Francis Gribble : The Early Mountaineers

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From the Alps to the Andes by Mattias Zurbriggen,

London, T. Fisher Unwin, 1899. Price 10 s., 6 d.

The Climbs of Norman-Neruda, edited by May Norman-Neruda. London, T. Fisher Unwin, 1899. Price 21 8.

Der sehr rührige Verleger der Climbers'guides hat in den letzten Jahren eine immer steigende Anzahl alpiner Publikationen unternommen, welche die Aufmerksamkeit auch des festländischen Lesers auf das entschiedenste verdienen. Ich greife von den 1899 erschienenen drei heraus, die ich kurz charakterisieren will, alles weitere der Lektüre selbst überlassend. Mr. Gribble, bisher nur als Novellist bekannt, hat es, wie er selbst sagt, „ gewagt ", dem großen Publikum eine Übersicht über die ältere Besteigungsgeschichte der europäischen Alpen mit Einschluß der Pyrenäen und des Apennin zu geben und darin sowohl die Besteigungen als die Lebensläufe dieser Vorgänger der heutigen Bergsteiger und Alpenforscher zu erzählen, und zwar die erstem möglichst mit den Worten der Helden selbst oder wenigstens der ersten Berichterstatter. Er beginnt mit Noahs Landung auf dem Ararat und geht bis zu Mlle d' Angeville's Mont Blanc-Besteigung, und verweilt auf dieser langen Wanderung bei folgenden interessanten Punkten länger: Ersteigung des Hämus durch Philipp V. von Macedonien, die ältesten Ersteigungen der Roche Melon, die Ersteigung des Pic Canigou durch Peter III. von Aragonien, des Mont Ventoux durch Petrarca, des Monboso durch Leonardo da Vinci, des Mont Aiguille durch Dompjulian de Beaupré, des Stockhorns durch Rhellican, des Pilatus durch Vadian und Conrad Gesner, die Schriften von Josias Simler, die Reisen von J. J. Scheuchzer, die Expeditionen von Windham und Pococke und von P. Martel nach Chamonix, André de Lucs Besteigungen des Buet, die Besteigung des Mont Vélan durch Murith, die Reisen und Schriften Burrits, die Ersteigung des Mont Blanc durch Balmat und Dr. Paccard, P. Placidus a Spescha als Pionier der Tödigruppe, die Pioniere des Monte Rosa, des Berner Oberlandes, des Tirols ( Ortler und Großglockner ), Ersteigung des Pic du Midi ( Pyrenäen ) durch M. de Candale, Erforschung der Pyrenäen durch Raymond de Carbonnières, Ersteigung des Gran Sasso d' Italia durch Orazio Delfico, die ersten weiblichen Mont Blanc-Besteiger Marie Paradis und Henriette d' Angeville und endlich zwei Unglücksfälle, der Tod Eschens am Buet und Eschers am Col de Balme. In 13 Anhängen werden die wichtigsten im Text in Übersetzung gegebenen Erzählungen in den Originalsprachen beigefügt. Illustriert ist das Werk durch 48 Bilder, Porträte, Veduten, Karten etc. nach alten Stichen und Holzschnitten. Man sieht, daß Verfasser und Verleger sich große Mühe gegeben haben, recht Interessantes und Originelles zu bringen, und selbst Leser, welche die Originale der benutzten Schriften kennen, werden für die Zusammenstellung und namentlich den Abdruck der zum Teil seltenen Broschüren dankbar sein müssen. Dagegen kann ich nicht verschweigen, daß die Kenntnisse Mr. Gribbles in alpiner Litteratur und Historie und sein Sachverständnis für die von ihm behandelten Schriften gering sind. Er macht gelegentlich unglaubliche Schnitzer, ein Beispiel wird genügen. Von Rhellicanus sagt er pag. 38: „ Von diesem Johann Müller ist sehr wenig bekannt, außer daß er Professor bonarum litterarum an der Universität Bern war. " Auch Gesner und Scheuchzer werden als Professoren an der Universität Zürich bezeichnet, und Mr. Gribble, der einen Zahn auf Universitätsprofessoren zu haben scheint, benutzt diese Bezeichnung zu Witzen. Überhaupt bietet ihm sein Thema mehr Gelegenheit zu Witzen, als man erwarten sollte, und er opfert diesem Gelüste oft sogar den guten Geschmack, so in der Darstellung des Unglücksfalls Eschers. Es wäre der Sache dienlicher gewesen, wenn Mr. Gribble über mehrere von ihm besprochene „ Legenden ", so die Monboso-, die Pilatus-, die Balmatlegende und andere Schilderungen die vorhandene Litteratur ausgiebiger und mit Kritik benutzt hätte. Aufgefallen ist mir, daß, neben Geringeren, von Saussure kaum, von Aretius gar nicht die Rede ist, und daß auch die erste Ersteigung der Dent du Midi unerwähnt bleibt. Am besten gefallen haben mir die Kapitel über Mlle d' Angeville und Bourrit. Das große Publikum, für welches das Werk bestimmt ist, wird an dem Buche und dessen Bildern gewiß, trotz der gerügten Mängel, Freude und Nutzen haben, aber dem Kenner muß es leid thun, daß der schöne Stoff doch vielleicht nicht in die Hände des rechten Bildners geraten ist.

Das nämliche läßt sich nun nicht sagen von den zwei andern Werken. Mattias Zurbriggen erzählt seine Lebensgeschichte und seine Fahrten selbst mit überraschendem Talent für einen ungeschulten Bauern und Führer. Wieviel an Stilverbesserung die Übersetzung ins Englische aus dem italienischen Original gethan hat, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis, und auch sachliche Verbesserungen scheinen vorgenommen zu sein, aber die Gedanken sind unverkennbar Zurbriggens geistiges Eigentum, und hier erkennt man doch, wie sehr Reisen, Aufenthalt in fremden Ländern von früher Jugend an und später der beständige Verkehr mit der Hochgebirgsnatur den Horizont eines „ Ungebildeten " erweitern kann. Der Mann wird in seiner Erzählung, die bei großer Schlicht- heit und einer gewissen in der Sache liegenden Einförmigkeit doch gut unterhält, so warm und zeigt ein so reges Naturempfinden, daß er nicht nur Bewunderung, sondern auch Sympathie erweckt. Selbst sein großes Selbstgefühl wirkt nicht verletzend, weil es so köstlich naiv ausgedrückt ist und man es schließlich dem Mann, der den Weltrecord der größten erreichten Bergeshöhe hat, nicht übel nehmen darf, wenn er etwas auf sich hält. In dieser Beziehung wird übrigens der Titel des Buches, den wohl der Verleger gewählt hat, dem Autor nicht einmal gerecht, denn nicht nur von den Alpen und den Anden, das heißt von deren höchsten Gipfeln und ihrer Ersteigung ist die Rede, sondern auch von zwei Reisen in das Hochgebirge Neuseelands und von zweien in die Himalayas. Über drei von diesen vier Reisen haben wir parallele Berichte der Herrschaften, denen Zurbriggen als Führer diente, und es spricht für seine schlichte Wahrhaftigkeit, daß ich nirgends einen wesentlichen Unterschied in der Darstellung und der Wertung von Zurbriggens Leistung gefunden habe. Sehr hübsch zu lesen ist das erste Kapitel: Die ersten 24 Jahre meines Lebens und das dritte: Matterhorn und einige Bemerkungen über Bergsteigen, mit seiner köstlichen Anekdote über die Behandlung störrischer Reisender, die mich an eine ähnliche Geschichte von Alexander Burgener erinnert hat. Auch Kapitel 15: Schlußfolgerungen mit dem Vergleich der von Z. besuchten Länder in bergsteigerischer und ästhetischer Hinsicht ist recht interessant und durchaus originell gedacht und geschrieben. Das Buch enthält viele sehr hübsche Illustrationen, die allerdings zum Teil aus Sir Martin Conways und Mr. Fitz Geralds Publikationen reproduziert sind. Ärzte und Physiologen werden mit Interesse auf pag. 126 und 127 die von Professor Mosso aufgenommenen ergographischen und respiratorischen Kurven Zurbriggens ansehen.

Im litterarischen Sinne noch wertvoller ist das hinterlassene Werk Norman-Nerudas. Mrs. May N. N. hat, wie sie in der Vorrede gesagt, nur einen Plan des Verstorbenen ausgeführt, indem sie aus seinen Papieren diese Aufsätze zusammenstellte und mit einem Einleitungskapitel versah: The last climb betitelt, in welchem der Tod dieses Bergsteigers in seiner erschütternden Tragik und die Geschichte der Bergung des Verunglückten in ihrem schlichten Heroismus erzählt wird. Der Text ist, wie die Herausgeberin versichert, genau nach der Form, wie sich die Aufsätze in den Tagebüchern und Notizen des Verstorbenen fanden, wiedergegeben, ohne irgend welchen Anspruch auf litterarische Form. Ich finde, daß ihnen das durchaus nicht geschadet hat, im Gegenteil, die Darstellung ist von einer Ursprünglichkeit und Frische, welche den Leser wohlthuend berührt, namentlich heutzutage, wo man in der alpinen Litteratur so viel „ Eingemachtes " zu kosten bekommt. Hier ist alles erlebt und die Aufsätze, die man etwa deutsch in der Zeitschrift des D. Ö.A.V. oder in der Österreichischen Alpenzeitung gelesen hat, muten in der englischen Fassung wie Originale an. Die geschilderten Gegenden sind nicht so exotisch und meergetrennt wie in Zurbriggens Buch; Normans Sehnsucht, eine Himalayareise zu machen, sollte nicht in Erfüllung gehen, aber für Abwechslung ist doch gesorgt, wenn neben dem Lyskamm von Norden,

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