Heilige Berge

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Von Karl Kleine.

Der Bergsteiger wandert in sternklarer Nacht höhenwärts. Seine Gedanken verlieren sich in der Unendlichkeit des Himmels. Die Nacht entschwindet, die Wolken röten sich, hinter dem Grat steigt die Sonne siegreich empor. Der Wanderer steht auf dem Gipfel und schaut in die weite Ferne. Er ist dem Himmel nah und hoch über dem Dunst und Staub der Täler. Sein Herz wird ergriffen, seine Seele betet, er ahnt die Ewigkeit.

Der Bergsteiger ist wieder unten im Tal. Mitten in der Arbeit sieht er ein leuchtendes Bild der verlassenen Höhen: Vielleicht ist es eine Blumenwiese, vielleicht ein Tier des Grates oder der Lüfte, vielleicht ein Blick in weite Fernen mit hohen Bergen und weissen Wolken. Oder es ist ein stiller Bergsee, eine zauberhafte Mondnacht oder ein treuer Kamerad, der ihn einst am Seil gehalten. Und das schöne Bild steht vor seinem Auge, liebkost und beruhigt ihn. Er spürt den Atem der Berge und flüstert: « Ich kehre wieder... » Der Bergsteiger schaut zurück auf das Vergangene, und wie ein glänzender Stern steht über seinem Leben das, was ihm die Berge gegeben haben. Er lustwandelt jetzt im Paradies der Erinnerung. Ihre Leuchtkraft mehrt sich von Jahr zu Jahr.

Und wenn ihn auf dem letzten Gipfel die Sonne zum letztenmal grüsst, dann wird er durch ein blaues Tor in die unendliche, lichte Ferne schreiten...

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