Geld und Gut

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Fremdenindustrie. Handwerker. Hausindustrie. Asbestgewinnung.

Höhere Berufe. Auswanderung. Vermögen. Landpreise. Grundschulden.

Bodenzerstückelung. Landpacht.

Die Haupteinnahme der Sonnenberger und bei vielen die einzige Einnahmequelle liefert der Viehstand. Bei den weniger Bemittelten ist diese jedoch nicht hinreichend zum Leben. Sie sind deshalb auf einen Nebenerwerb angewiesen. Vor dem Weltkrieg gingen viele im Sommer als Hotelangestellte an die Fremdenplätze, besonders nach Zermatt. Mancher hat dort Geld verdient und sein Glück gemacht. Von Törbel allein waren gegen hundert Personen auswärts, darunter solche, die 20-40 und mehr Sommer in Zermatt im Dienste waren. Verhältnismässig noch grösser war früher in Zeneggen im Sommer die Abwanderung. Pfarrer F. Lagger berichtet, dass in dem Notjahr 1893 sechzig Personen von Zeneggen in Sommerstellen in Zermatt, in Goms, in Simpeln u.a. O. waren, so dass an Sonntagen oft kaum 20 Mann zum « Amt » kamen. Einige gingen als Bergführer, andere als Säumer, Sennen oder Hirten. In Zermatt waren früher fast auf jeder Alp Törbler Sennen. Es gibt in Törbel heute noch alleinstehende Männer, die ihr Land verpachten, seit Jahren in die gleiche Sommerstelle gehen, im Winter aber jeweilen wieder in ihre Stube zurückkehren und von dem Erwerb des Sommers und dem Zins ihres Landes gut leben. Diejenigen, die verheiratet sind, überlassen die Bearbeitung und Nutzung des Landes den zu Hause zurückbleibenden Weibern und Kindern.

F. G. Siebter.

Ausser den einheimischen Schustern und Schneidern, Zimmerleuten und Schreinern gibt es sozusagen keine eigentlichen Handwerker, die das Handwerk als Hauptberuf treiben. Viele Bauern schustern selbst und auch im Schreinern, Wagnern und Korben hat es mancher zu grosser Fertigkeit gebracht. Man findet unter den Bauern wahre Genies. Im Winter, wenn die Arbeit in Feld und Wald ruht, liegen sie diesen Liebhaberarbeiten ob. Ich sah prächtige Möbel, Bilderrahmen, Körbchen und andere Geräte, welche die Bauern selbst verfertigt hatten. Auch Arbeiten in Eisen und Blech machen einzelne selbst, sie schmieden, nieten und löten. Ein Stelzfuss, dem sein von einer Anstalt geliefertes Bein nicht solide genug war, konstruierte sich selbst ein künstliches Glied, mit welchem er nun schon seit Jahren den rauhen, stundenweiten Weg von seinem Hause bis in die Voralp zurücklegt. In neuerer Zeit gehen viele Leute auf die Arbeit zu den Melio-rationsarbeiten im Rhonetal, in Bergwerke, an im Bau begriffene Kraftwerke, an Eisenbahnen, seltener in Fabriken. Sie ziehen die Arbeit im Freien jener in Fabriken vor. Einige, die es in einem bestimmten Berufe ( Schreiner, Schmied, Schlosser etc. ) zu einer Fertigkeit gebracht, gehen als Handwerker in die Fremde. In Zeneggen waren zwei Jahre lang während des Krieges 60-70 Mann für die Glarner Eternit-werke in den Bergflachsgruben ( Fig. 91 ) unterhalb des Dorfes beschäftigt und verdienten so monatlich Fr. 10,000—12,000. Nach Schluss des Krieges wurde der Bergflachs ( Asbest ) jedoch wieder aus dem Auslande bezogen, die Einnahme hat aufgehört, und das Geld geht ausser Landes. Es wäre eine verdienstliche Aufgabe der Industrie, wenn dieser Erwerbszweig wieder neu belebt werden könnte, denn jede Förderung des Erwerbes an Ort und Stelle verhindert die Entvölkerung der Berge, die stetig zunimmt. Die Bergbewohner wären mit einem bescheidenen Lohn zufrieden, und die Gruben sind leicht wieder in Betrieb zu bringen. An etwa 20 verschiedenen Stellen tritt in Zeneggen der Asbest zutage. Er war schon von Alters her bekannt, und der 87jährige Peter Imesch erzählte, dass er schon als Knabe, als er die Schafe hütete, den Hut mit Bergflachsfasern geschmückt habe. Der Asbest findet sich meist in den Adern und Klüften des Serpentins.

Die Wenigen, die sich höhern Studien gewidmet haben, sind meist katholische Geistliche geworden. Törbel allein soll schon 28 Geistliche hervorgebracht haben; noch mehr seien es in Saas. Naz Kalbermatten belehrte mich, dass die Saaser diesem Umstand ihren Wohlstand zu verdanken hätten. Viele Familien setzen ihren Stolz darauf, einen Sohn geistlich werden zu lassen. Zurzeit hat Törbel acht lebende Geistliche, die alle auswärts wirken: in Birchen, in St. Niklaus, Turtmann, Sitten, Brig, Täsch, Mund und Nax. Von weltlichen Berufen sind zwei Die Vispertaler Sonnenberge.

Ingenieure und ein Jurist ( Nationalrat Petrig in Brig, zurzeit Präsident der Sektion Monte Rosa des S.A.C. ) hervorzuheben. Stark ist die Auswanderung nach Amerika. Das Geschlecht Im Winkelried in Zeneggen ist vollständig nach Amerika gezogen.

Das Vermögen der Bergbewohner liegt zumeist im Grund und Boden. Es gibt solche, die Grundbesitz im Verkehrswert von 100,000 Franken haben. Allerdings ist der Preis des Landes sehr hoch, wie allgemein in den Alpengegenden. In Zeneggen bezahlt man für das Klafter ( 36 Quadratfuss =11,! m2 ) für mittlern Boden Fr. 5-10. Demnach käme die Jucharte ( =3600 m2 ) auf Fr. 5500-11,000 zu stehen, während der Preis für gutes Land in der Ebene nur Fr. 2000-3000 per Jucharte beträgt. Ein Baumgarten ist daselbst sogar zu Fr. 25 das Klafter ( Fr. 27,500 die Jucharte ) verkauft worden, wofür man in der äussern Schweiz ein ganzes Bauerngütchen kaufen könnte. Noch höher sind die Landpreise in Törbel. Für eine bewässerbare, gute Wiese zahlt man hier allgemein für das Klafter Fr. 40, für günstig gelegene sogar bis Fr. 50 ( Fr. 44,000-55,000 die Jucharte ). Mir ist keine andere Gegend in der Schweiz bekannt, wo der Preis für das Kulturland auch nur annähernd so hoch ist. Und doch ist der Landhunger in Törbel so gross, dass stets Nachfrage vorhanden ist; allerdings sind die Grundstücke meist klein. Schon S. Furrer erzählt, dass es im Oberwallis begüterte Bauern gebe, die all ihr erübrigtes Geld zusammensparen, bis sich eine Gelegen- heit darbietet, dass sie ein schicklich gelegenes Grundstück kaufen können. Ein Bauer in Törbel kaufte letztes Jahr eine nicht sonderlich gute Wiese von 100 Klaftern zum Preise von Fr. 3700 ( entsprechend zirka Fr. 40,000 für die Jucharte ). Infolge der Krisis in der Landwirtschaft sind die Landpreise seit 1921 auch in Törbel merklich zurückgegangen. Immerhin gilt das Klafter heute noch bis 25 Franken. Es ist selbstverständlich, dass das Land keinen so hohen Ertrag abwirft, als dem Zins dieses Kapitals entspricht, ein Beweis, dass die Mutter Erde auf den Bergbewohner eine höhere Anziehungskraft hat als das bare Geld. Eine Folge dieser übertriebenen Landpreise ist, dass hier und da ein Landbewohner sein Land zu diesem Preise verkauft und sich anderswo, wo man billigem Boden hat, ansiedelt. So sind einige Bauern von den Bergen an den Brigerberg, ins Luzernerbiet und anderswohin gezogen.

Wenn der Preis für das Land nicht sofort bezahlt werden kann, so borgt der Käufer vorübergehend das Fehlende gegen ein einfaches Zinsversprechen bei einem Nachbarn. Grundschulden machen die Bauern wegen den hohen Abgaben nicht gerne. Die grössten Kapitalisten sind in der Regel die Kirche und die Geteilschaften. Früher wurde über das ausgeliehene Geld auf Tesslen Buch geführt ( Fig. 92 ).

Das private Land ist, wie allgemein im Wallis, stark zerstückelt. Nach dem Code Napoleons können die Erben von den Grundstücken einen entsprechenden Teil beanspruchen. So entstand im Laufe der Zeit eine unglaubliche Zerstückelung. Als der 94 Jahre alte Valentin Zurschmitten in Zeneggen starb, wurde die ob dem Hause liegende Wiese unter den sechs Kindern in sechs schmale Streifen verteilt — zu klein zum Leben, zu gross zum Sterben. Die Erben verkauften das Land und zogen nach auswärts, das Haus zerfiel, und die Familie ist in der Gemeinde erloschen. Es gibt Grundstücke, die nicht grösser sind als der Raum einer Stube. Selbstverständlich wird der Betrieb dadurch erschwert, namentlich, wenn es sich um ein Grundstück handelt, das bewässert werden muss. Es sollte nach Mitteln gesucht werden, diesen Krebsschaden auszumerzen. Das wenige Land, das verpachtet wird, wird meist nur stückweise auf ein Jahr in Lehen gegeben. Allgemein ist die Halbpacht. Als Pachtschilling erhält der Besitzer bei Wiesen 3/4, bei Äckern und Reben ½ der Ernte. Man bezeichnet dies als « Raubleh » ( Raublehen ). Der Pächter legt das Heu in die dem Verpächter zustehende Scheune und füttert es daselbst auf. Der Verpächter verkauft seinen Teil ebenfalls zum Auffüttern an Ort und Stelle. Ein Klafter ( 5,83 m3 ) Heu galt 1919/20 in Törbel Fr. 150—160, vor dem Krieg wurde nur Fr. 30^40 bezahlt. Das Korn, die Kartoffeln und den Wein verwenden Pächter und Verpächter meist selbst. Nur bei Verpächtern, die keinen eigenen Haushalt führen, z.B. bei Waisen, wird der Pachtzins in Geld entrichtet.

Die Visperlaler Sonnenberge.

Feedback