Älplerfamilie seinen Ausdruck. Zu dem nach Dr. Luchsinger ( pag. 38 ) nicht bestimmt zu fixierenden Anfang dieses Betriebs im Wallis möchte ich bemerken, daß mir der in meinem „ Führer für Saas-Fee und Umgebung " pag. 37 dargestellte Erwerb der Alpen von Distel, Mattmark und Eyen durch die „ ganze Gemeinde von Saas vom Martiswald einwärts " von den Grafen von Blandrate am 3. Oktober 1300 ohne gleichzeitig angeordneten Genossenschaftsbetrieb durch die Gemeinde selbst undenkbar scheint. Als weiteren Beitrag zur Ergänzung der von Dr. Luchsinger ( pag. 45 ) gebrachten historischen Belege über Eigentumsveränderungen durch andauernde Alp-bewirtschaftung möchte ich ihn auf die bekannten Grenzverschiebungen am Surenenpaß verweisen, bei welchen die Urner der gewinnende, das Kloster Engelberg der verlierende Teil war. Ebenso gehört, wenn auch nicht zu Verschiebung von Staatsgebiet führend, hierher der oben ( pag. 324 ) erwähnte Ankauf der Oberaaralp durch die Gemeinde Törbel 1514. Aber von diesen und einigen ähnlichen Kleinigkeiten abgesehen, wüßte ich den Verfasser nicht zu belehren, während ich von ihm sehr viel gelernt habe. Auch diese Arbeit wird eingehend berücksichtigt werden müssen, wenn es sich darum handelt, die Völkerverschiebungen in den Schweizeralpen, speziell um den Gotthardstock als Zentrum herum, welche das ganze Mittelalter von der Karolingerzeit an füllen, in ihren Einwirkungen auf die Erwerbs- und Verkehrsverhältnisse zur Darstellung zu bringen, was doch recht bald geschehen sollte. Nur aus Raummangel versage ich es mir, aus Dr. Luchsingers Vortrag hier weitere Auszüge zu bringen, speziell aus dem Gebiete der Übertragungen an Sprachgrenzen. Nur auf eins sei hier noch verwiesen. Das erste Mal, wo meines Wissens der Ausdruck „ Gletscherdas verdeutschte glacier, zu glacies ", Luchsinger pag. 40 ) in der Literatur vorkommt, bei Ägidius Tschudi 1538, bezieht er sich auf den zwischen deutsch gewordenem und französisch gebliebenem Sprachgebiet liegenden Theodulpaß und verrät seinen Ursprung noch in der Form „ Glätscher".Redaktion.

Feedback