Dr. Hans Heß: Die Gletscher

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Eine ebenso unerwartete wie erfreuliche Gabe tritt allen denjenigen in diesem Buche entgegen, die in irgend einer Weise für die wissenschaftlichen Aufgaben des Alpinismus sich interessieren oder gar aktiv mitmachen. Und für uns Schweizer doppelt erfreulich, nicht nur weil der Anteil der Schweiz an der Gletscherforschung darin überall durchschimmert, sondern namentlich weil sie uns Schweizern ermöglicht, uns in diesem für uns stets aktuellen Gebiete zu orientieren, wobei wir dankbar anerkennen wollen, wie viel der mächtige D. & Ü. A. Y. für derartige wissenschaftliche Forschungen leistet und wie danach auch die Resultate glänzend sind, welche seine ausgesandten Pioniere in oft mühseliger praktischer Arbeit wie in geistreicher Theorie eingebracht haben. Wobei es ein Vorzug ist, in dem Autor dieses Handbuches nicht den objektiv trockenen Berichterstatter, sondern den Mitstreiter neuer Anschauungen an der Arbeit zu sehen, so daß sich unbedingte Sachkenntnis mit lebendiger Anteilnahme am eigenen Werk vereinigt. Aber auch die Fachleute, welche den Forschungen und Resultaten der deutschösterreichischen Gletscherforscher, wie sie in den verschiedenen Publikationen des Alpenvereins niedergelegt sind, stets mit Interesse folgten, wird das Buch erst recht willkommen sein, schon des riesigen Materials wegen, das darin verarbeitet ist. Und wenn auch für Eiszeit und verwandte Erscheinungen das eben erscheinende Werk von Penk und Brückner1 ) auf breiter Basis die neuern Resultate dieses Zweiges der Gletscherforschung zur Darstellung bringt, so ist das betreffende Kapitel des Hess'schen Buches schon im Hinblick auf den mehr fachwissen-schaftlichen Charakter der eben erwähnten Publikation keineswegs überflüssig.

Ungemein lehrreich gestaltet sich eine Vergleichung der im Jahre 1885 erschienenen Gletscherkunde von A. Heim mit dem vorliegenden Werke. Beide zeigen in gleich vollendeter Weise den jeweiligen Stand der Gletscherforschung, und der Unterschied repräsentiert die 20jährige Arbeit eines großen Stabes von Gelehrten und die enormen Fortschritte in der Methode wie in der Breite des Beobachtungsmaterials. WTie ganz anders konnten jetzt die Ergebnisse der nordischen Glaciologie Verwendung finden, wie beginnen nicht Kaukasus und Himalaya, die Rocky Mountains und das tropische Afrika Beiträge zu liefern! Wenn wir etwas bedauern, so ist es, daß die Resultate der Rhonegletschervermessung noch nicht so weit verarbeitet sind, daß sie in dem Buche Aufnahme finden konnten. Nicht etwa als ob zu erwarten wäre, sie hätten zu wesentlichen Änderungen Anlaß gegeben; wohl aber darf man hoffen, daß die mit Ruhe und Konstanz durch viele Jahre durchgeführte Beobachtungsreihe Material bieten wird, um vielleicht manche erst gewonnene Resultate fester zu begründen und vielleicht auch wieder neue Rätsel aufzugeben.

Die Ausstattung des Buches ist, wie man es vom Verlag Vieweg gewohnt ist, eine sehr gute; kein modernes Bilderbuch, aber was da ist, vortrefflich.Dr. E. Zeller ( Sektion Bern ).

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