Eine Überschreitung des Grand Combin

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Mit 2 Bildern ( 59, 60Von Walter Schmid

( Bern ) Keiner unserer Viertausender steht so frei von Nebenbuhlern im Kranz der Berge, so abseits von seinesgleichen wie der 4317 Meter hohe Grand Combin am Grossen St. Bernhard. Von den Riesen um Zermatt bis zu den Trabanten des Mont Blanc macht ihm kein einziger Gipfel die Herrschaft streitig.

Der Wunsch, den gewaltigen Wächter am Jupiterberg zu besteigen, war vor vielen Jahren auf dem Gipfel der Dent de Morcles erwacht. Der schöne weisse Dom, der einen so grossen Teil des südlichen Horizontes beherrscht, hatte damals von einem ergrauten Alpenklübler den entschiedenen, wenn auch ehrfurchtsvollen Vorwurf bekommen, für den Bergsteiger von « erdrückender Länge » zu sein. Der Drang, dem einsamsten aller Hochgipfel die Reverenz zu erweisen, blieb aber doch stärker als das Wissen um die Tatsache, es mit einem Berg zu tun zu haben, dessen Scheitel nur nach langem Marsch betreten werden kann. Zumal das Studium der Literatur auf die Möglichkeit hinwies, die Besteigung doch etwas kürzer und zudem noch interessanter gestalten zu können, indem der Aufstieg von Westen und der Abstieg gegen Norden gewählt wurde.

Die erste Etappe der grossen Reise zu dem einsamen Gipfel ist Bourg-St-Pierre. Es sind ziemlich genau dreimal fünfeinhalb Stunden von Bern auf den Grand Combin. Ein gleichmässig verteiltes Pensum von Anfahrt in diversen Beförderungsmitteln, dem Bummel in die Hütte und dem Sturm auf den Gipfel, wenn man so sagen darf.

Die Glocken im alten Turm von Bourg schlugen gerade 12, als der gelbe Postwagen durch die enge Gasse fuhr. Ich schickte mich deshalb an, mir im Gasthof, wo seinerzeit auch Napoleon zu Mittag gegessen hat, ein den Gesetzen der Obrigkeit entsprechendes fleischloses Mahl servieren zu lassen, in der Meinung, zwischen den lachenden Spiegeleiern und dem goldenen Käse meine historischen Kenntnisse etwas bereichern zu können. Was aber leider nicht gelang, da die etwas kurz angebundene Wirtin über die besagten Spiegeleier, den köstlichen Käse und den etwas weniger köstlichen Wein hinaus nur noch für meine Mahlzeitencoupons Verständnis aufbrachte. So bin ich denn zum Trotz nicht ins obere Stockwerk hinaufgestiegen, wo der illustre Gast im Mai 1800 sein Mittagessen eingenommen hat und wo noch heute das Tischchen und der schäbige Fauteuil zu sehen sind, die er dazu benützt haben soll. Mein Führer war allerdings etwas verwundert ob dieser Unterlassungssünde, berichtete mir aber nichtsdestoweniger über die Tat des jungen Wallisers, der Napoleon das Leben gerettet hat auf seinem Weg über den Grossen St. Bernhard. Der Aufmerksamkeit des einheimischen Maultiertreibers hat es die Welt in der Tat zu verdanken, dass der Korse auf dem Rücken des plötzlich bockbeinig gewordenen Tieres nicht in die wilde Dranse hinunter geschleudert worden ist, womit die neuere Geschichte Europas wesentlich einfacher ausgefallen wäre. Dass dem jungen Walliser kein Denkmal, ja nicht einmal eine bescheidene Gedenktafel errichtet wurde, lässt wohl darauf schliessen, dass man über die Opportunität seiner Hilfsbereitschaft geteilter Meinung sein kann. Zumal man gerade im Wallis keinen Grund hat, dem Bonaparte über seine legendäre Bedeutung hinaus viel Gutes nachzusagen. Als wir beide zu dieser im Sommer 1942 unter nüchternen Menschen verständlichen Feststellung gekommen waren, lagen die Dächer von Bourg bereits ziemlich tief unter uns. Mein Führer schaute noch einmal auf sein Dorf zurück und grüsste im stillen Frau und Kind, die er unter einem der steinernen Dächer geborgen wusste. Dann zogen wir kräftigen Schrittes ins Valsorey ein. Erst nach guten zwei Stunden wird das Steigen robuster und die Landschaft richtig hochalpin. In einem kurzen Couloir muss man zu den elementarsten Begriffen der Kletterkunst Zuflucht nehmen. Dann entdeckt man hoch oben das Gemäuer der Hütte, so hoch, dass man sich prompt ins spärliche Berggras wirft, um Kraft zu sammeln für den steilen Gang, der einem ohne Umschweife offenbart wird. Es wäre eine Vergewaltigung der Gut-gläubigkeit des Lesers, wenn ich ihm nun sagen würde, dass wir schneller, als wir es uns versahen, das Ziel erreichten.

Viereinhalb Stunden nach unserem Disput über den Napoleon traten wir über die Schwelle des kleinen Klubhauses. Welch wunderbarer Hock! Da steht einmal mächtig und nah der Mont Velan am südlichen Horizont, der Nachbar des Grand Combin, gewaltig wie aus Fels und Eis gegossen. Im Westen paradiert das ganze Gipfelmeer des Mont Blanc, dessen weisse Kuppe als der erhabene Thron Europas alles überragt, weit und breit. Unsere vereinten Geographiekenntnisse, die nicht nur aus der Schulstube stammen, sondern glücklicherweise auch die Ergebnisse eigener Strapazen sind, werden angesichts dieser Gipfelvielheit wieder einmal auf eine zünftige Probe gestellt. Die Mauer der Grandes Jorasses steht breit und dunkel, wie ein gewaltiges Ungetüm, vor dem weissen Berg. Sonderbar, dass dieser wuchtige Berg mich jedesmal, wenn die Augen ihn erspähen, in seinen Bann zieht, der aber nicht Verlangen, sondern Ehrfurcht und Bewunderung bedeutet. Seine Masse ist wohl zu gewaltig, sein Antlitz zu düster, als dass jene Sehnsucht erwachen könnte, die bergnahe Menschen angesichts eines schönen Gipfels befällt und die auf Erfüllung drängt.

In unmittelbarer Nähe der Hütte erhebt sich das Gemäuer unseres Berges. Nur die Karte verrät, dass das weisse Häubchen hoch oben am Grat der Gipfel des Grand Combin sein könnte. Der Berg kehrt dem Valsorey seine dunkle, felsige Südflanke zu, die nichts von der blitzblanken, formschönen Nordseite hat. Ein felsiges Bollwerk, weiter nichts. Diese Mauer ist der Combin de Valsorey, der westliche Eckpfeiler des dreigipfligen Massives, das gesamthaft als der Grand Combin bezeichnet wird. Mit dem Gefühl, dem Ziel des nächsten Tages schon ordentlich näher gekommen zu sein, legt man sich auf die Pritsche und schlummert schlecht und recht in einen andern Tag hinüber.

Als wir um 3 Uhr über die Schwelle des kleinen Hauses traten, warf die in vollem Glanze stehende Kugel des Mondes ihr mildes Licht verschwenderisch auf die Landschaft. Es wäre eine Herausforderung sondergleichen gewesen, wenn man versucht hätte, dem nächtlichen Gestirn mit der Laterne Konkurrenz zu machen. Die Gletscher drüben am Mont Velan flimmerten silbern und gaben der Landschaft aus Stein und Schnee Licht und Schönheit. Am Himmel kreuzten Sterne kreuz und quer durch das Wirrwarr des Lichtermeeres, in dem der gute Mond mit lachendem Gesicht seine Bahn zog. In solchen Bergnächten erwacht das feierlichherbe Bewusstsein, mit seinem Kameraden die ersten Schritte eines langen Ganges zu tun, von dem man trotz allem nie sicher weiss, was er uns bringt.

Von der Hütte geht, hüpft und stolpert man zuerst eine schwache Stunde lang über einen mit Blöcken und Geröll beladenen Hang bergan: das bei so vielen Hochtouren unumgängliche, reizlose und wenig unterhaltsame Präludium! Dann betritt man einen Firnbuckel, dessen Spalten der Nachtwächter am Himmel so hell beleuchtet, dass man ihnen rechtzeitig aus dem Wege gehen kann. Nach einem weiteren Aufstieg über grobes Abbruchmaterial des Berges erreichen wir in der Dämmerung den Fuss des eigentlichen Gipfelaufbaus, der sich im blassen Mondlicht nicht mehr als glatte Wand, sondern als eine Bastion von Türmen und Rissen offenbart. Die Pickel verschwinden im Rucksack, ein gemütliches Klettern nimmt seinen Anfang. Im Westen legt sich im Anschluss an die Dämmerung ein zarter Rosaflor auf das Gipfelmeer um den Mont Blanc, dessen weisses Haupt allen seinen Trabanten voraus den ersten Gruss des angebrochenen Tages erhalten hat. Jedesmal, wenn wir aus den Felsen heraus wieder einen Blick rückwärts werfen, strahlen ein paar Spitzen mehr im Licht der aufgegangenen Sonne, bis der rote Flor verschwunden und der richtige Tag auf den Bergen eingezogen ist. Ja, ein gemütliches Klettern ist 's, ein Emporklimmen, das keine Kniffe verlangt und bei dem man, auch wenn kein honorarpflichtiger Cicerone voranginge, nicht jeden Moment im Klubführer nachzusehen hätte, ob man nun links, rechts oder geradeaus muss. Man bekommt das bestimmte Gefühl, dass viele Wege auf den Combin de Valsorey führen und dass dieses und jenes Absätzchen, diese Rinne oder jenes Grätchen ganz gut am unteren Matterhorn sein könnten. Nur einmal muss ich den geneigten Leser bitten, etwas Mut zu fassen, wenn er uns auf dem vergnüglichen Gang weiter folgen will. Es gilt, einen tüchtigen Spreizschritt von etwas mehr als einem Meter zu machen, wobei der Meter von geringerer Bedeutung ist als das, was man überspringen muss, nämlich das Nichts. Der Führer tut das ruhig und elegant, sein Gefährte mit etwas geringerer Ruhe und Eleganz. Es ist eine alte Geschichte, dass solche Sprünge, bei denen nur die gähnende Leere an unserem anfänglichen Zögern schuld ist, den Nimbus des Aussergewöhnlichen schon beim zweitenmal vollständig verloren haben.

Nach etwa zweistündigem Klettern erreicht man eine schwach geneigte Terrasse, auf der noch ein paar Schneefetzen liegen. Über unseren Köpfen erhebt sich die letzte Stufe des Combin de Valsorey, dessen Signal nun von Zeit zu Zeit sichtbar wird. Nur langsam rückt es näher. Längst bevor wir es erreichen, dringt ein scharfes Zischen an unser Ohr. Es verrät, dass ein wilder Wind das kleine Holzgestell mit aller Gewalt aus seiner steinernen Verankerung herausheben will. So ist es denn auch keine Überraschung, dass wir gleichzeitig mit dem Schritt auf den Gipfel von einer orkanartigen Bise überfallen werden, die mich unwillkürlich nach dem zischenden Holz greifen lässt, in der Erkenntnis, dass dem stürmischen Wind allerhand zuzutrauen ist. Aber er will doch sein Opfer haben. Mit dem Griff nach dem Gipfelholz verlässt mein Berghut in wilder Überstürzung seinen rechtmässigen Besitzer, wirbelt hoch in die Luft und entschwindet in elegantem Flug gen Süden, nach Italien hinein, was für einen englischen Hut im Kriegssommer 1942 immerhin ein Toupet war.

Wir schreien uns zu, dass ein Verweilen auf der hehren Warte keinen Reiz habe und dass an eine sofortige Trennung vom gut verankerten trigonometrischen Holz gedacht werden müsse. Der höchste Gipfel, der Combin de Graffeneire, ist ja noch nicht erreicht. Bei ruhigem Wetter wäre es ein herrlicher, gemütlicher Gang über den weissen, mächtig verwächteten Buckel gewesen. So aber konnte weder von Herrlichkeit noch viel weniger von Gemütlichkeit die Rede sein. Und es ist denn auch das Geständnis am Platze, dass auf dem sublimen Höhenweg, angesichts der Pracht der Welt, die sich in allen Richtungen vor unsern Augen ausbreitete, das Herz kein bisschen in Entzücken geriet, sondern vielmehr der Verstand zu rebellieren drohte, wenn man zu den Häusern von Aosta oder zu der Hütte von Panossière, die beide warm in der Sonne lagen, hinunterschaute. Auf dem 4317 Meter hohen Gipfel gewann das Herz dann aber während fünf Minuten doch die Übermacht über die Vernunft. Es wurde dem bissigen Wind getrotzt und den Augen der Genuss gegönnt, auf den sie in den Bergen Anrecht haben. Das Prachtsstück der hundertfältigen Gipfelgalerie, die vom Monte Rosa bis ins Dauphiné und von den Gestaden des Genfersees bis tief ins Piemont und in die Lombardei hinein reicht, ist der Blick ins Mont Blanc-Revier. Das atmosphärische Element hätte noch unbändiger, die schneidende Kälte noch bissiger sein können — nichts hätte die unsterbliche Flamme des feu sacré zu den Bergen angesichts dieser Pracht zu löschen vermocht. An der Liebe zu den Bergen vermögen der Sturm und die Unbill des Wetters gelegentlich wohl zu rütteln; sie zu zertrümmern, wird ihnen aber nie gelingen.

Nach fünf Minuten treten wir den Abstieg an. Über gutbeschaffenen Schnee geht es in die Nordflanke des Berges hinein. Der östliche Gipfel, die Corne, wird umgangen, bis man plötzlich an einer steil abfallenden Wand, dem Mur de la Côte, steht. « Voici les difficultés », meint der Führer. Der Hang scheint auf den ersten Blick wohl steil, seine Überwindung aber nicht sonderlich schwierig zu sein, zumal der Schnee leicht gefroren ist, so dass ein sorgfältiges, allerdings ermüdendes Stufentreten genügt, um sicher abwärts zu kommen. Nach zwanzig Metern aber ändern sich die Dinge. Blankes Eis tritt zutage, und die Neigung wird noch grösser. Der Pickel kommt zu seinen Ehren. Eine gute halbe Stunde nimmt die Überwindung dieser heute wirklich heiklen Passage in Anspruch. Heikel deshalb, weil das Abwärtstraversieren eines steilen Eishanges das Schlagen verlässlicher Stufen ausserordentlich erschwert und hohe Anforderungen an das Gleichgewichtsgefühl des Vorangehenden stellt, zumal sich das Wändchen in eine unendlich scheinende Flucht von Firnfeldern verliert, über die man wie zwei Mehlsäcke hinunterkollern würde, wenn es die bösen Geister wollten. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn der Führer mit den Worten « ça y est » mit besonderer Wucht zum letzten Schlag ausholt.

In grossem Bogen schreitet man nun dem « Korridor » zu, dessen gewaltige Eisbastionen bald sichtbar werden. Man hat diesen Korridor in der alpinen Literatur auch schon die « Gasse des Todes » genannt. In den früheren Berichten hat sie auf jeden Fall einen recht schlechten Leumund. Dass die Begehung des Korridors immer, vor allem aber bei warmem Wetter, mit der Möglichkeit fallender Eismassen verbunden ist, darüber können die Meinungen nicht auseinander gehen. Schliesslich liegen genug Eisblöcke herum, die die allzu Sorglosen eines Bessern belehren. Es ist jedenfalls ebenso töricht, diese Gefahr minimisieren, wie sie übertreiben zu wollen. Sonderbarerweise wird in der alpinen Literatur immer nur über die Frage « gefährlich oder nicht » referiert und nie über die einzigartige Schönheit des Korridors am Grand Combin ein Wort verloren. Wie mit dem Messer gestochen ragen über unsern Köpfen die grünblauen Eisstöcke und gewaltigen Wände in den tiefblauen Himmel. Noch nie hat mir das weisse Element des Hochgebirges einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht. Es braucht für den, der in den Bergen die Schönheit sucht, ein beträchtliches Mass von Vernunft, wenn er da nicht von Zeit zu Zeit stille steht und seine Augen zu den riesigen Eisgebilden erhebt, die sich wie Gestalten einer anderen Welt aus ihrem felsigen Grund aufbäumen.

Eine Viertelstunde lang ist man im Korridor. Man hat damit die ganze Nordflanke des Berges von Osten nach Westen durchschritten und steht nun ziemlich geradlinig unter dem Combin de Valsorey, zu dessen unsichtbarem Gipfel sich ein schwach ausgeprägter Grat hinaufzieht. In diesem polar-haften Rahmen, angesichts der gewaltigen Eisreviere des Combin und mit dem Ausblick über den Col des Maisons Blanches zu den Bergen des Mont Blanc, machen wir Rast. Ungefähr an der gleichen Stelle haben 84 Jahre früher Gottlieb Studer und Nationalrat Bucher von Regensberg mit ihren drei Führern « die Proviantsäcke geöffnet, die erste Flasche Fullywein mit Wohlbehagen geleert und ein Körbchen mit Eiern zurückgelassen, die weniger zum Verspeisen als vielmehr zum Schutz der Haut vor dem Reflex des Sonnenlichts und der scharfen Luft hätten gebraucht werden sollen ». Wir sind acht Stunden unterwegs. Nach der auf der rechten Moräne des Glacier de Corbassière sichtbaren Hütte scheint es nur noch ein gemütlicher einstündiger Bummel zu sein. Es sind aber deren zweieinhalb geworden, obschon wir bisweilen ein Tempo anschlugen, dass die Gletscherflöhe nur so auseinander-stoben. Die Flucht vor der sengenden Mittagssonne wurde aber manchmal durch regelrechte Schleichgänge unterbrochen. Im Sommer 1942 zeigten die meisten grossen Gletscher dem Bergsteiger ihr übelstes Gesicht. Die geringen Schneemassen des vorangegangenen Winters und das warme und trockene Frühlingswetter hatten dazu geführt, dass sie schon früh im Sommer so ausgeapert waren, wie sonst erst spät im Herbst. Sie zeigten auf Schritt und Tritt ihre dunklen Schlünde, und die Brücken, die über sie führten, waren überall am Zusammenstürzen. Kaum glaubte man, aus einem Labyrinth herausgekrochen zu sein, so begann das Navigieren — il faut naviguer, sagen die welschen Führer — von neuem. Das Abtasten, das Hin und Her und das gegenseitige Sichern verschlang Viertelstunde um Viertelstunde. Erst unter dem Combin de Corbassière wurden die weissen Gefilde gutmütiger. Durch die Gletscherfurchen strömten kleine Bäche stürmisch talaus, so dass man bisweilen einen tüchtigen Sprung tun musste, um seinen Weg fortsetzen zu können. Fünf Stunden nach unserem Abmarsch vom Gipfel und zehneinhalb Stunden nach dem nächtlichen Aufbruch ennet dem Berg krabbelten wir über die Moräne unter der grossen Hütte von Panossière.

Der schöne Grand Combin lag im dunstigen Licht der Nachmittagssonne. Der gastfreundliche Hüttenwart hatte auf der kleinen Matte hinter seinem Haus eine Decke ausgebreitet, auf dass sich der Tourist ausruhe und sein hochalpines Mittagsschläfchen mache. Was ihm aber leider nicht vergönnt war, da eine kleine Gesellschaft laut und gewichtig über die hehren Belange des Berggehens, als die unserer Zeit so bitter notwendigen Gegenkräfte der Rücksichtslosigkeit, der Bequemlichkeit und des Sichbreitmachens konferierte. Ganz im Geiste ihres rhetorischen Exkurses liessen die berg-entzückten Bummler bald darauf den besagten müden und offensichtlich einzigen präsenten Berggänger eine gute Stunde lang auf seine simple Suppe warten, indem sie alle drei Löcher des Hüttenherdes für ein frugales, dreigängiges Abendessen mit Beschlag belegten — um sich dann plötzlich zu entschliessen, der guten, warmen Betten und des Eau courante wegen, eiligst dem Tal zuzustreben.

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