Festbericht

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über die XXI. Jahresversammlung vom 23.25. August 1884 in Altdorf.

Als sich im Jahr 1881 die Section Gotthard konstituirte und dieselbe die Ehre hatte, sich zum ersten Mal in der .grossen Rheinstadt, bei dem dortigen solennen Clubfeste, repräsentiren zu dürfen — da hätte auch dem kühnsten Stifter noch nicht von ferne die Möglichkeit eingeleuchtet, dass schon nach drei Jahren eine Generalversammlung des S.A.C. ihren Einzug am Gestade des Urnersees und den grünen Ufern der obern Reuß nehmen würde.

In der That schien es nach den Tagen von Basel, Neuenburg und Bern für jede andere Section kein geringes Unternehmen, einem Vivat sequens würdig nachzukommen. Besorgnisse dieser Art sind ohne Zweifel selbst bei grössern Sectionen, welche an der Tour sein mochten, geäussert worden; es hieße deßhalb an der Solidität der Section Gotthard zweifeln, wenn von ihrer Seite aus vorab eine Uebernahms-offerte gemacht worden wäre.

Es bedurfte aber auch eines gewaltigen Anstoßes seitens des Centralcomite und der Versicherung, daß man durchaus nur ein einfaches ländliches Fest wünsche, bis der Gotthard, der wie das Wappenthier des von ihm occupirten Kantons zuweilen seinen harten Kopf haben kann, sich mit dem Gedanken an ein eigenes Clubfest vertraut machen und einen bezüglichen Entschluss fassen durfte.

Im Vertrauen auf die Sympathie der Bevölkerung von Altdorf für acht schweizerische Feste und ermuthigt durch die in jeder Beziehung glückliche Wahl des Festpräsidenten in der Person des Herrn Ständerath und Landammann Muheim ward der grosse Wurf gewagt, und die Section Gotthard hatte es in der Folge nicht zu bereuen. Dank dem warmen Appell des Centralcomite an die Mitglieder des S.A.C. folgte eine große Anzahl derselben der Einladung der Section Gotthard; noch war der Festort am Vormittag des 23. August mit Anbringen der letzten Decorations-stücke beschäftigt, als auch die Clubisten von allen Seiten zu Schifi ', per Bahn eine nicht geringe Anzahl über die verschiedenen Gebirgspässe heranzogen.

Zwar hatte der Festort auch seine Feuer-, resp. Wasserprobe zu bestehen, indem am Abend des 22. August ein förmlicher Platzregen sich über denselben ergoß, welcher die Flaggen, Ornamente und Inschriften einer äußersten Soliditätsprobe unterstellte. Dank der besondern Gunst des Himmels waren aber die folgenden drei Festtage von einer sonnigen Klarheit, daß das Altdorfer Festwetter in Zukunft sprichwörtlich zu werden verdiente!

Den 23. von Mittags an war das Empfangscomité bereits in voller Thätigkeit, um die Festgäste auf den etwas entlegenen Ankunftsstationen Altdorf und Flüelen zu empfangen. Die Mühe war auch nicht umsonst, denn jeder Zug und jedes Schiff bereitete dem Qiiartiercomité neue Sorgen.

Um 2 Uhr sammelten sich die Delegirten im Land-rathssaal zur Erledigung einer längern Tractandenliste, welche dieselben bis zum Abend in Athem erhielt, und wo ziemlich folgenschwere Beschlüsse gefaßt wurden, wie das betreffende Protocoll ausweist.

Die allmälig angekommenen Gäste besichtigten inzwischen die Sehenswürdigkeiten von Altdorf, wobei ihnen weniger der zum unförmlichen Koloß heran-gegypste Wilhelm Teil ( eine Reliquie von einem längst verflossenen eidg. Musikfest in Zürich ), als die hübsche Rundsicht von der Höhe des Capuzinerklosters und der Waldegg imponirt haben mag.

Bei der auf Abends 8 Uhr angesetzten gemüthlichen Vereinigung im Adler, an der bereits über 150 Gäste Theil nahmen, bemühten sich das Cäcilien-orchester und der Männerchor Altdorf, die Feststimmung einzuleiten, was ihnen soweit gelang, daß die halbwegs erwartete, aber ausgebliebene, officiose Begrüßungsrede nicht stark vermißt wurde.

Der 24. August erfreute den Festort mit unverminderter sonniger Klarheit und ließ die pittoreske Umgebung desselben im schönsten Licht erscheinen. Da des Gottesdienstes wegen der Beginn der Generalversammlung auf 10 Uhr angesetzt war, so hatten die Festgäste vollauf Zeit, die zahlreichen Decorationen, zu deren Anfertigung die Frauenwelt von Altdorf eine volle Woche hindurch hülfreiche Hand geliehen, namentlich die hübsch construirten Ehrenpforten und die vielen Inschriften, zu betrachten.

Bis zum Beginn der Generalversammlung wuchs die Zahl der Festbesucher auf 230 an. Vertreten war der S.A.C. durch 27 Sectionen, wozu Uto, Diablerets und Genf das größte Contingent lieferten. Aber auch auswärtige Clubs hatten ihre Vertreter gesandt. Unter Letztern that sich hervor der Club alpin beige durch Abordnung von 7 Mitgliedern. Officiell vertreten waren auch der Deutsch - österreichische Alpenverein und der Italienische Alpenclub.

Bei der von 10 bis 1 Uhr abgehaltenen Generalversammlung im Gemeindehaussaal, der zugleich als Theater eingerichtet ist, bot sich das gewiß seltene Schauspiel, daß die Vorsitzenden sich auf einer rieh- tigen Bühne mit malerischem Waldhintergrund präsentirten. Noth kennt eben kein Gebot.

Der sonst auf den Tractanden der Generalversammlungen figurirende „ wissenschaftliche Vortrag ", um welchen die Section Gotthard bei verschiedenen gelehrten Herren vergeblich angeklopft, fehlte diesmal, ward indessen zur Genugthuung der Mitglieder des Gotthard reichlich ersetzt durch den interessanten, fesselnden Vortrag des Festpräsidenten, Herr Ständerath Muheim, über die urnerischen Pionnière des S.A.C.

Nach Schluß der übrigen ziemlich summarisch abgewandelten Tractanden verfügten sich die Gäste nach dem altrenommirten Gasthof zum Schlüssel, wo gemäß Programm das Hauptbanquett um halb 1 Uhr beginnen sollte, welcher Termin jedoch schon um eine halbe Stunde überschritten war, woraus sich die rasche Behandlung der Tractanden resp. einmüthige Zustimmung zu den Beschlüssen der Delegirtenversammlung erklären läßt.

Wohl selten faßte der Schlüsselsaal mit anstoßenden Dependenzen so viele Gäste, und es ist ein wahres Wunder zu nennen, daß die mit den Ehrengästen auf 240 Mann angewachsene Theilnehmerzahl Platz finden konnte. Freilich mußte eine Section von 60 Mann mit dem nebengelegenen Gastzimmer sich begnügen, während eine muntere Gruppe von Zürchern und Urnern auf der zu dem Garten führenden Terrasse campirte, in welchem die in der Folge als sehr tüchtig anerkannte Stanser Feldmusik ihre kräftigen Weisen ertönen ließ, die sich im Saale in angenehmem Piano anhörten und in Verbindung mit der delicaten Küche und dem feurigen Italiener die Festwogen in Fluß brachten, wobei die zahlreichen Toaste begeisterte Aufnahme fanden.

Leider erregte der Umstand, daß keine halben Festkarten ausgegeben wurden, die Unzufriedenheit einiger Mitglieder der Sectionen Pilatus und Winter- thür; es sei ihnen an dieser Stelle unsere Entschuldigung für dieses Versehen in der Festorganisation dargebracht.

Um halb 5 Uhr sammelten sich die Clubisten zum Spaziergang nach der Burgruine Attinghausen, jener klassischen Stätte, wo nach der Schiller'schen Version der sterbende Freiherr den jungen Eidgenossen mit den letzten Worten „ Einigkeit " empfahl. Ein ländliches Picnic mit anschließendem Bal champêtre verschönte daselbst den Hauptfesttag, welcher seinen Beschluß theils in dem lampionbeleuchteten Schützen-garten, theils wegen dortigen Platzmangels in den verschiedenen festlich decorirten Hotels fand.

Am dritten Festtag, welcher eifrigen Clubisten, welche ihre Leistungsfähigkeit auch thatkräftig beweisen wollen, als besonderer Ehrentag gilt, beschien die Morgensonne eine ansehnliche Schaar von über 150 Touristen auf der sonst nicht so stark frequentirten Station Altdorf. In Zeit von einer halben Stunde brachte ein Extrazug der Gotthardbahn dieselbe nach Amsteg, von wo aus die Besteigung des in clubistischen Werken bis jetzt unbekannten Frenschen-berges erfolgen sollte. Der Aufstieg begann direct von den Waggons aus über einen anfangs steinigen, schmalen Fußsteig, Mann hinter Mann, und bewegte sich längs der steilen, rechtseitigen Thalwand an der Ausmündung des Maderanerthales. In einer halben Stunde waren die ersten Berggüter, welche den Namen des Excursionszieles ebenfalls tragen, erreicht, und in einer weitern kleinen Viertelstunde der durch einen an langer Stange flatternden Wimpel weithin sichtbar gemachte Kendez-vous-Platz. Derselbe bildet den südwestlichen Fuß der kleinen Windgelle und tritt gewissermaßen bastionartig zwischen dem Reußthal und Maderanerthal vor, so daß man eine überraschende Aussicht in die verschieden gestalteten Thalschaften der obern und untern Reuß, des vordem 51 ( 3Chronique.

Maderanerthales und zum Theil auch des Etzlithales genießt. In dem Rundpanorama, welches nach Osten und Süden durch die nahe herantretenden Kolosse der Windgelle und des Bristen abgeschlossen ist, machen sich besonders bemerklich im Südosten die Oberalpstockgruppe mit dem Weitenalpstock, im Südwesten die Spitz- und Lochbergkette, die Fleckistock-gruppe mit dem Kartigel und Rohrfirn, leider wird die malerische Gebirgskette ob dem Erstfelderthal durch den vortretenden Arniberg gedeckt, so daß nur noch der Riedbergstock rechts hervortritt, naeh Nordwesten und Norden vollenden der Gitschen, der Seelisbergerkulm, die Hochfluh, der Bälmeten- und der Rinder-oder Seewlistock das malerische Bild, welches ein dankbares Object für Künstler und Hochgebirgsphotographen abgeben dürfte.

Die lockende Aussicht fand in der Folge auch in mehreren schwungvollen Reden die gebührende Anerkennung, welche letztere sich auch auf den saftigen Schinken des bescheidenen Lunch ausdehnte, welchen Zacharias Zurfluh von Amsteg mit kundiger Hand direct vom Stück zutheilte.

Nach zweistündigem Aufenthalt in dieser herrlichen Naturkneipe erfolgte der Rückmarsch in entgegengesetzter Richtung über die neue eiserne Wehrestutz-brücke via Bristen nach Amsteg, nicht ohne dem durch Osenbrüggen populär gewordenen „ Bristner Heer " und seiner freundlichen Schwabenköchin eine Anstands-visite abzustatten, welche, wie wir später vernahmen, eine völlige Trockenlegung des geistlichen Kellers zur Folge hatte.

Der Schluß des Festprogrammes erlitt von da an eine wesentliche Abänderung, indem das Schlußdiner von Amsteg nach Flüelen in den Urnerhof verlegt worden war, wohin man mit dem bereitstehenden Extrazug in kurzer Zeit ( ca. halb 1 Uhr ) gelangte. Auch dort war die Frequenz noch sehr stark, doch mußten von den 170 Theilnehmern nur wenige deplacirt werden. Unserm jetzigen Mitgliede Hrn. Louis Bein gelang es, trotzdem das Arrangement in letzter Stunde getroffen wurde, den Gästen culinarisch zu imponiren, so daß die Feststimmung bis zum letzten Augenblick aufrecht erhalten blieb und in den Abschiedstoasten begeisterten Ausdruck fand.

Von 3 Uhr an entführten Schiff und Dampfroß das Gros der Clubisten, und nur eine kleine Zahl fand sich mit einigen lobenswerth ausdauernden Mitgliedern des Centralcomités zur geselligen Unterhaltung im Löwen ein, die mit einem Rundgesang und einigen Worten des Herrn Präsidenten schloß.

Mit dem vierten Tage zog der Himmel andere Saiten auf, so daß eine Anzahl geplanter Hochtouren, durch welche uns noch mancher liebe Clubgenosse für einige Tage erhalten geblieben wäre, ins Wasser fielen. Auch in anderer Richtung erfüllte sich die Wahrheit, daß auf Erden keine Freude vollkommen sein kann:

Gerade bei Beginn des Festes, am Empfangsabend, starb nach längerer Krankheit der Kassier der Section Gotthard, Herr Rathsherr Karl Müller-Jauch, gewesener Delegirter in Bern, ein um das Gedeihen der Section sehr verdientes Mitglied, dessen Sarg seine Collegen am Dienstag Vormittag trauernd folgten. Sei ihm daher an dieser Stelle eine Erinnerungspalme gewidmet!

Der Festsecretär: A. Millier, Kantonsförster.

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